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Bewertungen als wissenschaftssoziologisches Problem

  • Stefan Hornbostel

Zusammenfassung

In den 1930er Jahren begann nicht nur eine heftige Debatte um eine angemessene Methodologie, sondern auch eine Debatte über die gesellschaftliche Funktion von Wissenschaft, ihre Abhängigkeit von gesellschaftlichen Strukturen, ihre Planbarkeit und Verantwortlichkeit, ihre soziale Verfaßtheit und die Mechanismen wissenschaftsinterner Dynamik. Die Beiträge zu den Debatten um die wissenschaftsinterne Organisation und ihrer sozialen Verfaßtheit stammen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und theoretischen Kontexten: Aus der Wissenschaftstheorie, aus der Geschichtswissenschaft, aus der Soziologie, aus natur- und medizinwissenschaftlichen Einzeldisziplinen und aus der Psychologie (vgl. Dobrov/Lotz 1969, weingart 1972, Meja/ Stehr 1982).

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References

  1. 1.
    Die Rezeptionsgeschichte Kuhns ist selbst ein wissenschaftssoziologisch interessanter Vorgang. Während in den USA das Kuhnsche Modell als hypothetisches Konstrukt neben dem Mertonschen Modell für empirische Studien benutzt wurde, gerieten in Europa die philosophischen Implikationen beider Modelle weitaus stärker in den Focus der Analyse, so daß hier eine Konfliktlinie zwischen Strukturfunktionalismus und Positivismus auf der einen und Kuhn und dem Relativismus auf der anderen Seite eröffnet wurde (vgl. Ben-David 1991: 441 f).Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. für einen Überblick über die Entwicklung dieses Gebietes: Mulkay 1980; Barnes/edge 1982; Collins 1985b; Zuckerman 1988; Cozzens/Geeryn 1990; Ben-David 1991; Callon 1994.Google Scholar
  3. 1.
    Merton selbst bezieht sich für die methodologische Seite ausdrücklich auf Popper und Kuhn, die soziale Dynamik sieht er vor allen Dingen im Zusammenhang mit dem Belohnungssystem der Wissenschaft, das eine ständige Prämierung origineller Beiträge sicherstellt und darüber weiter motivierend wirkt (vgl. Merton/Zuckermann 1973: 554).Google Scholar
  4. 1.
    Merton hat allerdings einen solchen Wandel der Wissenschafts Soziologie keineswegs ausgeschlossen und betont selbst, daß die Wissenschaftssoziologie während ihrer Institutionalisierungsphase eine Überbetonung der normativen Elemente und eine Einseitigkeit zugunsten der sozialen Aspekte entwickelt habe (vgl. Merton 1977: 68).Google Scholar
  5. 1.
    Derartige Einschätzungen kursieren als Reflex auf die arbeitsteilig und betriebsförmig verfahrenden experimentellen Naturwissenschaften schon seit Anfang dieses Jahrhunderts (vgl. z.B. Ortega y Gasset 1993).Google Scholar
  6. 1.
    Von einem allgemeinen Gesetz läßt sich allerdings nur im Hinblick auf die Charakteristika exponentiellen Wachstums sprechen. Price’ Schilderung des weiteren Verlaufs der Wissenschaftsentwicklung ist hingegen eine Trendanalyse.Google Scholar
  7. 2.
    Diese Entwicklung war bereits seit langem bekannt (vgl. RESCHER 1978: 54).Google Scholar
  8. 3.
    Price (1974: 42) meint sogar, daß das Erreichen der Sättigungsgrenze Hoffnung erwecken sollte: Sättigung bedeutet selten den Tod, sondern vielmehr, daß wir am Anfang neuer und erregender Arbeitsweisen der Wissenschaft stehen, bei denen man nach ganz neuen Grundsätzen vorgeht. Google Scholar
  9. 1.
    Diese Prognose eines erhöhten Planungs- und Informationsbedarfes hat entscheidend zur Entstehung einer auf Politikberatung orientierten Wissenschaftsforschung beigetragen (vgl. Weingart 1972). Auch die Debatte um die Einführung von mehr Wettbewerbselementen in das deutsche Hochschulsystem und den dafür notwendigen transparenzerzeugenden Leistungskennzahlen für Forschung und Lehre koinzidiert mit den Mittelverknappungen für die Hochschulen (vgl. Wissenschaftsrat 1985 und 1993). Im europäischen Ausland (z.B. Niederlande und Großbritannien) ging die Einführung von institutionalisierter Lehr- und Forschungsevaluation einher mit starken Einschnitten im Finanzbudget der Hochschulen (Holtkamp/ Reissert 1992).Google Scholar
  10. 1.
    Ergebnisse militärischer oder industrieller Forschung werden nicht ohne weiteres veröffentlicht. Einige Disziplinen (z.B. Ingenieurwissenschaften) haben neben der Publikation andere Formen der Prioritätssicherung: Blaupausen, Prototypen, Modelle etc. Schließlich wird ein Teil von Prioritätsansprüchen zusätzlich oder auch ausschließlich über Patentanmeldungen gesichert. Price (1974: 80) sieht auch, daß der starke Wettbewerbsdruck Mißbräuche und in seltenen Fällen betrügerische Ansprüche hervorbringt.Google Scholar
  11. 2.
    Price’ Ausführungen sind in dieser Hinsicht widersprüchlich, denn die Kumulation neuer Probleme ist nicht mit einer Kumulation von Wissen gleichzusetzen (vgl. Breithecker-Amend 1992: 132).Google Scholar
  12. 3.
    Diese Annahme ist empirisch kaum haltbar. Zum einen unterliegt das Publikations verhalten, nicht zuletzt aufgrund der Existenz von Wissenschaftsindikatoren, Veränderungen, wie etwa der Zergliederung eines Aufsatzes in viele kleine Beiträge, in Least Publishable Units, wie Broad (1981: 1137) diesen Aufsatztyp euphemistisch umschreibt, oder etwa der Mehrfachpublikation mit geringfügigen Variationen. Zum anderen unterscheiden sich Aufsätze zwischen Fachgebieten extrem hinsichtlich der Länge und der Halbwertzeit (d.h. dem Veralten der Publikation gemessen an der Häufigkeit, mit der die Publikation zitiert wird). Schließlich unterscheiden sich Reviews, Letters, Articles, Full Articles nicht nur inhaltlich, sondern auch im Hinblick auf die Resonanz (Zitierung) ganz erheblich.Google Scholar
  13. 1.
    Referenztext ist folgende von Ortega Y Gasset aufgestellte These: Die Experimentalwissenschaften haben sich zum guten Teil dank der Arbeit erstaunlich mittelmäßiger, ja weniger als mittelmäßiger Köpfe entwik-kelt. (..) Ein gut Teil dessen, was in der Physik oder Biologie zu tun ist, besteht aus mechanischen Anwendungen oder Verallgemeinerungen, die eigentlich jeder beliebige machen kann. Eine ganze Anzahl von Untersuchungen sind sehr wohl durchführbar, wenn die Wissenschaft in kleine Parzellen eingeteilt wird und der Forscher sich in einer davon ansiedelt und um alle anderen nicht kümmert. Die Festigkeit und Exaktheit der Methoden gestattet diese vorübergehende praktische Zerstückelung des Stoffes.(…) So fördert der Durchschnittsgelehrte den Fortschritt der Wissenschaft, eingesperrt in seine Laboratoriumszelle wie eine Biene in der Wabe ihres Stocks oder wie der Gaul im Laufkreis des Göpels. (…) Das ist die innere Lage des Fachgelehrten, der im Anfang unseres Jahrhunderts zu übertriebenster Entwicklung gelangte. Der Spezialist ist in seinem winzigen Weltwinkel vortrefflich zu Hause; aber er hat keine Ahnung von dem Rest. (…) Die direkte Folge des einseitigen Spezialistentums ist es, daß heute, obwohl es mehr ‘Gelehrte’ gibt als je, die Anzahl der ‘Gebildeten’ viel kleiner ist als zum Beispiel um 1750. Und das Schlimmste ist, daß mit diesen Triebpferden des wissenschaftlichen Göpels nicht einmal der innere Fortgang der Wissenschaft gesichert ist. denn sie hat von Zeit zu Zeit als organische Regulierung ihres eigenen Wachstums eine Neufundierung nötig, und das verlangt (…) einen Willen zur Synthese, die immer schwieriger wird, da sie sich auf immer ausgedehntere Gebiete des Gesamtwissens erstreckt (Ortega Y Gasset 1993: 116–119). Ortega geht es in erster Linie um die Rettung eines Begriffs von gebildeter Persönlichkeit, den er von den Ausdifferenzierungsprozessen moderner Gesellschaften (Spezialistentum) bedroht sieht. Nur in dieser Perspektive ist die Mittelmäßigkeit des Durchschnittsgelehrten zu verstehen. Es handelt sich nicht um fachliche Mittelmäßigkeit, sondern um die Scheuklappen und die Bereitschaft zur Ausblendung aller Sinnfragen, die Ortega als zivilisationsbedrohend erscheinen.Google Scholar
  14. 1.
    Auch eine Überprüfung der Verteilung von Aufsätzen auf Autoren und der Verteilung von Zitaten auf Publikationen erbrachte keine Übereinstimmung mit der von Price postulierten Verteilung (vgl. Schubert/Glänzel 1985).Google Scholar
  15. 1.
    Baldamus (1977: 151) vermutet, daß, im Gegensatz zu Kuhns Reinterpretation des Fleckschen Werkes, gerade Flecks Bereitschaft, explizit an soziologische Konzepte (Durkheim, Simmel u.a.) anzuknüpfen, einer breiten Rezeption entgegenstand: Thus, the initial repression of his work was due to the fact that it anticipated a sociology of science which nobody could have possibly understood or predicted at the time. Ausführliche Bemerkungen zur Biographie Recks und zur Rezeptionsgeschichte finden sich in Cohen/Schnelle 1986 und Schnelle 1982 und im Vorwort von Schäfer und Schnelle zu Fleck 1980.Google Scholar
  16. 1.
    Es stellen sich an dieser Stelle fast zwangsläufig Assoziationen zu Storers Bemerkung ein, daß Wissen, um akzeptanzfähig zu sein, in den Wissensbestand integrierbar sein muß (vgl. Storer 1972b: 104), und zu Kuhns Beschreibung der Überzeugungsbemühungen der Anhänger verschiedener Paradigmen mit Hilfe der Propaganda.Google Scholar
  17. 1.
    Dieses komplexe Zusammenspiel zwischen öffentlichem, popularisiertem Wissen und wissenschaftlichem Expertenwissen wurde in den 80er Jahren wiederentdeckt und war Gegenstand vieler sich kritisch mit dem gängigen Begriff Populärwissen auseinandersetzender Studien (vgl. z.B. Shinn/Whitley 1985; Hilgartner 1990).Google Scholar
  18. 1.
    Wenn Kausalität mit Determinismus verbunden wird, führt diese Forderung zu einer reductio ad absurdum. Die Verbindung ist allerdings nicht zwingend: kausale Erklärungen sind in einem schwächeren Sinne auch ohne deterministische Annahmen möglich (vgl. Hesse 1980: 49 f). Das ist allerdings immer noch eine Forderung, die weit strengere Anforderungen an Kausalität stellt als etwa der Webersche Begriff des Verstehens, der auch dort anwendbar ist, wo allgemeine Kausalgesetze nicht anwendbar sind.Google Scholar
  19. 2.
    Vgl. dazu Baber 1992. Gerade weil die neuere Wissenschaftssoziologie viele wissenschaftstheoretische Positionen ablehnt, stellt sich die Frage nach der methodischen Begründbarkeit ihrer eigenen Erkenntnisse mit besonderer Schärfe. Die Diagnose des Laborkonstruktivismus, daß Wissen ein sozial und handwerklich konstruiertes ist, gilt natürlich auch für die Befunde aus Laborstudien. Bisher sind die methodischen Reflexionen allerdings vor allen Dingen auf die Darstellungsebene konzentriert, nicht auf die methodischen und theoretischen Probleme. Hasse, Krücken und Weingart (1994: 243 ff) sehen daher in der Entwicklung der neueren Wissenschaftssoziologie eine Tendenz zur Implosion, die sich vor allen Dingen zu einer immer stärkeren Einebnung der Differenzen zwischen Sozialem und Nicht-Sozialem äußert und zu einer Tendenz zur Explosion in Gestalt einer einfachen Übertragung der Befunde der Laborstudien auf Wissenschaft und Gesellschaft insgesamt. Zur Kritik an der neuen Wissenschaftssoziologie und ihren wissenschaftsphilosophischen Annahmen vgl. auch Bunge 1991 und 1992.Google Scholar
  20. 1.
    Unter dem Begriff “neue Wissenschaftssoziologie” werden üblicherweise verstanden: die Arbeiten der “Edinburgh school” im Umfeld des “strong programme” (z.B. Bloor 1976, Barnes 1977), der “Bath school” um Collins, mit einer stärker mikrosoziologischen Orientierung auf wissenschaftliche Kontroversen (z.B. Collins 1985), die ebenfalls auf Konsensprozesse und Diskursanalysen spezialisierte Gruppe um Mulkay in York und die laborkonstruktivistischen Ansätze um die Pariser Gruppe Latour und Woolgar einerseits und Knorr Cetina andererseits. Inzwischen ist dieser Forschungsbereich weiter expandiert, und die Grenzziehungen zwischen den einzelnen Ansätzen sind undeutlicher geworden. So bemühen sich etwa die laborkonstruktivistischen Ansätze neuerdings verstärkt um die Analyse laborübergreifender Konsens- und Diskursphänomene.Google Scholar
  21. 1.
    In der Tat widmeten sich einige Studien der Untersuchung des Einsatzes von (nicht legitimierter) Macht oder selektiver Berichterstattung zur Verhinderung von Publikationen oder zur “Demontage” von Theorien (Vgl. Travis 1980, Wynne 1976, Collins/Pinch 1979).Google Scholar
  22. 1.
    Gilbert und Mulkay gehen zwar davon aus, daß die in Experteninterviews erhobenen Begründungsfiguren den informellen Diskursen von Wissenschaftlern weitgehend entsprechen, sie weisen aber darauf hin, daß die kontextabhängige Flexibilität bei der Auswahl argumentativer Ressourcen auch in der Interviewsituation selbst wirksam ist (vgl. Gilbert/Mulkay 1985: 226).Google Scholar
  23. 2.
    Nowotny (1982: 209) erklärt diesen “Erfolg” damit, daß die Laborstudien auf den Mangel an empirischen Daten reagiert und mit der mikrosoziologischen Orientierung den Zeitgeist der Soziologie getroffen hätten. Hasse/Krücken/Weingart (1994: 230) weisen darauf hin, daß der Laborkonstruktivismus durch geradezu rücksichtslose Einbeziehung empirischer Phänomene eine erlösende Antwort auf die zermürbenden Frustrationen ausweglosen Theoretisierens geboten hätte.Google Scholar
  24. 3.
    Während Laborstudien sich erst neuerdings den sozialen und kognitiven Strukturen zuwenden, die das einzelne Labor übergreifen, war die Analyse wissenschaftlicher Kontroversen auf core sets oder communities bezogen (vgl. z.B. Collins 1985).Google Scholar
  25. 1.
    Hasse u.a.(1993: 247) charakterisieren dies als eine soziomorphe Maxime, die lautet: alles ist sozial — alles ist konstruiert. Google Scholar
  26. 2.
    Vgl. zur kritischen Würdigung des Laborkonstruktivismus: Whitley 1983; Nowotny 1982, Nowotny 1990, Hitzler/Honer 1989; Cozzens/Geryn 1990, Woodhouse 1991, Hasse U.A. 1994.Google Scholar
  27. 3.
    Knorr Cetinas transepistemische Felder tauchen in der empirischen Analyse nicht mehr auf, auch in Latours Untersuchungen reduzieren sich die laborübergreifenden Bezüge auf Aspekte der möglichen kommerziellen Verwertbarkeit der Produkte.Google Scholar
  28. 1.
    Aus diesen Gründen wird dem Laborkonstruktivismus eine unzureichende Reflexion seiner eigenen methodischen Grundlagen vorgehalten. Hasse u.a. (1993: 237) charakterisieren das Ziel des Laborkonstruktivismus als quasi-naturalistische Abbildung der Laborrealität und halten dies auch vor einem konstruktivistischem Hintergrund für ungerechtfertigt und naiv. Google Scholar
  29. 1.
    Mit fast den gleichen Worten beschreibt Mittelstraß (1993) die Situation in der Wissenschaft.Google Scholar
  30. 1.
    Vgl. dazu Knorr (1975: 343), die für die wenig integrierten sozialwissenschaftlichen Disziplinen aufgrund empirischer Erhebungen diagnostizierte, daß hochgradige Konsolidierung und hochgradiger Dissens nebeneinanderexistieren.Google Scholar
  31. 1.
    Nicht zu übersehen ist die Ähnlichkeit zwischen solchen erfahrungsmäßig bewährten Systemen und den Musterbeispielen Kuhns.Google Scholar
  32. 2.
    Vgl. dazu die starke Betonung der Situationsgebundenheit von Urteilen und Beurteilungskriterien bei Toulmin (Kap. 2.7).Google Scholar
  33. 1.
    Unabhängig davon muß das Produkt “verkauft” werden. Daher gehören die “Marketingstrategien”, mit denen ein Erkenntnisanspruch in Umlauf gebracht wird (Versand von Sonderdrucken, Mehrfachpublikationen mit marginalen Textveränderungen, Organisation von Rezensionen etc.) zu den Strategien von Akzeptanzerzeugung. Die Wahrnehmung einer Publikation durch andere Wissenschaftler hängt schließlich auch davon ab, wie stark das informelle Kommunikationssystem um Kongresse und Einladungen herum zur Aufmerksamkeitserzeugung genutzt wird, so zumindest die Selbsteinschätzung der Wissenschaftler (vgl. Sehringer 1991: 117).Google Scholar
  34. 1.
    Koertge (1989: 410) berichtet, daß in großen amerikanischen Forschungsinstitutionen professionelle Verfasser von Finanzierungsexposés die Aufgabe haben, Forschungsvorhaben so zu “verpacken”, daß sie den offiziellen Zielen der Geldgeber entsprechen.Google Scholar
  35. 2.
    Dieses auch als “Etikettenschwindel” bezeichnete Phänomen beschreibt den komplizierten Übersetzungsprozeß einer wissenschaftsexternen Fragestellung in ein Forschungsprogramm.Google Scholar
  36. 1.
    Bei Toulmin wird diese Rekursivität mit “Problemgenealogien” bezeichnet, bei Popper sind es die sich nicht willentlich, sondern autonom ergebenden neuen Probleme, die am Ende der Bearbeitung des Ausgangsproblems stehen.Google Scholar
  37. 1.
    Im Kapitel 2.1 wurde die Problematik einer solchen symmetrischen Unterstellung diskutiert. Luhmanns Annahme, daß man die Bemühungen um die Feststellung von Unwahrheiten (...) für gleichbedeutsam halten [kann] wie die Bemühungen um Feststellungen von Wahrheiten erscheint auf diesem Hintergrund zumindest problematisch (Luhmann 1980: Fußnote 54). Auch gilt bei der Prüfung komplexerer Theorien nicht nur “psychologisch”, wie Luhmann meint, sondern auch logisch: “Die Negation von Unwahrheiten ist kein volles Äquivalent für Wahrheiten” (Luhmann 1980: Fußnote 41).Google Scholar
  38. 2.
    Vgl. ausführlich zum Kontingenzbegriff Luhmann 1984.Google Scholar
  39. 1.
    Angesichts der Grundannahme einer ständigen selbstproduzierten Komplexitätssteigerung innerhalb des Wissenschaftssystems überrascht es allerdings nicht, daß Luhmann (1974: 244) annimmt, daß auch Reputation sich dem Druck weiterer funktionaler Differenzierung nicht entziehen kann.Google Scholar
  40. 1.
    [J]ede Darstellung von Kommunikation als ‘Entscheidung’ würde dem Medium der Wahrheit widersprechen (Luhmann 1974: 240).Google Scholar
  41. 1.
    Davon zu unterscheiden ist, daß der Typus einer solch fragilen Steuerung, wie sie mit Reputation beschrieben ist, durchaus auch in anderen Subsystemen zu finden ist.Google Scholar
  42. 1.
    Einerseits erfüllt die Wissenschaft für die Gesellschaft eine spezifische Funktion, die nur sie, nur sie als Wissenschaft, erfüllen kann. Wir haben diese Funktion als Gewinnen neuer Erkenntnisse ausgemacht. Andererseits gibt die Wissenschaft solche Erkenntnisse als Leitung an andere Funktionssysteme oder auch an das Alltagsleben ihrer gesellschaftlichen Umwelt ab. Während man den Funktionsbezug mit dem Modell eines selbstreferentiell geschlossenen Systems beschreiben muß, würde es, wenn man nur auf Leistungsbeziehungen abstellen will, genügen, ein Input/Output-Modell zugrundezulegen (Luhmann 1987 a: 111).Google Scholar
  43. 1.
    Auch die hier zu verhandelnden Forschungsindikatoren können als Selbstbeschreibung des Wissenschaftssystems betrachtet werden. Mit Luhmanns Planungsbegriff ist dies völlig vereinbar, da Wissenschaftsindikatoren kein Selbstzweck sind, sondern vielmehr als Element eines Selbststeuerungsprozesses von Wissenschaft verstanden werden. Luhmann zieht selbst in Erwägung, bereits die Anfertigung einer Selbstbeschreibung als Planung zu bezeichnen (vgl. Luhmann 1984: 637, Fußnote 70).Google Scholar
  44. 1.
    Der Begriff Selbstorganisation ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche, vor allen Dingen in der naturwissenschaftlichen Forschung etablierte Theorien. Zur Kritik der Anwendung der Theorie selbstorganisierender Systeme auf die Wissenschaft vgl. Nowotny 1990).Google Scholar
  45. 2.
    Auch Radnitzky versteht “extern” aus der Perspektive der Forschergruppe und nicht als extern im Sinne einer systemischen Kennzeichnung von Wissenschaft.Google Scholar
  46. 1.
    Der Begriff lehnt sich deutlich an Kuhns Begriff der “disziplinären Matrix” an. Er ist bei Krohn/Küppers allerdings für die Forschungsgruppe reserviert und stärker sozialpsychologisch gefaßt als Kuhns Konzept.Google Scholar
  47. 1.
    Toulmin (1983: 252) nennt das Beispiel der Exobiologie, das eigentlich nur dank großzügiger Förderung durch die NASA bestehe.Google Scholar
  48. 1.
    Dazu gehören etwa unmittelbar staatliche Forschungsinstitutionen im Bereich Gesundheitswesen, Umweltschutz, Energiesektor, Meß- und Eichwesen etc., die sowohl Forschungsaufgaben erfüllen als auch bestimmte Dienstleistungen erbringen.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Stefan Hornbostel

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