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Wie alternativ waren die alternativen Gruppen in der DDR?

Bemerkungen zu ihrem Verhältnis zu Sozialismus, Demokratie und deutscher Einheit
  • Detlef Pollack

Zusammenfassung

Die Beurteilung der politisch alternativen Gruppen hat sich im Laufe der vergangenen Jahre deutlich gewandelt. Unmittelbar nach 1989 galten, die Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen und die aus ihnen entstandenen Bürgerrechtsbewegungen als die einzig konsequente Opposition in der DDR, ja als Motoren und Initiatoren der Wende. Inzwischen aber bezweifeln Kritiker, daß es sich bei den politisch alternativen Gruppierungen und Bürgerrechtsbewegungen um eine echte Opposition gehandelt hätte. Über Jahre hinweg hätten sie dem DDR-System gegenüber eine zweifelhafte Loyalität gezeigt und die DDR selbst in dem Augenblick, als sie bereits untergangsreif war, noch nicht abschaffen, sondern nur reformieren wollen. Insbesondere aus ihrer Orientierung an sozialistischen Gesellschaftsidealen und ihren Vorbehalten gegenüber der westlichen parlamentarischen Demokratie und der Wiedervereinigung wird die Auffassung abgeleitet, daß die alternativen Gruppen und Bürgerrechtsbewegungen innerlich dem System bis zuletzt verhaftet geblieben seien.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Detlef Pollack

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