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Bündnisse und Spaltungen

  • Jürgen Dittberner

Zusammenfassung

Die Position der FDP innerhalb des westdeutschen Parteiensystems, besonders ihr Verhältnis zu den übrigen Parteien, war ständigen Veränderungen unterworfen und immer wieder Gegenstand innerparteilicher Auseinandersetzungen. Läßt sich die Position der FDP auch nicht ohne weiteres auf einen Begriff bringen, so unterliegt ihre Entwicklung doch — gemessen an den wirtschaftlichen und politischen Veränderungen in der Bundesrepublik — einer gewissen Folgerichtigkeit: Als zugleich antisozialistische, nationale und liberale Partei vor allem des Besitzmittelstandes war sie so lange auf die bürgerlichen Parteien fixiert, wie ein gesellschaftlicher Gegensatz zwischen bürgerlichen Besitz- und Statusinteressen gegenüber sozialreformerischen Interessen bestand. Erst der Zerfall der bürgerlichen Koalition 1969 zwang sie zur Suche nach einem neuen Standort im Parteiensystem, den sie bald als linksbürgerlicher Vertreter des „neuen“ Mittelstandes in einer Koalition der „Modernisierung“ und des „sozialen Wandels“ fand. Mit der durch die Wende bewirkten Neuauflage der bürgerlichen Koalition nach 1982 schmolz die linksbürgerliche Basis der Partei wieder hinfort, was nun zum großen Teil in einer durch Staatsverschuldung und strukturelle Arbeitslosigkeit geprägten Gesellschaft von konservativbürgerlichen Situations- und Funktionswählern kompensiert wurde.

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Literatur

  1. 140.
    Theo Schiller, a. a. O., S. 127.Google Scholar
  2. 141.
    Wolfgang Diewerge, geb. am 12.1.1906 in Stettin; 1930 Mitglied der NSDAP und 1936 der Allgemeinen SS, Inhaber des „Goldenen Parteiabzeichens“ und des SS-„Blutor-dens“; seit 1926 Mitarbeiter mehrerer NS-Zeitungen, 1934 Ministerialrat im Reichspropagandaministerium, während des Krieges im SS-Hauptamt tätig; nach 1945 Mitglied der FDP in NRW und Mdl, 1953 (?) aus der Partei ausgeschlossen (PAZ 16, Personaldatenarchiv).Google Scholar
  3. 142.
    Über Artur Stegner heißt es bei Heinz Georg Marten, a.a.O., S.443: „Stegner, Artur: Diplom-Chemiker, Fabrikant, Holzminden, geb. am 10.6.1907 in Kattowitz, Gymnasium, naturwissenschaftliches Studium, Inhaber chemischer Unternehmungen in Berlin und Breslau, nach 1945 Aufbau einer Chemie-Fabrik in Holzminden, seit 1946 Abgeordneter im Kreistag, Stadtrat von Holzminden, 1949 Landesvorsitzender der FDP-Niedersachen, seit 1.12.1951 Mitglied des Deutschen Bundestages, am 14.1.1954 auf Drängen der FDP-Parteiverbände Niedersachens aus der Partei ausgeschieden.“Google Scholar
  4. 143.
    Biographische Angaben bei Heinz Georg Marten, a.a.O.: „Huisgen, Horst: Hauptgeschäftsführer der FDP, Hannover, geb. am 29.11.1913 in Mittel-Lazisk, Abitur, Studium der Rechtswissenschaften, Mitglied der HJ, Jugendführer, Ratsherr in Breslau, Leiter der nachgeordneten Diensstelle des Jugendführers des Deutschen Reiches für Schlesien in Breslau, ab 1941 Dezernent, Leiter des Landesjugend- und Sportamtes, Senator der Arbeitskammer, nach 1945 selbständiger Handelsvertreter, ab 1950 Hauptgeschäftsführer des FDP-Landesverbandes, nach der Schlüter-Krise Aufgabe dieser Funktion.“Google Scholar
  5. 144.
    Herbert Freiberger, geb. 6.1.1916, Handelsvertreter; HJ-Führer; nach 1945 zunächst Mitglied und später niedersächsischer Landesgeschäftsführer der FDP; Ende 1954 Ausscheiden aus der FDP und Gründung der Deutschen National-Partei (DNP), die im August 1955 in der Deutschen Reichspartei (DRP) aufging; im Oktober 1955 niedersächsischer Landesvorsitzender DRP, im September 1956 Mitglied der DRP-Parteileitung, Ende 1957 Rücktritt von allen Parteiämtern. S. Personalarchiv des Zentralinstituts 6 der FU Berlin.Google Scholar
  6. 145.
    Siehe Horst W. Schmollinger, Die Sozialistische Reichspartei; in: Richard Stöss (Hrsg.), Parteien-Handbuch. Bd. 2, a.a.O., S. 2274 ff.Google Scholar
  7. 146.
    Siehe Richard Stöss, Die Deutsche Gemeinschaft; in: ders. (Hrsg.), Parteien-Handbuch. Bd. 1, a.a.O., S. 877 ff.Google Scholar
  8. 147.
    Siehe Horst W. Schmollinger, Die Deutsche Reichspartei; in: Richard Stöss (Hrsg.), Parteien-Handbuch. Bd. l,a.a.O.,S. 1112 ff.Google Scholar
  9. 148.
    Siehe Horst W. Schmollinger, Die Deutsche Partei; in: Richard Stöss (Hrsg.), Parteien-Handbuch. Bd. 1, a.a.O., S, 1025.Google Scholar
  10. 149.
    Jörg Michael Gutscher, a. a. O., S. 136.Google Scholar
  11. 150.
  12. 151.
    Abgedr. in ebd., S. 309 ff.Google Scholar
  13. 152.
    Siehe Richard Stöss, Vom Nationalismus zum Umweltschutz. Die Deutsche Gemeinschaft/ Aktionsgemeinschaft Unabhängige Deutsche im Parteiensystem der Bundesrepublik, Opladen 1980, S. 150 ff.Google Scholar
  14. 153.
    Siehe Richard Stöss, Der Gesamtdeutsche Block/BHE; in: ders. (Hrsg.), Parteien-Handbuch, Bd. 2, a.a. O., S. 1424.Google Scholar
  15. 154.
    Detaillierter hierzu: Heinz Georg Marten, a.a.O., S. 285 ff.Google Scholar
  16. 155.
    Leonhard Schlüter, geb. am 2.10.1921 in Rinteln/Weser; Realgymnasium, 1939 Abitur; RAD, Wehrmacht, Entlassung wegen „halbjüdischer Abstammung“; Zulassung zum Studium der Rechtswissenschaft in Göttingen unter Vorbehalt (1942?); Abschluß der Dissertation, aber Nichtbestehen des Rigorosums (nach eigenen Angaben aus politischen Gründen); 1945 Leiter der Kriminalpolizei in Göttingen, stellte sein Amt 1947 angesichts eines gegen ihn gerichteten Strafverfahrens zur Verfügung; Anschluß an die Deutsche Partei (Deutsche Konservative Partei — Deutsche Rechtspartei), 1948/49 Landesvorsitzender in Niedersachsen; 1949 politisches Betätigungsverbot durch die britische Besatzungsmacht und nach der Bundestagswahl Austritt aus der Deutschen Rechtspartei; Januar 1951 Vorsitzender der „Nationalen Rechten“ in Niedersachsen, die zur Landtagswahl ein Bündnis mit der Deutschen Reichspartei einging; 1951 MdL für die Deutsche Reichspartei im Niedersächsischen Landtag; 1953 Übertritt zur FDP, 1954 stellv. Fraktionsvorsitzender, 1955 Fraktionsvorsitzender und Kulturminister in der CDU-FDP-DP-Regierung; seine Verlagstätigkeit (1949 Betätigung im rechtsextremistischen „Plesse-Verlag“, 1951 Gründung der „Göttinger Verlagsanstalt für Wissenschaft und Politik“) war die offizielle Begründung für sein Ausscheiden aus der Regierung (9.6.1955), das durch heftige Proteste der Öffentlichkeit, insbesondere der Universität Göttingen, wegen seiner rechtsextremistischen Vergangenheit erzwungen worden war; im Februar 1956 Austritt aus der FDP (FdD [Nordmark], Nr. 8 v. 10.6. 1955; Internat. Biograph. Archiv [Munzinger-Archiv], Lieferung 6/57 v. 9.2.1957; Heinz Georg Marten a.a.O., S. 334 ff.; weitere Angaben bei: Tauber, Bd. 2, 111/56; vgl. auch Die große Hetze, Göttingen 1958).Google Scholar
  17. 156.
    Siehe Horst W. Schmollinger, Die Deutsche Konservative Partei-Deutsche Rechtspartei; in: Richard Stöss (Hrsg.), Parteien-Handbuch, Bd. 1, a. a. O., S. 982 ff.Google Scholar
  18. 157.
    Jörg Michael Gutscher, a.a.O., S. 230, 231.Google Scholar
  19. 158.
    Auch die CDU bediente sich dieses Druckmittels. 1956 verhandelte Arnold beispielsweise mit der SPD, um die Pläne der „Jungtürken“ zu konterkarieren.Google Scholar
  20. 159.
    Theo Schiller, a. a.O., S. 132.Google Scholar
  21. 160.
    Dr. Victor-Emanuel Preusker, geb. am 25.2.1913 in Berlin; Banklehre und Studium der Volks- und Betriebswirtschaft, 1937 Diplomkaufmann, 1940 Promotion; 1940–45 Offizier bei der Luftwaffe; nach 1945 bald wieder Bankkaufmann und Berater des Bankhauses Hardy & Co.; Mitglied der hessischen FDP, 1947 deren Generalsekretär und Befürworter einer unbedingten Bürgerblock-Politik; 1949–61 MdB, 1953–57 Bundeswoh-nungsbauminister; Ende April 1956 Austritt aus der FDP und bald führendes Mitglied der FVP bzw. DP/FVP; stellv. Bundesvorsitzender und nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender der DP bis 1958. 1958 Präsident des Zentralverbandes Deutscher Hausund Grundeigentümer; 1960 Mitglied der CDU; 1958–62 Geschäftsführender Gesellschafter des Bankhauses Hardy & Co., 1963 Gesellschafter der IOS-Bank Orbis; Mitglied mehrerer Aufsichts- und Verwaltungsräte (Munzinger Archiv/Internat. Biograph. Archiv, Lieferung 27/69 v. 5.7.1969).Google Scholar
  22. 161.
    Hermann Schäfer schloß sich 1961 wieder der FDP an.Google Scholar
  23. 162.
    Siehe hierzu Hermann Meyn, Die Deutsche Partei, Düsseldorf 1965, S. 49.Google Scholar
  24. 163.
    Dr. Carl-Hubert Schwennicke, geb. am 14.11.1906 in Berlin; Diplom-Ingenieur; leitender Mitarbeiter der Siemens-Werke, seit 1950 der Siemens und Halske AG bzw. der Siemens-Schuckert-Werke AG; vor 1933 Mitglied der Deutschen Volkspartei (DVP) und Mitarbeiter Stresemanns; nach 1945 Mitbegründer der LDP in Berlin, Fraktionsvorsitzender im Berliner Stadtparlament; seit 1947 Vorsitzender der Berliner LPD bzw. FDP; 1956 Übertritt zur FVP, er lehnt aber eine Fusion mit der Deutschen Partei (Abschn. C) ab, Mitbegründer der Freien Deutschen Volkspartei (FDV); 1948 Lizen-träger des „Berliner Montags-Echo“ (Internat. Biograph. Archiv [Munzinger-Archiv], Lieferung 32/56 v. 11.8.1956). 1958–62 Vorstandsmitglied der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, 1962–77 Vorstandsvorsitzender der BfA, zeitweilig Richter am Bundesarbeitsgericht und wichtige Ämter beim Arbeitgeberverband; Mitglied der CDU (PAZ 16, Personaldatenarchiv).Google Scholar
  25. 164.
    Vgl. Jörg Michael Gutscher, a. a. O., s. 180, Anm. 198.Google Scholar
  26. 165.
    Theo Schiller, a. a. O., S. 133.Google Scholar
  27. 166.
    Ebd., S. 134.Google Scholar
  28. 167.
    Heino Kaack, a. a. O., S. 23Google Scholar
  29. 168.
    Kurt J. Körper, a. a. O., S. 29.Google Scholar
  30. 169.
    Jörg Michael Gutscher, a. a. O., S. 213.Google Scholar
  31. 170.
    Heino Kaack, a. a. O., S. 24.Google Scholar
  32. 171.
    Siehe Horst Schmollinger, Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands; in: Richard Stöss (Hrsg.), Parteien-Handbuch, Bd. 2, a. a. O., S. 1922 ff.Google Scholar
  33. 172.
    Karl-Hermann Flach, a. a. O., S. 44.Google Scholar
  34. 173.
  35. 174.
    A.a.O., S. 45 f.Google Scholar
  36. 174a.
    Wolfram Dorn/Harald Hofmann (Hrsg.), Geschichte des deutschen Liberalismus, a.a.O., S. 161 f. Vor allem der Bundestagsabgeordnete Wolfram Dorn hatte sich hier hervorgetan.Google Scholar
  37. 175.
    A.a.O., S. 166f.Google Scholar
  38. 176.
    Siehe Heino Kaack, a.a.O., S. 35.Google Scholar
  39. 177.
    Peter Bender, Offensive Entspannung, Möglichkeit für Deutschland, Köln/Berlin 1964.Google Scholar
  40. 178.
    Siehe Jürgen Dittberner, Die Parteitage von CDU und SPD; in: Jürgen Dittberner/Rolf Ebbighausen (Hrsg.), Parteiensystem in der Legitimationskrise, a.a.O., S. 103. Auf ihrem Dortmunder Parteitag 1966 debattierten die SPD-Delegierten über eine geplanten Redneraustausch mit der SED und analysierten dabei die Ausweglosigkeit der bis dahin praktizierten Deutschlandpolitik der Bundesrepublik.Google Scholar
  41. 179.
    Heino Kaack, a. a. O., S. 37.Google Scholar
  42. 180.
    Walter Scheel, Für eine Gesellschafts- und Außenpolitik der Toleranz und der Vernunft; in: Karl-Hermann Flach/Werner Maihofer/Walter Scheel, a. a.O., S. 11.Google Scholar
  43. 181.
    Karl-Hermann Flach, Mehr Freiheit für mehr Menschen; in: ebenda, S. 23.Google Scholar
  44. 182.
    Richard Stöss, Die Aktionsgemeinschaft Vierte Partei; in: ders., Parteien-Handbuch, Bd. 1, a.a.O., S. 340 f.Google Scholar
  45. 183.
    Ebd.,S. 341.Google Scholar
  46. 184.
    Arnulf Baring, Machtwechsel. Die Ära Brandt-Scheel, Stuttgart 1982, S. 301. In diesem Werk werden zahlreiche Hintergründe der damaligen FDP-Entwicklung offengelegt.Google Scholar
  47. 185.
    Richard Stöss, a.a.O., S. 342.Google Scholar
  48. 186.
    Ebd., S. 343 f.Google Scholar
  49. 187.
    Die Hintergründe und Nebenereignisse beim konstruktiven Mißtrauensvotum des Jahres 1972 sind nachzulesen bei Arnulf Baring, a. a. O., S. 396 ff.Google Scholar
  50. 188.
    Jürgen Kunze, a.a.O., S. 314.Google Scholar
  51. 189.
    Ebd., S. 317.Google Scholar
  52. 191.
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Dezember 1981, Die FDP-Jugend sind wir.Google Scholar
  53. 192.
    Das Interview erschien am 10. März 1982 in der „Augsburger Allgemeinen“.Google Scholar
  54. 193.
    Die Tageszeitung, 20. Dezember 1982. Außenparlamentarisch zwischen AL und SPD.Google Scholar
  55. 195.
    Berliner Morgenpost, 24. Februar 1985, Berliner Unternehmer mischt im Wahlkampf kräftig mit.Google Scholar
  56. 196.
    Ralf Dahrendorf, Die Chancen der Krise, a. a. O., S. 17 ff.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Jürgen Dittberner

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