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Das Geheimnis der «Würzburger Reise»: Impotenter Industriespion oder freimauernder Popularphilosoph?

  • Dirk Grathoff

Zusammenfassung

Wenn die geheimnisgespickte Reise nach Würzburg, die Heinrich von Kleist zum Auftakt des neuen Jahrhunderts im Herbst 1800 unternahm, erfolgreich gewesen wäre, wenn Kleist erreicht hätte, was er sich von der Reise erhoffte, dann würden wir heute vermutlich gar nichts von ihr wissen, nicht einmal das wenige, das an bruchstückhaften Geheimnissen überliefert ist, dürfte erhalten sein — geschweige denn die fragwürdige Begriffsprägung «Würzburger Reise» selbst. Denn dann hätte sich Kleist womöglich zu einem aufgeklärten Popularphilosophen vom Typus eines Christian Garve weiterentwickelt; diesem erstrebten Berufsziel hoffte er mit der Reise näherzukommen. Vielleicht hätte er später sogar die Nachfolge von Immanuel Kant auf dem Königsberger Philosophielehrstuhl antreten und seine Verlobte Wilhelmine von Zenge heiraten können, der er in den geheimnisvollen Briefen aus Würzburg eindringlich nahelegen wollte, die Reise diene dem gemeinsamen Lebens- und Liebesglück. Doch der erwünschte Erfolg blieb aus, Kleist wurde kein Popularphilosoph, und so konnte Wilhelm Traugott Krug Kants Nachfolge in Königsberg antreten und Kleists ehemalige Verlobte Wilhelmine von Zenge heiraten.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Dirk Grathoff

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