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Bemerkungen zu Luhmanns Systemtheorie

  • Anton Hahne
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Zusammenfassung

Die Frage, auf welche Weise gesellschaftliche Ordnung überhaupt entsteht, beantworten Berger/Luckmann — wie wir im Exkurs II gesehen haben — mit dem Hinweis auf die unaufhörliche Externalisierung, die Menschen produzieren. Sie verweisen auf Prozesse der Wiederholung, Gewöhnung, Routinisierung und Habitualisierung, die zusammen zu Institutionalisierungen führen. Wie die soziale Wirklichkeit aber im einzelnen “konstruiert” wird, können sie nicht klären (Bardmann 1994, S.64). Von Mead wird dies dahingehend beantwortet, daß der gesellschaftliche Prozeß für das Auftreten neuer Objekte im Erfahrungsbereich eines individuellen Organismus quasi verantwortlich sei, da er Kommunikation voraussetzt.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. hier und im folgenden Luhmann 1984; Martens 1988, S.199; Bardmann u.a. 1992, S.210; Bardmann 1994, S.92ff. Die soziologische Systemtheorie wird von uns nur relativ kurz behandelt. Als vertiefende Darstellung im Hinblick auf Kommunikation empfiehlt sich Fuchs 1993. Google Scholar
  2. 3.
    Martens siedelt seine Kommunikationstheorie zwischen personalen und gesellschaftlichen Aufgaben an. Dies läßt sich aus dem Erfordernis begründen, organisationale Kommunikation auf die besonderen Aufgaben des Unternehmens hin zu untersuchen, in dem organisationale und individuelle Kommunikationen immer verschränkt vorkommen. Vgl. dazu auch Witzer 1992, SAO.Google Scholar
  3. 4.
    Diesen Begriff übernimmt er aus der englischen Labour-Process-Debatte, in der als drei wesentliche Attraktivitätsformen genannt werden: Allgemeine Belohnung, Perspektiven sowie direkte Herausforderungen/Verführungen; vgl. Martens 1989, S.95. Google Scholar
  4. 5.
    Küpper 1993, S. 177 ergänzt, daß Martens’ Dimension der Attraktivität da an ihre Grenzen stößt, wo Organisationsmitglieder keine Chance haben, aktive Teilnehmer von schöpferischen Spielen zu sein.Google Scholar
  5. 6.
    Die Kommunikation selbst kann — laut Luhmann (z.B. in 1984, S.226) — nicht direkt beobachtet, sondern nur erschlossen werden. Akzeptiert man dies so, ist unseres Erachtens der Ausbau der Systemtheorie zu einer philosophischen “Metaerzählung” (Schulte 1993) nicht mehr verwunderlich, zu einer Metaerzählung, der es immer weniger um die Beschreibung oder Rekonstruktion gesellschaftlicher Phänomene geht.Google Scholar
  6. 7.
    Ältere systemtheoretische Vorstellungen scheiterten daran, daß sie die Offenheit überbewerteten und die Trägheit des Systems unterschätzten (Willke 1994, S.172ff.). Google Scholar
  7. 8.
    Doppelte Kontingenz von Kommunikation heißt, daß “ego” zu keinem Zeitpunkt einer Interaktion wissen kann, ob “alter ego” versteht, was “ego” meint, wenn er sagt, was er sagt. Zugleich weiß “ego”, daß “alter ego” nicht (eindeutig) weiß, was “ego” meint, wenn er sagt, was er sagt. Und “alter ego” weiß, daß “ego” nicht weiß, ob “alter ego” versteht, was “ego” meint, wenn er sagt, was er sagt et vice versa (Luhmann 1984, S.148ff.); zitiert nach Klatt 1993, S.378; vgl. auch die berühmten “Knoten” kommunikativer Verschachtelungen bei Laing 1986. Google Scholar
  8. 9.
    “Sinn” ist dabei allgemeiner definiert als oben in Exkurs II oder auch bei Giddens. Systemtheoretisch ist jede Information “Sinn”. Umgekehrt ist “Sinn” selektive Heraushebung. Bei Luhmann wird er thematisiert im Rahmen der Formel “Reduktion von Komplexität”. Die Reduktion der Komplexität der Welt ist zentraler Referenzpunkt der Systemtheorie und — aus ihrer Sicht — das wichtigste Problem sozialer Systeme (Martens 1988, S. 199). Google Scholar
  9. 10.
    Vordrucke, Formulare, schriftliche Anweisungen, zirkulierende Mitteilungen, schriftliche Pläne, Arbeitsvorgaben, Buchführung, Betriebsdatenerfassung (BDE) und Produktionsplanungssystem (PPS).Google Scholar
  10. 12.
    Klatt verweist dabei auf reflexive Mechanismen, Metakommunikationen, die den Wiedereintritt “der Differenz von System und Umwelt in das System” (Luhmann 1984, S.617) ermöglichen: Prozessuale Selbstbeobachtung zur Ablaufoptimierung in Arbeitsteams oder Rückkopplungsschleifen z.B. in Form von Qualitätssicherungsinstanzen oder Persönlichkeitsförderungskonzep-ten (Klatt 1993, S.391f.).Google Scholar
  11. 13.
    Anschlußfähigkeit kann entweder am informativen Gehalt erfolgen, an der gemeinten subjektiven oder objektiven Referenz auf eine andere Information oder an dem anhand dieser Differenz Verstandenen (Klatt 1993, S.378). Von daher ist Kommunikation immer ein “relativ offener sozialer Prozeß der Informationsverarbeitung”.Google Scholar
  12. 14.
    Zum methodologischen Individualismus vgl. Coleman 1991, S.6f.; Empter 1988, S.155 und Fußnote in auf dieser Fußnote 111 in Kap. 1.2.5 auf S.58 dieser Arbeit.Google Scholar
  13. 15.
    Da die Differenz Negation voraussetzt, kann Luhmann 1990b, S.118ff. in einer ideengeschichtlichen Deutung eine Analogie zwischen Beobachter und Teufel aufzeigen. Der Teufel sei der Prototyp des Beobachters, der die göttliche Harmonie seiner Beobachtungseinheit zerschneidet. Vgl. zu dieser philologisch anregenden Pointe der Systemtheorie Schulte 1993 und Bardmann 1994, S.10ff. Google Scholar
  14. 16.
    Deshalb spricht Luhmann hier bei der “Beobachtung 2.Ordnung” von einem blinden Fleck, denn man könne ja nichts beobachten ohne vorherige Unterscheidung. Um diesen blinden Fleck zu sehen, benötigt man erneut einen Wechsel der Perspektive, erhält aber wieder einen blinden Fleck usw. Kommunikation (und nicht Erkenntnisstreben allein) sei daher der eigentliche Sündenfall: “Einmal in Kommunikation verstrickt, kommt man nie ins Paradies zurück” (Luhmann 1994). Google Scholar
  15. 17.
    Ähnlich Gripp-Hagelstange 1995, S.128, deren Standpunkt wir — in Exkurs IV auf S.198 — ebenso verwerfen.Google Scholar
  16. 18.
    Zu Baudrillard vgl. auch Fußnote 17f. auf S.97.Google Scholar
  17. 19.
    Unterstellt wird hier, daß es grundsätzlich neue subjektive Erfahrungen im Zuge des sozio-tech-nischen Fortschritts gäbe, eine “evolutionistische” Auffassung (Giddens 1988, S.283ff.), unseres Erachtens eine Fiktion.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Anton Hahne

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