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Körpertext pp 147-220 | Cite as

Errichtung eines Kontinuums der Fiktion

  • Günther Lohr

Zusammenfassung

Neben Werken, die den protestantischen ethischen Rigorismus in eine asketische Sozialethik transformierten (1), waren es vor allem die deutschsprachigen Schriften Christian Wolffs, in denen der Begriff der Vernunft utilitaristisch aufbereitet wurde. In den 1720 erschienenen Vernünfftige(n) Gedancken von der Menschen Thun und Lassen / zur Beförderung ihrer Glückseligkeit erscheint die Welt als ein rationaler Entwurf, innerhalb dessen das Individuum zu einem Ort des Irrationalen wird, zu einem Ort des möglichen Scheiterns der Vernunft. Wolff versucht in seiner deutschen Moral — wie die Schrift auch abkürzend betitelt wird — diesen bedrohlichen Verfall des Individuums durch eine praktische Ehtik zu korrigieren. Dazu umfährt er enzyklopädisch sämtliche bürgerlichen Lebensbereiche und gibt Anweisungen zu verschiedenen “Leibes=Ubungen” und !Gemüths= Übungen”. (2)

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Anmerkungen

Zu VI.1

  1. 1.
    Johann Adolph Hofmann: Zwei Bücher von der Zufriedenheit (1722).Google Scholar
  2. 2.
    Wolff (1720) 1728; Vorrede zur 2. Auflage, p.4v Google Scholar
  3. 3.
    ibid., § 1–10Google Scholar
  4. 4.
    ibid:31f., § 44Google Scholar
  5. 5.
    Cf. G. W. Leibniz (1714) (1720) 1979:26, § 58Google Scholar
  6. 6.
    Wolff (1720) 1728:41f., § 64Google Scholar
  7. 7.
    ibid:70, § 119Google Scholar
  8. 8.
    ibid:113, § 184Google Scholar
  9. 9.
    ibid:115, § 188Google Scholar
  10. 10.
    ibid:134, § 210Google Scholar
  11. 11.
    ibid:546, § 777Google Scholar
  12. 12.
    Wolff (1721) 1736 = 1975:2, §2Google Scholar
  13. 13.
    ibid:24, §38Google Scholar
  14. 14.
    ibid:20, § 37Google Scholar
  15. 15.
    ibid:373, § 389Google Scholar
  16. 16.
  17. 17.
    ibid:271, § 328Google Scholar
  18. 18.
    “Denn wiedrigen Falles siehet es der Wahrheit nicht ähnlich, und kan dadurch niemand überredet werden, daß die Sachen so aus einander erfolget, wie man in der Comödie und Tragödie siehet, folgends sind die Comödien und Tragödien mehr hinderlich und schädlich, als nützlich.” ibid.Google Scholar
  19. 19.
    Martino 1972:443Google Scholar
  20. 20.
    Wolff (1721) 1736 = 1975:269, § 328Google Scholar
  21. 21.
    ibid: 323, § 296Google Scholar

Zu VI.2

  1. 1.
    D. Brüggemann 1970:191Google Scholar
  2. 2.
    Steinmetz (2)1971:98Google Scholar
  3. 3.
    Horkheimer (1947) 1974:115Google Scholar
  4. 4.
    Psychologia empirica est scienta stabiliendi principia per experientiam, unde ratio redditur eorum, quae in anima humana fiunt.” Wolff (1732) 1968:1 § 1Google Scholar
  5. 5.
    Wolff (1724) (1733:540, §332–6 ibid:513, § 309Google Scholar
  6. 7.
    “Affectus sunt actus animae, quibus quid vehementer appetit, vel adversatur, vel sunt actus vehementiores appetitus sensitivi & aversationis sensitivae.” Wolff (1732) 1968:457, § 603Google Scholar
  7. 8.
    “Gaudiam ex eo perceptum, quod opinione nostra altri vitio potest, vel famam quomodocunque laedit, dicitur Irrisio.” ibid:552, §730Google Scholar
  8. 9.
    ibid:560, § 743Google Scholar
  9. 10.
    “Si quis existimat ea, quae fecit alter, dignitati, aut persone ejus repugnare; ad risum commovetur.” ibid:561, § 745Google Scholar
  10. 11.
    ibid:562, § 746Google Scholar
  11. 12.
    Wolff (1724) 1733:187f., § 113Google Scholar
  12. 13.
    ibid:528f., § 320Google Scholar
  13. 14.
    Böckmann 1932/33:80Google Scholar
  14. 15.
    Sohn-Rethel 1970:35Google Scholar
  15. 16.
    Böckmann 1932/33:52–130Google Scholar
  16. 17.
    Cf. die Kritik D. Brüggemanns 1970:191f. an Böckmann 1932/33:52–130Google Scholar
  17. 18.
    D. Brüggemann 1970:219Google Scholar
  18. 19.
    Zur Idee eines anomischen Gegenbildes des bürgerlichen Vernunft-Ichs vgl. Promies 1961:50f.Google Scholar
  19. 20.
    Rieck 1976:370Google Scholar
  20. 21.
    Steinmetz (2)197I:30f.Google Scholar
  21. 22.

Zu VI.4

  1. 1.
    Scherpe 1968:57Google Scholar
  2. 2.
    Die Critische Dichtkunst –– im folgenden als ‘CD’ zitiert –– wird auf der Textbasis der 3. Auflage 1742 nach der Ausgabe J. u. B. Birke (eds.). Berlin-New York 1973–1978, Bd. VI, Teile 1–4 zitiert, wobei die einzelnen Teilbände mit römischen Zahlen angegeben werden. Nach dem Doppelpunkt folgt die Seitenzahl, danach in Klammern die Zeile.Google Scholar
  3. 3.
    CD I:183(25)-184(1); Birke 1966:44Google Scholar
  4. 4.
    Weimar 1975:25Google Scholar
  5. 5.
    Fuhrmann 1973:258Google Scholar
  6. 6.
    Freier 1973:36Google Scholar
  7. 7.
    CD I:195(6); vgl. dazu: Hermann 1970: 133; Hinck 1965:169; D. Brüggemann 1970:19; Freier 1973:45 u. 62Google Scholar
  8. 8.
    CD I:195(8–9)Google Scholar
  9. 9.
    CD I:195(29)-196(l)Google Scholar
  10. 10.
    “Aber man ahmet überall die Art eines in solchen Leidenschaften stehenden Gemüthes so genau nach, und drückt sich mit so natürlichen Redensarten aus, als wenn man wirklich den Affect bey sich fände.” CD I:198(5–8)Google Scholar
  11. 11.
    CD I:201(13–18)Google Scholar
  12. 12.
    CD I:203(5–9)Google Scholar
  13. 13.
    “In der That muß eine jede Fabel was Wahres und was Falsches in sich haben: nämlich einen moralischen Lehrsatz, der gewiß wahr seyn muß; und eine Einkleidung desselben in eine gewisse Begebenheit, die sich aber niemals zugetragen hat, und also falsch ist.” CD I:203(9–13)Google Scholar
  14. 14.
    CD I:204(8–13)Google Scholar
  15. 15.
    CD I:204(13–22); vgl. auch I:206(10–24) zum Fiktionsbegriff, der anhand der Diskusion des “Unglaublichen” ebenfalls doppelt konstruiert wird. Das 5. Kap. “Von dem Wunderbaren in der Poesie” ist poetologisch eher unergiebig, da die Legitimation des Fiktionalen von der aufklärerischen Wunderkritik überlagert wird. CD I:225–253Google Scholar
  16. 16.
    Weimar 1975: 12Google Scholar
  17. 17.
  18. 18.
  19. 19.
  20. 20.
    Wölfel 1971:55Google Scholar
  21. 21.
    CD I: 169(25)-170(5)Google Scholar
  22. 22.
    CD I:177(14–16)Google Scholar
  23. 23.
    CD I:178(7–10)Google Scholar
  24. 24.
    CD I:186(28)Google Scholar
  25. 25.
    CD I:255(14)Google Scholar
  26. 26.
    CD I:255(12–14)Google Scholar
  27. 27.
    CD I:184(22)Google Scholar
  28. 28.
    Freier 1973:36f.Google Scholar
  29. 29.
    CD I:221(16–22)Google Scholar
  30. 30.
    Blumenberg (2)1969:13Google Scholar
  31. 31.
    Freier 1973:80f.Google Scholar
  32. 32.
  33. 33.
    Wölfel 1971:56Google Scholar
  34. 34.
    Freier 1973:34Google Scholar

Zu VI.5.1

  1. 1.
    CD II:358(20); vgl. auch CD II:342(32)-343(5)Google Scholar
  2. 2.
    Promies 1961:50Google Scholar
  3. 3.
  4. 4.
    Steinmetz (2)1971:97Google Scholar
  5. 5.
    “Nach unseren heutigen viel deutlicheren Begriffen können wirs noch viel besser zeigen, daß nichts als die Tugend ein wahres und dauerhaftes Vergnügen geben könne, und daß hergegen nur die Laster eine dauerhafte Unlust wirken, ob sie gleich anfänglich sich unter dem Scheine der Lust und Ergetzlichkeit einschmeicheln.” Gottsched 1734,II:;;2 (Vorrede)Google Scholar
  6. 6.
    ibid.,II:61. Ähnlich auch das Kap. “Von der Beherrschung der Gemüthsbewegungen”, II:341ff.Google Scholar
  7. 7.
    ibid.,II:llfGoogle Scholar
  8. 8.
    ibid.,II:36Google Scholar
  9. 9.
    ibid.,II:84Google Scholar
  10. 10.
    ibid.,II:341f.Google Scholar
  11. 11.
    ibid.,II:130Google Scholar
  12. 12.
    ibid.,II:136f.Google Scholar
  13. 13.
    § 546, ibid.,II:359f.Google Scholar

Zu VI.5.2

  1. 1.
    D. Brüggemann 1970Google Scholar
  2. 2.
    Steinmetz (2)1971:21Google Scholar
  3. 3.
    CD II:358(29–31)Google Scholar
  4. 4.
    Steinmetz (2)1971:21Google Scholar
  5. 5.
    Lindberg 1973:256. Seinen Ausgang nahm der Opernstreit schon mit Anton Reisers Theatromania oder Wercke der Finsterniß in den öffentlichen Schauspielen. Ratzeburg 1681.Google Scholar
  6. 6.
  7. 7.
    Das gilt insbesondere für Gottscheds Burteilung der Oper, wobei er bis in den Sprachduktus hinein die Haltung der pietistischen Bühnenkritik übernimmt: “Ich sehe überdas die Opera so an, wie sie ist; nämlich als eine Beförderung der Wollust, und Verderberinn guter Sitten. Die zärtlichsten Töne, die geilsten Poesien, und die unzüchtigsten Bewegungen der Opernhelden und ihrer verliebten Götinnen bezaubert die unvorsichtigen Gemüther, und flößen ihnen ein Gift ein, welches ohnedem von sich selbst schon Reizungen genug hat.” CD II:368(18–25)Google Scholar
  8. 8.
    Fuhrmann 1728:18Google Scholar
  9. 9.
  10. 10.
    “Der Mimus stellet sich noch ungebärdiger, und sucht darin eine gloire, wenn er der Welt zeigen kan(!), was er vor herrliche Pickelherings=Naturalia besitze. Das ist aber recht bestialisch, ja über bestialisch. Denn die allerwildeste Bestie wird aus freyem Willen nicht rasen, oder anders ihres gleichen zu Gefallen eine närrische Conduite sich angewehnen; und die vernünfftige Creatur, so nach Gottes Ebenbild erschaffen, tuts.” ibid:30Google Scholar
  11. 11.
  12. 12.
  13. 13.
    Rieck 1976:382Google Scholar

Zu VI.5.3

  1. 1.
    Gottsched 1760, Sp. 988 (Handlexicon)Google Scholar
  2. 2.
  3. 3.
    CD II:357(6–15)Google Scholar
  4. 4.
    CD II:359 (25–28) u. 360(2–6)Google Scholar
  5. 5.
  6. 6.
    Hinck 1968:18Google Scholar
  7. 7.
    Wolfgang Hecht: Materialien zu Luise A. V. Gottsched ‘Der Witzling’ und J. E. Schlegel ‘Die stumme Schönheit’. Berlin 1962:163; zit. n. Hinck 1965:175Google Scholar
  8. 8.
    Aikin-Sneath (1936) 1964:18Google Scholar

Zu VI.5.4

  1. 1.
    CD II:352(7–9)Google Scholar
  2. 2.
    CD II:(25)-353(4)Google Scholar
  3. 3.
    CD II:354(31–33)Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. CD (Ketelsen ed.) 1970:117; CD (Steinmetz ed.) 1972:192. Diese Variante ist im Variantenverzeichnis CD (Birke ed.) III:140 nicht angegeben.Google Scholar
  5. 5.
    CD II:355(14–15)Google Scholar
  6. 6.
    CD II:356(7–8)Google Scholar
  7. 7.
    CD II:351(18–21). CD (Ketelsen ed.) 1970:115; CD (Steinmetz ed.) 1972:189: Auch diese Variante fehlt in CD (Birke ed.) III:139. Vgl. auch CD II:573(12–17)Google Scholar
  8. 8.
    CD II:356(29)-357(6)Google Scholar
  9. 9.
    Gottsched 1760, Sp. 52. An diese Affen-Allegorie hatte Holl in seiner Dissertation 1910 angeknüpft, um innerhalb der Komödientheorie die Heterogenität von Didaktik und Naturnachahmung plausibel zu machen. Die Gleichung Tier/Narr/Clown findet sich noch in Adornos Ästhetischer Theorie. Adorno (1970) 1973:180–182Google Scholar
  10. 10.
    Cf. John Cohen: Golem und Roboter. Frankfurt am Main 1968:72–85; Helmut Swoboda: Der künstliche Mensch. München 1967:127–141Google Scholar

Zu VI.6

  1. 1.
    CD II:583(5–12)Google Scholar
  2. 2.
    Caudwell 1971:104Google Scholar
  3. 3.
    Cf. G. Sanga: Note sullo spettacolo populare. In: Strumenti critici 11, 1977: 218Google Scholar
  4. 4.
    Moreno 1924:65f. unterscheidet daher in seiner Theatertheorie auch folgerichtig die Improvisation im Geiste eines vorgegebenen Musters vom autonomen Stegreifspiel, in dem die Subjekte sich selbst als Gegenstand und die Bühne als Welt nehmen und in dieser Verdoppelung des Scheins sich selber entdecken.Google Scholar
  5. 5.
    Zur “jouissance” der Jazzimprovisation cf. Terence Hawkes: Structuralism and Semiotics. London 1977:121. Schon Vito Pandolfi: La Commedia dell’arte. Storia e testo. Firenze 1957ff., VI:9 hat in einem kulturtypologischen Hinweis die Jazzimprovisation mit der Spielweise der commedia dell’arte verglichen. Zum Begriff der “jouissance” s. u. Kap. VII.3., Anm. 6Google Scholar
  6. 6.
    Vladimir Jankélévitch: La Rhapsodie. Verve et improvisation musicale. Paris 1955:205Google Scholar
  7. 7.
    Hodgeson/Richards 1972:166Google Scholar

Zu VI.7

  1. 1.
    Salzbrunn 1957:5Google Scholar
  2. 2.
    Ballhausen 1955:105, Anm.2.Google Scholar
  3. 3.
    Lessing (1767) 1966:74Google Scholar
  4. 4.
    Piens 1954:12 (= Einleitung zu F. Riccoboni 1750)Google Scholar

Zu VI.7.1

  1. 1.
    “Nous avons vu de notre tems le Baron & la le Couvreur toucher tout le monde par une Declamation simple & naturelle, & le bon sens veut que nous ne cherchions point de plaisir dans la fiction, lorsque nous pouvions l’avoir dans la verité, sur-tout dans une profession comme celle du Comédien, qui n’emprunte ses traits que de la Nature même.” L. Riccoboni (1738) 1740 = 1969:268Google Scholar
  2. 2.
    L. Riccoboni (1738) 1740 = 1969:248Google Scholar
  3. 3.
  4. 4.
  5. 5.
    “Le plus grand nombre des Spectateurs Frangois, n’est pas en état de sentir ce qu’on appelle vérité d’action: (...) car s’ils envisageoient la Nature & la Verité telles qu’elles sont en effet, ils en seroient révoltés.” ibid: 267 u. 268Google Scholar
  6. 6.
  7. 7.
  8. 8.
    Schon auf dem Höhepunkt der Querelle hatte z.B. de Boissimon (Les Béautez de l’ancienne eloquence. Paris 1698:22 u. 57f.) das Verhältnis von art und nature innerhalb der elocutio derart bestimmt, daß die geäußerte Gebärde im Sinne eines Kunstausdrucks mit der intendierten Wirkung des “je ne sgay quoy de naturel” (22) zusammenfällt. Jean Léonor de Grimarest (Traité du recitatif dans la lecture, dans l’action publique, dans la déclamation, & dans le chant. Paris 1707. Reprograf. Nachdruck New York 1978 der 2. Auflage Den Haag 1760) versucht erstmals, “die Bewegungen der Natur” (94) im Rahmen der überkommenen Affektrhetorik in eine “Art neuen” (106) theatralischen Deklamationsstil zu überführen. L. Riccoboni und Rémond de Sainte Albine (1747) führen die von Grimarest begonnene Diskussion eines natürlichen Darstellungsstils im Sinne einer bestimmten Schauspieltechnik fort. Das bei Grimarest thematisierte Grundproblem einer ‘natürlichen’ Schauspielkunst –– die kontinuierliche Veräußerung der inneren Logik eines Handlugsablaufes –– ist noch der Kernpunkt des Systems von Konstantin S. Stanislawski zu Beginn des 20. Jahrhunderts.Google Scholar
  9. 9.
    L. Riccoboni (1738) 1740 =1969:251Google Scholar
  10. 10.
    “Il faut pour cela qu’il déclame si naturellement, qu’il force, pour ainsi dire, les Spectateurs a croire que tout ce qu’il dit il le pense dans l’instant même; (...).” ibid:264Google Scholar
  11. 11.
  12. 12.
  13. 13.
  14. 14.
  15. 15.
  16. 16.
  17. 17.
  18. 18.

Zu VI.7.2

  1. 1.
    G. E. Lessing: Werke (Göpfert et al. ed.), III:206–207; ibid:209–210; ibid:212–214 (= Rezensionen vom 30.5., 25.6. und 4.7.1754)Google Scholar
  2. 2.
    “Aus dem, was von der durch Fertigkeit erlangten Bewegung in Wellenlinien gesagt worden, wird man vielleicht finden, daß wenn man die theatralische Handlung, besonders die reizende, linienmäßig lernte, sie geschwinder und richtiger durch Hülfe der vorhergehenden Grundsätze.” könnte gelernet werden, als durch die Methoden, denen man sich bisher bedienet hat.” Hogarth (1753) 1754:88. Zu Interpretation von Hogarths Analysis of Beauty und zum Problem einer Kör-persemiotik im kunsthistorischen Kontext cf. Kemp 1975:120f.Google Scholar
  3. 3.
    Als Folge der widerspruchsvollen Aufgabe eines –– seinem Selbstverständnis nach –– ‘natürlichen’ Theaterspiels, am Körper des Schauspielers einen illudierten anderen Körper darzustellen, der zugleich den fiktionalen Körper der Figur und ein gesellschaftlich imaginäres Körperbild vorstellen soll, finden sich noch weit bis ins 19. Jahrhundert Elemente der rhetorischen Körperdarstellung in den Traktaten zur Schauspielkunst. Cf. Gilbert Austin: Die Kunst der rednerischen und theatralischen Deklamation (1807). (Übers. v. Chr. Fr. Michaelis) Leipzig 1818. Reprograf. Nachdruck Leipzig 1969, passim; E. Thürnagel: Theorie der Schauspielkunst (1836). Mannheim (2)1841:127f.Google Scholar
  4. 4.
    “Man bemerke, daß man sich reizender Bewegungen in Schlangenlinien nur bey Gelegenheit, und mehr bey müßigen Stunden, bedienet, als sie beständig bey jeder Handlung, welche wir machen, anwendet.” Hogarth (1753) 1754:82f.Google Scholar
  5. 5.
  6. 6.
  7. 7.
  8. 8.
  9. 9.
    “Man merke hier, daß, da die ganze Schönheit auf eine beständiges Verändern ankömmt, eben dieses auch hier, in Ansehung der artigen und schönen theatralischen Handlungen, muß beobachtet werden.” ibid:89. Lessing interpretiert in seiner Rezension des Hogarthschen Werkes die Wellenlinie als “die wahre Linie der Schönheit” und die Schlangenlinie als “die wahre Linie des Reizes”. Lessing: Rez. (1); Werke, (Göpfert et al., ed.), III:207Google Scholar
  10. 10.
    Hogarth (1753) 1754:8Google Scholar
  11. 11.
  12. 12.
    “(...) ein Strahl von dem Object aus nach dem Centro des Augs/(...).” Dubreuil (1639) (1710) = 1977:5Google Scholar
  13. 13.
    Ballhausen 1955:16Google Scholar
  14. 14.
    Elias (1936) (5)1978Google Scholar
  15. 15.
    Kriss-Rettenbeck 1964/65:30f.Google Scholar
  16. 16.
    Cf. Roland Haas: Lesend wird sich der Bürger seiner Welt bewußt. Der Schriftsteller Johann Gottfried Schnabel und die deutsche Entwicklung des Bürgertums in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Frankfurt/M-Bern-Las Vegas 1977Google Scholar
  17. 17.
    Ballhausen 1955:186ff.Google Scholar
  18. 18.
    G. Simmel 1923: 241Google Scholar
  19. 19.
  20. 20.
    Hogarth (1753) 1754:87Google Scholar

Zu VI.7.3

  1. 1.
    Abgedruckt im Anhang zum reprograf. Nachdruck der Art du Théâtre (1750) 1971. Da beide seitengleich paginiert sind, werden die beiden Texte als ‘Art’ und als ‘Lettre’ zitiert.Google Scholar
  2. 2.
  3. 3.
    Rémond de Sainte Albine (1747) 1749; vgl. a. Lessing 1754(b), insbes. p.151f.Google Scholar
  4. 4.
    Lettre:5f.Google Scholar
  5. 5.
  6. 6.
    Meine Übers., G. L.; Art:26Google Scholar
  7. 7.
  8. 8.
  9. 9.
  10. 10.
  11. 11.
  12. 12.
    “Bien loin que je me fois jamais rendu a cet avis (die Hypothese der Einheit von dargestelltem und erlebtem Gefühl, G. L.), qui est presque généralement reçû, il m’a toujours paru démontré que si l’on a le malheur de resentir véritablement ce que l’on doit exprimer, on est hors d’état de joüer.” Art:37Google Scholar
  13. 13.
    Piens (Einleitung zu F. Riccoboni 1750) 1954:15f.Google Scholar
  14. 14.
    “(...) les mouvemens de l’un produisent ceux de l’autre, & que tous se maintiennent exactement dans la situation où la Scène doit les mettre.” Art:81. –– Diderot greift F. Riccobonis Ideen sofort auf, er prägt auch den Begriff des ‘dédoublement’. Das Theater wird für Diderot aufgrund des ‘dédoublement’ zu einem Modell gesellschaftlicher Praxis, in dem sowohl die narzißtische Spiegelung des Selbst als auch die didaktische Vorspiegelung für andere durchlebt werden kann (Lewinter 1976:22). Ein solches Leben ist aber nur um den Preis des Todes, der Verwandlung in die gefühllose Materie der Fiktion zu gestalten –– ästhetische Praxis wird so auch zum Modell der Überwindung des Todes (Lewinter 1976:240): die Verdoppelung des Schauspielers in fiktive Repräsentation (R) und reale Präsenz (A) ist als dialektisches Bild der möglichen Transgression von Leben und Kunst gefaßt. Indem das Schauspielerparadox –– “diese unbegreifliche Spaltung des eigenen Selbst” (Diderot (1770–1773) 1968,I:493) –– zum philosophischen Gleichnis der psychischen Gespaltenheit der Menschen wird, ist es zugleich auch eine Kritik der ökonomisch doppelten Existenzweise –– allerdings in noch unbegriffener und unbegrifflicher Form: der tote Warenkern und der Schein als Gebrauchswertsubstitution werden in der ästhetischen Praxis zugleich aufgehoben und dargestellt. Das Schauspielerparadox wird so zu einem reichhaltigen Bild der bürgerlichen Praxis überhaupt, und zwar in allen Dimensionen: psychisch, ästhetisch, philosophisch und ökonomisch. 15 Art:44Google Scholar
  15. 16.
    Piens 1954:18 (= Einleitung zu F. Riccoboni 1750)Google Scholar
  16. 17.
    “Mais les hommes d’un rang moins élevé, qui s’abandonnent plus aisément aux impressions qu’ils recoivent, le peuple qui ne scait point contraindre ses sentimens, ce sont-la les vrais modéles(!) de la forte expression.” Art:43Google Scholar
  17. 18.
    Meine Übers., G. L.; Art:59Google Scholar
  18. 19.
    Lessing (Piens ed.) 1954:77. “En un mot il faut exprimer comme le peuple, & se présenter comme les grand.” Art:43Google Scholar
  19. 20.
    Art:78. Das später in der Formulierung von J. J. Engel 1785–1786,II:206 als “Con-tinuität des Spiels” bezeichnete Stilcharakteristikum bürgerlicher Schauspielkunst erfährt hier seine produktionsästhetische Begründung..Google Scholar
  20. 21.
    Lessing (Piens ed.) 1954:91Google Scholar
  21. 22.
  22. 23.
  23. 24.
  24. 25.
  25. 26.

Zu VI.8

  1. 1.
    Leutz 1974:31; Burkart 1972:18f. Vgl. a. Lewis Yablonski: Psychodrama. Stuttgart 1978 sowie A. J. Greimas: Le modèle transformationel et le psychodrame. In: ders.: Sémantique structural. Paris 1966:213–221Google Scholar
  2. 2.
    Moreno 1924:7Google Scholar
  3. 3.
  4. 4.
    “Die Aktualität der Konflikte, von denen die Zuschauer auch subjektiv beherrscht sind, wird dem Theater die verlorene Unmittelbarkeit zurückgeben. Das Theater wird den Menschen wieder erschüttern.” ibid:66f.Google Scholar
  5. 5.
  6. 6.
    Moreno 1924:77f.Google Scholar
  7. 7.
    “Jede Gestalt aus Sein wird durch sich selbst in Schein aufgehoben und Sein und Schein gehen in einem Lachen unter. Es ist das letzte Theater.” ibid:75Google Scholar
  8. 8.
  9. 9.
    Der Arzt und Dichter Moreno hatte den Prototyp eines Tonbandgerätes erfunden und das Patent in die USA verkauft. Leutz 1974:32Google Scholar
  10. 10.
    The Impromtu School. Brooklyn 1928; Impromtu vs. Standardisation. New York 1929. Cf. die Bibliografie der Schriften Morenos in: Leutz 1974Google Scholar
  11. 11.

Zu VI.8.2

  1. 1.
    Artaud (1938) 1969:11Google Scholar
  2. 2.
    Die soufflierte Rede und Das Theater der Grausamkeit und die Geschlossenheit der Repräsentation. In: Derrida (1967) 1972, pp.259–301 u. 351–379Google Scholar
  3. 3.
    Artaud (1938) 1969:95Google Scholar
  4. 4.
    Derrida (1967) 1972:290f.Google Scholar
  5. 5.
    ibid:267; vgl. a. Paz (1956) 1971:435f.Google Scholar
  6. 6.
    Über das balinesische Theater und Orientalisches und abendländische Theater.In: Artaud (1938) 1969, pp.57–72 u. 73–78Google Scholar
  7. 7.
  8. 8.
  9. 9.
  10. 10.
    Derrida 1972:359Google Scholar
  11. 11.
    Alfons Michael Dauer: Stil und Technik im afrikanischen Tanz. (= Sonderbeilage zu “Afrika heute” 15.12.1967) p.1.Google Scholar
  12. 12.
    Alfons Michael Dauer: Kinesis und Katharsis. Prolegomena zur Deutung afrikanischer Rhythmik. (= Sonderbeilage zu “Afrika heute” 15.10.1969); vgl. dazu auch: John Miller Chernoff: African Rhythm and African Sensibility: Aesthetics and Social Action in African Musical Idioms. Chicago 1979.Google Scholar
  13. 13.
    Moreno 1924:56f.Google Scholar
  14. 14.
    Hodgson/Richards (1966) 1972:49Google Scholar
  15. 15.
    Pörtner 1972; Pfister 1977:25Google Scholar

Zu VI.8.3

  1. 1.
    Melchinger 1974,II:202Google Scholar
  2. 2.
    ibid.,II:240Google Scholar
  3. 3.
    Th. Buck 1971:6Google Scholar
  4. 4.
    Brecht 1967,I:341Google Scholar
  5. 5.
    ibid:II:677Google Scholar
  6. 6.
    ibid,I:343Google Scholar
  7. 7.
    ibid:III:1009Google Scholar

Zu VI.9.1

  1. 1.
    Foucault 1977:128f.Google Scholar
  2. 2.
  3. 3.
    ibid. Nitzschke 1974 spricht von einer “Erfindung der Sexualität” durch die gesellschaftliche Rationalität, die von dieser zugleich beherrscht wird.Google Scholar

Zu VI.9.2

  1. 1.
    L. Riccoboni (1743) 1747 = 1971:12Google Scholar
  2. 2.
  3. 3.
  4. 4.
  5. 5.
  6. 6.
    “Il est constant que sur le Théâtre la punition doit être proportionée au vice & qu’il faut qu’elle soit telle que le vicieux la mérite.” ibid:281Google Scholar
  7. 7.
  8. 8.
  9. 9.
  10. 10.
  11. 11.
    E. & J. Goncourt (1862) 1963; cf. auch: Aus der Chronique Scandaleuse. In: Franz Blei (ed.): Geist und Sitten des Rokoko (1923), Gütersloh o.J., p.271–320 und: Die Polizeiberichte für den König, ibid:409–415Google Scholar
  12. 12.
    Foucault 1977:145. “Im Prozeß der Hysterisierung der Frau wurde der ‘Sex’ dreifach definiert: als das, was dem Mann und der Frau gemeinsam ist; oder als das, was in erster Linie dem Mann gehört und was der Frau folglich fehlt; oder auch als das, was für sich allein den Körper der Frau ausmacht, indem es ihn gänzlich den Fortpflanzungsfunktionen unterwirft und den daraus folgenden Störungen; die Hysterie ist in dieser Strategie das Spiel des Sexes als das ‘eine’ und das ‘andere’, das Ganze und der Teil, Grund und Mangel.” ibid: 182. –– Die Unterwerfung der Frau unter eine neue Form der Moral und der Widerspruch der Schauspielerin zu diesem bürgerlichen Ethos wurde in mehreren zeitgenössischen Romanen und fiktiven Biografien gestaltet, so z.B. de Sainte-Croix: La Comédienne, Fille et Femme de Qualité, ou Mémoirs de la marquise de P., Brüssel 1747; Père Minime Michel-Ange Arin: La Farfalla ou la Comédienne convertie. Avignon 1762; Restif de la Bretonne: Le Mimigraphe ou Idées d’une honnête femme pour la réformation du theatre national. Amsterdam 1770.Google Scholar
  13. 13.
    Weidenfeld 1959:44Google Scholar
  14. 14.
    L. Ricco-boni (1743) 1747 = 1971:102f.Google Scholar
  15. 15.
    ibid:115f.Google Scholar
  16. 16.
    ibid. Dies ist der achte Punkt im Reformprogramm.Google Scholar
  17. 17.
    Stewart 1973:20Google Scholar

Zu VI.9.3

  1. 1.
    CD II:355 (10–16)Google Scholar
  2. 2.
    “Ich sehe niemals Comödianten; ich sehe Könige und Helden auf der Schaubühne. Ich höre, was sie reden und thun, so lange sie ihre Rollen spielen; nicht aber, was sie zu Hause in ihrem Leben und Wandel vornehmen. Warum soll ich mich, um so weit gesuchter Ursachen halber, eines Vergnügens berauben, das so nützlich ist?” Gottsched: Akademische Rede... (1749). In: Ausgewählte Werke. Bd. 9,2. Berlin-New York 1976, p.500(24–29)Google Scholar
  3. 3.
    CD II:573–581Google Scholar
  4. 4.
    ibid.,II:579(16)Google Scholar
  5. 5.
    Stockinger 1977: 150f.Google Scholar
  6. 7.
    Lohmeier 1977:133Google Scholar
  7. 8.
    Schlaffer 1971:156f.Google Scholar
  8. 9.
    Verweyen 1975:282f.Google Scholar
  9. 10.
  10. 11.
    “Die schönsten Stellen in den Poeten handeln von der Liebe, von Mädgen, und von Küssen. Wenn man dieselben anführt, so kan man freylich dabey nicht weinen, sondern man verspührt eine jugendliche Lust, die das Gemüthe aufheitert und das Herz erquickt. Was sagen nun dazu unsere finstern Sittenrichter? Sie nennen das Zoten, unkeusche, liederliche und ärgerliche Gedancken. Ich behaupte aber das Gegentheil. (...)” G. F. Meier (1748–1750) = 1976,I:36f.Google Scholar
  11. 12.
    Bürger 1972:131f. Vgl. a. Altenhofer 1972: 117–120Google Scholar
  12. 13.
    Die Formel findet sich (hier leicht abgeändert) in Spacegna 1978:262Google Scholar
  13. 14.
    Anger 1957:185Google Scholar
  14. 15.
    “Nicht die Überzeugung von der Unwesentlichkeit der normorientierten Existenz ruft also dieses Lachen hervor, sondern vielmehr der Wunsch, dem drohenden Wesensverlust der gesellschaftsvermittelten Identität durch die Ridikuli-sierung der eigenen Widersprüche zu begegnen.” Miething 1975:153Google Scholar
  15. 16.
    Schlaffer 1971:152Google Scholar
  16. 17.
  17. 18.
    ibid:152f.Google Scholar
  18. 19.
    Bergson (1900) 1948Google Scholar
  19. 20.
    Jean Paul (1804) 1974Google Scholar
  20. 21.
    Cf. Stewart 1973:38f.Google Scholar
  21. 22.
    Hans Mayer: Die bösen Spiele des Ancien Régime (in: H. Schulte, ed.: Spiele und Vorspiele. Frankfurt am Main 1978) deutet den Immoralismus der vorrevolutionären Epoche als Ausdruck einer Gesellschaft “ohne Finalität”. (S.70)Google Scholar

Zu VI.9.4

  1. 1.
    “(..), la nation se poliroit de plus en plus jusques parmi le peuple, les sentimens de vertu entreroient avec le plaisir dans les coeurs des Citoiens, & par le perfectione-ment de nos moeurs, la societé deviendroit tous les jours plus douce, plus tranquile & plus h(e)ureuse, & c’est le but que je m’étois proposé dans ce Memoire.” Saint-Pierre 1728–1730,II:194Google Scholar
  2. 2.
    ibid.,II:187Google Scholar
  3. 3.
    Chavigni de Saint-Martin: Le Triomphe de la Comédie, ou Response a la Critique de Prélats de France. Brüssel 1706; Nicolas de Gueu-deville: LA COMEDIE DE PLAUTE, NOUVELLE TRADUCTION. 10 Bde. (Préface du Traducteur, Bd.1. p.;;1r–;;;;3r). Leyden 1719; Anonym (= de Sautour): DISSERTATION PRELIMINAIRE De M. de S... a M. L’Abbé C... Docteur de Sorbonne, SUR LE POEME DRAMATIQUE, ou l’on examine s’il est permis d’aller à la Comédie, d’en faire et d’en representer, et où l’on répond aux Objections des Monseigneur le Prince de Conty, Monseigneur l’Evêque de Meaux, M. Nicole, & autres. Amsterdam 1729Google Scholar
  4. 4.
    Saint-Pierre 1728–1730, II:177. Im Plan von Saint-Pierre übernimmt eine Reformkomission (Bureau des Spectacles), die aus acht oder zehn “kunstsinnigen Bürgern” besteht, diese Funktion. Die ersten vier Mitglieder bestimmt der König, diese wählen dann die restlichen hinzu. Ein ähnliches Modell hatte schon Swift 1708 in seinem Project For the Advancement of Religion And the Improvement of Manners vorgeschlagen; cf. Bourquin 1920:558, Anm. 1Google Scholar
  5. 5.
    L. Ricco-boni (1743) 1747 = 1971:68Google Scholar
  6. 6.
  7. 7.
  8. S ibid:69f.Google Scholar
  9. 9.
  10. 10.
    ibid:98–106Google Scholar
  11. 11.
    “Peu à peu le Spectacle se repeuplera; & le vuide(!), causé par la désertion des libertins, sera bien-tôt rempli par des hommes sages & raisonnables, dont l’approbation sera plus flateuse & d’un plus grand poids pur les Auteurs & les Acteurs du nouveau Théâtre.” ibid: 110Google Scholar

Zu VI.10

  1. 1.
    “Sie ist eine Wissenschaft der Zeichen unserer Leidenschaften.” Meier (1744) = 1971:9, § 9. Ein ähnliches Programm einer Ausdruckssemiotik hatte auch Bodmer in seinen Criti-schen Betrachtungen über die Poetischen Gemähide der Dichter (1741) formuliert: “Des-gleichen Zeichen sind die Gesichtszüge, Gebehrdungen und Stellungen des Cörpers, ferner die Figuren der Rede, die Sitten, die Handlungen, und die Reden des Menschen.” Bodmer 1741:283.- Johann Caspar Lavaters Physiognomische Fragmente (1775–1778) 1829 versuchen tatsächlich die Physiognomik als Erfahrungsmodell einer abstrakten Erkenntnisfähigkeit der Menschen untereinander zu begründen, indem ihr jeweiliger ‘Verkehrswert’ objektiv an ihrer Ausdrucksgestalt abgelesen werden soll. Zur zeitgenössischen Kritik dieser semio-tischen Kastenlehre cf. Lichtenberg (1778) 1972.Google Scholar
  2. 3.
    Meier (1744) = 1971:2, § 2Google Scholar
  3. 3.
    ibid:9, §9–4 ibid:ll, §10–5 “Und wenn es mir erlaubt ist in dieser Allegorie fortzufahren, so kommen mir diejenigen Menschen, welche sehr wenigen und schwachen Leidenschaften unterworffen sind, wie die Schiffe vor, die wegen einer Windstille unmerklich fort gehen; oder wie die stillen Seen, die wegen Mangel der Bewegung, ein faules und stinckendes Wasser bekommen.” ibid:152, § 103Google Scholar
  4. 6.
    ibid:17f., § 15Google Scholar
  5. 7.
    ibid:129, § 91Google Scholar
  6. 8.
    ibid:401–403, § 230Google Scholar
  7. 9.
    ibid:392f., § 221Google Scholar
  8. 10.
    “Man muß die gantze sinnliche Gewißheit der Erkenntnis, die den andern bewegt, aufheben, oder sie doch wenigstens so schwach machen, daß sie nicht mehr zureicht das Gemüth zu bewegen. Folglich muß man beweisen, der andere irre ganz und gar, und seine Vorstellung sey was falsches erdichtetes, und ein Hirngespinste. Man muß daher den andern zu überzeugen suchen, (...) daß der gantze Gegenstand seiner Leidenschaft nichts würckliches, vergangenes, gegenwärtiges, oder zukünftiges sey. Solt e(!) das gleich erlogen seyn, es schadet nichts. Genug, wenn man nur den andern davon überzeugen kan, nach den Regeln, die ich in dem vorhergehenden Hauptstücke vorgeschlagen habe (, zu handeln).” ibid:358, § 199 (Meine Hervorhebung, G. L.)Google Scholar
  9. 12.
    ibid:364, § 201Google Scholar
  10. 13.
    K. Bohnen: Einleitung zu G. F. Meier (1744) = 1977:XIII f.Google Scholar
  11. 14.
    ibid:19, §14Google Scholar
  12. 15.
  13. 16.
    ibid:27, §20Google Scholar
  14. 17.
    ibid:105ff., § 80Google Scholar
  15. 18.
    ibid:33f., § 27Google Scholar
  16. 19.
    ibid:38, § 31Google Scholar
  17. 20.
    ibid:51, §38Google Scholar
  18. 21.
    “Noch einmal, ein guter Schertz muß ein Thema seyn, darüber ein witziger Kopf, einen sehr langen allegorischen und Emblema-tischen Vortrag halten könnte.” ibid:68, § 50Google Scholar
  19. 22.
    ibid:115, § 89Google Scholar
  20. 23.
    ibid:81, § 62Google Scholar

Zu VI.11.1

  1. 1.
    “Man spricht viel beherzter, weil man sieht, daß jedermann Theil an der Lust nimmt; man scherzet viel artiger, weil der Witz durch die Freude aufgeweckt und lebhaft gemacht wird; man lernet einander kennen, weil das Herz bey der Lust sich am ersten zu verrathen pflegt; man fasst Hochachtung und Freundschaft gegen diejenigen, an welchen man unter allen diesen Lustbarkeiten ein edles und anständiges Wesen bemerket.” J. E. Schlegel (1745) 1764:433; vgl. auch J. E. Schlegel: Der Fremde. 5.Stück (4. Mai 1745) in Werke 1770,V:42–51Google Scholar
  2. 2.
    J. E. Schlegel (1745) 1764:428Google Scholar
  3. 3.
    ibid:446f.Google Scholar
  4. 4.
    ibid:445f.Google Scholar
  5. 5.
    zur Lippe 1974,II:239f.Google Scholar
  6. 5.
    J. E. Schlegel (1745) 1764:446Google Scholar

Zu VI.11.2

  1. 1.
    Antoniewicz, Einleitung zu J. E. Schlegel (1887) = 1970:XXXII; Hofius 1954:27Google Scholar
  2. 2.
    J. E. Schlegel (1742) 1963:487Google Scholar
  3. 3.
    Hofius 1954:33; Baeumler 1923:153Google Scholar
  4. 4.
    Friderici 1957:36; Schubert 1959:218; Krohn/Rieck (eds.) 1971:270. In seiner Einleitung zu Schlegel (1887) = 1970 weist Antoniewicz auf eine mögliche Beeinflußung Schlegels durch die ästhetische Diskussion in Frankreich hin, wie sie in den zehn Bänden der Histoire de l’Academie royale des inscription et belles lettres, sowie den Mémoires de litterature tirez des régistres de l’Academie royale dokumentiert ist.Google Scholar
  5. 5.
    J. E. Schlegel (1742) 1963:487f. u. 500; J. E. Schlegel (1740) 1963:410, vgl. auch 410f.Google Scholar
  6. 6.
    J. E. Schlegel (1742) 1963:493Google Scholar
  7. 7.
    ibid:500 (§ 13)Google Scholar
  8. 8.
  9. 9.
    “Daraus folget, daß der höchste Grad der Nachahmung von dem höchsten Grad der Aehnlichkeit unterschieden sey. Der höchste Grad der Nachahmung ist nämlich, wenn alle Verhältnisse in den Theilen des Bildes, die der Nachahmung fähig sind, mit dem Vorbilde übereinstimmen.” ibid:499f. (Im Original hervorgehoben, G. L.)Google Scholar
  10. 10.
    ibid:496f., §9Google Scholar
  11. 11.
    Antoniewicz: Einleitung (1887) = 1970;CIII; Wilkinson (1945) 1973:58; Hofius 1954:31Google Scholar
  12. 12.
    J. E. Schlegel (1742) 1963:494f.Google Scholar
  13. 13.
    Schubert 1959:133f.; vgl. a. H. Boetius: Nachwort zu Möser (1761) 1968:85Google Scholar
  14. 14.
    J. E. Schlegel (1742) 1963:507Google Scholar
  15. 15.
    ibid:509 (Im Original teilweise hervorgehoben)Google Scholar
  16. 16.
    “§.22. Bey dem Vergnügen, das aus der Nachahmung entstehen soll, wird nothwendig vorausgesetzt, daß das Bild und Vorbild in der Einbildungskraft dererjenigen, bey denen die Nachahmung einen Eindruck machen soll, gegen einander gehalten werden: folglich werden in dieser Einbildungskraft zwo Vorstellungen erfordert, nämlich eine von dem Vorbilde und die andere von dem Bilde; und die ganze Wirkung der Nachahmung fällt hinweg, so bald eine von diesen beyden Vorstellungen mangelt.” ibid:518 (Im Original hervorgehoben)Google Scholar
  17. 17.
  18. 18.
    “Wenn also unsre Begriffe öfters falsch sind, und wenn wir dennoch die Bilder, die wir durch die Nachahmung hervorbringen, den Begriffen der Menschen ähnlich machen müssen: So folgt nothwendig, daß diese Bilder der Sache, der wir nachahmen, nicht nur zuweilen, sondern so oft unähnlich seyn müssen, als die Begriffe, nach denen die Menschen unsre Bilder beurtheilen werden, den Sachen selbst unähnlich sind.” J. E. Schlegel (1741) 1963:482Google Scholar
  19. 19.
    J. E. Schlegel (1742) 1963:514f.Google Scholar
  20. 20.
  21. 21.
  22. 22.
  23. 23.
    J. E. Schlegel (1747) 1967:88Google Scholar
  24. 24.
    J. E. Schlegel (1740) 1963:408–424Google Scholar
  25. 25.
    J. E. Schlegel (1742) 1963:518Google Scholar
  26. 26.
    “Es folgt also, daß in der Nachahmung das Bild und Vorbild, wenn der Nachahmende keine schon bestimmte Absichten dabey hat, so beschaffen seyn sollen, daß es einen allgemeinen Eindruck auf alle Menschen machen könne, ohne gewisse Begriffe einer besondern Art von Leuten voraus zu setzen, und daß es weder für die Leute von geübtem Verstande zu schlecht, noch für diejenigen, die einige Uebung des Verstandes gehabt, zu hoch sey; sondern für beyde auf einmal dienen könne.” ibid: 513f.Google Scholar
  27. 27.
    Salzbrunn 1957:41f.; Schubert 1959:152f., 154 u. 248Google Scholar
  28. 28.
    Der Fremde. 2. Stück (13. April 1745) in: J. E. Schlegel 1770,V:25f.; vgl. auch: ibid., 34. Stück (30. November 1745), p.384ff.Google Scholar
  29. 29.
    J. E. Schlegel (1742) 1963:513Google Scholar

Zu VI.11.3

  1. 1.
    “Wie es aber zu geschehen pflegt, daß man einer Tugend immer nicht viel zutrauen will, die einmal ein Zeugniß bedurft hat, und vertheidigt werden müssen; so hat die Komödie ihren Ruhm noch nicht völlig wiederherstellen können. Ihre abgedankten Bedienten tragen hierzu vieles bey. Denn der Muthwille hat dieselben in Dienste genommen, und sie setzen an vielen Orten die Unordnungen immer fort, die sie vordem unter dem Namen der Komödie getrieben. Sie sind der Ursprung der vielen Comödiantenbanden, welche ihre unflätigen Harlekine und ihre unsinnigen Staats=Actionen von einem Orte zum andern zur Schau herum führen, und den guten Namen der Komödie beflecken.” J. E. Schlegel. Der Fremde. 5. Stück (4. Mai 1745). In: Werke, 1770,V:49f.Google Scholar
  2. 2.
    J. E. Schlegel (1747) 1967:75Google Scholar
  3. 3.
  4. 4.
  5. 5.
  6. 6.
    ibid:76; cf. Antoniewicz (1887) = 1970:CLXVIIGoogle Scholar
  7. 7.
    J. E. Schlegel (1747) 1967:84Google Scholar
  8. 8.
  9. 9.
  10. 10.
  11. 11.
    “Hieraus folgt von selbst, daß eine Komödie, so sehr es ihre Absicht und Bestimmung ist, Lachen zu erwecken, doch allezeit mit Erregung einiger Leidenschaften vermischt sein muß.” ibid:97Google Scholar
  12. 12.
  13. 13.
  14. 14.
    J. E. Schlegel (1741) 1963:482f.Google Scholar
  15. 15.
    J. E. Schlegel (1747) 1967:103Google Scholar
  16. 16.
  17. 17.
  18. 18.
    ibid:84 u. 92Google Scholar
  19. 19.
    “Es ist alsdann ein Verdienst für einen klugen Kopf, wenn er auch in solchen Lustspielen das rechte Maß zu treffen und sie mit nützlichen Sittenlehren zu vermischen weiß und wenn er die Kunst versteht, indem er den Pöbel nach seiner Art belehret und ergetzt, andern, die nicht Pöbel sein wollen, zu zeigen, wie schlecht pöbelhafte Sitten stehen.” ibid:84Google Scholar
  20. 20.
    ibid:85. Ebenfalls gegen Gottsched- und damit gegen das traditionelle Konzept der Literaturdidaktik gerichtet –– formuliert Bodmer eine Theorie des Komischen als “moralischer Saamen”, der auf einer zweifachen Achse von moralischer Progression und poetischen Erkenntniskriterien angesiedelt ist. Das Komische hat danach eine vermittelnde Stellung zwischen dem ‘Wahren’ und dem –– ‘Wunderbaren’ einerseits und zwischen dem ‘Moralischen’ und dem ‘Unmoralischen’ andererseits. Der poetischen Progression entspricht auch ein moralisches Fortschreiten, aus der Untrennbarkeit beider Bewegungen resultiert auch die poetische und gesellschaftliche Legitimation der Komödie. Bodmer 1741:383, 475 u. 531Google Scholar
  21. 21.
    J. E. Schlegel (1747) 1967:86Google Scholar
  22. 22.
    ibid:88, 101 u. 103Google Scholar
  23. 23.
  24. 24.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1987

Authors and Affiliations

  • Günther Lohr

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