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Einleitung

  • Jürgen Dittberner

Zusammenfassung

Politische Machtwechsel werden anderswo vom Wähler ausgelöst, in der Bundesrepublik Deutschland — so scheint es — von der FDP. Im März 1969 waren es FDP-Mitglieder der in Berlin tagenden Bundesversammlung, die den Ausschlag dafür gaben, daß mit Gustav Heinemann zum ersten Mal ein Sozialdemokrat Präsident der Bundesrepublik wurde. Und diese Bundespräsidentenwahl war das Vorspiel für die Etablierung der sozial-liberalen Koalition im Oktober 1969. Durch diese Hinwendung der FDP zu den Sozialdemokraten wurde die CDU/ CSU zum ersten Mal seit zwanzig Jahren von der Regierungsmacht in Bonn verdrängt. Die Wähler hingegen hatten die Christdemokraten bei den Septemberwahlen des gleichen Jahres mit 46,1 Prozent zur stärksten Gruppierung im Deutschen Bundestag bestimmt, die SPD folgte mit 42,7 Prozent auf Platz zwei, während die offenbar alles entscheidende FDP mit 5,8 Prozent knapp die 5-Prozent-Hürde genommen hatte. Natürlich wurde der damals ohne überzeugende Wählerlegitimation praktizierte Machtwechsel heftig kritisiert, sogar von einst höchsten Funktionären der FDP selber. So schrieb Erich Mende, ehemals FDP-Vorsitzender und Vizekanzler der Bundesregierung unter Ludwig Erhard: „Die FDP hat die Position der nach beiden Seiten offenen Mitte aufgegeben und sich zu einer neuen Linkspartei entwickelt.“1

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Literatur

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    Im Parlamentarischen Rat schon stand die FDP mit ihrem Antrag auf Streichung der Verfassungsartikel über Enteignung und Vergesellschaftung gegen die beiden großen Parteien auf verlorenem Posten, und ebenso war es mit dem Vorschlag des FDP-Generalsekretärs von 1985, Haussmann, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Löhne unterhalb des Tarifsystems zuzulassen. Siehe hierzu Walter Tormin, Geschichte der deutschen Parteien seit 1848, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1966, S. 451 f.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Jürgen Dittberner

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