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Die Politik des FDGB im Herbst 1989: Die Stunde der Sekretäre

  • Rainer Weinert
  • Franz-Otto Gilles
Part of the Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB, volume 87)

Zusammenfassung

Im Sommer 1989 nahm der Flüchtlingsstrom von DDR-Bürgern in die bundesdeutschen Botschaften in Budapest, Prag und Warschau bedenkliche Formen an und erreichte im September seinen Höhepunkt, gleichzeitig verbreiterte sich der politische Protest in der DDR. Am 18. September war es in Leipzig im Anschluß an einen Gottesdienst zu einer größeren Demonstration gekommen; es folgte die Gründung unabhängiger politischer Gruppen (Neues Forum, Demokratie Jetzt, Demokratischer Aufbruch u.a.); am 19. September hatte die Synode der Evangelischen Kirche eine pluralistische Medienpolitik, Parteienvielfalt, Reisefreiheit und wirtschaftliche Reformen gefordert (Hertie 1996: 109). Da die westlichen Medien über diese Entwicklung berichteten, konnten sich die DDR-Bürger frühzeitig über das breite Ausmaß der politischen Unzufriedenheit in ihrem Land ein Bild machen. Faktisch hatte sich damit der Entscheidungsdruck auf die Partei- und Staatsftihrung massiv verstärkt, dem sich jedoch die Partei- und Staatsftihrung entzog und erst nach den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag am 7. Oktober 1989 handelte. Für unsere Fragestellung ist bedeutsam, welche Auswirkungen diese Wochen und Monate der Sprach- und Entscheidungslosigkeit auf die Akteure im FDGB hatten. Die Phase der „Sprachlosigkeit” wurde von den leitenden Kadern als besonders bedrückend erlebt. Im Präsidium des FDGB machte der Vorsitzende zwar wolkige Andeutungen über mögliche Änderungen, die den Apparat jedoch eher irritierten, denn inspirierten - „was wird nun kommen?” (Simon 1990: 127) war die beklemmende Frage der FDGB-Nomenklatura. Gleichzeitig nahmen im September die Austritte aus dem FDGB zu, über die intern nicht offen diskutiert wurde.95

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Rainer Weinert
  • Franz-Otto Gilles

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