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Die sogenannten Axiome der Kommunikation

  • Anton Hahne
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Zusammenfassung

Die pragmatischen Aspekte des Kommunikationsprozesses sind seit einer Veröffentlichung einer Forschergruppe um Paul Watzlawick in den Mittelpunkt des Interesses von Kommunikationsforschern gerückt. Wie schon oben ausgeführt, betrachtet Watzlawick Kommunikation nicht nur als die Übermittlung einer Information von einem Sender an einen Empfänger, sondern bezieht sowohl die Selbstdarstellung des Senders als auch die Reaktion des Empfängers in seine Analyse ein1. Sein Anliegen ist die “zwischenmenschliche Sender-Empfänger-Beziehung auf der Basis der Kommunikation”, wobei deren Pragmatik als zwischenmenschliches Phänomen aufgefaßt werden muß (Watzlawick u.a. 1969, S.23)2. Das besagt, daß nicht nur die Wirkungen erfaßt werden dürfen, die eine Person A durch Kommunikation auf eine Person B ausübt, sondern dabei immer in Betracht gezogen werden muß, “daß, was immer B tut, auf A zurückwirkt und dessen nächsten ‘Zug’ beeinflußt, und daß beide dabei weitgehend von dem Kontext, in dem ihre Wechselbeziehung abläuft, beeinflußt sind und ihn ihrerseits beeinflussen” (ebd., S.37). Diese Sichtweise entspricht der von uns entwickelten, so daß es lohnenswert erscheint, seine fünf “Axiome der Kommunikation” kurz zu referieren3. Da sie als Basis vieler kommunikationswissenschaftlicher Überlegungen herangezogen werden, haben sie grundsätzliche theoriegeschichtliche Bedeutung. Der Anspruch einer “Axiomatik” ist allerdings mißverständlich, denn er suggeriert die Mathematisierbarkeit menschlichen Verhaltens, indem auf die Regelhaftigkeit der Sprache hingewiesen wird.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. Exkurs IV, S. 193.Google Scholar
  2. 2.
    Im folgenden wird im Text allein von Watzlawick gesprochen, wie sich das in der Diskussion eingebürgert hat, da die überarbeitete Übersetzung des englischen Originaltextes allein von ihm stammt.Google Scholar
  3. 3.
    Die Axiome selbst werden bei Watzlawick u.a 1969, S.50–71 dargestellt, pathologische Störungen, die sich auf diese Axiome beziehen lassen, auf S. 72–114. Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. zur Kritik Ziegler 1977; Adamzik 1984; Girgensohn-Marchand 1992. Google Scholar
  5. 5.
    Luhmann 1984, S.562 nennt als anschauliches Beispiel, es bedürfe “im allgemeinen einer institutionellen Erlaubnis, wenn man sich in Anwesenheit anderer angelegentlich mit seinen Fingernägeln beschäftigt, aus dem Fenster hinausschaut, sich hinter eine Zeitung zurückzieht.” Vgl. zur “Anwesenheit ohne Kommunikation” auch Berger 1995, S.106f.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. das instruktive Beispiel zum unterschiedlichen Paarungsverhalten aus Watzlawick 1969, S.20. Berücksichtigt man allerdings Tramitz 1993, so ist zu fragen, ob hier nicht kulturelle und geschlechtsspezifische Divergenzen interferieren. Vgl. Fußnote 45 auf S.357 in Kap.8.2.2.Google Scholar
  7. 7.
    Ziegler 1977, S.69 und Adamzik 1984, S.73 bemängeln bei Watzlawick die definitorische Gleichsetzung von Metakommunikation und Beziehungsaspekt. Sie sei theoretisch unhaltbar und empirisch zusammenhanglos.Google Scholar
  8. 8.
    Gleiches ist mit dem “kommunikativen Teufelskreis” nach Schulz von Thun gemeint. Vgl. Kap.9.2, S.408.Google Scholar
  9. 9.
    “Es gibt letztlich keinen zwingenden Grund, weshalb die fünf Buchstaben k, a, t, z und e in dieser Reihenfolge ein bestimmtes Tier benennen sollen — es besteht lediglich ein semantisches Übereinkommen für diese Beziehung zwischen Wort und Objekt…” (Watzlawick u.a. 1969, S.62). Die Arbitrarität relativiert sich in onomatopöietischen (lautnachahmenden) Ausdrücken sowie in der Wortbildung.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. Sprichwörter wie “Der Ton macht die Musik” und “Eine Geste sagt uns mehr als hundert Worte”.Google Scholar
  11. 11.
    Genauer wird auf diese Zusammenhänge in den Kapiteln 8.2ff. eingegangen.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Watzlawick u.a. 1969, S.110. Sehr häufig sei die Situation, daß “eine Mitteilung die Beziehung gleichzeitig als symmetrisch und komplementär definiert”. So entstünden häufig Paradoxien in der menschlichen Kommunikation, so z.B. bei der Aufforderung “Sei spontan!” Vgl. ebd., Fußnote 15, S.111 und S.184. Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. z.B. Veil 1992, S.52ff. Google Scholar
  14. 14.
    Während Berger/Luckmann dies nur feststellen, entzündet sich daran bei gesellschaftskritischen Forschern grundsätzliche Ablehnung. So werfen Feministinnen den etablierten Methoden vor, sie verstärkten soziale und sexistische Normen; der Inhalt einiger Therapiemethoden sei repressiv; die Kompetenz eines durchschnittlichen, männlichen, mittelstandsorientierten Therapeuten beschränke sich auf Anpassungsleistungen, die er auch von seinen Klient(inn)en erwarte. Vgl. Ernst/Goodison 1986, S.348ff. Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. Kap.9.2.3, S.435.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Anton Hahne

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