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Streit, Konsens und politische Kultur: Vergleichende Perspektiven

  • Rainer Prätorius

Zusammenfassung

Politik verdirbt nach landläufiger Ansicht nicht nur den Charakter, sondern auch die Stimmung: In gemütlicher Runde schweigt man tunlichst von Politik, will man nicht Zwietracht säen, Gereiztheit und ärgerlichen Meinungsstreit hervorrufen. Sind also Politik und Geselligkeit unversöhnliche Gegensätze?

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Literatur

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    Vgl. Alexander Hamilton/James Madison/John Jay, The Federalist, or, The new constitution. Edited with an Introduction and Notes by Max Beloff, Oxford — New York 1987, besonders S.80f. »Die Maßnahmen der Zentralregierung hingegen, die nicht so sehr der unmittelbaren Aufmerksamkeit der meisten Bürger unterliegen, werden vorwiegend durch spekulative Gemüter in ihrem Nutzen erkannt und erstrebt. Da sie auf generelle Interessenlagen zielen, taugen sie weniger dafür, die Gefühle der Menschen anzusprechen, in ihnen ein gewohnheitsmäßiges Pflichtgefühl zu erwecken und ihre Empfindungen aktiv auf die Gemeinschaft zu richten.«Google Scholar
  12. 12.
    Ebd., S.43. »Kein Mensch darf in seiner eigenen Sache Richter sein, würde doch sein Eigennutz gewiß sein Urteil färben und sehr wahrscheinlich auch seine Integrität korrumpieren. Mit gleichem, ja noch wichtigerem Grund muß eine Gruppe von Menschen als unfähig gelten, gleichzeitig Parteien und Gericht zu sein. Doch sind nicht viele der wichtigsten Gesetzgebungsakte, so viele rechtliche Bestimmungen, zwar nicht die Rechte von Einzelpersonen betreffend, aber die Rechte von Bürgerkollektiven regelnd? Und was sind die jeweiligen Gesetzgeber dann anderes, als Anwälte und Parteien in den Angelegenheiten, über die sie bestimmen?«Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. ebd., S.44.Google Scholar
  14. 14.
    Ebd., S. 47. »In ihren jeweiligen, eigenen Staaten mögen zänkische Anstifter Gruppenhader entflammen können, doch sie werden nicht in der Lage sein, mit einem Flächenbrand alle anderen Staaten zu überziehen; eine religiöse Sekte mag vielleicht in einem Teil der Union zu einer politischen Parteiung verkommen, doch die Vielzahl der Sekten, die sich über die gesamte Nation verteilen, schützt die nationalen Vertretungsorgane vor jedem einseitigen Einfluß aus dieser Richtung; eine Gier nach neuer Notengeldemission, sei es zur Schuldentilgung, sei es zur gleichen Einkommensverteilung oder zu anderen üblen, vernunftlosen Zwecken, wird weniger wahrscheinlich den gesamten Körper der Union als einzelne Teile davon befallen können, ebenso, wie eine solche Epidemie auch viel eher einen einzelnen Kreis oder Distrikt als einen ganzen Bundesstaat verseucht.«Google Scholar
  15. 15.
    Natürlich ist dieser Argumentationsgang selbst eine Vereinfachung, da er in einer innerpolitischen Betrachtungsweise verharrt, die unsere Themenstellung nahelegt. Damit soll nicht geleugnet werden, daß die Inhalte politischer Ideologien primär durch sozialstrukturelle Vorgaben geprägt werden. Hier geht es zunächst aber nur um die Formgebung im politischen Prozeß.Google Scholar
  16. 16.
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    Vgl. dazu die stringente Interpretation bei Ingeborg Maus, Rechtstheorie und Politische Theorie im Industriekapitalismus, München 1986, S. 117–123.Google Scholar
  21. 21.
    Innerhalb dieses eher essayistisch angelegten Beitrags erscheint mir eine theoretische Erörterung des »Politische-Kultur«-Ansatzes entbehrlich, vgl. dazu: Rainer Prätorius, Regierungslehre und politische Kultur: zur Psychologie von Institutionen, in: Stefan von Bandemer/Göttrik Wewer (Hrsg.), Regierungssystem und Regierungslehre. Fragestellungen — Analysekonzepte — Forschungsstand, Opladen 1989, S. 85–95.Google Scholar
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    Vgl. Peter Gerlich, Politik in Österreich. Anmerkungen zur politischen Kultur, in: Der Bürger im Staat, 38 (1988), S. 109–133, besonders S. 110f.Google Scholar
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    Vgl. Peter Gerlich, Politik in Österreich. Anmerkungen zur politischen Kultur, in: Der Bürger im Staat, 38 (1988), S. 109–133, S.37.Google Scholar
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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Rainer Prätorius

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