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„Normalisierung“ und neu-rechte Offensive: Der „Ernstfall“ im Innern

  • Friedemann Schmidt
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Zusammenfassung

Im Sommer 1992 berichtet Criticón über bedeutsame Veränderungen im Nachbarland Österreich: Unter der Überschrift „Abschied von der Neutralität“ schildert Criticón-Autor Michael Brückner die Annäherung des Alpenstaates an die Europäische Gemeinschaft, die er in Verbindung mit „der nunmehr exponierten Lage des Landes ... mitten in dem sich neu formierenden Europa“ bringt (Brückner 1992b). Daß die österreichische Diplomatie unter Federführung des konservativen Außenministers Alois Mock (ÖVP) darauf hinarbeite, sich „vorsichtig aus dem engen Korsett der Neutralität [zu] befreien“ und „auf der internationalen Bühne eine bedeutendere Rolle [zu] spielen“, sei bereits während des Golfkrieges und der Jugoslawien-Krise zutage getreten (1992b: 196).1 In Österreich setze sich „immer stärker die Erkenntnis durch, daß — wie es die FPÖ Jörg Haiders formuliert — »die Neutralität durch die historischen Ereignisse obsolet geworden ist«“. Angesichts der sich verschärfenden Gegensätze in der großen Koalition über den künftigen außenpolitischen Kurs sieht Brückner erstmals die Möglichkeit einer „antisozialistischen Mehrheit“ in greifbare Nähe gerückt2: Hoffnungsvoll notiert er: „Führt der Weg zum Machtwechsel in Wien über die Außenpolitik...?“ (1992b: 197)

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Literatur

  1. 1.
    Als einziges neutrales Land habe Österreich den Golf-Alliierten Transit- und Überflugsrechte gewährt und mit dem frühen Eintreten für die völkerrechtliche Anerkennung Kroatiens und Sloweniens habe Wien im Balkankonflikt „bereits Flagge [gezeigt], als man in London, Den Haag, Paris und Washington noch glaubte, den in Wirklichkeit längst auseinandergebrochenen Kunststaat Jugoslawien retten zu können — oder retten zu müssen (ebd.). — Auch das besondere Engagement Österreichs in der ehemals italienisch dominierten ‚Central European Initiative’, deren Schwerpunkt sich unter österreichischem Einfluß „von Rom nach Mitteleuropa“ verlagert habe, sei im Kontext der,,neue[n], wesentlich aktivere[n] Außenpolitik“ des Landes zu sehen (ebd. 197; vgl. hierzu auch die Ausführungen in Kapitel 3.3.2.3). — Beachtenswert sind die Parallelen zum wiedervereinigten Deutschland, dessen erste Bewährungsproben die Criticón-Rechte ebenfalls in den „postmodernen Kriegen“ am Golf und auf dem Balkan verortet (vgl. hierzu Kapitel 3.4).Google Scholar
  2. 2.
    Gemeint ist eine Koalition der konservativen ÖVP mit Jörg Haiders rechtsextremer FPÖ, die Brückner schon früh in Criticón andenkt (vgl. Brückner 1986) und die zu Anfang des Jahres 2000 schließlich Wirklichkeit wird.Google Scholar
  3. 3.
    Als zentrale innenpolitische Aufgabe benennt Mölzer, „die de facto ohnedies vorhandene deutsche Identität der Republik zurück ins etablierte politische Bewußtsein zu holen“.Google Scholar
  4. 4.
    Der Österreich-Korrespondent des ‚Rheinischen Merkur’ und Haider-Fan Meier-Bergfeld merkt zu Haiders Ullstein-Buch an: „Es ist im Grunde die Absage an Liberalismus und Sozialismus zugleich, an Maastricht und Super-EG, an Selbstverwirklichung und Hedonismus als obersten Wert. Mit einem Wort: Haider hat ein Manifest gegen die Postmoderne geschrieben.“ (ebd.). — Haider sieht die FPÖ übrigens selbst als, ‚»PLO Österreichs, die Befreiungsbewegung der Österreicher«“und zieht Parallelen zwischen Freiheitlichen’ und den „»Dissidenten im Ostblock«“(zit. n. Bailer-Galanda/Neugebauer 1997: 59; zur Einschätzung der FPÖ als rechtsextrem vgl. ebd. sowie bereits dies. 1993).Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. hierzu die Ausführungen in Kapitel 3.3.2ff — Die Befreiung Österreichs von der als Diktat der (sowjetischen) Sieger denunzierten Neutralität entspricht in ihrem Stellenwert der geforderten Emanzipation des wiedervereinigten Deutschlands von den (westlichen) Alliierten. Michael Brückner untersucht kritisch die österreichische Annäherung an die EG und verweist darauf, daß nach dem dänischen Votum gegen den Vertrag von Maastricht „davon auszugehen ist, daß auch in Österreich die Zahl der [EG-]Beitrittsgegner wieder wächst“ (1992b: 197).Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. hierzu die Beiträge in Criticón Nummer 106 vom März/April 1988, die den damaligen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim auf dem Titelbild zeigt; hierin insbesondere den unter „Satire“ rubrizierten Beitrag „Anschluß andersherum“ von Gerd-Klaus Kaltenbrunner (1988).Google Scholar
  7. 7.
    Zu der im Mai 2001 neuerlich an die Macht gelangenden Rechts-Koalition unter Silvio Berlusconi und zum vorangegangenen Modernisierungsprozeß der italienischen Rechten vgl. Christen (2001).Google Scholar
  8. 8.
    An anderer Stelle konkretisiert Ritter: „Die Democrazia Cristiana ist als Hauptpfeiler des untergehenden Korruptionsregimes in der öffentlichen Meinung mit diesem identisch. Sie galt bis zum Zusammenbruch des Bolschewismus als das »geringere Übel«, weil die meisten Italiener es vorzogen, von Räubern und nicht von Mördern regiert zu werden. Mit dem Sturz der Berliner Mauer entfiel der Zwang, die Christdemokraten als Bollwerk gegen den roten Totalitarismus mehr zu erdulden als zu wählen.“ (1993b); vgl. hierzu auch Strelow (1994: 123). — Dieselbe Argumentation in Bezug auf ganz Westeuropa findet sich bei Jörg Haider: „Die Bürger streifen jetzt jene Herrschaftsverhältnisse ab, die sie früher, angesichts der kommunistischen Gefahr, als das kleinere Übel empfunden haben. Die Volksparteien sind zu groß und zu unflexibel, um auf die gravierenden Veränderungen zu reagieren. Aus einem Fünfziger-Jahre-Borgward-Modell wird kein Rennauto mehr.“ (Haider 1994).Google Scholar
  9. 9.
    Zur Criticón-Berichterstattung über die ‚Lega Nord’ Umberto Bossis bzw. zum politischen Umbruch in Italien zu Beginn der 90er Jahre vgl. auch ders. (1992, 1994a, 1994b). — Vgl. ebenso Win-terberger (1993a) sowie — zu ähnlichen Entwicklungen in der italienischen Schweiz — ders. (1991).Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. die Einsprüche von Jürgen Habermas gegen den steigenden öffentlichen Konformitätsdruck: „Im Westen der Republik hat sich... eine dumpfe Aggressivität gegen jene verbreitet, die als nicht hinreichend »einigungsfreundlich« abqualifiziert werden. Der »Rückruf in die Geschichte« übt eine zähflüssige soziale Kontrolle aus und scheint selbst die zu erfassen, die mit nationalen Gefühlslagen nichts im Sinn haben.“ (Habermas 1995).Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. etwa Schrenck-Notzing (19921).Google Scholar
  12. 2.
    Vgl. die intensiven Bemühungen einiger Exponenten der deutschen Sozialdemokratie, etwa im Umfeld des ‚Hofgeismarer Kreises’, um eine positive Besetzung des Nationsbegriffes (exemplarisch Rudioff (Hrsg.) 1995, Fichter 1992); zum ‚Hofgeismarer Kreis’ vgl. auch die Darstellung bei Linke (1994: 175ff.).Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. hierzu u.a. die Polemik Diedrich Diederichsens gegen jene „... deutschen Publizisten, die eine Nation handlungsfähig machen und normalisiert sehen wollen, indem sie für »normal«, »deutsch« und »gesund« auch das erklären, was man früher »nationalistisch« oder auch »rassistisch« genannt hätte. Und während der eine Flügel von Normalisierung spricht, entwirft der andere die Krise der Kultur und der Zivilisation, die halt die Verschärfungen notwendig mache. Vom »Spiegel« bis zu Reißmüller sind sie sich einig, daß nun Schluß mit lustig ist: Ausländer, Gewaltvideos, Graffiti und Obdachlose bedrohen das Land.“ (Diederichsen 1993: 14).Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. hierzu die Darstellung bei Gessenharter (1994a: 185ff.) sowie — zu den Wechselbeziehungen zwischen dem Jugoslawien-Diskurs in Criticón und in der FAZ — die ausführliche Darstellung in Kapitel 3.4.2.2. — Zur schleichenden Integration der Neuen Rechten in die bundesdeutsche Medienlandschaft vgl. die gesonderten Ausführungen in Kapitel 4.4.2Google Scholar
  15. 15.
    Zu Geschichte und Ideologie des 1986 im Umkreis des ‚Republikaner’-Dissidenten Franz Handlos gegründeten Blattes, das ab 1991 monatlich und seit 1994 wöchentlich erscheint, vgl. Kellershohn (1994a). — Die seit einiger Zeit auch online im Internet abrufbare Wochenzeitung (URL: http://www.jungefreiheit.de) rühmt sich damit, „ein breites konservatives, nonkonform-»rechtes« Meinungsspektrum“ abzudecken und versucht seit geraumer Zeit, zu einer „rechten »taz«“zu werden (vgl. JF-Werbefaltblatt „Eine konservative Revolution“ von 1992). Tatsächlich lehnt sich die JF in Stil und Aufmachung eng an die alternative Berliner Tageszeitung’ an (vgl. Siegler 1992a).
  16. 16.
    Vgl. Karlheinz Weißmanns Ausführungen zu Joachim Fests Buch „Der zerstörte Traum“ (Weißmann 1991f). Will Weißmann im Gegensatz zu Fest das Prinzip der Utopie nicht gänzlich verabschieden, sondern als „ein die Gegenwart überbietendes Vor-Bild“ im Sinne eines „Damm[es] gegen die Dekadenz“ für den Neo-Nationalismus dienstbar machen (1991 f: 239), so läßt er an anderer Stelle keinen Zweifel an der Rückwärtsgewandtheit seiner Utopie-Konzeption: „Eine adäquate Antwort [auf die Umbruchsituation zu Beginn der 90er, [s] müßte eine »konservative« sein. Damit wird nicht behauptet, daß die Stunde der Auferstehung für längst verwehte politische Gestalten naht. Wohl wäre aber eine Regeneration denkbar, die insofern konservativ ist, als Konservatismus die natürliche Haltung des »gesunden Menschen« (Peter Richard Rohden) darstellt.“ (1992b: 63).Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. Willy Brandts berühmt gewordenes Wort („Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“) aus einer Rede zum Fall der Berliner Mauer am 10.11.1989 vor dem Rathaus Schöneberg.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. die Wortmeldungen von Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Botho Strauß, Rudolf Augstein (‚Der Spiegel’), Konrad Adam, Frank Schirrmacher (FAZ), Gerd Bucerius, Marion Gräfin Dönhoff, Helmut Schmidt (‚Die Zeit’), Karl Heinz Bohrer (‚Merkur’), Arnulf Baring, Michael Stürmer, Hans-Peter Schwarz u.v.a.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. hierzu Perger (1992) sowie die Anmerkungen oben.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. hierzu die Besprechung von Schmidt, T. E. (1994).Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. Strauß, B. (1993, Erstabdruck in ‚Der Spiegel’ 6, 1993: 202ff; alle Zitatnachweise im Folgenden beziehen sich auf die ‚Spiegel’-Veröffentlichung). — Zur Strauß-Rezeption in Criticón vgl. ins-bes. die Beiträge von Mohler (1993e, 1993j), Wiesberg (1994) sowie die Ausführungen in Kapitel 4.3.2.2.Google Scholar
  22. 22.
    Exemplarisch Meier-Bergfeld (ebd.: 195ff.), Wassermann (249ff.), Stern (291ff.) et al.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. ebd. sowie Hahn, K.-E. (327ff.), Inacker (364ff), Brunner (381ff.).Google Scholar
  24. 24.
    Die Herausgeber des Bandes vereinnahmen in diesem Zusammenhang den Sozialwissenschaftler Wolfgang Kraushaar, der, so Schwilk und Schacht eine „»Stigmatisierung intellektueller Positionen, die nicht gegen im Strafgesetzbuch fixierte Straftatbestände verstoßen«, für unzulässig hält“ (ebd.).Google Scholar
  25. 25.
    Die Herausgeber zitieren im Vorwort zur zweiten Auflage (Dezember 1994) Martin Walsers frühen Ausbruch gegen den vermeintlichen „»Tugendterror der political correctness«“.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. die Widmung sowie jenen Teil des Bandes, der (ab der zweiten Auflage) unter dieser Überschrift steht (ebd.: 445ff.) sowie die dort plazierten Beiträge des sächsischen Justizministers Steffen Heitmann (1996, ebd.: 447ff.) und des ehemaligen DDR-Bürgerrechtlers Wolfgang Templin (1996, ebd.: 457ff.).Google Scholar
  27. 27.
    Vgl. die Beiträge von Karlheinz Weißmann, Ansgar Graw, Peter Meier-Bergfeld, Karl-Eckhard Hahn und nicht zuletzt Heimo Schwilk selbst. Jünger-Biograph Schwilk taucht selbst nur gelegentlich als Gastautor in Criticón auf (vgl. Schwilk/Wolff 1988; Schwilk 1995), seine Bücher werden jedoch von Armin Mohler aufmerksam rezipiert und für die Zeitschrift besprochen, so etwa das „Bilderbuch Ernst Jünger“ (vgl. Mohler 1988d) sowie „Was man uns verschwiegen hat. Der Golfkrieg in der Zensur“ (vgl. Mohler 199lj).Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. etwa den von Schwilk initiierten Aufruf „8. Mai 1945 — Gegen das Vergessen“ (FAZ vom 07.04.1995), der allein von 15 Criticón-Autoren, darunter Herausgeber Schrenck-Notzing selbst, unterzeichnet wird. — 1995 wirbt der Criticón-Verlag für die Broschüre „How the Left Turned their Defeat into Victory. Germany after Reunification“ (Autoren sind Heimo Schwilk, der zugleich als Herausgeber fungiert, Manfred Brunner, Uwe Greve, Michael J. Inacker, Ulricht Schacht, Karlheinz Weißmann sowie Rainer Zitelmann), die zeitgleich zu der FAZ-Anzeige erscheint und „die Positionen der »89er« auf verschiedenen Feldern der Politik knapp zusammenfaßt“ (vgl. Criticón 146, 1995: 107 u. Criticón 147, 1995: 137). Die englische Kurzversion der „selbstbewußten Nation“ ist dem Verlagstext zufolge vor allem für „amerikanische Freunde“ gedacht, „die sich nicht nur aus der »New York Times« über Deutschland informieren wollen“ (ebd.).Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. die BFB-Anzeige „Deutschlands neue Partei informiert: Die Europawahl war nur der Anfang. Unser Ziel ist eine politische Kulturrevolution in Deutschland“ (Bund Freier Bürger 1994); zum BFB siehe auch die Anmerkungen in Kapitel 4.4.1.Google Scholar
  30. 30.
    Auf den Internet-Seiten der neu-rechten ‚Karlsruher Freitagsgespräche’ (1996) wird über einen Vortrag des Mitherausgebers der „selbstbewußten Nation“ wie folgt berichtet: „Der Theologe Ulrich Schacht (Welt am Sonntag) entwickelte einen Leitfaden, wie es Deutschland gelingen könne, von der äußeren Souveränität auch zur inneren Souveränität zu gelangen. Dabei zitierte er unter anderem aus dem jüngst erschienenen Tagebuch »Verdrossenheit« von Peter Glotz (SPD) die Frage, warum wir eigentlich alle das Gegenteil dessen sprächen, was wir eigentlich dächten und kam so auf die mangelnde innere Souveränität maßgeblicher Teile der Politik. Der Staat müsse rekonstruiert werden. Auch die gesamte Nation solle erst einmal nach dem epochalen Wandel der Jahre 89/90 die eigene Normalität als Staat wiedergewinnen, bevor sie sich in einem europäischen Bundesstaat auflöse.“.Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. auch die Bezeichnung der Bundesbürger als „Protektoratskinder“ (Schrenck-Notzing 1983) bzw. „Kinder des Parteienstaates“ (Sohn 1993f: 246), die Metapher vom „Baby Bundesrepublik“ im „Brutkasten“ (Mohler 1993c: 87) sowie die Appelle an die Deutschen, endlich politisch „erwachsen“ zu werden (Schrenck-Notzing 1991b; Schüßlburner 1991c: 136). — Zum unbedachten Umgang von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit dieser Metapher bei seiner Regierungserklärung und den ersten Auftritten nach der Amtsübernahme vgl. die scharfe Kritik bei Nenning (1998).Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. hierzu im Überblick Frey/Haußer (1987b); „Identität“ wird von den Autoren als „selbstreflexiver Prozeß eines Individuums“ definiert und damit als Forschungsgegenstand deutlich von nationalen, kulturalistischen und ethnischen Identitätskonzepten abgegrenzt (ebd.: 4); vgl. dort auch die Distanzierung vom „falschen Zungenschlag“ einer unreflektierten Verbindung von „Identität“ und „Krise“ (12).Google Scholar
  33. 3.
    Vgl. hierzu insbesondere Wolfgang Schäubles Auffassung der Nation als „Schutz- und Schicksalsgemeinschaft“ (1994b), die er in seinem 1994 erschienenen Buch „Und der Zukunft zugewandt“ darlegt (1994a). — Zu Schäubles Positionen bemerkt Christoph Butterwegge: „Bei dem CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag findet man fast alles, was auch die sog. Neue Rechte postuliert.“ Butterwegge verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf die zu Beginn der 90er Jahre wachsende „Versuchung, ernsthafte Bemühungen um die Lösung sozialer Probleme durch Appelle an das Nationalgefühl der Bevölkerung zu ersetzen“ (Butterwegge 1998: 158). — Zur schillernden Figur Schäubles vgl. auch Forudastan (1997).Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. etwa Rühe (1994) sowie die Darstellung bei Perger (1992). Zur unterschiedlichen Funktion des Rekurses auf die „nationale Identität“ in konservativen („liberalkonservativen“) und neu-rechten („nationalkonservativen“) Politikentwürfen während der 80er Jahre vgl. die Position Holger Czitrichs (1989) und die Anmerkungen hierzu bei Mantino (1994: 88ff).Google Scholar
  35. 36.
    Hans-Ulrich Wehler (1994) zufolge erscheint der deutsche Sonderweg „in vergleichender Perspektive als ein eigentümlich belasteter Modernisierungspfad“. — Zur historischen Entwicklung der Sonderwegdebatte vgl. den Überblick bei Faulenbach (1981).Google Scholar
  36. 37.
    Vgl. hierzu die Beiträge in dem Sammelband „Westbindung“ (Zitelmann/Weißmann/Großheim 1993) sowie die eingehende Besprechung des Bandes in Criticón (Mohler 1993h). — Zum mit der neu-rechten Preußen-Sehnsucht verbundenen Affekt gegen die westliche (respektive US-amerikanische) „Geschichtsvernichtung“ vgl. exemplarisch Bavendamm (1991a).Google Scholar
  37. 38.
    Vgl. hierzu Habermas (1996b: 30ff., insbes. 54).Google Scholar
  38. 39.
    In einer scharfen Kritik an der (an Martin Greiffenhagen angelehnten) Position Alexander Gaulands schreibt Schrenck-Notzing: „Der notorische deutsche »Sonderweg« und der des deutschen Konservatismus fallen (nach dem Greiffenhagen-Modell) in eins. Schon in der Romantik wurde der Irrweg von der Gegenrevolution über die Gegenaufklärung und den Nationalismus bis hin zur Todessehnsucht, zum Blutbad und zur Katastrophe geebnet. Eine ebenso dicke wie gerade Linie zieht sich da ungeachtet aller Zeitumstände und geistigen Kontexte von Adam Müller bis Adolf Hitler. Die Harzburger Front trifft sich sozusagen schon in der Christlich-deutschen Tischgesellschaft. Clemenceau, Heinrich Heine und Fritz Stern sind die Kronzeugen. Da aber jeder Konservative mit den Beständen rechnet..., läßt sich die Reißwolf-Version der deutschen Geschichte (zumindest in Deutschland) kaum mit einer konservativen Position vereinen.“ (1991h: 255). — Vgl. auch Klaus Motschmanns Attacken auf die „Vorstellung eines schnurgeraden Irrweges der Deutschen durch ihre Geschichte“ (1994a: 42).Google Scholar
  39. 40.
    Vgl. Mohler (1993h); zu dieser Position vgl. auch Arndt (1989b).Google Scholar
  40. 41.
    In den „Grabenkämpfen“, schreibt der Rechts-Gramscist, „in denen die linksliberale Intelligentzia ihre wackelig gewordenen Positionen zu halten versucht, ist die pathetische Warnung vor dem Sonderweg die Waffe Nr.l“. Sie solle „nachdem man den Zusammenschluß der beiden deutschen Rumpfstaaten nicht verhindern konnte, zum mindesten verhüten, daß daraus eine normale Nation wie jede andere zusammenwächst“ (ebd.).Google Scholar
  41. 42.
    Vgl. hierzu Aigner (1981) sowie Kraus (1985).Google Scholar
  42. 43.
    Vgl. Bieberstein (1994b: 176). — Bieberstein, wie Wehler Historiker in Bielefeld, zieht mit besonderer Hingabe gegen seinen Kollegen zu Felde. Während des Einigungsprozesses registriert er erfreut Flankenschutz von seiten der konservativen Tagespresse: „Die Politik gegen die deutsche Einheit war für die dogmatische Linke zugleich eine Politik gegen die »demokratische Weltrevolution«. Es entbehrt nicht der Logik, wenn Eckhard Fuhr den »deutschtümelnden« Sonderwegstheoretikern wie besonders Hans-Ulrich Wehler am 10. Oktober 1990 in der Frankfurter Allgemeinen vorwarf, sie hätten bislang die deutsche Geschichte mit Hilfe der Leitbilder der Französischen Revolution und [des] britisch-amerikanischen Parlamentarismus »gnadenlos« abgeurteilt und würden sie nunmehr, wo die freie Selbstbestimmung der Deutschen gemäß diesen Leitbildern vollzogen sei, als von den Deutschen nicht allzu ernst zu nehmende »ramponierte Mythen« plötzlich abwerten.“ (1991b: 131).Google Scholar
  43. 44.
    Mohler sieht bereits Wehlers Funktion im Historikerstreit lediglich als die eines „Habermasschen Hilfspolizisten unter den Historikern“ (Mohler 1988c: 117).Google Scholar
  44. 45.
    Vgl. Gunnar Sohns Bezeichnung „bundesrepublikanische Schönwetterdemokratie“ (1992b) sowie, adäquat hierzu, die Denunziation der österreichischen Demokratie als „Schönwetterideologie“ bei Kuehnelt-Leddihn (1992a: 54).Google Scholar
  45. 4.
    Vgl. auch die Attacken Walter Posts auf die vermeintliche Funktion der bundesdeutschen Geschichtsschreibung vor 1989, „der Legitimation des Status Quo in Europa, der Ordnung von Jalta, zu dienen“ (Post 1992b).Google Scholar
  46. 47.
    Weißmann verweist hier vor allem auf das Aufgreifen geopolitischer Deutungsmuster durch Stürmer und nennt in diesem Zusammenhang auch die Arbeiten von Andreas Hillgruber, David P. Cal-leo sowie die Äußerungen Henry Kissingers und Richard von Weizsäckers.Google Scholar
  47. 48.
    Weißmann konstatiert eine Rückkehr des „Primats der Außenpolitik“ in der Historiographie, die die von Wehler et al. ins Werk gesetzte Verdrängung der „»Haupt- und Staatsaktionen«“revidiere. Die zu beobachtende „Verschiebung der Sichtweisen“ sei nicht zuletzt selbst auf den Wandel der „Gesamtlage“ zurückzuführen, die sich „seit einem Jahrzehnt auf eine völlige Veränderung der globalen und der nationalen Situation zubeweg[e]“ (1993b: 146).Google Scholar
  48. 49.
    Vgl. hierzu auch Schüßlburner (1993b: 224) und Hornung, K. (1993d). — Vgl. ebenso Schlich (1993a: 5) sowie Ströhm (1991e). — Mit ähnlicher Tendenz gegen den „Versailler Diktatfrieden“ Klein (1992a: 58) bzw. Hornung zum „Trauma von Versailles“ (Hornung, K. 1994e).Google Scholar
  49. 50.
    Zum Bild der Weimarer Demokratie, mit der man sich, wie einst Carl Schmitt, als nach wie vor „im Kampf befindlich sieht (vgl. hierzu den annoncierten Vortrag des Wetzlarer Forums „»Im Kampf mit Weimar und Bonn. Zur Bedeutung der konservativen Revolution im liberalistischen Elend«“in Criticón 136, 1993: 72; hierzu Schmitt 1988a (Orig. 1940)) vgl. auch Mohler (1991a: 82); hier die Weimarer Republik als „Land halbkolonialen Zuschnitts, ohne Wehrhoheit und wirkliche Souveränität“. — Zur zeitgenössischen Kritik vgl. exemplarisch die Beschreibung der Perspektive des ‚Tat’-Kreises bei Klaus Fritzsche (1976: 111ff: „Das Weimarer System als Jahrmarkt und Wüste“).Google Scholar
  50. 51.
    Explizit bei Uhle-Wettler (1994: 99 u. 102); siehe hierzu auch die Ausführungen in Kapitel 4.2.3.Google Scholar
  51. 52.
    So weiß etwa der österreichische Antidemokrat Erik von Kuehnelt-Leddihn, daß der „Aufstieg der NSDAP im Rahmen der Demokratie... nicht aufzuhalten“ gewesen sei (1991d). Schuld an der nationalsozialistischen Machtübernahme waren aus dieser Sicht nicht die antidemokratische Rechte, sondern die Weimarer Linksparteien, die sich — „ideologisch motiviert“ — der Zusammenarbeit mit den Präsidialkabinetten verweigert und damit dem „Gefreiten aus Braunau“ den Weg geebnet hätten (ebd.). Die Verengung des Blickwinkels auf die Person Hitlers und die Betonung des „Versagen[s] der Weimarer Republik“ gehören zum festen Repertoire der Criticón-Beiträge Kuehnelt-Leddihns (vgl. etwa auch ders. 1993a: 7).Google Scholar
  52. 53.
    Vgl. Armin Mohlers zeitweilige Kolumne „Nachrichten aus dem Interregnum“ in der ‚Jungen Freiheit’ (s. hierzu die Ausführungen in Kapitel 4.4.2).Google Scholar
  53. 54.
    Der Hohenheimer Sozialphilosoph und Criticón-Autor Günter Rohrmoser, Wortführer der rechtskonservativen Kritik an der „Bonner Wende“ in den 80er Jahren, reformuliert zu Beginn der 90er Jahre seine Kritik an Dekadenz und Werteverfall in der „alten Bundesrepublik“ und sucht diese vor dem Hintergrund der Drohung mit dem „Ernstfall“ in die Normalisierungsdebatten des vereinten Deutschlands einzubringen (vgl. Rohrmoser 1994); vgl. hierzu auch die Buchbesprechung bei Hahn, K.-E. (1995).Google Scholar
  54. 5.
    Zur Renaissance zahlreicher Topoi des Kalten Krieges im historischen Moment seiner Beendigung vgl. Elm (1997b). — Vgl. hierzu auch die Ausführungen in Kapitel 4.1.2.3 sowie 4.3.1.Google Scholar
  55. 56.
    Vgl. etwa die Hochschätzung, die die ‚Nationale Volksarmee’ (NVA) von seiten der Criticón-Rechten erfährt (Fötisch 1989: 209; Schmeidel-Roëlman 1990; Mohler 1992j).Google Scholar
  56. 57.
    Vgl. hierzu auch das DDR-Bild bei Arnulf Baring (1991a) sowie bei Maaz (1990); der Hallenser Psychotherapeut Maaz sieht die vorgebliche Deformation der Charaktere in der DDR als ursächlich für den Aufschwung rechtsextremer Gewalt in Ostdeutschland an. Hierzu sowie zur Kritik an dieser These vgl. Butterwegge (1999: 13ff).Google Scholar
  57. 58.
    Vgl. Hornung, K. (1991b: 231 f.), Fötisch (1992b) et al. — Die Denkfigur und ihre strategische Funktion sind nicht neu: Der beständige Verweis auf die wirtschaftlich-finanzielle „Erblast“ aus der Zeit der sozial-liberalen Koalition gehört in den Jahren nach der „Bonner Wende“ von 1982/83 zum festen rhetorischen Repertoire führender Christdemokraten und findet bereits zu dieser Zeit seinen Niederschlag in Criticón (Steinbuch 1986: 221).Google Scholar
  58. 59.
    Die „bewußte Ausschaltung der europäischen und deutschen Tradition und der religiös-christlichen Verankerungen durch das bankrotte Regime [habe] weithin zu einer vakuumhaften Leere und geistig-kulturell-politischen Orientierungslosigkeit geführt“ (ebd.) — Der enge Zusammenhang zwischen der von Hornung geforderten inneren Einheit der Nation und dem rassistischen Ausschluß des Fremden verdeutlichen Hornungs Attacken auf die Kirchen in Ostdeutschland: „Im Dom der Universitätsstadt Greifswald sorgt sich die evangelische Kirche mehr um das Schicksal der Kurden als um das Debakel im eigenen Land in einer Lage, in der der anstehende materielle wie immaterielle Wiederaufbau die Konzentration aller Kräfte für die nächsten Generationen rechtfertigen würde.“ (ebd.) — Vgl. auch ders. (1994c).Google Scholar
  59. 60.
    Vgl. etwa Hornungs Ausführungen zur „Besserwisserei von Leuten, die sich so gänzlich unberechtigt als politische Sieger fühlen“ (1991b: 233) sowie die Position Armin Mohlers zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit (hierzu die Ausführungen in Kapitel 4.3.1).Google Scholar
  60. 61.
    Die zitierte Feststellung Weißmanns erfolgt in Verbindung mit einer ausgesprochen skeptischen Position, die jedoch auf eine Erwartungshaltung rückschließen läßt: „Obwohl die DDR niemals ein ’68“ erlebt hat, existiert auch dort eine... heimatlose Linke. [...] Als die starren Formen des SED-Regimes zusammenbrachen, machte sich... ein neuer Typus zum Vertreter der Opposition, der bis ins Physiognomische dem westdeutschen linken Intellektuellen gleicht.“ (ebd.). — Demgegenüber konstatiert Kaspar Schlich einen tiefen Gegensatz zwischen Westlinken und ehemaligen DDR-Bürgern; Schlich lobt die Ostdeutschen insbesondere hinsichtlich ihrer gegensätzlichen „Einstellung zur Tradition, zur Geschichte im allgemeinen und zur Diktatur im besonderen“ (1993b: 261f).Google Scholar
  61. 62.
    Schrenck-Notzing fügt an: „Die Stabilität dieses Gemeinwesens stützte sich auf das Florieren der Wirtschaft, die Reißfestigkeit des sozialen Netzes und die HyperStabilität des Parteiensystems. Hinter der vordergründigen Stabilität vollzog sich jedoch in der Tiefe ein Wertewandel. Im Falle einer Krise muß sich zeigen, ob dieser Wertewandel nicht schon die Grundlagen des Gemeinwesens unterspült hat.“ (ebd.).Google Scholar
  62. 63.
    Vgl. etwa das BRD-Bild in den 80er Jahren bei Strauß, W. (1981a, 1981b), Kaltenbrunner (1982: 150), Maschke (1985), Hentze (1985), Topitsch (1987) et al.Google Scholar
  63. 64.
    Vgl. Klaus Hornungs Charakterisierung der deutschen Haltung im Golfkrieg als „deutsche Neurose“ bzw. „autistische Logik einer ideellen Welt, die ernsthafter Wirklichkeitsanalyse aus dem Wege geht“ (1991a: 15f.). — Zu dieser Position vgl. auch die Veröffentlichungen von Hans-Peter Schwarz, auf die Hornung (hier: 15) u.a. Criticón-Autoren häufig explizit verweisen (vgl. Schwarz, H.-P. 1985, 1994). — Vgl. ebenso die Verweise auf Schöllgen (1993).Google Scholar
  64. 65.
    Vgl. auch die Ausführungen Karlheinz Weißmanns zur bundesdeutschen „Politikfremdheit“ und zum „Mißtrauen gegenüber der exekutiven Gewalt, selbstverständlich immer mit Seitenblick auf die deutsche Vergangenheit“ (1989a: 131). — Der von Weißmann unter Berufung auf Friedrich Gogarten beklagten „Ächtung der Autorität“ im Innern entspricht nach außen die von Klaus Hornung konstatierte „»Entlegitimierung von Machtpolitik«“(Hans-Peter Schwarz, zit. b. Hornung, K. 1991a: 15).Google Scholar
  65. 66.
    Vgl. exemplarisch Kuehnelt-Leddihns Ausführungen über die „Rechtsduselei, die langsam aber sicher die Staatssicherheit untergräbt“ (1991b: 98).Google Scholar
  66. 67.
    Willms, der in den 80er Jahren als Herausgeber des rechtslastigen „Handbuches zur deutschen Nation“ bekannt wird, nimmt sich wenige Monate nach der Wiedervereinigung das Leben.Google Scholar
  67. 68.
    Vgl. Zitelmann/Weißmann/Großheim (Hrsg.) (1993: 295ff.); hier insbes. die Beiträge von Erwin K. und Ute Scheuch (297ff.) sowie von Eberhard Straub (323ff.). — Vgl. weiterhin Schwilk/Schacht (Hrsg.) (1996); hierin etwa die Beiträge von Hans Jürgen Syberberg (124ff.) oder Tilman Krause (134ff.). — Vgl. ebenso Weißmann (1992a).Google Scholar
  68. 69.
    Karlheinz Weißmann etwa ruft zu einem neuen Verständnis des „bismarckism“ Jenseits aller üblichen Vorverurteilungen“ auf (1993c: 175). — Josef Schüßlburner zufolge kann sich „nur bei nationaler Unabhängigkeit... das, was der deutsche Idealismus einst »Volksgeist« nannte, wirklich entfalten“ (1993b: 227). — Vgl. auch Armin Mohlers Ausführungen zum Beitrag von Panajotis Kondylis im „Westbindungs“-Band (Zitelmann et al. 1993), wonach Politik als „Kette von Sonderwegen“ aufzufassen sei (Mohler 1993h: 180).Google Scholar
  69. 70.
    Vgl. die unter dem nämlichen Begriff firmierende Vorstellung der ‚Deutsch-Rußländischen Gesellschaft’ in: Criticón 127 (1991: 260); kritisiert wird hierbei das Fernbleiben der Bundeswehr bei der Gedenkfeier für die Leipziger Völkerschlacht am 18.10.1991 (ebd.).Google Scholar
  70. 71.
    Vgl. den unter der Überschrift „Tauroggen 1989“ publizierten Bericht über eine Tagung des ‚Studienzentrums Weikersheim’ in: Criticón 116 (1989: 308). — Eine neues „deutsch-russisches Bündnis gegen die angelsächsische Hegemonie“ denkt Criticón-Autor Josef Schüßlburner noch während des Bestehens der Sowjetunion an — allerdings erst für die Zeit nachdem „Gorbatschow, Jelzin und Genossen durch genuine Nichtkommunisten abgelöst sind.“ Der glühende Antikommunist verbindet dies mit revanchistischen Begehrlichkeiten: „Zumindest müßte das nördliche Ostpreußen an Deutschland abgegeben werden.“ (1991b: 65, Anm.28); an anderem Ort bringt Schüßlburner eine mögliche Annäherung an Rußland gegen die deutsch-französische Freundschaft in Stellung (1992c: 230).Google Scholar
  71. 72.
    Das von Paulwitz angeführte Zitat stammt von dem FAZ-Leitartikler Reinhard Olt (FAZ vom 12.10.1991), den Paulwitz als „gelehrig umerzogenen Umerzieher[]“ verhöhnt.Google Scholar
  72. 73.
    Hier eine Verteidigung des Nationalismus in Ost- und Südosteuropa: „Die Konkurrenz nationaler Sonderwege übt einen politisch mäßigenden Einfluß aus, während Fehlentwicklungen in Großgebilden Gewaltlösungen nahelegen. Daher haben die Völker des postkommunistischen Europas erkannt, daß wirtschaftlicher Fortschritt nur über nationale Unabhängigkeit möglich ist.“ (ebd.)Google Scholar
  73. 74.
    Durch die Rezeption des preußischen Verfassungsrechts und des deutschen Zivil- und Handelsrechts sowie eine Heeresreform nach preußischem Muster sei Japan in der Lage gewesen, sowohl die amerikanischen wie europäischen Versuche einer Einflußnahme zurückzuweisen (ebd.).Google Scholar
  74. 75.
    Schüßlburner fuhrt in diesem Zusammenhang aus: „Wenn sich ein deutscher Bundeskanzler vor Amerikanern beklagt, daß Deutschland die Hauptlast der Finanzierung von Perestroika trage und deshalb andere zur Mitverschwendung auffordert, kann dies nur die Verachtung der Japaner eintragen. Denn schließlich können sie wirklich nichts dafür, daß die Michel ihre eigene Interessenlage nicht erkennen. Und daß die Klage gegenüber den USA vorgebracht wird, müssen sie als Bedrohung auffassen, als Aufforderung an die USA — welche die Perestroika nun wirklich nicht bezahlen werden — die Japaner auszupressen. Diese spüren in diesem Zusammenhang den Druck, der ausgeübt wird, den Selbstbezichtigungstourismus deutscher Politiker, bei dem vor ausländischem Publikum schamlos die Scham über das eigene Volk bekannt wird, mitzumachen.“ (ebd.)Google Scholar
  75. 76.
    Das tibetische Erfolgsrezept schildert Schüßlburner als harmonisches Zusammenspiel einer erblichen Aristokratie mit einer,,parallele[n] kirchlichefn] Hierarchie“ auf Grundlage eines durch die breite Zustimmung des Volkes getragenen Feudalsystems (1993b: 223f.).Google Scholar
  76. 77.
    Die mit Begrifflichkeiten wie „Umvolkungsmaßnahmen“ nahegelegte Gleichsetzung mit dem Nationalsozialismus nimmt Schüßlburner auch explizit vor: „Als Angehöriger eines alten Reichsvolkes hat sich Mao, anders als etwa Mussolini, nicht lange mit dem Problem Nationalismus/Internationalismus aufgehalten... Vielfach hat man es bei Mao von Anfang an mit einem Nationalsozialisten zu tun. Insbesondere ist in mehrfacher, entscheidender Hinsicht die Ähnlichkeit mit dem deutschen Nationalsozialisten Hitler frappierend.“ (224).Google Scholar
  77. 78.
    Schüßlburner beschränkt sich hier auf einen Literaturhinweis (Erffa, Wolfgang von (1992): Das unbeugsame Tibet, Texte und Thesen, Zürich; Verweis 1993b: 227, Anm.18). Gänzlich unbelegt bleiben die folgenden Ausführungen zu den genannten Zwangsabtreibungen: „Letzteres [die Politik der Zwangsabtreibung, fs] soll nach Zeugenaussagen auch in Kindsmorden resultieren, wobei entsprechende Aussagen durchaus glaubhaft erscheinen, weil sich — auch wenn dies »liberale« Abtrei-bungsbefürworter nicht zugestehen wollen — zumindest im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft die vorgeburtliche nahtlos in der nachgeburtlichen Kindstötung fortsetzt.“ (225).Google Scholar
  78. 79.
    Schüßlburner erläutert: „Trotz aller Bekenntnisse zugunsten »westlicher Einbindung« ist den Deutschen eben doch einiges nicht geheuer, was aus dieser Himmelsrichtung auf sie eindringt, weshalb sie ihre wahre Sehnsucht dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie im Geiste ganz weit nach Osten entfliehen. Die Deutschen müssen öffentlich allen Versuchen, kreative Sonderwege einzuschlagen, abschwören. Mit ihrem Eintreten für den bemerkenswerten Sonderweg Tibets machen sie deutlich, daß das Abschwören nicht in Übereinstimmung mit ihrer Gefühlslage steht.“ (ebd.).Google Scholar
  79. 80.
    „Das Bemerkenswerte bei der sogenannten Tibetfrage ist in Deutschland, daß die Kritik an der chinesischen Politik vor allem von linker und linksgrüner Seite kommt und dabei mit Argumenten einhergeht, die man in anderem Zusammenhang als »faschistisch« abtun würde. [...] In dem von Bastian/Kelly herausgegebenen Band »Tibet — ein vergewaltigtes Land« findet sich unkommentiert ein »Schriftstück aus dem Untergrund« mit der Überschrift »Tibet gehört den Tibetern«, in dem festgestellt wird, daß sich die Tibeter von den Chinesen auch in rassischer Hinsicht unterschieden. [...] Sogar ein Zusammenhang zwischen der Zuwanderung und der ökologischen Überbelastung Tibets darf, unbeanstandet, hergestellt werden. Da ist keine Rede davon, daß Tibet ein weltoffenes, einwandererfreundliches Land sein müsse, das den eingewanderten Chinesen wenigstens die zweite Staatsbürgerschaft und die Teilnahme an Kommunalwahlen gewähren müsse; auch hört man nichts davon, daß Tibet wenigstens die Abtretung des sogenannten Inneren Tibets akzeptieren müsse, da dieser Gebietswechsel durch die politische Realität geheilt sei.“ (ebd.).Google Scholar
  80. 81.
    Vgl. die Ausführungen in Kapitel 4.4.3.Google Scholar
  81. 82.
    Vgl. hierzu die Kritik von Jürgen Habermas (1993a (Orig. 1991)) sowie Brunkhorst (1994).Google Scholar
  82. 83.
    Die häufig von ihren neu-rechten Protagonisten geleugnete Absicht einer „Revision unseres seit 1945 gepflegten Geschichtsbildes“ wird in Criticón offen benannt (vgl. hierzu etwa Motschmann 1994a: 42).Google Scholar
  83. 84.
    Wolfram Wette unterstreicht zu Recht die hinter den Umdeutungsversuchen stehende „politische Überzeugung..., daß es in Deutschland die NS-Vergangenheit ist, die bis zum heutigen Tage einem neuerlichen Erfolg des Rechtsradikalismus als unüberwindbares Hindernis im Wege steht“ (1997b).Google Scholar
  84. 85.
    Vgl. Lohmann (1994), Klotz/Schneider (1997) sowie Wollenberg (1997), Elm (1997a).Google Scholar
  85. 86.
    Vgl. exemplarisch die Rede des damaligen Staatssekretärs im Bundesministerium des Innern und späteren Berliner Innensenators, Dr. Eckart Werthebach (CDU), anläßlich der Tagung „Deutsche Geschichte im östlichen Mitteleuropa“ der Universität Würzburg (BMInn 1997, Redemanuskript). Werthebach kritisiert dort nicht nur,,eine[] bestimmtet] Form der Intellektualität“, zu der es gehöre, „der Frage nach nationalem Konsens, nach dem Selbstverständnis als Nation auszuweichen“ (1997: 3ff.), er beklagt zudem, „daß unsere deutsche kulturelle Identität [in der Nachkriegszeit, fs] langsam zu einer westdeutschen schrumpfte, sich allenfalls nach Westen orientierte“. Neben wiederholten Verweisen auf die „Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten“ hebt Werthebach die Aktualität einer Befassung mit den „ehemaligen deutschen Provinzen im Osten“ hervor: „Es wird wohl noch einiger Anstrengung bedürfen, aber es bleibt die Pflicht eines »europäischen Deutschlands«, daß die intellektuelle Diskussion in unserem Lande den aufklärerischen Mut aufbringt, in selbstbestimmter Weise über die Gegenwärtigkeit unserer deutschen Vergangenheit im Osten nachzudenken. Diese geistige Souveränität müssen wir uns und der internationalen Öffentlichkeit zumuten. Die nationale Selbstverweigerung entspricht nicht dem hohen Stand unserer geistigen Zivilisation.“.Google Scholar
  86. Vgl. etwa die Auseinandersetzungen um die Berliner Gedenkstätte Neue Wache oder um die Einrichtung einer bundesgeförderten ‚Bismarck-Stiftung’ (hierzu u. weiterführend: Schneider, U. 1997 sowie Naumann, K. 1997). — Vgl. auch Elm (1997b).Google Scholar
  87. 88.
    Prof. Dr. Josef Isensee, der zusammen mit dem Konstanzer Staatsrechtler Bernd Rüthers das „Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland“ herausgibt, ist kein Unbekannter in neu-rechten Kreisen: Bereits 1979 publiziert er einen Beitrag in dem von Armin Mohler herausgegebenen „EmstfaH“-Band der ‚Siemens-Stiftung’ (Peisl/Mohler 1979). Isensees Publikationen werden zu Beginn der 90er Jahre auch in anderen neu-rechten und rechtsextremen Blättern nachgedruckt, so etwa Beiträge zum Thema „Political Correctness“ im ‚Ostpreussenblatt’ und ‚Nation + Europa’ (vgl. Dietzsch/Maegerle 1998, Anm.16). — 1996 erregt der Staatsrechtler mit seinem Eröffnungsvortrag zum 61. Deutschen Juristentag, in dem er unter der Fragestellung „Bundesverfassungsgericht — quo vadis?“ in scharfer Form gegen die Rechtsprechung des höchsten deutschen Gerichts zu Felde zieht, öffentliches Aufsehen. Isensee attackiert hierbei u.a. die Kruzifixentscheidung der Karlsruher Richter (vgl. FR vom 16.09.1996 sowie, ausführlich zu Isensees Kritik am BVG, Wassermann 1996b). — Isensee, der die CDU verschiedentlich vor dem BVG vertreten hat, stellt im Oktober 1997 auf dem 9. CDU-Parteitag in Leipzig, zusammen mit dem damaligen Bundesinnenminister Manfred Kanther, den Delegierten den Antrag „Die Innere Sicherheit stärken“ vor.Google Scholar
  88. 89.
    Isensee verweist in diesem Zusammenhang auf die Weigerung der beiden christlichen Kirchen, am 3. Oktober 1990, dem „Tag der Wiedervereinigung..., als Zeichen der Freude über die glückliche Rückkehr der Einheit und Freiheit Deutschlands, über den friedlichen Sieg des Rechts des Volkes auf Selbstbestimmung, die Glocken zu läuten“ (ebd.). — In diesem Sinne erklärt auch Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) im Oktober 1996 gegenüber der Hamburger ‚Morgenpost’ ausdrücklich seine Unzufriedenheit mit der Rolle der Kirchen bei der Deutschen Einheit: „Ich empfinde es auch im Nachhinein noch als völlig inakzeptabel, daß es in Deutschland nicht möglich war am Tag der Deutschen Einheit die Kirchenglocken läuten zu lassen. Ich habe mich damals richtig geschämt. Wann sollen wir denn eigentlich die Glocken läuten und Gott danken, wenn nicht aus diesem Anlaß?“ (Kohl 1996). — Das Motiv taucht des öfteren in Criticón auf (im gleichen Zusammenhang vgl. Groppe 1993: 105). — Passend dazu zitiert Armin Mohler bereits in den 80er Jahren aus den Aphorismen E. M. Ciorans: „Immer, wenn man auf etwas Existierendes, Wirkliches, Volles stößt, möchte man gern alle Glocken läuten lassen, wie anläßlich der großen Siege oder der großen Katastrophen.“ (Mohler 1983d: 66).Google Scholar
  89. 90.
    Die zwei einzigen Veranstaltungen, die der „alten, westlichen Bundesrepublik” geglückt seien, sieht Isensee in den Staatsbegräbnissen von Konrad Adenauer und Franz-Josef Strauß, „in denen Demokratie und Festlichkeit sich begegneten und der Geist sinnenhafte Form annahm” (273).Google Scholar
  90. 91.
    Vgl. in diesem Zusammenhang auch die rüde Zurückweisung von Aussagen wie der „des Vorsitzenden des Simon Wiesenthal-Zentrums, wonach Ägytpten immer das Land der Pharaos und Deutschland immer das Land des Dritten Reiches sein werde” als „Unverschämtheiten” durch Kaspar Schlich in Criticón (1993b: 262) sowie die Attacken Johannes Rogalla von Biebersteins auf die „Kollektiv- und Erbschuldthese”, die er exemplarisch in Ralph Giordanos Publikationen verkörpert sieht (Bieberstein 1991b: 129; vgl. hierzu auch Ow 1994b).Google Scholar
  91. 92.
    Vgl. etwa Kuehnelt-Leddihn (1991b). — Caspar von Schrenck-Notzing bemerkt hierzu: „Das weinerliche Pochen auf die »dunkle deutsche Vergangenheit« und das unbeirrbare Beharren auf der Unmündigkeit sind mittlerweile Schlager von gestern. Was lange Zeit den ungeteilten Beifall der »Weltöffentlichkeit« fand, wird heute als »Surrealpolitik« (M. Lind in der »New York Times«) verspottet. Sicher gibt es noch immer Leute, die, wie es der Berliner Professor Tugendhat formulierte, auf den Schuldgefühlen anderer spielen wie auf einer Klaviatur. Und andere Leute, meist in maßgebenden Positionen, die den Kopf einziehen, sobald die ersten Töne auf dieser Klaviatur angeschlagen werden. Doch genügt das schon, um die Position eines großen Landes in der Welt zu bestimmen? Gewiß nicht oder nicht mehr.” (Schrenck-Notzing 1991b). — Vgl. ebenso Armin Mohlers Ausführungen zum ‚politikverhindernden’ Charakter der Vergangenheitsbewältigung (1991a: 208f).Google Scholar
  92. 93.
    Martin Walser spricht in seiner Paulskirchen-Rede von 1998 in Bezug auf die Vergangenheitsbewältigung von einer „Moralkeule” und der „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken” (Walser 1998) und der Politiker Klaus von Dohnanyi (SPD) ruft den Holocaust-Überlebenden Ignatz Bubis aufgrund dessen Kritik an Walser mit nationalistischen Anklängen rüde zur Ordnung (vgl. ‚Der Tagesspiegel’ vom 01.12.1998). Daß letzterer Walser und Dohnanyi einen „latenten Antisemitismus” vorhält (ebd.), ist nur folgerichtig und wird auch durch die spätere Relativierung des Vorwurfs durch Bubis nicht falsch (vgl. FAZ vom 14.12.1998). — Die Walser-Debatte wirft ein grelles Licht auf die Tatsache, daß sich neu-rechte Topoi ab Mitte der 90er Jahre auf breiter Front in der deutschen Öffentlichkeit durchsetzen. Dies ist weder als Erfolg der Neuen Rechten zu werten, noch kann von deckungsgleichen Positionen gesprochen werden. Es handelt sich vielmehr um parallel laufende Prozesse, die allerdings auf eine gemeinsame Motivlage hindeuten.Google Scholar
  93. 94.
    Vgl. auch bereits die Klassifizierung des ‚Zentralrats der Juden in Deutschland’ als „fünfte Besatzungsmacht” durch die Republikaner’ (zit. n. Funke 1993: 33). Vgl. hierzu Noltes wiederholten Verweis auf den Brief des Leiters der Jewish Agency’, Chaim Weizmann, an Premierminister Neville Chamberlain vom 29.08.1939, in dem Weizmann erklärt habe, daß „die Juden in aller Welt in diesem Krieg [d.h.: im Zweiten Weltkrieg, fs] auf der Seite Englands kämpfen würden” (Nolte 1987: 24). — Vgl. in diesem Zusammenhang auch den von Jürgen Habermas erhobenen Vorwurf, Nolte konstruiere in apologetischer Absicht eine „Dialektik wechselseitiger Vernichtungsdrohungen” (zit. n. Wehler 1988: 83; vgl. dort auch 83f, 148f. sowie 227, Anm.41).Google Scholar
  94. 96.
    Mohler bemerkt zu einem Buch von Sonja Margolina: „... die Verfasserin bestreitet die besonders intensive Teilhabe der Juden am Kommunismus nicht, tut sie nicht als »antisemitische Lüge« ab.” (ebd.). — Vgl. auch die Ausführungen Mohlers zu dem Historiker Ernst Kantorowicz, für den — als Juden — „atypisch” (sic!) gewesen sei, „daß er nach seiner Ausmusterung 1919 zu den Freikorps stieß, gegen Spartakus kämpfte und sich beim Niederschlagen der Räterepublik in München eine weitere Verwundung holte” (Mohler 1992d). — Vgl. ebenso die Aussage Anatolij Frenkins in Cri-ticön über die „fremde Blutbeimischung” Lenins, der der Verweis auf die Jüdische Abstammung” des russischen Revolutionsführers auf dem Fuße folgt (Frenkin 1993: 182).Google Scholar
  95. 97.
    Vgl. hierzu Schüßlburner (1991d: 245): „Es sollte sich als eine der verhängnisvollsten Entwicklungen herausstellen, daß für eine Vielzahl jüdischstämmiger Intellektueller der Sozialismus der Weg wurde, ihr Judentum auf der Basis der Marxschen Konstruktion zu verleugnen, ja zu bekämpfen. Dies führte zu einem überproportionalen Anteil an der bolschewistischen Revolution, mit deren Gangstermethoden die »jüdisch-bolschewistischen Umstürzler« bald identifiziert wurden.”Google Scholar
  96. 98.
    Vgl. hierzu die Darstellung bei Hilberg (1990, Bd. 2: 315ff).Google Scholar
  97. 99.
    Aus der Fülle der apologetischen Äußerungen Hofmanns sei herausgegriffen, daß er anhand der Verfolgungsmaßnahmen des Vichy-Regimes, der Versenkung des deutschen Schiffs ‚Danae’ mit jüdischen Flüchtlingen durch britisches Militär sowie der Ermordung von Juden durch die polnische Untergrundarmee den Schluß zieht, daß „antisemitische Maßnahmen... nicht auf den deutschen Machtbereich beschränkt” gewesen seien (ebd.: 42). Eindeutig der Entschuldung der deutschen Seite dient auch der explizite Hinweis auf Fälle, in denen deutsche und rumänische Vorschläge zum Austausch von Juden gegen Kriegsgefangene oder Geld „von westlicher Seite” abgelehnt worden seien (ebd.). „Überraschend” findet Hofmann demgegenüber, daß „noch im Februar 1944 mit Hilfe der US-jüdischen Hilfsorganisation American Joint Distribution Committee etwa 360 Juden von Bergen-Belsen nach Palästina evakuiert werden konnten” (44).Google Scholar
  98. 100.
    Hofmann geht hierbei so weit, den in NS-Quellen genannten Motiven für die Judendeportationen implizit Glaubwürdigkeit zuzusprechen: So präsentiert er eine offenkundig apologetische Stelle aus dem Tagebuch eines NS-Funktionärs als vermeintlich wertvollen Hinweis: „Bemerkenswert ist eine Tagebuch-Eintragung von Rosenberg-Mitarbeiter Otto Bräutigam: Demzufolge wurde die Verschickung [sic!] aller Juden Zentraleuropas in den Osten Anfang September 1941 beschlossen, als »Gegenmaßnahme«, nachdem die Verschleppung der etwa 400 000 Wolgadeutschen nach Sibirien bekannt geworden war... Erst im Oktober 1941 wurde die Auswanderungspolitik offiziell eingestellt...” (ebd.: 44).Google Scholar
  99. 101.
    Zur Thematik generell vgl. Rensmann (1998: 254ff.) sowie Elsässer (1992). — Vgl. auch den Skandal um den Beitrag des Münsteraner Politologen Werner Pfeifenberger im FPÖ-Jahrbuch 1995 (Pfeifenberger 1994), der dem Wiener Journalisten Karl Pfeifer zufolge die „alte Nazi-Mär von der jüdischen Weltverschwörung langatmig” aufwärmt (Pfeifer 1995); vgl. hierzu das Gutachten von Dr. Rudolf G. Ardelt im Verfahren vor dem Landesgericht für Strafsachen in Wien, das diesen Vorwurf stützt (Ardelt 1997); zum juristischen Nachspiel des Falles vgl. die Berichterstattung in der AJW (Neumann 1998; Schmidt, F. 1998b) sowie — zusammenfassend — Pfeifer (1999).Google Scholar
  100. 102.
    Vgl. die Anzeige des ‚Buchversandes Rüggeberg’ in Criticón 130 (1992: 73), in der Bücher zu den „Vernichtungspläne[n] gegen Mitteleuropa hinter den Versailler Verträgen, dem Morgenthau-Plan und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag” sowie „die »Protokolle der Weisen von Zion« als Hintergrund der »Neuen Weltordnung« des US-Präsidenten George Bush” angeboten werden. Unter den annoncierten Autoren finden sich neben dem rechtsextremen Verleger Wigbert Grabert und dem Hitler-Bewunderer David Irving auch die Criticón-Autoren Kaltenbrunner und Knütter.Google Scholar
  101. 103.
    Vgl. das 1991 in einer neuen Fassung aufgelegte, gleichnamige Buch Mohlers (1991a (Orig. 1989a)), das schulbildend auf den neu-rechten Diskurs einwirkt; vgl. hierzu die Besprechungen in Criticón (Arndt 1989b, Ströhm 199le). — Vgl. auch die frühen Veröffentlichungen Mohlers zum Thema (exemplarisch Mohler 1968).Google Scholar
  102. 104.
    Vgl. etwa Mohlers Besprechungen der Veröffentlichungen des Tübinger, Grabert-Verl ages’ (exemplarisch Mohler 1992f). — Vgl. auch ders. (1993f). — Vgl. ebenso die Rezensionen von Büchern von Paul Carell, dem „Doyen der kriegerischen Zeitgeschichte”, aus dem Ullstein-Verlag (Mohler 1992j) sowie von Joachim Fernau aus dem Herbig-Verlag (1992b); zu Mohlers Hochschätzung für Fernaus „einsamen Ein-Mann-Feldzug gegen deutsche Selbstgeißelung” (ebd.) vgl. auch den Fer-nau-Nachruf (Mohler 1989c). — Zur NS-Vergangenheit und zum publizistischen Wirken von Carell und Fernau vgl. die Recherchen Otto Köhlers (1995: 102ff).Google Scholar
  103. 105.
    Bereits in den 80er Jahren schreibt Mohler den Konservativen ins Stammbuch: „Sie sollten mehr Erkundungsgänge in das vor ihrer Maginot-Linie liegende Land unternehmen. Sie würden dabei bald merken, daß dort zwar in anderen Idiomen gesprochen wird — aber sehr oft über die gleichen Probleme, die auch sie bewegen. Und sie würden dort auf komplementär Ergänzendes stoßen, das sie bitter nötig hätten.” (1988a).Google Scholar
  104. 106.
    Vgl. die Besprechung des Buches „Vergangenheitsbewältigung in Deutschland. Eine kulturpsychiatrische Studie über die »Faschismusverarbeitung«, gesehen aus dem Blickwinkel der Zwei Kulturen” von Meinhard Adler (Mohler 1991f).Google Scholar
  105. 107.
    Vgl. die Besprechung des neuen Buches von Plack, „Hitlers langer Schatten” (Mohler 1994a). Placks Kritik an den „aufgebrachten Antifaschisten” in der Bundesrepublik lobt Mohler bereits in den 80er Jahren (1983a). — Criticón-Autor Josef Schüßlburner sieht in Plack,,ein[en] Vertreter der politischen Linken, mit dem sich die Auseinandersetzung schon deshalb lohnt, weil er die Frage des Sozialismus im Nationalsozialismus offen anspricht” (Schüßlburner 1991d: 242).Google Scholar
  106. 108.
    Mit Isensee, so Mohler, sei, neben dem Schmittianer Helmut Quaritsch, „ein weiterer Staatsrechtler von Rang in den Ring getreten”, der die Bemühungen Ernst Noltes unter den Juristen fortführe.Google Scholar
  107. 109.
    Vgl. bereits Mohlers Criticón-Aufsatz „Das unvollendete Genocid. Eine irische Lektion” (Mohler 1983e); hierzu auch ders. (1992g) sowie (1991a: 222). — Die diesbezüglichen Hoffnungen, die sich mit dem Umbruch in Osteuropa verbinden, macht Mohler deutlich, wenn er Ende 1990 feststellt: „Seit die ex-stalinistischen Staaten ihre eigenen Massengräber öffnen, statt nur auf die der anderen hinzuweisen, beginnen selbst die braven Westdeutschen, das Verbot des Vergleichens zu mißachten. Zumal auch der Druck von anderer Seite sich zu lockern beginnt.” (Mohler 1990g: 285).Google Scholar
  108. 110.
    Mohler fügt noch an: „Und die Gas-Autos schienen nicht über vereinzelte Versuche hinaus entwik-kelt worden zu sein.” (ebd.: 261f.); zu den „fahrbaren Gaskammern” vgl. demgegenüber die Angaben bei Hilberg (1990: 349f). — Eine Apologie der frühen Versuche Hellmut Diwalds, die Dimension der nationalsozialistischen Verbrechen anzuzweifeln, findet sich im Diwald-Nachruf von Alfred Schickel (Schickel, A. 1993b); zu Diwald vgl. auch die Criticón-Besprechung des Buches, das 1994 zu Ehren Diwalds erscheint und im Dezember 1997 wegen Verdachts der Volksverhetzung polizeilich beschlagnahmt wird (Kugler 1994).Google Scholar
  109. 111.
    Vgl. die Kontroverse um Mohlers nahezu wortgleiche Formulierungen in der ‚Jungen Freiheit’, die zur offenen Distanzierung des JF-Chefredakteurs Dieter Stein und zur Einstellung von Mohlers JF-Kolumne „Nachrichten aus dem Interregnum” führen (vgl. Stein 1995).Google Scholar
  110. 112.
    In der Tat stellt die ‚Unvoreingenommenheit’, mit der sich Nolte in dem Buch dem radikalen Revisionismus der Auschwitz-Leugner nähert (Nolte 1993: 304ff), ein Novum dar, welches sich durch die ständige Betonung des rein wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses nicht hinreichend erklärt. Im Gegensatz zu Mohlers Darstellung konzediert Nolte nicht nur einen wissenschaftlichen Gehalt der radikalrevisionistischen Literatur — er erklärt die Beschäftigung mit dieser im Vorwort sogar explizit zum „psychologische[n] Ausgangspunkt des Buches” (ebd.: 9)! — Zum obsessiven Charakter von Noltes Auseinandersetzung mit der Holocaust-Leugnung vgl. die treffenden Beobachtungen von Gunter Hofmann (1994). — Vgl. auch die positiven Reaktionen im revisionistischen Spektrum, etwa bei Hepp (1994).Google Scholar
  111. 113.
    Mohler kündigt an dieser Stelle für die folgende Criticón-Nummer eine weitere, ausführliche Besprechung der „Streitpunkte” an, die dann allerdings kommentarlos ausbleibt.Google Scholar
  112. 114.
    Vgl. Kraus (1994a). — Nolte disqualifiziert sich in der Fachwelt und in weiten Teilen der Öffentlichkeit mit einem Interview, das er 1994 dem ‚Spiegel’ gibt und in dem er seine Thesen eingehend expliziert (Nolte 1994); vgl. hierzu auch die zu Ende der 90er Jahre in Criticón erhobene Forderung an die FAZ, „Ernst Nolte zu rehabilitieren und in den Autorenkreis wiederaufzunehmen” (Izquierda 1998).Google Scholar
  113. 115.
    Eine solche „Heurististik..., das allen Bekannte unter etwas verändertem Winkel zu sehen”, lobt Mohler bereits an Josef Isensee (Mohler 1994a). — Vgl. auch bereits die Beschäftigung Mohlers mit der Fernsehserie „Heimat” von Edgar Reitz in den 80er Jahren (1984c).Google Scholar
  114. 116.
    Vgl. etwa Mohler (1991b). — Zur neu-rechten Verklärung der Alltagsgeschichte als allein möglichem Erkennen,,geschichtliche[r] Wirklichkeit in ihrer Vieldimensionalität” vgl. etwa auch Hor-nung, K. (1994e). — Den Anstoß zur Debatte um die „Historisierung” gab — mit gänzlich unverdächtiger Intention — der verstorbene Direktor des Münchener ‚Instituts für Zeitgeschichte’, Martin Bros-zat(1985).Google Scholar
  115. 117.
    Vgl. hierzu die Ausführungen bei Mohler (1991a: 73).Google Scholar
  116. 118.
    Vgl. die Affinitäten zu Wolfgang Schäubles Vorstellungen hinsichtlich einer nationalen „»Schutz-und Schicksalsgemeinschaft«“(s. hierzu die Anm. in Kapitel 4.1 sowie Faßmeyer 1997: 38).Google Scholar
  117. 119.
    Vgl. den Skandal um die Äußerungen Jörg Haiders über die „ordentliche Beschäftigungspolitik” des „Dritten Reiches” (hierzu Bailer-Galanda/Neugebauer 1997: 73f.); Mohler nimmt selbst auf den Vorfall Bezug (1991g); vgl. hierzu auch Ströhm (1991d).Google Scholar
  118. 120.
    Die Diskussion hierüber ist nicht neu, sondern wurde bereits in den 60er Jahren von Ralf Dahren-dorf und David Schoenbaum angestoßen (vgl. hierzu Kershaw 1989: 261ff).Google Scholar
  119. 121.
    Vgl. Zitelmann (1989). — Dr. Rainer Zitelmann, geb. 1957, studierte Geschichte und Politikwissenschaft an der TH Darmstadt, lehrte von 1987 bis 1992 als Historiker an der FU Berlin; „Im Frühjahr 1992 holt ihn Herbert Fleissner als Cheflektor zu Ullstein/Propyläen, wo er vor allem mit der Reihe Ullstein-Report Akzente setzt. Im Dezember 1993 wird er Leiter des Ressorts »Geistige Welt« der Tageszeitung Die Welt. Den rechten Kurs, den er dort zusammen mit Heimo Schwilk und Ulrich Schacht verfolgt, führt 1994 zu redaktionsinternen Widerständen und der Versetzung von Zitelmann zum Ressort Zeitgeschichte.” (vgl. Mecklenburg (Hrsg.) 1996: 546).Google Scholar
  120. 122.
    Anlaß hierfür sind die empörten Reaktionen im In- und Ausland auf Jenningers Ansprache im Deutschen Bundestag zum 50. Jahrestag der sogenannten „Reichskristallnacht” am 08.11.1988, die dem Christdemokraten unbeabsichtigt zur offenen NS-Apologie gerät (hierzu Wirth 1988/89) und schließlich zu seinem Rücktritt führt. — Caspar von Schrenck-Notzing ordnet den Fall Jenninger implizit dem vermeintlich von der Linken gesteuerten kulturrevolutionären Prozess zu und spricht in diesem Zusammenhang vom „folgenreichen Durchbruch eines Bewältigungsjakobinismus”, einem „Bastillensturm im Plenarsaal” (Schrenck-Notzing 1988d).Google Scholar
  121. 123.
    In den dort zitierten Beiträgen (RM vom 18.11.1988) ist schon das gesamte Vokabular der späteren Debatte um ‚Political Correctness’ ausgeprägt: In einem Beitrag von Eduard Neumaier heißt es: „»Es gibt in diesem Land einen Zwangskonformismus mit einer fast unsteuerbaren Eigendynamik -einen Meinungskonformismus, der, was bestimmte Themen angeht, totalitären Charakter [sic!] hat und von gnadenloser Intoleranz ist.«“(zit. ebd.). — Zitelmann/Jesse geben wohl die eigenen Ängste wieder, wenn sie im genannten Beitrag die einschüchternde Wirkung der „Vergangenheitsbewältigung” beklagen. — Jesses frühe Angriffe auf das „»offenkundige[] Bestreben vieler Antifaschisten, die Gefahr von rechts zu dämonisieren«“, werden bereits 1984 lobend von Mohler erwähnt (1984d); 1988 hebt Criticón eine Veröffentlichung Jesses in der Zeitschrift ‚Der Staat’, die offenkundig derselben Linie folgt, als,,vorzüglich[]” hervor (Criticón 106, 1988: 100).Google Scholar
  122. 124.
    Zu den „anderen »Modernisierungsdiktatoren«“werden Stalin und Mussolini gezählt (ebd.: 304).Google Scholar
  123. 125.
    Weißmann verweist hier auf „die Problematik der Nichtexistenz eines »Führerbefehls« zur Massenvernichtung der Juden”, die Zitelmann, wie die „Genesis der Endlösung” insgesamt, besonders umzutreiben scheint: In der Festschrift zum 70. Geburtstag Ernst Noltes betont Zitelmann, daß der Tathergang aufgrund einer „unbefriedigenden Quellenlage” bis heute nicht geklärt werden könne, da keine „sicheren Beweise” für die verschiedenen Erklärungsmodelle vorlägen (1993: 525, Anm.33). — Weißmann selbst begibt sich zu Beginn der 90er Jahre in diese „gefährliche Zone der Diskussion”: Nach Aussagen von Teilnehmern des von ihm geleiteten Arbeitskreises I „Historische und politische Bindungen” auf einem Kongreß des ‚Studienzentrums Weikersheim’ im Mai 1993 wird unwidersprochen der Holocaust in Frage gestellt (Gerstner 1993), was zu einer Anfrage im Bundestag hinsichtlich der Bundesförderung für das SZW führt (PDS im Deutschen Bundestag 1993).Google Scholar
  124. 126.
    Mohler verweist in diesem Zusammenhang auf den Buchbeitrag Eckhard Jesses „Philosemitismus, Antisemitismus und Anti-Antisemitismus” und gibt dessen Ausfälle gegen „»überzogene Kritik von jüdischer Seite«“und die „»vielfach privilegierte jüdische Position in der Bundesrepublik«“im Wortlaut wieder (ebd.: 288).Google Scholar
  125. 127.
    Vgl. dort die Ausführungen zu den Beiträgen von Wolfgang Kowalsky und Herbert Ammon. — Auch zu Ernst Noltes Beitrag äußert sich Mohler begeistert: „Ernst Nolte schlägt mit kalter Lust die letzten Nägel zum Historikerstreit ein: an den Windungen von Lukacs, Bloch und Horkheimer überprüft er seine These von der Ableitbarkeit des Nationalsozialismus aus dem Bolschewismus.”Google Scholar
  126. 12.
    Der amerikanische Gaskammeringenieur Fred Leuchter versucht mit seit Jahren den Nachweis zu führen, daß es in Auschwitz technisch unmöglich gewesen sei, Massenvergasungen durchzuführen und unterhält gute Kontakte zur internationalen rechtsextremen Szene (vgl. hierzu Virchow 1996).Google Scholar
  127. 129.
    Mohler kritisiert hierbei Zitelmanns staatstragende Haltung, so etwa dessen Übernahme von Begriffen wie „liberal” und „demokratisch” für die Bundesrepublik, und klassifiziert diesen nicht ohne Süffisanz als „bemerkenswerte Verbindung einer Spürnase für alles Neue mit einem vorsichtigen Herz” (Mohler 199ld: 137).Google Scholar
  128. 130.
    Vgl. Prinz/Zitelmann (Hrsg.) (1994 (Orig. 1991)); Der Band enthält u.a. Beiträge zur NSDAP als,,erste[r] deutsche[r] Volkspartei (Jürgen W. Falter), zur NS-Wirtschaftsideologie (Albrecht Ritschi), zur „Sozialplanung der Deutschen Arbeitsfront” (Ronald Smelser), zur „nationalsozialistische[n] Raumforschung und Raumordnung” (Rolf Messerschmidt), zu „Architektur und Stadtplanung im Dritten Reich” (Werner Durth), zu „Amerikanismus im Dritten Reich” (Hans Dieter Schäfer), zu „Reformansätze [n] in der deutschen Geschichtswissenschaft der Zwischenkriegszeit” (Willi Ober-krome) sowie zu den,,strukturelle[n] Veränderungen in der militärischen Gesellschaft des Dritten Reiches” (Bernhard R. Kroener).Google Scholar
  129. 131.
    Zur frühen Kritik an Zitelmanns Thesen vgl. Reichardt (1992).Google Scholar
  130. 132.
    Vgl. ders. (1991a: 78ff.); insbes. die Ausführungen zum Versailler „Diktat” und zur Weimarer „Systemzeit”, denen Mohler soziale Durchlässigkeit und „Kriegssolidarität” im NS gegenüberstellt.Google Scholar
  131. 133.
    Mohler verweist auf frühe Vorwegnahmen der Thesen Zitelmanns, die unter seiner Obhut entstanden und publiziert worden sind (1991a: 75); vgl. auch die leise Kritik bei Weißmann (1989b: 305).Google Scholar
  132. 134.
    Vgl. hierzu Mohler (1991e).Google Scholar
  133. 135.
    Vgl. etwa Karlheinz Weißmanns Ausführungen zu einem Buch von Heinz Höhne: „Besonderen Wert legt Höhne... auf den Nachweis der faktischen »Modernisierung« Deutschlands durch die nationalsozialistische Wirtschaftpolitik, die, wenn auch anfangs schwankend zwischen »nationalem Sozialismus«, »Ständestaat« und Ordo-Liberalismus, mit Erfolg ein »keynesianisches« Konzept verwirklichte. Hier sieht er zurecht die Wurzel der eigentümlichen »Normalität« eines Regimes, dessen terroristisches Gesicht hinter einer Maske aus ökonomischer Sicherheit für die Masse der Bevölkerung, dem Angebot von Aufstiegsmöglichkeiten für die benachteiligten Schichten und Integrationen über den Rückgewinn von nationalem Prestige gut verborgen blieb.” (1991g).Google Scholar
  134. 136.
    Vgl. hierzu die Criticón-Beiträge von Otto Wenzel, die beständig um das Totalitarismusparadigma kreisen. Bei seinen Bemühungen um den Nachweis tiefgehender Affinitäten zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus beruft sich Wenzel wiederholt auf Zitelmanns Publikationen, so etwa bei seinen Ausführungen zur Bewunderung der NS-Führer für Stalin (Wenzel 1993b: 190) sowie zur vermeintlich untergeordneten Bedeutung des Antisemitismus für den Erfolg des Nationalsozialismus in Deutschland zu Beginn der 30er Jahre (1993c: 295). — Vgl. auch Josef Schüßlburners Versuche, den,,sozialistische[n], d.h. linke[n] Charakter des Nationalsozialismus” nachzuweisen, die ebenfalls auf Zitelmanns Publikationen rekurrieren (1991d).Google Scholar
  135. 137.
    Vgl. hierzu in den 80er Jahren insbes. die Beiträge von Erik von Kuehnelt-Leddihn (1982, 1984, 1988a). — Vgl. auch die Rezensionen von Büchern des Autors in Criticón (Schrenck-Notzing 1985c, Paulwitz 1990a).Google Scholar
  136. 138.
    Weißmann führt aus: „Was nun von Rainer Zitelmann souverän dargestellt, akribisch und mit großem Aufwand sorgsam belegt worden ist, fand sich, eher intuitiv erfaßt, schon in der Studie Ewald von Kleist-Schmenzins »Der Nationalsozialismus — eine Gefahr«, die bereits 1932 erschien, dann in Erik von Kuehnelt-Leddihns eigenwilliger Analyse (Freiheit oder Gleichheit? 1953) und schließlich in Winfried Martinis Bemerkungen über die »braune Demokratie« (Das Ende aller Sicherheit 1954).” (ebd.) — Vgl. auch Weißmanns Ausführungen zu Hermann Ehlers (Weißmann 1993a).Google Scholar
  137. 139.
    Auch diese Argumentationsfigur ist keineswegs neu: Dirk van Laak verweist etwa auf die entlastende Funktion, die eine solche Betrachtungsweise für die im weiten Umkreis Carl Schmitts versammelten, NS-belasteten Intellektuellen in der Nachkriegszeit hatte: „Im Rückgriff auf die große (geschichts-)philosophische Perspektive wurde dem eigenen Werk eine vornehmlich analytische Bedeutung zugemessen, das Appellative und die politisch-polemische Funktion früherer Texte dagegen negiert. Notorisch wurde die Behauptung, man habe statt dessen die Tendenzen zum Totalitären sehr früh diagnostiziert, die strukturell in der politischen Entwicklung der Moderne angelegt gewesen seien. Der Nationalsozialismus sei als ein Zuviel an Aufklärung zu interpretieren, als Ergebnis allzu rationalistischen Denkens. Damit konnte der eigene geistesgeschichtliche Grundsatz als bestätigt gelten.” (Laak 1993: 105). — Vgl. hierzu, sowie zu Kuehnelt-Leddihns Publikationen der Nachkriegszeit, Ender (1984); Kuehnelt-Leddihn firmiert hier als Vertreter der „katholisch-habsburgische[n] Sicht” (161ff).Google Scholar
  138. 140.
    Zur Auseinandersetzung Ernst Noltes mit dieser Thematik vgl. die 1993 unter diesem Titel erschienene Festschrift (Nipperdey/Doering-Manteuffel/Thamert, Hans Ulrich (Hrsg.) 1993).Google Scholar
  139. 141.
    Zur vermeintlichen ‚Linie 1789–1933/45’ vgl. auch Heinz-Siegfried Strelows Ausführungen zum Gründer und langjährigen Vorsitzenden der ‚Deutschen Partei’ (DP), Heinrich Hellwege: „Aus christlichen Erwägungen heraus lehnte er die »Wahnlehre von der deutschen Kollektivschuld« ab und hielt den alliierten Besatzungsmächten vor, damit derselben kollektivistischen Ideologien geistiges Kind zu sein, die Schuld am Aufkommen des Rassenwahns und Klassenkampfes hätten.” Strelow unterstreicht, daß Hellwege auch „die »Ahnenreihe Friedrich der Große — Bismarck- Hitler« verwarf und 1953 in Hamburg erklärte, »daß die Linie ganz anders verläuft, nämlich Bastille -Paulskirche — Nationalsozialismus... Von der Französischen Revolution, dem Ausgangspunkt aller modernen Ideologien, führt ein gerader Weg zu Hitler in der einen und zu Stalin in der anderen Richtung«.” (Strelow 1991: 305).Google Scholar
  140. 142.
    Dies in der unverhohlenen Hoffnung auf den baldigen Niedergang von Liberalismus und Demokratie (hier pauschal als „die Linke” bezeichnet): „Der letzte Weltkrieg war ein Bruderkrieg zwischen den drei Erben der Französischen Revolution; er brachte 1945 das Ende des einen Epigonen und wir sehen jetzt das Ende des zweiten. Auch der dritte wird einmal an die Reihe kommen — wie Amen im Gebet — und zwar einfach deswegen, weil die Linke den Todeskeim in sich trägt und die hippokrati-schen Züge auf ihrem Antlitz dem aufmerksamen Beobachter schon heute immer deutlicher werden.” (Kuehnelt-Leddihn 199le: 215).Google Scholar
  141. 143.
    Kuehnelt-Leddihn fährt fort: „Beide haben zumindest versucht, ihre Untaten zu verbergen. Nicht so die Franzosen, die ganz offen Frauen und Kinder lebendig buken, Frauen vaginal mit Pulver gestopft und in die Luft gesprengt, Nekrophilie betrieben und Fabriken für die Verarbeitung menschlicher Haut zu Buchdeckeln und Reithosen errichtet haben.” (ebd.); vgl. hierzu auch ders. (1988b).Google Scholar
  142. 144.
    Vgl. hierzu die Kritik bei Elm (1997b).Google Scholar
  143. 145.
    Vgl. exemplarisch die breite Kritik an der Arbeit des 1992 gegründeten ‚Forschungsverbundes SED-Staat’ am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin (Schwan 1995, Neugebauer, G. 1995, Wippermann 1998). — Vgl. in diesem Zusammenhang auch die Debatten um neu-rechte Beiträge in der ‚OSI-Zeitung’ (OZ) am Berliner ‚Otto-Suhr-Institut’, hierzu die vom AStA FU herausgegebene Materialsammlung (AStA FU/PfiFf/Bahamas (Hrsg.) 1995).Google Scholar
  144. 146.
    Vgl. hierzu Wehler (1988) sowie den Dokumentationsband des Piper-Verlages (1987).Google Scholar
  145. 147.
    Vgl. die Einwände von Jürgen Kocka, Sigrid Meuschel, Hans Misselwitz, Rainer Lepsius et al. vor der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland” des Bundestages im Mai 1994 (zit. b. Elm 1997b: 211ff.); vgl. ebenso Wippermann (1997).Google Scholar
  146. 148.
    Vgl. etwa die Auseinandersetzungen um das „Livre noir du communisme” (Courtois et al. 1998).Google Scholar
  147. 149.
    Vgl. die Unterzeichnerliste des sogenannten „Berliner Appells”, der im Vorfeld der Bundestagswahlen 1994 vor einer Wiederkehr des Sozialismus warnt und gegen die vorgebliche „Verharmlosung und Schönfärberei der SED Diktatur durch Politiker, Medien und Intellektuelle der alten Bundesrepublik” zu Felde zieht. Die bis dato einmalige Allianz von christdemokratischen Politikern, ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern und neu-rechten Intellektuellen (darunter die Criticón-Autoren Baader, Bandulet, Greve, Hornung, Jahn, Kamphausen, Knütter, Löw, Löwenthal, Meier-Bergfeld, Schrenck-Notzing, Seidler, Sohn, Ströhm, Weber Weißmann) wird von zahlreichen Publizisten, Wissenschaftlern und Funktionsträgern aus Staat und Wirtschaft unterstützt (vgl. Unterzeichnerliste in taz vom 28.09.1994). — Der Mitunterzeichner und ehemalige DDR-Bürgerrechtler Siegmar Faust, der bereits 1987 in Criticón publiziert, wird 1996 unter heftigen Protesten der Opposition im sächsischen Landtag zum Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen gewählt. Anlaß für die Kontroverse gibt seine vorangegangene Tätigkeit beim Berliner Stasibeauftragten, wo er 1994 fristlos gekündigt wird, „weil er sich dafür eingesetzt hatte, einer ehemaligen KZ-Aufseherin, die zu DDR-Zeiten im Gefängnis saß, eine Haftentschädigung zukommen zu lassen. Von dem Geld schenkte die Frau ihm später 7000 Mark.” (FR vom 24.05.1996). — Vgl. auch die öffentlichen Auseinandersetzungen um die Arbeit des damaligen ‚Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik’, Joachim Gauck, der Berliner ‚Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus’, des Dresdener ‚Hannah Arendt Instituts’ sowie anderer Einrichtungen und Institutionen, die sich der z.T. von einem rigiden Antikommunismus geleiteten Aufarbeitung der DDR-Geschichte widmen.Google Scholar
  148. 150.
    Vgl. die Ausführungen des Hohenloher CDU-Bundestagsabgeordneten und späteren Präsidenten des ‚Studienzentrums Weikersheim’, Wolfgang Freiherr von Stetten: „Wer aber bestreitet, daß der Kommunismus und Sozialismus in der DDR mit den schlimmsten Auswüchsen des Nationalsozialismus gleichzusetzen ist und die DDR nicht mit einem KZ zu vergleichen ist, versucht, den mörderischen Sozialismus der SED in der ehemaligen DDR »reinzuwaschen«. [...] Die alten Mitglieder der PDS sind die Funktionäre der gestrigen SED. Sie sind alle direkt oder indirekt mitverantwortlich für die hunderttausendfache Unterdrückung und den tausendfachen Mord in der sozialistischen DDR. [...] Die Grenzbefestigung an der Mauer und zwischen den beiden deutschen Staaten unterscheiden sich in nichts, wie wir jetzt gerade im Fernsehen zum 50. Jahrestag von Auschwitz sehen. Ob einer aus Auschwitz, Bergen-Belsen oder anderen KZ’s fliehen wollte und am Stacheldraht erschossen wurde, oder ob dies an der innerdeutschen Grenze oder an der Mauer geschah, es war der gleiche menschenverachtende, grausame, totalitäre Anspruch eines Sozialismus oder Nationalsozialismus.” (Stetten 1995); vgl. hierzu auch die Berichterstattung in der FR vom 06.02.1995.Google Scholar
  149. 151.
    Vgl. hierzu die Studien von Hans Mommsen, Martin Broszat, Raul Hilberg, Uwe D. Adam et al.Google Scholar
  150. 152.
    Als bleibender Einspruch gegen derlei zynische Verkehrungen Klemperer (1998 (Orig. 1957)).Google Scholar
  151. 153.
    Vgl. die Rezension des Buches „Die Zensur der Nachgeborenen. Zur regimekritischen Literatur im Dritten Reich” von Friedrich Denk durch den neu-rechten Journalisten Tilman Krause im Berliner ‚Tagesspiegel’; Krause zufolge gibt es in einer Zeit, „die sich inzwischen vom allbeherrschenden avantgardistischen Literaturbegriff freimachen konnte” hinsichtlich der in NS-Deutschland verlegten Literatur „noch vieles (wieder) zu entdecken”. Auf den geneigten Leser warte „in dem, was zwischen 1933 und 1945 in Deutschland an nicht-nationalsozialistischer Literatur geschrieben wurde, eine ganze Reihe von Leckerbissen” (Krause 1996b). — Vgl. auch die zeitgleich erscheinende Besprechung des Buches von Andreas Schlatter in Criticón, die auf weite Strecken sachlicher argumentiert als ihr Pendant im ‚Tagesspiegel’. Bemerkenswert hierbei die von Schlatter skizzierte Aufgabe der Medien, der Krause beispielgebend nachkommt: „Offen bleibt nur die Frage, wie diese »Zensur der Nachgeborenen« verhindert, wie das Totschweigen ausgeglichen oder ein Rufmord wiedergutgemacht werden kann. Die erste Voraussetzung — nämlich die Darstellung der Tatsachen -leistet Denks Buch in vorbildlicher Weise. Die zweite Bedingung — die Erkenntnis und Verbreitung der Wahrheit — ist Aufgabe der Medien und schließlich der Leser...” (Schlatter 1996).Google Scholar
  152. 154.
    Vgl. die Auseinandersetzung um die Inszenierung „Eva — Hitlers Geliebte” am ‚Berliner Ensemble’ (BE), die 1996 mit dem Motto „Eva Braun is back in Town” wirbt und sich als „deutsche Antwort auf Evita [Perron, fs]” feiert. Der aufklärerische Anspruch, den die Theater-Crew um Autor Stefan Kolditz, Regisseur Stephan Suschke und Darstellerin Corinna Harfouch für sich reklamiert, decou-vriert sich in einem Werkstattgespräch zwischen Kolditz, Suschke und dem Dramaturgen Stephan Wetzel als reichlich unbedarfter Versuch einer Auseinandersetzung mit dem DDR-Antifaschismus über den Umweg einer Beschäftigung mit dem „Dritten Reich” (vgl. Kolditz/Suschke/Wetzel 1996).Google Scholar
  153. 155.
    Fast zeitgleich zu Eva Braun wird auch ihr bürgerliches Pendant, Emmy Goring, Gegenstand einer erfolgreichen Berliner Theaterinszenierung (vgl. Oliver Reeses Stück „Emmy Goring an der Seite ihres Mannes” am Maxim Gorki Theater); die Stücke „Fräulein Braun — ein Stück für eine Schauspielerin und einen deutschen Schäferhund” am Schloßparktheater und „Adolf Hitler” von BE-Schauspieler Jörg-Michael Koerbl werden kurzfristig abgesagt. — Die ‚Berliner Zeitung’ merkt zur neuen „Hitler-Mode” an: „Hitler und seine Getreuen, als Aufklärungsgegenstand langweilig geworden, sind wieder da. Sie schmücken die Bühnen als Folklore und Designobjekte der vierziger Jahre. Das Grauen ist Mode geworden.Uns gruselt.” (Koberg 1997); vgl. hierzu auch Seibt (1997).Google Scholar
  154. 156.
    Vgl. exemplarisch die ZDF/TIME-LIFE-Video-Serie „Hitler — eine Bilanz”, die 1997 von Bertelsmann vertrieben und für die mit großem Aufwand im Privatfernsehen geworben wird; Teil 1 der Serie von Guido Knopp und Maurice Philip Remy zeichnet in vulgärpsychologischer Manier ein Portrait des „Privatmannes” Adolf Hitler, dessen verbrecherische Politik auf eine schwierige Kindheit und einen tiefen Vaterkonflikt zurückgeführt wird. Hitler wird als „menschenscheuer Alleinherrscher” gezeichnet, der „emotionale Nähe” gemieden und „damit jede seiner drei minderjährigen Geliebten zu Selbstmordversuchen” getrieben habe. Der Film transportiert nicht nur ein verharmlosendes Bild — Hitler als Opfer des tyrannischen Vaters und Täter vor allem im Privaten -; neben der fragwürdigen Fixierung auf die „krankhaften Persönlichkeitszüge” des Diktators wird auch eine Zwangsläufigkeit der historischen Entwicklung zwischen 1933 und 1945 suggeriert, die die Frage nach Alternativen ausschließt und Hitler zum alleinigen Verantwortlichen für Massenmord und „totalen Krieg” stilisiert. Dem verantwortlichen TIME-LIFE-Redakteur Stefan Reinders sind im anderthalbseitigen Beiblatt — abgesehen von den deutschen Kindern, die im „Volkssturm” den Tod fanden — die millionenfachen Opfer von Holocaust und Vernichtungskrieg keine einzige Zeile wert.Google Scholar
  155. 157.
    Stephan Suschke äußert im o.g. Werkstattgespräch: „In alten Filmen Eva Brauns vom Obersalzberg sieht man, wie Adolf Hitler äußerst liebevoll mit Kindern umgeht. Nicht wie ich es von Walter Ulbricht kenne, der mir den Kopf getätschelt hat, 1964 im Weimarer Park anläßlich eines Shakespeare-Geburtstages. Sondern ein wirklich verständnisvoller, auf Kinder zugehender Mensch.” (Kolditz/Suschke/Wetzel 1996).Google Scholar
  156. 158.
    Vgl. exemplarisch die Berliner Ausstellung „Berlin-Moskau” (1995/96), die in den Räumen „Zeit der Diktaturen 1933–1941” und „Im Zweiten Weltkrieg 1941–1945” anhand von Bildern und Skulpturen „augenfällige Ähnlichkeiten” zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus nachzuweisen sucht. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion gerät hierbei zum Wettbewerb zwischen zwei konkurrierenden Eventagenturen: „Die Machtzentralen schreiben die Themen für die Propagandakunst vor: Die Armee und ihre Soldaten, die Darstellung des Feindes als eine Bande von Mördern und Gewalttätern und des jeweiligen Führers als Feldherr stehen auf beiden Seiten im Mittelpunkt.” (Berlinische Galerie 1995/96, Beiblatt zur Ausstellung).Google Scholar
  157. 159.
    Vgl. hierzu auch das in Criticón vielzitierte Buch von Manfred Kittel „Die Legende von der »Zweiten Schuld«. Vergangenheitsbewältigung in der Ära Adenauer” (1993) sowie die Criticón-Besprechung von Meinrad von Ow (1994b).Google Scholar
  158. 160.
    Vgl. hierzu die Ausführungen in Kapitel 4.3ff.Google Scholar
  159. 161.
    Vgl. hierzu exemplarisch Josef Schüßlburners Entwurf eines „gegenjakobinische[n] Verfassungs-typ[s]”, der eine deutliche Stärkung der Exekutive gegenüber der Legislative vorsieht (1990b). — Zur Verfassungsdiskussion vgl. ebenso Motte (1993b, 1994a). — Konkrete politische Handreichungen an die Unionsparteien formuliert der Christdemokrat Uwe Greve in Criticón (Greve 1992a, 1992b).Google Scholar
  160. 162.
    Unter der Dachzeile „Geistige Wende” firmiert auch 1992 der programmatische Aufsatz Karlheinz Weißmanns „Ein paar einfache Wahrheiten. Über die notwendige Renaissance des konservativen Denkens” (1992b). — Noch 1995 erinnert der Fernsehjournalist Gerhard Löwenthal anläßlich eines Rundumschlages gegen den „Werteverfall” an das rechts-konservative Trauma der 80er Jahre, die „Bonner Wende” von 1982/83: „Natürlich gibt es das alles auch woanders, der sittliche Verfall ist nicht auf Deutschland beschränkt. Aber da gab es einmal einen Oppositionsführer, der vor der Wahl die moralisch-ethische Wende versprach. Er gewann die Wahl, die Wende blieb aus, obwohl dieser Politiker inzwischen fast 13 Jahre regiert. Sein Name ist Helmut Kohl. Die vielen Worte des Unverständnisses über das Kruzifix-Urteil klingen heuchlerisch angesichts des Verfalls der Werteordnung, der nicht aufgehalten wurde.” (Löwenthal 1995c).Google Scholar
  161. 163.
    Zur Hayek-Rezeption in Criticón vgl. insbes. die Beiträge Gerard Radnitzkys; zur Stellung Hayeks im rechtsextremen Diskurs vgl. Ptak (1996: 907ff).Google Scholar
  162. 164.
    Vgl. hierzu die Beiträge in dem bereits genannten Band aus der Schriftenreihe der ‚Carl Friedrich von Siemens Stiftung’ (Peisl/Mohler 1979), die fast ausnahmslos auf Schmitt Bezug nehmen.Google Scholar
  163. 165.
    Lenk/Meuter/Otten explizieren: „Nach Schmitt bedeutet Demokratie faktisch nur, daß diejenigen herrschen, denen es gelingt, glaubhaft zu machen, daß ihr Wille der Wille des Volkes sei, die also erfolgreich ihren Willen mit dem Volkswillen identifizieren.11 (ebd., Hervorhebgn. durch die Verf.).Google Scholar
  164. 166.
    Lenk et al. verweisen in diesem Zusammenhang darauf, daß es für Schmitt der (italienische) Faschismus war, der „die Lösung für jenes zentrale Problem gefunden zu haben [schien]”. Weißmann unterstreicht, daß das „Nachdenken über die Nation nicht getrennt werden [kann] vom Nachdenken über die richtige Ordnung des Staates” (1992b: 62). — Vgl. auch die zentrale Stellung des autoritären, starken Staates als „Sinn und Form” im Weltbild des ‚Tat’-Kreises (Fritzsche 1976: 185ff).Google Scholar
  165. 168.
    Dies vor allem im Zusammenhang mit dem allgegenwärtigen Affekt gegen den „Parteienstaat”: Zu den hessischen Kommunalwahlen von 1993 schreibt Dieter Fötisch: „Wenn die großen Parteien es nicht schaffen, die großen anstehenden Fragen wie Asyl, Solidarpakt und Arbeitslosigkeit zu lösen, dann wird es den bisherigen Parteienmechanismus [sic!] nicht mehr lange geben, dann werden sich Wähler und Parteien neue Wege suchen.” (Fötisch 1993). — Schrenck-Notzing korrigiert die Parteienkritik von Erwin K. Scheuch dahingehend, daß es nicht mehr nur um eine „»Krise des politischen Personals«“, sondern um die „Krise eines Kernbereichs der Demokratie” gehe und gibt damit zu verstehen, daß ein herkömmlicher Machtwechsel nicht zur Krisenbewältigung genüge (1992b).Google Scholar
  166. 169.
    Vgl. bereits Diwald (1989: 166) und Hornung (1990) sowie Greve (1992a: 126), Kromka (1992), Wenzel (1993a) et al.; Diwald spricht vom,,endlose[n] wie trübe[n] Strom der Wirtschaftsimmigranten, der durch das Scheunentor des politischen Asyls in die Bonner Republik flutet” (1989: 166), Kromka unter Berufung auf Wilhelm Röpke von einer drohenden „»Menschenhochflut«“, die die westlichen Staaten zu „überschwemmen” beginne, „vornehmlich deshalb, weil diese nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, »dagegen wirksame Dämme zu errichten«“(1992: 239). — Wenzel spricht von einer „Flut der Scheinasylanten” (1993a: 107). — Zum von Hornung et al. gezeichneten Bild vom „Sturm auf Europa” (Hornung bezieht sich hiermit auf Ritter, M. 1990) vgl. auch Graw (1990a).Google Scholar
  167. 170.
    Vgl. die Debatten Ende 1992, die sich an Helmut Kohls Wort vom „Staatsnotstand” und der Drohung mit einem „Asylsicherungsgesetz” von Seiten der Unionsparteien entzünden (hierzu Bruns 1992). Nur wenige Tage nach der eigens einberufenen Bundestags-Sondersitzung vom 04.11.1992 wird ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages bekannt, das zu dem Schluß kommt, daß eine Einschränkung des Asylrechts auch ohne Grundgesetzänderung möglich sei: „In dem Gutachten des Ministerialrates Erik Hiensdorfer heißt es, daß »die Sicherheit Deutschlands durch eine nicht mehr zu bewältigende Masse von Asylbewerbern bedroht« sei. Hiensdorfer plädiert dafür, den Wortlaut des Artikel 16 nicht so ernst zu nehmen, da sich die Väter und Mütter des Grundgesetzes den »massenhaften Ansturm« von Flüchtlingen nicht hätten vorstellen können. Das Gutachten wurde vier Tage bevor Kohl zum ersten Mal den Begriff Staatsnotstand benutzte vorgelegt.” (taz vom 09.11.1992).Google Scholar
  168. 171.
    Kurt Heißig, der die „faktische Benachteiligung deutscher Aussiedler gegenüber Asylanten aus aller Welt” anprangert, benennt diesen Zusammenhang offen: „Ein Staat, der nicht von einer Idee getragen wird, wird anfällig für Korruption. Die Idee eines Staates im demokratischen Zeitalter, ja die Legitimationsgrundlage der Regierung, ist die Erhaltung des Staatsvolkes oder gegebenenfalls der Staatsvölker.” (1992b: 176ff). — Ähnlich auch Joachim Weber, der auf Alfred Mechtersheimers Plädoyer für „die Wiederentdeckung der Nation und ein »neues nationales Solidarbewußtsein«“verweist: „Ein Solidarbewußtsein übrigens, das nur bei einer Homogenität der Völker sich entfalten könne. Folgerichtig wird denn auch ein weiterer Ausländerzuzug als »struktureller Rassismus« entlarvt und der Zusammenhang zwischen Multikultur und Multirassismus offengelegt...” (1993).Google Scholar
  169. 172.
    Zu den in diesem Zusammenhang ventilierten Vorstellungen und Forderungen vgl. exemplarisch Kanther/Seite/Eggert (1994); zur Kritik vgl. Seidel-Pielen/Farin (1994).Google Scholar
  170. 173.
    Meinrad von Ow merkt an: „Viel zu häufig wird organisiertes Verbrechen noch als Ausdruck multikulturellen Lebens verharmlost.” (1993a). — Jürgen Hofmann referiert zustimmend die Bedenken der französischen Maastricht-Gegner gegen den Wegfall der Grenzkontrollen innerhalb der EU: „Viele prophezeiten eine Asylantenschwemme und [der UDF-Politiker, fs] Philippe de Villiers sprach von Europa als künftigem »gemeinsamem Verbrechensraum«.” (1992d: 219). — Kurt Heißig beschreibt die in Flüchtlingsunterkünften wohnenden Menschen als „heillos zusammengepferchte Masse, von der Prostitution und Rauschgifthandel mit allen kriminellen Begleiterscheinungen ausgehen, und die so gut wie unkontrollierbar ist” (1992a: 36). — Bereits 1990 plädiert Klaus Hornung in denunzia-torischer Absicht dafür, „einheimische Straftatbestände wie Diktaturanhängerschaft, Terrorismus, Rauschgifthandel, allgemeine Kriminalität etc. als Asyl-Gründe [auszuschließen]” (1990: 87).Google Scholar
  171. 174.
    Die idealtypische Verbindung von Flucht und Verbrechen stellt die Figur des „Schleusers“ bzw. des „Schleppers“ dar, der, noch zu Zeiten des Kalten Krieges als „Fluchthelfer“ gefeiert, in der Asyldebatte zur Personifizierung des Bösen schlechthin avanciert. Der damals amtierende Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU), der im Februar 2000 wegen seiner Verstrickung in den CDU-Spendenskandal sein Bundestagsmandat zurückgibt, schreibt 1994: „Schleusertum ist organisierte Kriminalität — und die Schleuser sind nicht besser als Drogendealer. [...] Sie sind gewissenlose Verbrecher, die andere Menschen aus blankem Gewinnstreben in bittere Not treiben.” (Kanther 1994: 12).Google Scholar
  172. 175.
    Es fehle, schreibt Meinrad von Ow, „an Gesetzen, grenzüberschreitender Zusammenarbeit, verdeckten Ermittlern und an moderner Technologie bei der Polizei“ (1993a). — Zur nahezu deckungsgleichen regierungsamtlichen Position vgl. Kanther (1994).Google Scholar
  173. 176.
    Gunnar Sohn schreibt: „Gegenüber der handfesten Realität des Koalitionszwangs bleiben alle Forderungen der öffentlichen Meinung nach eindeutigen Entscheidungen bei den Parteien ungehört.” (1992d: 139). — Auf die Abschaffung der Parteiendemokratie orientiert Meinrad von Ow anhand einer Betrachtung des italienischen Falles, welcher ihm als Exempel für den allgemeinen „Niedergang der politischen Kultur“ dient: Die „Nutzanwendung für Deutschland“ liegt hierbei nicht in der Einsicht in die Notwendigkeit des Kampfes gegen Mafia und Korruption, sondern in der nurmehr dürftig kaschierten Forderung nach dem Systemwechsel: „Nur eine Beendigung der Verhältnisse, die von Filz zu Filz, von Affäre zu Affäre und von Skandal zu Skandal fuhren, hat die Chance, dem [Verbrechen, fs] Einhalt zu gebieten.” (1993a). — Vgl. auch bereits Weißmann (1989a: 131).Google Scholar
  174. 177.
    Vgl. ebenso Hornung, K. (1993e; hier die Ausführungen zu „den rasch wachsenden ausländischen Mafias“ und zur PKK). — Vgl. auch die Criticon-Beiträge des Christdemokraten Uwe Greve, der empfiehlt, vorrangig Rußlanddeutsche einwandern zu lassen: „Mit ihnen käme kein sozialer Sprengstoff ins Land, wie mit Einwanderern aus fremden Kontinenten, Kulturen und Religionen.” (1992a: 126). — Die Warnung vor „Konflikte[n] ungeahnten Ausmaßes“ — hier im Falle des Zugeständnisses nationaler Minderheitenrechte an die „verschiedenen in Deutschland lebenden Ausländergruppen“ — bei Wenzel (1992a: 53); vgl. auch die positive Bewertung diverser Vorstöße von Unionspolitikern im Europaparlament, die eine Exklusion von „»Asylanten, Flüchtlinge[n], Gastar-beiter[n] oder fahrende[n] Gruppen«“ aus dem „»Volksgruppenschutz«“ vorsehen, bei Hahn, K.-E. (1994: 107f).Google Scholar
  175. 178.
    Vgl. etwa die Debatten um den „Großen Lauschangriff“, die Kronzeugenregelung, die Ausweitung des Kompetenzbereichs des Bundesgrenzschutzes (BGS) u.v.m.; vgl. hierzu Seidel-Pielen/Farin (1994) sowie Prantl (1995).Google Scholar
  176. 179.
    Zur Asyldebatte und zum rassistischen Diskurs in Politik und Medien vgl. Gessenharter (1994a: 215ff.), Prantl (1995: 93ff.), Butterwegge (1997), Kretschmer/Jäger (1996) et al. — Aufschlußreich ist, daß Caspar von Schrenck-Notzing vom „Asylkompromiß der SPD“ spricht (1993c), was den Nagel insofern auf den Kopf trifft, da es der konservativ-liberalen Bundesregierung im Verlauf der Debatte schließlich gelingt, die sozialdemokratische Opposition nahezu vollständig auf den eigenen Kurs zu zwingen, von einem beidseitigen Kompromiß in der Tat keine Rede sein kann.Google Scholar
  177. 180.
    Vgl. hierzu die in der Presse wiedergegebenen Positionen und Verlautbarungen (etwa bei Klingelschmitt 1993, in: taz vom 06.07.1993; s. auch taz vom 04.08.1993). — Vgl. auch die Äußerungen bei Kanther (1994) sowie die obenstehenden Anmerkungen. — Die Konvergenzen gehen so weit, daß es die Junge Freiheit’ „eigenartig“ finden kann, daß Kanther einerseits „seinen Wählern erklärt, daß die Bundesrepublik keine Einwanderungsland sei“, andererseits „durch seine nachgeordnete Behörde [gemeint ist das Bundesamt für Verfassungsschutz, fs] im parteitaktischen Interesse Personen als »Verfassungsfeinde« kennzeichnen [läßt], die durchaus seiner Ansicht sind“ (Fuchs 1998a).Google Scholar
  178. 181.
    Der Kurs des hessischen CDU-Landesverbandes, dessen Politik Kanther, zusammen mit Alfred Dregger und Walter Wallmann, seit den 70er Jahren bestimmt, findet von jeher das Wohlwollen der Criticón-Rechten (vgl. etwa Schrenck-Notzing 1987b, 1992i). Die in Criticón formulierte Kritik am halbherzigen Kurs der hessischen Landesregierung unter Walter Wallmann (1987–91) nimmt Kanther ebenso aus (vgl. Haseloff 1991) wie diejenige an der Regierung Kohl nach der Berufung Kanthers zum Bundesinnenminister (vgl. Hornung, K. 1994b).Google Scholar
  179. 182.
    Vgl. insbesondere die Beiträge der Christdemokraten Klaus Hornung und Uwe Greve: Greve geißelt den ,,gefährliche[n] Traum vieler CDU-Politiker von den Vorteilen einer multi-kulturellen Gesellschaft“ und verweist bei seiner scharfen Kritik an der Union immer wieder auf die vorgebliche Meinungslage innerhalb der Bevölkerung: „Die große Mehrheit der Deutschen möchte weiterhin in einem Land leben, das in erster Linie von Deutschen bewohnt wird. Sie fühlen instinktiv, daß wir an die Grenzen unserer möglichen Besiederlungsdichte gelangt sind und möchten nicht, daß dieses Land ein Einwanderungsland wird.” (1992a: 126f). — Auch Klaus Hornung zufolge „weiß eine runde Drei-Viertel-Mehrheit in unserem Volk um die schlichte Tatsache der Nicht-Akzeptierbarkeit unserer bisherigen Asyl- und Ausländerpolitik. Diese Mehrheit ist jedoch nur wenig in der Lage, sich öffentlich zu Wort zu melden. Sie spürten [m.h. spüren, fs] aber, daß in dem Gewebe unserer dekadenten Gesellschaft jene revolutionären Kader gedeihen, die das Ziel der multikulturellen Gesellschaft verfolgen mit der Absicht, hier jenes revolutionäre Potential heranzubilden, mit dem sie eines nicht allzu fernen Tages die »bürgerliche Gesellschaft« im gehaßten wiedervereinigten Deutschland in die Luft sprengen zu können hoffen.” (Hornung 1993b: 127).Google Scholar
  180. 183.
    Franz Kromka versucht, die Verweigerung von Hilfen für die Dritte Welt kulturalistisch zu legitimieren: „Dem Nächsten, der sich in bedrängter Lage befindet, sollen und können wir einfach deshalb beistehen, weil wir dessen Notsituation — zumindest recht und schlecht — begreifen und über die Mittel zweckmäßiger Hilfe einigermaßen Bescheid wissen. Dagegen gelingt es uns nur selten, die Probleme der Menschen fremder Kulturen zu verstehen.” (1992: 239). — Zur Kritik an der deutschen „Fernstenliebe“ vgl. auch Hoeres (1993a: 127).Google Scholar
  181. 184.
    Vgl. etwa Kromka (1992); der Institutsdirektor an der Universität Hohenheim plädiert im Zusammenhang mit Angriffen auf die Entwicklungshilfe für eine „freie Bewegung von Gütern, namentlich agrarischen, Leistungen und Kapital, das heißt eine globale Marktwirtschaft“, denn: „Wenn das Kapital wandert, können die Menschen in ihrer Heimat bleiben.” (1992: 240). — Vgl. hierzu weiterhin Kreul (1992), Greve (1992b: 194f.) et al. — Zur Parteinahme für rassistische Regime und Bewegungen vgl. etwa den Südafrika-Diskurs der Zeitschrift in den 80er Jahren sowie, nach der Demokratisierung des Landes, exemplarisch Kreul (1993), Lehmkühler (1993), Pabst (1994).Google Scholar
  182. 185.
    In diesem Zusammenhang taucht die Forderung nach rigider Selektion von Migranten auf: Franz Kromka etwa schreibt: „Gegen maßvolle, kleine Wanderungsbewegungen, zumal innerwestliche, und insonderheit die Zuwanderung von Personen deutscher Volkszugehörigkeit (»Aussiedler«) ist selbstverständlich nichts einzuwenden.” (Kromka 1992). — Ähnlich auch Josef Schüßlburner, der Ausländern nur „wirtschaftliche Rechte auf der Ebene des einfachen Rechts auf der Basis strikter Reziprozität“ einräumen und dies als Beitrag gegen Fremdenfeindlichkeit verstanden wissen will: „Man kann nämlich jedem Deutschen, der es anrüchig finden sollte, daß sich Japaner in Deutschland aufhalten, davon überzeugen, daß dies im deutschen Interesse liegt, weil dieser Personenkreis hier investiert und Arbeitsplätze schafft, und außerdem gibt es wohl nicht viel mehr Japaner in Deutschland als Deutsche in Japan.Was soll man aber einem deutschen Staatsbürger auf die Frage antworten, was er und sein Land von der Niederlassung unausgebildeter, im Zweifel auf Sozialhilfe angewiesener Angolaner hätten?” (1992d: 281).Google Scholar
  183. 186.
    Hellmut Diwald führt den „schwer erarbeitete[n] Wohlstand“ in der Bundesrepublik auf „jene[] Merkmale[]“ zurück, „die man plakativ genug und doch nicht ganz falsch als »typisch deutsch« zu charakterisieren beliebt und zu denen wir uns keineswegs geschämig bekennen sollten: Fleiß, Einfallsreich tum, Zuverlässigkeit, Disziplin, Leistungswille, Ehrgeiz und weiß Gott nicht zuletzt auch ein gerütteltes Maß von ... praktischer Vernunft...” (1989: 166). — Kurt Heißig nennt als deutsche Sekundärtugenden „Arbeitsmoral und Gründlichkeit“ (1992a: 36). — Die Forderung nach der Bevorzugung deutscher Staatsbürger bezieht sich auch auf die Grundrechte, wie anhand eines Beitrages von Otto Wenzel deutlich wird. Wenzel bezeichnet hierbei Heiner Geißlers und Dieter Oberndörfers Kritik an völkischen Akzenten im Grundgesetz, etwa an der Beschränkung der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit auf Deutsche, als „Gipfel der Dreistigkeit“ (Wenzel 1992a: 52).Google Scholar
  184. 187.
    Vgl. die Studien von Wagner, B. (1994), des ‚Zentrums Demokratische Kultur’ (ZDK 1997a, 1997b) sowie die Beiträge in Mecklenburg (Hrsg.) (1999).Google Scholar
  185. 188.
    Eine ungewöhnlich scharfe Absage an die neonazistische Gewalt formuliert Harald Holz, der mit Blick auf die Bundesregierung einräumt, „daß es von interessierter politischer Seite durchaus Versuche [gebe], das Vakuum vor allem nationaler Orientiertungslosigkeit und die dadurch gespeisten Verunsicherungen durch deutsch-nationale Sinnsetzungen aufzufüllen“. Holz macht freilich „psy-cho-sozial instabile[] Elternhäuser[]“ und linksradikale Lehrer für die Gewalttaten von Neonazis verantwortlich, die er als „Bedürfnis nach Gemeinschaftlichkeit und sozialen verstehbaren Sinnstrukturen“ deutet (1993). — Ohne derlei Arabesken kommt Kaspar Schlich aus, der nicht ohne Genugtuung feststellt, daß nach dem „rechtsextreme[n] Wetterleuchten“ von 1992 die Gleichung, Jung sein bedeute[] links, gleichheitsorientiert und aufgeklärt zu sein“, nicht mehr aufgehe: „Alle Menschen sind auch für das geschichtsbewußte deutsche Jung-Volk nicht nur Brüder in der unveräußerlichen Menschenwürde, sondern oft Konkurrenten, und mein Haus ist nicht automatisch dein Haus, nur weil dies aufgeklärt und konsequent egalitär wäre.” (Schlich 1993a: 4).Google Scholar
  186. 189.
    Hornung zufolge handelt es sich bei den Pogromen von 1992/93 um „Ausschreitungen kleiner, vor allem jugendlicher Gangs, die im wiedervereinigten Land bis heute keinen Halteanker und Vorbilder gefunden haben“ (1993b: 125). — Für Heißig stellt ein Anschlag auf ein Flüchtlingsheim eine Tat dar, die — im Gegensatz zu den „wesentlich kostspieligeren und gewaltsameren [sic!] Ausschreitungen der Kreuzberger Szene — lediglich „einige Fensterscheiben koste[]“. Wichtiger als derlei ‚Bagatelldelikte’ erscheinen ihm die „gesellschaftlichen Probleme, die mit der Asylantenflut einhergehen“ (1992a: 36f). — Schüßlburner zufolge zeigt sich anhand der Ereignisse die „staatliche Unfähigkeit, mit ca. 5 000 als »rechtsradikal« bezeichneten Randalierern fertig zu werden“ (1992d: 277).Google Scholar
  187. 190.
    Exemplarisch Heißig (1992a: 36f.). — Vgl. auch die Äußerungen von Joachim Fest zu den Pogromen von Rostock und Mölln (FAZ vom 30.01.1993), auf die in Criticón explizit verwiesen wird (vgl. Pieper 1993a: 56). — Vgl. ebenso die Ausführungen von Bundesinnenminister Kanther zum „Anstieg der Kriminalität ... durch »einen gesellschaftlichen Wertewandel«“ (FR vom 21.07.1993). — Zur reuigen Selbstkritik von Angehörigen der 68er-Generation vgl. etwa die Ausführungen von Peter Schneider (1993). — Auch Botho Strauß positioniert sich in ähnlicher Richtung: „Die Schamverletzungen, die die anarchofidele Erst-Jugend um 1968 herum beging, sind nun von rechts beerbt worden. Die neuen Jugendlichen tun zunächst nichts anderes als die ihr vorausgegangene Generation -sich großtun, Initiation betreiben durch Tabuzertrümmerung.” (1993: 203f).Google Scholar
  188. 191.
    Hierbei konkurrieren diverse Verschwörungstheorien miteinander: Hans-Ulrich Pieper meldet Zweifel an der rechtsextremen Gesinnung der Täter an und verortet die Nutznießer der Anschläge in „Bonn, Washington und Jerusalem“ (1993a). — In ähnlichem Duktus argumentiert Raoul Ritter, der eine „gezielte[] politischen Strategie der deutschen und türkischen radikalen Linken“ hinter dem öffentlichen Entsetzen über die Morde von Solingen vermuten will (1993). — Klaus Hornung sieht die „»Ausländerfeindschafts«-Kampagne“ als „Instrument einer neuen »antifaschistischen« Offensive“ der Linken und kolportiert in Mölln umgehende Gerüchte, wonach „die beiden deutschen Täter ... von einem türkischen Clan aus der Hamburger Rauschgiftszene gegen einen Konkurrenz-Clan zur Tat gedungen worden“ seien (1993b: 125).Google Scholar
  189. 192.
    Vgl. Schrenck-Notzing (1992b); der Criticón-Herausgeber beschwört vor dem Hintergrund der zu „Existenzfragen“ erhobenen Themenkreise Migration, Kriminalität und Umweltzerstörung das „Gespenst des Populismus“: „Der Populismus ist ein Ausdruck des Empfindens, daß die bestehende konstitutionelle Repräsentation nicht in der Lage ist, existentielle Fragen zu beantworten. Die Suche nach Formen, die den Volkswillen unmittelbarer ausdrücken als die politischen Parteien ist die Folge ...” (ebd.). — Ähnlich Karlheinz Weißmann, der im Zusammmenhang mit der Asyl- und Ausländerdebatte offen mit einem neuen Faschismus droht (1992b: 62).Google Scholar
  190. 193.
    Vgl. auch die Ausführungen Josef Schüßlburners, der hinter der vermeintlich „bewußte[n] Duldung des Asylmißbrauchs““ die Absicht einer „langsame[n] Auswechslung des Volks“ im Zeichen der Multikulturalität vermuten will (1992d: 278).Google Scholar
  191. 194.
    Vgl. Schüßlburner (1992d) sowie die z.T. bereits erwähnten verschwörungstheoretischen Ansätze bei Hans-Ulrich Pieper (1993a, 1993b), Klaus Hornung (insbes. 1993b), Kurt Heißig (1992a) et al.Google Scholar
  192. 195.
    Der Angriff auf den Fremden mutiert hierbei zum unbedachten, im Kern jedoch legitimen Versuch, „auf ethnischer Basis im eigenen Revier Ordnung ins Chaos zu bringen“ (Schlich 1993a: 5). — Ist das Schmittsche Diktum, wonach Demokratie Homogenität voraussetze, von den Autoren bereits dergestalt verinnerlicht, daß es ohne Quellenverweis Anwendung findet (vgl. etwa Schüßlburner 1993a: 120; Hornung, K. 1993b: 127), so wird entsprechend der Rassismus unhinterfragt zur sozialen Normalität gerechnet, innerhalb derer es rassistische Übergriffe „immer wieder geben wird“ (Heißig 1992a: 36). — Vgl. auch Armin Mohlers Lob für Botho Strauß’ weitherziges Verständnis für jugendliche Neonazis (Mohler 1993e: 123).Google Scholar
  193. 196.
    Kurt Heißig nimmt die rechtsextreme Gewalt zum Anlaß, eine „konsequente Abschiebungspraxis“ gegenüber Flüchtlingen einzufordern, „deren Asylgründe vorgetäuscht sind“. Die auf der Flucht oftmals lebensrettende Fälschung bzw. Vernichtung von Ausweispapieren dient in diesem Zusammenhang zur weiteren Kriminalisierung der Opfergruppe: „Falschbeurkundung, Fälschung oder Vernichtung von Dokumenten und was noch alles an kleiner Kriminalität damit zusammenhängt, lassen ohnehin in allen diesen Fällen die Vermutung zu, daß die betreffende Person auch sonst bei der Erreichung ihrer Ziele nicht nur legale Mittel anwenden wird.” (Heißig 1992a: 36).Google Scholar
  194. 197.
    Der innere wie äußere ‚Feind’ wird beispielhaft im Bild vom jüdischen Weltbürger verklammert: Vgl. hierzu Kaspar Schlichs Gegenüberstellung von „Normalbürger“ und „Sonderbürger“ im Zusammenhang mit dem Fall Heitmann, die in heftige Attacken, u.a. auf den „Vorsitzenden des Simon-Wiesenthal-Zentrums“, mündet (Schlich 1993b: 262). — Vgl. auch Armin Mohlers Ausführungen zur angeblichen Funktionalisierung des Holocaust, wonach heute „Hitler auch für die Juden nur noch ein Alibi“ sei. Die antisemitische Komponente unterstreicht Mohler ausdrücklich, wenn er bemerkt: „Der durchschnittliche Staatsbürger in unseren Breiten fühlt sich nicht in Weltkongressen oder in Gesinnungsinternationalen verwurzelt. (Bei Intellektuellen mag das anders sein.) Es gibt nur zwei soziale Gebilde, in die er sich wirklich eingebunden fühlt: seine Familie und seine Nation.” (1991a: 198ff).Google Scholar
  195. 198.
    Meinrad von Ow setzt die „Entmännlichung“ bzw. „Entpatrifizierung““ der Sprache mit „Entmannung“ gleich und gewährt so einen bemerkenswerten Einblick in die psychische Disposition der antifeministischen Vorkämpfer (ebd.). — Die politischen Absichten benennt Otto Wenzel: „Viele Frauen sehen in dem Beruf der Hausfrau und der Erziehung ihrer Kinder ihre Erfüllung — und belasten nicht den Arbeitsmarkt mit zusätzlichen Bewerbern [sic!], was zur Erhöhung der Arbeitslosenquote führen würde.” (Wenzel 1992b). — Empört äußert sich der Christdemokrat Uwe Greve über den Gebrauch von Begrifflichkeiten wie „Emanzipation” und „Frauenpolitik“ durch Unionspolitiker — der Begriff „Mutterschaft“ werde zunehmend gemieden (1992a: 195). — Vgl. des weiteren die Auslassungen des Fachreferenten für Frauenforschung (!) an der Universitätsbibliothek Bielefeld, Johannes Rogalla von Bieberstein (1990), die Anmerkungen von Kaspar Schlich (1994) sowie die zahllosen Beiträge, die gegen den legalen Schwangerschaftsabbruch Front machen (Groppe 1991, 1992: 261).Google Scholar
  196. 199.
    Karlheinz Weißmann, der zu Beginn der 90er Jahre verschiedentlich eine Verweiblichung der deutschen Politik beklagt (1992b: 63), ruft dazu auf, „einen »Anti-Feminismus« intellektuell neu zu begründen“ (1990d: 134). — An der antifeministischen Kampagne der Neuen Rechten beteiligen sich auch einige ihrer wenigen weiblichen Vertreter, so etwa die Journalistin Angelika Willig, derzufol-ge Feministinnen „vor allem am Geschlecht, weniger an der sachlichen Arbeit von Frauen interessiert [seien]” (Willig 1991). Die ehemalige JF-Mitarbeiterin wendet sich in der zweiten Hälfte der 90er Jahre von der Neuen Rechten ab und kritisiert retrospektiv deren frauenpolitische Haltung (1998). — Zum antifeministischen „Backlash“ in den 90er Jahren vgl. die Diskussion um die Thesen von Susan Faludi (Holland-Cunz 1994).Google Scholar
  197. 200.
    Dies wird etwa anhand eines Berichtes vom VII. Internationalen AIDS-Kongreß 1991 in Florenz deutlich: Criticón-Autor Kaspar Schlich reduziert nicht nur das AIDS-Problem in den westlichen Industrienationen auf die vorgeblich „klar abgrenzbare[n] Hochrisikogruppen der promisken Schwulen und ... Fixer“ — er verhöhnt zudem in zynischer Art und Weise die Opfer des HIV-Virus, attackiert frontal das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und verlangt, daß die „Frage nach der Verantwortlichkeit der Hauptrisikogruppen für die Verbreitung von AIDS gestellt [werde], mitsamt ihren schadensrechtlichen und ordnungsrechtlichen Konsequenzen...”. Schlich plädiert dafür, „die Risikogruppen »trockenzulegen« bzw. so klein wie möglich zu halten“ (Schlich 1991). — Schadenfreude über die bevorzugten Opfergruppen der Immunschwäche-Krankheit findet sich auch in anderen neu-rechten Blättern; vgl. etwa die Verhöhnung der AIDS-Kranken durch die ‚Nouvelle Droite’ (Faye 1990).Google Scholar
  198. 201.
    Ebd.; zu dem von Motte angestrebten Transfer christlich-konservativer Moralvorstellungen in die Politik vgl. auch ders. (1994b).Google Scholar
  199. 202.
    Romig verurteilt in diesem Zusammenhang u.a. die Gleichstellung von „Konkubinaten und sogar gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ... mit Ehe und Familie“ (1993: 17).Google Scholar
  200. 203.
    Ähnlich argumentiert Thomas Moinar, der etwa Fragen der Familien- und Sexualethik der öffentlichen Diskussion entziehen will: „Ein auf festen Fundamenten ruhender Staat kann nicht auf halbem Wege stehenbleiben und ein Referendum abhalten über Hedonismus, gemeinsam geteilte Sinngebung und Sprache, individuelle Selbstzufriedenheit und drohenden Zerfall. Antworten auf solche Herausforderungen müssen schon in das Gründungsgefüge eingebaut sein, wenn nicht die Bürger eines Tages mit einem Fragebogen aufwachen sollen, auf dem ein Konsens herzustellen ist — zum Beispiel, ob eine Familie aus ihren natürlichen biologischen Komponenten besteht oder aus homosexuellen Partnern und ihren Adoptivkindern.” (1993a: 167).Google Scholar
  201. 204.
    Friedrich Romig stellt die fundamentalistische Absage an „abnorme Lebensformen“ nicht zufällig in den übergeordneten Kontext eines „Abgesang[es] auf den Liberalismus“; vgl. hierzu den gleichnamigen Aufsatz (Romig 1993) sowie frühere Beiträge des Autors (1990a, 1990b, 1991a, 1991b). -Karlheinz Weißmann setzt dezidiert „Staatsbewußtsein versus »Pluralismus«“ (1989a: 131).Google Scholar
  202. 205.
    Jebens spricht hier in Anlehnung an Carl Schmitt vom „»menschlichen Atom« in der gesichts- und geschichtslosen Massengesellschaft“. — Vgl. auch Franz Kromkas Ausführungen zu den Negativa der „bindungsgeschwächten Gesellschaft“ (1992: 238, 1996).Google Scholar
  203. 206.
    Der Geschäftsführer des ‚Studienzentrums Weikersheim’ befindet sich hiermit in Übereinstimmung mit dem Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Gerhard Pfreundschuh, dessen Buch er begeistert in Criticón bespricht. Pfreundschuh wechselt zu Beginn der 90er Jahre von der CDU zu Manfred Brunners ‚Bund Freier Bürger’ (BFB), was Jebens als „mutige[n] Schritt“ begrüßt (1994a: 122). -Zur neuen Gemeinschaftsrhetorik von Politikern der Unionsparteien zu Beginn der 90er Jahre vgl. exemplarisch Schäuble (1994a) sowie die Anmerkungen hierzu bei Butterwegge (1998: 158).Google Scholar
  204. 207.
    Sohn führt aus: „Zum Politischen, schrieb Carl Schmitt, gehört aber die Idee, weil es keine Politik gibt ohne Autorität und ohne ein Ethos der Überzeugung.” (ebd., Hervorhebung Sohn).Google Scholar
  205. 208.
    Vgl. hierzu exemplarisch Rohrmoser (1982).Google Scholar
  206. 209.
    Vgl. die Ausführungen des Criticón-Herausgebers, der verschiedentlich das Verschwinden „bürgerlicher Tugenden“ wie „Pflichterfüllung, Arbeitsamkeit, Tüchtigkeit, Fürsorge für die Familie, Anstand“ beklagt, die vor „den neuen hedonistischen Werten“ zurückwichen, nämlich „Selbstverwirklichung, Sichausleben, Bindungslosigkeit“. Schrenck-Notzing beruft sich in diesem Zusammenhang erneut auf die Studien Elisabeth Noelle-Neumanns, wonach „es sich in Deutschland um einen gesteuerten Wertewandel handel[e], der auf den Konzepten der Frankfurter Schule beruh[e], wie sie in den 1936 in Paris veröffentlichten »Studien über Autorität und Familie« grundgelegt [worden seien]”. Derlei verschwörungstheoretischen Konstruktionen zum Trotz ist dem Criticon-Herausgeber der eigentliche Grund für die Distanz der Nachkriegsgenerationen gegenüber den bürgerlichen Sekundärtugenden wohl bewußt: „Das Dritte Reich wurde dem »autoritären Erziehungsstil im deutschen Elternhaus, in dem Kindern das Rückgrat gebrochen wurde, sie zu willenlosem Gehorsam gedrillt wurden« angelastet.” (Schrenck-Notzing 1993g). -Vgl. ebenso ders. (1993i, 1994b).Google Scholar
  207. 210.
    Vgl. den Bericht zur ersten Tagung „Ja zur Ethik — Nein zum Nihilismus“ 1993 in Bregenz auf der Internet-Homepage der Veranstalter (online in Internet: URL: http://www.mut-zur-ethik.ch/1993/fdkong93.htm [Stand 30.06.1999]). Der Kongreß stellt sich bewußt in die Tradition der 15 Jahre zuvor veranstalteten Tagung „Mut zur Erziehung“, die den Startschuß zur neokonservativen „Tendenzwende“ der 70er Jahre gibt (vgl. hierzu Leggewie 1987a: 155 u. 160 sowie Weißmann 1987). -Vgl. auch die Anzeige zum zweiten „Mut zur Ethik“-Kongreß „Schutz der Familie und der heranwachsenden Jugend“ 1994 in Feldkirch, in: Criticón 143 (1994: 187).
  208. 211.
    Zu dem „Spektrum von Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft, das sich dem Erhalt unserer Kultur und ihrer geistig-moralischen Werte verpflichtet fühlt“ zählen im Jahr 1994 u.a. die Criticón-Autoren Löwenthal, Knütter, Rohrmoser, Greve, Kromka und Pachman (ebd.).Google Scholar
  209. 212.
    Die CDU-Bundestagsabgeordnete und Fraktionsberichterstatterin für Sekten und Psychokulte, Susanne Rahardt-Vahldieck, formuliert diese Einschätzung im Hinblick auf die Unterstützer des Kongresses aus den Unionsparteien (Schmider 1993).Google Scholar
  210. 213.
    Zum 1986 gegründeten VPM, dessen Strukturen und gruppeninterne Disziplinierungspraktiken laut Gerichtsbeschluß als „totalitär“, „unmenschlich“ sowie als „Ausdruck »wahnhaft-paranoider Gruppenphantasien“ bezeichnet werden dürfen vgl. Schmider (1993) sowie Mecklenburg (Hrsg.) (1996: 209ff). — Vgl. auch den Appell in der FAZ gegen die Aufnahme des VPM in den Sektenbericht der Bundesregierung (Löwenthal u.a. 1993), der u.a. von den CDU-Bundestagsabgeordneten Jäger und Lummer, dem Präsidenten des SZW, Hans Filbinger (CDU), und zahlreichen Criticón-Autoren unterzeichnet wird; zur Bewertung des VPM durch das Bundesfamilienministerium sowie zu den engen Verbindungen zum SZW vgl. Heck (1994a, 1994b).Google Scholar
  211. 214.
    Vgl. auch die allmähliche Verlagerung des Themenschwerpunktes von den „Grundlagen einer allgemeinen Ethik“ (1993), dem „Schutz der Familie und der heranwachsenden Jugend“ (1994) sowie der „Erziehung zur Demokratie“ (1995) hin zu den „Aufgaben der Gesellschaft zur Sicherung der Demokratie“ (1996) sowie zur „Würde des Menschen“ und den „ihr geltenden Angriffe[n]” wie der „Auflösung der herkömmlichen Ehe und Familie, Bildungsabbau, Angriffe[n] auf die Unantastbarkeit des Lebens“ (1997) (vgl. hierzu die Angaben auf der Kongreß-Homepage, online in Internet: URL: http://www.mut-zur-ethik.ch [Stand 01.07.1999]).
  212. 215.
    Vgl. auch die Hierarchisierung bei Greve (1992a: 126): „Der Mensch ist als erstes Individuum, dann Glied einer Familie, Angehöriger eines Stammes — Sachse oder Bayer, Hesse, Ostfriese oder Schleswig-Holsteiner — dann Glied seiner Nation — in unserem Falle der Deutschen -, darüber hinaus ist er der europäisch-abendländischen Völkerfamilie verpflichtet und hat zuletzt auch eine Mitverantwortung im humanistischen Sinne für die Probleme einer ständig wachsenden Menschheit. All diese Stufen gehören zusammen, all diese Pflichten [sic!] schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern bedingen einander.”Google Scholar
  213. 216.
    So die Ausführungen von Josef Isensee zur Zugehörigkeit des Menschen zu Volk und Familie. -Vgl. ebenso Kraus (1991a: 59): „»Nationalität« erklärt sich für Jarcke aus dem einfachen Faktum, »daß jedes Volk ... notwendig aus einer Familie hervorgegangen ist«. Also ist Nationalität nichts anderes als »Familienähnlichkeit« und Vaterlandsliebe stellt daher nichts anderes dar als »erweiterte Familienliebe der Glieder eines Volkes unter sich«.“Google Scholar
  214. 217.
    Gilt die Familie den Autoren als „Ort der Evolution, in der die überlieferten Werte weitergegeben werden“ (Schrenck-Notzing 1993g), so werden Schulen und Kirchen mehrheitlich in den Händen der „linken Kulturrevolution“ gesehen: Carsten Pagel, der wehmütig auf die „von zahlreichen Bindungen an Familie, Staat, Kirche und Arbeitsstelle gekennzeichne[e]” Gesellschaft der Adenauer-Zeit zurückblickt, erscheint im Kampf gegen das Verbrechen „eine intakte Familie, die kriminelle Neigungen gar nicht erst zur Entfaltung kommen läßt“, als „das Wichtigste“ (1992: 180). — Kämpferisch formuliert es Ulrich Motte: „Gott, Familie und Vaterland als Heimat und Schutz des unter allen Verhältnissen zur Sünde neigenden Menschen sind die konservativen Fahnenworte gegen die Weltverbesserung, ja Welterlösung durch Emanzipation von alten Bindungen.” (1993c: 178).Google Scholar
  215. 218.
    Vgl. die an den „Ernstfall“ gemahnende Aufzählung bei Pieper: „Die Deutschen sitzen auf einer Zeitbombe. Der Grund: Der Gesundheitszustand unserer Gesellschaft ist schlecht. Und von Jahr zu Jahr wird er besorgniserregender. [...] Dauerhafte Defekte sind auf dem Vormarsch: Herz-Kreislauf-Krankheiten, Fettstoffwechsel-Störungen, Allergien oder AIDS bedrohen die Bürger.” (1992: 209).Google Scholar
  216. 219.
    Vgl. hierzu den bereits in den 80er Jahren hergestellten Zusammenhang zwischen dem drohenden „Aussterben des deutschen Volkes“ und der „Muttermilchvergiftung“, der Criticón-Autor Dietrich Murswiek den Umweltschutz zur „nationale[n] Aufgabe“ erheben läßt (1987: 81).Google Scholar
  217. 220.
    Vor diesem Hintergrund ist denn auch die dort erhobene Forderung „Schaden vermeiden durch Gesundheitsvorsorge“ durchaus in einem doppelten Sinne zu verstehen (ebd.: 210).Google Scholar
  218. 221.
    Vgl. bereits die „okkasionelle und partikuläre Kapitalismuskritik““ des ‚Tat’-Kreises in der Weimarer Republik, die trotz gelegentlicher klassenkämpferischer Anklänge fest dem kapitalistischen Wirtschaftssystem verhaftet blieb und ein unvermitteltes Nebeneinander ständischer, planwirtschaftlicher, agrarromantischer u. anderer Wirtschaftskonzeptionen hervorbrachte (Fritzsche 1976: 110 u. passim). — Die prinzipielle Übereinstimmung der antidemokratischen Rechten mit den Grundzügen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung hob bereits Herbert Marcuse hervor (1979 (Orig. 1934): 12ff). — Stefan Breuer verweist demgegenüber auf die Spannbreite der von den Vertretern der „Konservativen Revolution“ entwickelten Wirtschaftskonzeptionen (1993: 59ff).Google Scholar
  219. 222.
    Vgl. exemplarisch die Beiträge von Philipp Wiesenberg, der eine „Neustrukturierung der Gesellschaft auf der Grundlage organischen Denkens“ und eine „Wiederherstellung der mittelalterlichen Zunftverfassung“ fordert. Als Vorbild einer neuen „berufsständische[n] Elite“, der schließlich auch die politische Führung zufallen soll, empfiehlt er das „Studentenkorporationswesen“, das ihm als Verkörperung von Führungstugenden schlechthin gilt (1994a, 1994b, 1994d). — Zu den vermeintlichen Vorteilen einer ständischen Gesellschaftsordnung (deren Träger nichtsdestotrotz auf dem Weltmarkt konkurrieren sollen) vgl. die von Jebens zustimmend referierten Gedanken Gerhard Pfreundschuhs (Jebens 1994a: 121).Google Scholar
  220. 223.
    Beispielhaft bei Ulrich Motte, der das Fehlen einer „konservativen Demokratietheorie“ im Sinne einer Synthese der Gedanken Schmitts und Hayeks beklagt und im gleichen Atemzug — jenseits der von Schmitt postulierten Suprematie des Staates — eine Übertragung von „hoheitliche[n] und fiskali-sche[n] Aufgaben“ an private Träger sowie eine Demontage des Beamtenwesens verlangt (1993b: 140); vgl. auch ders. (1993d). — Christoph Butterwegge beschreibt den Neo-Nationalismus der 90er Jahre treffend als „eine Variante völkischen Bewusstseins, die sich als Reaktion auf eine veränderte Weltmarktsituation entwickelt“ und verweist auf das enge Wechselspiel zwischen nationalen Orientierungen, „neoliberaler Marktradikalität und konservative[n] Ordnungsmodelle[n]” (1999: 23ff). -Vgl. ebenso Ptak (1999: 108f.).Google Scholar
  221. 224.
    Vgl. etwa die Beiträge von Radnitzky (1993a, 1993b, 1994), Eiselt (1993, 1994) und Winterberger (1990, 1993b, 1994a), Ow (1993b). — Vgl. ebenso die subtile Kritik am Wohlfahrtsstaat im anti-eta-tistischen Fahrwasser des amerikanischen Konservatismus bei van Houten (1994: 85); ähnlich Heuß (1994). — Vgl. auch Ulrich Mottes Anmerkungen zum Steuerrecht als „»weiße[m] Fleck« der Grundrechte“, die sich auf die Kritik Ernst Forsthoffs beziehen (1993b: 140).Google Scholar
  222. 225.
    Eiselt skizziert an drei Problemfeldern (Europapolitik, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Vergangenheitsbewältigung) die vermeintliche Behinderung der Politik durch „Tabus“ und droht unter Verweis auf den Aufstieg des Faschismus in Italien, Deutschland und Spanien in der Zwischenkriegszeit mit einer „Staatskrise“ im Falle eines weiteren Vertrauensschwundes in die Politik. Derlei Ernstfall rhetorik mündet umstandslos in den Ruf nach „unterschiedliche[n] Arbeitszeitregelungen“ und Lohnkürzungen (ebd.). — Gegen „tarifliche Regulierungen und Lohnnebenkosten“ und den „Hochsteuerstaat“ zieht Radnitzky zu Felde (1994); vgl. hierzu auch Sohn (1993f).Google Scholar
  223. 226.
    Zur Debatte insgesamt vgl. ebd.: 147ff. sowie Ptak (1999: 114f).Google Scholar
  224. 227.
    Beispielhaft bemüht der damals amtierende Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) den „Ernstfall“ zum Angriff auf die Position der Gewerkschaften: „Während hierzulande Fragen der Arbeitszeitverkürzung und Besitzstandwahrung von einigen zur Schicksalsfrage stilisiert werden, wachsen in Asien ökonomische Kraftzentren heran, die für die Zukunft Deutschlands von ungleich größerer Bedeutung sind, weil sich damit die Frage unserer industriellen Überlebensfähigkeit und Zukunftsfähigkeit unter völlig veränderten Bedingungen stellt.” (1994: 12).Google Scholar
  225. 228.
    Vgl. ebd. sowie Heuß (1994); vgl. auch die Attacken Kuehnelt-Leddihns auf den „demokratischen Versorgungsstaat“ (1994: 8). — Die Criticón-Rechte geht in diesem Punkt deutlich über die Vorstellungen der Republikaner’ hinaus, die sich in ihrem Augsburger Parteiprogramm von 1993 noch „»zu den Grundsätzen unseres Sozialleistungssystems Bismarckscher Prägung«“ bekennen, das sie freilich von zunehmendem Mißbrauch bedroht sehen wollen (vgl. Butterwegge 1998: 153); zur Widersprüchlichkeit der von den REP vertretenen, sozialpolitischen Konzepte vgl. Ptak (1999: 125ff.).Google Scholar
  226. 229.
    Der nationalrevolutionäre Impetus, mit dem Pieper seine Criticon-Beiträge versieht („Wer die Millionen arbeitswilliger Menschen von der Straße holen will, wird unkonventionell denken müssen: Im Zweifel über die Marktwirtschaft hinaus.”), wird durch seine Funktion als Unternehmensberater zumindest in Frage gestellt: So ist kaum anzunehmen, daß ein anti-marktwirtschaftliches Denken im Interesse der Arbeitsbeschaffung bei den Kunden Piepers auf Interesse stößt. — Einen wesentlich geschlosseneren, ideologieplanerischen Ansatz vertritt der CSU-Politiker und Exportkaufmann Ulrich Motte, der das Fehlen sinnstiftender Angebote vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Rezession beklagt: „Die deutsche konservative Elite denkt für das Bruttosozialprodukt, kaum aber über die politischen und kulturellen Bedingungen, die dem Wohlstand Grundlage und Sinn geben.”“ (1993b: 140).Google Scholar
  227. 230.
    Schrenck-Notzing schreibt 1994: „Der Wertewandel ist in aller Munde. Selbst in der »Zeit«, der publizistischen Hütte so manchen Zauberlehrlings, wurde anläßlich des 75. Geburtstages von Helmut Schmidt »halt halt« gerufen.” (1994b). — Vgl. hierzu die Beiträge in: Sommer (Hrsg.) (1994) sowie die kritische Auseinandersetzung mit den dort formulierten Thesen bei Ebermann/Trampert (1995: 226ff.). — Neben den Beiträgen Marion Gräfin Dönhoffs, Helmut Schmidts, Ulrich Wickerts, Antje Vollmers u.v.a. zu dieser Thematik vgl. in diesem Zusammenhang auch die von der amerikanischen Kommunitarismus-Debatte angestoßenen Diskussionen in der Bundesrepublik.Google Scholar
  228. 231.
    Klaus Hornung verweist in diesem Zusammenhang auf entsprechende Äußerungen des Leiters der Politischen Akademie der ‚Friedrich-Ebert-Stiftung’, Thomas Meyer, sowie das bereits erwähnte ‚Zeit’-Symposion für Helmut Schmidt, auf dem es „nur so von konservativen Topoi, Begriffen und Forderungen wie Tugend, Sitte, Anstand, Werteverwirrung, Notwendigkeit klarer Maßstäbe für Recht und Unrecht... [gewimmelt habe]” (Hornung, K. 1994c: 71); vgl. auch die dort zitierten Äußerungen von Hildegard Hamm-Brücher, Antje Vollmer, Hans Küng, Thomas Nipperdey u.a. (71 f.).Google Scholar
  229. 232.
    Vgl. exemplarisch Peter Schneiders Plädoyer für eine an „Lohn und Strafe“ ausgerichtete Pädagogik und eine „notfalls martialische[] Gegengewalt“ der Gesellschaft gegenüber gewalttätigen Jugendlichen (1993: 141) sowie Sybille Tönnies’ Empfehlungen für einen neuen Arbeitsdienst (1996). — Zu den neu-rechten Attacken auf die „permissive Gesellschaft“ vgl. bereits Rassem (1983).Google Scholar
  230. 233.
    Weißmann schreibt: „In einem schmalen Raum zwischen Staatsferne und Staatsfeindschaft bewegt sich noch immer die Gesinnung vieler »Meinungsmacher«; das Verlangen nach Loyalität löst unter Gebildeten selten etwas anderes als Hohn oder ironische Bemerkungen aus. Dienstbereitschaft oder Pflichtbewußtsein gelten in einer ebenso wohlhabenden wie permissiven Gesellschaft als Dummheiten. Daß diese belächelten Haltungen die wesentliche Ursache für den Aufstieg der europäischen Völker gewesen sind, ist längst vergessen.” (1992b: 63)Google Scholar
  231. 234.
    Karlheinz Weißmann zitiert hierzu den wehmütigen Rückblick des Historikers Michael Stürmer auf die preußisch-deutsche Epoche: „»Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung kann, wenn die bösen Zeiten kommen, den Staat nicht ersetzen. Preußen ist vorbei, ein Bundesland dieses Namens wäre nichts als eine aparte Idee. Unbetrauert und ohne Nachruhm — so ist es gekommen. Es bleibt die Frage, wie in Deutschland ohne Preußen Staat zu machen ist.«“ (zit. b. Weißmann 1991d: 107).Google Scholar
  232. 235.
    Franz Uhle-Wettler merkt zu dieser Entwicklung an: „Es scheint, als werde das Dienen wieder modern. Der Bundespräsident hat’s angemahnt. Der Bundeskanzler hat an die »preußischen« Tugenden erinnert. Und sogar die Gräfin Dönhoff meint, wir müßten wieder lernen, »was sich gehört«.“ (1993b). — Bereits zu Beginn der 80er Jahre setzt in DDR und Bundesrepublik eine Preußen-Renaissance ein, die mit geschichtsrevisionistischen Versuchen einer Rehabilitierung preußisch-deutschen Geistes einhergeht (exemplarisch Venohr 1980a). — Einer der Höhepunkte der Wiederanknüpfung an die preußische Tradition ist die 1991 erfolgende Überführung der sterblichen Überreste Friedrich Wilhelms I. und Friedrich des Großen nach Potsdam und deren feierliche Beisetzung, an der Bundeskanzler als „Privatperson“ teilnimmt, wie Criticón süffisant vermerkt (Nostitz 1991).Google Scholar
  233. 236.
    Vgl. den Bericht Carl Gustaf Ströhms über eine Feier zum hundertsten Todestag „des großen Soldaten Helmuth von Moltke“ im April 1991 in der Berliner Staatsbibliothek, in dem Preußen zum heimlichen Leitbild der „Berliner Republik“ erhoben wird: „Das Interesse war groß — und man saß neben hohen Offizieren der Bundeswehr in Uniform ... unter den Zuhörern jenen preußischen Typus, dem man sonst im deutschen öffentlichen Leben eher selten begegnet.” Ströhm hebt die Rede des Kommandeurs der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Klaus Reinhardt, hervor der ein „vorsichtiges Bekenntnis zu Moltke“ abgelegt habe: „Zwar blieb der General in gewisser Weise dem üblichen Bündnisschema verhaftet — die deutschen Streitkräfte, so betonte er, seien »fest in die NATO integriert«. Aber dann zitierte er Moltke mit dem Ausspruch, die Deutschen seien »nur durch Opfer eine Nation geworden« und — noch deutlicher: »Nur in der eigenen Kraft liegt das Schicksal jeder Nation.«“ (Ströhm 1991c: 104).Google Scholar
  234. 237.
    Dies eine Erkenntnis, die sich Ströhm zufolge intuitiv anhand eines Spazierganges durch das alte Berliner Zentrum vermitteln soll: „Wer unter den Linden vor dem Reiterstandbild des Preußenkönigs Friedrich steht, weiß, was damit gemeint ist.” (ebd.). — Auch Dirk Bavendamm gerät die erstmalige Promenade durch das Brandenburger Tor zum quasi-sakralen Akt der Kontemplation über Vergangenheit und Zukunft (1991a: 266).Google Scholar
  235. 238.
    Vgl. hierzu die Ausführungen in Kapitel 4.1.2.2.Google Scholar
  236. 239.
    Vgl. bereits Hepp (1984).Google Scholar
  237. 240.
    Vgl. die Beiträge in Peisl/Mohler (1979) sowie Gunnar Sohns Anmerkungen zur Notwendigkeit „politischer Theologie“ (1992b). — Vgl. auch Carl Schmitts Ausführungen zur alleinigen Verfügungsgewalt der „politische[n] Gemeinschaft“, d.h. des Staates, über das „physische Leben der Menschen“ (1991b: 48ff.).Google Scholar
  238. 241.
    Schrenck-Notzing verweist in diesem Zusammenhang auf Evolas Ausführungen zu den Prinzipien der Souveränität, der Autorität und der Legitimität (ebd.).Google Scholar
  239. 242.
    Vgl. hierzu Hahn, O. (1994: 134).Google Scholar
  240. 243.
    Vgl. auch ders. zur Funktion des „Wunderglauben[s]” (Hoeres 1993c: 271).Google Scholar
  241. 244.
    Zur „informationellen Unzulänglichkeit“ des Menschen vgl. auch bereits ders. (1985: 164, 1988: 229). — Vgl. hierzu auch Arnold Gehlens negative Anthropologie und Institutionenlehre.Google Scholar
  242. 245.
    Vgl. auch die Hochschätzung des „erfahrungsgesättigte[n], menschliches Handeln leitendeän] Vorurtei[s] im Sinne Burkes“ bei Zellenberg (1993: 35 u. 37, Anm. 10 u. 24) sowie Schrenck-Notzings Ausführungen zur „aus existentiellen Erfahrungen des einzelnen entstehende[n], aber kaum publi-zierte[n] Meinung“ der „schweigenden Mehrheit“ (1992j).Google Scholar
  243. 246.
    Der Topos nimmt seit Bestehen der Zeitschrift eine zentrale Rolle im Criticón-Diskurs ein (hierzu bereits Schrenck-Notzing 1970: 17 sowie durchgängig die Beiträge des Criticón-Herausgebers et al.). — Für Gerd Wolandt, der konservatives Denken als „Stellungnahme innerhalb der Kultur“ definiert, stellt der „gesunde Menschenverstand“ einen Kernpunkt konservativen Haltung dar (1994).Google Scholar
  244. 247.
    Vgl. hierzu auch Angelika Willigs Plädoyer für eine Rückkehr der Intellektuellen zum „primitive[n] Realismus“ (1992a: 107).Google Scholar
  245. 248.
    Vgl. auch ders. zum „Zahlenzauber“ der Demokraten (1992b). — Zum genannten Beispiel vgl. ders. (1993c: 233) sowie (fast wortgleich) ders. (1991e: 214; hier auch der unzweideutige Satz: „Ein wahrhaft denkender Mensch von hoher Bildung ist bei bestem Willen nicht imstande, die Mehrheitsentscheidungen von Unwissenden ernst zu nehmen.”).Google Scholar
  246. 249.
    Vgl. Josef Schüßlburners Plädoyer für die Vorenthaltung demokratischer Rechte an Minderheiten, die er anhand des „Anwendungsfall[es]” Sri Lanka expliziert und schließlich schlußfolgert: „Die Art von Demokratisierung, die einer weitgehend homogenen Nation durchaus zuträglich ist, kann eine multikulturelle Gesellschaft nicht ertragen. Diese überlebt nur, wenn gerade die Elemente eines politischen Systems gestärkt werden, die sich nicht notwendig aus dem Demokratieprinzip ableiten lassen.” (1993a: 119f).Google Scholar
  247. 250.
    Carl Schmitt formuliert dies in seiner Schrift „Politische Theologie“ bündig in dem Satz: „Diktatur ist der Gegensatz zu Diskussion.” (zit. n. Schickel, J. 1993: 168, Anm.26).Google Scholar
  248. 251.
    Vgl. auch Kuehnelt-Leddihns hymnisches Lob für das politische System Omans (1992c); zum „de-mo-totalitären Zeitalter“ vgl. ders. (1993a: 6). — Vgl auch das frühe Plädoyer Gerd-Klaus Kalten-brunners für eine streng hierarchisch gegliederte Gesellschaft (ders. (1990 (Orig. 1984)).Google Scholar
  249. 252.
    Vgl. etwa die bereits oben (Kapitel 3) genannten Criticon-Beiträge zu Südafrika und zu den autoritären Nachfolgeregimen der ehemaligen Sowjetunion. — Vgl. ebenso die positive Würdigung des spanischen Diktators Francisco Franco, der dem ehemaligen NS-Propagandisten und langjährigen Criticón-Autoren H.G. von Studnitz zufolge „das politisch höchst irrationale, spanische Volk in seine Zucht nahm und die Grundlagen schuf, ohne die an die Wiedererrichtung des [bourbonischen, fs] Thrones nicht hätte gedacht werden können“ (Studnitz 1992); zur politischen und publizistischen Tätigkeit von Studnitz vor und nach 1945 vgl. Köhler (1995: 204ff). — Eine exemplarische Lobrede auf die Diktatur bereits bei Kaltenbrunner (1987).Google Scholar
  250. 253.
    Kuehnelt-Leddihn findet nicht nur warme Worte für zahlreiche Vertreter „rechtsdralliger Militärdiktaturen“ — so etwa Primo de Rivera und Franco (Spanien), Pinochet (Chile), Castelo Branco (Brasilien), und Soeharto (Indonesien) -, er bedauert auch ausdrücklich das Scheitern eines Staatsstreichs unter Kurt von Schleicher im Deutschland des Herbstes 1932 (ebd.). — Zu den lateinamerikanischen Diktaturen vgl. bereits in den 80er Jahren Kuehnelt-Leddihns Inschutznahme der Folter in Uruguay (1980: 268) sowie Thomas Molnars eindeutige Positionierungen: „Die Durchdringung des Gemeinwesens durch den Marxismus, der oft als konsequente Fortentwicklung der Demokratie betrachtet wurde, weckte die defensiven Instinkte handlungsfähiger Kreise, besonders des Militärs. So gesehen gibt es kaum einen Unterschied zwischen dem Vorgehen General Francos 1936 und General Pinochets 1973. Und das gleiche gilt für die Putsche General Evrens in der Türkei, General[] Castelo Brancos in Brasilien und General Videlas in Argentinien.” (Moinar 1984: 208).Google Scholar
  251. 254.
    Zu den Versuchen einer Rehabilitation Ludendorffs vgl. auch die intensiven Bemühungen Wolfgang Venohrs (vgl. bereits ders. 1980b) und deren Niederschlag in Criticón (vgl. etwa Post 1993c).Google Scholar
  252. 255.
    So etwa jüngere Autoren aus dem burschenschaftlichen Umfeld, deren eigene Karriereplanung eng mit der neu-rechten Elitekonzeption korrespondiert: Vgl. hierzu, neben den Beiträgen von Gunnar Sohn und Hans-Ulrich Kopp (1990) insbesondere die Ausführungen von Philipp Wiesenberg (1994a), der die studentischen Verbindungen als Stätten eines „natürliche[n] Erziehungs- und Formungsprozess [es]” zur Herausbildung von Eigenschaften und Fähigkeiten begreift, „die man braucht, um Führungsaufgaben übernehmen zu können...” (ebd.).Google Scholar
  253. 256.
    Der aggressive Ruf nach Brechung der „Herrschaft des Parteienstaates“ paart sich mühelos mit der Forderung nach dessen „Unterwanderung“ (Sohn 1993b: 128), die Ablehnung einer Veränderung durch neue Parteien (ebd.) steht unvermittelt neben der Verteidigung des parteipolitischen Aufbruchs auf der Rechten (ders. 1994a: 6). — Neben diesen Widersprüchen verweisen auch andere Ansätze, etwa die Forderung nach einer „außerordentliche[n] Verbesserung des Staatspersonals“ (Kremp 1994: 83) oder nach einer Korrektur des „asymmetrische[n] deutsche[n] Parteiensystem[s]” (vgl. Bund Freier Bürger 1994) auf das vorrangige Ziel des Elitenwechsels, das erst im Kontext der neu-rechten Demokratiekritik einen systemverändernden Charakter annimmt.Google Scholar
  254. 257.
    Vgl. auch den Rekurs des Criticón-Herausgebers auf die Parteienkritik des Soziologen Robert Michels (vgl. u.a. Schrenck-Notzing 1991b).Google Scholar
  255. 258.
    Vgl. die von Ernst Fraenkel (in Bezug auf das nationalsozialistische Deutschland) eingeführte Unterscheidung (Fraenkel 1974 (Orig. 1941)).Google Scholar
  256. 259.
    Vgl. etwa Josef Schüßlburners Anmerkungen zu „stabile[n] Herrschaftsordungen wie [der] briti-sche[n] und [den] nordischen Demokratien“, die auf dem „Staatskirchentum“ beruhten: „Dem klugen Skeptiker ist in diesen Ländern klar, daß ein Priester, dem geglaubt wird, mindestens fünf Polizisten ersetzt und damit die Kosten der Staatsverwaltung erheblich reduziert.” (1992d: 277). — Auch der Katholik Friedrich Romig verweist darauf, „daß die Religion für eine demokratische Republik noch viel notwendiger ist als für eine Monarchie. Wo die Zügel der staatlichen Gewalt gelockert werden, müssen die moralischen angezogen werden, sonst zerfällt die Gesellschaft. Das Volk, das sich selbst zum Herrn macht, muß sich Gott unterstellen, will es nicht zur Beute seiner Leiden-schaftfen werden und untergehen.” (1993: 17).Google Scholar
  257. 260.
    Im Rahmen der neu-rechten Mediendebatte (s. hierzu Kapitel 4.4.2) beklagt Criticón-Autor Markus Zehme unter Verweis auf die Studien des konservativen Mainzer Kommunikationswissenschaftlers Hans Mathias Kepplinger, „daß die Regierung in einer westlichen Demokratie nur eine beschränkte Möglichkeit [habe], sich direkt ans Volk zu wenden, um ihre Politik zu erklären“. Die Folge sei eine „zunehmende gezielte Manipulation durch die Medien“, die sich in Deutschland in der „Rolle des belehrenden Weltverbesserers“ sähen (Zehme 1994).Google Scholar
  258. 261.
    Paulwitz verweist hierbei auf die Haltung von „Hoyerswerdas CDU-Landrat Wolfgang Schmitz“ und des SPD-Bürgermeisters der Stadt, die beide ihre Parteien zum Handeln drängten (ebd.). — Vgl. auch Albrecht Jebens’ Lob für den Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises und CDU-Dissidenten, Gerhard Pfreundschuh, der „sowohl gegen die multikulturelle Gesellschaft wie auch gegen das »Maastricht«-Europa Stellung [beziehe]” (Jebens 1994a: 121).Google Scholar
  259. 262.
    Eindrücklich schildert Jebens die vorgeblichen Nöte der Bevölkerung in Baden-Württemberg: „Dies Volk fleht regelrecht darum, daß seine Politiker sich endlich einmal um die täglichen Probleme kümmern mögen — und nicht nur allein um Wirtschaftszahlen und Verwaltung. Die Wähler haben zunehmend Angst vor der inneren Unsicherheit, vor dem Einwanderungsdruck fremder Völker, vor dem Islam, vor der zunehmenden Arbeitslosigkeit, vor dem Verlust ihrer Währung im eurozentri-schen Brüssel und vor allem vor der Zunahme von Drogenkriminalität und Verbrechen. Doch die CDU-Parteizentralen in Bonn und Stuttgart bleiben stumm.” (ebd.).Google Scholar
  260. 263.
    Vgl. die hierbei vorgenommene Unterscheidung von „Hofpartei“ und „Landespartei“: „Unsere Hofpartei ist die auf verschiedene Parteien verteilte »politische Klasse«. Unsere Landespartei ist als Partei noch nicht organisiert. Hofpartei und Landespartei entwickeln sich gemäß der Trennungslinie eines doppelten Meinungsklimas.” (ebd.). — Zum „doppelten Meinungsklima“ vgl. auch die Anmerkungen in Kapitel 4.3.2.2.Google Scholar
  261. 264.
    Ein Paradebeispiel hierfür ist für die Criticón-Rechte der italienische Rechts-Populist (und heutige Ministerpräsident) Silvio Berlusconi, dessen erdrutschartiger, erster Wahlerfolg im Frühjahr 1994 nicht zuletzt den intensiven Bemühungen der hauseigenen Demoskopen zugeschrieben wird: „Er hat gesiegt, weil er die Volksseele mit Hilfe der tiefenpsychologisch verfeinerten Massenbefragungen besser ausgelotet hat. Erst dann sprach er aus, was die Leute dachten.” (Ritter, H. 1994b: 118). -Auch das Gegenstück zur Meinungsforschung auf dem Weg zum populistischen Erfolg, die gezielte Demagogie und der bewußte Verzicht auf Differenzierungen, läßt sich für die Criticón-Rechte trefflich am italienischen Fall studieren: Ritter hebt hervor, daß Berlusconi im Wahlkampf „einen neuen Stil, einfach und klar verständlich, in die übliche Schwafelei und Phrasendrescherei der traditionellen politischen Polemik eingeführt [habe]”. (1994a: 30).Google Scholar
  262. 265.
    Vgl. hierzu auch Greve (1992a: 127f.).Google Scholar
  263. 266.
    Vgl. auch Eschbachs verschiedentliche Drohungen mit der „Wut des Volkes“ (ebd.: 165). — Der ehemalige Berliner JU-Landesvorsitzende Gunnar Sohn, bringt derlei Aggressionen gegen den ungeliebten Kanzler auf den Punkt, wenn er ankündigt: „Am Europa-Thema und der beabsichtigten Preisgabe der DM wird sich Kohl die Finger verbrennen. Wer unter welchen Vorzeichen auch immer Hand an die Mark legt, wird gnadenlos weggewählt werden.” (1993e). — Ähnlich Criticón-Herausgeber Schrenck-Notzing, der unter Berufung auf den ‚Welt’-Journalisten Herbert Kremp in Richtung der Bundesregierung droht: „Aber wird unsere politische Klasse aus ihrem Debakel in der Asylfrage lernen? Wird sie lernen, daß der letzt Moment gekommen ist, die Europapolitik (»Bundesstaat Europa«) abzubremsen? Denn der »Aufschlagspunkt«, von dem Kremp spricht, liegt nach unseren Berechnungen genau hier.” (1992d). — Gerard Radnitzky gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die wachsende Kritik an den Maastrichter Beschlüssen „die Politiker zur Rückbesinnung veranlassen oder sogar neuen Kräften in der Politik den Weg ebnen [werde]” (1993b: 221); ähnlich Müller, G. (1994).Google Scholar
  264. 267.
    Vgl. ebd. sowie insbes. Leesen (1993). — Zu den breit gefächerten Vorwürfen gegen die Sozialdemokratie vgl. auch Bieberstein (1991a, 1991b: 127f.).Google Scholar
  265. 268.
    Razumovsky nennt in diesem Zusammenhang „aus der Gilde der »Soziologen« und der soziologisch inspirierten Literaten“ Rudolf Bahro, Walter Jens, Erhard Eppler, Heinrich Böll, Hans Mayer, Hans Werner Richter, Jürgen Habermas, Iring Fetscher, Herbert Marcuse sowie Ernst Bloch.Google Scholar
  266. 269.
    Vgl. auch Dietrich Pfaehlers Forderungen hinsichtlich einer Reform der Parteien- und Wahlgesetzgebung, die er mit einer deutlichen Drohung verbindet: „Die heute in Deutschland herrschende Klasse hat die Wahl zwischen revolutionären Veränderungen der vorgeschlagenen Art oder, auf mittlere Sicht, wie ich fürchte, einer Revolution von unten, die sich nicht so sanft abdrängen und dienstbar machen lassen wird wie die, zu der man vor einem Jahr in der DDR nach landläufiger Meinung angesetzt haben soll.” (1990: 212). — Vgl. auch, adäquat zu den Angriffen auf die „herrschende Klasse“, Martin Christadlers Abrechnung mit der 68er-Generation, die auf die Beiträge Brigitte Seebacher-Brandts im ‚Rheinischen Merkur’ bzw. in der FAZ rekurriert: „Was die Verfasserin hier schrieb, war jedem Konservativen Balsam für das wunde Herz. (...) Die Kulturrevolutionäre vorgeführt als eine Generation, die aus ihren Chancen nichts gemacht hatte: Illusionisten, Poli-tikunfähige, nationsvergessen, zum Schluß nicht einmal willens, das Selbstverständliche der Wiedervereinigung zu begreifen. Brigitte Seebacher-Brandts Analyse gipfelt in der Erkenntnis, daß das Deutschland der Zukunft keinesfalls von den Ideen der »68er« bestimmt sein werde, sondern von denen der nachwachsenden Jahrgänge, die ihre Prägung durch die Erfahrung der Einheit und der Normalität des neuen Deutschlands erhalten haben werden.” (1991: 6).Google Scholar
  267. 270.
    „In der windstillen Periode der Geschichte, die die vergangenen dreißig Jahre in Europa waren, machte sich lächerlich, wer vor den Folgen einer kurzfristigen Strategie, vor dem Verteilen von sozialen Wohltaten, vor der Verwitterung staatlicher Tugenden warnte. In der alten Bundesrepublik war schließlich die Anschauung flächendeckend durchgesetzt, daß wir den harten Notwendigkeiten historischer Existenz enthoben seien und uns auf Gesinnung, Appelle und Moral beschränken könnten. Allmählich wird auch dem letzten erkennbar, daß das ein Irrtum gewesen ist.” (ebd.)Google Scholar
  268. 271.
    Weißmann betont, daß es „äußerst kurzsichtig [sei], anzunehmen, daß die »Westler«, die Träger des bundesrepublikanischen Selbstverständnisses, die postnationalen »Verfassungspatrioten«, das Erbe der Linken antreten könnten. Zwar durften sie sich vorübergehend als Mitsieger in einer welthistorischen Auseinandersetzung betrachten, und hofften, ihren Triumph auch innenpolitisch ausmünzen zu können. Aber selbst ihnen dämmert allmählich, daß mit den alten Rezepten nicht weiterzukommen ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach zersetzt sich dieses Bündnis aus Pragmatikern, denen es vor allem um die Bündnisbindung an die USA ging, Resten des politischen Katholizismus und den Anhängern der Rheinbund-Lösung der deutschen Geschichte angesichts der Tatsache, daß Deutschland wieder in die Mittellage zurückgekehrt ist und alte, lange tot geglaubte Konstellationen in Europa noch einmal eine Rolle spielen.” (ebd.).Google Scholar
  269. 272.
    Exemplarisch für die sich selbst feiernde „Regression des Bewußtseins“ (Ebermann/Trampert 1995: 168ff.) sei hier etwa auf das ‚Kursbuch’ Nr. 116 verwiesen, das im Juni 1994 unter dem bezeichnenden Titel „Verräter“ erscheint und Beiträge einiger der o.g. Autoren und Autorinnen vereinigt. -Zum genannten Trend vgl. auch die kritische Auseinandersetzung in dem Sammelband von Lohmann (Hrsg.) (1994).Google Scholar
  270. 273.
    Vgl. das Bärbel Bohley zugeschriebene Wort „Wir haben Gerechtigkeit gewollt, aber den Rechtsstaat gekriegt“ (zit. n. Schlink 1996). — Vgl. auch die enttäuschten Äußerungen von Heiner Müller (1992) und Hans-Joachim Maaz (1990) über den unblutigen Regimewechsel in der DDR; letzterer u.a. zit. b. Mohler (1991a: 311 ff.). — Vgl. ebenso die Elogen des Intendanten der Berliner ‚Volksbühne’, Frank Casdorf, auf Ernst Jünger (hierzu Iden 1995).Google Scholar
  271. 274.
    Exemplarisch für die ‚Tabubrecher’ steht etwa der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Tem-plin, Mitglied von ‚Bündnis90/Die Grünen’, der 1994 der JF ein Interview gewährt (Templin 1994), in dem er sich für eine „nationale Identität“ der Deutschen ausspricht und fordert, daß Deutschland „endlich als gleichberechtigtes Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft auftreten [solle]” (ebd., zit. n. Behrend 1997); an anderer Stelle kritisiert Templin die „»Unfähigkeit der bundesdeutschen geistigen Elite, sich mit der DDR in gleicher Weise radikal auseinanderzusetzen wie mit dem Nationalsozialismus«“ (‚Neues Deutschland’ vom 02.02.1994, zit. ebd.). — Vgl. auch Templins Beitrag für den neu-rechten Sammelband „Die selbstbewußte Nation“ (Templin 1996). — Aussagen Templins aus jüngerer Zeit, wonach sich im Osten Deutschlands ein „Potential künftiger Symbiose zwischen PDS und Rechtsextremen“ entwickle, werden dankbar in der JF wiedergegeben (vgl. ‚Junge Freiheit’ vom 13.11.1998). — Zu den um ‚Übersetzung’ und Differenzierung im Ost-West-Dialog bemühten Gegenstimmen sind demgegenüber etwa Friedrich Schorlemmer, Christoph Dieckmann, Richard Schröder sowie, auf westlicher Seite, Günter Gaus zu zählen.Google Scholar
  272. 275.
    Zur Annäherung der Grünen an die Nation vgl. auch die kritische Biographie Joschka Fischers von Christian Schmidt (1999: 298ff).Google Scholar
  273. 276.
    Vgl. hierzu insbes. Lenk, L. (1993), Schlich (1993b), Eiselt (1994: 20). — Zu den Reaktionen im konservativen Lager vgl. die Darstellung bei Terkessidis (1995: 43f).Google Scholar
  274. 277.
    Heitmann habe, schreibt Criticón-Autor Kaspar Schlich, mit seinem Eintreten für den „Normalbürger“ und seiner Kritik an den westlichen Intellektuellen „ins Zentralnervensystem des nachkriegs-deutschen Konsumwohlfahrtsstaates getroffen“ (ebd.).Google Scholar
  275. 278.
    Vgl. die nahezu wortgleichen Formulierungen Herbert Kremps und Eckhard Fuhrs in ‚Welt’ und FAZ, zit. b. Terkessidis (1995: 43f.).Google Scholar
  276. 279.
    Vgl. hierzu auch das in Criticón vielzitierte Buch von Manfred Kittel (1993) sowie die Criticón-Besprechung von Meinrad von Ow (1994b).Google Scholar
  277. 280.
    Die Hoffnungen, die sich im konservativen Lager mit dieser Debatte verbinden, bringt der christdemokratische Staatsrechtler Josef Isensee in Criticón auf den Punkt, wenn er betont: „Eine Wende könnte freilich einsetzen, seit sich mit der Wiedervereinigung auch die Notwendigkeit stellt, eine andere Vergangenheit zu bewältigen, die linkstotalitäre des DDR-Sozialismus, was nicht das NS-Unheilregime verkleinerte, ihm aber seinen politischen Monopol Charakter nähme.” (1992: 134).Google Scholar
  278. 281.
    So der sächsische Staatsminister, Arnold Vaatz (CDU), über Günter Grass, Walter Jens, Günter Gaus sowie Stefan Heym und Christoph Hein (vgl. ebd. u. Stephan 1992b: 31, Anm.22).Google Scholar
  279. 282.
    Vgl. exemplarisch Hacker (1992), die Besprechung in Criticón (Motschmann 1992c) sowie die Bezugnahme des Criticón-Herausgebers (Schrenck-Notzing 1992g). — Vgl. weiterhin die Veröffentlichungen von Cora Stephan (1992b), Tilman Fichter (1992), Joachim Gauck et al. — Zur rückblik-kenden Denunziation der sozial-liberalen Entspannungspolitik vgl. exemplarisch Löwenthal (1995a). — Zu den Angriffen auf Kirchenvertreter vgl. insbesondere die Veröffentlichungen von Gerhard Besier, die Klaus Motschmann in Criticón eingehend bespricht (Motschmann 1992a, 1993b; zur öffentlichen Diskussion um Besier et al. vgl. auch ders. 1992b); Besier veröffentlicht auch selbst in Criticón (Besier 1995). — Vgl. ebenso Klaus Motschmanns Besprechung des Buches „Das Genossenkartell“ von Wilke/Hertle (1992; Motschmann 1993a).Google Scholar
  280. 283.
    Hier u.a. gegen Walter Jens sowie Stephan Hermlin und Christa Wolf. — Zur neu-rechten Rezeption der Auseinandersetzungen unter den intellektuellen der ehemaligen DDR vgl. Tegtmeyer (1992).Google Scholar
  281. 284.
    Vgl. etwa die Gegenüberstellung der Selbstkritik „führender linker Sozialwissenschaftler“ am Berliner ‚Otto-Suhr-Institut’ (OSI) und des vorgeblichen Schweigens der Evangelischen Kirche zur eigenen Rolle während der Zeit der Zweistaatlichkeit (Motschmann 1990). — Zu Motschmanns Attacken auf die „Opinion Leader ... in Staat und Politik“ sowie die „Nicht-Verantwortlichen (um nicht zu sagen: die Un-Verantwortlichen) in der Gesellschaft, also in Kunst und Wissenschaft, im Literaturbetrieb und in den Medien — und in den Kirchen“ vgl. auch ders. (1991a: 55, 1991b). — Vgl. ebenso Motschmanns Angriffe auf die PDS (1994c, 1995, 1996). — Vgl. auch Biebersteins Ausführungen zu „bemerkenswerte[n] selbstkritische[n] Stimmen“ auf der Linken (1991a: 78f.) sowie Klaus Hor-nungs positive Bewertung der taz-Berichterstattung zur SED-PDS-Demonstration am 04.01.1990 in Berlin-Treptow bzw. der Auslassungen Peter Schneiders zum jugendlichen Neonazismus in Ostdeutschland (Hornung, K. 1993b: 126).Google Scholar
  282. 285.
    Vgl. hierzu bereits Schrenck-Notzing (1980c).- Zu den Angriffen auf Jens nach der Wiedervereinigung vgl. Bieberstein (1994a: 49); dort die Kontrastierung mit der Haltung des Politologen Narr: „Während mit Wolf-Dieter Narr einer der Wortführer der bundesdeutschen Neuen Linken nach der Wende eine Achtung gebietende Selbstkritik übte, indem er sagte, »wir stehen heute als Gelackmeierte da«, weil wir das »realsozialistisch aufgezogenene antidemokratische Unrecht vor unserer Haustür« nicht benannt haben, ist von Walter Jens, der es mehr mit den orthodoxen Kommunisten hielt, eine vergleichbare Selbstkritik nicht bekannt geworden. Er und seine Akademie-Kollegen werden darüber entscheiden müssen, ob sie es für billig halten, daß ein Mann, der sich auf peinliche Weise von Deutschland verabschiedet hat [sic!], in dem von ihm abgelehnten freien und geeinten Deutschland weiterhin eine herausgehobene Rolle im Kulturleben bekleiden sollte.”Google Scholar
  283. 286.
    In diesem Zusammenhang erfolgt ein Seitenhieb auf die jüdischen Opfer des NS-Regimes: „Walter Jens hat 1989 in einem Interview gesagt: »Die Juden ermordend hat Deutschland sich selbst getötet«. Seine kollektivistische Weltsicht stempelt Walter Jens zu einem negativen Nationalisten, gewissermaßen einem Spiegelbild des Chauvinisten. Für ihn sind die grauenhaften Verbrechen der Nazis, unter denen nicht nur die Juden [sic!] Unsägliches gelitten haben, zum Kristallisationspunkt einer eigentümlichen neuen Weltsicht geworden.” (Bieberstein 1994a: 48f.; vgl. auch — nahezu wortgleich — ders. 1991b: 129). — Den Begriff des „»negativen Nationalismus«“ entlehnt Bieberstein nicht ohne Süffisanz bei dem Grünen-Politiker Rolf Fücks (ebd.: 132, Anm.120).Google Scholar
  284. 287.
    Bieberstein attackiert in diesem Zusammenhang Eike Hennig, Günter Grass und Heiner Müller und formuliert, im Vorgriff auf Martin Walser, den Vorwurf: „Die grauenhaften Verbrechen des Nationalsozialismus, dem schließlich auch viele Deutsche zum Opfer gefallen sind und der sowohl von linken als auch von konservativen Deutschen bekämpft worden ist, sind geradezu auf perverse Weise zu einer »Auschwitz-Keule« gemacht worden, um den Deutschen das Recht auf Freiheit und Einheit für Generationen abzusprechen.” (ebd.)Google Scholar
  285. 288.
    Zur grassierenden, „dumpfe[n] Aggressivität gegen jene ..., die als nicht hinreichend »einigungsfreundlich« abqualifiziert werden“ vgl. auch die Anmerkungen von Jürgen Habermas (1995).Google Scholar
  286. 289.
    Ganz im Duktus seines Mentors, des Bonner Politologen und Criticón-Autors Hans-Helmuth Knüt-ter, schreibt Zehnter: „Der Faschismusvorwurf wurde in der gesamten Geschichte der BRD als politisches Diffamierungsinstrument gebraucht. [...] So wurde[n] mit Hilfe von Diffamierungsaktionen, auch gewalttätiger Art, nicht nur der politische Einfluß von rechten und rechtsextremen Gruppen niedergehalten, sondern auch konservative Ansätze und Gedanken, die sich der deutschen Einheit widmeten.” (ebd.: 181). — Knütter nimmt bereits vor dem „Epochenbruch“ in Criticón den Kampf gegen den Antifaschismus auf (1988); vgl. hierzu auch Graw (1990d). Zu Beginn der 90er Jahre wendet er sich zusätzlich dem Thema der „Deutschlandfeindlichkeit“ zu (Motschmann 1991c). — Zu Knütters Aktivitäten vgl. auch Salzborn (1999).Google Scholar
  287. 290.
    Vgl. etwa die Criticón-Rezeption der Veröffentlichungen von Brigitte Seebacher-Brandt (s.o.), Klaus Rainer Röhl (Ow 1994d sowie Mohler 1994e), der Schriften der ‚Bundeszentrale für politische Bildung’ sowie des Bundesministeriums des Innern (empfohlen bei Zehnter 1992: 185), des von Uwe Backes und Eckhard Jesse herausgebenen Jahrbuches Extremismus und Demokratie’ (1989b u. Folgejahre; eine kritische Würdigung bei Kopp 1991), der Berichte der Verfassungsschutzämter (ebenfalls zit. b. Zehnter 1992 et al.) etc. — Zur „Anti-Antifa“ vgl. die 1992/93 im neonazistischen Umfeld kursierende Broschüre ‚Der Einblick’, in der die Namen und Adressen von antifaschistischen Aktivisten, Journalisten sowie anderen „Gegnern“ aufgelistet werden und zu Terrorakten gegen diese Personen ermuntert wird. — Presseberichten zufolge arbeitet Criticón-Autor Hans-Helmuth Knütter den Anti-Antifa-Kreisen direkt zu (Conrad/Frey 1997, Junge 1997).Google Scholar
  288. 291.
    Cora Stephan spricht in diesem Zusammenhang von der „Entschädigung für den Verzicht, sich im eigenen Land beheimatet zu fühlen“ (1992b: 25); ganz ähnlich die von Bieberstein/Zitelmann zitierte grün-alternative ‚Kommune’ des Ex-KBW-Chefs Joscha Schmierer, die im „Antigermanismus“ eine „»Ersatzideologie für verunsicherte Linke«“ sehen will (Verweis bei Bieberstein 1991b: 131 bzw. 132, Anm.l44).Google Scholar
  289. 292.
    Vgl. etwa Grunenberg (1993) sowie Kowalsky (1992). — Armin Mohler rühmt die o.g. Veröffentlichung des Politologen Wolfgang Kowalsky als „heilsam“ für „diejenigen Konservativen, welche sich immer noch von der Auschwitz-Keule beeindrucken lassen“ (Mohler 1992j). — Der Rechtsextremismusforscher Hans-Gerd Jaschke, der zwar „die Versuche der Diskreditierung und der Funktionszuweisung von Antifaschisten als Helfershelfer des Sowjetkommunismus in der konservativen Wissenschaft und Publizistik“ kritisiert, schließt sich gleichwohl der Antifa-kritischen Position partiell an, wenn er schreibt: „Betrachtet man Antifaschismus als einen deutschen Mythos, dessen Weg vom Widerstand gegen den Faschismus über die Staatsdoktrin in der DDR bis hin zur plakativen Verwendung in zahllosen antifaschistischen Aktionsgruppen reicht, dann stellt sich die Frage nach seiner Verwendbarkeit heute. Vieles spricht dafür, ihn als ein Stück deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert zu betrachten, als Teil der politischen Biographie von Widerstandskämpfern aus der Arbeiterbewegung. Ebenso viel spricht dafür, ihn als eine pädagogische und politische Weltformel für den Kampf gegen rechts aufzugeben.” (Jaschke 1994, Online-Ausg. ohne Seitenz.).Google Scholar
  290. 293.
    Bemerkenswert die hierbei von Schrenck-Notzing vorgenommene Parallelisierung der konservativen bzw. links-alternativen Kritik an den „Komitees“ als „»Organisation des Hasses« (FAZ)” bzw. „»Verein der Wiedergänger« (taz)”.Google Scholar
  291. 294.
    Vgl. den von Monier (ebd.) besprochenen Band „Deutschland, was nun?” (Baring 1991a; vgl. auch ders. 1997). — Barings Wandlung vom „linksliberale[n] Jalta-Boy“ zum Neo-Nationalisten erhält von Mohler an anderer Stelle die höchsten Weihen: „... mit dem Furioso dessen, der etwas gutzumachen hat, zertrümmert er ... die von seiner Jalta-Generation aufgerichteten Tabus gleich serien-weis. Damit ist er genau das Gegenteil eines blossen Trittbrettfahrers. Auf ihn paßt eher der Vergleich mit jenem sagenhaften Winkelried, der ein Bündel Speere in seine Brust drückte, um fallend eine Bresche in die feindliche Linie zu reißen...” (1993e: 122). — Karlheinz Weißmann zählt Baring noch 1989 zu den „spätbekehrte[n] Anhänger[n] der Westintegration Adenauers“, die dem rechtskonservativen Bekenntnis zum Nationalstaat feindlich gegenüberstünden (1989a: 130). — Zur Kritik an Barings radikalem Positionswechsel nach der „deutschen Wende“ vgl. Antirassismusgruppe am FB Gesch.wiss./Projekt f. interdisz. Faschismusforschg. (PfiFf) der FU Berlin (Hrsg.) (1992: 18ff).Google Scholar
  292. 295.
    Den Anstoß zu dieser Überlegung soll Mohler zufolge Hans-Dietrich Sander gegeben haben (1991a: 343). — Im Interview mit der JF bekräftigt Mohler seine Forderung (1992k). — Vgl. auch die Anzeige des ‚Langen Müller’-Buchverlages zum „Nasenring“ in Criticón 128 (1991: 311), die Mohlers Position in beiden Teilen (Ende von NS- und DDR-Bewältigung) korrekt wiedergibt, während Carl Gustaf Ströhm anläßlich einer Besprechung des Buches die Forderung nach einer Generalamnestie hinsichtlich der DDR-Vergangenheit unterschlägt (Ströhm 199le). — Die Forderung nach Generalamnestie wird vereinzelt auch von Vertretern der Unionsparteien erhoben, so etwa von dem CSU-Politiker Peter Gauweiler, der für eine „nationale Aussprache“ plädiert (Gauweiler 1995).Google Scholar
  293. 296.
    Vgl. hierzu exemplarisch Mohler (1990g: 285).Google Scholar
  294. 297.
    Vgl. die bereits angeführten Beiträge von Fötisch (1989: 209) und Schmeidel-Roëlman (1990).Google Scholar
  295. 298.
    Zum ambivalenten Stasi-Bild in Criticón vgl. auch die Glosse von Jürgen Hofmann (1992b). — Vgl. ebenso die anerkennenden Worte Karlheinz Weißmanns zur Arbeit des KGB (1991e).Google Scholar
  296. 299.
    Zum „französischen Verfassungsparagraphen über den »oubli du passé« (Vergessen der Vergangenheit), der zur Erhaltung des inneren Friedes alle Nachforschung über die politischen Meinungen des Staatsbürgers unter dem voraufgehenden [sic!] Regime untersagt“ und „für lange Zeit der französischen Selbstzerfleischung ein Ende gemacht“ habe (1991a: 343f.) vgl. auch Mohlers weitere Ausführungen (ebd.: 120ff). Über die Konsequenzen einer Übernahme dieses Prinzips in die deutsche Rechtspraxis läßt Mohler den Leser nicht im Zweifel: „Ein vergleichbarer Paragraph sollte heute helfen, die Stasi-Akten aus dem Verkehr zu ziehen. Der Staat hätte die von ihm gehüteten oder von ihm zu beschlagnahmenden Akten zu vernichten. Wer gleichwohl einem Mitbürger seine politische Vergangenheit vorwirft, sollte harten Bußgeldern unterworfen werden, die proportional zum Einkommen des Verleumders festzulegen wäre[n]; im Wiederholungsfalle wären zusätzlich Haftstrafen zu verhängen.” (344). — Vgl auch Rudolf Augsteins Plädoyer für die Aktenvernichtung, auf welches Jörg Schneider verweist, der in Criticón die Gegenposition vertritt (1992: 78)Google Scholar
  297. 300.
    Der Bundeswehr-Reserveoffizier Joachim Weber setzt sich eingehend in Criticón mit den Thesen des rechtsgewendeten Pazifisten und heutigen neu-rechten Aktivisten Alfred Mechtersheimer auseinander und unterstreicht hierbei, daß sich dieser „mit Vehemenz gegen die einzig in Deutschland verbreitete Vorstellung [wende], daß man, um national zu sein, auch rechts sein müsse, oder — auf den Adressaten gemünzt — daß, wer links oder ökologisch sei, auch antinational sein müsse“ und zieht hieraus den Schluß: „»National sein« also in allen Lagern als Gebot der Stunde!” (Weber, J. 1993). — Der von Bruno Bandulet herausgegebene Informationsdienst ‚G & M Geopolitik und Finanz’ („»Deutschlands erster geopolitischer Informationsdienst«“) wirbt mit der wilhelminisch anmutenden Formel „Die Deutschen unterscheiden sich nicht mehr nach Parteien, sondern nach Informierten und Desinformierten.” unter Criticón-Lesern um Abonennten (Criticón 133, 1992: 256).Google Scholar
  298. 301.
    Widerspruch gegen derlei Hoffnungen erfolgt noch im selben Heft: Der neu-rechte Aktivist und JF-Redakteur Hans-Ulrich Kopp unterstreicht anläßlich einer Betrachtung der bundesdeutschen Presselandschaft: „Die fortgesetzte Austrocknung der kommunistischen Publizistik ist nicht etwa den Konservativen, sondern allein dem permissiven Establishment zugute gekommen. Während es in den zwanziger Jahren noch häufig und in der Nachkriegszeit gelegentlich vorkam, daß sich bekehrte Marxisten unmittelbar der Rechten anschossen, ist heute nicht der geringste Ansatz hierfür zu erkennen.” (Kopp 1992: 106). — Zu Pieper und dem von ihm 1991 ins Leben gerufenen Berliner ,Dienstagsgespräch„ welches 1994 eine Koalitionskrise im Berliner Senat auslöst, vgl. die Angaben bei Mecklenburg (Hrsg.) (1996: 507f. u. 189f.) sowie bei Junge/Naumann/Stark (1997: 152ff.).Google Scholar
  299. 302.
    Vgl. die späteren Auseinandersetzungen um den Rechtsschwenk der ehemaligen APO- bzw. SDS-Aktivisten Horst Mahler und Bernd Rabehl (hierzu Kraushaar 1999).Google Scholar
  300. 303.
    Ähnlich Klaus Motschmann, der den Kollaborationsvorwurf noch um eine geschichtsrevisionisti-sche Komponente bereichert: So wendet er sich unter Berufung auf Jens Hacker gegen den „Grundirrtum, daß die Spaltung Deutschlands und der Verlust der nationalstaatlichen Existenz »allein auf die abenteuerliche [sic!] Politik Hitlers« zurückzuführen sei“ und stellt erstere in den Kontext der „Nachkriegspolitik der ehem. Alliierten im Kampf um die Neuordnung der Welt“. Die „weltgeschichtlichen Rahmenbedingungen“ für die Teilung Deutschlands seien über viele Jahre hinweg verdrängt worden: „Die »Verinnerlichung« aller gegen und die »Tabuisierung« aller für die Wiederherstellung der deutschen Einheit bekannten Argumente war im Jahre 1989 so weit vorangeschritten, daß es von zahlreichen namhaften Bedenkenträgern eindringliche Warnungen vor der Wiederherstellung eines deutschen Nationalstaates gab — ganz im Sinne der vierzigjährigen volkspädagogischen Geschichtsklitterungen zu diesem Thema. [...] ... der Leser stellt sich die Frage, welche Konsequenzen derartig eklatante Defizite des politischen Orientierungs- und Gestaltungsvermögens unserer politischen Klasse für die Bewältigung der großen Zukunftsaufgaben unseres Volkes haben muß. Wo gibt es bislang eine ernsthafte Aufarbeitung dieser deutschen Vergangenheit?” (Motschmann 1992c: 202).Google Scholar
  301. 304.
    Unter direkter Bezugnahme auf Heißig schreibt Schüßlburner: „Die Bewältigungsfrage, die sich aktuell stellt, ist die, ob bei der Nachkriegspolitik ein moralisch vertretbares, oder gar gebotenes Mitwirken an der Westpolitik zugunsten deutscher Interessen vorliegt, oder eine moralisch (oder gar rechtlich) zu verurteilende Unterwerfung unter fremde Interessen.” (1994b: 93).Google Scholar
  302. 305.
    Schüßlburner geht auch hier einen Schritt weiter und plädiert für einen erneuerten Nationalismus: Vor dem Hintergrund der „Westkollaboration“ könne „als Souveränitätsgewinn im Grundsatz jedes Ausgreifen nach rechts bestimmt werden, während links Unterwerfungsbereitschaft [besiegle]”. „Rechts“ und „links“ bestimmten sich hierbei weniger „nach der traditionellen Anordnung des politischen Spektrums“ sondern nach „der Einstellung zum demokratischen Nationalstaat.” Dies expliziert Schüßlburner wie folgt: „In diesem Sinne war ein Politiker wie der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher, der mit friedlichen Mitteln um jeden Quadratmeter Boden in Ostdeutschland kämpfen wollte, (für Zeiten des Antifaschismus) verfassungsschutzverdächtig weit rechts, während eine politische Figur wie der spätere Bundespräsident Heuss als links einzustufen ist, wenn er sich als Mitglied des Parlamentarischen Rats im September 1948 über jene »ganz Gescheiten« lustig machte, die sich gegenüber den Alliierten auf das Völkerrecht berufen wollten.” (1994b: 93).Google Scholar
  303. 306.
    Vgl. Schrenck-Notzings bereits verschiedentlich erwähntes Hauptwerk „Charakterwäsche. Die amerikanische Besatzung in Deutschland und ihre Folgen“ (1965), welches 1993 bei Ullstein neu aufgelegt wird (vgl. hierzu die Notiz „Die Charakterwäsche ist wieder da!” in: Criticón 140, 1993: 287); vgl. auch Schrenck-Notzings Bezugnahmen in Criticón, etwa anhand des Golfkrieges (1991a) und im Zusammenhang mit Überlegungen zum Begriff der „politischen Kultur“ (1992d).Google Scholar
  304. 307.
    Vgl. etwa Günter Rohrmosers Auffassung der Re-education als „»ganz bewußt herbeigeführte[r] Trennung der Deutschen von ihrer Geschichte in der Zeit nach 1945«“ (ders., zit. b. Hahn, K.-E. 1995: 52).Google Scholar
  305. 308.
    Hornung schreibt bereits im Frühjahr 1989: „Es gibt Tabuisierungen, die heute bei vielen verhindern, kontroverse Fragen mit offenem Visier zu erörtern und zu lösen, also jenen Vorgang, den Gerd-Klaus Kaltenbrunner mit der Formel treffend umschrieb, Adolf Hitler bestimme immer noch die Richtlinien der deutschen Politik, wenn auch mit umgekehrtem Vorzeichen. Wer die Gegenwart nur unter dem Filter der Vergangenheit wahrnimmt, kommt zu gravierenden Fehleinschätzungen und zu einer Lähmung des politischen Willens. [...] Ausländer- und Asylpolitk werden in der nächsten Zeit von Linksaußen bedenkenlos zu zentralen Feldern des innenpolitischen Machtkampfes gemacht werden. Wieder einmal wird hier eine totalitäre Gesinnungs- und Tugendpolitik praktiziert, die an ihre jakobinischen Ursprünge vor 200 Jahren erinnert.” (ebd.). — Ähnlich ders. (1989b).Google Scholar
  306. 309.
    Vgl. exemplarisch Sohn (1995a: 56): „Die Rebellion der 89er gegen die 68er hat ein antiautoritäres Element. Sie zielt auf die Brechung von Machtstrukturen und geistig-politischen Machtverhältnissen. Im Grunde klagt sie ein, was Habermas verkündet, was sich jedoch bei der Linken als Verschleierungsideologie entpuppt hat, nämlich den herrschaftsfreien Diskurs. Zum Leidwesen von PC-Kommissar Habermas.”Google Scholar
  307. 310.
    Die Neue Rechte nimmt hierbei eine der zentralen Aussagen des zu Ende der 90er Jahre erscheinenden „Schwarzbuches“ vorweg, welches die Opfer kommunistischer Regime weltweit zu bilanzieren sucht (Courtois et al. 1998). Herausgeber Courtois schreibt im Vorwort der französischen Ausgabe: „Die Fakten zeigen, daß die kommunistischen Regime Verbrechen begangen haben, die ungefähr 100 Millionen Menschen betreffen, gegenüber ungefähr 25 Millionen beim Nazismus. Diese simple Feststellung muß zumindest zu einem vergleichenden Nachdenken anregen über die Ähnlichkeit zwischen einem Regime, das ab 1945 als das kriminellste des Jahrhunderts betrachtet wurde, und dem kommunistischen System, das bis 1991 seine internationale Legitimität bewahrte und bis heute in bestimmten Ländern an der Macht ist und Anhänger in der gesamten Welt behält.” (zit. n. Schmid 1997). — Zur Kritik vgl. Mecklenburg/Wippermann (Hrsg.) (1998).Google Scholar
  308. 311.
    Vgl. hierzu ebenso Wenzel (1993b) sowie Razumovsky (1994: 22f). — Vgl. auch die Parallelisie-rungen bei Löw (1995) sowie die obengenannten Ausführungen Posts zum deutschen Überfall auf die UdSSR.Google Scholar
  309. 312.
    Motschmann betont offenherzig hinsichtlich Hornungs Thesen: „Entstehende Ähnlichkeiten zu der von Ernst Nolte vertretenen These der gegenseitigen Bedingtheiten von Kommunismus und Nationalsozialismus sind gewiß nicht zufällig, sondern ein weiterer Beweis für die Tatsache, daß eine entideologisierte Geschichtsschreibung zu ähnlichen oder gar übereinstimmenden Ergebnissen gelangt.” (ebd.). — Für Schüßlburner stellt die Sowjetunion die „übelste politische Erscheinung des 20. Jahrhunderts“ dar, die „erst ein Phänomen wie den deutschen Nationalsozialismus mit seinem spezifischen Antisemitismus denkbar gemacht hat“ (1991b: 61); der Historikerstreit von 1986/87 habe sich, merkt Schüßlburner (nicht ohne Realitätsbezug) an, „in Wirklichkeit gar nicht um die Singularitätsthese, sondern um die Kausalität [gedreht], und da geht nun mal ein Trotzki Hitler voraus“ (ebd.: 65, Anm.2). — Vgl. auch ders. (1991d); hier die Bemerkung zu den „den Hitlerschen vorangegangenen bolschewistischen Verbrechen“ (245). — Wenzel hebt die Bewunderung Goebbels’ für Stalin hervor (1993b: 190), Razumovsky zählt ersteren umweglos zu den „Nachfolgern und Nachahmern Lenins“ (1994: 22).Google Scholar
  310. 313.
    Vgl. auch Otto Wenzels Versuch einer Aufrechnung in diesem Sinne: „Stalin wurde bei der Ermordung möglicher Nebenbuhler Hitlers gelehriger Schüler, übertraf ihn aber ... bei weitem.” (1993c: 197). Auch die von Wenzel angegebenen Zahlen zu den hauptamtlichen und inoffiziellen Mitarbeitern des DDR-MfS (85.000 bzw. 180.000), die er der Mitarbeiterzahl der Gestapo im Jahr 1944 (ca. 30.000) gegenüberstellt (ebd.; 296, 297, Anm.24), sollen die These von der totalitären Überlegenheit’ des realen Sozialismus stützen — wobei freilich, neben der generellen Fragwürdigkeit dieses Vergleichs, zu beachten ist, daß die Gestapo nur ein Teil eines weitaus größeren Sicherheitsapparates im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) war, die o.g. Zahlen mithin schon aus diesem Grunde wenig über die Dimension von Überwachung und Bespitzelung im „Dritten Reich“ aussagen.Google Scholar
  311. 314.
    Die auch von den Verfassungsschutzämtern vorgenommene Gleichsetzung von links- und rechtsextremen Bestrebungen zieht sich wie ein roter Faden durch die Criticon-Beiträge zum Thema, wobei gelegentlich auf „qualitative Unterschiede zwischen den stark angestiegenen rechtsextremistischen Gewalttaten und den von Linksextremisten“ hingewiesen wird. Die Zielrichtung von derlei Differenzierungen wird deutlich, wenn Andreas Zehnter hierbei aus halbamtlichen Polizeiquellen zitiert, die eine größere Gefährdung der inneren Sicherheit durch linksextreme Gruppierungen nahelegen (1992: 185). — Zur Gleichsetzung vgl. insbesondere die Beiträge Schrenck-Notzings; so etwa die Parallelisierung der Übergriffe auf Alain de Benoist durch Autonome mit den ausländerfeindlichen Pogromen in Deutschland (1993d), die Gleichsetzung der Kritik an der Neuen Rechten mit den „Stalinschen Schauprozessen“ (1994d) sowie der PDS mit den rechtsextremen REP (1994g).Google Scholar
  312. 315.
    Dies im Zusammenhang mit den 1993/94 einsetzendenDebatten um die Neue Rechte (vgl. 4.4.3).Google Scholar
  313. 316.
    Vgl. ebenso ders. (1991b: 127). — Vgl. auch die retrospektive Verurteilung Lion Feuchtwangers bei Ow (1991: 312, 1992), Hornung, K. (1993c: 149) und Razumovsky (1994: 25).Google Scholar
  314. 317.
    Vgl. ebd.: 35; Schüßlburner verweist auf Pol Pots Studium im Paris der 50er Jahre, dessen geistiges Klima von der KPF und „vom Existentialismus des Edelkommunisten Sartre“ geprägt gewesen sei (ebd.). — Im selben Heft stellt Andreas Razumovsky die Behauptung auf, Pol Pot sei, zusammen mit Daniel Cohn-Bendit, auch am „Pariser Mai“ 1968 beteiligt gewesen (1994: 26), was jedoch angesichts der zeitlichen Nähe zu jenen Ereignissen in Kambodscha, an denen Pol Pot nachweislich beteiligt war, zumindest fragwürdig erscheint.Google Scholar
  315. 318.
    Den Vorwurf der direkten Mitschuld am Völkermord in Kambodscha wiederholt Razumovsky in derselben Criticón-Ausgabe (1994: 26; hier der Abschnitt „Eine Frage an Daniel Cohn-Bendit“).Google Scholar
  316. 319.
    So nimmt der neu-rechte Hardliner die selbstkritischen Rückblicke Michael Sontheimers zum Umgang der Linken mit den im kommunistischen Namen begangenen Verbrechen zum Anlaß, eine harte und unversöhnliche Haltung gegenüber der Linken einzufordern, wobei er deren einstiges internationalistisches Engagement mit der pro-nationalsozialistischen Haltung der Elterngeneration in eins setzt bzw. als die moralisch verwerflichere Haltung interpretiert: „Ich meine, man sollte gegenüber einer Generation, die in einem anderen Zusammenhang nicht vor den abstrusesten Schuldzurechnungen zurückschreckt (»zweite Schuld«), dieses Eingeständnis an Ignoranz, ideologischer Komplizenschaft und Verdrängung nicht durchgehen lassen. Anders als ihre Vätergeneration, die wirklich vieles nicht wissen konnte, lebte diese 68er-Generation ja in einem Land, in dem man sich durchaus, wenn man wollte, informieren konnte. Wenn man sich unter diesen Umständen auf ein politisches Engagement zugunsten der Brüder im Geiste einließ, dann besteht dafür — im Gegensatz zur Situation der Vätergeneration — die volle moralische und politische Verantwortung.” (ebd.).Google Scholar
  317. 320.
    Vgl. die bereits angeführten Aussagen von Joachim Fest, Manfred Kanther, Peter Schneider, Botho Strauß et al. — Zur Rolle der 68er-Revolte als „neue[m] Sündenbock“ vgl. Assheuer (1993b). — Typisch für die denunziatorische Kritik der Nachwachsenden zum Zweck der eigenen Profilierung der „offene[] Brief zum Geburtstag der 68er Bewegung“ von Jörg Tremmel in dem Hochschul-Anzeigenblatt ‚Unicum’: „Überall habt Ihr Tabus und Redeverbote aufgerichtet, und noch immer versucht Ihr zu bestimmen, was »politisch korrekt« gesagt werden darf und was nicht. Es ist diese Überheblichkeit, die meine Generation, die 89er, so ärgert.” (Tremmel 1998)Google Scholar
  318. 321.
    Vgl. hierzu etwa Steinbuch (1990: 194). — Klaus Hornung sieht sich an die „säkularen Kathedralen unserer Großkaufhäuser“ erinnert: „...ohne Fenster nach außen, im Inneren künstliches Licht und künstliche, ungesunde Temperaturen“ (1991a: 16) und verweist in diesem Zusammenhang auf Ernst Forsthoffs Kritik an der Bundesrepublik als „reine[m] Typus des »Staates der Industriegesellschaft« ..., der den »Ernstfall« bestenfalls noch in Gestalt sinkenden ökonomischen Wachstums erkennen kann“ (ebd.).Google Scholar
  319. 322.
    Vgl. etwa Schrenck-Notzings Kritik an der vermeintlichen „Zensur“ in den bundesdeutschen Medien, die er in Anlehnung an den ehemaligen ORF-Intendanten Gerd Bacher mit Orwells „Großem Bruder“ vergleicht (Schrenck-Notzing 1993i). — Die genannten Autoren werden bereits vor dem „Epochenbruch“ für die neu-rechte Kritik an der bundesdeutschen Wirklichkeit vereinnahmt (exemplarisch Rassem 1983 sowie Schrenck-Notzing 1984), wobei die Häufigkeit der Verweise im Zeichen der allseitigen „Utopiekritik“ zu Beginn der 90er Jahre deutlich zunimmt (vgl. Weißmann 1991f: 238).Google Scholar
  320. 323.
    Kurt Heißig etwa kritisiert die „ideologisch bedingten Fehlleistungen des real existierenden Liberalismus, unter dessen totalitärer Herrschaft wir leben“ (1992a: 37). — Die Engführung von Demokratie und Totalitarismus steht häufig in Verbindung mit einer Tocqueville-Rezeption, die, abhängig vom jeweiligen politischen Standort, stark differiert: Führt etwa der Christdemokrat Klaus Hornung den Denker als Verweisinstanz für die der Demokratie inhärente „»totalitäre Versuchung«“ im Sinne eines jederzeit möglichen „despotische[n] Umschlag[s]” an (1995: 71; vgl. in diesem Sinne auch die differenzierte Darstellung bei Kraus 1992: 96), so vereinnahmt Criticón-Autor Erik von Kueh-nelt-Leddihn Tocqueville für seine vernichtende Kritik am „demokratische[n] Versorgungsstaat“ (1994: 8) bzw. an der Demokratie insgesamt (vgl. 1992b; hier etwa die Behauptung, daß Tocqueville die Demokratie „selbstverständlich ablehnte“ sowie die bedauernde Feststellung, daß dieser „die Militärdiktatur (als Reaktion) ... damals noch nicht ins Kalkül [zog], obwohl er doch die bonaparti-stische Erfahrung hatte“). — Zur frühen Engfiihrung von Total itarismus und Demokratie im Konservatismus, hier bei Schelsky, vgl. die Darstellung bei Kurt Lenk (1989: 197ff); hier auch eine deutliche Zurückweisung der pauschalen Vereinnahmung Tocquevilles für die konservative Kritik an der Demokratie (96f).Google Scholar
  321. 324.
    Vgl. hierzu Frank (1996), Huhnke (1999), Auer (2000) sowie Dietzsch/Maegerle (1998), hier ins-bes. den Überblick über die Verwendung des Begriffes in der konservativen und rechten Presse.Google Scholar
  322. 325.
    Vgl. exemplarisch die Angriffe Henryk M. Broders im ‚Spiegel’ sowie die Replik von Gunter Hofmann (1996).Google Scholar
  323. 326.
    Vgl. Behrens/Rimscha (1995) sowie das von neu-rechten Tönen durchzogene Themenheft »Political Correctness« der ‚Bundeszentrale für politische Bildung’ (‚Aus Politik und Zeitgeschichte’ 21–22, 1995); hierin insbes. die Beiträge von Kurthen/Losey (ebd.: 3ff), Stephan (ebd.: 14ff), Papcke (ebd.: 19ff). — Vgl. auch die Besprechung der genannten Veröffentlichungen bei Schrenck-Notzing (1995g). — Zur breiten Debatte über PC vgl. auch Junge/Naumann/Stark (1997: 16ff).Google Scholar
  324. 327.
    Der Begriff wird Behrens/Rimscha (1995) zugesprochen, die auch den Historikerstreit hierunter subsummieren (vgl. Huhnke 1999: 26), was Caspar von Schrenck-Notzing sofort in Criticón aufgreift: „Die Bundesrepublik ist der ideale PC-Staat. Zu den beiden PC-Kriterien Rasse und Geschlecht tritt ein drittes Kriterium: die eigene Vergangenheit. Behrens und Rimscha sprechen darum auch von »Historischer Korrektheit« (HK). Noch ehe sich in den USA PC etablierte, hatte Deutschland im sog. »Historikerstreit« eine erste große HK-Kampagne.” (Schrenck-Notzing 1995g). — Auch andernorts stößt das Konstrukt auf dankbare Aufnahme: Dietzsch/Maegerle (1998) zitieren aus dem ‚Deutschland-Magazin’ den „PC-Resolutionsentwurf des Kreisverbandes der »Jungen Union« Wiesbaden“, der vom hessischen JU-Landesverband „in einer »etwas abgeschwächte[n] Fassung«“ verabschiedet worden sei und dem PC-Diskurs der Neuen Rechten exakt entspricht: „Beseelt von dem hehren Wunsch, daß sich mit einer Humanisierung der Sprache auch die Welt verbessern ließe, treten Politisch Korrekte zunehmend für strenge Sprachregelungen ein, hinter denen der Wunsch nach Denkregelungen steht und hin und wieder bereits deren Verwirklichung. Der Terror der Gutwilligen trägt neue Denkverbote in unsere Gesellschaft, die dem nur der Wahrheit und der Freiheit verpflichteten Geist der Aufklärung in Deutschland das Licht auszublasen drohen. Wir sind der festen Überzeugung: Eine schwindende Sozialmoral (...) läßt sich nicht durch den ritualisierten Hinweis auf die millionenfachen Morde der Nazis kurieren.” (zit. ebd.). — Auch der ‚Focus’-Journalist Michael Klonovsky, stets dankbar für neu-rechte Anregungen, bedient sich bei seiner „primitive[n] PC-Polemik“ (ebd.) aus dem Begriffsarsenal seiner Berufskollegen (vgl. Klonovsky 1995).Google Scholar
  325. 328.
    Mohlers Behauptung, daß sich, im Gegensatz zur FAZ, die Berliner taz „ernsthaft“ mit Weißmann auseinandersetze, hält einer Überprüfung nur insofern stand, als daß die taz-Rezension von Jürgen Gottschlich (1992) eine durchaus gründliche Analyse des Textes gibt und — dies keine Selbstverständlichkeit — diesen in den zugehörigen politisch-ideologischen Zusammenhang stellt. Eine Weißmann gegenüber ‚aufgeschlossenere’ Haltung, wie sie Mohler zu insinuieren versucht, kann hieraus mitnichten abgeleitet werden — Mohlers Implikationen sind in erster Linie dem Bemühen geschuldet, Berührungsflächen nach links zu schaffen.Google Scholar
  326. 329.
    Der denunziatorische NS-Vergleich auch bei Herbert Kremp, der sich im Zusammenhang mit der PC-Debatte an „Denkgebote und Denkverbote einer Zeit, in der von »Sprachregelungen« die Rede war“ erinnert fühlt (1994: 82).Google Scholar
  327. 330.
    Vgl. die gleichnamige ‚Merkur’ Sondernummer 522/523 (Bohrer/Scheel (Hrsg.) 1992).Google Scholar
  328. 331.
    Neben den, Merkur-Beiträgen, die PC und den Multikulturalismus — und parallel hierzu die bundesdeutsche Entwicklungshilfe — ins Zwielicht setzen (vgl. die Ausführungen Mohlers zu den Beiträgen von Robert Hughes, Berndt Ostendorf und Siegfried Kohlhammer), hebt Mohler einen Aufsatz mit dem Titel „Der gute Mensch“ von Eberhard Rathgeb und Thomas Steinfeld hervor, in dem er die tragische Anthropologie des Konservatismus wiedererkennt, wonach der Mensch gute und schlechte Eigenschaften nur mühevoll in sich vereine und insbesondere seinem „Selbsterhaltungs-trieb[]“ verpflichtet sei (ebd.: 42f.). — Mohler kritisiert freilich, daß sich die neuen Grenzgänger „beim Essen der verbotenen Früchte immer noch etwa unsicher [umschauten]“ : „Die schärfsten Hiebe, welche Rathgeb/Steinfeld den »guten Menschen« verpassen, sind wörtliche Carl-Schmitt-Zitate, von denen sie sich dann sogleich als gute Demokraten distanzieren. Von den übrigen deutschen Mitarbeitern werden... ähnliche Überlebensstrategien entwickelt.“ — Vgl. auch die ambivalente Bewertung des Bohrer-Aufsatzes „Deutsche Revolution und protestantische Mentalität“ , dessen Attacken auf das „»protestantische Gespräch«“ Mohler nicht von ungefähr an Carl Schmitt gemahnen: „... schließlich ist das »endlose Gespräch« des Protestantismus das genaue Gegenteil jenes Versuches, »einen Kanon von unverrückbaren Wahrheiten zu zementieren«“ .Google Scholar
  329. 332.
    Vgl. exemplarisch die Präsentationsformen und öffentliche Rezeption der ‚Harald Schmidt Show’ (SAT 1). — Der Meister der deutschen Late-Night-Comedy bekommt für seine ‚politisch inkorrekten’ Frauen- und Ausländerwitze massiven Beifall im rechten Lager: Die ‚Junge Freiheit’ feiert Harald Schmidt, „weil er sich den »pc-Blockwarten« widersetzt“ (zit. n. Huhnke 1999: 26); das der NPD nahestehende Anzeigenblatt ‚Freiheit Wattenscheid’, das sich für eine „»Nationale Opposition«“ stark macht und gegen die „»Ausländerflut im deutschen Sport«“ zu Felde zieht, äußert sich 1998 erfreut über eine Zuschrift der ‚Harald-Schmidt-Show’, in der der Herausgeber des Blattes, Michael Frank, in die Sendung des „»Kabarettisten wider die Gedankenzensur«“ eingeladen wird (vgl. die Meldung „Post von Harald Schmidt“ in: ‚Antifaschistische Nachrichten’ 6, 1998, online in Internet: URL: http://www.infolinks.de/an/1998/06/008.htm [Stand: 24.01.2001]).
  330. 333.
    Der Aufsatz steht nicht nur am Anfang von Schwilk/Schachts bereits mehrfach erwähnten Sammelband „Die selbstbewußte Nation“ von 1994 — er gibt auch den Untertitel („»Anschwellender Bocksgesang« und weitere Beiträge zu einer deutschen Debatte“ ) für das Buch ab.Google Scholar
  331. 334.
    Die Eingemeindung des Textes in die neu-rechte Debatte geschieht entgegen anderslautenden Vermutungen mit ausdrücklicher Billigung des Dichters (Herzinger/Stein 1995: 59). Strauß hat zwar eigenen Angaben zufolge später Einspruch gegen die Verwendung des Aufsatztitels im Titel der „Selbstbewußten Nation“ erhoben, nimmt jedoch keinerlei Anstoß an den Ko-Autoren bzw. dem Band selbst: „»Man zeigte mir eine Namensliste, und ich war damit einverstanden. Die einzelnen Beiträge habe ich vorher nicht gekannt und ich kann auch jetzt, wo ich sie kenne, nicht finden, daß auch nur einer so anstößig wäre wie mein eigener.«“ (Strauß, B. 1994). — Bereits in einem Strauß-Essay aus dem Jahre 1990 sind etliche der zentralen Thesen des „Bocksgesangs“ — so etwa die Klage über das von den Medien beherrschte Wort und die „demokratische[] Vereinnahmung des Herrlichen“ sowie die Vision einer „revelatische[n] Befreiung des Menschen“ durch einen „Akt von fundamentalistischer Gewalt“ — entwickelt (vgl. Strauß, B. 1990: 311 u. 318). Strauß beruft sich hierbei auf die reaktionären Denker Julius Evola, Mircea Eliade und Nicolás Gómez Dávila (314f).Google Scholar
  332. 335.
    Zur frühen Annäherung des Dichters an das Gedankengut der deutschen Rechten vgl. Mohlers weitere Ausführungen (ebd.), die Criticon-Berichterstattung in den 80er Jahren sowie Huhnke (1998).Google Scholar
  333. 336.
    Strauß führt aus: „Wir warnen etwas zu selbstgefällig vor den nationalistischen Strömungen in den osteuropäischen und mittelasiatischen Neu-Staaten. Daß jemand in Tadschikistan es als politischen Auftrag begreift, seine Sprache zu erhalten, wie wir unsere Gewässer, das verstehen wir nicht mehr. Daß ein Volk sein Sittengesetz gegen andere behaupten will und dafür bereit ist, Blutopfer zu bringen, das verstehen wir nicht mehr und halten es in unserer liberal-libertären Selbstbezogenheit für falsch und verwerflich.“ (zit. b. Mohler 1993e: 124). — Die exakte Übereinstimmung mit dem Diskurs der Neuen Rechten bezeugt der Schmittianer Josef Schüßlburner, der noch vor Erscheinen des Bockgesangs zur „Ideologie des Bürokratismus“ vermerkt: „Der Feind wird im Nationalstaat gesehen und zwar auch — oder gar besonders — im demokratisch strukturierten. Daß jemand sein Leben im Kampf um Herstellung und Bewahrung der nationalen Unabhängigkeit riskiert, muß dieser Weltsicht faschismusverdächtig vorkommen... Ein Euroliberaler geht ein derartiges Risiko allenfalls beim Kampf ums Buffet und bei der Verwirklichung seines Menschenrechts auf sexuelle Selbstbestimmung ein.“ (Schüßlburner 1992a: 25).Google Scholar
  334. 337.
    Letzteres auch zit. b. Mohler (1993e: 123). — Im ‚Spiegel’, der Strauß nachdrücklich verteidigt, wird eben dieses Zitat (unter Weglassung der Passage „... innerhalb seiner Interessensphäre“ !) als Beispiel für die vermeintliche Distanz des Dichters zu rechtsextremen Positionen angeführt: „Es gehört schon viel intellektuelle Selbstherrlichkeit dazu, vom Werk und dem, was Strauß tatsächlich in seinem Essay geschrieben hat, weitgehend abzusehen und ihn derart an den Pranger zu stellen. [...] Der Neonazi wird in dem Essay ausdrücklich zum »ärgsten, erbittertsten Feind«, der vom »Rechten«, wie Strauß es meint, so weit entfernt sei wie ein Hooligan vom Fußballfreund.“ (vgl. ‚Der Spiegel’ 16, 1994: 169). Die unkritische Strauß-Apologie schließt auch weitergehende Attacken auf die Kritiker des „Bocksgesangs“ ein: Ignatz Bubis, als Wortführer der „in Deutschland lebenden Juden“ bezeichnet, wird nicht nur im Interview wegen seiner „Intellektuellenschelte“ belehrt, auch die Kritik des Zentral ratsvorsitzenden an führenden Exponenten der Neuen Rechten wird süffisant kommentiert: „Der Historiker Ernst Nolte und der Welt-Redakteur Rainer Zitelmann sind nunmehr die bösen intellektuellen Buben im Visier von Bubis: Er warnt vor diesem »neuen Extremismus ehemals gemäßigter Konservativer«.“ (170).Google Scholar
  335. 338.
    Zu der im „Bocksgesang“ aufscheinenden „Sehnsucht nach dem Blutopfer“ und zu Strauß’ Ideengeber René Girard vgl. die erhellende Darstellung bei Herzinger/Stein (1995: 190ff.)Google Scholar
  336. 339.
    Zur Rezeption des Aufsatzes merkt Mohler an: „Das Echo in der Öffentlichkeit war so intensiv wie flächendeckend und voller Überraschungen. Die einen beschimpften Botho Strauß als sensationslustigen Spinner, der literarisch gewaltig überschätzt werde und nicht einmal richtig deutsch schreiben könne; sie denunzierten ihn als Verräter (am liberalen Konsens) und, wie nicht anders zu erwarten, als »Faschisten«, oder gar, Gipfel der Bosheit unter Genossen, als »Salon-Faschisten«. Daß die rechten Organe, von der »Jungen Freiheit« bis zu »Nation Europa« jubelten, kann man ihnen nachfühlen. Auffällig jedoch und ein erfreuliches Symptom war, daß die zahlreichen Verteidiger von Strauß, die auch für ihn die Meinungsfreiheit in Anspruch nahmen, sich in recht eigenwilliger Weise über die politische Landkarte verteilten. Sogar die Hamburger »Zeit« begann zu wackeln: nachdem Botho Strauß dort zunächst in der üblichen Weise vors Ketzergericht gezerrt wurde, durfte ihn der Philosoph Eckhard Nordhofen... über zwei »Zeit«-Seiten hinweg verteidigen...“ (ebd.: 122).Google Scholar
  337. 340.
    Mohler rekurriert hierbei auf die Kritik, die Strauß am „Sinnenbetrug“ durch das „elektronische[] Schaugewerbe“ übt (Strauß, B. 1993: 206f.) und zitiert die Schlüsselsätze der Straußschen Philippika: „Das Regime der telekratischen Öffentlichkeit ist die unblutigste Gewaltherrschaft und zugleich der umfassendste Totalitarismus der Geschichte. Es braucht keine Köpfe rollen zu lassen, es macht sie überflüssig. Es kennt keine Untertanen und keine Feinde. Es kennt nur Mitwirkende, Systemkonforme.“ (ebd.: 207; zit. b. Mohler 1993e: 124).Google Scholar
  338. 341.
    Schrenck-Notzing zitiert hier aus der seit 1981 mit Criticón vereinigten Zeitschrift ‚Konservativ — heute’. — Bereits zum zehnjährigen Criticon-Jubiläum schreibt Schrenck-Notzing rückblickend: „Inmitten der Hoffnungsphilosophien vertraten wir das konservative Prinzip Wirklichkeit, inmitten der Berauschten die nüchterne Vernunft, inmitten der formierten Meinung der Medien die ihrer Grenzen bewußte Gegenstimme, inmitten der Politik der Politiker den Primat der Kultur. Unsere Zeitschrift war der münchhausensche Zopf, an dem sich Einzelne aus dem Sumpf des anpassungsmächtigen Zeitgeistes zogen.“ (Schrenck-Noting 1980d). — Das Editorial zur 150. Nummer stellt das Criticón-Projekt explizit in dieselbe Tradition wie den „Bocksgesang“ : „Sich dem »Drill des Vorübergehenden«, für Botho Strauß die Wirkungsweise der telekratischen Öffentlichkeit, zu entziehen, sich aber nicht in Diogenes’ Tonne zu verkriechen, ist eine herausfordernde publizistische Aufgabe, die nicht an Auflagezahlen gemessen werden kann.“ (Criticón 150, 1996: 67).Google Scholar
  339. 342.
    Zu Ernst Jünger, auf den sich Sohn hier explizit bezieht, und dessen Vordenkerrolle für die Neue Rechte vgl. Seferens (1998).Google Scholar
  340. 343.
    Sohn betont: „Waldgänger sind jene, die vereinzelt und heimatlos geworden sind, die sich der Vernichtung [sic!] ausgesetzt sehen. Das könnte das Schicksal vieler, ja aller sein — es muß also noch eine Bestimmung hinzukommen. Diese liegt darin, daß der Waldgänger Widerstand zu leisten entschlossen ist und den, vielleicht aussichtslosen, Kampf zu fuhren gedenkt. Waldgänger sind also jene, die ein ursprüngliches Verhältnis zur Freiheit besitzen.“ (ebd.); zum Waldgänger-Typus des „Dandies“ bemerkt er: „Zwar kann der Dandy die Erosion und den Verfall des Parteienstaates nicht aufhalten. Den Untergang erlebt er allerdings mit Würde und Haltung. (129).Google Scholar
  341. 344.
    Obwohl Sohn kurz vorher explizit auf Strauß verweist, macht er seine folgenden Ausführungen, z.T. wortgleiche Zitate aus dem „Bocksgesang“ , nicht als solche kenntlich (zum obenstehenden Zitat vgl. Strauß 1993: 206); vgl. auch den nächsten Abschnitt: „Der Widerstand ist heute schwerer zu haben, der Konformismus ist intelligent, facettenreich, heimtückischer und gefräßiger als vordem.“ (Sohn 1993b: 129/Strauß, B. 1993: 207).Google Scholar
  342. 345.
    Frank verweist auf den damit verbundenen Effekt, „daß die Gegenpositionen plötzlich chic werden: Es kann wieder ganz unbefangen von der »Zähigkeit afrikanischer Untugenden wie Nepotismus und Kleptomanie« gesprochen werden, oder, als wäre das eine Offenbarung, festgestellt werden, »daß die Selbstverwirklichung von Frauen auf Kosten der Kinder geht« (Behrens und Rimscha 1995...).“Google Scholar
  343. 346.
    Vgl. Razumovsky (1994); die ungekürzte Originalfassung des Beitrages in Höbelt/Mölzer/Sob (1993: 337ff.). — Der Autoren- und Herausgeberkreis sowie die Beiträge des FPÖ-Jahrbuches sind mit Criticón teilidentisch — auch Criticon-Herausgeber Caspar von Schrenck-Notzing selbst gehört zu den Zuträgern des Periodikums (vgl. ders. 1993a, 1994a). — Das FPÖ-Jahrbuch 1995 wurde 1998 „mit einem rechtskräftigen Urteil der Wiener Mediengerichte als ein Organ [ausgewiesen], welches Artikel mit (Neo) Nazi-Tönen veröffentlicht“ (so der Wiener Journalist Karl Pfeifer, vgl. Schmidt, F. 1998c); vgl. hierzu auch OLG Wien (1998) sowie die Darstellung bei Pfeifer (1999).Google Scholar
  344. 347.
    Beispielhaft etwa in Karlheinz Weißmanns Beiträgen, die beständig gegen eine vermeintliche Manipulation der ‚eigentlichen’ Mehrheitsmeinung Front machen (vgl. etwa ders. 1992b: 62: „Während eine (demoskopisch durchaus faßbare) Mehrheit der Bevölkerung eine Beschränkung der Zuwanderung verlangt, die betriebene Politik nur noch murrend erträgt, und sich dumpfe Wut gelegentlich in unkontrollierten Gewaltakten gegenüber Ausländern entlädt, beherrscht die veröffentlichte Meinung bis heute eine xenophile Grundstimmung.“ ).Google Scholar
  345. 348.
    Dem Lager der „Pubertären“ , dem „Tummelplatz der großen Worte, de[m] große[n] Helden- und Gemeinplatz weltanschaulicher Fanfarenzüge und Lichterketten“ , rechnet Razumovsky in historischer Perspektive Thomas Mann, Hugo von Hofmannsthal, Romain Rolland, André Gide, Bert Brecht, Günter Grass, Gabriel Garcia Marquez, Dobrica Čosić, Jean Paul Sartre, Egon Erwin Kisch und Jároslav Hašek sowie aktuell die Neo-Nationalisten Swiad Gamsachurdia und Radovan Karadžić zu (ebd.: 25). Zu jenen Intellektuellen, die in Deutschland „mitleidlos die öffentliche Meinung ihrer Nation nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute geprägt“ hätten, zählt er Rudolf Bahro, Walter Jens, Erhard Eppler, Heinrich Böll, Hans Mayer, Hans Werner Richter, Jürgen Habermas, Iring Fetscher, Herbert Marcuse und Ernst Bloch (26). — Vgl. auch die Angriffe auf Daniel Cohn-Bendit und dessen Rolle im „Pariser Mai“ von 1968 (ebd.).Google Scholar
  346. 349.
    Vgl. hierzu bereits in den 80er Jahren die Ausführungen Armin Mohlers zu Heimito von Doderers Weltbild: „Der Mensch erlebt seine zweite Geburt, wenn er die »Apperzeptionsverweigerung« aufgibt und erkennt, daß er bisher nur in einer »zweiten Wirklichkeit« gelebt hat. Mit anderen Worten: zur Menschwerdung gehört die Einsicht in das Komplexe aller Wirklichkeit — gehört der Verzicht auf die ohnmächtigen, in Resignation und Depression mündenden Versuche des Menschen, die Wirklichkeit mit seinem Denken zur Deckung zu bringen. Frei und froh wird der Mensch, wenn er seines Spielraums bewußt wird, sein »Revier« erkennt.“ (Mohler 1985b. 82).Google Scholar
  347. 350.
    Vgl. etwa jene Passagen im „Bocksgesang“ , die sich unzweideutig in der Ausländer- und Asyldebatte positionieren: „Zuweilen sollte man prüfen, was an der eigenen Toleranz echt und selbständig ist und was sich davon dem verklemmten deutschen Selbsthaß verdankt, der die Fremden willkommen heißt, damit hier, in seinem verhaßten Vaterland, sich die Verhältnisse endlich zu jener berühmten (»faschistoiden«) Kenntlichkeit entpuppen, wie es einst (und heimlich wohl bleibend) in der Verbrecher-Dialektik des linken Terrors hieß.“ (Strauß, B. 1993: 203).Google Scholar
  348. 351.
    Sohn weist darauf hin, daß „dieser pragmatische Konservatismus... in Deutschland bisher von keiner politischen Kraft besetzt [werde]“ (ebd.). — Vgl. in diesem Zusammenhang auch die Verteidigung des ‚Bundes Freier Bürger’ (BFB) gegen öffentliche Kritik (Sohn 1994a) sowie Sohns Eintreten für eine rechtsgewendete F.D.P. (1994e).Google Scholar
  349. 352.
    In ähnlichem Duktus (unter Berufung auf Helmut Schelsky) wendet sich Sohn gegen die Herrschaft der intellektuellen „Priesterkaste“ (1993c). — Daß der von Sohn favorisierte „Standort außerhalb der Dinge“ (1992c: 88) keineswegs den Verzicht auf den politischen Machtkampf bedeutet, wird auch anhand eines späteren Criticón-Beitrages deutlich, der „konservative[n] Strategeme[n]“ gewidmet ist. Sohn schreibt hier: „In einem Pekinger Strategembuch gibt es eine interessante Passage über das Strategem Nummer 9 »Das Feuer am gegenüberliegenden Ufer beobachten«: »Wenn beim Gegner Widersprüche zutage treten und interne Zwistigkeiten immer offener ausgetragen werden, dann beobachte man, auf dem Berge sitzend, den Kampf der Tiger«. Es wäre falsch, aus der Not der anderen Nutzen ziehen und die Feuersbrunst zu einem Raub ausnutzen zu wollen. Denn ein überstürztes Eingreifen schweißt häufig die verfeindeten Gegenkräfte vorübergehend wieder aneinander und erhöht die Gefahr eines Gegenschlags. So tritt man besser mit Bedacht einen Schritt zurück und wartet ab, bis sich die Widersprüche bei den Gegnern soweit entwickeln, daß die Gegner aneinan-dergeraten und sich selbst erledigen.«“ Das Strategem Nummer 9 erschöpft sich nicht nur in bloßem Warten. Ist die Zeit herangereift, muß sich das Warten in eine zeitig vorbereitete Aktion [sic!] verwandeln.“ (Sohn 1998: 21). — Vgl. auch Sohns Optimismus hinsichtlich eines baldigen Verschwin-dens von „political correctness“ (1995b: 58).Google Scholar
  350. 353.
    Dem FAZ-Korrespondenten Jörg von Uthmann wird — neben dem Publizisten Dieter E. Zimmer -eine Vorreiterrolle in der PC-Debatte zugesprochen: Frank zufolge dürfte Uthmanns „einseitig diffamierende Berichterstattung die deutsche Diskussion in gewisser Weise vorstrukturiert haben“ (Frank 1996; Verw. auf Uthmann 1992). Eine ähnliche Funktion weist auch Huhnke dem FAZ-Journalisten zu, den sie bereits seit 1991 mit dem Thema befaßt sieht (Huhnke 1999: 23; Verw. auf Uthmann 1991). — Vgl. auch die Äußerungen von Eckhard Fuhr (FAZ), Helmut Markwort (‚Focus’), Jochen Kummer, Michael J. Inacker (beide WamS), zit. b. Junge/Naumann/Stark (1997: 82ff.).Google Scholar
  351. 354.
    Vgl. hierzu Noelle-Neumann (1980). — Die Criticon-Rechte sieht in diesem Ansatz ein zentrales Erklärungsmuster für die beklagte Marginalisierung des Konservatismus in der bundesdeutschen Öffentlichkeit (vgl. hierzu Schmidt, F. 1993: 118f).Google Scholar
  352. 355.
    Bereits in den 80er Jahren sieht etwa Hans-Joachim Arndt die Deutsche Frage „in eine Schweigespirale eingetaucht“ — ihre „bloße Aufrechterhaltung als Topos in der Öffentlichkeit“ werde bereits als Nationalismus, Revanchismus oder Neofaschismus gebrandmarkt (Arndt 1987: 85). — Auf die Arbeiten Noelle-Neumanns rekurriert in Criticón insbesondere Karl Steinbuch (1987: 62, 1990: 194), aber auch implizit Hans-Dieter Geiß, der anhand der ‚Fragebogen’-Seite des FAZ-Magazins antifaschistisch geprägte Antworten Prominenter damit erklärt, daß ihre Verfasser nicht ins „gesellschaftliche Abseits“ geraten wollten (vgl. Geiß 1988).Google Scholar
  353. 356.
    Zu dieser These, von der Frank (1996) feststellt, daß sie „generell die Wirklichkeitswahrnehmung der Rechten zu bestimmen scheint“ , vgl. exempl. Bubik (1996). — In Criticón vgl. bereits Houten (1986) sowie Sohn (1992d, 1994c) u. Schrenck-Notzing (1992j, 1994e). — Vgl. auch die Rezeption des Noelle-Neumann-Schülers Mathias Kepplinger bei Zehme (1994) sowie Hürtgen (1993: 299).Google Scholar
  354. 357.
    Vgl. den bereits erwähnten Online-Bericht über den Vortrag von Ulrich Schacht „Deutschland — von der äußeren zur inneren Souveränität“ auf den Internet-Seiten der neu-rechten ‚Karlsruher Freitagsgespräche’ (1996). — Vgl. hierzu auch Mohler (1991i: 309).Google Scholar
  355. 358.
    Vgl. hierzu die Berichte in der Tagespresse (Böhm 1992, Rich 1994 u.a.). — Zu Limbaugh vgl. auch die Anmerkungen Klaus Harpprechts, die zugleich ein Paradebeispiel für die kritiklose Übernahme des PC-Ideologems in die deutsche Debatte sind (Harpprecht 1995).Google Scholar
  356. 359.
    Die Bedenken deutscher Medienmacher hinsichtlich der Einrichtung ähnlicher Sendungen kommentiert Pieper mit unüberhörbarer Süffisanz: „Der Ufa-Manager [Hans-Roland Fäßler, fs] fürchtet, »radikale Kräfte könnten sich auch hierzulande des Talk-Forums« bemächtigen. Bei einem »Türken-Raus-Radio« wollte Bertelsmann aber nicht mitmachen, denn »das Problem ist immanent: es werden nicht nur politische, politikfeindliche, erzreaktionäre Strömungen laut, vielmehr werden diese auch konsequent verstärkt«. Und das gehe nicht.“ (Pieper 1995: 126).Google Scholar
  357. 360.
    Vgl. hierzu exemplarisch die Criticón-Beiträge von Ulrich Motte (1993c: 178, 1995a).Google Scholar
  358. 361.
    Till Kinzel stellt in Criticón explizit die Frage, ob Programm und Strategie des ‚Republikaner’-Führers Newt Gingrich „auch für Europa bzw. Deutschland Vorbildcharakter haben“ könnten (1996: 165), ohne sich jedoch selbst eindeutig zu positionieren. — Zu den Versuchen deutscher Konservativer, von der US-Rechten zu lernen vgl. auch die Darstellung bei Neswald (1998).Google Scholar
  359. 362.
    Motte unterstreicht zwar den empfehlenden Charakter der Beschlüsse des Gremiums und betont, daß die legislative Gewalt beim Parlament verbleiben solle, vernachlässigt jedoch die verfassungsrechtliche Problematik einer solchen, die Gewaltenteilung berührenden, Aufsichtsfunktion über die Politik ebenso wie die Frage der demokratischen Legitimation der (nach seinen Vorstellungen vom Bundespräsidenten zu ernennenden) Ausschußmitglieder.Google Scholar
  360. 363.
    Zu Österreich und Italien vgl. die Ausführungen oben. — Der italienische Fall stellt bereits eine Mischform dar: Wird der politische Umbruch zu Beginn der 90er Jahre noch als Folge des Berliner Mauerfalls gewertet, so findet der anschließende Aufstieg Silvio Berlusconis vor allem unter dem Aspekt medialer Einflußnahme in Wahlkämpfen das Interesse der Autoren (s. die Anm. unter 4.4.2).Google Scholar
  361. 364.
    Schrenck-Notzing, für den sich in der von den US-Konservativen geprägten Formel „»Ideen haben Folgen«“ das Erfolgsrezept einer auf soliden organisatorischen und medialen Grundlagen agierenden politischen Bewegung manifestiert, plädiert bereits in den 80er Jahren vehement für eine Orientierung am amerikanischen Erfolgsmodell (hierzu Schmidt, F. 1993: 200ff.). Seine Vorbehalte gegen die westliche Führungsmacht und seine scharfe Kritik an der Politik der Re-education in Deutschland nach 1945 hindern ihn keineswegs, am amerikanischen Fall die strukturellen Defizite der deutschen Rechten zu exemplifizieren. 1982 schreibt er den deutschen Rechts-Konservativen ins Stammbuch: „Daß eine konservative Bewegung nicht auf Parteipolitiker zu warten braucht, zeigt das amerikanische Beispiel. Es begann... mit den Büchern einiger Außenseiter, dann kam es um Zeitschriften und Verbände herum zur Gruppenbildung, schließlich entstand ein dichtmaschiges und technisch hoch entwickeltes Organisationsnetz, und erst ganz zum Schluß wurde — 1980 — ein konservativer Präsident gewählt. Der deutsche Konservatismus hinkt hier zweifellos nach.“ (1982). — Die Erkennntnis, daß „keine Revolution auf eine vorangehende kulturelle Erneuerung verzichten könne“ , expliziert der Criticón-Herausgeber auch zu Beginn der 90er Jahre am Dichtertum des irischen Nationalismus des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts (1993j: 161f).Google Scholar
  362. 365.
    Zur demonstrativen Absetzung vom „Gramscisme de droite” unmittelbar zur Wiedervereinigung vgl. exemplarisch Schrenck-Notzing (1990k) sowie die Ausführungen in Kapitel 2.3. — Auch anläßlich des 100. Geburtstages Antonio Gramscis und der Berliner Edition seiner Werke übt sich Criticón im distanziert-referierenden Stil und verweist — nach einigen Beispielen zur neueren Gramsci-Rezeption auf der Linken — im Duktus des Understatements auf die eigenen Ambitionen: „Doch bleibt rätselhaft, wie man kulturelle Strategien ohne nennenswerten Zugang zu Kommunikationsmitteln verfolgen kann. Vielleicht können wir das bald bei Gramsci nachschlagen.“ (Criticón 123, 1991:29).Google Scholar
  363. 366.
    Die für den „Gramscisme de droite” typische Orientierung an der vermeintlichen Strategie der 68er-Bewegung läßt etwa der Berliner Historiker Rainer Zitelmann erkennen, dessen Position Criticón-Autor Gunnar Sohn wie folgt wiedergibt: „Die entscheidende Lehre, die man nach Meinung von Zitelmann aus der Kulturrevolution von 1968 ziehen sollte, ist die, daß Veränderungen des politischen Klimas und der politischen Wirklichkeit mit geistigen Umwälzungen beginnen. [...] Die Rechtsintellektuellen befinden sich heute in einer Phase, die mit der Vorphase von 1968 vergleichbar ist. »Neue Vordenker treten auf den Plan, rezipieren dabei selbstverständlich auch wichtige ältere Vordenker und erobern sich ihren Platz in der geistigen Auseinandersetzung. Geschieht dies oft auch nur in sehr entstellter Form, so wird doch immerhin ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erregt. Die Bekämpfung durch das linksliberale Establishment ist sogar erwünscht, weil nur auf diesem Wege notwendige Debatten angeregt werden können.«“ (Sohn 1995a: 56, Zit. Zitelmann).Google Scholar
  364. 367.
    Vgl. die Anmerkungen zu Hans-Helmuth Knütter in Kapitel 4.3.1.Google Scholar
  365. 368.
    Vgl. etwa Heißig (1994) sowie die Ausführungen in Kapitel 4.4.2.Google Scholar
  366. 369.
    Vgl. die laufende Berichterstattung in der Criticón-Rubrik ‚Das Blaue Brett’: Hier wird bereits 1985/86 verstärkt über die Aktivitäten von Criticón-Leserkreisen in München, Berlin, Köln und Hannover berichtet. Die Kreise werden weithin von Burschenschaftern getragen, der Versuch einer Institutionalisierung unter dem Dach des hauseigenen IKBF scheitert offensichtlich, da in der Folgezeit lediglich von Aktivitäten des Münchener Kreises berichtet wird. — Anfang 1988 wird die Gründung eines neuen Arbeitskreises in Gießen vermerkt, der 1992 als ‚konservativer Arbeitskreis Gießen/Mittelhessen’ reaktiviert wird und sich „aus Lesern der Zeitschriften »Criticón« und »Junge Freiheit« sowie Vertretern verschiedener regionaler konservativer Verbände zusammensetzt“ (Criticón 129, 1992: 48). Nach „massiven Störungen der Veranstaltungen“ und,,tätliche[n] Bedrohungen durch die Antifa (RAF-Sympathisanten und Autonome)“ sieht sich der Gießener Arbeitskreis eigenen Angaben zufolge 1993 dazu gezwungen, nach Wetzlar umzuziehen und firmiert fürderhin unter dem Namen ‚Wetzlarer Forum’ (Criticón 136, 1993: 72). — Der von 1986–88 bestehende Münchener ‚Arbeitskreis der konservativen Jugend’ wird im Dezember 1991 als Jungkonservativer Club’ wiedergegründet (vgl. Criticón 129, 1992: 48); 1992 wird in Criticón für einen neuen Gesprächskreis im Raum Bonn geworben (vgl. Criticón 132, 1992: 180), der sich kurze Zeit später als,Bonner Runde — Konservativer Gesprächskreis’ mit einem Hayek-Kolloquium einfuhrt (vgl. Criticón 133, 1992: 256). — Die Gesprächskreise in München, Bonn und Wetzlar entfalten in der Folgezeit eine rege Veranstaltungstätigkeit (vgl. hierzu die weitere Criticón-Berichterstattung).Google Scholar
  367. 370.
    Vgl. die Meldung in Criticón 129 (1992: 48); die Ankündigung der Wiederaufnahme der Verleihung des „Baltasar-Gracián-Preises“ bleibt freilich folgenlos; zu den IKBF-Aktivitäten in den 80er Jahren vgl. Schmidt, F. (1993: 20f).Google Scholar
  368. 371.
    Im Kuratorium des Fördervereins sitzen, neben der rechten „Psychagogin“ und Mitherausgeberin des ‚Rheinischen Merkur’, Christa Meves, Criticón-Herausgeber Caspar von Schrenck-Notzing sowie die Criticón-Autoren Hans Graf Huyn, Karl Steinbuch, und Lothar Groppe SJ, als Kuratoriumssprecher fungiert der Journalist Gerhard Löwenthal (‚ZDF-Magazin’), der in den 90er Jahren ebenfalls regelmäßig in Criticón publiziert und neben Dr. Werner Roth als Initiator des Projektes genannt wird (ebd.). — Zur Verbindung zwischen dem ‚Konservativen Büro’ und dem IKBF vgl. auch die Angaben bei Mecklenburg (Hrsg.) (1996: 196).Google Scholar
  369. 372.
    Weiter heißt es dort: „Im Aufbau befinden sich sog. »Dienste« (Informations-, Veranstaltungs-, Kontakt-, Zeitschriften- und Referentendienst) als Service-Leistungen für Multiplikatoren der konservativen »Szene«: Einzelpersönlichkeiten, Vereine/Verbände, Organisationen, Gruppen, Einrichtungen, Medien u.ä. Mit mehr qualifizierter Information sowie verbessertem Kontakt und Austausch sollen die vorhandenen Potentiale »nach innen« besser verknüpft und nach außen die öffentliche Wirkung und die Einflußmöglichkeiten des geistig-kulturellen Konservatismus vergrößert werden.“ — Zu dem Projekt vgl. auch die Angaben bei Junge/Naumann/Stark (1997: 140f), die sich weitgehend auf die Criticón-Berichterstattung stützen.Google Scholar
  370. 373.
    Dies kommt auch in der weiteren Berichterstattung zu den Aktivitäten des ‚Konservativen Büros’ zum Ausdruck: Der Christdemokrat Wolfgang Bodenstedt unterstreicht die Anlehnung der „Kulturkonservativen“ an das amerikanische Modell: „Nachdem die amerikanischen Republikaner ihre beachtenswerte Renaissance wesentlich religiösen Strömungen verdanken, scheint sich jetzt auch in Deutschland eine ähnliche Entwicklung anzubahnen. Man darf dabei allerdings nicht vergessen, daß das christliche Fundament in den USA sehr viel stärker ist als bei uns.“ (Bodenstedt 1996; vgl. auch ders. 1997).Google Scholar
  371. 374.
    Zur versteckten Bezugnahme auf die Gramsci-Strategie in den 80er Jahren vgl. Schmidt, F. (1993: 63ff).Google Scholar
  372. 375.
    Vgl. hierzu die Darstellung bei Schmidt, F. (1993: 237ff); vgl. dort auch die Ausführungen zum Verhältnis des Criticón-Kreises zu den Unionsparteien (ebd.: 152ff.) sowie zur „Bonner Wende“ von 1982/83 (ebd.: 158ff.)Google Scholar
  373. 376.
    Karlheinz Weißmann bezeichnet die REP in diesem Sinne „als erste[n] Aggregatzustand einer künftigen konservativen Basisbewegung, die innerhalb und außerhalb des parlamentarischen Raumes agieren [müsse]“ (1989a: 133). — Vgl. auch das Engagement Ulrich Mottes für den Aufbau eigenständiger Strukturen im kirchlichen Bereich (1993a, 1994a, 1995b, 1996) sowie christlichkonservative Privatschulen (1993b: 140, 1995c).Google Scholar
  374. 377.
    Die „Gründerzeif“ -Kolumne wird 1985 in Criticón eingerichtet und zumeist von Schrenck-Notzing (unter dem Pseudonym Tristan Leander Rübelmann) selbst bestritten. Die erste Folge erscheint in der Januar/Febuar-Ausgabe 1985 (Schrenck-Notzing 1985a) und wird in unregelmäßigen Abständen bis zum Frühjahr 1989 fortgesetzt. Angesichts der REP-Erfolge verkündet Rübelmann in der März/April-Ausgabe 1989 euphorisch, jedoch verfrüht, das Ende der Kolumne (ders. 1989a). -Nach dem Berliner Mauerfall widmet sich Tristan Leander Rübelmann bezeichnenderweise nicht mehr vorrangig der Parteienlandschaft, sondern wendet sich einem weiter gefächelten Themenspektrum zu (vgl. Schrenck-Notzing 1990b, 1990f, 1993c); hierunter findet sich auch ein endgültiger Abge-sang auf die REP (1990g) sowie ein,Nachruf auf die (italienische) Christdemokratie (1994c).Google Scholar
  375. 378.
    Vgl. auch ders. (1993a). — Zur Debatte um die DSU, in deren Zusammenhang erneut der Streit um die CSU-Beschlüsse von Wildbad Kreuth von 1976 aufflammt, vgl. bereits Wolf (1990), Kaschkat (1990b), Jahn (1990, 1992), Löwenthal (1991) sowie Schrenck-Notzing (1990i, 1992e).Google Scholar
  376. 379.
    Vgl. dort den Bericht zum Leipziger „DSU-Forum: »Weiter so, Deutschland?«“ ; bei der Tagung tritt, wie schon bei dem 1991 von der DSU veranstalteten ‚Offenen Geithainer Forum’, Schrenck-Notzing als Gastreferent auf (vgl. ebd. sowie die Anzeige des Forums in Criticón 127, 1991: 260).Google Scholar
  377. 380.
    Schrenck-Notzing bezeichnet Brunner im Zusammenhang mit dem Solinger Brandanschlag 1993 als,,eine[n] der wenigen klaren Köpfe im Lande“ und verweist auf dessen ablehnende Haltung zur doppelten Staatsbürgerschaft und zum Ausländerwahlrecht (1993g). Die Frau des Criticón-Heraus-gebers, Regina von Schrenck-Notzing, zuständig für die Anzeigen in der Zeitschrift, ist selbst zu Beginn der 90er Jahre in Brunners BFB tätig (vgl. Junge/Naumann/Stark 1997: 72). — In der 1995 erscheinenden Broschüre des Criticón-Verlages „How the Left Turned their Defeat into Victory“ ist neben etlichen Criticón-Autoren auch Brunner vertreten (vgl. Criticón 146, 1995: 107).Google Scholar
  378. 381.
    Auch der neu-rechte Totalitarismusvorwurf an die bundesdeutsche Demokratie wird vom BFB wiederholt. In der Präambel des Parteiprogramms von 1994 heißt es: „»In vielen Bereichen bilden sich totalitäre Strukturen: — in der Politik durch den entmündigenden Parteienstaat und Auflösung der Gewaltenteilung — in den neuen Bundesländern durch ein Wiedererstarken alter Machtstrukturen — in der Wirtschaft durch die Zerstörung des Mittelstandes, zunehmende staatliche und supranationale Reglementierung und eine ausufernde Staatsquote und — in den Medien durch Monopolisierung und Gesinnungsdruck.«“ (zit. in Criticón 147, 1995: 172). — Zum BFB sowie zu der 1995 gegründeten Sammlungsbewegung ‚Bündnis konstruktiver Kräfte Deutschlands’ (BKKD), an der BFB und DSU beteiligt sind, vgl. die Angaben bei Junge/Naumann/Stark (1997: 69ff.) sowie bei Mecklenburg (Hrsg.) (1996: 179ff.). — Auch zur Bundestagswahl 1998 ist der BFB in Criticón mit einer Anzeige vertreten (BFB 1998); im Frühjahr 1999 wechselt Brunner aufgrund von parteiinternen Streitigkeiten erneut zur F.D.P. über (‚Berliner Zeitung’ vom 08.03.1999 u. 14.03.1999).Google Scholar
  379. 382.
    Zu den beiden traditionellen, bundesdeutschen Rechtsparteien finden sich im Untersuchungszeitraum bezeichnenderweise keine längeren Berichte oder Meldungen in Criticón — sie werden nur gelegentlich, im Zusammenhang mit den anderen genannten Parteiprojekten, erwähnt.Google Scholar
  380. 383.
    Die ständige publizistische Begleitung der Entwicklung bei den REP wird nach der Distanzierung des Criticón-Kreises von dem Projekt 1989/90 eingestellt (hierzu Schmidt, F. 1993: 245ff.). Die Partei und ihr vermeintlicher ‚Linkskurs’ unter Schönhuber und Schlierer sind in der Folgezeit vorrangig Objekt der Kritik (vgl. Criticón 123, 1991: 29 sowie Kopp 1991, Löwenthal 1991: 116 et al.), die REP werden jedoch weiterhin gegen Angriffe in Schutz genommen (vgl. Pieper 1993a: 56).Google Scholar
  381. 384.
    Vgl. hierzu die Notiz „»Deutsche Allianz«“ in: Criticón 123 (1991: 29).Google Scholar
  382. 385.
    Vgl. die Notiz in Criticón 137 (1993: 152); der in Niedersachsen beheimateten DP-Vorgängerin unter Heinrich Hellwege, die Norbert Frei zufolge in den 50er Jahren als Koalitionspartner der CDU in der Frage der Amnestie von NS-Verbrechen „systematisch den Wünschen und Bedürfnissen der ehemaligen Nationalsozialisten zu entsprechen suchte“ (Frei 1999: 35) und schließlich mit dem rechtslastigen BHE fusionierte, werden in Criticón ausnehmend gute Noten ausgestellt: Schrenck-Notzing zufolge sei es der DP oftmals gelungen, „konservative kulturelle Positionen jenseits von Angebot und Nachfrage in die Politik einzubringen“ (1990k). — Heinz-Siegfried Strelow zufolge unterschied sich die einstige DP von den „kleinen bürgerlichen oder rechten Parteien der Frühphase der Bundesrepublik“ hinsichtlich ihrer „weit über die Tagespolitik reichende[n] konservative[n] Vision, ihr[es] Versuch[es] einer konservativen Theoriebildung“ (Strelow 1991: 305). — Vgl. auch die Erwiderung des letzten Generalsekretärs der alten DP, Richard Schuster (1992), der bei der Gründungsveranstaltung am 06.06.1993 ein Referat hält und damit Criticón zufolge „die Kontinuität der Neugründung mit der alten DP” unterstreicht (Criticón 137, 1993: 152).Google Scholar
  383. 386.
    Die ÖDP wird in den 80er Jahren, zusammen mit den REP, als ernstzunehmende Gruppierung gehandelt, bis sie sich zu Beginn des Jahres 1989 an der „Ausländerfrage sowie an der »Abgrenzung nach rechts«“ spaltet (vgl. Criticón 112, 1989: 100). Gruhl, der seinen innerparteilichen Gegnern „linkschristlich-internationalistischen Utopismus“ in den genannten Fragen vorwirft, verläßt mit zahlreichen Anhängern, darunter dem Münchener ÖDP-Kreisvorsitzenden und stellvertretenden Bezirksvorsitzenden von Oberbayern, Tilman Ziegler, die Partei (ebd; vgl. hierzu auch Ziegler 1989). — Im April 1991 gründen Gruhl et al. die politische Vereinigung ‚Unabhängige Ökologen Deutschlands’ (UÖD), die „eine spätere Umwandlung in eine Partei nicht ausschließt“ und deutlich rassistische Töne anschlägt. Die UÖD will Criticón zufolge „die versprengten konservativen Ökologen sammeln, den Primat der Ökologie wiederherstellen und unter diesem Gesichtspunkt nicht nur den Wachstums- und Fortschrittsglauben bekämpfen, sondern auch den Staat dezentralisieren und die »gewachsenen Sprach- und Kulturgemeinschaften« gegen die multikulturelle Politik, Einwanderung und Bevölkerungsvermehrung verteidigen, die zum wachsenden Druck auf die Umwelt führen“ (Criticón 127, 1991: 260) und strebt weiterhin eine „»Ökologisierung« der gemäßigten Rechten Deutschlands an“ (Criticón 137, 1993: 152). — Zum „Gründungsvater der »Grünen«“ (Criticón 127, 1991: 260) Gruhl vgl. auch die Beiträge von Strelow (1992a, 1992b, 1995a, 1995b).Google Scholar
  384. 387.
    Dies betrifft insbesondere einige Wahlerfolge der REP auf Landes- und Europaebene (Berlin/West 1989: 7,5%; Europawahlen 1989: 7,1%; Baden-Württemberg 1992: 10,9% u. 1996: 9,1%) sowie einige Achtungserfolge der DVU (Bremen 1991: 6,2%; Schleswig-Hostein 1992: 6,3%; alle Zahlenangaben nach Carl 1996). — Nach dem überdurchschnittlichen Abschneiden der REP bei den hessischen Kommunalwahlen von 1993 (mit zweistelligen Ergebnissen in Frankfurt/M., Gießen, Wiesbaden, Hanau und Offenbach) droht Dieter Fötisch in Criticón: „Kohl und Engholm... sollen sich nicht täuschen. Wenn die großen Parteien es nicht schaffen, die großen anstehenden Fragen wie Asyl, Solidarpakt und Arbeitslosigkeit zu lösen, dann wird es den bisherigen Parteienmechanismus nicht mehr lange geben, dann werden sich Wähler und Parteien neue Wege suchen.“ (1993).Google Scholar
  385. 388.
    Zur weitaus gemäßigteren CDU-Kritik Jebens’ noch zu Ende der 80er Jahre vgl. ders. (1989).Google Scholar
  386. 389.
    Vgl. exemplarisch Jebens (1992a) und die dort erhobenen, massiven Vorwürfe. — Geißler verliert 1989 seinen Posten als CDU-Generalsekretär, nachdem er, zusammen mit Lothar Späth, offen die Ablösung des CDU-Bundesvorsitzenden Helmut Kohl betrieben hat — für Jebens „versuchte[r] Königsmord“ (ebd.: 156). — Die Forderung nach Geißlers Ablösung wird schon Jahre zuvor in Criticón erhoben (vgl. hierzu die ausführliche Darstellung bei Schmidt, F. 1993: 165ff.).Google Scholar
  387. 390.
    Vgl. etwa Rolf Schlierers Ausführungen zur „Gruppe Geißler-Blüm-Fink-Süssmuth“ , die der spätere REP-Bundesvorsitzende zu Ende der 80er Jahre in Criticón zu Protokoll gibt (1989: 13) und zu Beginn der 90er Jahre in der Jungen Freiheit’ wiederholt (1992). — Zur neu-rechten Kritik an Geißler, Süßmuth et al. vgl. auch die Position Rainer Zitelmanns, zit. bei Sohn (1995a: 54ff).Google Scholar
  388. 391.
    Caspar von Schrenck-Notzing sieht den rechten Unionsflügel bereits ein Jahr zuvor stark zurechtgestutzt. Nach der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 bemerkt er bitter: „Die Rechtskonservativen in der CDU/CSU waren immer mehr ein Gerücht als ein »Corrente«. Ihre letzten Reste wurden im Vorfeld dieser Wahl abgeräumt. Die Liste der 1990 nicht mehr aufgestellten Abgeordneten liest sich wie ein »Who’s Who?« der Konservativen in der CDU/CSU von Abelein über Graf Huyn und Todenhöfer bis Windelen.“ (1990k). — Zur Bedeutung der Ablösung Dreggers für die Unionsrechte vgl. auch die Einschätzung bei bei Junge/Naumann/Stark (1997: 44). — Vgl. ebenso das hymnische Lob für den Politiker, das Gerhard Löwenthal noch im Sommer 1991 aus der FAZ in Criticón zitiert und das sich mit Schrenck-Notzings Position weitgehend deckt: „»Dregger, das ist der Mann, der sich unbefangen als Repräsentant des national-konservativen Flügels der CDU bezeichnet, auch wenn das tiefe Schweigen, mit dem seine Partei darauf reagiert, unüberhörbar ist. Es macht bewußt, daß Dregger mit diesem Profil ein Unikat, nicht ein Repräsentant ist. Denn für den Flügel, für den er steht, gibt es in seiner Partei zwar Wähler, aber außer ihm kaum einen Politiker.«“ (FAZ vom 10.12.1990, zit. b. Löwenthal 1991: 116).Google Scholar
  389. 392.
    Vgl. die Notiz „Vereinigungen: Christlich-konservatives Deutschland-Forum“ in: Criticón 135 (1993: 48). — Wie die Christlich-Konservativen erreichen wollen, „»daß sich die Frage nach der Zusammenarbeit mit Kräften rechts von CDU und CSU nicht mehr stellt«“ (vgl. ebd.), wird bei einem Blick auf die in diesem Zusammenhang formulierten Aussagen deutlich, die sogar den ‚Spiegel’ -nur wenig später um die Verteidigung von Botho Strauß gegen ähnliche Vorwürfe bemüht — „in der Wortwahl fatal an die Republikaner von Franz Schönhuber erinnern“ : „In ihrem 20-Punkte-Programm wettern sie gegen den Zeitgeist und schwärmen vom »deutschen Vaterland« anstelle einer »multikulturellen Utopie«. Statt »Klassenkampfrhetorik« der Gewerkschaften träumen sie von sauberem Mittelstand und der Idylle bäuerlicher Familienbetriebe. Statt auf Friedensdemonstranten bauen sie auf wehrhafte Soldaten. Die Schamgrenze, die ihnen die Zugehörigkeit zur CDU zieht, haben Lummer und seine Anhänger schon oft überschritten; die Nähe zu Schönhuber besticht. [...] Jetzt nehmen Biedermann Jäger und Brandstifter Lummer geistige Anleihen bei der rechtsradikalen Deutschen Volksunion...“ (‚Der Spiegel’ 53, 1992: 23f.).Google Scholar
  390. 393.
    Schon bei der Gründung des ersten CKDF-Landesverbandes in Dresden ist ein Vertreter der DSU anwesend (vgl. ‚Die Welt’ vom 18.01.1993).Google Scholar
  391. 394.
    Der DSU-Aktivist Baldur Jahn berichtet im Herbst 1993 von einer Annäherung des CKDF an seine Partei und merkt süffisant an, daß „die Einflußmöglichkeiten des Forums innerhalb der CDU wohl geringer als erwartet” seien (Jahn 1993b). — Im Sommer 1995 „erklärt die Junge Freiheit... das CKDF als politisch gescheitert“ , eine Wertung, der sich das ‚Handbuch Deutscher Rechtsextremismus’ anschließt (vgl. Mecklenburg 1996: 185). — Junge et al. berichten demgegenüber von einem Wiederaufleben des Projektes im Jahr 1996 (vgl. Junge/Naumann/Stark 1997: 68).Google Scholar
  392. 395.
    Zur weiteren Criticón- Berichterstattung über das CKDF vgl. etwa Bodenstedt (1997). — Zu ähnlichen Unternehmungen innerhalb der Unionsparteien vgl. exemplarisch die Vorstellung des ‚Die-drichshägener Kreises’ in Criticón 131 (1992: 152); der „»konservative[] Interessenverbund«“ innerhalb der ‚Jungen Union’ (JU) setzt Criticón zufolge „»dem verschwommenen Konzept einer konturenlosen europäischen Kultursuppe [sic!] (die gern mit dem Begriff ‚europäischer Bundesstaat’ umschrieben wird) das klare und berechenbare Ziel eines christlichen, freiheitlichen, sozialen und föderalen Europas entgegen«“ (zit. ebd.).Google Scholar
  393. 396.
    Vgl. die Criticón-Mediendebatte in den 80er Jahren sowie die Rezeption der Erfolge der italienischen Rechten zu Beginn der 90er Jahre unter Silvio Berlusconi, die ganz entscheidend auf die Medienmacht des von Berlusconi dirigierten ‚Fininvest’-Konzerns zurückgeführt werden. Noch vor dem ersten Sieg von Berlusconis Rechts-Koalition unter Einschluß der italienischen Neofaschisten im März 1994 betont Criticón-Autor Hans Ritter diesen wahlkampfentscheidenden Faktor: „Berlusconi gilt als der eigentlich zu fürchtende Gegner der italienischen Linken. Er kann nicht totgeschwiegen werden, weil er mit drei Fernsehkanälen 43 Prozent der italienischen Einschaltquote erreicht, ¡ganz abgesehen von dem Presseimperium des Mondadori-Verlages, dessen Hauptaktionär er ist. [...] Die gegenwärtige Wahlschlacht wird... dadurch charakterisiert, daß die öffentliche Funk-und Fernsehanstalt RAI ihre Medienmacht mit dem Berlusconi-Fernsehen teilen muß.[...] Der Zugang zur öffentlichen Meinung ist für das linke und das rechte Lager erstmals ausgeglichen.“ (Ritter, H. 1994a: 30). — Vgl. hierzu ebenso Winterberger (1994b).Google Scholar
  394. 397.
    Vgl. die erwähnten Attacken auf die IG Medien (Motschmann 1993a et al.) sowie die retrospektive Umdeutung des Filbinger-Skandales zu einem „Fall der Meinungsmacher“ bei Liminski (1991b).Google Scholar
  395. 398.
    Ebenso Heißig (1992b: 177); Heißig sieht die Massenmedien als „Zentrum nicht- oder antinationaler Haltungen“ ihrer Kontrollfunktion beraubt und wirft ihnen nationalen Verrat vor: „Sie informieren nicht über Fragen, die mit nationalen Interessen zusammenhängen und kümmern sich darum, daß nationale Standpunkte rechtzeitig als »faschistisch« abgetan werden. Ihre Kriterien, nach denen Politik beurteilt wird, sind vorwiegend ideologischer Natur. Sie emotionalisieren die Debatte über abseitige Themen und hoffen, mit Sensationsmeldungen Geld zu machen. Korruption wird zu Recht gebrandmarkt, die Förderung willfähriger Politiker durch internationale Groß-Seilschaften [sic!] ist jedoch kein Thema.“ (ebd.).Google Scholar
  396. 399.
    Bei dem von Heinrich Lummer et al. entworfenen Bild einer Machtkonzentration in den Medien stehen nicht etwa die Kapitalinteressen der Eigentümer, sondern vermeintliches Machtstreben und materielle Interessen von Journalisten im Kreuzfeuer der Kritik. Der Wirtschaftslobbyist Joachim Hentze, der sich trotz seiner jahrzehntelang andauernden Tätigkeit bei der ‚Informationszentrale der Bayerischen Wirtschaft’ (IBW) selbst als „freier Journalist“ vorstellt, bezeichnet die Berufsgruppe der Journalisten als „Herrschaftselite“ (1994: 225), die konservative Pädagogin Ute Scheuch geißelt die „Undurchsichtigkeit“ im Verhältnis von Politik und Medien und insinuiert mit verschwörungstheoretischem Impetus, „daß hinter all dem Sichtbaren eine Machtelite die Fäden zieht“ (1994: 215).Google Scholar
  397. 400.
    Markus Zehme zufolge stellt sich aufgrund der Agenda Setting-Funktion von Journalisten die prinzipielle Frage nach „der Legitimation ihres Handelns und den Interessen, die sie verfolgen“ . Zehme unterläßt es freilich, diese Aussage zu konkretisieren (Zehme 1994). — Zur Funktionalisierung der Agenda Setting-Theorie und der Medienwirkungsforschung im konservativen Diskurs vgl. exemplarisch die Ausführungen von Ute Scheuch (1994) in Criticón.Google Scholar
  398. 401.
    Lummer, der bei seiner Medienkritik auf Oswald Spengler rekurriert (1994: 211, 213, Anm. l), ver-gißt zwar nicht zu erwähnen, daß „Presse- und Meinungsfreiheit wesentlich für unseren Staat“ seien, unterstreicht demgegenüber jedoch verschiedentlich, daß „sich der Staat Eingriffe vorbehalten [muß], wenn es nicht zu einer wirksamen Selbstkontrolle kommt“ (212f). — Vgl. auch Hentzes z.T. fast wortgleiche Kritik an der journalistischen Praxis und an mangelnden „Mechanismen zur Eindämmung von Regelwidrigkeiten — diesseits des Strafrechts“ (1994: 227). Über staatliche Sanktionsmittel hinaus setzt Hentze auf eine wirksame Medienkontrolle durch „als Bürgerinitiativen aufgezogene Organisationen“ und verweist in diesem Zusammenhang (227f.) auf einschlägige Gruppierungen wie den Erlanger Verein ‚Bürger fragen Journalisten e.V.’ (vgl. hierzu auch die Anzeige in Criticón 116, 1989: 301 sowie die Darstellung bei Junge/Naumann/Stark 1997: 111ff.), die Kölner ‚Aktion Funk und Fernsehen’ (AFF; vgl. Junge/Naumann/Stark 1997: 114ff.) sowie die Münchener Vereinigung ‚Fair Press’. — Zu den in Criticón angedachten staatlichen Eingriffen in die Rundfunk- und Pressefreiheit vgl. auch das Lob für die rigiden Maßnahmen der Regierung Berlusconi gegen die staatliche Fernsehanstalt RAI, die Andreas K. Winterberger gegen den Vorwurf der „Gleichschaltung“ in Schutz zu nehmen sucht (1994b); vgl. hierzu auch Ritter, H. (1994b: 119).Google Scholar
  399. 402.
    Am italienischen Beispiel decouvriert sich die neu-rechte Medienkritik beispielhaft als situationsabhängiges Argument: Gilt Criticón-Autor Michael A. Schwilk der von Skrupellosigkeit und „Gesetzwidrigkeiten“ begleitete Aufstieg Silvio Berlusconis noch 1991 als Beispiel dafür, „wie gefährlich die Medienmacht in der Hand eines einzelnen sein kann“ (1991), so freundet sich die Criticón-Rechte nach der Wandlung des Geschäftsmannes zur Lichtgestalt der italienischen Rechten problemlos mit dessen medialer Machtstellung an (vgl. hierzu die Anmerkungen oben).Google Scholar
  400. 403.
    Exemplarisch Kopp (1992).Google Scholar
  401. 404.
    Herausragende Beispiele sind die Neuauflage von Schrenck-Notzings Hauptwerk „Charakterwäsche“ (1993, Orig. 1965) sowie Weißmanns „Rückruf in die Geschichte“ (1992). — Zum Fall Ullstein/Zitelmann vgl. auch die Darstellung bei Zens (1994) und Junge/Naumann/Stark (1997: 35ff.).Google Scholar
  402. 405.
    Vgl. die Meldung „Aus den Verlagen“ in Criticón 149 (1996: 62). — Zum Verlagsimperium Herbert Fleissners vgl. Sarkowicz (1994). — Fleissner, der in neu-rechten Gesprächskreisen wie etwa dem Berliner ‚Dienstagsgespräch’ ein gern gesehener Gast ist (vgl. Motschmann 1994b: 135), erfreut sich auch des beständigen Wohlwollens seitens der Criticón-Rechten: So wird ihm etwa in den 80er Jahren die Neuherausgabe von Russell Kirks Hauptwerk „The Conservative Mind“ (1953) in deutscher Sprache angetragen (vgl. Houten 1984: 158); 1993 wird der „engagierte[] Sohn der Vaterstadt Eger“ vom Criticón-Mitbegründer Hanns Klatz für die Edition einer Trilogie über das Egerland gelobt (vgl. Klatz 1993: 304).Google Scholar
  403. 406.
    Zu ‚Welt’ und ‚Welt am Sonntag’ in den 90er Jahren vgl. Junge/Naumann/Stark (1997: 95ff.).Google Scholar
  404. 407.
    Die FAZ wird bereits in den 80er Jahren in der „vordersten Reihe der meinungsbildenden Institutionen Westdeutschlands“ verortet (Mohler 1988c: 115). Mohler sieht die „unangefochtene Primadonna unter den westdeutschen Tages- und Wochenzeitungen“ (ebd.) „im Einklang sowohl mit den gebildeten Schichten wie mit den führenden Schichten der Bundesrepublik“ (ebd.: 116). Insbesondere die Leserbriefseite der Zeitung hat für Mohler eine zentrale Thematisierungsfunktion für die politische Debatte in der Bundesrepublik (1982b: 96). — Vgl. auch das Lob Mohlers für die FAZ-Beilage ‚Geisteswissenschaften’ (Mohler 1992j). — Vgl. demgegenüber die frühe Kritik am opportunistischen Kurs der ‚Welt’ in Criticón (exemplarisch Presser 1988: 129).Google Scholar
  405. 408.
    Vgl. die aufmerksame Rezeption von FAZ-Besprechungen neu-rechter Autoren wie Rainer Zitelmann (Schüßlburner 1991d: 242, 246, Anm.3) oder Ansgar Graw (Paulwitz 1991b: 203) in Criticón; Paulwitz hebt hervor, daß es „für ein politisches Buch... in der Bundesrepublik keinen schöneren Triumph [gebe], als im Politikteil der FAZ in der Rubrik »Das aktuelle Buch« besprochen zu werden“ (ebd.). — Zitelmann schreibt auch selbst gelegentlich in der FAZ, während Ansgar Graw zu Beginn der 90er Jahre zum festen Criticón-Autorenkreis zählt. — Arnulf Baring wiederum zitiert wie selbstverständlich in der FAZ aus Criticón (vgl. etwa ders. 1991b). — Zum Thema insgesamt vgl. auch die Ausführungen Wolfgang Gessenharters zu den FAZ-Beiträgen von Eckhard Fuhr und Friedrich Karl Fromme (1994a: 206ff.).Google Scholar
  406. 409.
    Vgl. hierzu die Ausführungen zur Jugoslawien-Debatte oben sowie exemplarisch Schrenck-Notzing (1992g); in dem programmatischen Beitrag des Criticón-Herausgebers wird nicht nur der Begriff des,,»Epochenbruch[es]«“ (für die Wende von 1989/90) aus der FAZ aufgegriffen — auch hinsichtlich der Debatte um Out-of-Area-Einsätze der Bundeswehr zitiert Schrenck-Notzing zustimmend aus dem Frankfurter Blatt. — Hans-Joachim von Leesen, beständig um eine aufrechnerische Relativierung des deutschen Bombenangriffes auf Coventry von 1940 bemüht, läßt sich für den Titel seines Criticón-Beitrages von der FAZ inspirieren und greift deren Forderung nach einer britischen Entschuldigung für die Bombardierung Dresdens dankbar auf (Leesen 1992: 264).Google Scholar
  407. 410.
    Vgl. hierzu exemplarisch die Verweise auf die FAZ-Beiträge Konrad Adams bei Schrenck-Notzing (1991c) sowie Stubbe-da Luz (1991: 292, 293, Anm. 11).Google Scholar
  408. 411.
    Vgl. hierzu die bereits angeführten Bezugnahmen auf Brigitte Seebacher-Brandts FAZ-Beiträge. -Vgl. auch exemplarisch den Rekurs auf Eckhard Fuhr bei der Kritik am vermeintlichen Zurückweichen Helmut Kohls vor den 68ern: „... doch wird der Kanzler einer Konfrontation mit den Trägern besagten Geistes wohlweislich ausweichen. Nach Bitburg geht Kohl nicht noch einmal. »Alles Achtundsechziger? Wahrscheinlich ist das die fürchterliche Wahrheit«, schrieb Eckhard Fuhr am 27.3. [1993, fs] in der FAZ und sah es als erwiesen an, »daß die Blockaden der deutschen Politik, ihre wimmernde Hilflosigkeit, auch damit zu tun hat«.“ (Schrenck-Notzing 1993d).Google Scholar
  409. 412.
    Zu Seebacher-Brandt vgl. die Anmerkungen oben; zur Rezeption Barings in Criticón vgl. insbes. die Beiträge Armin Mohlers (etwa 1991i). — Zu den FAZ-Beiträgen Fuhrs vgl. Gessenharter (1994a: 206ff) sowie Kellershohn (1994a: 1lf., 1994b: 43).Google Scholar
  410. 413.
    Dies insbesondere in den Criticón-Beiträgen Schüßlburners; symptomatisch hierbei die inhaltlichen Kritikpunkte sowie das enge Nebeneinander von Lob und Tadel: So lobt Schüßlburner etwa die Zi-telmann-Rezeption und -Präsentation in der FAZ ausdrücklich, attestiert den Frankfurter Blattmachern jedoch im gleichen Atemzug, sich im „verminten Gelände“ der deutschen NS-Vergangenheit „betont vorsichtig“ zu bewegen (1991d: 242). Auch beim Plädoyer für die von Schüßlburner propagierte Zerschlagung der Vielvölkerstaaten Jugoslawien und Sowjetunion bleibt die Zeitung zum Ärgernis des glühenden Nationalisten auf halbem Wege stehen (1991b: 65, Anm.3).Google Scholar
  411. 414.
    Das Verhältnis zwischen FAZ und neu-rechter Presse rechtfertigten eine eigene Untersuchung — hier kann nur auf ausgewählte Beispiele hinsichtlich der FAZ-Rezeption in Criticón verwiesen werden. Von Bedeutung bei einer eingehenden Analyse wären nicht nur die inhaltlichen und personellen Überschneidungen sowie die gegenseitigen Bezugnahmen — ebenso aufschlußreich wären die offenen und versteckten Gegensätze zwischen dem konservativen und neu-rechten Diskurs.Google Scholar
  412. 415.
    Das Zitat entnimmt der Criticón-Herausgeber eigenen Angaben zufolge der FR vom 13.01.1990, deren Reaktion er mit unübersehbarer Häme referiert: „»Deutschland im Herbst« habe das FAZ-Feuilleton »besoffen« gemacht. Wo einst Reich-Ranicki waltete, ertönen jetzt die »besoffenen Gesänge« des »trunkenen Chors«, einer »Schar westdeutscher Intellektueller... «“ (ebd.).Google Scholar
  413. 416.
    Zu Augsteins Wandlung nach der Wiedervereinigung vgl. Seitz (1994).Google Scholar
  414. 417.
    Vgl. die Äußerungen Augsteins nach dem Berliner Mauerfall, so etwa die Attacken auf den New Yorker Friedensnobelpreisträger und Wiedervereinigungs-Kritiker Elie Wiesel, dem der ‚Spiegel’-Herausgeber zu Beginn des Jahres 1990 mit kaum zu überbietendem Zynismus entgegenhält, er möge „uns doch erklären, warum in Jerusalem geschossen wird und in Berlin nicht. Das liegt nun nicht mehr an Adolf Hitler.“ (Augstein 1990), die Karlheinz Weißmann mit Begeisterung in Criticón wiedergibt: „Augstein sprach aus, was sonst niemand in der etablierten Presse oder — wie die FAZ — nur zwischen den Zeilen zu sagen wagte: die Vorbehalte gegen die deutsche Einheit resultieren bei unseren Nachbarn nicht aus berechtigten Sicherheitserwägungen, sondern aus blankem öko-nomische[m] Eigennutz, nichts könne die westlichen Verbündeten der Bundesrepublik dazu bringen, ihre feierlichen Versprechungen in bezug auf die Wiederherstellung Deutschlands einzuhalten, es sei lächerlich, den Deutschen ein Recht auf Selbstbestimmung vorzuenthalten, das allen anderen Völkern zugestanden würde, niemand habe sich diesbezüglich von außen einzumischen — auch ein Elie Wiesel nicht. Man staunt und freut sich der Vitalität des Lazarus...“ (Weißmann 1990a: 7).Google Scholar
  415. 418.
    Zum frühen Nationalismus Augsteins vgl. die Anmerkungen bei Weißmann (1990a) sowie die bei Bieberstein wiedergegebenen Zitate Augsteins sowie Henri Nannens aus den 50er und frühen 60er Jahren (Bieberstein 1991a: 77). — Auch Rainer Zitelmann verweist auf die Gegnerschaft Augsteins zu Adenauers Politik der Westintegration (vgl. Mohler 1991e).Google Scholar
  416. 419.
    Schon die Äußerungen Augsteins nach dem Mauerfall werden in diesem Sinne interpretiert: Bieberstein schreibt in Criticón: „In seinem Artikel »Sagen, was ist« unternahm der SPIEGEL-Heraus-geber Rudolf Augstein, dem ein linkes Blatt nachsagte, er habe die deutschnationale Pickelhaube aufgesetzt, am 20. November 1989 einen bemerkenswerten Befreiungsschlag. Kurz und bündig erklärte er:»Es gibt keinen Grund, den jetzigen Deutschen etwas vorzuenthalten, was alle anderen ...als selbstverständlich in Anspruch nehmen .... Wir wollen keine kriegerischen und keine friedlichen Eroberungen mehr.... Was wir ebenso wenig wollen, ist eine ostentative Underdog-Behandlung 45 Jahre nach Ende des Krieges«. Damit entzog er der Kollektiv- und Erbschuld-These den Boden, welche auf eine höchst dubiose, mit rechtsstaatlichen Kategorien unvereinbare und buchstäblich alttestamentarisch-unchristliche Weise [sic!] ganzen Generationen von Unschuldigen Schuld- und Minderwertigkeitskomplexe einzupflanzen sucht.“ Dem antisemitischen Impetus seiner Ausführungen entsprechend fährt Bieberstein mit Angriffen auf Ralph Giordano fort (1991b: 129).Google Scholar
  417. 420.
    Günther Müller verweist auf die europa- und frankreichfeindliche Haltung Augsteins, die mit den Positionen der Criticón-Rechten vollkommen konform geht: „Die deutsche Europapolitik hat Rudolf Augstein am 26. April 1993 im »Spiegel« so beschrieben: »Kohl will ein einiges Europa, weiß aber nicht und will auch nicht wissen, was er darunter zu verstehen hätte. Balladur weiß es hingegen: Es gilt die Bundesbank zu untergraben [sic!], und gleichzeitig soll Frankreich sein Wesen als alte Nation behalten. Leider haben wir in Bonn keine Regierung, die eigene Interessen vertreten will. Die Floskel ‚Europa’ genügt. Paris hingegen weiß, was es will, sagt sogar, was es will, und tut, was es will. Die europäische Einigung ist dabei nur eine Farce. [...]«“ (zit. b. Müller 1994).Google Scholar
  418. 421.
    Vgl. Walser (1993), Enzensberger (1991, 1992, 1993), Strauß, B. (1993). — Klaus Kriener zufolge geht es bei den „Debatten, die das sogenannte Nationale zum Thema haben, darum, eine Normalität der deutschen Nationalstaatlichkeit zu definieren und sie als allgemein legitimiert durchzusetzen“. In den genannten ‚Spiegel’-Aufsätzen und anderen Debatten zu Beginn der 90er Jahre seien „die neuen Selbstverständlichkeiten und Normalitäten“ ausgelotet worden (Kriener 1999). — Eine Fortsetzung finden die Normalisierungsdebatten in den späten 90er Jahren, ausgelöst durch Martin Walsers Paulskirchen-Rede, wobei nunmehr das offensive Verlangen nach dem „Schlußstrich“ in den Vordergrund rückt (vgl. hierzu Assmann/Assmann 1998 sowie Claussen 1998).Google Scholar
  419. 422.
    Schrenck-Notzing zufolge „reguliert“ das Blatt nicht weniger als „das politisch-kulturelle Klima in der Bundesrepublik“ (1988b: 124). — Verweise auf die genannten ‚Spiegel’-Beiträge in Criticón bei Leesen (1993: 159) sowie bei Mohler (1993i). — Vgl. auch Schrenck-Notzings Verweis auf Frank Schirrmachers Bewertung der ‚Spiegel’-Aufsätze im Konkurrenzblatt ‚Focus’ (1994d).Google Scholar
  420. 423.
    Zur Präsentation im ‚Spiegel’ bemerkt Mohler: „Der 1944 geborene Dramatiker hat im »Spiegel« vom 8. Februar unter dem mysteriösen Titel »Anschwellender Bocksgesang« ein politisches Bekenntnis abgelegt, das sich über sage und schreibe sechs teure »Spiegel«-Seiten hinwegzieht und von keiner einzigen Reklame-Seite unterbrochen wird. Und über diese an sich schon auffällige Präsentation verbreitete der Intellektuelle vom Dienst in der SPD, Peter Glotz, einen dämonischen Glanz durch den von den Medien hundertfach übernommenen Aufschrei: »Notiert euch den Tag, Freunde, es war die SPIEGEL-Ausgabe vom 8. Februar 1993. Es wird ernst.« Glotz ist offensichtlich der Meinung, daß aus historischem Abstand der 8. Februar 1993 einmal als das Datum gelten werde, an dem die Bundesrepublik nach rechts gekippt sei!“ (1993e: 122)Google Scholar
  421. 424.
    Am Beispiel Frankreichs weist Mohler darauf hin, daß die Zeitschriften der ‚Nouvelle Droite’ „Organe im Geisteskampf’ seien, während die traditionalistischen Organe der Rechten „über enge Zirkel nicht mehr hinaus [kämen]“ (1986b). — Exemplarisch für diese Haltung ist auch die Vorstellung von Hans-Dietrich Sanders polemischen ‚Deutschen Monatsblättern’ in Criticón, anläßlich der ausdrücklich davor gewarnt wird, mit Insiderblättern „in der Wagenburg des nationalen Lagers [zu verschwinden], wo für Umdenken kein Anlaß gesehen wird“ (Criticón 87, 1985: 48).Google Scholar
  422. 425.
    Das Blatt sei, schreibt Schrenck-Notzing, in Anknüpfung an frühere Bewertungen, „zugleich Kind und Erzeuger“ jenes Zeitgeistes gewesen, „der drei Jahrzehnte (von 1960 bis 1990) als moralisierende Meinungsherrschaft das Land fest in seinem Griff hatte“. Demgegenüber gehöre ‚Focus’ „bereits in eine andere Epoche“ (ebd.). — Vgl. die fast wortgleichen Äußerungen des ‚Focus’-Chef-redakteurs Helmut Markwort, zit. b. Junge/Naumann/Stark (1997: 101).Google Scholar
  423. 426.
    Paradigmatisch hierfür Schrenck-Notzings Kritik an der staatstragenden Haltung von ‚Focus’: „»Focus«-Chefredakteur Helmut Markwort (FDP) legt Wert darauf, daß er am 18. Januar nicht an die Versailler Kaiserproklamation gedacht habe, sondern an die erste Sitzungswoche des Bundestages. Wir glauben es ihm ja. Aber liegt nicht genau da der Hund begraben? Die erste Nummer des »Focus« mutet dem Leser die Farbphotos von zwei Dutzend Bonner Politikern zu. Als ob die eigenen Leser von der Politikverdrossenheit ausgenommen seien. Wie soll statt »Spiegel«-Häme »Fo-cus«-Freude aufkommen, wenn das neue Magazin zwar mit »über 30 Spar- und Luxustips« für Geschäftsreisende wirbt, aber den Lesern keine Waigel- und Bötschfreie Zone gönnt?“ (ebd.)Google Scholar
  424. 427.
    Das eng mit Criticón verbundene ‚Wetzlarer Forum’ kündigt im Herbst 1993 einen Vortragsabend mit dem Bonner ‚Focus’-Korrespondenten Michael Jach zum Thema „»Die vierte Gewalt — Sitten und Unsitten der Medien«“ an. Für weitere Vorträge sind der JF-Redakteur Roland Bubik, der par-tei- und fraktionslose Bundestagsabgeordnete Ortwin Lowack (ehem. CSU) sowie die hessische CDU-Landtagsabgeordnete Traudl Herrhausen vorgesehen; Interessenten werden aufgefordert, über den Criticón-Verlag Kontakt zu dem Forum aufzunehmen (vgl. Criticón 138, 1993: 204).- Zu den vielfältigen Verbindungen von ‚Focus’ zur Neuen Rechten vgl. auch die Darstellung bei Junge/Naumann/Stark (1997: 100ff.).Google Scholar
  425. 428.
    Vgl. insbesondere die Vorstellung des Wocheninformationsdienstes ‚idea Spektrum’ (Criticón 130, 1992: 100) sowie der Jungen Freiheit’ in Criticón. — Vgl. weiterhin (aus dem deutschsprachigen Raum) die Präsentation von ‚Fragmente’ (Criticón 115, 1989: 256 u. 121, 1990: 256), ‚Zeitenwende’ (vormals ‚Europa’), ‚wir selbst’ und Junge Freiheit’ (Criticón 122, 1990: 304), ‚Etappe’ (Fröschle 1991), ‚Die weiße Rose’ (Criticón 124, 1991: 100), ‚Aula’ (128, 1991: 320), des Pressespiegels ‚Innerer Frieden’ (Criticón 142, 1994: 128) sowie von ‚Mediendialog’ (Criticón 143, 1994: 192) und ‚Sonde’ (Criticón 143, 1994: 192). — Vgl. auch die Vorstellung zahlreicher Zeitschriftenprojekte aus Frankreich, Italien, Ost- und Südosteuropa.Google Scholar
  426. 429.
    Kopp, der seine politische Karriere als CDU-Mitglied beginnt, wird im ‚Handbuch Deutscher Rechtsextremismus’ als „Multifunktionär und Vertreter der jungen Generation im rechtsextremen Lager mit landsmannschaftlichen und burschenschaftlichen Wurzeln“ geführt. Während seiner fünfjährigen Tätigkeit bei der Jungen Freiheit’ (1990–95) habe er „als einer der gewichtigsten Redakteure ihren »jungkonservativen« Ansatz [geprägt]“ (vgl. Mecklenburg (Hrsg.) 1996: 482).Google Scholar
  427. 430.
    Vgl. ebenso die Einschätzung von Criticón-Herausgeber Caspar von Schrenck-Notzing, der die Neugründung von vier „politisch-kulturelle[n] Wochenschriften“, die sich „deutlich links von der »Zeit«“ einordneten (‚Freitag’, ‚Die Woche’, ‚Wochenpost’ und ‚Weltbühne’), als paradigmatisch für die ausgebliebene Veränderung des politisch-kulturellen Klimas nach der deutschen Einheit deutet (1993d); vgl. hierzu auch Criticón 140 (1993: 308).Google Scholar
  428. 431.
    Kopp verweist auf den neu-rechten Medienkongreß ,Initiative ‚90’, dessen Empfehlung, „»die Brieftaube durch das Telefax und den Karteikasten durch die Computerdatei zu ersetzen«“, weitgehend in die Praxis umgesetzt worden sei. Zu den erfolgreichen ,,»hausgemachte[n]« Journale[n]“ „im studentischen Milieu und bei jungen Vertriebenen“ zählt Kopp u.a. „»Fritz — Mitteilungsblatt der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen«“ sowie, „als süddeutsches [sic!] Pendant, die »Wiener Couleurszene«, Organ der schlagenden Verbindungen in der Donaumetropole“ (ebd.).Google Scholar
  429. 432.
    Kopp zufolge kann das Blatt nach der Wiedervereinigung „als Folge der forcierten Verzichtspolitik mehrere tausend neue Leser gewinnen, die das Festhalten der Wochenzeitung am gesamt-deutschen Kurs honorieren“ (1992: 106). — Die Autorenschaft des 1950 gegründeten ‚Ostpreußenblattes’ überschneidet sich in erheblichem Maße mit dem Criticón-Kreis — die Criticón-Autoren Hornung, Je-bens, Kaschkat, von Leesen, Paulwitz u.v.a. sind ebenso vertreten wie der Bundeswehr-Reserveoffizier und Criticón-Autor Joachim Weber, der in der Redaktion des Blattes mitarbeitet. -Die aggressive, jung-rechte Zeitschrift ist auch im Internet mit einer eigenen Homepage vertreten (URL: http://www.ostpreussenblatt.de). — Zu Geschichte und Profil des ‚Ostpreußenblattes’ vgl. auch die Darstellung bei Mecklenburg (Hrsg.) (1996: : 422ff.).Google Scholar
  430. 433.
    Das 1979 in Konkurrenz zum ‚Evangelischen Presssedienst’ (epd) gegründete Periodikum (‚idea’ ist die Abkürzung für ‚Informationsdienst der Evangelischen Allianz’) ist Criticón zufolge das erfolgreichste „unter den Organen der konservativen Alternativpublizistik, die auf die Herausforderungen der Kulturrevolution antworteten“. In einer Eloge auf das Blatt wird ausdrücklich bedauert, daß ‚idea-spektrum’ „in seiner Berichterstattung auf die christliche Welt beschränkt ist“ (Criticón 130, 1992: 100). — Auch ‚idea-spektrum’ scheint von den Entwicklungen nach 1989/90 zu profitieren: Hans-Ulrich Kopp vermeldet 1992 unter Berufung auf die Herausgeber eine Auflagensteigerung um 4.000 Stück auf 21.000 innerhalb eines Jahres sowie eine Steigerung des Anzeigenvolumens „um 33 Prozent seit der letzten Jahresmitgliederversammlung“ (1992: 106). — Zu ‚idea-spektrum’ und weiteren christlich-konservativen Publikationen vgl. auch Criticón 146 (1995: 120).Google Scholar
  431. 434.
    Kopp ist zwischen 1990 und 1995 Mitglied der JF-Redaktion und scheidet dann aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über den Kurs des Blattes aus (vgl. Mecklenburg (Hrsg.) 1996: 415, 482). -Zum JF-Projekt vgl. die umfassende Darstellung bei Kellershohn (1994a) sowie Krebs, F. (1999).Google Scholar
  432. 435.
    Vgl. Proksa (1988) sowie die Darstellung bei Siegler (1992a) und Schmidt, F. (1993: 211f.). — Vgl. insbes. die Erstvorstellung der JF durch Karlheinz Weißmann (1988a); ab Ende 1990 ist die JF mittels Anzeigen, Meldungen und zahlreicher Bezugnahmen in nahezu jeder Criticón-Ausgabe präsent. Die Unterstützung, die dem Blatt durch den Criticón-Kreis zuteil wird, spiegelt sich exemplarisch in einer ganzseitigen JF-Anzeige im Winter 1991/92 wider, in der u.a. lobende Stellungnahmen von Schrenck-Notzing, Mohler, Rohrmoser und Graw zum JF-Projekt zitiert werden (JF 1991).Google Scholar
  433. 436.
    Daß sich die JF-Macher selbst in der von Criticón begründeten Tradition sehen, zeigen die Ehrbezeugungen von JF-Chefredakteur Dieter Stein auf der Homepage der Zeitung im Internet: „Das Schlüsselproblem, dem sich die JUNGE FREIHEIT mit ihrer Gründung 1986 verschrieben hat, der deutschen Frage und Lösungsansätzen zur Überwindung der Teilung unseres Landes, wurde in Westdeutschland bis 1989 praktisch totgeschwiegen. Es waren konservative und wenige Publizisten einer unabhängigen nationalen Linken, die sich unermüdlich der nationalen Frage verschrieben hatten. Hervorzuheben ist hier neben anderen die Kulturzeitschrift Criticón des Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing, dessen Periodikum mindestens eine Bedeutung wie den Frankfurter Heften zukommt, und der [sic!] Zeitschrift »wir selbst«.“ (Stein 1996). — Zu den personellen und organisatorischen Verflechtungen zwischen beiden Blättern vgl. die Darstellung bei Maegerle (1994a).Google Scholar
  434. 437.
    Vgl. exemplarisch Schrenck-Notzing (1991j), Richard (1997) sowie Mohler (1992k).Google Scholar
  435. 438.
    Anton Maegerle vermutet, daß dieser Schritt erfolgt ist, „um Teilen ... [der Criticón-JAutorenschaft freie Kapazitäten zur Mitarbeit bei der Jungen Freiheit... zu ermöglichen“ (Maegerle 1994a: 117).-Schrenck-Notzing, der in den 80er Jahren wiederholt das Fehlen einer konservativen Wochenzeitung beklagt, kündigt bereits zu dieser Zeit — hier noch mit Blick auf die großen Verlagshäuser — die Bereitschaft an, einem solchen Unternehmen den Vortritt zu lassen: „Publizität erfreut, doch bleibt unsere Zeitschrift bis auf weiteres ein Einzelfall. Sie signalisiert noch keine Trendwende in der Publizistik. Täte sie es, wir würden das Feld beruhigt, wenn nicht Berufeneren, so doch ungleich Stärkeren überlassen, nämlich Bertelsmann, Bauer, Burda und Springer.“ (1987a). — Das geringe Interesse der am „Gramscisrne de droite“ orientierten Vertreter der Neuen Rechten an der tagesaktuellen Berichterstattung macht exemplarisch der Vordenker der französischen ‚Nouvelle Droite’, Alain de Benoist, in seinem Statement zur JF deutlich, mit dem die Zeitung in Criticón um Abonnenten wirbt: „»Die JUNGE FREIHEIT ist eine Zeitung, die ich immer sehr gerne lese, obgleich sie der Tagespolitik — zweifellos fundiert und objektiv — viel Platz einräumt, was nicht immer mein Hauptinteresse ist.«“ (zit. n. Junge Freiheit 1991); vgl. demgegenüber Benoists uneingeschränktes Lob für Criticón (Benoist 1980: 202, Anm. 2).Google Scholar
  436. 439.
    Neben der hier zitierten Meldung „Zeitungen: »Junge Freiheit« wöchentlich“ vgl. auch die redaktionelle Mitteilung „An unsere Abonnenten“ in Criticón 140, 1993: 308.Google Scholar
  437. 440.
    Heißig vermutet einen Zusammenhang mit dem kurz zuvor erfolgten Abdruck einer JF-Werbeanzeige in der FAZ: „Offenbar um Vorwürfen der linken Meinungsmafia ... zu entgehen, die Plazierung einer Anzeige der JF habe etwas mit Sympathie zu tun“, „dämonisiere“ das Blatt die JF. Heißig verweist hierbei auf einen FAZ-Beitrag von Jens Jessen, der freilich eher vorsichtig argumentiert und die Frage des „Zusammenhang[es] zwischen einer rechten Publizistik und dem Rechtsradikalismus, der auf der Straße gewalttätig wird“ ausdrücklich offen läßt (vgl. Jessen 1999). -Meinrad von Ow negiert diesen Zusammenhang in Criticón ausdrücklich und beklagt im Sommer 1994 mit Blick auf Aussagen des CDU-Bundestagsabgeordneten Friedbert Pflüger (1994), daß „die »fortschrittlichen« Kräfte in der CDU gemerkt [hätten], woher der Wind des deutschen Ungeistes weht“. Neben der Antifa und „einschlägige[n] Blätter[n]“ wie der ‚Zeit’ und der ‚Süddeutschen Zeitung’ beteiligten sich mittlerweile auch ‚Das Parlament’ und sogar ‚Die Welt’ an der Kampagne „»Gegen Rechts«“, mittels der die JF, ‚Mut’ und Criticón „in die Schublade »Rechtsextremismus«“ gepackt würden (Ow 1994c). — Schon ein Jahr vor der öffentlichen Diskussion um die JF beklagt Caspar von Schrenck-Notzing, daß das FAZ-Feuilleton dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des BfV, Armin Pfahl-Traughber, die Gelegenheit gegeben habe, um die JF, „ein studentisches, intellektuelles und ungebundenes, aber leider gar nicht linkes Organ“, zu diskreditieren (Schrenck-Notzing 1993c).Google Scholar
  438. 441.
    Zur Mitte der 90er Jahre nähert sich das Blatt dem nationalliberalen F.D.P.-Flügel um Rainer Zitelmann und Alexander von Stahl an, was einige Redakteure zum Ausscheiden veranlaßt (vgl. Mecklenburg (Hrsg.) 1996:415).Google Scholar
  439. 442.
    Vgl. die bereits angesprochene Kontroverse um Mohlers Nolte-Rezeption, die den JF-Chefredakteur Dieter Stein zur öffentlichen Distanzierung veranlaßt (Stein 1995) und zur Einstellung von Mohlers JF-Kolumne „Nachrichten aus dem Interregnum“ fuhrt.Google Scholar
  440. 443.
    Vgl. etwa die Verteidigung der Orientalistin Annemarie Schimmel durch Criticón-Autor Martin Pabst gegen die öffentlichen Vorwürfe einer Rechtfertigung des Mordaufrufs gegen Salman Rushdie. Der JF wird in diesem Zusammenhang vorgeworfen, sich den „gesteigerten Anforderungen an »political correctness« in dieser Republik“ nicht zu verschließen (Pabst 1995: 162).Google Scholar
  441. 444.
    Gegen den Brandanschlag vom 04.12.1994 auf die Weimarer Union-Druckerei, die u.a. die JF zu ihren Kunden zählt, wendet sich am 12.12.1994 „eine Gruppe von Politikern, Journalisten und Intellektuellen“, die unter der Überschrift „Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ (Rosa Luxemburg) „das Recht auf freie Meinungsäußerung“ für die JF einfordern (vgl. taz vom 14.12.1994; vgl. ebenso ‚junge weit’ vom 15.12.1994 sowie ‚Die Zeit’ vom 16.12.1994). Die Liste der Erstunterzeichner reicht von Daniel Cohn-Bendit (MdEP, Bündnis90/Die Grünen), Thomas Schmid (‚Wochenpost’), über die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe bis hin zum dem Unions-Rechtsaußen Peter Gauweiler (CSU-Bezirksvorsitzender München) und dem neu-rechten „Friedensforscher“ Alfred Mechtersheimer.Google Scholar
  442. 445.
    Die Pogrome und „deren internationale Ausschlachtung in den Medien [hätten] die »linke Linke« ... aus der Jammerkammer der Wiedervereinigungsverlierer in den Thronsaal der Rostock-Mölln-Gewinner ... katapultiert“, schreibt Schrenck-Notzing (ebd.). — Vgl. auch bereits ders. (1992j); die hier gegebene Deutung der Ereignisse als „Versuch einiger Parteileute und -Journalisten“ mithilfe der Wirthschen Parole „Der Feind steht rechts“ „ihr sinkendes Schiff doch wieder flottzumachen“, läßt den Rostocker Pogrom auf den Status einer reinen Medieninszenierung schrumpfen. Adäquat hierzu sprechen andere Autoren vom „Medien-Spektakel“ (Sothen 1993: 241; hier zu den Ereignissen von Hoyerswerda und Rostock) oder vom „Medien-Faschismus“ (Hornung, K. 1993b: 125).Google Scholar
  443. 446.
    Vgl. exemplarisch Schrenck-Notzing (1993c); hier die strenge Zurechtweisung von JF-Chefredak-teur Dieter Stein, dem der Criticon-Herausgeber vorwirft, den Ernst der Lage zu verkennen.Google Scholar
  444. 447.
    Klaus Hornung beklagt im Einklang mit der konservativen Presse die Ausbreitung von „Gesinnungstüchtigkeit und Konformismus“ im Gefolge der Lichterketten-Demonstrationen gegen Ausländerfeindlichkeit: „Da wurden den Passanten an strategisch gut ausgewählten Stellen wie U-Bahn-Zugängen, Unterführungen oder Busbahnhöfen brennende Kerzen in die Hand gedrückt. Wer sie zurückweisen wollte, schloß sich mit geradezu totalitärem Automatismus aus der Gemeinschaft der guten Menschen aus. Günter Zehm, einer der wenigen Publizisten, die kritisch gegenzuhalten wagten, schrieb bereits Ende Januar im »Rheinischen Mekur«: »Es ist ein Klima der Hexenjagd entstanden gegen alle, die sich in der Asylfrage um umfassende Information bemühen oder gar rechts von Kohl und Waigel sich zu artikulieren wagen; sie werden sofort in die Nähe von Verbrechern gerückt oder gar zu ‚öffentlichen Feinden’ erklärt.«“ (1993b: 125f).Google Scholar
  445. 448.
    Für Klaus Hornung stellt die Demonstration die „Introduktion der folgenden Demo-Welle“ dar, bei der „im Zusammenspiel der Initiatoren mit den Medien zum ersten Mal die wachsende und berechtigte Kritik unserer Bevölkerung gegen den anschwellenden Asylantenstrom ... zu Fremdenhaß, Rassismus, neuem Antisemitismus und »Faschismus«“ umgedeutet und „die Bevölkerung oberlehrerhaft zu Wohlverhalten ermahnt“ worden sei (1993b: 125). — Vgl. auch Motschmann (1992d).Google Scholar
  446. 449.
    Vgl. die heftigen Reaktionen von neu-rechter, aber auch von konservativer Seite auf die Rede von Weizsäckers zum 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1985.Google Scholar
  447. 450.
    Vgl. auch die kritische Begleitung des Berliner Weizsäcker-Senats durch Criticón in den 80er Jahren (Schmidt, F. 1993: 162f), in dessen Amtszeit (1981–84), der liberal-konservativen Haltung von Weizsäckers zum Trotz, der Unions-Rechtsaußen Heinrich Lummer, der sich in den 90er Jahren offen der Neuen Rechten zuwendet (und auch in Criticón publiziert), immerhin als Bürgermeister und Innensenator fungiert. — Die moralische Instanzhaftigkeit von Weizsäckers weiß die Criticón-Rechte in anderen Bereichen durchaus zu schätzen: Karlheinz Weißmann u.a. verweisen auf die frühe Rehabilitierung geopolitischer Deutungsmuster sowie des Mitteleuropagedankens durch den damaligen Bundespräsidenten (Weißmann 1986b: 220, Eschbach 1992: 166); von Weizsäckers Parteienkritik zu Beginn der 90er Jahre wird für zahlreiche Criticón-Autoren zur zentralen Verweisinstanz (exemplarisch Stubbe-da Luz 1993: 29 u. 32, Anm.4).Google Scholar
  448. 451.
    So der bayerische Ministerpräsident Max Streibl auf dem 56. CSU-Parteitag in Nürnberg Anfang November 1992, auf dem einer Beteiligung an der Anti-Rassismus-Demonstration eine kategorische Absage erteilt wird (taz vom 07.11.1992). — Positive Verweise auf die Absenz der Partei in Berlin bei Motschmann (1992d: 263) sowie bei Hornung, K. (1993b: 125).Google Scholar
  449. 452.
    Daß solcherlei „ErnstfaH“-Visionen vorrangig denunziatorischen Zwecken dienen, wird nicht zuletzt daran deutlich, daß noch einige Monate zuvor in Criticón postuliert wird, daß „der politische Kampf der Antifaschisten bereits ... verloren“ sei und deren „Einwirkungsmöglichkeiten in das etablierte Parteienspektrum ... geringer geworden“ seien (Zehnter 1992: 185).Google Scholar
  450. 453.
    Hornung. schreibt: „Plötzlich war sie wieder da, jene »Volksfront«, die sich zuletzt in der soge-nannten Friedensbewegung zusammengefunden hatte und der dann seit dem Ende der achtziger Jahre durch den Zusammenbruch des Realsozialismus und die deutsche Wiedervereinigung ihre Agitationsthemen abhanden gekommen waren. Es waren dieselben, die schon 1990 versucht hatten, die sich abzeichnende Einheit in letzter Minute doch noch zu verhindern oder wenigstens — vor allem auch gegenüber dem Ausland — zu diskreditieren. Da tauchten die Parolen von »Großdeutschland« oder vom »Vierten Reich« auf, die noch aus der Propagandaküche Honeckers stammten und selbst in westdeutschen Gymnasien diskutiert wurden. Die rasche Entwicklung des Jahres 1990 in Richtung Einheit ging damals über sie hinweg.“ (ebd.: 126). — Das Rezept bei derlei Aktionen sei, so Hornung., immer das gleiche, „nämlich hohe ethische Wertbegriffe wie Frieden, Humanität, christliche Brüderlichkeit, Toleranz etc. zu instrumentalisieren und in politische Druckwirkungen umzusetzen“.Google Scholar
  451. 454.
    Auch das öffentliche Entsetzen über den Solinger Mordanschlag stellt aus Schrenck-Notzings Sicht ein „Schulbeispiel“ dafür dar, „wie in einer Mediengesellschaft Betroffenheit in der Lage ist, die der Staatlichkeit und eines geordneten und rationalen politischen Prozesses zu überrollen“ (1993g).Google Scholar
  452. 455.
    Vgl. exemplarisch die von Resignation gekennzeichneten Ausführungen zur „globalen Durchsetzung der Demokratie“ unter der Führung der USA, die nun auch die post-kommunistischen Staaten erfasst habe (Schrenck-Notzing 1993k).Google Scholar
  453. 456.
    Schrenck-Notzing verweist hierbei auf Beiträge von Thomas Rothschild sowie Armin Pfahl-Traughber im FAZ-Feuilleton. — Auch Armin Mohler will „»Antifaschisten« im Feuilleton der FAZ“ ausmachen (1993h: 179).Google Scholar
  454. 457.
    Ist für Schrenck-Notzing zu Beginn des Jahres 1993 noch nicht entschieden, „ob nun die Linke zur Reconquista verlorenen Medienterritoriums aufgebrochen [sei] oder jemand seinen Gesinnungsfreunden ein Hintertürchen geöffnet [habe]“ (1993c), so geht er bereits im Sommer desselben Jahres von einer gesteuerten Kurskorrektur im FAZ-Feuilleton aus, wie sein Rekurs auf George Orwells „1984“ deutlich macht: „Oft erfahren wir vom Großen Bruder nur durch das Auftreten von Kleinen Brüdern. Ein solcher Kleiner Bruder hat kürzlich eingegriffen, als das FAZ-Feuilleton ... in den alten Pferch zurückgetrieben wurde. Und niemand durfte Namen und Adresse dieses Kleinen Bruders (oder waren es Brüder?) erfahren.“ (1993i).Google Scholar
  455. 458.
    Diese Strategie ist regelmäßig mit der Leugnung der Existenz einer Neuen Rechten verbunden. Auch im vorliegenden Fall versucht der Criticón-Herausgeber, die Neue Rechte als Konstrukt des Gegners auf der Linken abzutun: „Wer sind die Neuen Rechten? Leute, die sich auf der medialen Anklagebank gegenseitig kennenlernen. Ansonsten bezeichnet man so in England die thatcheristi-schen Anhänger einer freien Marktwirtschaft, in den USA erst die christlich-fundamentalistischen Kämpfer in Moralfragen (Abtreibung, Pornographie etc.), dann die Gegner der »political correctness«, in Frankreich eine Intellektuellengruppierung, deren Anführer Alain de Benoist erklärt hat, daß das Etikett nicht auf ihn passe und eine Medienerfindung sei, in Italien schließlich die neue Parlamentsmehrheit. In Deutschland soll »Der Spiegel« durch den kurz hintereinander erfolgten Abdruck von Essays von Botho Strauß, Hans Magnus Enzensberger und Martin Walser eine Neue Rechte lanciert haben (so Frank Schirrmacher, der für das Feuilleton zuständige Mitherausgeber der FAZ, in »Focus« v. 9. 5.)“ (Schrenck-Notzing 1994d).Google Scholar
  456. 459.
    Schrenck-Notzing verweist auf „Gewalttaten gegen Nolte und Zitelmann“ von Seiten der Berliner Antifa und merkt an: „Wenn Dr. Heiner Geißler (CDU) auffordert, einer Neuen Rechten den Zugang zu seriösen Publikationsorganen zu versperren, fällt das schon gar nicht mehr auf. Warum dann nicht auch das Wiederaufleben des Faustrechts achselzuckend hinnehmen?“. — Als weitere Beispiele nennt der Criticón-Herausgeber die Absetzung Rainer Zitelmanns als Leiter des Ressorts ‚Geistige Welt’ bei der Tageszeitung ‚Die Welt’ aufgrund von redaktionellen Widerständen im Frühsommer 1994 sowie die vermeintlichen Kampagnen gegen Ernst Nolte und Botho Strauß. -Schrenck-Notzing unterstreicht, daß — im Vergleich mit dem Historikerstreit — das „federführende Organ“ in der Auseinandersetzung gewechselt habe: Sei der Historikerstreit noch von einem Artikel in der ‚Zeit’ ausgelöst worden, so kämpfe nun das FAZ-Feuilleton an vorderster Front gegen die Neue Rechte, während sich die ‚Zeit’ sogar moderat zurückgehalten habe (ebd.).Google Scholar
  457. 460.
    Vgl. in diesem Zusammenhang auch die Wortmeldungen von Bundeskanzler Helmut Kohl, des CDU-Bundestagsabgeordneten Friedbert Pflüger, der Publizisten Alexander Gauland, Herbert Kremp u.v.a. — Vgl. ebenso das viereinhalb Jahre später präsentierte Nachfolgepapier, in dem der mittlerweile zum CDU-Bundesvorsitzenden avancierte Wolfgang Schäuble und der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karl Lamers, die oben beschriebene Linie erneut bekräftigen und in diesem Sinne nunmehr der rot-grünen Bundesregierung die Leviten lesen: „Es wäre klug, wenn die deutsche Bundesregierung sich bewußt machte, daß in den Augen ihrer Nachbarländer mit [der] Erweiterung der Europäischen Union auch eine Erweiterung des deutschen Einflusses verbunden sein wird, welche die europäische Balance gefährden könnte, anstatt mit der Rede von endlich erlangter deutscher Normalität einen neuen, naiv-nationalistisch wirkenden Stil einzuführen, der wohl Selbstbewußtsein ausstrahlen soll. [...] Die europäische Zukunft ist keine bloße Verlängerung der nationalen Vergangenheit.“ (CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages 1999: 4, 16). — Das in der linksliberalen Presse vorschnell als Abkehr von der Nation gefeierte Papier (Meng 1999) steht hinsichtlich der Orientierung auf eine neue deutsche Großmachtposition seinem Vorläufer freilich in nichts nach und betont u.a. die Notwendigkeit der Bewahrung nationaler Identität im Europäischen Einigungsprozeß (vgl. etwa die Ausführungen zu „Heimat-Vaterland-Zukunft“, ebd.: 7).Google Scholar
  458. 461.
    Neben der Herausbildung eines „Parteienblock[s], der gut und gern auf Opposition verzichten kann“ sieht Schrenck-Notzing „die ganze Welt ... von einer Medienglocke fest umschlossen“: „Das Gebräu aus Information und Unterhaltung — amerikanisch zu »infotainment« zusammengezogen — ist überall das gleiche. Rund um die Uhr. Es ist wie im Märchen vom Breitopf, der überkocht und dessen Brei nicht zu fließen aufhört. Der Medienbrei verklebt alle Ohren und verschließt alle Hirne (1994h). — Zur Bezugnahme auf Strauß, Orwell und Huxley vgl. auch ders. (1995a, 1995b).Google Scholar
  459. 462.
    „Kohl fand Helfer. Leo Kirch stellte den Springerverlag und seine Zeitungen, sowie den Sender SAT 1 zur Verfügung, die FAZ schaltete sich gleich, selbst der »Münchner Merkur«, zuvor ein Sprachrohr der Sorgen und Mißstimmungen der Bürger, brach von einem Tag auf den anderen in Kohl-Waigel-Jubel aus, um kurz nach der Bundestagswahl zum früheren Kurs zurückzukehren. [...] Die Zensur brachte die wenigen Stimmen zum Schweigen. Pankraz (G. Zehm) wurde im »Rheinischen Merkur« ... das Handwerk gelegt — wegen einer Glossierung der alliierten Invasionsfeiern, Zi-telmann die »Geistige Welt« entzogen, das FAZ-Feuilleton gesäubert.“ (Schrenck-Notzing 1994h).Google Scholar
  460. 463.
    Vgl. Schrenck-Notzing (1995a) sowie Eiselt (1995).Google Scholar
  461. 464.
    Vgl. die von Heimo Schwilk et al. initiierte Anzeige „8. Mai 1945 — Gegen das Vergessen“ in der FAZ vom 07.04.1995, in der es heißt: „Einseitig wird der 8. Mai von Medien und Politikern als »Befreiung« charakterisiert. Dabei droht in Vergessenheit zu geraten, daß dieser Tag nicht nur das Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft bedeutete, sondern zugleich auch den Beginn von Vertreibungsterror und neuer Unterdrückung im Osten und den Beginn der Teilung unseres Landes. Ein Geschichtsbild, das diese Wahrheiten verschweigt, verdrängt oder relativiert, kann nicht Grundlage für das Selbstverständnis einer selbstbewußten Nation sein, die wir Deutschen in der europäischen Völkerfamilie werden müssen, um vergleichbare Katastrophen künftig auszuschließen.“ — Dieser Deutung schließen sich laut Unterzeichnerliste neben etlichen Exponenten der Neuen Rechten, darunter JF-Chefredakteur Stein und Criticón-Herausgeber Schrenck-Notzing sowie die Criticón-Autoren Groppe, Greve, Hornung, Karst, Knütter, Löwenthal, Lummer, Motschmann, Sohn, Weißmann, Uhle-Wettler u.a., auch prominente Vertreter des bundesdeutschen Polit-Establishments an, so etwa Hans Apel (SPD), Alfred Dregger (CDU), Peter Gauweiler (CSU), Claus Jäger (CDU), Carl-Dieter Spranger (CSU), Friedrich Zimmermann (CSU) u.a. — Der Ehrenvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alfred Dregger, kann nur durch massiven Druck seitens der CDU-Parteispitze von seinem Vorhaben abgebracht werden, die Hauptrede auf der von den neu-rechten Initiatoren ftir den 7. Mai 1995 geplanten Großkundgebung in München zu halten. — Zu der aufsehenerregenden Aktion und ihrem Fortgang vgl. auch die Criticón-Berichterstattung (Schrenck-Notzing 1995d, Löwenthal 1995b); vgl. weiterhin die Anzeige der Initiatoren in Criticón 146 (1995: 91) sowie des ‚Friedenskomitees 2000’ in Criticón 146 (1995: 118). — Zur Criticón-Rezeption des 50. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges vgl. neben den o.g. Beiträgen etwa auch Schrenck-Notzing (1995c), Groppe (1995), Lenk, L. 1995).Google Scholar
  462. 465.
    Vgl. die Werbeanzeigen für die Broschüre in Criticón 146 (1995: 107) u. Criticón 147 (1995: 137).Google Scholar
  463. 466.
    Der Criticón-Herausgeber verweist in diesem Zusammenhang erneut auf Entwicklungen bei der FAZ: „Seit einigen Wochen ist eine weitere interessante Gruppe zu den mundtot Gemachten gestoßen, die der ehemaligen Leserbriefschreiber und -leser der FAZ. Die Leserbriefseite der FAZ war seit vielen Jahren eine beachtete Sammelstelle für Informationen, die anderswo nicht zu finden waren, und so ziemlich der letzte Ort, wo konservative Stimmen an die Öffentlichkeit drangen. In einem abrupten Kurswechsel, über dessen Hintergründe nichts durchgesickert ist, hat das Frankfurter Blatt die Seite denjenigen überlassen, die mit dem Dreschflegel der Political Correctness ausgerechnet auf Mitglieder der eigenen Redaktion einschlagen.“ (ebd.).Google Scholar
  464. 467.
    Vgl. auch die hier vorgestellte Textsammlung „Critilos Reisen in den freiesten Staat der deutschen Geschichte“, die „ausgewählte Editoriale und Kommentare der Zeitschrift »Criticón« aus den Jahren 1977–1996“ vereint und deren Titel sich an ein Zitat Helmut Kohls anlehnt (hierzu Schrenck-Notzing 1996b: 7).Google Scholar
  465. 468.
    Dieses und die folgenden Criticón-Zitate sind, soweit nicht eigens belegt, dem obenstehenden Text entnommen und dort an den entsprechenden Stellen nachgewiesen.Google Scholar
  466. 469.
    Vgl. hierzu auch die treffenden Beobachtungen von Thomas E. Schmidt (1996).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2001

Authors and Affiliations

  • Friedemann Schmidt

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