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Zwischen Programmanspruch und Systemfunktion

  • Jürgen Dittberner

Zusammenfassung

Die FDP wird weithin als der „organisierte Liberalismus“ in der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Im ursprünglich von der Lizensierungspolitik der Alliierten vorgesehenen „Grundmuster“ des Parteiensystems hatte die FDP die liberalen Politikelemente einzubringen, so wie die CDU/CSU die christlichen, die SPD die sozialdemokratischen und die KPD die kommunistischen Elemente.197 Auf der verbalen Ebene ist es der FDP auch gelungen, den Liberalismus für sich in Anspruch zu nehmen — ihn sogar in der Werbung einzusetzen: Das Markenzeichen „F.D.P. — Die Liberalen“ bewirkt Identifikation und signalisiert Exklusivität. Demgegenüber ist einerseits in Deutschland schon seit Ende des vergangenen Jahrhunderts von einer „Orientierungskrise des Liberalismus“ die Rede 198 und wird andererseits — wie eingangs dargestellt — auf die Gültigkeit liberaler Grundwerte in allen etablierten politischen Parteien hingewiesen: Zumindest das parlamentarische Regierungssystem und die Bindung allen staatlichen Lebens an die von den Grundrechten ausgehende Verfassung sind bei den Unionsparteien und bei der SPD ebenso verinnerlicht wie bei der FDP.

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Literatur

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Jürgen Dittberner

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