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Max Weber und die „verspätete Nation“ Deutschland

  • Wilfried Röhrich
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Zusammenfassung

Man hat Deutschland das „Land ohne Revolution“ genannt. Während in England bereits die Glorreiche Revolution von 1688 einen Prozeß einleitete, in dessen Verlauf die Souveränität von der Krone auf das Parlament überging, und in Frankreich die Große Revolution von 1789 zukunftsweisend für alle späteren wirkte, blieb es in Deutschland bis in das Jahr 1848 ruhig. Die revolutionären Ereignisse von 1848/49, die zwar vor dem Hintergrund drückender wirtschaftlicher Verhältnisse zu sehen sind, dadurch aber nicht erklärt werden, hätten die Wende der deutschen Geschichte bringen können; aber sie lösten sie nicht aus. Es ist bekannt, daß die große bürgerliche Mehrheit keine Revolution wollte, weil sie deren Erfolgschancen niedriger einschätzte als den Weg allmählicher Veränderungen. Die damit verbundene liberale Strategie wird verständlich, wenn man drei spezifisch deutsche Umstände beachtet: Zum ersten existierte kein geschlossenes Bürgertum; die vielbeschworene Klasseneinheit von „Besitz und Bildung“ war noch nicht entstanden. Zum zweiten fehlte die nationale Handlungsebene. Die deutsche „Einheit“ bildete zwar während der Revolutionszeit die stärkste Antriebskraft auf der Suche nach der deutschen Identität; doch Einheit war nicht zu verwirklichen ohne Freiheit und Freiheit nicht ohne Einheit. Schließlich entbehrte das deutsche Bürgertum einer politischen Ideologie; „demokratische und liberale Tendenzen, republikanische und ständische Motive, romantische und aufklärerische Vorstellungen, freihändlerische und zünftlerische Argumente wogten durcheinander“ (Rudolf Stadelmann, Soziale und politische Geschichte der Revolution von 1848, München 1948, S. 31).

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1989

Authors and Affiliations

  • Wilfried Röhrich

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