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Einführung

  • Wilfried Röhrich
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Zusammenfassung

„Philosophie, die einmal überholt schien, erhält sich am Leben, weil der Augenblick ihrer Verwirklichung versäumt ward“. Mit diesen Worten beginnt Theodor W. Adorno seine Negative Dialektik; sie lassen sich gleichermaßen auf die kritische Politische Philosophie wie auf eine von ihr her motivierte Politische Ideengeschichte beziehen. Die so verstandene Philosophie erfährt ihre Bedeutung, wenn die „These vom Überholtsein der Besinnung“1 selber in den geschichtlichen Prozeß einbezogen und die gesellschaftliche Realität in ihrer historischen Dynamik begriffen wird. Philosophie und philosophische Problematik — von Adorno der Gesellschaftskritik überantwortet — zeigen ihren engen Gesellschaftsbezug. Mit Recht wurde darauf verwiesen2, daß ein solcher Terminus der Philosophie wiederum viel von dem einbeschließt, was sich als Aufhebung der Philosophie in begriffene Geschichte und geschichtliche Praxis bezeichnen läßt. Philosophie hat „nach dem versäumten Augenblick“ zu erkennen, „warum die Welt, die jetzt, hier das Paradies sein könnte, morgen zur Hölle werden kann“. In einer Welt vorherrschender positivistisch verkürzter Praxis wird deren Kritik und Reflexion zur Sache der Philosophie, und zwar zugunsten einer Praxis, „welche die Herstellung einer vernünftigen und mündigen Menschheit bezweckt...“3.

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Literatur

  1. 1.
    Theodor W. Adorno meint damit die Marxsche These vom Ende der Philosophie bzw. von ihrer Aufhebung in revolutionäre Praxis. Vgl. dazu Wilfried Röhrich, Welt-Interpretation und Welt-Veränderung. Ober Theorie und Praxis in der Kritischen Theorie, in: ders. (Hg.), Aspekte der Kritischen Theorie, Berlin 1987.Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1989

Authors and Affiliations

  • Wilfried Röhrich

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