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Der Fall Japan: institutionelle und politische Voraussetzungen auf Gewerkschaftsseite

  • Wolfgang Seifert
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Zusammenfassung

Dieser Abschnitt enthält eine Kurzdarstellung des japanischen Gewerkschaftssystems unter den drei Gesichtspunkten Organisationsstruktur und Funktionen (2.1.1), personelle Stärke bzw. „Mitgliederentwicklung” (2.1.2), sowie politische Orientierungen (2.1.3). Unter dem Begriff „Gewerkschaftssystem” werden hier die Institutionen und Funktionen des Gewerkschaftswesens als Teil des umfassenderen Systems der industriellen Beziehungen verstanden. Sie sind zwar ständig einem Veränderungsdruck von Seiten sich wandelnder äußerer Bedingungen ausgesetzt, doch bedarf es jeweils eines längeren Zeitraums, bis dieser äußere Druck auch zur Ausformung neuer Institutionen führt. Es versteht sich von selbst, daß das Gewerkschaftssystem der neunziger Jahre im Vergleich zu dem der siebziger Jahre nicht in allen Bereichen neue Institutionen aufweist; mehrere strukturelle Charakteristika bestehen nach wie vor weiter. Die Institutionen des Gewerkschaftssystems beeinflussen und restringieren als Rahmenbedingung das Handeln der Gewerkschaftsbewegung, insbesondere auch gegenüber dem politischadministrativen System. Einige dieser Restriktionen wurden während des Untersuchungszeitraums überwunden. Um die Veränderungen schärfer hervortreten zu lassen, erscheint es angebracht, zunächst die wichtigsten institutionellen Gegebenheiten kurz zu umreißen.

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Literatur

  1. 1.
    Statt „Branchenföderation” findet man im Deutschen häufig „Branchengewerkschaft” (so z.B. in Shirai, Die japanische Betriebsgewerkschaft). Shirai selbst weist jedoch darauf hin, daß bei „unseren Branchengewerkschaften, denen die Arbeiter nicht direkt beitreten (...), es sich lediglich um lockere Zusammenschlüsse von Betriebsgewerkschaften [in der hier verwendeten Terminologie: Unternehmensgewerkschaften, W.S.]” handelt. Nach dem in dieser Arbeit aufgestellten Kriterium ist eine Gewerkschaft nur eine solche Organisation, deren „Beitrittseinheit” der individuelle Beschäftigte ist. Wegen dieses Kriteriums und des oben erwähnten föderalen Charakters spreche ich stets von „Branchenföderation” und nicht von „Branchengewerkschaft”.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Japan Institute of Labour, Gewerkschaften und die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern in Japan, S.U. Google Scholar
  3. 1.
    Über die Gründe für die Entstehung der Unternehmensgewerkschaft wurden in der japanischen Arbeitsökonomik und Soziologie seit ihrer „Entdeckung” durch Mitglieder des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts der Universität Tôkyô (in ihrer Untersuchung Die tatsächliche Situation der Nachkriegsgewerkschaften [1953, japanisch]) mehrere Debatten geführt. Eine kritische Aufarbeitung findet sich bei Kawanishi Hirosuke, Kigyôbetsu kumiai no riron, S. 29–114.Google Scholar
  4. 2.
    Dazu etwa Shirai Taishirô, Kigyôbetsu kumiai und Tokunaga/Altmann/Nomura/Hiramoto, Japanisches Personalmanagement — ein anderer Weg?, S. 236 und passim.Google Scholar
  5. 3.
    Dies gilt auch für bestimmte Gewerkschaften in Unternehmen des privaten Sektors, die ebenfalls landesweit agieren, wie z.B. die Gewerkschaft der Beschäftigten des Transportunternehmens Japan Express, Zennittsû, oder die der Beschäftigten des staatlichen Rundfunks und Fernsehens Nippon Hôsô Kyôkai (NHK), NHK rôren. Dazu Shirai Taishiro, Die japanische Betriebsgewerkschaft, S. 34.Google Scholar
  6. 1.
    Ich ziehe diesen Terminus auch deshalb vor, weil das deutsche Wort „Betrieb”mindestens zwei Bedeutungen hat, die für die Doppeldeutigkeit von „Betriebsgewerkschaft” verantwortlich sind: „Betrieb” bedeutet 1. eine Einheit von zusammenwirkenden Personen und Produktionsmitteln zum Hervorbringen von Gütern und Leistungen, und 2., im engeren Sinne, die dazu nötige räumlich-technische Anlage, also Fabrik, größere Werkstatt, Geschäft, Büro. Siehe Wahrig, Deutsches Wörterbuch, München 1986, S. 264.Google Scholar
  7. 2.
    Es gibt zahlreiche Definitionen von „Unternehmensgewerkschaft” oder, wenn keine klare Unterscheidung zwischen diesem Begriff und „Betriebsgewerkschaft” getroffen und beides synonym gebraucht wird, von „Betriebsgewerkschaft”. Eine ziemlich verbreitete Definition ist die von Shirai: „Eine Betriebsgewerkschaft ist eine Gewerkschaft, die innerhalb eines bestimmten Unternehmens bzw. innerhalb seiner einzelnen Zweigbetriebe gebildet wird. Mitglieder sind nur diejenigen Arbeiter und Angestellten, die den Status eines Mitglieds der Stammbelegschaft besitzen. Darüber hinaus sind die Betriebsgewerkschaften nahezu vollständig souverän in ihrer Geschäftsführung. Sie haben eigene, selbst festgelegte Satzungen, ihre Funktionäre stammen in der Regel aus der Belegschaft, sie verfügen über eigene Finanzen, sind also finanziell unabhängig, und besitzen bei allen ihren Aktivitäten fast völlige Autonomie.”(T. Shirai, Die japanische Betriebsgewerkschafl [dt. Ausgabe], S. 11.)Google Scholar
  8. 1.
    T. Shirai, Die japanischeBetriebsgewerkschaft [dt. Ausgabe], S. 34.Google Scholar
  9. 2.
    Nimura Kazuo, „Historische Charakteristika der industriellen Beziehungen in Japan”, S. 34 f.Google Scholar
  10. 3.
    Vgl. Kawanishi Hirosuke, „Können sich die japanischen Gewerkschaften regenerieren? Glorifizierungstheorien versus ‘Arbeiterkultur’”, S. 158 f.Google Scholar
  11. 4.
    Den bedeutendsten Versuch, nach 1945 in Japan eine Industriegewerkschaft aufzubauen, unternahm die Nihon denki sangyô rôdô kumiai (abgekürzt Densan), die Gewerkschaftsorganisation in der Elektrizitätswirtschaft. Vgl. hierzu Kawanishi, Kigyôbetsu kumiai no riron, S. 165–207, sowie zum Densan-Streik von 1952, der das Scheitern dieses Versuchs besiegelte, Ders., „‘Densan 27nen sôgi’ ron”, in Shimizu Shinzô (Hrsg.), Sengo rôdô kumiai undô shi ron, S. 403–445.Google Scholar
  12. 1.
    Auf die fehlende Tradition von Handwerkergilden und Zünften und damit zusammenhängend von Berufsgewerkschaften (craft unions) in Japan hat Nimura nachdrücklich hingewiesen. Vgl. Nimura, „Historische Charakteristika”, passim.Google Scholar
  13. 2.
    Zum Problem der freiwilligen Mitgliedschaft im Rahmen von Überlegungen zur innergewerkschaftlichen Demokratie vgl. W. Seifert „Some Thoughts on the Problem of Internal Union Democracy in Japan”.Google Scholar
  14. 1.
    Umgekehrt kann man etwa die als solche bezeichnete Beschäftigtengewerkschaft (jûgyôin kumiai) einer zentralen Regierungsbehörde oder die örtliche Gewerkschaftsorganisation der Beschäftigten der Staatsforste einer Unternehmensgewerkschaft gleichstellen.Google Scholar
  15. 2.
    Vgl. Shirai, Die japanischeBetriebsgewerkschaft, S. 22.Google Scholar
  16. 1.
    Dies sei am Beispiel des Bereichs Metallverarbeitung/Maschinenbau verdeutlicht. So existierten 1973 drei parallel agierende Branchenföderationen, nämlich Zenkokukinzoku (Nationale Gewerkschaft in Metallindustrie und Maschinenbau), SÔHYÔ-affiliiert, Zenkindômei (Föderation der Gewerkschaften in der Metallindustrie), DÔMEI-affiliiert, Zenkikin (Nationale Gewerkschaft in Maschinenbau und Metallindustrie, SHINSANBETSU-affiliiert. Hinzu kommen noch zahlreiche große Unternehmensgewerkschaften, die sich keiner Branchenföderation und damit auch keinem politisch ausgerichteten Dach verband anschlossen, sondern es vorzogen, dem dachverbandsüber-greifenden Kinzoku rôkyô [IMF-JC] (Gesamtjapanischer Rat der Gewerkschaften in der Metallindustrie) beizutreten oder aber „allein” zu bleiben. Dabei war die jeweilige personelle Stärke der drei erwähnten Branchenföderationen im Metallbereich keineswegs extrem verschieden: Von zusammen 558.000 organisierten Arbeitnehmern entfielen 1973 auf die SÔHYÔ angeschlossene Branchenföderation 38,5%, auf die DÔMEI angeschlossene 543%, und auf die SHINSANBETSU angeschlossene 7%. Keine der drei Größen ist damit vernachlässigenswert, und von einer Konkurrenzsituation kann zumindest bei den beiden erstgenannten Organisationen gesprochen werden.Google Scholar
  17. 2.
    Vgl. Shirai, Die japanische Betriebsgewerkschaft, S. 36.Google Scholar
  18. 1.
    Ebenda, S. 37.Google Scholar
  19. 2.
    Vgl. T. Hanami, Labor Relations in Japan Today, S. 90.Google Scholar
  20. 1.
    Vgl. etwa Rôdôshô (Hrsg.), Rôdô kwniai kiso chôsa hôkoku 1991, S. 19.Google Scholar
  21. 1.
    Vgl. Takanashi Akira, Nihon no rôshi kankei, S. 262 ff.Google Scholar
  22. 2.
    „Auf der heutigen, allgemein als staatsmonopolistischer Kapitalismus oder Interventionismus (mixed economy) bezeichneten Entwicklungsstufe der kapitalistischen Wirtschaft kommt in den betreffenden Ländern keine Gewerkschaft umhin, sich in irgendeiner Form politisch zu betätigen. Das ergibt sich ganz zwangsläufig aus den wachsenden Eingriffen des Staates in Wirtschaft und Gesellschaft, dem Einfluß staatlicher Maßnahmen wie Beschäftigungs- und Lohnpolitik, Sozialfürsorge, Bildungspolitik, Verkehrspolitik, Wohnungsbau, Umweltschutz etc. auf Beschäftigungs-, Arbeits- und allgemeine Lebensbedingungen der Arbeiter sowie aus der Bedeutung, die heutzutage Arbeitspolitik und Gesetzgebung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit in bezug auf die Grundrechte der Arbeiter besitzen.” Shirai, Die japanische Betriebsgewerkschaft, S. 201. Diese Feststellung trifft Shirai allerdings im Kontext der politischen Aktivitäten der Betriebsgewerkschaften.Google Scholar
  23. 1.
    „Die Intentionen, die die Gewerkschaften bei ihren Kontakten mit der Regierung verfolgen, bestehen u.a. darin, auf die Regierung Einfluß auszuüben, damit sie für die Arbeiter wünschenswerte Gesetzesentwürfe und Verordnungen veröffentlicht, sowie darin, Vertreter der Gewerkschaftsbewegung in administrative Ausschüsse und Beratungsgremien (shingikai), die Berichte und Empfehlungen an die Regierung herausgeben, zu entsenden. Meines Erachtens gibt es hierbei jedoch Situationen, in denen diese Kontakte aktiv sind (oder sein sollten), und solche, in denen sie passiv sind (oder sein sollten). Zwischen beidem deutlich zu unterscheiden ist schwierig (...) Die Logik der passiven Kontakte besagt, daß die Gewerkschaften die Regierung in dem Maße nützen, wie freies Handeln im Bereich des betreffenden Industriezweiges an seine Grenzen stößt. Bei allem, was darüber hinausgeht, ist es nicht nötig, sich in der Politik zu engagieren. Die Gewerkschaften schützen die Lebensbedingungen der Arbeiter im Grunde mit freien Kollektivverhandlungen und selbstgewählten Arbeitskampf maßnahmen; gegen eine Regierung, die diese Prinzipien verletzt, müssen sie sich konsequent zur Wehr setzen — dies ist in jener Logik impliziert. Demgegenüber beinhaltet die Logik eher aktiver Kontakte zur Regierung den folgenden Gedanken: Die Mittel zum Schutz der Lebensbedingungen der Arbeiter gehen über das auf den betreffenden Industriezweig bezogene Handeln hinaus. Da es gerade der Zustand der Politik ist, der den Lebensstandard der Arbeiter (und der ‘arbeitenden Bevölkerung’) bestimmt, dürfen die Gewerkschaften diesen Zustand nicht als gegeben hinnehmen, sondern müssen sich aktiv in die Politik einmischen und sie verändern. Dies macht es wiederum in Situationen, in denen die Regierung eine Politik der ‘Gleichheit’ und ‘Wohlfahrt’ verfolgt, erforderlich, daß die Gewerkschaften auf ein Industriezweig-bezogenes Handeln verzichten, welches die Verwirklichung derartiger Regierungsmaßnahmen behindern würde...”. Kumazawa Makoto, Non-eriito nojiritsu, S. 152–154.Google Scholar
  24. 2.
    Vgl. Shirai T., Die japanischeBetriebsgewerkschaft, S. 40Google Scholar
  25. 1.
    In Japan wurde hierüber ausführlich in der Zeitschrift Ôhara shakai mondai kenkyûjo zasshi veröffentlicht. Vgl. insbesondere die Artikel von Nimura in mehreren Ausgaben von 1987.Google Scholar
  26. 1.
    Im Unterschied zu dieser Darstellung nach Anteilen geht aus der Tabelle zur Entwicklung der Gewerkschaftsorganisationen im Anhang die personelle Stärke der gewerkschaftlichen Organisationen nach einzelnen Industriezweigen und Branchen in absoluten Zahlen hervor. Auf die dort feststellbare relative Stärke konkurrierender Gewerkschaftsorganisationen auf Branchenebene wird weiter unten eingegangen.Google Scholar
  27. 1.
    K. Armingeon, Die Entwicklung der westdeutschen Gewerkschaften 1950–1985, S. 22 f.Google Scholar
  28. 2.
    Ebenda, S. 23.Google Scholar
  29. 3.
    Vgl. zu diesem Problem W. Seifert, „Some Thoughts on the Problem of Internal Union Democracy in Japan”.Google Scholar
  30. 1.
    Der DGB hat klare Präferenzen für die SPD, während der Konkurrent Christlicher Gewerkschaftsbund (CGB) aus politischen Gründen entstanden ist. In quantitativer Hinsicht ist die Stellung des DGB allerdings ungleich stärker als die seines Vorgängers ADGB in der Weimarer Republik: nur noch drei Prozent, im Unterschied zu 14 Prozent der Vorläuferorganisation in der Weimarer Periode, gehören heute dem Konkurrenten CGB an. Armingeon, Die Entwicklung der westdeutschen Gewerkschaften 1950–1985, S. 35 f.Google Scholar
  31. 2.
    Die Anteile der im privaten Sektor Organisierten wurden entnommen: Rôdôshô (Hrsg.), 1974 Rôdô kumiai kihon chôsa hôkoku, hier zit. nach Ôhara shakai mondai kenkyûjo (Hrsg.), Nihon rôdônenkan 1976, S. 183.Google Scholar
  32. 1.
    Vgl. hierzu Dokument 1 im Anhang.Google Scholar
  33. 2.
    Siehe Tabelle 5, S. 59.Google Scholar
  34. 1.
    Vgl. hierzu Takagi Ikurô, „Rôdô kumiai shi ni okeru kigyôbetsu kumiai”, in Shimizu (Hrsg.), Sengo rôdô kumiai undô shi ron, S. 275–311, hier S. 275–278. Der Fokus in den beiden wichtigsten methodischen Ansätzen, mit denen Gewerkschaftsgeschichte geschrieben werden kann, ist einmal die historische Entwicklung der industriellen Beziehungen, zum anderen die Herausbildung der modernen Arbeiterschaft als handelndes kollektives Subjekt. Man kann Gewerkschaftsgeschichte jedoch auch funktionalistisch konzipieren. Im folgenden geht es darum, wie die Funktionen der Gewerkschaftsverbände von diesen im Verlauf der historischen Entwicklung ausgeübt wurden, ohne daß damit der Anspruch verbunden wäre, eine Historiographie der Gewerkschaftsbewegung zu liefern.Google Scholar
  35. 2.
    So zum Beispiel Shimizu Shinzô, „Sôhyô sanjûnen no baransu shiito” (fortan „Sôhyô sanjûnen”) in Shimizu (Hrsg.), Sengo rôdô kumiai undô shi ron, S. 372. Die Autoren der Rôdô undô kenkyûkai, die 1988 das bereits in der Einleitung erwähnte Quellenwerk zur Einheit der Gewerkschaftsfront herausgaben, sprechen in ihrem Vorwort von einer „dritten Strömung”, die durch die großen Unternehmensgewerkschaften des privaten Sektors repräsentiert werde. Vgl. Rôdô undô kenkyûkai (Hrsg.), Shiryô rôdô sensen tôitsu, S. ii.Google Scholar
  36. 1.
    Grundlegend für diesen Themenkomplex ist Takemae Eiji, Sengo rôdô kaikaku — GHQ rôdô seisaku shi, 1982.Google Scholar
  37. 1.
    Diese lauteten: Allseitiger Friedensschluß, d.h. ein Friedensvertrag nicht nur mit den Siegermächten des westlichen Lagers, sondern auch mit der UdSSR und der VR China; Festhalten an der Neutralität; Ablehnung von Militärstützpunkten in Japan; Ablehnung der Wiederaufrüstung. Ausgelöst wurde die öffentliche Diskussion um den Inhalt des abzuschließenden Friedensvertrages im Herbst 1949 durch ein Memorandum, das von Intellektuellen im „Gesprächskreis zur Friedensfrage” (Heiwa mondai konwakai), maßgeblich von Maruyama Masao, verfaßt wurde.Google Scholar
  38. 1.
    Shimizu, „Sôhyô sanjûnen”, S. 320.Google Scholar
  39. 2.
    Die wichtigsten Kampagnen im Rahmen des „Kampfes für die Umgestaltung der Politik” vom SÔHYÔ-Standpunkt aus waren die folgenden: für die Durchsetzung der vier Friedensprinzipien (1950–51), gegen die Verschlechterung der Arbeitsgesetze und gegen das Gesetz gegen subversive Aktivitäten (1952), gegen die Errichtung eines Truppenübungsplatzes im Fischerdorf Uchinada (1953), für die Verteidigung der Verfassung (beginnend 1954), gegen Nuklearwaffen (beginnend 1954), gegen den Ausbau des amerikanischen Luftwaffenstützpunktes Tachikawa in Sunakawa bei Tôkyô (1955–57), gegen das Polizeidienstgesetz (1958), gegen den Abschluß des revidierten Amerikanisch-Japanischen Sicherheitsvertrages (1959–1960), gegen den Versuch, ein Gesetz gegen politische Gewalt zu verabschieden (1961–62), gegen den Vietnam-Krieg (1964–1975), gegen den Vertrag zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Japan und der Republik Korea (1965), für die Rückgabe Okinawas an Japan (1968–71), gegen die Einführung eines neuen Wahlsystems mit kleineren Wahlkreisen (1975), Konferenzen von Gewerkschaftsorganisationen der Pazifik-Anrainerstaaten zwecks Schaffung einer atomwaffenfreien Zone im Pazifik (1981–82), und, die Bewegung gegen Atomwaffen und für Frieden (1982). Vgl. SÔHYÔ (ed.), This is SÔHYÔ, Tôkyô 1983, S. 52–56.Google Scholar
  40. 1.
    Vgl. Shimizu, „Sôhyô sanjûnen”, S. 322 f.Google Scholar
  41. 2.
    „Rather, it has been, and is, SÔHYÔs basic thinking that if the lives of the workers are to be protected, SÔHYÔ should not confine itself to traditional trade union areas but should intervene -of course on the basis of a broad consensus of the majority of the workers — in the economic and social structure of the country. In fact, if Sohyo did not choose this path, it would be neglecting its minimum duty as a trade union.”SÔHYÔ (ed.), This is SÔHYÔ, S. 45.Google Scholar
  42. 3.
  43. 4.
    Vgl. Franz L. Neumann, „Die Gewerkschaften in der Demokratie und in der Diktatur”, in Ders., Wirtschaft, Staat, Demokratie, S. 150 f. Zu den Funktionen von Gewerkschaften allgemein gibt einen ausgezeichneten Überblick: W. Müller-Jentsch, Soziologie der industriellen Beziehungen, S. 50–67.Google Scholar
  44. 1.
    Zum Shuntô ausführlich Sepp Linhart, „Shunto: Ein historischer Überblick über die Entwicklung der Frühjahrsoffensive 1955–1978”.Google Scholar
  45. 2.
    Vgl. Shimizu, „Sôhyô sanjûnen”, S. 342.Google Scholar
  46. 1.
    Der Text des Dokuments ist zusammen mit dem des Zweiten Entwurfs für die organisatorischen Grundsätze abgedruckt und mit einem Kommentar versehen in: Rôdo kyôiku sentaa (Hrsg.), Sôhyô soshiki kôryô to gendai rôdô undô, S. 27–241.Google Scholar
  47. 2.
    Hyôdo, „Rôdô kumiai no seisaku seido tôsô”, S. 23f.Google Scholar
  48. 3.
    Hierbei hatten die japanischen Gewerkschaftsfunktionäre Anregungen aus der italienischen Debatte über die Strukturreform des Kapitalismus und aus den dortigen Gewerkschaftserfahrungen aufgriffen. Siehe Hyôdô Tsutomu, „Shokuba no rôshi kankei to rôdô kumiai”, in Shimizu (Hrsg.), Sengo rôdô kumiai undô shi ron, S. 203–271, hier S. 227.Google Scholar
  49. 1.
    Zit. nach Kôzuma Yoshiaki, Shuntô, S. 200 f.Google Scholar
  50. 2.
    Vgl. hierzu Kumazawa M.,„‘Futsû’ no tame no ‘môretsu’” (Wie ‘verrückt arbeiten’ für ein ‘normales Leben’), 1986.Google Scholar
  51. 1.
    Vgl. Shimizu, „Sôhyô sanjûnen”, S. 369.Google Scholar
  52. 1.
    Vgl. hierzu Takahashi Hikohiro, Gendai seiji to shakai minshushugi, hier insbesondere „Dômei-kei rôdô undô no kiten — ‘jissenteki rôdô kumiai shugi’ no keisei’” S. 183–229.Google Scholar
  53. 2.
    Auch Shirai Taishirô vertritt diese Ansicht. Vgl. Shirai T., Japaneses Labor Unions and Politics”, 1983.Google Scholar
  54. 3.
    Vgl. Adolf Sturmthal, The Tragedy of European Labour 1918–1939, London 1944.Google Scholar
  55. 4.
    Takahashi belegt dies an Grundsatzdokumenten der SÔDÔMEI-Richtung aus den Jahren 1946 bis 1962. Vgl. ebenda, S. 208–224.Google Scholar
  56. 1.
    „Um die Kräfte der Politik des demokratischen Sozialismus zu stärken, streben wir eine Stärkung der Demokratisch-Sozialistischen Partei an und bemühen uns um eine breitere Basis für die Entwicklung der industriellen Demokratie. Wir schätzen die Bemühungen des Japan Productivity Center zur Einführung moderner Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen sehr, arbeiten mit dem Center zusammen und streben außerdem die Einrichtung von Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Konferenzen auf den Ebenen von Industrie- und Geschäftszweig an. Insbesondere verlangen wir die Einrichtung von Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Konferenzen im landesweiten Maßstab angesichts der wichtigen Stellung, welche die japanische Industrie jetzt vor der beginnenden Handelsliberalisierung einnimmt. Wir fördern die Partizipation von Gewerkschaftsvertretern an den verschiedenen Beratungsgremien für die staatliche Industrie- und Wirtschaftspolitik und wollen mehr Kompetenzen der Beratungsgremien. Außerdem sollen Gewerkschaftsvertreter in die für die Realisierung der industriellen Demokratie notwendigen Organe aufgenommen bzw. soll die Einrichtung solcher Gremien veranlaßt werden.” Aktionsprogramm von SÔDÔMEI von 1962, zit. nach Takahashi, „Dômei-kei rôdô undô no kiten — jissenteki rôdô kumiai shugi’ no keisei’”, S. 221.Google Scholar
  57. 2.
    Ebenda, S.222.Google Scholar
  58. 1.
    Vgl. Hyôdô, Gendai no rôdô undô, S. 46.Google Scholar
  59. 2.
    Vgl. Ohara Makirô, „Dômei — ‘rôdô kumiai shugi’ no mujun”, in Satô Kôichi (Hrsg.), Rôsen tôitsu, hier S. 192–195.Google Scholar
  60. 3.
    Vgl. Takita Minora, „Der Arbeitskampf bei den Ômi-Seidenspinnereien”, 1989 (dt. Ausgabe).Google Scholar
  61. 4.
    Vgl. etwa Ôhara, wenn er schreibt: „Natürlich gibt es auch hier, einmal begonnen, hartnäckige Streiks, wie man an den von Zensen 1954, Kaiin 1972 und in jüngster Zeit an dem von der Unternehmensgewerkschaft von Sasebo Heavy Industries geführten Arbeitskämpfen sehen kann. Diese Gewerkschaftsorganisationen entstammen alle der Richtung des alten SÔDÔMEI.” Takita Minora, „Der Arbeitskampf bei den Ômi-Seidenspinnereien”, 1989 , S. 191.Google Scholar
  62. 1.
    Vgl. hierzu ausführlich Kumazawa Makoto, „Shokuba shakai no sengo shi”, in Shimizu (Hrsg.), Sengo rôdô kumiai undô shi ron, S. 95–130.Google Scholar
  63. 2.
    Vgl. Zen Nihon rôdô sôdômei [=DÔMEI] (Hrsg.), Dômei sangyô seisaku to chôki chingin keikaku. Für den wertvollen Hinweis auf dieses Dokument und eine Kopie desselben danke ich Herrn Kôno Tokuzô.Google Scholar
  64. 3.
    Linhart erwähnt in seiner ausführlichen Darstellung des Shuntô zwar die „langfristige Lohnpolitik”DÔMEIs, nicht jedoch die in unserem Zusammenhang ebenso wichtige Industriepolitik. Vgl. Sepp Linhart,,,Die japanische Frühjahrslohnoffensive”, S. 253.Google Scholar
  65. 1.
    Zen Nihon rôdô sôdômei [=DÔMEI] (Hrsg.), Dômei sangyô seisaku to chôki chingin keikaku, S. 30f.Google Scholar
  66. 1.
    Hyôdô, Gendai no rôdô undô, S. 48.Google Scholar
  67. 2.
    Nakamura Takuhiko, „Seijuku shakai no kumiai zô”, zit. nach Ohara, „Dômei”, S. 205.Google Scholar
  68. 3.
    Matsuzaki Tadashi, Wage Negotiation in the Japanese Steel Industry: Key Bargaining in the Shuntô, Canberra 1983.Google Scholar
  69. 1.
    Matsuzaki Tadashi, Wage Negotiation in the Japanese Steel Industry: Key Bargaining in the Shuntô, Canberra 1983, S. 21.Google Scholar
  70. 2.
    Matsuzaki Tadashi, Wage Negotiation in the Japanese Steel Industry: Key Bargaining in the Shuntô, Canberra 1983, S. 23 f.Google Scholar
  71. 1.
    Dafür nennt Komatsu Ryûji folgende Gründe: 1. sei damals der Wunsch nach einer Einheit der Gewerkschaftsfront bei den einfachen Gewerkschaftsmitgliedern nicht besonders stark ausgeprägt gewesen, weil sie ihre Interessen zunächst einmal in Form der erreichten spürbaren Lohnerhöhungen aufgehoben sahen. 2. sei trotz des unternehmensüberschreitenden und mehr oder weniger funktionierenden Lohnerhöhungsmechanismus durch die Shuntô-Formel der zentrale Ort der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen nach wie vor das Unternehmen gewesen, und deshalb hätten die Gewerkschaften — als Unternehmensgewerkschaften — und die Gewerkschaftsmitglieder ihr Hauptaugenmerk auf die Lage in ihrem jeweiligen Einzelunternehmen gerichtet. Daraus habe sich andererseits auch ergeben, daß die Gewerkschaftsbewegung durch das Scheitern der Bemühungen um eine vereinte Gewerkschafts front nicht sonderlich beeinträchtigt wurde. Komatsu, „Rôdôsha soshiki no seikaku, dôkô, ideorogii”, S. 152.Google Scholar
  72. 1.
    Maruyama Masao, Gendai seiji no shisô to kôdô. Zôhôhan. S. 531.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1997

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  • Wolfgang Seifert

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