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Gladiatoren und Propagandisten? Die Akteure politischer Kommunikation in einer medialen Streitkultur

  • Siegfried Weischenberg

Zusammenfassung

Vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt ist bekannt, daß er Journalisten als »Wegelagerer« und »Indiskretins« verachtete. Dieser Einschätzung der Berufsgruppe folgte er hartnäckig bei vielen seiner öffentlichen und nichtöffentlichen Auftritte. Schmidt reihte sich damit ein in die lange Liste von Politikern, die mit Arroganz, Ignoranz oder bestenfalls noch mit Sottisen auf die Personen reagierten, die Öffentlichkeit herstellen sollen. Bismarck nannte die Journalisten bekanntlich Leute, die ihren Beruf verfehlt hätten. Und der amerikanische Politiker Adlai Stevenson hat folgenden Beitrag zum Schatz geflügelter Worte geleistet: »Ein Redakteur ist jemand, der die Spreu vom Weizen sondert und die Spreu druckt.«

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Literatur

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    Vgl. zum folgenden: Klaus Merten, Django und Jesus. Verbal-non-verbales Verhalten der Kanzlerkandidaten Helmut Kohl und Johannes Rau im Bundestagswahlkampf 1987, in: Erich Latinak/Manfred Op de Hipt (Hrsg.), Sprache als Politik?, Opladen 1990.Google Scholar
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    In früheren Veröffentlichungen aus unserem Projekt war statt von »Engagierten« von »Anspruchsvollen« und statt von »Konsumenten« von »Unpolitischen« die Rede. Vor allem letzterer Begriff bot jedoch Anlaß zu Mißverständnissen, da es hier nicht um politisches Verhalten, sondern um Kommunikationserwartungen geht.Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Siegfried Weischenberg

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