Advertisement

„Nachhaltige Entwicklung“: Zur Karriere eines Schlagworts

  • Uwe H. Bittlingmayer

Zusammenfassung

Das Konzept einer „nachhaltigen Entwicklung“ hat seit 1980 eine „erstaunliche Karriere“ (Renn/Kastenholz 1996: 86) durchlaufen.2 1987 greift der Abschluß-bericht der Kommission der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung unter Leitung der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland den Begriff auf und stellt ihn als normativen Filter in das Zentrum der Ausfüh-rungen. „Nachhaltige Entwicklung“ wird hier definiert als diejenige „Entwick-lung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künf-tige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ (Hauff 1987: 46)3 1992 schließlich beherrscht dieses Konzept die zweite Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro. Das Kon-zept der Nachhaltigkeit wird zur Leitidee, die von allen anwesenden National-staaten als verbindlich akzeptiert wird. Es wird ein Umsetzungsprogramm, die Agenda 21, konzipiert, das die globalen Probleme der Erde lösen und diese auf das 21. Jahrhundert vorbereiten soll. Seither ist kaum eine politische Institution, sei es auf der lokalen oder auf der supranationalen Ebene, unberührt, kaum eine Nichtregierungsorganisation stumm geblieben und kaum eine wissenschaftliche Disziplin von dem ‘Nachhaltigkeitsparadigma’ verschont worden. Selbst große Industrieunternehmen wie Siemens oder Daimler-Chrysler verpflichten sich mittlerweile ‘freiwillig’, Kriterien der Nachhaltigkeit mit einzubeziehen. (Vgl. Weiland 1996: 2; Hennicke 1998: 7))

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 2.
    In diesem Jahr tauchte der Begriff nachhaltige Entwicklung erstmals in der von der Internatio-nal Union for the Conservation of Nature veröffentlichten Studie ‘World Conservation Strategy’ auf.Google Scholar
  2. 3.
    Für weitere Defiinitionsversuche vgl. Knaus/Renn 1998: 31.Google Scholar
  3. 5.
    Wenn bei bereits bestehender Überlastung der Umwelt mehr Ressourcen und Güter verteilt werden, um mehr Verteilungsgerechtigkeit herzustellen, wird die Umwelt stärker belastet; um-gekehrt ist die Forderung nach Erhalt der Umwelt gerade in ökonomisch deprivierten Gebieten mit einer Verschärfung der ökonomischen Situation der Betroffenen verbunden. (Vgl. Sachs 1997: 98 sowie umfassender Sachs 1995)Google Scholar
  4. 6.
    Zwar wird in der Agenda 21, dem Umsetzungsprogramm der Vereinten Nationen, darauf hin-gewiesen, daß „die Hauptursache für die allmähliche Zerstörung der globalen Umwelt in den nicht nachhaltigen Verbrauchs- und Produktionsmustern — insbesondere in den Industrielän-dern“ (Agenda 21: 22) zu finden ist und Umweltbelastungen durch übermäßigen Konsum wie auch durch fehlende Grundbedürfnisbefriedigung der armen Bevölkerung gleichermaßen zu re-duzieren sind, doch stehen wie schon im Brundtland-Report diese beiden Stränge unvermittelt nebeneinander. Die Ziele. Handlungsgrundlagen und Maßnahmen zur Veränderung der Konsumgewohnheiten kommen über Verweise auf eine effizientere Nutzung von Ressourcen im Norden und entsprechendem Technologietransfer in den Süden nicht hinaus. (Vgl. ebd.: 22–25)Google Scholar
  5. 7.
    In einer kürzlich erschienenen Untersuchung arbeitet Ulrich Schachtschneider anhand der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ und der beiden Umweltgutachten von 1994 und 1996 des Sachverständigenrates für Umweltfragen eine Reihe von Inkonsistenzen in Hinblick auf die anvisierte Produktionsweise, dem angestrebten Regionalisierungsgad und der politischen Regulierung heraus, ohne allerdings aus seinen Ergebnissen weitere Konsequenzen anzudenken. (Vgl. Schachtschneider 1999)Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Uwe H. Bittlingmayer

There are no affiliations available

Personalised recommendations