Zur Ideologie der ‚Platte‘

  • Christine Hannemann

Zusammenfassung

Als Sache, mit der in der DDR gesellschaftliche Verhältnisse vermittelt wurden, hat die ‚Platte’ soziale Implikationen, in der „Grundzüge gesellschaftlicher Ordnung“ (Linde) angelegt sind. Eine solche Interpretation technischer Artefakte entspricht einer Soziologie der Sachen (Linde 1972) oder in einer neueren Weiterentwicklung dieses Ansatzes einer Soziologie der Sachverhältnisse (Joerges 1979). Im folgenden soll dieser theoretische Bezugsrahmen verwendet werden, um das Produkt ‚Platte ‘als ein Resultat sozialen Handelns, als einen symbolisch vermittelten Entstehungszusammenhang zu beschreiben. Obwohl dieser Herstellungsvorgang auf intentionales Handeln von individuellen und kollektiven Akteuren rückführbar ist, verweisen die diesen Handlungen zugrunde liegenden Deutungsmuster auf tieferliegende Strukturen. Die Analyse und Erklärung der sozialen Konstruktion von Sachen bzw. von Sachverhältnissen entspricht einer spezifisch soziologischen Herangehensweise an einen Objektbereich, der von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen — im Fall der ‚Platte ‘z.B. von der Kunst- und Architekturgeschichte, der Wirtschaftswissenschaften oder auch der Baukonstruktion — her behandelbar ist. Der gesellschaftlichen Konzeption der ‚Platte ‘muß bei der Behandlung der DDR ein besonderer Stellenwert zugebilligt werden, da die „herrschende Ideologie [...] in stärkerem Maße als in anderen sozialistischen Ländern [...] den Charakter einer Staatsräson [gewann]. Denn der SED war es verwehrt, die DDR gleichsam als nationale Notgemeinschaft gegen das Joch der sowjetischen Hegemonie zusammenzuschweißen: Ihre Herrschaft mußte sich auf die — wenn notwendig: unbedingte — Konformität mit dem sowjet-sozialistischen Modell stützen.“ (Meuschel 1992: 20)

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© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 1996

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  • Christine Hannemann

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