Advertisement

Die Regierungserklärung: Visitenkarte und Führungsinstrument der Kanzler

  • Karl-Rudolf Korte
Chapter

Zusammenfassung

„Das Wort hat der Herr Bundeskanzler“— Mit diesem Satz erteilt der Bundestagspräsident im Plenum des Deutschen Bundestages dem Bundeskanzler das Wort, der daraufhin seine Regierungserklärung abgibt. An dieser standardisierten Formulierung hat sich seit der ersten Regierungserklärung von Bundeskanzler Konrad Adenauer nichts verändert. Der Redner kann sich nach dieser Einführung der vollen Aufmerksamkeit der Abgeordneten sicher sein. Regierungserklärungen gehören zum Alltag einer parlamentarischen Demokratie. Sie sind Ausdruck des wechselseitigen Vertrauens zwischen dem Parlament und der Regierung. Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sucht man vergeblich nach einem Artikel, der die Abgabe von Regierungserklärungen ausdrücklich regelt. Nach Interpretation des Artikels 43 Absatz 1 des Grundgesetzes kann die Regierung Jederzeit“vor dem Deutschen Bundestag eine Erklärung abgeben. Mitglieder der Bundesregierung müssen auf Antrag dem Bundestag bzw. seinen Ausschüssen Rede und Antwort stehen. In der parlamentarischen Praxis ist es üblich geworden, dass der Bundeskanzler nach vorheriger Abstimmung mit dem Koalitionspartner eine Regierungserklärung im Ältestenrat ankündigt (Ismayr 2000: 352–354). Zwischen acht (in der dritten Wahlperiode) und 49 (in der 10. Wahlperiode) Regierungserklärungen wurden bisher von den Bundeskanzlern bzw. den Bundesministern abgegeben. In der letzten, der 13.

Literaturverzeichnis

  1. Baring, Arnulf, 1969: Außenpolitik in Adenauers Kanzlerdemokratie, München/Wien, OldenbourgGoogle Scholar
  2. Beyme, Klaus von, 1979: Die großen Regierungserklärungen der deutschen Bundeskanzler von Adenauer bis Schmidt, eingeleitet und kommentiert, München, HanserGoogle Scholar
  3. Beyme, Klaus von, 2001: Koalitionsbildung und Programmsteuerung, in: Hans- Ulrich Derlien/Axel Murswieck (Hrsg.): Regieren nach Wahlen, Opladen, S. 85–112, Leske+BudrichGoogle Scholar
  4. Böhret, Carl, 1991: Politische Vorgaben für ziel- und ergebnisorientiertes Verwaltungshandeln aus Regierungserklärungen, in: H.-H. Hartwich/G. Wewer (Hrsg.): Regieren in der Bundesrepublik III, Opladen, S. 69–82, Leske + BudrichGoogle Scholar
  5. Bracher, Karl Dietrich, 1976: Zeitgeschichtliche Kontroversen, München, PiperGoogle Scholar
  6. Dörner, Andreas, 1991: Politische Sprache. Instrument und Institution der Politik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 17, S. 3–11Google Scholar
  7. Fröhlich, Manuel, 1997: Sprache als Instrument politischer Führung. Helmut Kohls Berichte zur Lage der Nation im geteilten Deutschland, München, Schriftenreihe der Forschungsgruppe DeutschlandGoogle Scholar
  8. Fröhlich, Manuel, 1998: Regierungserklärungen mit Geschichte, in: Das Parlament, Nr. 48Google Scholar
  9. Fröhlich, Manuel, 2001: Sprachstrategien im Kontext von Machteroberung und Machtverlust: Die Haushaltsdebatten in den Wahlkämpfen von 1979 bis 1998, in: G. Hirscher/K.-R. Körte (Hrsg.): Aufstieg und Fall von Regierungen. Machterhalt und Machterosionen in westlichen Demokratien, München 2001, S. 147–190, OlzogGoogle Scholar
  10. Glaab, Manuela/Kießling, Andreas, 2001: Legitimation und Partizipation, in: Karl-Rudolf Korte/Werner Weidenfeld (Hrsg.): Deutschland-Trendbuch, Opladen, S. 571–643, Leske+BudrichGoogle Scholar
  11. Gottschlich, Maximilian u.a., 1989: Was die Kanzler sagten. Regierungserklärungen der Zweiten Republik 1945–1987, Wien/Köln, BöhlauGoogle Scholar
  12. Greiffenhagen, Martin (Hrsg.), 1980: Kampf um Wörter?, München/Wien, HanserGoogle Scholar
  13. Harpprecht, Klaus, 2000: Im Kanzleramt. Tagebuch der Jahre mit Willy Brandt, Berlin, RowohltGoogle Scholar
  14. Helms, Ludger, 1999: 50 Jahre Bundesrepublik Deutschland. Kontinuität und Wandel des politischen Institutionensystems, in: Zeitschrift für Politik, H. 2, S. 145–172Google Scholar
  15. Hirscher, Gerhard/Korte, Karl-Rudolf (Hrsg.), 2001: Aufstieg und Fall von Regierungen. Machterwerb und Machterosionen in westlichen Demokratien, München, OlzogGoogle Scholar
  16. Ismayr, Wolfgang, 2000: Der Deutsche Bundestag, Opladen 2000, Leske+BudrichGoogle Scholar
  17. Jochum, Michael, 2000: Worte als Taten. Der Bundespräsident im demokratischen Prozess der Bundesrepublik Deutschland, Gütersloh, Bertelsmann-StiftungGoogle Scholar
  18. Katzenstein, Peter, 1987: Policy and Politics in West Germany, Philadelphia, Temple University PressGoogle Scholar
  19. Kempf, Udo/Merz, Hans-Georg, 2001: Kanzler und Minister 1949–1998. Biografisches Lexikon der deutschen Bundesregierungen, Wiesbaden 2001, Einleitung S. 7–81, Westdeutscher VerlagGoogle Scholar
  20. Kießling, Andreas, 1999: Politische Kultur und Parteien im vereinten Deutschland. Determinanten der Entwicklung des Parteiensystems, München, Schriftenreihe der Forschungsgruppe DeutschlandGoogle Scholar
  21. König, Thomas/Volkens, Andrea/Bräuninger, Thomas, 1999: Regierungserklärungen von 1949 bis 1998. Eine vergleichende Untersuchung ihrer regierungsinternen und externen Bestimmungsfaktoren, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen H. 3, S. 642–659Google Scholar
  22. Korte, Karl-Rudolf, 1998: Deutschlandpolitik in Helmut Kohls Kanzlerschaft. Regierungsstil und Entscheidungen 1982–1989, Stuttgart, DVAGoogle Scholar
  23. Korte, Karl-Rudolf, 2000: Konjunkturen des Machtwechsels in Deutschland. Regeln für das Ende der Regierungsmacht? in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, H. 4, S. 833–857Google Scholar
  24. Korte, Karl-Rudolf, 2000a: Wie Parteien auf komplexe Wählermärkte reagieren: Das Beispiel CDU, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, H. 6, S. 707–716.Google Scholar
  25. Korte, Karl-Rudolf, 32000b: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, Bundeszentrale für politische BildungGoogle Scholar
  26. Korte, Karl-Rudolf, 32001: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland, in: M. Mols u.a. (Hrsg.): Politikwissenschaft, Paderborn u.a., S. 67–98, UTBGoogle Scholar
  27. Korte, Karl-Rudolf, 2001a: Was kennzeichnet modernes Regieren? Regierungshandeln von Staats- und Regierungschefs im Vergleich, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 5, S. 3–13Google Scholar
  28. Korte, Karl-Rudolf, 2001b: Regieren, in: Karl-Rudolf Korte/Werner Weidenfeld (Hrsg.): Deutschland-Trendbuch, Opladen, S. 515–546, Leske+BudrichGoogle Scholar
  29. Korte, Karl-Rudolf,/Hirscher, Gerhard (Hrsg.), 2000: Darstellungspolitik oder Entscheidungspolitik? Über den Wandel von Politikstilen in westlichen Demokratien, München, Berichte und Studien der Hanns-Seidel-StiftungGoogle Scholar
  30. Manow, Philip, 1997: Informalisierung und Parteipolitisierung, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, H. 1, S. 96–107Google Scholar
  31. Mayntz, Renate, 1997: Soziologie der öffentlichen Verwaltung, Heidelberg, UTBGoogle Scholar
  32. Mertes, Michael, 2000: Führen, Koordinieren, Strippen ziehen: Das Kanzleramt als Kanzlers Amt, in: K.-R. Körte /G. Hirscher (Hrsg.): Darstellungspolitik oder Entscheidungspolitik, München, S. 62–84, Berichte und Studien der Hanns-Seidel-StiftungGoogle Scholar
  33. Niclauß, Karlheinz, 1988: Kanzlerdemokratie, Stuttgart u.a., KohlhammerGoogle Scholar
  34. Schindler, Peter, 1999: Datenhandbuch zur Geschichte des Deutschen Bundestages 1949 bis 1999, Baden-Baden, Band I, NomosGoogle Scholar
  35. Schreckenberger, Waldemar, 1994: Informelle Verfahren der Entscheidungsvorbereitung zwischen der Bundesregierung und den Mehrheitsfraktionen, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, S. 329–346Google Scholar
  36. Sturm, Roland/Kropp, Sabine, 1998: Koalitionen und Koalitionsvereinbarungen, Opladen, Leske+BudrichGoogle Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Karl-Rudolf Korte

There are no affiliations available

Personalised recommendations