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Die Emigration deutscher Wissenschaftler nach 1933, ihr Einfluß auf die Transformation einer Disziplin

  • Alfons Söllner
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Zusammenfassung

Man muß der Illusion einer unilinearen Wissensakkumulation nicht ein weiteres Mal erliegen, wenn man den Versuch unternimmt, die gegenwärtigen Tendenzen der Emigrationsforschung in eine Perspektive zu bringen. Während die Erforschung des literarischen Exils mittlerweile so weit gediehen scheint, daß plausible überblicksdarstellungen möglich werden, ist die Forschung zur Wissenschaftsemigration allererst an einem Punkt angelangt, an dem sich alternative Fragestellungen verzweigen. Die vorliegenden Arbeiten folgen entweder dem Modell der Einzelbiographie1 oder konzentrieren sich auf eine in sich relativ homogene, eine „schulbildende“ Gruppe von Wissenschaftlern,2 oder sie stellen eine Institution ins Zentrum, die mehr oder weniger ausschließlich zum Zweck der Unterbringung von Emigranten geschaffen und aufrechterhalten wurde.3 Alle drei Typen sind methodisch eher traditionell orientiert, sie halten sich an das Gebot der Überschaubarkeit und sind vielleicht gerade deswegen überzeugend. Daß man diese Grenzen derzeit ungestraft nicht leicht überschreitet, läßt sich an zwei Versuchen zu einer Gesamtdarstellung der Emigration nach Amerika ablesen: Während die eine, so liebenswürdig sie ist, sich ihre Perspektive von der Lebenswelt der Weimarer Boheme vorgeben läßt und diese relativ naiv in das Exil hinein verlängert,4 zeigt die andere, daß aus einer bloßen Aneinanderreihung von mehr oder weniger kursorischen Biographien nicht automatisch eine plastische Geschichte der intellektuellen Emigration hervorgeht.5

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1996

Authors and Affiliations

  • Alfons Söllner

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