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Eine ‚vergessene Theorie‘ gesellschaftlicher Kommunikation?

Bezugspunkt: Historisch-materialistische Gesellschaftswissenschaft
  • Horst Holzer
Part of the WV studium book series (WVST, volume 172)

Zusammenfassung

Es ist nicht zu bestreiten, daß in den vergangenen Jahren die Vertreter einer Position sehr wenig zum (medien)kommunikati-onstheoretischen Disput beigetragen haben, von der aus vor allem in den 70er Jahren die hier debattierten Themen intensiv und systematisch bearbeitet worden sind. Gemeint sind die Autorinnen und Autoren, die sich — wenn auch mit jeweils unterschiedlicher Begründung und unterschiedlicher Verfahrensweise — im Rahmen der historisch-materialistischen Gesellschaftswissenschaft den Bereichen ‚Kommunikation‘ und ‚Massen-(medien)kommunikation‘ gewidmet haben.40 Daß diese Versuche nur dazu getaugt haben, eine „vergessene Theorie“ zu kreieren (Robes 1990), aber nicht imstande waren, weiterhin im kommunikations- und medientheoretischen Diskurs mitzuhalten, ist allerdings weniger auf Desinteresse und absichtsvolle Abstinenz zurückzuführen. Ein wesentlicher Grund für jenes Versinken in der Vergessenheit dürfte vielmehr darin liegen, daß aufgrund der Selbst- und Fremdliquidierung des ‚real existierenden Sozialismus‘ über den historischen Materialismus im allgemeinen und die historisch-materialistische Kommunikations- und Medientheorie im besonderen der Bann verhängt wurde — sehr oft noch unterstützt von jenen, die früher bei jeder Kleinigkeit die Worte von Marx, Engels, Lenin etc. im Munde führten.

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Referenzen

  1. 40.
    Vgl. dazu die Textesammlung ‚After the Frankfurt School ‘(Media, Culture & Society 1983, S. 7 ff.: mit Beiträgen von F. Dröge, B. Hoffmann, W. Hofmann, H. Holzer, J. Huffschmid, W. D. Hund, B. Kirchhoff-Hund, K. Kreimeier, O. Negt; A. Kluge, D. Prokop Die anschließende Erörterung bezieht sich vor allem auf die Konzeption/Analyse, die Hoffmann, Hofman, Holzer, Huffschmid, Hund und Kirchhoff-Hund vorgestellt haben — unter Berücksichtigung der Arbeiten von Bisky (1976, 1978, 1986) und Robes (1990).Google Scholar
  2. 41.
    ‚Reflektieren ‘meint hier ‚verarbeiten‘, nicht ‚widerspiegeln‘; ‚artikulieren ‘wird im Sinne von Laclau/Mouffe als ‚diskursive Verknüpfung ‘politischer, kultureller, rechtlicher Argumente im ‚populären Diskurs ‘verstanden.Google Scholar
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    Daß sich das staatliche (politische) Handeln in seiner empirisch-konkreten Form erst fassen läßt, wenn es auf die vielfältigen Bedingungen bezogen ist, die seine Ausformung realiter bestimmen, liegt auf der Hand (Offe 1987, S, 309 ff.). Hierbei handelt es sich um Bedingungen wie die spezifische Ausgestaltung staatlicher/politischer Einrichtungen und Regulierungsverfahren; die Eigenkomplexität des politisch-administrativen Systems; die föderale oder zentrali-stische Struktur des Hoheitsgebietes; die Machtverteilung zwischen Regierung und Opposition; der vorherrschende Politikstil, die politische Kultur und deren Tradition; die nationalstaatliche Einbindung in supranationale Organisationen und der daraus resultierende Souveränitätsverzicht, der die politisch-administrative Problemverarbeitung und Steuerungsfähigkeit betrifft; die unmittelbare Einflußnahme kapital-und personalstarker gesellschaftlicher Organisationen und Unternehmen usw. Diese Thematik kann allerdings im vorliegenden Zusammenhang nicht weiter verfolgt werden (Dolata/Gottschalk/Huffschmid 1986, S. 222 ff.).Google Scholar
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    Bei ARD und ZDF: inklusive der (programmausstrahlenden) Einrichtungen ARTE und 3SAT, an denen ARD und ZDF beteiligt sind (bei ARTE zusammen mit La Sept/Frankreich und RTBF/Belgien, bei 3Sat zusammen mit ORF/Österreich und SRG/Schweiz). Der RIAS bleibt hier ausgeklammert.Google Scholar
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    Daß eine (bisher fehlende) milieuspezifische Präzisierung der folgenden Thesen wesentlich zur Differenzierung der Argumentation beitragen dürfte, liegt auf der Hand („soziales Milieu“ — „große Personengruppen, die sich durch gruppenspezifische Existenzformen und erhöhte Binnenkommunikation voneinander abheben“ — Schulze 1992, S. 746). Gerade der Versuch von Schulze läßt sich für eine Medientheorie nutzbar machen. Dort werden Altersund Bildungsgruppen (18–40, Volksschule; 18–40, mittlere Reife, Abitur; 40–70, Volksschule; 40–70, mittlere Reife; 40–70, Abitur) im Hinblick auf ihre Milieuzugehörigkeit (Unterhaltungs-, Selbstverwirklichungs-, Harmonie-, Integrations-und Niveaumilieu) und ihre alltagsästhetischen Schemata (Trivial-, Spannungs-und Hochkulturschema) in einer — die deutsche Bevölkerung kennzeichnenden — Milieustrutur eingefügt.Google Scholar
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    Daß in beiden ‘Individualisierungsszenarios’ der ‘Katastrophen-Journalismus’ eine erhebliche Rolle spielt, ist bekannt. „Katastrophen … sind die Rosinen des Tages … Die Zuschauer wollen den Schuppen brennen sehen, und nicht nur die noch qualmenden Balken,’ weiß der Chefredakteur“ (Die Zeit 1988).Google Scholar
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    Das gilt für ARD/ZDF ebenso wie für die kommerziellen Fernsehunternehmen. Unter ‚Nachrichten“ werden sowohl die Nachrichtensendungen (ARD-Tagesschau, ZDF-Heute, SAT 1-TopNews, Pro 7-Nachrichten) wie die Nachrichtenjournale (ARD-Tagesthemen, ZDF-Heute Journal, RTL-aktuell, SAT 1-Newsmagazin).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Horst Holzer

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