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Einleitung

  • Michael Jäckel
Chapter
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Zusammenfassung

„Jetzt ist alles aus den Fugen. Die Übereinstimmung ist dahin, und mit ihr das richtige Maß, die Schönheit.“ (Diderot 1993 [zuerst 1772], S. 5) Denis Diderots (1713–1784) Klage über die Folgen einer Entscheidung, die eine einst zufriedenstellende Komposition von Gegenständen in Unordnung bringt, gilt als eine frühe Kritik des Konsums. Sein Essay „Gründe, meinem alten Hausrock nachzutrauern, oder: Eine Warnung an alle, die mehr Geschmack als Geld haben“ entstand im Jahr 1772, also zu einer Zeit, die allenfalls partielle Erscheinungen des Überflusses kannte und nur gelegentlich eine „poverty of affluence“ (Wachtel 1983) beklagen musste. Der Essay beschreibt die Konsequenzen eines Verzichts auf Gewohnheiten, jenes Unbehagen, das heute noch den modernen Konsumenten ereilt, wenn er — von wem auch immer — dazu gedrängt wird, einen bequemen Pullover oder eine bequeme Hose einem zunächst weniger schmiegsamen Kleidungsstück zu opfern. Die Dringlichkeit eines Bedarfs hat somit nicht erst die Menschen in der aufkommenden Konsumgesellschaft beschäftigt. Diderot beschreibt aber auch eine psychologische Grundhaltung, die im Sinne einer Konsumkontrolle wirkt, und dies in einem doppelten Sinne: Die Internalisierung dieser Kontrolle begrenzt den Konsum, und die Entscheidung für neue Dinge bringt eine vorhandene Ordnung in Bewegung, deren Konsistenz wiederhergestellt werden muss. McCracken spricht sogar von einem „Diderot Effect“ und von „Diderot Unities“. (McCracken 1988, S. 118ff.)

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

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  • Michael Jäckel

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