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Das Neue Bauen und seine Vision einer neuen Gesellschaft

  • Barbara Miller Lane
Part of the Schriften des Deutschen Architekturmuseums zur Architekturgeschichte und Architekturtheorie book series (Arch.)

Zusammenfassung

Während der ersten Jahre nach dem Krieg verbot die wirtschaftliche Situation jede umfangreiche Baumaßnahme. Die Männer, die später zu führenden Vertretern der Moderne wurden, waren gezwungen, sich hauptsächlich auf schriftliche Äußerungen zu beschränken. Das Neue Bauen mit seinen schmucklosen kubischen Formen begann erst 1922 mit den ersten experimentellen Entwürfen des Bauhauses Gestalt anzunehmen. Erst nach 1924, im Zuge des dramatischen Wirtschaftsaufschwungs im Anschluß an die Inflation, erhielten radikale Architekten ihre ersten wichtigen Aufträge, auf die sich später ihr Ruhm innerhalb und außerhalb Deutschlands gründete. Bereits 1918 traten sie jedoch mit ihrer Idee an die Öffentlichkeit, daß die neue, durch Krieg und Revolution geprägte Gesellschaft eine vollkommen neuartige Architektur erfordere, frei von jeglicher Anlehnung an die Vergangenheit. Sie riefen nach einer ‚neuen Gemeinschaft‘, auf geistiger wie sozialer Ebene. Der Architektur fiel dabei, gestützt von der revolutionären Regierung, die Rolle zu, als wirkungsvolle erzieherische Kraft auf die Bürger des neuen Staates einzuwirken. Mehrere Jahre bevor das Neue Bauen tatsächlich realisiert wurde, hatten es seine Propheten auf diese Weise nicht nur mit der Entwicklung eines neuen ‚Stils‘ gleichgesetzt, sondern auch mit einem umfassenden sozialen und kulturellen Programm, das sich eng an die linksorientierte Regierung der Republik anschloß.

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Literatur

  1. 1.
    Will Grohmann, Wassily Kandinsky (New York 1961), S. 163 und Bernard Myers, The Ger- man Expressionists (New York 1967), S. 215–216Google Scholar
  2. 2.
    Gabo, Pevsner und Kandinsky verließen Rußland im Jahre 1921 auf Grund der wachsenden Abneigung der Regierung gegenüber moderner Kunst. Grohmann (vgl. Anm. 1) zufolge, S. 172, durchschaute man in Deutschland die wahre Einstellung der Bolschewisten erst im Jahre 1922.Google Scholar
  3. 3.
    H. Mann in Professor Unrat, 1905; F. Werfel in Der Weltfreund, 1911; R.J. Sorge in Der Bettler, 1912Google Scholar
  4. 4.
    Wassily Kandinsky, Über das Geistige in der Kunst, insbesondere in der Malerei (München 1921), Kap. III, auszugsweise nachgedruckt in: Der Sturm, Nr. 106, April 1912Google Scholar
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  6. 7.
    Myers, S. 275–279; Otto Grautoff, Die neue Kunst (Berlin 1921), S. 141–143; Fritz Hoeber,,Entwurf zu Kursen für Kunstbetrachtung, Kunstkritik und Kunstpolitik’, in: Feuer, Jan. 1920, S. 248–251. Die Ziele der Organisation,Der Wurf’ wurden veröffentlicht in der Bielefelder Volkswacht, 19. Jan. 1920,,Zeitungsarchiv 1’, Gropius-Archiv.Google Scholar
  7. 8.
    Zu den radikalen Kunstzeitschriften siehe Fritz Herzog, Die Kunstzeitschriften der Nachkriegszeit (Berlin 1940). Diese Arbeit ist bezüglich der Fakten verläßlich, jedoch in ihrer Interpretation tendenziös; weit ausgewogener ist die Abhandlung von Lillian Schacherl,,Die Zeitschriften des Expressionismus’ (München 1957)Google Scholar
  8. 9.
    Wilhelm Mommsen, Die Deutschen Parteiprogramme, 1918–1930 (Leipzig 1931), S. 45, 58, 66, 88.Google Scholar
  9. 10.
    Kurt Eisner in einer Rede mit dem Titel,Der sozialistische Staat und der Künstler’, nachgedruckt in: An alle Künstler (Berlin, Frühjahr 1919), S. 25–36. Der Band enthält Aufsätze von Künstlern und Politikern, die die Beziehung der Künste, besonders der Malerei, zur neuen Gesellschaft und zum neuen Staat behandeln.Google Scholar
  10. 11.
    Konrad Haenisch,,Das Kunstprogramm der Preußischen Regierung’, a.a.O., S. 37–38. Siehe auch die Veröffentlichungen über Kunst und Kunsterziehung der,Reichszentrale für Heimatdienst`, einem kulturellen Propagandaorgan, das von einer bzw. mehreren linken Parteien gegründet worden war, mit Niederlassungen in Berlin und München. Grautoff, S. 132, 135, analysiert die Einstellung der Sozialisten und der Unabhängigen Sozialisten zur modernen Kunst.Google Scholar
  11. 12.
    Siehe z.B. Paul Wolf, Stadtbaurat in Hannover,,Die Architektur im neuen Deutschland’, in: Der Cicerone, XI (1919), S. 3–7; Stürzenacker, Ministerialrat in Baden,,Die Revolution des Bauwesens’, in: Der Bauingenieur, I (Berlin 1920), S. 192 —197 und Erwin Gutkind, Hrsg., Neues Bauen (Berlin 1919), eine Sammlung von Aufsätzen zur Planung von Vorort-Siedlungen und zur Rationalisierung des Bauens. Als Antwort auf Anfragen zum letztgenannten Thema gründete die Regierung 1922 den,Reichsnormenausschuß`. Dieser entwickelte sich später zur,Reichsforschungsgesellschaft`, die im 4. Kapitel beschrieben ist. Diese förderte den Wohnungsbau im neuen Stil.Google Scholar
  12. 13.
    Hans Kampffmeyer, Friedenstadt. Ein Vorschlag für ein deutsches Kriegsdenkmal, 2. Aufl. (Jena 1918). Die erste Auflage erschien im Januar 1918 und wurde einer großen Zahl von Architekten, Lehrern, Reformern des Wohnungsbaus, Geschäftsleuten und Politikern zugeschickt. Deren äußerst positives Echo bildet den zweiten Teil der zweiten Auflage.Google Scholar
  13. 14.
    Gropius war Kriegsteilnehmer, Taut jedoch nicht. Biographisches Material über beide Männer ist kaum vorhanden. Was Taut betrifft, so habe ich mich auf folgende Quellen bezogen: Hermann George Scheffauer,,Bruno Taut: a Visionary in Practice’, in: Architectural Review, L II (London, Dez. 1922), S. 154 —159 und Konrad Rühl,,Erinnerungen an Bruno Taut, in: Baukunst und Werkform, XII (1959), S. 485 —494, einschließlich der mündlichen Erinnerungen seines Bruders Max Taut und seines früheren Assistenten in Magdeburg, Johannes Göderitz. Ober Gropius gibt es eine Reihe von Büchern; ihr Thema ist jedoch vor allem sein Werk, nicht sein Leben. Ich habe Sigfried Giedions Walter Gropius, Work and Teamwork (New York 1954) verwendet, sowie das Material im Gropius-Archiv.Google Scholar
  14. 16.
    Aufsatz in: ja! Stimmen des Arbeitsrates für Kunst in Berlin (Berlin 1919), S. 32, ins folgenden zitiert als Ja! Stimmen Google Scholar
  15. 17.
    Einleitung zum Pamphlet Ausstellung für [sic!] unbekannte Architekten (Berlin: Arbeitsrat für Kunst, April 1919)Google Scholar
  16. 18.
    Vgl. Die Stadtkrone (Jena: Diederichs, 1919), S. 60Google Scholar
  17. 19.
    Bruno Taut,,Nieder der Seriosismus!` Frühlicht 1920— 1922: Eine Folge für die Verwirklichung des neuen Baugedankens. (Wiederabgedruckt in: B. Taut, Frühlicht 1920–1922. Eine Folge für die Verwirklichung des neuen Baugedankens [= Bauwelt Fundamente, Bd. 8]. Berlin/ Frankfurt M./Wien 1963, S. 11; A.d.Verl.) Frühlicht erschien zuerst 1920 als Bestandteil der Zeitschrift Stadtbaukunst alter und neuer Zeit, die von Taut, Cornelius Gurlitt und Bruno Möhring gemeinsam herausgegeben wurde. Taut verließ die Redaktion der Stadtbaukunst, als Gurlitt seinen Extremismus kritisierte und veröffentlichte nach seinem Amtsantritt in Magdeburg die unabhängige Zeitschrift Frühlicht. Seine Zeitschrift stellte 1922 ihr Erscheinen ein.Google Scholar
  18. 20.
    Reyner Banham, in Theorie and Design in the First Machine Age (New York 1960), S. 266, führt dieses Bild auf Paul Scheerbarts Glasarchitektur aus dem Jahre 1914 zurück. Dieses Buch hat seiner Meinung nach über Taut auch die Entwicklung der gläsernen Vorhangfassade in Mies van der Rohes frühen Projekten beeinflußt, darüber hinaus auch andere Architekten in den späten zwanziger Jahren. Taut hat Scheerbart sicher bewundert, aber da dessen Aufsatz zunächst als Rede anläßlich der Eröffnung von Tauts Glashaus bekannt wurde, fällt es schwer festzustellen, wer wen beeinflußt hat. Es mag Verbindungen geben zwischen Tauts Vorliebe für Glas und der Entwicklung der gläsernen Vorhangfassade, man muß sich jedoch daran erinnern, daß Taut weniger an Transparenz interessiert war als an den Lichteffekten von farbigem Glas und an der Schönheit von kristallinen Formen. Diese hatten für Taut wie für Gropius eine soziale Bedeutung; das Bild des Kristalls diente beiden dazu, auszudrücken, daß Architektur die chrakteristischen Merkmale eines Zeitalters widerspiegelt und strukturiert. Siehe oben, Anm. 17, sowie die Bemerkung Tauts im gleichen Pamphlet: „Es wird einmal eine Weltanschauung da sein, und dann wird auch ihr Zeichen, das Kristall — die Architektur da sein.“Google Scholar
  19. 21.
    Alpine Architektur (Hagen 1919), Zeichnung Nr. 16 und Erläuterung, die besagt, daß Materialismus und Langeweile zum Krieg führen. Der gleiche Gedanke erscheint auch in Tauts Architekturprogramm (Berlin, Weihnachten 1918), das in verschiedenen Zeitschriften und, davon unabhängig, vom Arbeitsrat veröffentlicht wurde.Google Scholar
  20. 22.
    Die Auflösung der Städte, oder Die Erde, eine gute Wohnung,oder auch Der Weg zur Alpinen Architektur, oder Weg zum Wahnsinn (Hagen 1920). Die Titelseite erläutert den Zweck des Buches wie folgt: „Es ist natürlich nur eine Utopie und kleine Unterhaltung… Aber es dürfte doch gut sein, sich auf alle Möglichkeiten der Wiedergeburt gefaßt zu machen, wenn man noch nicht reif zum Eingehen ist.“Google Scholar
  21. 25.
    Hellmut Lehmann-Haupt, in Art under a Dictatorship (New York 1954), verstand den Titel Auflösung so, daß Taut im Jahre 1920 kein Interesse mehr an Stadtplanung gehabt hatte, die er 1919 in der Stadtkrone noch propagiert hatte. In Anbetracht der Tatsache, daß die Gegner des neuen Stils dessen Schöpfern später eine übertriebene Begeisterung für die Großstadt vorwarfen, ist es wichtig anzumerken, daß Taut die übergroße Metropolis immer konsequent ablehnte, während er stets die mittelgroße Stadt favorisierte. In seinem Architekturprogramm drückte er die Hoffnung aus, daß die,Großstadt` verschwinden würde; die Stadtkrone widerspricht dem nicht, denn die Städte, die sie beschreibt, sind nach modernen Maßstäben nicht groß. Auf lösung enthält sowohl Pläne für Mittelstädte als auch für kleine Dörfer.Google Scholar
  22. 27.
    Stadtkrone, S. 67–68. Für eine spätere architektonische Interpretation der organischen Gemeinschaft s.,Natürliches Bauen — Organisches Siedeln`, Frühlicht (Berlin 1963), S. 88–89Google Scholar
  23. 28.
    Die sich zur Wundertat der gotischen Kathedrale aufschwang’, Ausstellung für Unbekannte Architekten Google Scholar
  24. 29.
    Baukunst im freien Volksstaat’, in: Deutscher Revolutions-Almanach (Hamburg 1919), S. 135–136Google Scholar
  25. 31.
    A.a.O., S. 31, und Programm des Staatlichen Bauhauses in Weimar (Weimar, April 1919)Google Scholar
  26. 38.
    Fritz Hoeber,,Persönlichkeit und Volkstum in der Baukunst der Gegenwart`, in: Der Cicerone, XI (1919), S. 76–82Google Scholar
  27. 39.
    Paul Klopfer,,über Apollinisches und Dionysisches in der Baukunst`, in: Stadtbaukunst alter und neuer Zeit, H. 11 (1920), S. 161–166, forderte einen „dionysischen“ Architekturstil, der die „Kraft des Ganzen, die Kraft der anonymen Masse des Volkes” ausdrücken und vom Herzschlag der Massen widerhallen sollte.Google Scholar
  28. 40.
    Peter Behrens,,Reform der künstlerischen Erziehung’, in: Der Geist der neuen Volksgemeinschaft. Eine Denkschrift für das deutsche Volk (Berlin: Reichszentrale für Heimatdienst, 1919), S. 93 — 107; Fritz Wichert,,Die bildende Kunst und der soziale Staat’, a.a.O., S. 107–119; Bruno Paul, Erziehung der Künstler an staatlichen Schulen (Berlin 1918); Otto Bartning, Unterrichts-Plan für Architektur und bildende Künste (Berlin: Arbeitsrat für Kunst, 1919). Manifeste von Kunst-und Architekturstudenten in Berlin und anderswo werden beschrieben in,Bestrebungen an deutschen Kunstschulen’, einem Artikel, der 1919 in einer nicht identifizierbaren Zeitschrift erschien,,Zeitungsarchiv 2’, Gropius-Archiv. Siehe auch das,Memorandum zur Staatlichen Kunsterziehung’, des,Arbeitsausschusses der bildenden Künstler Münchens’, Februar 1919, zit. nach Grautoff (Anm. 7), S. 141–143; und den Bericht in der Thüringer Landeszeitung ‚Deutschland’, 12. Dez. 1920 (,Zeitungsarchiv 5’, Gropius-Archiv), über das Programm von fünfundzwanzig Künstlerorganisationen in Berlin, das Regierungsvertretern vorgestellt wurde. Die von Gropius vorgeschlagene umfassende Reform der Kunsterziehung fand fast den einstimmigen Beifall der Mitglieder des Arbeitsrates für Kunst (Ja! Stimmen). Eine ausgezeichnete Übersicht über die gesamte Bewegung bietet Nikolaus Pevsner,,Post-War Tendencies in German Art-Schools’, Journal of the Royal Society of Arts, LXXXIV (1936), S. 248–261.Google Scholar
  29. 41.
    Vor dem Krieg hatten viele Gewerkschaften, vor allem die katholischen, die Bildung von,Baugilden` innerhalb der Bauberufe befürwortet. Die von Wagner angeführte Bewegung wurde jedoch von 1919 an von den sozialistischen Bauarbeitergewerkschaften unterstützt; daher wurden diese Organisationen,soziale Bauhütten’ genannt. Wagner konzipierte die Organisationsform dieser Kooperativen und beeinflußte ihren Zusammenschluß auf nationaler Ebene im Verband sozialer Baubetriebe. Seinem Einfluß ist es auch zu verdanken, daß die sozialen Bauhütten neue Baumethoden und -materialien verwendeten. Andere radikale Architekten unterstützten diese Praxis durch häufige Auftragsvergabe an die Bauhütten. Die Geschichte dieser Bewegung ist sehr vielschichtig, da sie zum großen Teil die Geschichte von einzelnen Kooperativen ist. August Ellinger, ein Mehrheitssozialist, der aktiv an der Gründung des Verbandes beteiligt war, erläutert die sozialistischen Ideen der Bewegung in: Zehn Jahre Bauhüttenbewegung (Berlin 1930); Alexander Garbai, in: Die Bauhütten, ihre Vergangenheit und Zukunft (Hamburg 1928), gibt einen Überblick über die verschiedenen Typen von Kooperativen und führt sie auf die mittelalterlichen Baugilden zurück. Die beiden deutschen Arbeiten zu diesem Thema sind sehr kurz: Botho Hohn,,Die Entwicklung der sozialen Baubetriebe (Bauhütten) zu Unternehmungen der freien Gewerkschaften’ (Göttingen 1928) und Ludwig Lichtenberg,,Die neuere Entwicklung der Bauhütten und Bauproduktivgenossenschaften` (Göttingen 1934). Die Zeitschrift Soziale Bauwirtschaft (Berlin, 19201932), das Verbandsorgan, veröffentlichte Statistiken über die nationale Bewegung und Hinweise zum Auf und Ab einzelner Kooperativen. Sie enthielt auch zahlreiche Texte zu Baukonstruktion und Stilentwicklung.Google Scholar
  30. 42.
    Die Gedanken, auf die Taut und Gropius ihre Forderungen nach einem revolutionären Stil zurückführten, hatten selbstverständlich noch weiter zurückreichende Quellen, die hier nicht im einzelnen behandelt werden können. Ihre Überzeugung, daß Kunst und besonders Architektur ihrem Nutzwert verpflichtet sein sollten, enthielt Elemente eines,funktionalistischen` Gedankenguts aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Idealisierung des mittelalterlichen,Kunsthandwerks` ist viel älteren Ursprungs und auf die Engländer Ruskin und Morris zurückzuführen, während die Idee, das mittelalterliche Handwerksideal auf die moderne industrielle Produktion zu übertragen, Teil des Gründungsprogramms des Deutschen Werkbunds gewesen war. Die beste Analyse der Ursprünge dieses Gedankens liefert Pevsner, Pioneers of Modern Design. Auch Reyner Banhams Theory and Design enthält viele interessante Beobachtungen zur Entwicklung der Architekturtheorie.Google Scholar
  31. 43.
    Arbeitsrat für Kunst, Pamphlet, ca. April 1919, Reihe,Presse, 1913 —1927`, Gropius-Archiv. Der programmatische Teil der Schrift, ohne Mitgliederliste, erschien in Deutsche Bauhütte (22. Dez. 1919), S. 47.Google Scholar
  32. 44.
    April Pamphlet, a.a.O. Der gleichen Quelle zufolge wurde der erste Geschäftsausschuß, der im März 1919 gewählt worden war, von Gropius, Taut und César Klein geführt. Die Organisation muß gegen Ende des Jahres 1918 gebildet worden sein, denn ihre erste Veröffentlichung, Tauts Architekturprogramm, war auf Weihnachten 1918 datiert. Der Schriftwechsel, in der Reihe,Arbeitsrat für Kunst’ des Gropius-Archivs zu finden, deutet darauf hin, daß Gropius sich zunächst mit organisatorischen Fragen beschäftigt hat. Nach seinem Wechsel von Berlin nach Weimar wurde ein großer Teil seiner Aufgaben von Adolf Behne übernommen, dem einflußreichen Architekturkritiker, der oft für linke Zeitschriften und Zeitungen schrieb.Google Scholar
  33. 45.
    Zusätzlich zu dem bereits erwähnten Pamphlet Tauts veröffentlichte die Gruppe Adolf Behnes Ruf zum Bauen (Berlin 1920). Die Ausstellungen enthielten:,Ausstellung für unbekannte Architekten’, Graphisches Kabinett, Berlin, April 1919;,Ausstellung neues Bauen’, am 4. Mai 1919 am gleichen Ort eröffnet, sowie eine Ausstellung für Arbeiter im Frühjahr 1920 in Berlin. Positive Kritiken findet man bei Kurt Gerstenberg,,Revolution in der Architektur`, in: Der Cicerone, XI (1919), S. 255–257; ebenso Theodor Heuss,,Phantasie und Baukunst`, in: Der Kunstwart und Kulturwart, XXXII (1919), S. 17–20; Frankfurter Zeitung vom 30. April 1919. Der Arbeitsrat veranstaltete öffentliche Vorträge, wie z.B. Erich Mendelsohns,Das Problem einer neuen Baukunst`, aus dem Jahre 1919, nachgedruckt in: Erich Mendelsohn: Das Gesamtschaffen des Architekten (Berlin 1930), S. 7–21.Google Scholar
  34. 47.
    Wolf von Eckardt zufolge, Erich Mendelsohn (New York 1960), S. 18, beschaffte Mendelsohn selbst, zusammen mit seinem Freund Erwin F. Freundlich, das Geld für den Bau.Google Scholar
  35. 48.
    Die vieleckigen Flächen an Behrens’ Kapelle, abgebildet in Paul J. Cremens, Peter Behrens (Essen 1928), greifen möglicherweise Tauts Begeisterung für Kristalle auf. Die Entwürfe der Gebrüder Luckhardt aus dem Jahr 1921, Frühlicht (Berlin 1963), S. 123, die fast rautenförmige, an allen Ecken ausbrechende Flächen zeigen, sind unter Umständen auf die gleiche Quelle zurückzuführen. Die interessante und oft veröffentlichte Sternkirche Otto Bartnings aus dem Jahre 1921 wurde wahrscheinlich von Tauts,Domstern`, Alpine Architektur, S. 26, beeinflußt.Google Scholar
  36. 49.
    In Hans-Maria Winglers Das Bauhaus —1919–1922 — Weimar, Dessau,Berlin (Bramsche, 1962) wird eine Fülle von dokumentarischem Material wiederaufgelegt, das zum Verständnis der Geschichte des Bauhauses unabdingbar ist. In Verbindung mit Winglers Kurzkommentaren bietet dieses Material die beste Einführung in die Geschichte des Bauhauses. Ein nützlicher kurzer Überblick über das Bauhaus-Programm und die wesentlichen Ereignisse seiner Entwicklung findet sich bei Herbert Bayer, Ise Gropius und Walter Gropius (Hrsg.), Bauhaus 1919–1928 (Boston, 1952); eine Zusammenfassung der Gründungsgedanken bietet Gropius’ The New Architecture and the Bauhaus (New York, 1937). Die Bauhausbücher, herausgegeben von Gropius und Moholy-Nagy, beschreiben sowohl verschiedene Aspekte der Ausbildung am Bauhaus als auch die Arbeit von Künstlern und Architekten, denen ihre eigene Bewunderung galt. Eine schnell verfügbare zeitgenössische Quelle ist Staatliches Bauhaus in Weimar (Weimar, 1923), eine umfangreiche Sammlung von Aufsätzen und Fotografien, die aus Anlaß der ersten großen Ausstellung des Bauhauses veröffentlicht wurde.Google Scholar
  37. 50.
    Mangels Aufträgen wollte die Bauhaus-Führung ihre Studenten das Rathaus in leuchtend bunten Farben anmalen lassen. Verständlicherweise fand der Plan jedoch nicht die Zustimmung der Weimarer Bürger. Es wurde dem Bauhaus lediglich erlaubt, ein kleines Zollhaus in leuchtend blauen und roten Tönen anzustreichen. Dieses Ereignis stieß zunächst in der Presse auf erhebliche Ablehnung, wurde aber später sogar von Bauhausgegnern befürwortet. Siehe Mathilde von Freytag-Loringhoven,,Der Kornblumen Geleithaus’, Thüringer Landeszeitung > Deutschland’, 26. Februar 1922. Diese Projekte könnte man alle auf Taut und sein Interesse an,farbigem Bauen’ zurückführen; siehe weiter unten.Google Scholar
  38. 51.
    Banham, Theoryand Design, S. 285; Wingler, Bauhaus, S. 15Google Scholar
  39. 52.
    Der Hauptvertreter dieser verbreiteten Argumentation ist H.L.C. Jaffé. De Stijl, 1917–1931; the Dutch Contribution to Modern Art (Amsterdam, 1956). S.a. Wingler, S. 15 und 343Google Scholar
  40. 54.
    Abgebildet in Hans-Joachim Mrusek, Magdeburg (Leipzig o.J.), S. 127, das, in knapper Form, die einzige aktuelle Übersicht über die architektonische Entwicklung Magdeburgs während der zwanziger Jahre ist. Taut beschrieb das erste Jahr seines Wirkens in,Mein erstes Jahr Stadtbaurat`, Frühlicht (Berlin 1963), S. 215 —221; s. oben, Anm. 14Google Scholar
  41. 55.
    Taut hatte leuchtende Farben schon für viele Fassaden der Falkenberg-Siedlung verwendet. In,Beobachtung über Farbenwirkung aus meiner Praxis’, in: Die Bauwelt, X (1919), S. 12 —13, forderte Taut die Verwendung farbiger Muster für die innere und äußere Gestaltung von Gebäuden, um aus dem „Alltag ein Fest“ zu machen. Taut behauptete, Glas sei der ideale Werkstoff, um eine Kombination von Licht und Farbe zu erzielen, Farbe müsse jedoch als Ersatz verwendet werden, weil Glas zu teuer sei. Der Artikel wurde in Zusammenhang mit Hugo Zehders,Aufruf zum farbigen Bauen!`, a.a.O., S. 11, gedruckt, den Taut im Juli 1921 in Magdeburger Zeitungen und in Frühlicht (Berlin 1963), S. 97, nachdrucken ließ. In seiner Vorliebe für abstrakte Farbmuster zur Erzielung flächiger wie räumlicher Effekte ging Taut weit über De Stijl hinaus.Google Scholar
  42. 56.
    In Mein Lebenswerk als Architekt (Berlin/DDR 1957), S. 5, berichtet Haesler, daß die Idee von Taut stamme und daß Karl Völker die Farbgestaltung der Siedlung Italienischer Garten übernahm. Völker hatte schon das Magdeburger Rathaus unter Tauts Leitung neu gestaltet.Google Scholar
  43. 57.
    Die neue Wohung; Die Frau als Schöpferin (Leipzig, Januar 1924). Das Buch erreichte 1924 eine zweite Auflage von 11000 und 1928 eine fünfte Auflage von 26000 Exemplaren. Seitenangaben beziehen sich auf die zweite Auflage.Google Scholar
  44. 58.
    Rede vom 24. Mai 1922, wiedergegeben in: Das Volk (Jena), 2. Juni 1922Google Scholar
  45. 59.
    Die Mitarbeit des Künstlers in Wirtschaft und Technik`, gehalten am 15. Februar 1923 in Chemnitz, wiedergegeben in: Allgemeine Zeitung für Chemnitz und das Erzgebirge, 22. Februar 1923. Die gleiche oder eine sehr ähnliche Rede wurde zwischen Februar und Mai 1923 in Weimar, Berlin, Stuttgart, Magdeburg und Köln gehalten. In einigen Fällen lautete der Titel jedoch,Die Einheit von Kunst, Technik und Wirtschaft’.Google Scholar
  46. 60.
    Idee und Aufbau des staatlichen Bauhauses Weimar’, in: Staatliches Bauhaus in Weimar, S. 15. Daneben wurde der Aufsatz auch vom Bauhaus-Verlag in München veröffentlicht und erschien in verschiedenen Zeitungen, einschließlich der Frankfurter Zeitung vom 14. April 1923.Google Scholar
  47. 62.
    Das Volk, 2. Juni 1922;,Mitarbeit`, zitiert nach: Schwäbische Chronik,21. April 1923Google Scholar

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© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1986

Authors and Affiliations

  • Barbara Miller Lane
    • 1
  1. 1.WayneUSA

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