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Einleitung

Stimme des Komischen, Schrift der Komödie
  • Günther Lohr

Zusammenfassung

Am Ende von Piatons Symposion doziert Sokrates über die Tragödie und die Komödie, entgegen der athenischen Praxis behauptet er, “es sei Sache oes gleichen Mannes, sich auf das Dichten von Komödien und Tragödien zu verstehen und der kunstverständige Tragödiendichter sei auch ein Komödiendichter-” (1) Darüber schlafen Aristophanes und Agathon ein. Das Gähnen der antiken Philosophenrunde ist zu einem beliebten Eingangstopos literaturwissenschaftlicher Arbeiten über die Komödie geworden und bedeutet traditioneller Auffassung nach, daß schon die Runde um Sokrates nicht viel relevantes über die Komödie zu sagen vermochte, so als bedürfe sie einer theoretischen Durchdringung nicht: der Regeln der komödiantischen Praxis sei man insgeheim sicher, und das Theoretisieren schade gar dem Lachen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Platon 1926:99. Im folgenden werden die Literaturhinweise nur in Kurzangaben — bestehend aus dem Verfassernamen, dem Erscheinungsdatum und der Seitenzahl — zitiert. Werke bis 1800 finden sich im Quellenverzeichnis, später erschienene Werke enthält das Literaturverzeichnis.Google Scholar
  2. 2.
    Stierle in: Preisendanz/Warning 1976:373; Warning 1976: 279f.; Souriau 1948:168–172Google Scholar
  3. 3.
    Platon: Staat X, 5Google Scholar
  4. 4.
    Platon: Philebos 48 cGoogle Scholar
  5. 5.
    Kindermann (1952) 1975:112Google Scholar
  6. 6.
    Frye (1964) 1975:196Google Scholar
  7. 7.
    Farré (1967) 1975:197; Gutwirth (1964) 1975:371 u.379Google Scholar
  8. 8.
    Kallen 1911:152; Ritter 1940/41; Zijderveld 1976:179Google Scholar
  9. 9.
    Stierle 1975:163; Höllerer 1976:922Google Scholar
  10. 11.
    Johnson 1975:173; Ritter 1940/41Google Scholar
  11. 12.
    Warning 1976:303Google Scholar
  12. 13.
    Stierle 1975:79Google Scholar
  13. 14.
    Gabel (1962) 1967:96Google Scholar
  14. 15.
  15. 16.
  16. 17.
    cf. Warning 1974Google Scholar
  17. 18.
    Ritsert 1973:110Google Scholar
  18. 19.
    Foucault 1974(a):424Google Scholar
  19. 20.
    Kristeva 1974:180Google Scholar
  20. 21.
    Plessner 1953:167f.Google Scholar
  21. 22.
    Zu diesem Begriff Plessners cf. Dux 1970:294ff. und Hammer 1967. Vgl. a. Schütz 1971:180; Anders 1956:309Google Scholar
  22. 23.
    Ritsert 1973:110Google Scholar
  23. 24.
  24. 25.
    Althusser (1965) 1968:105Google Scholar
  25. 26.
    Foucault 1974(a): 425f. gebraucht den Begriff “hypo-epistemologisch” zur Charakterisierung der Position der Humanwissenschaften im Gesamtsystem des Wissens.Google Scholar
  26. 27.
    Deleuze 1969:65f.Google Scholar
  27. 28.
    Bourdieu (1972) 1976:147; Bourdieu (1970) 1974:20Google Scholar
  28. 29.
    Kristeva (1974) 1978:202Google Scholar
  29. 30.
    Deleuze 1969:160f. (im Orig. deutsch, G.L.)Google Scholar
  30. 31.
    Hinck 1977(a):25Google Scholar
  31. 32.
  32. 33.
    Frye (1957) 1975:1667Google Scholar
  33. 34.
    Johnson 1976:197Google Scholar
  34. 35.
    Martini (1963) 1975:354Google Scholar
  35. 36.
    Althusser (1965) 1969:146ff.Google Scholar
  36. 37.
    Marquard 1976:147Google Scholar
  37. 38.
    Warning 1974Google Scholar
  38. 39.
    Die Ständeklausel besagt, daß die in der Komödie auftretenden Figuren entweder sozial ‘niedriger’ oder ethisch ‘schlechter’ als die der Tragödie seien. In der Forschungsliteratur wird allgemein angenommen, daß die theoretische Begründung der Zweiteilung der dramatischen Gattung — es sind eigentlich drei, wenn man das Satyrspiel mitzählt — durch Aristoteles auf einer ethischen Unterscheidung beruht (Martino 1972:365f.). Demgegenüber weist Koller 1954:162f. darauf hin, daß die strenge Scheidung der Tänze in solche für Freie und Sklaven in der Folge zu einem beliebten Einteilungsschema nicht nur aller Dichtungsarten, sondern der Künste überhaupt wurde. Lindsay 1965:340 stellt fest, daß sich die Tragödie aus dem Agon der Satyre und damit der exponierten Figuren entwickelt habe, während die Komödie aus dem Agon des Komos, des gemeinen Gefolges entstanden sei. Die Grammatiker des 4. Jahrhunderts Diomedes, Donatus und Euanthius bauten ihre Gattungseinteilung auf einer solchen Unterscheidung auf, die sich dann über die mittelalterlichen Glossare fortpflanzte (Martino 1972:365f.) und in der Renaissance schon durch die lateinische Übertragung der aristotelischen Poetik des Alessandro de’ Pazzi (1536) in den Kanon der Poetiken aufgenommen wurde.- Sie findet sich noch in den ersten beiden Auflagen von Gottscheds Critischer Dichtkunst, erst mit der dritten Auflage (1742) wird sie in Deutschland gleichsam offiziell aufgehoben — der Weg für das bürgerliche Schauspiel ist frei.Google Scholar
  39. 40.
    Die Begriffe “Stimme” und “Schrift” sind der Grammatologie Derridas entlehnt. Cf. Derrida (1967) 1972; ders. (1967) 1974Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1987

Authors and Affiliations

  • Günther Lohr

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