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Hannah Arendt: „Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ — ein Lektüreversuch

  • Alfons Söllner
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Zusammenfassung

„Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?“ (S.12) Es ist dieser Satz aus der Einleitung von Hannah Arendts „Vita activa“, der in neueren Arbeitstheorien fast genauso oft zitiert wird wie die obligatorischen Frühschriften von Karl Marx. Während diese jedoch noch mit einigem Recht als vorweggenommene Warnung vor aktuellen Krisenphänomenen des Kapitalismus verstanden werden, dürfte es kaum ein größeres Mißverständnis geben als die Annahme, daß Hannah Arendts Buch in erster Linie als eine reformistische Kritik der gegenwärtigen Industriegesellschaft konzipiert sei, daß ihr z.B., wie nicht wenigen Gewerkschaftstheoretikern, die Überwindung der technologisch bedingten Arbeitslosigkeit am Herzen liege. Der Kontext, aus dem der zitierte Satz in der Regel herausgerissen wird, zeigt dies überdeutlich: Was Hannah Arendt direkt vorher zur Sprache bringt, ist das Bedauern, daß es in der Gegenwart „keine Aristokratie politischer oder geistiger Art (mehr gebe), die eine Wiedererholung der Vermögen des Menschen in die Wege leiten könnte“ (S. 11). Weder die Politiker noch etwa irgendwelche, gar gewerkschaftlich engagierte „Geistesarbeiter“, für die sie nur Ironie übrig hat, sondern höchstens die „Dichter und Denker“ sind es, bei denen sie Auskunft erwartet für Fragen, die sie für fragenswert hält. Aber selbst von ihnen ist keine Antwort zu erwarten, was die Gegenwart oder gar die Zukunft der gegenwärtigen Arbeitsgesellschaft betrifft — es ist in der Tat zunächst nur die Vergangenheit, die Hannah Arendt im Sinn hat, wenn sie ihr Erkenntnisziel so vorstellt: „... was ich vorschlage, ist etwas sehr Einfaches, es geht mir um nichts mehr, als dem nachzudenken, was wir eigentlich tun, wenn wir tätig sind.“ (S. 12)

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1996

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  • Alfons Söllner

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