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Alte und neue Arenen politischen Streitens

  • Peter C. Dienel

Zusammenfassung

Wir stehen vor einem langfristigen Umbau der politischen Infrastruktur hochentwik-kelter Gesellschaften. Sein wesentliches Element wird eine weitergehende Nutzung des Konsenspotentials des bürgerschaftlichen Diskurses sein.

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Literatur

  1. 1.
    Art. 38 Grundgesetz.Google Scholar
  2. 2.
    Bereits im Kommunalparlament sieht sich der Abgeordnete überfordert: 1981 nahm jeder Mandatsträger im Rat der Stadt Bonn Unterlagen im Gewicht von 154 kg entgegen (27 000 Blatt).Google Scholar
  3. 3.
    So ist z. B. der öffentliche Dienst im Bundestag überrepräsentiert (1957: 29 Prozent; 1980: 40 Prozent), in den Länderparlamenten zum Teil mit über 50 Prozent. Daß diese Beamtenlastigkeit kein neues Phänomen ist, belegt der Blick in ein Parlament der Französischen Revolution (von 648 Abgeordneten waren 278 Verwaltungsbeamte und 166 Anwälte) oder in die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche (von fast 600 Abgeordneten 319 Juristen/Verwaltungsbeamte und 104 Gelehrte).Google Scholar
  4. 4.
    Ein leeres Plenum ist nicht nur bei uns der Regelzustand. So wurden im brasilianischen Parlament nach 15maliger Vertagung 90 Prozent der anstehenden Tagesordnungspunkte mit Führungsstimme entschieden (der Fraktionschef verfügt, auch wenn einzelne Abgeordnete seine Meinung nicht teilen, über die Stimmen seiner Partei); vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. Dezember 1985.Google Scholar
  5. 5.
    Thomas Ellwein, Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1977, S. 192. Im Baselland klang das einst noch drastischer: »Wenn einer einmal in den großen Rat hineingekommen ist, dann wird er unfehlbar ein Schuft«. Bernatzki, in: Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, N. F. 21 (1897), S. 327.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Herbert Schneider, Parlamentsreform in Hessen. Gutachten im Auftrag des Bundes der Steuerzahler Hessens e. V., Wiesbaden, März 1990.Google Scholar
  7. 7.
    Hildegard Hamm-Brücher, Parlamentarismus in der Krise, in: Bertelsmann Briefe, 124/ 1989, S. 15–22, hier S. 19.Google Scholar
  8. 8.
    Hildegard Hamm-Brücher, Parlamentarismus in der Krise, in: Bertelsmann Briefe, 124/ 1989, S. 15–22, hier S. 15.Google Scholar
  9. 9.
    Schon im Parlamentswahlkampf 1788 sieht William Godwin, daß »die Jagd nach Wählerstimmen ein so abscheulich erniedrigendes, mit Moral und Würde völlig unvereinbares Geschäft ist, daß ich einen wahrhaft großen Geist kaum für fähig halte, die schmutzige Plackerei dieses Unwesens auf sich zu nehmen«. William Godwin, An Enquiry Concerning Political Justice, London 1793, 2 Bde., Bd. 1, S. 233f.Google Scholar
  10. 10.
    Renate Mayntz, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 38 (1986), S. 168.Google Scholar
  11. 11.
    H. Schneider (Anm. 6), S. 20.Google Scholar
  12. 12.
    Im ARD-»Weltspiegel« am 1. Juli 1990.Google Scholar
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  20. 20.
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  24. 23.
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  26. 25.
    Rita Süssmuth, ebd.Google Scholar
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    Vgl. Peter Dienel/Detlef Garbe/Bernd Wyborski, Bürger planen Hagen-Haspe (Schriftenreihe Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Bd. 2020), Dortmund 1978.Google Scholar
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  36. 33a.
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    Detlef Garbe/Anja Grothe (Hrsg.), Bürgergutachten Testkriterien und Testplanung, FU Berlin, Institut für Markt- und Verbrauchsforschung, Bergische Universität GH Wuppertal, Forschungsstelle Bürgerbeteiligung & Planungsverfahren, März 1985Google Scholar
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    Detlef Garbe/Anja Grothe-Senf (Hrsg.), Bürgerbeteiligung in der Verbraucherinformationspolitik. Künftige Kriterien für den Warentest, Frankfurt-New York 1986Google Scholar
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  40. 35 Simone Fey-Hoffmann/Detlef Garbe (Hrsg.), Wir wollen mehr. Aufgaben und
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  43. 47.
    Vgl. P. Dienel (Anm. 26), S. 187ff. u. S. 222.Google Scholar
  44. 48.
    Vgl. ebd., S. 206ff.Google Scholar
  45. 49.
    Genauer skizziert in: P. Dienel (Anm. 26), S. 216–222.Google Scholar
  46. 38.
    H.-E. Richter (Anm. 17), S. 15.Google Scholar
  47. 39.
    Vgl. H. Bongardt u. a. (Anm. 31), S. 20ff.Google Scholar
  48. 40.
    Vgl. Ingar Bernotat, Die Laienplanerrolle, Frankfurt-Bern-New York 1980.Google Scholar
  49. 41.
    Vgl. Claus-Peter Psotta, Bürgerschaftliche Planungsbeteiligung als politische Sozialisation. Der Fall Solingen-Bärenloch, Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für Sekundarstufe II, Bergische Universität GH Wuppertal, September 1981 (unveröffentlicht).Google Scholar
  50. 42.
    Vgl. Detlef Garbe, Ansätze zur Mikrosoziologie von Bürgergruppen. Analyse der gruppendynamischen Elemente von Planungszellen, in: Gruppendynamik, 13 (1982), S. 355–363.Google Scholar
  51. 43.
    Sachmeinungen der Teilnehmer bilden sich in den Arbeitsgruppen (Fünf-Personen-Situation) fort. Die »Meinungsführer« unter ihnen bevorzugen für ihre Äußerungen das Plenum (25 Personen). Sie halten die Arbeitsgruppe offenbar für nicht so wichtig. So Frank-Albert Gerstner, Führungs- und Außenseiterverhalten in aufgabenorientierten Zufallsgruppen, Hausarbeit im Fach Organisationssoziologie, Bergische Universität GH Wuppertal, Mai 1984 (unveröffentlicht).Google Scholar
  52. 44.
    Vgl. Brita Modrow-Thiel, Enttäuschungsverarbeitung im politischen System. Die blockierte Karriere der Bürgerplanung »Freizeitanlage Bärenloch«, Frankfurt-Bern-New York 1988.Google Scholar
  53. 45.
    Zu diesen Lerneffekten jetzt: P. Dienel (Anm. 28); ausführlicher immer noch: P.Dienel (Anm. 26), S. 189ff.; Detlef Garbe/Michael Hoffmann, Soziale Urteilsbildung und Einstellungsänderung in Planungszellen, Werkstattpapier Nr. 25 der Forschungsstelle Bürgerbeteiligung & Planungsverfahren, Bergische Universität GH Wuppertal, Wuppertal, Juni 1988; Ingar Bernotat, Planungsbeteiligung als Instrument politischer Sozialisation, in: Detlef Garbe (Hrsg.), Bürgerbeteiligung. Von der Theorie zur Handlungssorientierung, Frankfurt-Bern-New York 1982, S. 44–71.Google Scholar
  54. 46.
    Bruno Fritsch, Ambivalenzen im gesellschaftlichen Umgang mit technischem Fortschritt, in: H. Jungermann (Anm. 19), S. 143–151, hier S. 150.Google Scholar
  55. 50.
    Die Planungszellen-Förderer (Bürger planen Umwelt e.V., Wuppertal) bieten jetzt sogar einen PZ-Pressedienst an.Google Scholar
  56. 51.
    So z. B. die Antwort der Bundesregierung vom 8. Februar 1990 auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bulmahn, Roth, Vosen, Catenhusen, Bernrath u. a. zu Entscheidungsgrundlagen, Entscheidungsstrukturen und Ergebniskontrolle in der Forschungspolitik, Bundestagsdrucksache 11/6391.Google Scholar
  57. 52.
    Vgl. Verein Deutscher Ingenieure VDI, Empfehlungen zur Technikbewertung, Düsseldorf 1989, S. 32.Google Scholar
  58. 53.
    Vgl. Dorothea Hohmann, Die Sozialversicherungsträger in der BRD als Selbstverwaltungsorganisationen, dargestellt am Beispiel der gesetzlichen Krankenversicherung, Werkstattpapier Nr. 23 der Forschungsstelle Bürgerbeteiligung & Planungsverfahren, Bergische Universität GH Wuppertal, Wuppertal, November 1987.Google Scholar
  59. 54.
    Die Arbeitsgruppe eines Statusseminars hat den Minister gebeten, das Modell zu erproben (Bundesminister für Verkehr [Hrsg.], Bürgerbeteiligung bei der Planung von Bundesverkehrswegen, Symposion am 29. und 30. Juni 1982 in Bonn, Bonn o.J. [1982], S.51); abschließend sind vom Staatssekretär die Möglichkeiten hervorgehoben worden, die das Bürgergutachten gerade für die Bundesverkehrswegeplanung bietet (ebd., S. 126).Google Scholar
  60. 55.
    Relationen, wie ein Lehrer auf hundert erwachsene Bewohner der Bundesrepublik, zeigen, wieviel Raum für eine Zunahme der Prozeßbegleitung von Streitarenen hier noch vorhanden ist.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Peter C. Dienel

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