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Großmacht Deutschland: Der „Ernstfall“ als Maxime

  • Friedemann Schmidt
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Zusammenfassung

Der Strategiediskurs der Criticön-Rechten zu Beginn der 90er Jahre bezieht seine Dynamik aus der Wahrnehmung einer günstigen Konstellation für die Reetablierung einer deutschen Großmachtrolle im internationalen Machtgefuge. Bestimmend hierfür ist die Erwartung, daß der als Sieg des „Faktischen“ über die Utopie gedeutete Untergang des Sowjetimperiums auch weitreichende Konsequenzen fur die westliche Hemisphäre nach sich ziehen werde1: Mit der „Weltmacht Sowjetunion“, schreibt Criticön-Herausgeber Caspar von Schrenck-Notzing, sei „nicht nur die eiserne Klammer fortgefallen, die den Ostblock zusammenhielt“, sondern auch das „machtgebietende[] Gegenüber“, der „Garant der inneren und äußeren Stabilität des Westens und der beide verbindenden Bündnisdisziplin“ (Schrenck-Notzing 1992d). Im Wegfall der , sowjetischen Bedrohung’ sieht die Criticón-Rechte die einmalige Chance einer Emanzipation Europas von den USA und — damit verbunden — einer neuerlichen Großmachtrolle des vereinten Deutschlands auf dem europäischen Kontinent. Die Aussicht auf eine Totalrevision der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges läßt innenpolitische Themenstellungen im Diskurs der Zeitschrift zunächst in den Hintergrund rücken: Zum beherrschenden Thema avancieren in den Jahren nach 1990 die internationalen Rahmenbedingungen deutscher Außenpolitik nach dem „Ende der Bipolarität“ (Weißmann 1992c: 269).

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Reference

  1. 1.
    Paradigmatisch Molnar (1991); Molnar verweist am Ende des Beitrages auf das Wort Hegels, wonach sich „die Geschichte ... von Ost nach West beweg[e] “ (173).Google Scholar
  2. 2.
    Zur wiederkehrenden Behauptung, die Deutschen huldigten seit dem Zweiten Weltkrieg in besonderer Weise der „Freiheit vom Ernstfall“ siehe insbesondere die Beiträge von Klaus Hornung (exemplarisch ders. 1992a: 208 sowie, unter Bezugnahme auf Ernst Forsthoff, ders. 1991a: 16). — Vgl. auch bereits Weißmann (1989a: 131).Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. hierzu exemplarisch Hornung, K. (1990) sowie die Ausführungen in Kapitel 4.2.1.Google Scholar
  4. 4.
    Zu diesen Themenkreisen vgl. Liminski (1990b, 1991a). — Vgl. weiterhin Weißmann (1991f: 238), Bavendamm (1992a), Kraus (1992: 96), Greve (1992b: 195), Kuehnelt-Leddihn (1992f), Hornung, K. (1993a). — Zur vermeintlichen Bedrohung Europas durch den Islam (bzw. den türkischen Expansionismus) vgl. insbesondere die Criticón-Beiträge von Gregor M. Manousakis (1989, 1991, 1992, 1993, 1994a).Google Scholar
  5. 5.
    Huntington stellt seine Thesen zum „Clash of Civilizations“ erstmals im Sommer 1993 in der Zeitschrift ,Foreign Affairs’ vor, das breite öffentliche Interesse hieran in der Bundesrepublk hält in den 90er Jahren unvermindert an (vgl. etwa Alfred Herrhausen Gesellschaft für Internationalen Dialog (Hrsg.) 1997). — Zur neu-rechten Rezeption von Huntington vgl. auch die Ausführungen in Kapitel 3.3.1.3.Google Scholar
  6. 6.
    Kremp bezieht sich auch häufig in der ,Welt’ auf Huntingtons Thesen (vgl. etwa ders. 1995).Google Scholar
  7. 7.
    Criticon-Autor Gregor M. Manousakis, „Verfasser mehrerer Bücher über sicherheitspolitische Themen und Fragen der Revitalisierung des Islam“ (1993: 63, biographische Angaben), versäumt es nur selten, in seinen Beiträgen gegen die Türkei und deren „panislamische” bzw. „pantürkische“ Politik zu Felde zu ziehen. Der Verdacht liegt nahe, daß die extensive Beschäftigung des griechischen ExDiplomaten mit der Thematik nicht zuletzt dem Ziel dient, dem Erzfeind des griechischen Nationalismus die westliche Unterstützung zu entziehen. — Daß „Ankara ... ein doppeltes Spiel“ auf dem Balkan treibe, behaupten auch andere Criticón-Autoren, so etwa der belgische Vordenker und Aktivist der Neuen Rechten, Robert Steuckers (1992: 73) u.a., wobei die Haltung zum Islam nicht durchgängig ablehnend ist, wie sich etwa anhand des Criticón-Diskurses zum Golfkrieg und zum Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien (vgl. Kapitel 3.4) und in anderem Zusammenhang zeigt (vgl. exemplarisch Pabst 1995).Google Scholar
  8. 8.
    Ähnlich auch bereits ders. (1992a: 208); hier tritt noch das Feindbild der serbischen Generäle „in ihrer gar nicht mehr so geheimen Allianz mit balance-of-power-Instinkten an Themse und Seine“ zur Bedrohung durch die russischen Militärs und den Islam; letztere in Kombination auch bei Weißmann (1991f: 238).Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Volker Rühes frühe Wendung gegen eine „verengtet] und unzeitgemäßen Interpretation des NATO-Vertrages“: „Es geht darum, präventiv zu wirken, Konflikte vom Bündnisgebiet fernzuhalten, sie in der strategischen Peripherie der NATO am Ort des Entstehens einzudämmen und zu lösen. “ (1994: 113).Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. hierzu etwa Weißmann (1992c: 270 u. 272).Google Scholar
  11. 11.
    Westorientierung’ ist hierbei nicht gleichzusetzen mit ,Westbindung’, d.h. der militärischen Einbindung Deutschlands in die NATO — letztere wird durchaus differenzierter betrachtet. Die Criticón-Rechte spaltet sich hierbei in einen „gaullistischen“ und einen „atlantischen“ Flügel (vgl. die Ausführungen in Kapitel 3.4.1.1 ff).Google Scholar
  12. 12.
    Exemplarisch Molnar (1991), Mölzer (1991: 248f), Mohler (1991i: 310). — Vgl. weiterhin die Ausführungen Carl Gustaf Ströhms zu den „deutschen Interessen in der künftigen freien Ukraine“ (1991g: 265), auf die auch Volker Rühe an anderer Stelle (1994: 86ff.) eindringlich hinweistGoogle Scholar
  13. 13.
    Das westliche Äquivalent zu den Partikularismen in Osteuropa wird in einem „Trend zur Regionali-sierung“ gesehen, der seit den 80er Jahren in den Ländern der Europäischen Gemeinschaft zu den bereits bestehenden Minderheitenproblemen getreten sei. Criticón-Autor Karl-Eckhard Hahn unterstreicht, daß „die Region ... in der EG ähnlich hohe Identifikationswerte wie die Nationen [erziele] “ und verweist auf die Deutung Hermann Lübbes, wonach es sich bei diesem Phänomen um einen „Reflex auf die egalisierende Moderne“ handle (Hahn, K.-E. 1994: 105).Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. Mohler (1991i: 310); explizit bei Jebens (1992b: 37).Google Scholar
  15. 15.
    Schrenck-Notzing bezieht sich hierbei auf das Buch „L’Américanologie. Triomphe d’un modèle planétaire? “ von Criticón-Autor Thomas Molnar (1992b).Google Scholar
  16. 16.
    Der vom damaligen amerikanischen Präsidenten George Bush sen. in die politische Debatte eingeführte Begriff wird ursprünglich auf den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson zurückgeführt (vgl. hierzu Herzinger/Stein 1995: 119). — Die Wichtigkeit des Themas für die Criticón-Rechte manifestiert sich nicht zuletzt darin, daß kurz nach der Auflösung der Sowjetunion ein ganzes Heft der ,,»neue[n] Weltordnung« der USA“ gewidmet ist: Die Criticón-Nummer 128 vom November/Dezember 1991 trägt den Titel „THE END OF HISTORY? 50 Jahre nach Pearl Harbour. Freiheit, Demokratie, Kapitalismus. Die »neue Weltordnung« der USA“. Der 50. Jahrestag des japanischen Überfalls auf Pearl Harbour, der breiten Raum in der Ausgabe einnimmt, scheint mehr Aufhänger als unmittelbarer Anlaß für den Themenschwerpunkt USA gewesen zu sein, worauf auch der Beitrag Günter Rohrmosers zu Francis Fukuyamas Theorem vom „Ende der Geschichte“ hinweist (Rohrmoser 1991).Google Scholar
  17. 170.
    Zur neu-rechten Rezeption von Schmitts Pluriversums-Gedanken vgl. Gessenharter (1994a: 84ff.).Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. ebenso die Attacken von Albrecht Jebens in Criticón gegen die „Verfechter der »one-world-Ideologie«; heute in Gestalt des politischen Liberalismus und wirtschaftlichen Kapitalismus“ (Jebens 1994c: 252). — Zur Bezugnahme auf Schmitt vgl. insbes. Weißmann (1992a, 1992b: 62, 1992c: 270).Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. Schmitt (1988b); vgl. hierzu auch die Darstellung bei Herzinger/Stein (1995: 29ff.).Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. Schmitt (1988b; 1981 (Orig. 1942)).Google Scholar
  21. 21.
    Zur „planetarischen Perspektive“ der Schmittschen Nachkriegsschriften vgl. Laak (1993: 82f.).Google Scholar
  22. 22.
    Denn, so Schmitt, „die Wellen und Korpuskeln einer gemeinsamen Geschichtsphilophie dringen durch den Vorhang hindurch und bilden die unfaßbare Einheit, durch welche die heutige Weltzwei-heit dialektisch erst ermöglicht wird. Die Feinde begegnen sich in einer Selbst-Deutung ihrer weltgeschichtlichen Lage. “ (1952: 9).Google Scholar
  23. 23.
    Eine Begründung bleibt Schmitt dem Leser schuldig, wenn er diesbezüglich lediglich auf die Macht der Geschichte verweist: „Aber wie die Erde größer bleibt als das Dilemma der dualistischen Fragestellung, ebenso bleibt die Geschichte stärker als jede Geschichtsphilosophie, und deshalb halte ich die heutige Zweiheit der Welt nicht für eine Vorstufe ihrer Einheit, sondern für einen Durchgang zu einer neuen Vielheit. “ (11).Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. hierzu auch Kremp (1994: 81) sowie Hornung, K. (1994d: 153).Google Scholar
  25. 25.
    Die Forderung nach einem Austritt aus der UNO explizit bei Josef Schüßlburner (1991b: 63); der Autor — zeitweise selbst als deutscher Beamter bei der UNO tätig — äußert diesen Gedanken verschiedentlich auch hinsichtlich der Europäischen Union (vgl. etwa ders. 1996). — Zu den Metamorphosen der neu-rechten Debatte um den „deutschen Sonderweg“ vgl. die Ausführungen in Kapitel 4.1.1.2.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. Fukuyamas Aufsatz „The End of History? “ vom Sommer 1989 im ,National Interest’ (Nachdruck im Pariser ,Commentaire’) sowie ders. (1992).Google Scholar
  27. 27.
    Vgl. hierzu etwa die differenzierte Auseinandersetzung Perry Andersons mit Fukuyama (Anderson 1993). — Vgl. ebenso Hübner (1992) u.a.Google Scholar
  28. 28.
    Zu den Ausprägungen der „spezifisch amerikanische[n] Ideologie“, die „neben den bekannten Ideologien des gegenwärtigen Zeitalters ... wirksam“ sei, zählt Molnar neben Fukuyamas Theorem auch „political correctness“, „Feminismus“ und „Jugendkult“ (1993b: 237); vgl. hierzu auch die Ausführungen in Kapitel 4.3.2.2. — Vgl. ebenso Molnar (1991: 171, 1990).Google Scholar
  29. 29.
    Mohler verweist auf den Chefideologen der ,Nouvelle Droite’, Alain de Benoist, der „die Auseinandersetzung mit Fukuyamas Ideologie in den Mittelpunkt seiner Jahres-Rede an die »Nouvelle Droite« [gehalten am 02.12.1989 vor dem 23. G.R.È.C.E.-Kongreß, fs] gestellt“ habe (1990d: 91).Google Scholar
  30. 30.
    Fukuyama, schreibt Mohler, habe Kojèves Gedanken zum „»homogenen Universalstaat«“ plagiiert. — Zur vermeintlichen „Entlarvung“ Fukuyamas als „ziemlich grobschlächtige[n] Vulgarisator“ Kojèves vgl. auch Anatolij Frenkins Ausführungen in Criticón (1991: 234); Frenkin gibt hier den Hinweis, daß aus Mohlers Beschäftigung mit dem Thema dessen „eigenes Bemühen um die Idee einer Rückkehr der Geschichte“ hervorgehe, „die für ihn mit einer Renaissance der Rechten zusammenfällt“.Google Scholar
  31. 31.
    Das Bloom-Zitat entstammt Mohler zufolge einem Beitrag aus der Zeitschrift Commentaire’ (49, 1989), der unter den Teilnehmern der bereits erwähnten G.R.È.C.E.-Tagung im Dezember 1989 heftig diskutiert worden sei. Mohler erörtert anschließend, inwieweit „auch das rote Teufelchen noch einen Auftritt in Reserve haben könnte“ (ebd.). — Weitaus deutlicher wird Mohler in seinem Beitrag für die Festschrift für Hans-Joachim Arndt (Mohler 1993a: 23Iff.): Er verweist dort darauf, daß der Begriff „Faschismus“ bei Bloom für die gesamte Rechte stehe und dessen Ausführungen daher als Prognose eines bevorstehenden Aufschwungs rechter Bewegungen und Strömungen verstanden werden könnten (232f). Begeistert zitiert er denn auch aus den „nonkonforme[n] Einsichten“ Blooms, so etwa die Annahme, daß sich „»die europäischen Nationen, die kein vernünftiges Motiv finden können, um ihre Territorien dem Zustrom der unzähligen, potentiellen Einwanderer zu versperren, ... sich ihren nationalen Mythen zuwenden [werden]«“ (232).Google Scholar
  32. 32.
    Der 1998 verstorbene Kondylis, der eine eigene Theorie zum Konservatismus vorgelegt hat (Kon-dylis 1986) und zu Beginn der 90er Jahre in kaum einem wichtigen Sammelband der Neuen Rechten fehlt (Kondylis 1993a, 1993b), rechnet sich selbst nicht der politischen Rechten zu und nimmt für sich in Anspruch, ein über die „Kulturkritik“ von rechts und links hinausgehendes Verständnis „planetarischer Politik“ entwickelt zu haben (1994). Dem widerspricht nicht zuletzt seine Berufung auf „»anthropologische und kulturelle Konstanten ..., deren Wirkung unabhängig vom Wollen und vom Wissen von Regierungen und Untertanen [sei]«“ (zit. b. Arndt 1989a: 96), die keineswegs aufgrund eines Mißverständnisses wohlwollend von der Neuen Rechten aufgegriffen wird.Google Scholar
  33. 33.
    Kondylis wird häufig positiv in Criticón besprochen (vgl. etwa Mohler 1986c, 1990f, 1993h; Arndt 1989a; Sohn 1992a). — Zur Rezeption von Kondylis’ Konservatismustheorie in Criticón vgl. Knör-zer(1993).Google Scholar
  34. 34.
    Rohrmoser verweist explizit auf Mohlers Verdienst, „an die Abhängigkeit Fukuyamas von Alexandre Kojève“ erinnert zu haben (1991: 299; vgl. auch 1994: 471ff.). Mohler revanchiert sich an anderer Stelle mit einem Lob für die „subtile Analyse“ des „Hegelianers“ (1993a: 233).Google Scholar
  35. 35.
    So die Überschrift der Julius Evola gewidmeten, ersten deutschsprachigen Internet-Seiten der Neuen Rechten von 1997 (San Casciano. Revolte gegen die moderne Welt, online in Internet: URL: http://www.geocities.com/CapitolHilI/1404/deutsch.html [Stand 11.03.1997]).
  36. 36.
    Auch Mohler verweist darauf, daß Fukuyama kein rein optimistisches Bild der Zukunft zeichne (1990d: 90f.; hier unter Bezugnahme auf Benoist). — Zu ähnlichen Hoffnungen vgl. Kuehnelt-Leddihn (1991e) sowie bereits Mladen Schwartz zur „Post-Postmoderne“ (1988c: 250).CGoogle Scholar
  37. 37.
    Daß der Faschismus lediglich ein notwehrhafter Reflex auf eine „ursprünglichere“ totalitäre Bedrohung seitens der linken und liberalen Erben der Aufklärung sei, ist der Leitgedanke der Arbeiten des Berliner Historikers Ernst Nolte. Der Vorkämpfer des zeitgeschichtlichen Revisionismus und Vater des „Historikerstreits“, der sich in den 90er Jahren weiter in der Revisionismusdebatte exponiert, wird 1994 in Criticón mit einem Autorenporträt geehrt (Kraus 1994a) und damit endgültig in die neu-rechten Reihen aufgenommen.Google Scholar
  38. 38.
    Der hier zitierte Beitrag des Criticón-Autors Reinhold Oberlercher (1993) ist als Schulungstext des nach Angaben des Berliner Verfassungsschutzes ins neonazistische Spektrum hineinwirkenden ,Deutschen Kollegs’ auf den Internet-Seiten des rechtsextremen ,Thule-Netzes’ dokumentiert (vgl. Deutsches Kolleg 1997).Google Scholar
  39. 39.
    Joachim Weber zufolge ist „in den zurückliegenden Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte allen gewaltlos-pazifistischen Träumen zum Trotz ... die Unterscheidung von Freund und Feind die entscheidende Kategorie des Politischen geblieben“ (Weber, J. 1993). — Eine besonders ausgeprägte Orientierung an Schmitt bei Schüßlburner (exemplarisch 1992c). — Zur engen Beziehung zwischen Arndt und Schmitt vgl. das Vorwort zur Arndt-Festschrift (Beismann/Klein (Hrsg.) 1993: 8).Google Scholar
  40. 40.
    Vgl. Arndts Definition in Nohlen/Schulze (Hrsg.) (1985: 754ff.; Nachdruck in Beismann/Klein (Hrsg.) 1993: 1 Iff.). — Die Arndt Festschrift, deren Autoren knapp zur Hälfte dem engeren Criticön-Kreis zuzurechnen sind (neben Arndt selbst sowie Schrenck-Notzing und Mohler sind die Criticön-Autoren Hepp, Klein, Langendorf, Maschke, Oberlercher, Sander und Weißmann vertreten), umreißt die wichtigsten Bereiche der neu-rechten Rezeption und Anwendung des Begriffes. Zu den militärischen Wurzeln vgl. insbes. den Beitrag von Hans Schneider (277ff.). Der Band wird gleich zweimal in derselben Criticön-Ausgabe besprochen (vgl. Schrenck-Notzing 1993e sowie Mohler 1993d).Google Scholar
  41. 41.
    Kremp (1994: 81f.) warnt vor einem russischen Faschismus: Man brauche „nicht auf Schirinowski zu rekurrieren, um eine neue faschistische Positionierung in Rußland zu finden“. Er verweist hierbei auf Laqueur (1993). — Vgl. auch die regierungsamtliche Position bei Rühe (1994: 74ff).Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. hierzu Huyn (1991) sowie insbes. Schüßlburner (1991a, 1991b). — Eine zentrale Rolle bei der Beschwörung der alt-neuen ,sowjetischen Gefahr’ spielt u.a. die 1991 noch andauernde sowjetische Truppenpräsenz auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Josef Schüßlburner unterstreicht, daß eine deutsche Beteiligung am Golfkrieg schon aufgrund dessen sowie aufgrund der zeitgleich erfolgenden Ereignisse im Baltikum nicht möglich gewesen sei (1991b: 61).Google Scholar
  43. 43.
    Die Beteiligung Frankreichs an der Besetzung Deutschlands wird in Jalta erst beschlossen. — Vgl. auch die Attacken auf die „Jalta-Generation“ (Zit. Arnulf Baring) in Criticön (exemplarisch Weißmann 1992c: 271).Google Scholar
  44. 44.
    Den anderen ,,»natürliche[n]« Partner“ sieht Mohler in „Rotchina..., weil es »der Nachbar meines Feindes« ist“ (1981c: 307).Google Scholar
  45. 45.
    Vgl. hierzu exemplarisch die Beiträge in Criticón Nr.115, die im September/Oktober 1989 unter dem Titel „200 Jahre Gegenrevolution“ erscheint und sich schwerpunktmäßig dem Jubiläum der Französischen Revolution widmet.Google Scholar
  46. 46.
    Vgl. etwa die Beiträge Carl Zimmerers (1984, 1986a, 1986b). — Albrecht Jebens gibt anläßlich eines durchweg begeisterten Porträts von Ernst Moritz Arndt dessen Liedtext „Des Deutschen Vaterland“ („».. .Wo jeder Franzmann heißet Feind, Wo jeder Deutsche heißet Freund...«“) mit der Bemerkung wieder, daß dieser „vor den »Tugendwächtern« der Gegenwart kaum noch bestehen könnte“, was seiner vordergründigen Distanzierung von der „oft ungebremste[n] Franzosengegnerschaft“ Arndts sowie dessen ,,unglückselig[er] “ Gleichsetzung Napoleons mit dem ,,französische[n] Volk“ die Glaubwürdigkeit nimmt (Jebens 1995).Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. etwa die Vorstellung der Zeitschrift ,Réaction’ in Criticón 124 (1991: 100) sowie Willig (1992b).Google Scholar
  48. 48.
    Vgl. Zimmerer (1991) u. Meier-Bergfeld (1994a).Google Scholar
  49. 49.
    Vgl. exemplarisch Mohler (1994c: 88, 1992a: 23). — Vgl. ebenso die Vorstellung der Zeitschrift ,Identité. Revue des Études Nationales’ in Criticón 118 (1990: 100).Google Scholar
  50. 50.
    Vgl. die Besprechung des Buches „Kulturrevolution? “ von Wolfgang Kowalsky (1991) von Armin Mohler (1992a: 23). — Zur Vorbildfunktion vgl. auch die Criticón-Anmerkungen zur Evola-Renaissance in Frankreich (Criticón 131, 1992: 152).Google Scholar
  51. 51.
    Vgl. hierzu Hofmann, J. (1992d). — Hofmann weist auf die vorgebliche Gegnerschaft des „arbeitende[n] Volk[es] “ zum Maastrichter Vertrag hin, das sich bei dem Referendum einer massiven Kampagne seitens „nationaler und internationaler Prominenz“ für das Vertragswerk ausgesetzt gesehen habe. Er benennt hierbei „die von der EG-Agrarpolitik enttäuschten Bauern, sowie Arbeiter, Angestellte und Handwerker“ (1992d: 219).Google Scholar
  52. 52.
    Vgl. auch die Vorstellung der Zeitschrift ,Géopolitique’ in Criticón 130 (1992: 100); dort heißt es: „Eine aktuelle Betrachtung des Weltgeschehens ist, zumindest in Frankreich, eine geopolitische Betrachtung. [...] Geopolitik wird hier nicht im Sinne der politischen Geographie verstanden, sondern im Sinne eines Räsonnements über Weltpolitik, und zwar eines Räsonnements, das mitnichten dem amerikanisch-liberalen Globalismus das Wort redet. “ — Daß schon Ernst Moritz Arndt in jungen Jahren, „vom leidenschaftlichen Patriotismus der Franzosen tief beeindruckt“, einen „Mangel an vaterländischer Gesinnung bei seinem eigenen Volk“ festgestellt habe, schreibt Albrecht Jebens den Deutschen vorwurfsvoll ins Stammbuch (1995: 10).Google Scholar
  53. 53.
    Daß Frankreich zu behutsam gegen den aus Algerien kommenden islamischen Fundamentalismus vorgehe, kritisiert etwa Jürgen Liminski (1990b). Er merkt verschärfend an, daß das Problem nicht nur die französische Identität, sondern die ganz Europas betreffe (ebd.).Google Scholar
  54. 54.
    Vgl. etwa die Kritik Andreas Mölzers an der französischen Politik gegenüber Bretonen und Elsäs-sern (1991: 249) — Vgl. im Gegensatz dazu Armin Mohlers ambivalente Haltung gegenüber den re-gionalistischen Bewegungen in Irland, Frankreich und der Schweiz (1992h: 222).Google Scholar
  55. 55.
    Vgl. Hofmann, J. (1992d: 219f); Hofmann stellt anhand der französischen Auseinandersetzung um den Vertrag von Maastricht fest, daß „Teile der politischen Klasse Frankreichs die deutsche Wiedervereinigung und den daraus resultierenden relativen Bedeutungsverlust für Frankreich noch nicht verarbeitet” hätten und verweist auf „antideutsche Töne“ in der Debatte (219). — Dieter Fötisch wirft den europäischen ,,Altpolitiker[n], besonders in Deutschland, England und Frankreich“ vor, auch nach der deutschen Wiedervereinigung mit „gespensterhaften Schemen“ zu agieren: „England und Frankreich Großmächte — Deutschland ein Kleinstaat. Ist es längst nicht umgekehrt? “ (1992a: 4). Fötisch verweist auf die wirtschaftliche Stärke des vereinten Deutschlands, die nun auch politische Folgen zeitigen müsse (ebd.: 5). — Vgl. auch Carl Zimmerers Kritik an Alain Mine (Zimmerer 1991).Google Scholar
  56. 56.
    Vgl. ebd. (226). — An anderer Stelle fordert Schüßlburner, neben dem „Überleben der deutschen Kultur im Elsaß“, auch die „Wiederherstellung des deutschen Charakters des nördlichen Ostpreußens“ (1992a: 28f.). — Vgl. ebenso Schüßlburners Ausführungen zur Unterwerfung der zum „deutschen Kulturraum“ gehörigen „europäischen »Hauptstädte« Straßburg, Luxemburg und Brüssel“ unter die „französischen Kulturhegemonie“ als „Ergebnis bewußter Politik“ von Seiten Frankreichs (1992d:279f).Google Scholar
  57. 57.
    Dies unter Berufung auf die Staatenkreis-Lehre des Alt-Inders Canakya Kautilya (1992c: 225); vgl. hierzu auch die Ausführungen in Kapitel 3.3.3.3. Schüßlburner merkt an, daß die Bundesrepublik bis 1990 direkt an die beiden ,Feindstaaten’ Frankreich und die Sowjetunion gegrenzt habe, da Polen und die DDR keine souveränen Staaten, sondern lediglich sowjetische Satelliten gewesen seien (227).Google Scholar
  58. 58.
    Carl Schmitt zufolge kann es zeitweise „vielleicht sogar vorteilhaft scheinen, mit ihm [dem Feind, fs] Geschäfte zu machen“ (Schmitt 1991b: 27). — Mohler überträgt den Gedanken von der gelegentlichen Notwendigkeit von „Zweckbündnissen“ auf die spannungsreiche „Männerfreundschaft“ zwischen Schmitt und Jünger (Mohler 1991h: 297).Google Scholar
  59. 59.
    Vgl. Eiselt (1994: 19) sowie insbes. die Beiträge von Klaus Hornung (1992a: 208, 1993a, 1993d).Google Scholar
  60. 60.
    Klaus Homung bezeichnet die EG als „optimales Instrument“, um den Deutschen einen „Nasenring“ zu verpassen (1993d) und droht offen mit einem neuen deutschen Sonderweg: „Wundere sich niemand, wenn die Deutschen sich immer stärker von einer europäischen »Wertgemeinschaft« abwenden werden, in der nationalstaatliches Kalkül der europäischen Westmächte allen eigenen Werten ins Gesicht schlägt und die Deutschen zunehmend den Eindruck bekommen müssen, EG und WEU seien Organisationen »to keep the Germans down«.“ (1992a: 208). — Vgl. auch Sohn (1993a: 94); Sohn zitiert Zänker, dem zufolge die EG „»ein Geschöpf des Kalten Krieges [war], eine Art Nebenstruktur der NATO, entstanden, als die Rote Armee an der Elbe stand. Sie war auf die damaligen Verhältnisse [der Nachkriegszeit, fs] zugeschnitten und sollte Deutschland unter französischer Dominanz einbinden — to keep the Americans in, the Russians out and the Germans down, wie es lange hieß.«“ (ebd.) — Das häufig angeführte Zitat wird dem ersten NATO-Generalsekretär Lord Is-may zugeschrieben (vgl. Feldmayer 1993: 460). — Kurt Heißig zufolge orientiert Westeuropa darauf, „Deutschland zu sich herüberzuziehen“ (1991: 169); dem stellt er die spezifisch deutsche Aufgabe entgegen, zwischen Ost- und Westeuropa zu vermitteln (ebd.; vgl. hierzu auch Kapitel 3.3.2ff).Google Scholar
  61. 61.
    Vgl. hierzu auch die anderen Criticon-Beiträge von Gerard Radnitzky, der sich auf die Arbeiten Friedrich August von Hayeks beruft (Radnitzky 1993a, 1994). — Vgl. weiterhin Sohn (1993e), die Ankündigung des Buches „Das Maastricht-Dossier“ von Bruno Bandulet (Criticón 134, 1992: 285) sowie den Bericht von der Veranstaltung „Starker Staat oder Freiheit? Hayek-Debatte unter Konservativen“ der ,Bonner Runde — Konservativer Gesprächskreis’ (Criticón 134 1992: 308).Google Scholar
  62. 62.
    Vgl. hierzu ebenso Hofmann, J. (1992d) sowie Radnitzky (1993b: 219); Hofmann und Radnitzky beziehen sich hierbei mit unterschiedlicher Datumsangabe auf ein Zitat aus ,Le Figaro’ vom 18.09.1992 (Hofmann) bzw. 18.07.1992 (Radnitzky, mit Verweis auf Baader 1993).Google Scholar
  63. 63.
    Vgl. u.a. Brückner (1992a), Eschbach (1992), Hofmann, J. (1992d), Sohn (1993e, 1994b), Radnitzky (1993b), Müller, G. (1994) sowie die Berichte „Rund um Maastricht“ in Criticón 134 (1992: 285).Google Scholar
  64. 64.
    Zur Verortung Deutschlands in Europa vgl. bereits die Beiträge in der Jubiläumsnummer zum 10-jährigen Bestehen der Zeitschrift (Criticón 60–61, 1980; Titel: „10 Jahre Criticón — Rückruf in die Geschichte“). Besonders deutlich wird hier die Feindhierarchie bei Robert Pflüger, der zudem auf den europäisch-amerikanischen Interessengegensatz hinweist: „England und Frankreich gehören zwar zu den Vier Mächten, woraus sich mancher Hochmut und manche Fehleinschätzung der Interessenlage noch erklärt. Politisch aber ist auch England Verlierer des 2. Weltkrieges, und die politischen Interessen Frankreichs sind von denen Deutschlands nicht zu trennen. “ (Pflüger, R.: 1980: 216, Anm.28). Pflüger verweist in diesem Zusammenhang auf die Arbeiten Jordis von Lohausens und Armin Mohlers.Google Scholar
  65. 65.
    Exemplarisch Schrenck-Notzing (19931); vgl. auch die Criticön-Beiträge Alexander Gaulands.Google Scholar
  66. 66.
    Über die Seitenhiebe auf die „parlamentarischen Demokratie nach Westminster-Modell’’ (Weißmann 1992b: 62) und einige bereits erwähnte Attacken (etwa bei Hornung, K. 1993d) hinaus kann nur hinsichtlich der Kritik an der englischen Politik gegenüber (Nord-)Irland (s.u.) sowie in Bezug auf die geschichtsrevisionistischen Beiträge von einem zielgerichteten anti-britischen Engagement der Zeitschrift gesprochen werden (vgl. hierzu die in Kapitel 3.3.1.3 angemerkten Attacken auf die anglo-amerikanische Kriegsführung in den beiden Weltkriegen).Google Scholar
  67. 67.
    Zum Thema Irland in Criticón vgl. insbes. die Beiträge Armin Mohlers (1983e, 1992g, 1992h). -Google Scholar
  68. 68.
    Vgl. ebenso Paulwitz (1991a) sowie Nostitz (1993).Google Scholar
  69. Der „Thatcherism“ findet vor allem auf wirtschafts- und europapolitischem Gebiet die Zustimmung der Criticón-Rechten; zur wirtschaftspolitischen Ausrichtung vgl. etwa Radnitzky (1993a: 81) sowie die diesbezüglichen Beiträge in den 80er Jahren. — Nach der Entmachtung Thatchers Ende 1990 druckt Criticön eine Stellungnahme des konservativen Major-Gegners Andrew V. R. Smith ab, in der der Journalist und stellvertretende Generalsekretär der ,World Youth Freedom League’ zum Widerstand gegen den neuen Europa-Kurs der Tories aufruft (Smith 1990); vgl. auch die weitere Berichterstattung über die „Tory-Rebellen“ in Criticón 145 (1995: 60). — Die schärfste Gegenposition auch hier wiederum bei Josef Schüßlburner, demzufolge man „für britische Konservative, wie Frau Thatcher, welche sich der Wiedervereinigung entgegenzustemmen suchte, nur Verachtung empfinden“ könne (1991b: 65, Anm.5).Google Scholar
  70. 69.
    Vgl. hierzu Carl Schmitts Lehre von den „raumfremden Mächten“ (vgl. auch die Anmerkungen in Kapitel 3.1).Google Scholar
  71. 70Vgl. ebd. sowie Heißig (1991: 168).Google Scholar
  72. 71.
    Großbritannien habe sich, schreibt Kuehnelt-Leddihn, im Zuge der englischen Reformation „kulturell und psychologisch vom Kontinent abgeriegelt“ — bis heute gelte für die Briten die Formel „»Dark men begin at Calais«“, was sich auch im britischen „Unbehagen, in der EG »aufzugehen«“ widerspiegele (1993b: 54).Google Scholar
  73. 72.
    Kurt Heißig attackiert den „ungestümen Weltmissionsdrang der liberalen Führungsschicht von der [US-amerikanischen] Ostküste“, dem „territoriale und nationale Besonderheiten, wo auch immer, als Relikt aus dem Mittelalter erscheinen“. Die USA erwarteten von Europa, „daß es sich solcher Relikte möglichst bald entledig[e] “ (1991: 168). — Zur unfreiwilligen Selbstdarstellung gerät in diesem Kontext Karlheinz Weißmanns Beschreibung der Haltung des norwegischen Schriftstellers Knut Hamsun: „Das Angelsächsische wird Hamsun zur Chiffre für die Zivilisation, die er ablehnt. In seiner Aversion mischen sich verschiedene Elemente, die romantische Vorstellung von einem traditionalen, ländlichen Leben, die Hochschätzung jugendlicher Vitalität an Stelle materieller Sicherheit, eine pantheistische »Naturfrömmigkeit«, ein etwas altertümlicher, königstreuer Patriotismus. Er wird selbstverständlich von Nietzsche beeinflußt, und alles Deutsche soll sich immer stärker zum positiven Gegenbild des englischen und amerikanischen »way of life« entwickeln; früh zeigt er Aufgeschlossenheit für rassisch begründete, »pangermanische« Ideen. “ (1991c: 94).Google Scholar
  74. 73.
    Zu „Deutschlands mitteleuropäische!)-] Aufgabe“ vgl. insbes. Heißig (1991); vgl. hierzu auch die Ausführungen in Kapitel 3.3.2ff. — Eine weltweite Führungsrolle Deutschlands im antikolonial istischen Kampf der Länder der „Dritten Welt“ gegen Europa und die USA denkt Josef Schüßlburner in Criticón an (1992c: 230 sowie 231, Anm.52).Google Scholar
  75. 74.
    Schrenck-Notzing beruft sich hier auf Criticön-Autor Thomas Molnar, der seinen Europabegriff vom vermeintlichen westlichen Prinzip abgrenzt „den Materialismus zum Lebensprinzip zu erheben, die Politik durch Wirtschaft zu ersetzen, alle Institutionen, speziell Staat und Kirche, in der Zivilgesellschaft aufgehen zu lassen“. Molnar zufolge stehe „Amerika ganz im Zeichen der Ge-schichtslosigkeit, von den frühen Einwanderern, die der verderbten Welt den Rücken gekehrt hätten, bis zum »Ende der Geschichte« im Falle der globalen Durchsetzung des amerikanischen Modells. »Der Westen«, für den die Amerikaner das Wort fuhren, umfasse aber auch die europäischen -nicht missionarisch gesinnten — Nationalstaaten, die aus ihrer geschichtlichen Substanz heraus zu dem, was den amerikanischen Missionarismus ausmacht, konträr stehen. “ (Schrenck-Notzing 1992a).Google Scholar
  76. 75.
    Vgl. hierzu Benoist (1985) et al.Google Scholar
  77. 76.
    Vgl. hierzu auch die Darstellung bei Herzinger/Stein (1995: 29ff. u. 120ff).Google Scholar
  78. 77.
    Armin Mohler schreibt bereits in den 80er Jahren : „Der Kommunismus kann bei uns nur durch ausländische Heere importiert werden. Der unmittelbare Feind sitzt bereits in unseren Mauern; mit tausend Mündern sucht er unsere Widerstandskraft, unsere Überlebenskraft zu schwächen, indem er unsere Wertordnungen auf den Kopf stellt, unsere Geschichte verfälscht und uns einzureden versucht, daß wir Menschen minderer Ordnung seien. “ (1983b: 11). — Ganz ähnlich Criticón-herausgeber Caspar von Schrenck-Notzing, dem zufolge der „ideologisch-missionarische Anspruch der USA [d.i. der westliche Liberalismus, fs] schwerer einzugrenzen [sei] als der der UdSSR, weil er sich nicht auf eine allmächtige Partei und ein von ihr für verbindlich erklärtes Dogmengebäude stütz[e] “ (1992a).Google Scholar
  79. 78.
    Auch die „Umerziehung der Deutschen [sei] kein religiöses, politisches oder ethisches, sondern ein sozialwissenschaftliches Experiment“ gewesen, merkt Schrenck-Notzing an und verweist in diesem Zusammenhang auf die Arbeiten von Friedrich Tenbruck (ebd.). — Zu diesem Themenkomplex vgl. auch Schrenck-Notzings Hauptwerk „Charakterwäsche. Die amerikanische Besatzung in Deutschland und ihre Folgen“ (1965), welches bis heute auf der Rechten als Standardwerk zur Reeducation gilt und 1993 bei Ullstein neu aufgelegt wird (vgl. hierzu die Notiz „Die Charakterwäsche ist wieder da! “ in Criticón 140, 1993: 287). — Zu der Debatte in Criticón vgl. weiterhin Bavendamm (1992b), Schrenck-Notzing (1994b) sowie den Tenbruck-Nachruf in der Zeitschrift (Criticón 141, 1994:64).Google Scholar
  80. 79.
    Schrenck-Notzing merkt dort bereits an, daß die europäischen Völker erst wieder „»deprogrammiert«“ werden müßten (1980e).Google Scholar
  81. 80.
    Der in den Vereinigten Staaten lehrende Exil-Kroate und spätere Tudjman-Berater sieht den „Uto-pismus“ des westlichen Liberalismus in eine aus den USA stammende „höchst elegante, leicht verdaubare und sanfte Metasprache“ gehüllt, die — aus ,,eindringliche[n] Augenaufschläge[n], Sentimentalismus, ständige[m] Plaudern über Menschenrechte und andere[n] Themen, die ein Wohlgefühl auslösen“ bestehend — von Medien und Politik zur Manipulation der „potentiell kritischen Massen in Ost und West“ eingesetzt werde (Sunic 1993b: 293).Google Scholar
  82. 81.
    Vgl. hierzu explizit Storz (1990) sowie Robejsek (1993b). — Vgl. ebenso Sohn (1993a: 94) sowie Sohns Kritik an den „falschen Denktraditionen des deutschen Konservatismus“, die sich etwa in einer „»Abwendung vom Westen«“ manifestierten; Sohn beruft sich hierbei auf die gleichlautende Kritik Alexander Gaulands (Sohn 1993f: 246). — Vgl. auch die Beiträge Klaus Hornungs sowie Kremp (1994: 80); Kremp koppelt, wie Sohn, eine deutsche Großmachtpolitik unabdingbar an das Bündnis mit den USA; ähnlich auch der von Criticón gegen Fukuyama ins Feld geführte Privatgelehrte Panajotis Kondylis (Kondylis 1994). — Der schwelende Konflikt zwischen „Gaullisten“ und „Atlantikern“ bricht zu Beginn der 90er Jahre anläßlich des Golfkriegs in Criticón auf (s. dazu Kapitel 3.4.1.1ff).Google Scholar
  83. 82.
    Vgl. hierzu auch Sunic (1992: 235). — Zur „Kulturalisierung“ sozialer Konflikte und zu den Affinitäten zur „Multikulturalismus“-Debatte auf der Linken vgl. die Darstellung bei Terkessidis (1995: 80ff).Google Scholar
  84. 83.
    Als Beispiel für die reichlich simplifizierende Sicht auf die Problematik kann der von Giano Acca-me angeführte Beleg hierfür gelten: „In den USA beginnt das Spanische dem Englischen Konkurrenz zu machen: Immer häufiger liest man in den öffentlichen Verkehrsmitteln dreisprachige Verlautbarungen: in Englisch, Spanisch und Chinesisch. “ (1991: 286). — Auch Thomas Molnar verweist darauf, daß sich die amerikanische Gesellschaft zunehmend in Einzelgruppen aufspalte (1993a: 166).Google Scholar
  85. 84.
    Exemplarisch Kremp (1994: 82).Google Scholar
  86. 85.
    Vgl. hierzu auch Fötisch (1992a: 4), Weber, J. (1992: 33) sowie Kremp (1994: 82). — Das Buch Kennedys erscheint 1991 unter dem Titel „Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und Konflikt“ auch auf deutsch. — Kennedy wird in Criticön einer Gruppe von Historikern zugerechnet, die sich „nicht in das sicherlich recht abgegriffene rechts-1 inks-Raster pressen läßt“ (vgl. Kluge 1991: 145; zu dieser „Avantgarde einer seriösen Geschichtswissenschaft“ zählt Dankwart Kluge allerdings auch exponierte Vertreter des harten zeitgeschichtlichen Revisionismus, darunter die Criticón-Autoren Dietrich Aigner, Alfred Schickel, Dirk Bavendamm, Ernst Topitsch u.a.). Eine Folge davon ist, daß die Arbeiten Kennedys nur selektiv wahrgenommen werden und verschiedene Schlußfolgerungen des renommierten Wissenschaftlers — etwa dessen Forderung nach einer Verringerung des globalen Reichtumsgefälles (Kennedy 1994) — unterschlagen werden.Google Scholar
  87. 86.
    Ähnlich äußert sich auch Criticón-Autor Dieter Fötisch zu den westeuropäischen Ländern: „England und Frankreich träumen von ihrer alten Großmachtrolle, die sie einst als Kolonialmächte innehatten, doch das sind, wie im Falle Spaniens und Portugals, vergangene Zeiten. [...] Ihr Großmachtstreben trieb sie zu einer Atomrüstung und zu weltweiten militärischen Einsätzen (etwa in Afrika), die ihre finanziellen Möglichkeiten längst überschritten haben und ihre Wirtschaft zerrütteten. Sie stiegen zu Mittelstaaten ab. Deutschland hingegen ist heute der Weltexporteur Nr. 1... “ (Fötisch 1992a: 5).Google Scholar
  88. 87.
    Vgl. hierzu Molnar (1991: 172).Google Scholar
  89. 88.
    Accame geht davon aus, daß Japan die USA Schritt für Schritt aufkaufen und schlußendlich dominieren werde. Im Stil der Kriegsberichterstattung schreibt er: „Die Zahl der japanischen Fähnchen, die als Zeichen der Eroberung im Herzen und am Rande der amerikanischen Wirtschaft gesetzt werden, wächst von Tag zu Tag. Das Kapital der 20 bedeutendsten Hotels an der Strandpromenade von Waikiki auf Hawaii ist schon zu 75% in Händen japanischer Investoren. [...] Immer mehr japanische Industrieunternehmen werden in den Vereinigten Staaten selbst gegründet, um mit Hilfe inländischer Produktion die Einfuhrbestimmungen zu umgehen. So ist Toyota auf dem besten Wege, einer der größten amerikanischen Automobilhersteller zu werden, und Chrysler aus der Trio der bedeutendsten Automobilproduzenten (mit Ford und General Motors) zu verdrängen. “ (1991: 287). -Unverhohlene Schadenfreude über den wirtschaftlichen Bedeutungsverlust der USA äußert auch Walter Post: „Die Geschichte geht oft seltsame Wege: Anstatt, daß Amerika den ostasiatischen Markt beherrscht, beherrscht heute Japan einen Großteil des amerikanischen Binnenmarktes! Selten hat ein so glänzend gewonnener Krieg so unerfreuliche politische Konsequenzen gehabt. “ (Post 1991b: 280).Google Scholar
  90. 89.
    Criticón-Ausgabe Nr. 130 vom März/April 1992 macht Japan zum Titelthema, einige Beiträge setzen sich mit der Frage auseinander, ob „ein Krieg zwischen den USA und Japan bevorstehe] “ (vgl. Schüßlburner 1992b: 65 sowie Steuckers 1992: 71 — beide unter Verweis auf das 1991 erschienene Buch „The Coming War with Japan“ von George Friedman und Meredith Le Bard). — Zwei Nummern zuvor (Criticón 128 vom November/Dezember 1991) ist der 50. Jahrestag des japanischen Überfalls auf Pearl Harbour Titelthema. — Vgl. auch bereits Schüßlburner (1990a).Google Scholar
  91. 90.
    Zum Gedanken einer deutsch-japanischen „Wahlverwandtschaft“ als Grundstein einer antiamerikanischen Allianz vgl. auch die Vorstellungen Alfred Mechtersheimers (zit. b. Weber, J. 1993). — Daß „preußische Tugenden“ auch heute noch ein „Vorbild für die Japaner“ seien, ist ein Motiv, welches die konservative Tagespresse immer wieder gern aufgreift. Hierbei wird dann häufig in umgekehrter Richtung den Deutschen eine freudigere Einstellung zur Arbeit nahegelegt (vgl. exemplarisch Bossbach 1996, WamS vom 03.11.1996).Google Scholar
  92. 91.
    Vgl. Bavendamm (1991b) und Post (1991b); zu Posts Versuchen einer Wiederbelebung der sog. „Präventivkriegsthese“ vgl. auch die Ausführungen in Kapitel 3.3.3.2.Google Scholar
  93. 92.
    Exemplarisch hierzu Hans-Joachim Leesens Beiträge zum „unterschiedslosen Bombenkrieg [Großbritanniens, fs] gegen die [deutsche, fs] Zivilbevölkerung“ (Leesen 1992, ähnlich auch ders. 1991 u. 1994). — Vgl. ebenso Hofmann (1991b, 1992c). — Hinsichtlich der USA steht v.a. die Politik Roose-velts im Zentrum bösartiger Attacken (vgl. hierzu Kluge 1991, Bavendamm 1991b, Hofmann, J. 1991c, Post 1992a, Uhle-Wettler 1993a, Hornung, K. 1994a sowie Schickel, A. 1992; hier mit der in NS-apologetischer Absicht vorgetragenen These, Roosevelt sei ein falsches Hitler-Bild übermittelt worden, was seine Deutschlandpolitik negativ beeinflußt habe). — Vgl. auch durchgehend die Beiträge Josef Schüßlburners, so etwa dessen Anmerkungen zum amerikanischen Atombombenabwurf auf Hiroshima (1992b: 69) oder zum „Bombenteppichliberalismus à la Churchill/Roosevelt“ (1994b: 93).Google Scholar
  94. 93.
    Vgl. hierzu insbes. Schrenck-Notzings Ausfuhrungen im Editorial des „Mitteleuropa“-Themenheftes (Criticón 126, 1991: 155) sowie exemplarisch Hornung, K. (1994d: 154). — Vgl. ebenso Schüßlburner (1992c: 225): „Wenn aber alles, nicht zuletzt auch Ideologien und Bündnisse, von der Zeit, der Allesverschlingerin, in Frage gestellt wird, dann stellt sich als das, was noch relativ gesichert erscheint, der Boden heraus, auf dem ... man sich befindet und von dem man sein Verhältnis zu anderen bestimmt. So drängt sich der geographische Faktor wie von selbst in den Mittelpunkt ernsthafter politischer Überlegung und wird zum Hilfsmittel, sich dem Rätsel der menschlichen Zukunft zu nähern. “.Google Scholar
  95. 94.
    Exemplarisch in Criticón Weber, J. (1992: 31). — Vgl. bereits 1986 Karlheinz Weißmanns Verweis auf die Arbeiten der Historiker Michael Stürmer und Andreas Hillgruber, sowie auf die Thematisierung durch den damals amtierenden Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der maßgeblich zur „Legitimation und Popularisierung dieser Gedankengänge“ beigetragen habe (Weißmann 1986b: 220). — Weizsäcker legt Criticón zufolge nach dem „Epochenbruch“ noch einmal nach und schreibt in der FAZ vom 13.04.1992: „»Schon die ersten zwei Jahre nach dem Fall der Mauer haben genügt, uns drastisch vor Augen zu fuhren, welche Probleme eine solche Mittellage in Europa mit sich bringt — eine Mittellage, der dieses Deutschland seit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ausgesetzt war und die uns nach 1914 in zwei Weltkriege geführt hat [sie!].«“ (zit. b. Eschbach 1992: 166). — Vgl. auch die Ausführungen der Unionspolitiker Wolfgang Schäuble und Karl Lamers zur deutschen „Lage im Zentrum aller europäischen Konflikte” im „Kerneuropa-Papier“ von 1994 (CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages 1994: 2f).Google Scholar
  96. 95.
    Vgl. hierzu bereits die Entwürfe Friedrich Naumanns (1915).Google Scholar
  97. 96.
    Exemplarisch für die Reichweite dieser Argumentation vgl. etwa die Ausführungen des damals amtierenden Bundesministers für Verteidigung, Volker Rühe (CDU): „Deutschland liegt in der Mitte Europas — in einem konkreten geographischen wie in einem übertragenen politischen Sinn. [...] Wie immer Deutschland entscheidet, handelt oder nicht handelt, es wirkt sich immer auf die Stabilität in Europa aus. [...] Dieser schicksalhaften Lage kann Deutschland nicht entrinnen. Wir können unserer Verantwortung für Europas Einheit, Frieden und Stabilität nicht entsagen. Aus der Geschichte kennen wir die Konsequenzen: Unfrieden und Instabilität. Die Frage ist, wie wir mit all den uns aufgegebenen Herausforderungen umgehen und handeln. “ (Rühe 1994: 139f).Google Scholar
  98. 97.
    Als wichtigster Theoretiker der geopolitischen Lehre in Deutschland gilt Karl Haushofer (1869–1946), dessen Gedanken sich Robert Wistrich zufolge „hervorragend als ideologische Brücke zwischen traditionellem deutschen Imperialismus und den Lehren des Nationalsozialismus eigneten. [...] Damit kam zur biologischen Rassendoktrin eine expansionistische Raumauffassung hinzu, verbunden mit der Überzeugung, Deutschlands Schicksal werde sich im Osten entscheiden. In seiner Zeitschrift für Geopolitik sowie in Schriften wie »Der nationalsozialistische Gedanke in der Welt« (1934), »Wehrwille als Volksziel« (1934) und »Deutsche Kulturpolitik« (1940) lieferte H. den NS-Machthabern immer wieder Argumente für den von ihnen vertretenen Expansionismus, obwohl er 1938 bereits vom Nationalsozialismus enttäuscht war. “ (Wistrich 1983: 115). — Zu Haushofer vgl. auch Köhler (1995: 253ff.) sowie die zurückhaltendere Bewertung bei Dirk van Laak (1993: 95ff.) -Zur Nähe des Criticón-Kreises zum nationalsozialistischen Großraumgedanken vgl. bereits Karlheinz Weißmanns Verweis auf die Veröffentlichungen des späteren Criticon-Autors Helmut Rumpf während des Zweiten Weltkrieges (Rumpf 1941; Verweis bei Weißmann 1986b: 220).Google Scholar
  99. 98.
    Zur neu-rechten Rezeption Haushofers und seiner Vorläufer Friedrich Ratzel, Alfred Thayer Mahan, Rudolf Kjellén u. Sir Haiford Mackinder vgl. Weber, J. (1992: 32f), Jebens (1994c) sowie Hahn, K.-E. (1996: 329ff). — Zu den verschiedenen Anläufen einer Wiederbelebung der geopolitischen Lehre nach dem Krieg und insbesondere den neu-rechten Versuchen der Etablierung der Geopolitik als „Orientierungswissenschaft“ (Weißmann) vgl. den Überblick bei Walther (1995); Walther verweist u.a. auf neuere, unkritische Annäherungsversuche ostdeutscher Wissenschaftler an die geopo-litische Raumlehre.Google Scholar
  100. 99.
    Vgl. auch Hornung, K. (1994(1) sowie Mohler (1991i: 309).Google Scholar
  101. 100.
    Armin Mohler, der Arnulf Barings Wort von der „»Glasglocke« der Bundesrepublik“ aufgreift (Mohler 1992c: 146), ist diese Metapher noch „zu beschaulich“; er merkt an: „In Wirklichkeit haben die Westdeutschen mehr als vier Jahrzehnte lang in einer Art von keimfreiem Brutkasten gelebt, in den sie von den beiden westlichen Siegermächten unter enormem therapeutischen Aufwand gesteckt worden waren. “ (vgl. ders. 1993c: 86 u. f.).Google Scholar
  102. 101.
    Karlheinz Weißmann schreibt: „Die Bundesrepublikaner sind plötzlich konfrontiert mit einer Welt, in der die Probleme nicht der Macht des unendlichen Diskurses weichen wollen, wo sich nicht mehr vernünftig zerreden läßt, was an Konflikten da ist. “ (1992c: 270).Google Scholar
  103. 102.
    Anläßlich der Besprechung eines Films zum heroischen Kampfeines Iren gegen einen Amerikaner, der ihm das Land streitig machen will, schreibt der Münchener Burschenschafter: „Bull McCabe ging nicht nach Connaught — er kämpfte, vergebens, und fand den Tod. Wie sollen wir Deutschen Irland verstehen — die Greuel der Vertreibung verdrängt, die Schrecken der Besatzung vergessen, wir haben uns ganz bequem darin eingerichtet. Weswegen die entorteten Bundesrepublikaner auch lieber perverse Metzeleien und öde Beischlaf-Olympiaden zu Kassenschlagern küren und einen solchen Film bald von den Spielplänen zwingen. “ (Paulwitz 1991a).Google Scholar
  104. 103.
    Denselben Vorwurf formuliert Andreas Mölzer an die Adresse der Österreicher, die sich in der Bequemlichkeit „geistiger Kleinstaaterei mit der kulturpolitischen Perspektive eines Alpendisneyland“ eingerichtet hätten (Mölzer 1991: 249).Google Scholar
  105. 104.
    Vgl. das in Criticón vielzitierte Schmitt-Zitat: „Dadurch daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt: Es verschwindet nur ein schwaches Volk. “ (Schmitt 1991b: 54; zit. b. Weber, J. 1992: 33; ebenso bei Schüßlburner 1992a: 26; vgl. auch bereits Maschke 1985: 155). — Die Zentralität des Diktums bestätigt Dirk van Laak, der dieses als „Schlüsselsatz des gesamten Schmittschen Werkes” für den „»Haltungs-Schmittianer«“ bezeichnet (Laak 1993: 199, Anm.88; vgl. dort auch die weiteren Verweise auf Fundstellen bei Günter Maschke und Robert Hepp).Google Scholar
  106. 105.
    Vgl. hierzu die Ausführungen in Kapitel 4.1.1.1.Google Scholar
  107. 106.
    Vgl. Weißmann (1992a: 20).Google Scholar
  108. 107.
    Wolfgang Gessenharter bezeichnet das Buch aus diesem Grunde durchaus treffend als „Deutschlandlied in kammermusikalischer Flötenbesetzung und mit undeutlich gemurmelter erster Strophe“ (Gessenharter 1994a: 144). — Vgl. auch die Besprechung von Karl-Heinz Janssen (1992).Google Scholar
  109. 108.
    Dies wird schon am Personenregister des Buches (190ff.) deutlich, in dem es beispielsweise der von Weißmann glühend verehrte Carl Schmitt gerade auf eine, der Sozialdemokrat Kurt Schumacher hingegen gleich auf sechs Nennungen bringt. Angeführt wird die Liste u.a. von Konrad Adenauer und Otto Fürst von Bismarck (jeweils zehn Nennungen). Der Trick ist einfach und wirkungsvoll: Verweise auf neu-rechte Autoren und Publikationen (so auch auf Caspar von Schrenck-Notzing und Criticón) wurden im Text vermieden und nahezu ausschließlich in den umfangreichen Anmerkungsapparat gepackt, den das Personenregister nicht erfaßt.Google Scholar
  110. 109.
    Die Criticón-Doppelnummer 60/61 vom Oktober 1980 trägt den Titel „10 Jahre Criticón. Rückruf in die Geschichte“, der auf den darin enthaltenen Aufsatz „Über die Belastbarkeit der Deutschen im Falle ihres Rückrufs in die Geschichte“ von Hans-Joachim Arndt zurückgeht (Arndt 1980). — Daß der Titel der Jubiläumsausgabe eine Radikalisierung gegenüber dem eher defensiven Titel der ersten Criticön-Nummer („Rückkehr zur Ratio“, Criticón 1 vom Juli/August 1970) darstellt, wird von Schrenck-Notzing im Editorial unterstrichen. Der Herausgeber verweist darauf, daß in dem Heft auch die „deutsche Frage jenseits der Bundesrepublik“ (d.h. in der DDR und Österreich sowie hinsichtlich der Auslandsdeutschen) beleuchtet wird und merkt an: „35 Jahre nach Kriegsende wissen wir, daß die Nachkriegszeit erst in dem Augenblick endet, wenn ihr ein Ende gesetzt wird. “ (Schrenck-Notzing 1980d). In dem Heft wird auch bereits der Hoffnung auf eine kommende „erträglichen »Europawetterlage«“ für die Deutschen Ausdruck verliehen (Rassem 1980: 211).Google Scholar
  111. 110.
    Vgl. Mohler (1993d) sowie ders. (1994b; Mohler bezeichnet hierbei das Buch als „Flaggschiff der jungen Rechten“); vgl. auch die Besprechung durch den Criticón-Herausgeber selbst (Schrenck-Notzing 1992k).Google Scholar
  112. 111.
    Ludwig Watzal, der selbst im neu-rechten Umfeld publiziert, präsentiert Weißmann in der Wochenzeitung ,Das Parlament’ vom 13.08.1993 als einen Jener jüngeren Historiker, die die Geschichte der Bundesrepublik unbefangener und somit realistischer deuten“ (zit. n. Gessenharter 1994a: 140). Zur respektvoll-ahnungslosen Aufnahme des Buches durch zahlreiche Rezensenten vgl. die Anmerkungen Gessenharters (ebd.).Google Scholar
  113. 112.
    Arndt resümmiert: „Warum ausgerechnet sollten die Deutschen den anstehenden Herausforderungen nicht »als Deutsche« begegnen? Sie werden es, wenn nicht alle historische Erfahrung trügt, nur als solche können. [...] Und die Hoffnung, der Kelch werde weiterhin an den Deutschen vorübergehen, garantiert ebensowenig Entlastung von politischen Herausforderungen wie der besorgte Hinweis, eine Mobilisierung »als Deutsche« in der Bundesrepublik brächte unweigerlich die doch so schön stillgestellte »gesamtdeutsche Frage« wieder auf die Tagesordnung. Sie war daraus nämlich nie verschwunden, sondern bloß verdrängt, und das auch nur unter den Gesellschafts-Bürgern der Bundesrepublik. “ (Arndt 1980: 170; Hervorhebung im Original).Google Scholar
  114. 113.
    Zu Weißmanns historischen Vorbildern Niccolò Machiavelli, Ernst Niekisch u.a. vgl. ders. (1991b).Google Scholar
  115. 114.
    Neben etlichen Absonderlichkeiten, wie etwa Weißmanns Ausführungen zum „zwangsläufig ... unausgeglichenen »Charakter«“ eines Volkes, „das in der Mitte Europas ein Territorium ohne natürliche Grenzen bewohnt und dessen Entwicklung von so vielen Aufschwüngen und so vielen Katastrophen bestimmt war“ (1992a: 139) ist hierbei (wie auch im gesamten Buch) die weitgehende Ausklammerung des „Dritten Reiches“ bemerkenswert: So führt etwa die kursorische Aufzählung der „großartigen, aber fast zwangsläufig scheiternden Aufbrüche[]“ der deutschen Nation von den Ottonen und den Staufern über das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ und die „chaotische!] Welt der deutschen Klein- und Mittelstaaten“ zu Preußen und den Hohenzollern, um mittels eines Rundumschlags zu den „Welterlösungspläne[n]“ der Deutschen „vom Marxismus bis zum Anarchismus, von der »Frei-Körper-Kultur« bis zur »Rassenhygiene«“ nahezu bruchlos bei der „Studentenbewegung der 60er Jahr“ sowie der Ökologie- und Friedensbewegung zu landen (140f). — Zu Weißmanns „Jargon“ vgl. auch die treffenden Anmerkungen Jost Müllers (1995: 23f).Google Scholar
  116. 115.
    Vgl. hierzu etwa die Anmerkungen des FPÖ-Ideologen Andreas Mölzer zur Rolle Deutschlands und Österreichs als Anwälte kleiner Völker und Staaten „im künftigen Europa, aber auch in der Welt“ (1991:249).Google Scholar
  117. 116.
    Vgl. etwa Bavendamm (1992a: 77), Kremp (1994: 80) et al. sowie den Bericht zur Tagung des ,Studienzentrums Weikersheim’ „Umrisse des 21. Jahrhunderts“ im Mai 1994, auf der u.a. Kremp und Weißmann als Referenten auftreten (hierzu Criticón 142,1994: 128).Google Scholar
  118. 117.
    Weißmann schreibt wider besseres Wissen und entgegen den eigenen Zielsetzungen: „Es gibt praktisch keine einflußreiche Gruppe, die noch von einer imperialen Sendung Deutschlands träumt. “ (1992a: 158). — Herbert Kremp bemerkt demgegenüber unmißverständlich: „Deutschland muß seine geopolitische Nische verlassen. Maßgebend ist nicht der »Drang«, sondern der »Zwang nach Osten« [sic!]. Zum ersten Male seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Deutschen gezwungen, Grundlagen des nationalen Interesses, mögliche Bedrohungen, den Gebrauch von Macht sowie Ziele anstatt moralische und legalistische Ideen zu diskutieren. Als der größte und potentiell mächtigste Staat in Europa muß Deutschland in den Bündnissen, in denen es steht, ein eigenes und unabhängiges Denken entwickeln, das die geopolitischen Verhältnisse reflektiert. Wer dies »Renationalisie-rung« nennt, möge es tun. Andernfalls ist nicht auszuschließen, daß politische und wirtschaftliche Krisen im Osten mit der Folge zunehmender Flüchtlingsströme antidemokratische und antiwestliche Bewegungen in den bislang stabilen Ländern Europas, einschließlich Deutschlands, entfachen.“ (Kremp 1994: 83).Google Scholar
  119. 118.
    Zur entsprechenden Debatte in der Jungen Freiheit’ vgl. Schobert/Papke (1994).Google Scholar
  120. 119.
    Vgl. die Criticón-Ausgabe 126, die im Juli/August 1991 unter dem Titel „Dossier Mitteleurop“ erscheint.Google Scholar
  121. 120.
    Dies bezieht sich insbesondere auf Überlegungen hinsichtlich der Einrichtung entmilitarisierter bzw. atomwaffenfreier Zonen in Europa, die u.a. in osteuropäischen Dissidentenkreisen, aber auch unter Vertretern der Sozialdemokratie diskutiert werden. Besonders die Vorschläge von Peter Glotz zur „Neubelebung der »Mitteleuropa-«Idee“ auf dem Nürnberger SPD-Parteitag von 1986 werden aufmerksam von Weißmann registriert (1986b: 219). — Criticón-Autor Karl-Eckhard Hahn spricht diesbezüglich im Ullstein-Band „Die selbstbewußte Nation“ vom „Wetterleuchten[] aus Historikerstreit, Mitteleuropadebatte, nationaler Identitätsdebatte und Wertediskussion, mit denen sich Mitte der 80er Jahre der Einsturz der Nachkriegsordnung ankündigte” (Hahn, K.-E. 1996: 335; vgl. ebenso ders. 1989).Google Scholar
  122. 121.
    Ähnliche Gedanken hinsichtlich der Wiedererrichtung eines mitteleuropäischen Reiches unter deutscher Hegemonie entwickeln in den 80er Jahren auch Karlheinz Weißmann, Ludëk Pachman u.a. in der Zeitschrift.Google Scholar
  123. 122.
    Bereits im Herbst 1989 sieht der kroatische Rechtsextremist Mladen Schwartz alte Konstellationen in Europa wiederauferstehen: „Ein wiedervereinigtes Deutschland und ein vom Imperialismus und Totalitarismus befreites künftiges Rußland könnten die beiden Mittelpunkte des wiedererwachten Geistes im Europa des kommenden Jahrhunderts werden. “ (Schwartz 1989e: 234).Google Scholar
  124. 123.
    Das westliche Unvermögen, die Situation der Osteuropäer zu verstehen, wird auf traditionell „unterschiedliche!] Vorstellungen von Staat und Nation ... in den verschiedenen Großregionen Europas“ zurückgeführt, wobei dem Westen zentral istische Vorstellungen, dem Osten (bzw. der ,Mitte’) se-zessionistische Neigungen unterstellt werden. Kurt Heißig etwa schreibt: „Keines der Völker im östlichen Mitteleuropa oder in Südosteuropa wird sich damit abfinden wollen, daß seine nationalen Eigenarten hinter einem allgemeinen, mischkulturellen Europäertum zurücktreten sollen. Im Gegenteil, die jahrzehntelange offizielle Mißachtung der Nationen im Zeichen eines vergeblichen Internationalismus sucht zunächst einmal nach einer Kompensation. “ (Heißig 1991: 167f.) — Vgl. hierzu auch Klein (1992b) sowie — auf den jugoslawischen Fall bezogen — Ströhm (1991f: 222).Google Scholar
  125. 124.
    Hierzu Pfahl-Traughber (1998a), Lenk/Meuter/Otten (1997) et al.Google Scholar
  126. 125.
    Vgl. Pfahl-Traughber (1998a: 57) sowie Breuer (1993: 40 u. 197).Google Scholar
  127. 126.
    Exemplarisch hierfür etwa die Beiträge von Thomas Molnar (1990 sowie 1991: 172; Molnar spricht hier sogar explizit von den zu erwartenden Widerständen der „alten Nationen“ gegen eine neu zu schaffende „mittel- und osteuropäische Interessengemeinschaft” unter Führung des vereinten Deutschlands). — Vgl. auch die Anmerkungen Anatolij Frenkins zur Ostorientierung der Criticón-Rechten (1991: 235) u. die Beiträge in Zitelmann/Weißmann/Großheim (Hrsg.) (1993).Google Scholar
  128. 127.
    Zum Gegensatz zwischen Mitteleuropa und dem „liberalen Westen“ und insbesondere zur ,,»un-sichtbarefn] Grenze« in der geistigen Landkarte Europas, die Grundformen menschlichen Denkens hinsichtlich des Verhältnisses des Einzelnen zum Staat hin [scheide]” vgl. etwa Redlich (1991).Google Scholar
  129. 128.
    Zum Umbruch in Rußland schreibt Gerd-Klaus Kaltenbrunner: „Rußland und die ihm angegliederten oder von ihm wegstrebenden Völkerschaften sind vergleichsweise »ewiger« als politische Ideologien und sozialutopische Systeme. Nationale, kulturelle und religiöse Bestände bezeigen offenkundig eine größere Haltbarkeit denn ihre säkularen Surrogate. “ (Kaltenbrunnner 1993: 9).Google Scholar
  130. 129.
    Vgl. die Anmerkungen Günter Meuters zur „politische[n] Makro-Anthropologie“ und zum „Mythos als Theologie“ bei Carl Schmitt (Meuter 1996: 28ff.).Google Scholar
  131. 130.
    Die Denkfigur verweist auf einen eigentümlichen Widerspruch: Just in dem Moment, da die Neue Rechte das „Ende des 20. Jahrhunderts“ verkündet, sieht sie „alte, lange tot geglaubte Konstellationen in Europa“ wiederauferstehen (vgl. Weißmann 1990b: 23, 1996a: 309ff. sowie 1992c: 271).Google Scholar
  132. 131.
    Hierzu exemplarisch Ströhm (1991f: 222). — Zur Jugoslawien-Debatte vgl. die Ausführungen in Kapitel 3.4.2flf.Google Scholar
  133. 132.
    Hierzu sowie zur inhaltlichen Übereinstimmung mit der FAZ vgl. ebenso die Ausführungen unten.Google Scholar
  134. 133.
    Beim Weikersheimer Kongreß von 1994 sind laut Teilnehmerliste mit Boßdorf, Hornung, Jebens, Kopp, Kremp, Kromka, Maier, Sunió, Schmidt-Kaler, Schrenck-Notzing und Weißmann allein elf Criticön-Autoren, z.T. sogar als Referenten, vertreten. An dem Kongreß nehmen u.a. Konstantin Borodin (Direktor des Nachrichtendienstes ,Sposterihach’, Kiew), Professor Dr. Wjatscheslaw Da-schitschew (Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau), Sorin Gadeanu (Universität Timi-soara/Temesvar, Rumänien), Andrei Hvostov (Dorpat, Estland), Tilit Matsulevits (estnischer Botschafter in Bonn), Meelis Ojasso (Konsul an der estnischen Botschaft in Bonn), Katri Raik (Universität Dopat, Estland) sowie San Li (Universität Ksian, VR China) teil. — Weitere Teilnehmer sind der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident und damalige SZW-Präsident, Hans Filbinger (CDU), der damalige stellvertretende Chef des Bonner Presse- und Informationsamtes, Wolfgang Gibowski, die Ministerin a.D. Annemarie Griesinger (CDU), der Ehrenpräsident des BDA, Otto Esser, der damalige Rechtsberater der US-Mission in Berlin, Donald Koblitz u.v.a. — Vgl. auch die Gästeliste der ersten ,Weikersheimer Hochschulwoche’, die im Spätsommer 1992 unter dem Motto „Deutschland und Europa — auf der Suche nach neuer Gestalt” stattfindet: Hier treffen u.a. Criticón-Autor Thomas Molnar, Kurt Widmeier (,Baltische Liga der Rußlanddeutschen’), Dr. Wladimir Gilmanov (Universität Kaliningrad) sowie Dr. Biti und Dr. Katinić aus Zagreb aufeinander. Eröffnet wird die Tagung vom baden-württembergischen Wissenschaftsminister Klaus von Trotha (CDU) (vgl. Fröschle 1992 sowie Stuttgarter Zeitung’ vom 14.09.1992).Google Scholar
  135. 134.
    Zu ihrem Vorsitzenden wählt die GME bei ihrer Gründungsversammlung am 04.06.1991 in Stuttgart den langjährigen Criticón-Autor und ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Hans Graf Huyn, zu Stellvertretern werden die Criticön-Autoren Klaus Hornung und Ludëk Pachman sowie Staatsminister a.D. Walter Stain gewählt. Die österreichische Sektion der GME wird vom ehemaligen österreichischen Botschafter in Budapest und Criticón-Autoren Dr. Josef Dengler geleitet (vgl. die Vorstellung der Gesellschaft für Mitteleuropa’ in Criticón 126, 1991: 208).Google Scholar
  136. 135.
    Den hier behaupteteten Pluralismus dementiert die GME durch die Wahl ihres Hauptsitzes (Stuttgart) sowie die einseitig auf einen Ausbau der deutschen Beziehungen nach Mittel-/Osteuropa gerichteten Vorhaben selbst. Einen weiteren Hinweis auf die Funktion der GME als Agentur zur Wahrnehmung deutscher Interessen in Osteuropa geben die vorhandenen (Österreich, Tschechoslowakei, Schweiz) und insbesondere die geplanten Ländersektionen (Ungarn, Slowenien, Kroatien), bei denen Polen wohl nicht zufällig fehlt. — Mit seinem Mitteleuropa-Engagement sieht sich der Cri-ticön-Kreis im rechts-konservativen Lager keineswegs allein, ähnliche Unternehmungen im Umfeld der Unionsparteien werden nicht als Konkurrenz aufgefaßt, sondern im Veranstaltungsteil der Zeitschrift angezeigt (vgl. etwa die unter der Überschrift „Mitteleuropa als kulturpolitische Aufgabe“ erfolgende Ankündigung einer Tagung der Hanns-Seidel-Stiftung in Criticön 124, 1991: 100).Google Scholar
  137. 136.
    Vgl. Ritter, H. (1990, 1991b). — Die im Herbst 1989 in Budapest ins Leben gerufene ,Quadronale Initiative’, bestehend aus Österreich, Ungarn, Jugoslawien und Italien erweitert sich erst später durch den Beitritt der damaligen CSFR zur ,Pentagonale’ (vgl. ebd.).Google Scholar
  138. 137.
    Der auch als „»roter Doge von Venedig«“ bezeichnete Politiker und Geschäftsmann ist verschiedentlich in Criticón Gegenstand gehässiger bis bewundernder Anmerkungen, in denen der antisemitische Topos von der Allmacht des Geldes aufscheint: Hans Ritter zufolge wird dem Sozialisten nachgesagt, „er habe mit dem König Midas der griechischen Sage gemein, daß alles, was er anfasse, zu Gold würde.“ (1990: 247). — Vgl. auch Molnar (1991: 172) sowie — zum Sturz Michelis’ im Rahmen der italienischen Korruptionsaffäre — Ritter, H. (1993a).Google Scholar
  139. 138.
    De Rita habe, so Ritter, in einem Interview mit dem TV-Nachrichtenmagazin ,Panorama’ geäußert: „Wenn es gelänge, eine »wirtschaftliche Verbindung zwischen Lombardei-Veneto, Ungarn, Jugoslawien und der Tschechoslowakei« zu schaffen, entstünde »ein Schwerpunkt in Südeuropa als Alternative zu dem Schwerpunkt des Großen Deutschlands als ein großer Kraftakt, um sich als Protagonist im künftigen europäischen Gleichgewicht zu profilieren. Doch sollte diese Herausforderung nicht Gestalt annehmen, dann brauchen wir uns nichts vorzumachen: Dann wird in zehn Jahren in Europa das einzige Land der Oberklasse Großdeutschland sein.«“ (Ritter, H. 1990: 247).Google Scholar
  140. 139.
    Neben den prinzipiellen Vorbehalten gegen den unzuverlässigen Bündnispartner’ von einst sind es auch aktuelle Anlässe, durch die sich die Criticón-Rechte in diesem Verdacht bestätigt sieht: Schrenck-Notzing zählt Italien neben Frankreich und England zu den führenden westeuropäischen Mächten, die die sich noch im Sommer 1991 „für die Einheit Jugoslawiens einsetzen” und damit ein Mitteleuropa unter deutscher Führung vereiteln wollten (Schrenck-Notzing 199le). — Vgl. bereits in den 80er Jahren die Attacken auf den damaligen italienischen Außenminister Andreotti wegen dessen Äußerungen zu einer deutschen Wiedervereinigung (Motschmann 1984, Heißig 1984: 198, Rüddenklau 1984: 251 u.a.).Google Scholar
  141. 140.
    Hierbei gleich noch ein Seitenhieb auf den französischen Nachbarn: „Wenn Mitterand je ein weises Wort gesprochen hat, dann war es sein Ausspruch: »Wir schreiten voran in das Neunzehnte Jahrhundert.«“ (ebd.). — Ganz ähnlich auch die unterschwelligen Hoffnungen Hans Ritters auf neuerliche Zwistigkeiten zwischen Italien und dem auseinanderbrechenden Jugoslawien um die im Vertrag von Osimo (1974) festgeschriebene Grenzziehung in Istrien, speziell um die Gebietsansprüche auf die „Zone B“ von Triest (Ritter, H. 1991b). 141 Anfang 1992 wird die ,Hexagonale’ schließlich in ,Central European Initiative’ umbenannt (vgl. ebd.).Google Scholar
  142. 142.
    Vgl. hierzu durchgängig die Beiträge Josef Schüßlburners; Schüßlburner wendet sich explizit gegen ein „vagabundierendes Reichsbewußtsein“ in Deutschland, welches den Deutschen die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen erschwere: „Wahrscheinlich war es schon immer ein deutsches Unglück, sich die Last des Reichsgedankens auferlegt zu haben, was ja nur dazu geführt hat, daß Deutsche für transnationale Interessen und Ideologien eingespannt wurden. “ Der Völkerrechter sieht die Deutschen in einen „Europarausch“ versetzt und warnt vor der „Katerstimmung“, die diesem unweigerlich folgen werde (vgl. Schüßlburner 1992a: 28).Google Scholar
  143. 143.
    Zur keineswegs einheitlichen Konnotation des Reichsbegriffs bei den Protagonisten der „Konservativen Revolution“ vgl. Breuer (1993: 104ff).Google Scholar
  144. 144.
    Exemplarisch hierfür sind die Beiträge von Hans-Christof Kraus, der in Criticön eine Reihe von altkonservativen Politikern und Denkern des 19. Jahrhunderts porträtiert und hierbei immer wieder deren vermeintliche oder tatsächliche Distanz zum Nationalismus unterstreicht. So etwa bei Carl Ernst Jarcke (Kraus 1991a: 59), Leo Graf von Thun-Hohenstein (1991b) sowie Ernst Ludwig von Gerlach (1993: 59); Kraus zitiert hierbei Gerlachs Bekenntnis zur „übernationalen Aufgabe der Deutschen“. — Vgl. auch Kraus’ Anmerkungen zu Ernst Noltes Ruf nach einem „neuen, nichtaggressiven Nationalbewußtsein, das ... »einen Zustand jenseits der souveränen Nationalstaaten aktzeptiert und einen defensiven Charakter hat...«“ (Kraus 1994a: 13). — Zur Absage an einen deutsch-nationalen Etatismus vgl. auch die Beiträge des ,Heimatschützers’ Heinz-Siegfried Strelow, der seiner Position in ähnlich indirekter Form Ausdruck verleiht (Strelow 1992a: 17f. u. 1993a: 109f.).- Vgl. auch den Versuch Albrecht Jebens’, Carl Schmitts geopolitisch begründeten Reichsgedanken vom Nationalsozialismus abzugrenzen (Jebens 1994c: 251). — Zum Reichsgedanken in Criticón vgl. auch die Beiträge von Karlheinz Weißmann, passim.Google Scholar
  145. 145.
    Kurt Heißig zufolge war das „erste Reich“ „nach der ersten gewaltsamen Zusammenfassung durch Karl den Großen“ nie zentral istisch organisiert, sondern durch seinen „religiösen Anspruch“ und seine „friedensstiftende Kraft“ bestimmt. Der Verfall des ,,zweite[n] Imperium[s]“, der Donaumonarchie’, begann Heißig zufolge mit den ersten Versuchen der Vereinheitlichung (durch die Josefinischen Reformen) bei zeitgleicher Schwächung der religiösen Basis (1991: 168). — Zum ,Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation’ vgl. auch die Ausführungen bei Härter (1993: 46ff). — Exemplarisch für die Darstellung der k.u.k-Monarchie vgl. Ströhm (1992b).Google Scholar
  146. 146.
    Vgl. auch Holz’ ungewöhnlich scharfe Kritik an den aktuellen Versuchen ,,deutsch-nationale[r] Sinnsetzung[]“ und einer „Re-Etablierung eines in seinen preußisch-deutschen Wurzeln unhinter-fragten, letztlich nur als »triumphalistisch« zu kennzeichnenden neuen Nationalgefühls“ (1993: 39).Google Scholar
  147. 147.
    Vgl. insbes. die Beiträge von Josef Schüßlburner (exemplarisch 1992a).Google Scholar
  148. 148.
    Vgl. etwa Mólzer (1991: 248f.).Google Scholar
  149. 149.
    Barheier bezieht sich hier positiv auf die Arbeiten von Johannes Chr. Papalekas. — Exemplarisch für die vehemente Ablehnung Schilow (1995a); der Verfasser — vermutlich ein Unternehmer aus der Ukraine (vgl. auch ders. 1995b) — empfiehlt mehr oder weniger deutlich die Diktatur als Staatsform für die ehemaligen Ostblockländer. Den Putsch vom August 1991 in der damaligen Sowjetunion bewertet Schilow als Versuch der sowjetischen Führung, das Chaos, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich, aufzuhalten. Er empfiehlt eine Orientierung am „chinesischen Modell“ (!). — Michael Paulwitz zufolge wird Rußland „seinen eigenen Sonderweg gehen, auch wenn wir versuchen — wie etwa FAZ-Leitartikler Reinhard Olt nach Art eines gelehrig umerzogenen Umerziehers fordert -, »mit Geduld die demokratischen Traditionen der zivilisierten Staatengemeinschaft zu ,exportieren’ und sie in die Köpfe einzupflanzen.« (FAZ, 12.10.91).“ (Paulwitz 1991d).Google Scholar
  150. 150.
    Denn — so Wladimir Schilow bei seinem Plädoyer für die Diktatur — „die Rezepte, welche westliche »Ärzte« Osteuropa geben, sind oft untauglich, denn die Länder im »Osten« und im Westen haben ganz unterschiedliche soziale Organismen“ (1995a: 44). — Gerd-Klaus Kaltenbrunner, der bereits in den 80er Jahren das diktatorische Modell Spartas preist (Kaltenbrunner 1987), zitiert hinsichtlich der Bevölkerung Rußlands Peter Tschaadajew mit den Worten: „»Der Mensch verliert den Halt, wenn er kein Mittel findet, sich mit dem, was ihm vorausgeht und folgt, zu verbinden. Er büßt dann jede Sicherheit, jede Festigkeit ein. Ohne die Führung durch das Gefühl der Kontinuität verirrt er sich in der Welt. Solchen haltlosen Menschen begegnet man in allen Ländern; bei uns aber sind sie eine allgemeine Erscheinung.«“ (Kaltenbrunner 1993: 12).Google Scholar
  151. 151.
    Eine verständnisvolle Haltung, „wenn die Prozesse der Umstrukturierung in der der ehemaligen Sowjetunion nicht immer den westlichen Standards entsprechen“, fordert Wladimir Schilow explizit ein (1995a: 44). — Daß der Criticón-Rechten keineswegs an einer umfassenden Demokratisierung in Ost- bzw. Südosteuropa gelegen ist, zeigt sich auch an den Attacken gegen die Unterstützung unabhängiger Medien im ehemaligen Jugoslawien durch die EU: Joachim Hentze kritisiert etwa die Förderung des größten unabhängigen Radiosenders in Serbien, ,Radio B-92’, der sich entschieden gegen den nationalistischen Kriegskurs der Machthaber in den ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken stellt (Hentze 1993); zur Arbeit des Senders vgl. Buder/Schmidt (1996). — Vgl. auch den Tenor zahlreicher Berichte in der ,Welt’, in denen etwa Criticön-Autor Carl Gustaf Ströhm beständig Geduld hinsichtlich der Demokratisierung der Länder Ost- und Südosteuropas anmahnt (exemplarisch — zum korrupten Regime Sali Berishas in Albanien — Ströhm 1997).Google Scholar
  152. 152.
    Dies zeigt sich bereits an der Berichterstattung zum Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien, bei der das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung in den serbischen Siedlungsgebieten Kroatiens -einer der wichtigsten Anknüpfungspunkte der serbisch-nationalistischen Propaganda zu Beginn des Konfliktes — den meisten Autoren keine Zeile wert ist. — Dagegen, daß „das Selbstbestimmungsrecht der Völker schrankenlos zur Geltung kommt“, sprechen sich die Autoren gelegentlich auch explizit aus — so etwa Dirk Bavendamm mit Blick auf die Stabilität der GUS-Staaten (1992a: 77).Google Scholar
  153. 153.
    Joachim G. Görlich, der die Criticón-Leser bereits seit den 70er Jahren über die Entwicklungen in Polen und insbesondere das Schicksal der ,,deutsche[n] Volksgruppe in Oberschlesien“ auf dem Laufenden hält, stellt hierbei schon mal „die grundsätzliche Frage..., wer wen in den letzten 40 Jahren unterdrückte... “ und gibt der Bundesregierung Handreichungen für eine aggressive Politik gegenüber dem östlichen Nachbarn (vgl. Görlich 1991a sowie ders. 1991b u. 1992). — Zu den Begehrlichkeiten in Richtung Königsberg (Kaliningrad) vgl. die Beiträge des leitenden SFB-Mitarbeiters Ansgar Graw (1990b, 1991a, 1991b) sowie die ohne Umschweife geäußerte Rückgabeforderung bei Josef Schüßlburner (1991b: 65, Anm.28). — Den Anliegen der Vertriebenen aus dem Sudetenland wenden sich u.a. Michael Paulwitz und Alfred Schickel zu (Paulwitz 1992b, Schickel, A. 1993a); vgl. hierzu auch den Beitrag des Criticón-Mitbegründers Hanns Klatz (1993). — Zur „ehemals südöstlichste)[n] Universität deutscher Zunge“ in der Ukraine bricht laut Criticón 1993 der ,Bund alter Herren ehemaliger Czernowitzer Pennal-Corporationen’ auf. An der „Franz-Josephs-Universität“ der „Hauptstadt des Buchenlandes“ findet zu diesem Zeitpunkt „erstmals seit 1935 ... wieder ein akademischer Festkommers“ statt, wie die Burschenschaft ,Saxonia Czernowitz zu München’ stolz in Criticón vermeldet (Criticón 138, 1993: 204). — Vgl. auch die Ausführungen Hans-Ulrich Piepers in Criticön zur ,,historische[n] Aufgabe“ der deutschen Industrie, als „»Ordnungsmacht«“ in Osteuropa zu wirken (Pieper 1993b: 261).Google Scholar
  154. 154.
    Explizit — mit Forderungen nach Rückgabe der ehemals deutschen Gebiete — in Richtung Polens und der Tschechei etwa bei Schüßlburner (1992c: 229f).Google Scholar
  155. 155.
    Vgl. Schüßlburner (1992c: 229f.) sowie Mölzer (1991).Google Scholar
  156. 156.
    Zu den vorgeblichen „Erwartungen der Balkanstaaten“ an eine deutsche „Ordnungsmacht“ vgl. etwa die Ausführungen von Gregor Manousakis in Criticón (1991: 224); beachtenswert die dort geäußerte Kritik an der deutschen Balkanpolitik, die aus der Sicht des griechischen Nationalismus erfolgt und aufgrund seiner Parteinahme für Serbien konträr zum konservativen wie neu-rechten Mainstream liegt.Google Scholar
  157. 157.
    Vom ,Prager Frühling’ weiß Pachman zu berichten: „Bei einer der ersten großen Demonstrationen der Prager Jugend am 21. August 1968 am Wenzelsplatz riefen die Jugendlichen: »Hoch lebe die Bundeswehr!« [sic!] Das war nicht nur eine Provokation der sowjetischen Besatzungsmacht, sondern auch eine Wendung hin zum westlichen Nachbarn in dieser schicksalshaften Stunde der tschechischen Nation. “ (1990: 34). — Vgl. auch Pachmans aufschlußreichen Bericht über eine gemeinsame Reise mit dem FAZ-Herausgeber Johann Georg Reißmüller in die Tschechoslowakei, die die beiden Publizisten Anfang 1992 auch an einige Schulen führt. Den dort angetroffenen, deutschstämmigen Schülern rät Pachman seinem eigenen Bericht zufolge „stolz“ auf die deutsche Nation zu sein, „vor allem an ihre positiven Leistungen denken und sich nicht durch bloße zwölf unselige Jahre ihrer Geschichte innerlich verkrüppeln lassen. “ (1992: 324). — Zur engen Verbindung zwischen den beiden Autoren vgl. auch Reißmüllers ausführliches Pachman-Porträt in der FAZ (Reißmüller 1993b).Google Scholar
  158. 158.
    Der hier zitierte Criticón-Beitrag erscheint zuerst in der Festschrift zum 65. Geburtstag von Klaus Hornung unter dem Titel „Die mitteleuropäische Aufgabe der Deutschen“ (Molnar 1992a). — Vgl. auch die in Criticón dokumentierten Ausführungen Molnars auf der ersten ‚Weikersheimer Hochschulwoche ‘ im Spätsommer 1992: „Prof. Molnar aus Budapest äußerte in seinen Ausführungen zu Mitteleuropa als einer Großregion seine Vorbehalte gegen das Maastrichteuropa und sprach sich für eine Beibehaltung der Nationalstaaten und damit der europäischen Kultur [sic!] aus. Im engagierten Disput betonte er, daß nur ein starkes und selbstbewußtes Deutschland in der Lage sei, vor allem den kleineren Staaten in Mitteleuropa politische und wirtschaftliche Sicherheit zu geben, was man dort erwarte.“ (Fröschle 1992).Google Scholar
  159. 159.
    Mölzer wird den Criticón-Lesern als „Bundesrat“, „Mitglied der Länderkammer des Österreichischen Parlaments und Grundsatzreferent der Freiheitlichen Partei Österreichs“ vorgestellt (Mölzer 1991: 247, biographische Angaben); zu Mölzers Umfeld und insbesondere seiner Tätigkeit bei dem neu-rechten, österreichischen Blatt ,Aula’ vgl. Gärtner (1996). — Vgl. weiterhin die Angaben und Hinweise zur Person im Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus (Stiftung Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.) 1993). — Mölzer ist zwischenzeitlich Herausgeber und Chefredakteur der neu-rechten, österreichischen Wochenzeitung ,Zur Zeit’.Google Scholar
  160. 160.
    Vgl. Mölzer 1991; vgl. hierbei die Parallelen zum deutschen „Rückruf-Diskurs (Weißmann et al.), etwa wenn Mölzer das österreichische Dasein vor dem Umbruch in Osteuropa als „Leben in geistiger Kleinstaaterei mit der kulturpolitischen Perspektive eines Alpendisneyland“ denunziert (1991: 249).Google Scholar
  161. 161.
    Zu den Vorstellungen über das „Hissen der schwarz-rot-goldenen Flagge in Wien“ vgl. exemplarisch Meier-Bergfeld (1996). — Das Anliegen, großdeutschen Planspielen mittels eines eigenständigen Austro-Nationalismus’ entgegenzuwirken, vertraten bereits die ,Österreichischen Akademischen Blätter’, die Schrenck-Notzing als publizistisches Vorbild für Criticón betrachtet (Schrenck-Notzing 1992i).Google Scholar
  162. 162.
    Mölzer weist nicht ohne Realitätssinn darauf hin, daß „gerade im östlichen Mitteleuropa, in dem Völker, Volksgruppen und Volkssplitter oft in einer derartigen Gemengelage siedeln, daß eine territoriale Separierung völlig unmöglich ist. [...] Und tatsächlich wird man in der Woiwodina oder in Herzegowina die Völker nicht auseinanderdividieren können, weder räumlich noch menschlich, es sei denn durch Massenmord und Massenumsiedlungen. “ (ebd.).Google Scholar
  163. 163.
    Mölzer beruft sich hierbei auf „serbische Hetzblätter...,die da behaupteten, in Österreich und in Deutschland gäbe es Kräfte, die mit der Installierung eines kroatischen und eines slowenischen Marionettenstaates ein »Viertes Reich« in Mitteleuropa schaffen wollten” (ebd.). — Carl Gustaf Ströhm rügt in derselben Nummer die deutsch/österreichische Empfindlichkeit gegenüber dem serbischen Vorwurf, „die Vormachtstellung eines »Vierten Reiches« auf dem Balkan anzustreben“ (Ströhm 1991 f: 222). — Vgl. auch im selben Heft die Anmerkungen von Lev Detela (1991: 229).Google Scholar
  164. 164.
    Vgl. auch die von Wolfgang Venohr in der Jungen Freiheit’ entwickelten Vorstellungen über eine „Öko-Diktatur“, die in Berlin erlassene ,,Umwelt-Anordnung[en] “ mittels „»Grünhelme[n]«“ in ganz Mitteleuropa durchsetzen soll (zit. n. Schobert/Papke 1994: 318f.). — Vgl. ebenso die Darstellung der neu-rechten Pläne zur Abkoppelung Deutschlands vom Westen bei Herzinger/Stein (1995: 44ff.).Google Scholar
  165. 165.
    Zum genannten Buch von Willms/Kleinewefers vgl. auch die Werbeanzeigen des ,Busse/Seewald-Verlages’ in Criticón 110 (1988: 285), Criticón 117 (1990: 11) sowie die Darstellung bei Hundseder (1995: 163).Google Scholar
  166. 166.
    Daß die „Geopolitik zum politischen Handeln [dränge]“, unterstreicht auch Karl-Eckhard Hahn. Er fügt hinzu: „Sie ist immer politische Strategie. “ (1996: 329).Google Scholar
  167. 167.
    Exemplarisch d. Beitrag „Abschied von Adenauer“ (Schüßlburner 1991c); ebenso Zimmerer (1992).Google Scholar
  168. 168.
    Vgl. insbes. Kreul (1992, 1993) u. Kromka (1992). Der Titel von Kromkas Beitrag („Masseneinwanderung“) verdeutlicht bereits den engen Zusammenhang zwischen der Entwicklungs- und der Asyl débatte (vgl. auch dies. 1991 sowie hierzu Hornung, K. 1992b). — Kreul stellt unmißverständlich fest: „Wer glaubt, Wohlstand kann man geschenkt bekommen, irrt grundlegend. Jedes Individuum, jedes Land muß sich diesen, so er denn Bestand haben soll, letztlich allein erarbeiten. Die Länder der Dritten Welt haben zuallererst die Pflicht, sich selber zu helfen. Diese nüchterne Weisheit zu verbreiten, stellt wirkliche Entwicklungshilfe dar. “ (1992: 134). — Vgl. weiterhin Greve (1992b: 194f.). — Armin Mohler denunziert unter Bezugnahme auf Siegfried Kohlhammer die Entwicklungshilfe als „eine Art von organisiertem Wahnsinn“ (1993b: 43).Google Scholar
  169. 169.
    Schüßlburner verweist in diesem Zusammenhang darauf, daß es auch der FAZ „langsam zu bunt [werde], sie fragt, ob Deutschland »Zahlmeister der Welt« sei“. Er merkt an: „Nein, nicht Meister, Knecht! “ (ebd.); vgl. auch ders. (1992d: 282, Anm.23; hier unter Berufung auf das Buch Zahlmeister Deutschland’ von Paul С Martin). — Vgl. ebenso Kurt Heißigs Anmerkungen zum deutschen „(Gold)Esel“ (1992b: 178) sowie die Attacken Joachim Webers auf die „Bonner Universalmethode, bei Auftauchen politischer Schwierigkeiten jeder Art einen Scheck zu schreiben und sich seine Ruhe zu erkaufen” (Weber, J. 1992: 31).Google Scholar
  170. 170.
    Die Deutsche Mark wird so zum „stärksten Instrument[] deutscher Politik“, deren „Weggabe“ (im Rahmen der europäischen Währungsunion) nicht nur in ökonomischer Hinsicht unzweckmäßig erscheint (vgl. Weber, J. 1992: 33); direkte Erpressungsvorschläge bei Schüßlburner (1992c: 229f.) et al. — Joachim G. Görlich schreibt drohend in Richtung Bonn: „Ein Bogen des Unmuts spannt sich von den Alt-Vertriebenen über die Mitglieder der CDU-eigenen »Vereinigung der Ost- und Mitteldeutschen«, über die Spätaussiedler, für die der Kampf um Minderheitenrechte leidvolles persönliches Schicksal wurde und die Brücken zu den polnischen Nachbarn schlugen, als in Bonn noch niemand daran dachte, bis hin zur deutschen Minderheit in Polen. Man hört immer wieder, daß Polen auf dem Wege nach Europa auf die Bonner Regierung angewiesen sei und daß diese, statt mit diesem Pfund zu wuchern, es leichtfertig aus der Hand gebe. “ (1991a). — Hinsichtlich der Entschädigungsforderungen der deutschen „Opfer sowjetischer Militärjustiz” vgl. die Anmerkungen von Hannnes Kaschkat zur Abhängigkeit der UdSSR vom „guten Willen Deutschlands“ (1991: 34). -Das Motiv der wirtschaftlichen Erpressung taucht auch im Zusammenhang mit der deutschen Einheit auf: Andreas Zehnter etwa bedauert retrospektiv, daß die Bundesregierung, der bereits in den 80er Jahren „die prekäre wirtschaftliche Lage der DDR-Wirtschaft“ bekannt gewesen sei, diese nicht schon damals „als Druckmittel ausgenutzt“ habe (1991: 179f).Google Scholar
  171. 171.
    Alfred Schickel verweist Anfang 1993 auf die Aussage des Sprechers der ,Sudetendeutschen Landsmannschaft’, Franz Neubauer, derzufolge „der vor Jahresfrist abgeschlossene deutschtschechische »Nachbarschaftsvertrag« nach dem Zerfall der »Tschechoslowakischen Föderierten Republik« seine Rechtsverbindlichkeit verliert, also gegenstandslos wird. “ Schickel merkt an: „Eine von der Geschichte nur selten gewährte Chance, ein mißratenes Vertragswerk noch vor der Auswirkung seiner Mängel rechtzeitig korrigieren zu können. “ (Schickel, A. 1993a: 97). — Ähnliche Hoffnungen auf Rückübertragungen (hier der Halbinsel Istrien) keimen Criticón-Autor Hans Ritter zufolge bei der italienischen Rechten angesichts des Zerfalls Jugoslawiens auf (Ritter, H. 1991b).Google Scholar
  172. 172.
    Vgl. auch Klaus Motschmanns Ausführungen über das bundesdeutsche „Mißverständnis vom Wesen des Politischen ..., es könne zwischen Völkern Freundschaften wie zwischen Einzelpersonen geben“ (1991c: 312).Google Scholar
  173. 173.
    Vgl. auch die verschiedentlichen Bezugnahmen auf Oswald Spenglers „Jahre der Entscheidung“ bei Weißmann (1992c), Zimmerer (1992: 150), Zänker (1992; hierzu Sohn 1993a) u.v.a.Google Scholar
  174. 174.
    Christian Graf von Krockow verweist darauf, daß die „wirkliche Entscheidung“ bei Schmitt „frei ... von allem Normativem“ sein muß: „»Die Entscheidung ist, normativ gesehen, aus dem Nichts geboren.«“ (Schmitt, zit. n. Krockow 1958: 56).Google Scholar
  175. 175.
    Bereits Krockow weist nach, daß „einzig die Diktatur“ dem von Schmitt entworfenen „Wesen des Politischen“ gerecht wird (1958: 61); auffälllig hierbei die Parallelen zum aufweite Strecken clan-destinen Diktaturdiskurs der Criticón-Rechten: „Merkwürdig ist dabei, daß, so zwingend diese Konsequenz sich aus Schmitts Thesen ergibt, er sie niemals offen gezogen hat. Sie zeigt sich nur, wenn man die in seinen verschiedenen Schriften verteilten Bruchstücke zu einem Ganzen vereinigt. “ (61 f.). Ähnliches gilt für Schmitts Bezugnahme auf Cortés: „In Cortés aber spiegelt sich nur Schmitt selbst ... “ (63). — Zur Cortés-Rezeption Schmitts vgl. auch Lenk, K. (1996: 15ff); Lenk verweist darauf, daß Schmitt Cortés nicht nur — neben de Maistre und de Bonald — explizit zu seinen geistigen Ahnen zählt, sondern auf diesen „als seinen eigentlichen Gewährsmann und »Schutzengel« immer wieder zurückkommt”. „Schmitts Theorie der Diktatur“ sieht Lenk wesentlich von Cortés vorgeprägt (ebd.). — Vgl. auch die eingehende Beschäftigung Günter Maschkes mit dem Philosophen (hierzu Mohler 1990c); Maschke, der wiederum über Schmitt auf Donoso stößt und dessen Werke in den 80er Jahren neu ediert, zitiert in Criticón begeistert aus der berühmten „Rede über die Diktatur“, die Donoso im Jahre 1849 vor den spanischen Cortes hält und in der er die Einführung der Diktatur fordert (Maschke 1984: 246).Google Scholar
  176. 176.
    In der Außenpolitik ist daher die alles beherrschende Frage die Entscheidung über Krieg und Frieden, denn der „entscheidende [] Fall[]“ ist für Schmitt der „»Ernstfall«“, d.h. der „Kriegsfall“ (ebd.: 35).Google Scholar
  177. 177.
    Vgl. Weißmanns wortgleiche Attacken gegen das „permanente[], höfliche[] Gespräch am »runden Tisch«“ (1992b: 62). — Jacob Taubes zufolge hat Cortés mit seiner Denunziation der liberalen Bourgeoisie als einer „»clase discutidora«“ „die schärfste Waffe in die Hände von Carl Schmitt [gelegt] “ (Taubes 1987: 14).Google Scholar
  178. 178.
    Vgl. etwa Joachim Hentzes Ausfälle gegen das Wort des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann (SPD) „Der Frieden ist der Ernstfall“ (Hentze 1991).Google Scholar
  179. 179.
    Vgl. Holzer (1993: 63ff.), Benz (1994b: 17). — Der in diesem Zusammenhang häufig angeführte Ansatz von Wilhelm Heitmeyer beschreibt die „Gewaltperspektive und -akzeptanz“ als ,,zentrale[s], integrierende[s] Kernstück rechtsextremistischen politischen Verhaltens“ und zählt sie, zusammen mit der Ideologie der Ungleichheit, zu den Grundelementen „rechtsextremistischer Orientierungsmuster“ (Heitmeyer 1989: 16); zum sog. „Bielefelder Ansatz“ vgl. die Anmerkungen bei Stöss (1994: 32ff.) sowie die Kritik bei Butterwegge (1996b).Google Scholar
  180. 180.
    Niemand hat dies eindrücklicher deutlich gemacht als der vom Criticón-Kreis glühend verehrte Ernst Jünger: „»Wir sind zu verästelt; der Saft steigt nicht mehr in die Spitzen. Nur wenn ein unmittelbarer Impuls uns wie ein Blitz durchbrennt, werden wir wieder einfach und erfüllt: das gilt für den Einzelnen wie für seine Summe, das Volk. Im Tanze auf schmaler Klinge zwischen Sein und Nichtsein offenbart sich der wahre Mensch, da schmilzt seine Zersplitterung wieder zusammen in wenige Urtriebe von gewaltiger Stärke. Alle Vielheit der Formen vereinfacht sich zu einem Sinn: dem Kampf.«“ (Jünger 1922: 116, zit. n. Krockow 1958: 46). — Zur „Faszination der Gewalt“ bei Jünger vgl. auch Lenk/Meuter/Otten (1997: 124ff). — Zur Jünger-Rezeption der Neuen Rechten vgl. Seferens(1998: 243ff).Google Scholar
  181. 181.
    Vgl. hierzu bereits Mohler (1978: 189ff).Google Scholar
  182. 182.
    Vgl. etwa die Anthropologie Arnold Gehlens, die von der ersten Criticón-Nummer an den Diskurs der Zeitschrift wesentlich mitprägt (vgl. bereits Kesting 1970).Google Scholar
  183. 183.
    Wie bereits der Krieg für die Criticón-Rechte eine „Grundkraft der Welt“ darstellt (vgl. Molau 1992: 97), so liegt aus ihrer Sicht auch der „Hang zur Kriminalität ... in der menschlichen Natur begründet“ (vgl. Pagel 1992: 180). — Vgl. auch Carl Schmitts Ausführungen zur negativen Anthropologie von Hobbes et al. (Schmitt 1991b: 59f).Google Scholar
  184. 184.
    Zum Krieg als „Schaffensantrieb“ vgl. Molau (1992: 97). — Hans-Christof Kraus verweist mit Ernst Nolte auf die „unverkennbaren Ansätze[] »zur Rühmung des Krieges und zum Vitalismus, ja zum Nationalismus und zu einer Lehre vom Vorrang der großen Staaten und Rassen im Marxismus«“ (Kraus 1994a: 11).Google Scholar
  185. 185.
    In leicht verfremdeter Form singt Angelika Willig das Hohelied von der Schicksalsgemeinschaft im Krieg und schwärmt vom Zusammenstehen der Bürger angesichts des großen ÖTV-Streiks im Sommer 1992 — dies freilich nicht, ohne am Schluß nicht doch noch auf den Punkt zu kommen: „Es ist bemerkenswert, wie schnell fernsehapathische Bundesbürger zu entschlossenem Handeln übergehen, sobald Existenzbedingungen bedroht sind. Kaum einer kam zu spät zur Arbeit, selbst wenn am Abend vorher bei Nachbarn zwecks Mitfahrgelegenheit die Runde gemacht oder das Fahrrad bei Regen aus dem Keller geholt werden mußte. Man sieht: wo Not am Mann ist, stellt sich die vielbeschworene Hilfs- und Opferbereitschaft von selber ein. So läßt sich der Krieg als »Schule der Nation« ansatzweise durch gewerkschaftliche Maßnahmen ersetzen — vorausgesetzt, sie betreffen das tägliche Leben eines jeden. “ (Willig 1992a: 107). — Die ,,kathartische[] Wirkung des Kriegsgeschehens” beschwören in Criticön auch die Vertreter des kroatischen Nationalismus anläßlich des Bürgerkrieges auf dem Balkan (Schwartz 1992b, Sunić 1992: 236). — Vgl. auch das Lob der Criticón-Rechten für Gesellschaften, die unter dem Primat des Militärischen stehen (vgl. etwa Kaltenbrunner 1987).Google Scholar
  186. 186.
    Karlheinz Weißmann fuhrt hierzu aus: „Selbstverständlich sind die Vereinigten Staaten auf heute noch ein beherrschender Faktor, aber die »imperiale Republik« (Raymond Aron) kann ihre Kriege nicht mehr bezahlen, und — wie es Arthur Schlesinger formulierte — eine Nation, die ihre militärischen Aktionen nicht allein zu finanzieren vermag, ist keine Supermacht.“ (1992c: 269). — Zum ungelösten Konflikt zwischen Interventionisten und Isolationisten vgl. auch Molnar (1993a: 165); Molnar zählt den Gegensatz zu den brisanten Zukunftsfragen für die USA, „weil für jedes Imperium der Augenblick der Wahrheit kommt, dem man sich stellen muß und in dem eine Dezision zu treffen ist“ (ebd.).Google Scholar
  187. 187.
    Beispielhaft bei Markus Klein, der in wenigen Sätzen seiner Eloge auf Ernst von Salomon so gut wie alle Attribute des zeitgenössischen Revisionismus zu versammeln weiß: „Salomons und der ähnlich Denkenden Dilemma aber bestand darin, daß der Krieg auch ein deutscher Daseinskampf war [sic!] und nicht nur rassenideologische Züge trug. So mußten sie zwangsläufig wieder in die Phalanx der nationalsozialistisch verfälschten deutschen Schicksalsgemeinde einscheren, zumal sie von diesem Krieg eine tragende europäische Ordnung erhofften, frei von jenem so unglückseligen Imperialismus der kontinental fremden angelsächsischen Mächte.“ (1992a: 59).Google Scholar
  188. 188.
    Carl Schmitt, den Uhle-Wettler im genannten Criticón-Beitrag trotz seiner unverkennbaren Bezugnahme mit keinem Wort erwähnt, sieht Clausewitz durchaus differenzierter als der ehemalige Bundeswehroffizier (vgl. hierzu Schmitts Anmerkungen zum Clausewitz-Wort vom Krieg als „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ (1991b: 34)).Google Scholar
  189. 189.
    Sohn bezieht sich hier und im Folgenden auf Herfried Münklers Arbeiten zu Schmitts Kriegsbegriff.Google Scholar
  190. 190.
    Die Gültigkeit des „Klassischen Kriegsrechts“ setzt für Schmitt mit den Friedensschlüssen von Münster (1648), Osnabrück (1648) und Utrecht (1713) ein (ebd.). — Vgl. auch Schmitts Gedanken zur Unterscheidung von „regulärer Armee“ und Partisanen (vgl. Schickel, J. 1993: 11 ff.).Google Scholar
  191. 191.
    Criticón-Autor Wolfgang Schuller verweist in diesem Zusammenhang insbes. auf die Schrift Schmitts „Nomos der Erde“ von 1950.Google Scholar
  192. 192.
    Vgl. hierzu auch Schmitt (1991c) sowie die Ausführungen bei Laak (1993: 73f); van Laak verweist auf die Schrift Schmitts „Die Wendung zum diskriminierenden Kriegsbegriff“ von 1938.Google Scholar
  193. 193.
    Der Gedanke, daß eine „moralische Außenpolitik“ notwendig kriegerisch sein müsse (vgl. etwa Kremp 1994: 82) und darüber hinaus „der Pazifismus ... Kriege selten verhindert“ habe (Sohn 1993d: 202), wird denn auch gebetsmühlenartig in der Zeitschrift wiederholt. — Schüßlburner betont, daß die Zuerkennung des „ius ad bellum“ an den Staat die Voraussetzung dafür sei, „daß das ius in bello effektiv respektiert wird“ (1992c: 228). — Eine ähnliche Position formuliert auch die Publizistin Cora Stephan, die sich in den 90er Jahren verschiedentlich im öffentlichen „Tabubruch” übt (vgl. Stephan 1998 sowie die Ausfuhrungen in Kapitel 4.3.1). — Zur Ideologie des „begrenzten Krieges“ und ihrem Stellenwert in der neu-rechten Debatte vgl. bereits das Plädoyer des ehemaligen NS-Propagandisten Paul Carell (alias Paul Karl Schmidt) für die Neutronenbombe (Carell 1979: 90ff).Google Scholar
  194. 194.
    Vgl. hierzu das Autorenporträt Noltes in Criticón (Kraus 1994a). — Der Begriff des „Weltbürgerkrieges“ wurde Dirk van Laak zufolge von Ernst Jünger geprägt und soll „erstmals 1931 im Werk Eugen Rosenstock-Huessys »Die europäischen Revolutionen« erschienen“ sein (Laak 1993: 91). — Vgl. auch die Festschrift für Ernst Nolte (Nipperdey/Doering Manteuffel/Thamert (Hrsg.) 1993).Google Scholar
  195. 195.
    Vgl. auch die Criticón-Besprechung der zugrundeliegenden Buchveröffentlichung Uhle Wettlers „Die Gesichter des Mars — Krieg im Wandel der Zeiten“ (1989) bei Schultz-Naumann (1990). — Als positives Gegenstück zur „pax punitiva“ des „Versailler Diktat[s] “, mit deren Einführung Uhle-Wettler „eine ganze Epoche europäischer Geschichte“ zu Ende gehen sieht (1993a: 23), muß an anderer Stelle ausgerechnet der deutsch-russische Frieden von Brest-Litowsk herhalten, den der ExGeneral ungeachtet seiner harten Bedingungen als Relikt der „ritterliche[n] Kriegsführung des 18. und 19. Jahrhunderts“ rühmt (1994: 101).Google Scholar
  196. 196.
    Nachdem Uhle-Wettler die nationalsozialistische Vernichtungspolitik in den Kontext des anglo-amerikanischen „Kreuzzugswahns“ gestellt („Die mörderischen Folgen zeigt Auschwitz. “) und sich einige Zeilen lang dem Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen zugewendet hat, fährt er mit seinem eigentlichen Thema, der ausführlichen Schilderung der „Kreuzfahrerattitüden ... auf der anderen Seite“, fort (1993a: 22f).Google Scholar
  197. 197.
    Diese Absicht Uhle-Wettlers wird bereits anhand der von ihm gewählten Begrifflichkeiten deutlich: „kühl“, „leidenschaftslos“, „vernünftig“ stehen hier gegen „Propaganda“ — „Opfer“ — „Kreuzzug“ -„Strafaktion“.Google Scholar
  198. 198.
    Zu Vorgeschichte und Widerlegung der „Präventivkriegsthese“, die bereits in den 80er Jahren zeitgleich zum „Historikerstreit“ in der konservativen Tagespresse lanciert wird, vgl. Wehler (1988: 192ff.) sowie Kühnl (1987: 230ff.) — Zur Wiederaufnahme der Debatte in den 90er Jahren vgl. Ue-berschär(1997).Google Scholar
  199. 199.
    Vgl. Post (1995a); das streckenweise in der Tonlage großdeutscher Wochenschauen gehaltene Buch widmet Post seinem Vater, „der als Soldat der deutschen Luftwaffe am Unternehmen »Barbarossa« teilnahm“ (1995a: 2). Den Schutzumschlag ziert ein Bild aus dem „Rußlandfeldzug“ mit „Panzerfahrzeuge[n] einer deutschen Panzerdivision in ihrem Bereitstellungsraum“ (4). Die Buchveröffentlichung verschafft Post breite Publizität. Nicht nur der ,Spiegel’ präsentiert den Autor an hervorgehobener Stelle (vgl. ,Der Spiegel’ 6, 1996: l00ff), Post erhält auch Gelegenheit, seine Thesen in aller Ausführlichkeit über Rundfunk zu verbreiten (vgl. das Interview im ,Deutschland-Radio Berlin’ vom 30.10. 1995 (Post 1995d)).Google Scholar
  200. 200.
    Uhle-Wettler bespricht Posts Buch in Criticón und stilisiert hierbei die Auseinandersetzung um die „Präventivkriegsthese“ zur „Überfallskontroverse“ hoch (Uhle-Wettler 1996), was einen ernstzunehmenden wissenschaftlichen Dissens impliziert, den es angesichts der erdrückenden Beweislast hinsichtlich der deutschen Verantwortung für den Vernichtungskrieg nicht gibt. Auf ähnliche Weise verfährt Post hinsichtlich des Ersten Weltkrieges — etwa wenn er die Behauptung aufstellt, die Ursachen des Konfliktes seien Anno 1994 „immer noch umstritten“ (Post 1994a: 167). Wird die Kriegsschuldfrage hinsichtlich des Ersten Weltkrieges in der Tat kontroverser diskutiert als hinsichtlich des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion von 1941, so zeigt sich nichtsdestotrotz an Posts im Folgenden dargestellten Ausführungen, daß es ihm keineswegs um wissenschaftliche Klärung, sondern um die einseitige Apologie des deutschen Militarismus geht.Google Scholar
  201. 201.
    Das Muster ist hierbei, wie bei nahezu allen Beiträgen des zeitgeschichtlichen Revisionismus, dasselbe: Den Alliierten wird das stärkere Interesse an einem Krieg unterstellt — Deutschland bleibt nichts anderes übrig, als den ersten Schlag zu führen, womit die Gegenseite den vorgeblich lang ersehnten Vorwand zum Eingreifen bekommt. Die vermutete bzw. unterstellte Motivlage des Gegners wird so zum eigentlichen aggressiven Akt (vgl. hierzu die Criticon-Beiträge von Post et al. zum Kriegseintritt der USA 1941, insbes. 1991b sowie Bavendamm 1991b, Hofmann, J. 1991c et al.). -Post bekennt sich in diesem Zusammenhang auch explizit zum Kampf gegen die ,,permanente[] Vergangenheitsbewältigung” (1994a: 167).Google Scholar
  202. 202.
    Post, der die kaiserliche Reichswehr als die zu ihrer Zeit „am besten ausgebildete und am besten ausgerüstete [Armee] in ganz Europa“ rühmt (1993a: 94), läßt seinem Ärger über das vermeintliche Versagen von Teilen ihrer Führung freien Lauf: „Der Chef der 2. OHL, Falkenhayn, war ganz auf die Westfront fixiert und stellte dem Ostheer niemals so viel Truppen zur Verfügung, wie zur Erringung eines entscheidenden Erfolges nötig gewesen wären. Dadurch wurde im Sommer 1915 die Gelegenheit verpaßt, die Masse des russischen Feldheeres in Polen zu vernichten. “ (1993c: 197). Post bemerkt weiterhin: „Anders als 1939–45 mangelte es 1914–18 in auffallender Weise an überragenden politischen und militärischen Führungspersönlichkeiten. “ (1993c: 196). „Eine der wenigen Ausnahmen“ sieht er, gemeinsam mit Franz Uhle-Wettler, in Erich Ludendorff (vgl. ebd. sowie Uh-le-Wettler 1994).Google Scholar
  203. 203.
    Auch das kaiserliche Offizierskorps und seine Führung nimmt Post gegen Kritik vehement in Schutz: Der Schlieffen-Plan wird ihm zufolge nicht etwa von Menschen ersonnen, sondern aus ,,geographische[r] Mittellage und ... zahlenmäßige[r] Unterlegenheit ... geboren“ und der langjährige, blutige Schützengrabenkrieg an der Westfront ist aus seiner Sicht „nicht die Folge der Unfähigkeit der Militärs, sondern [hat] seine Ursache in den technischen Möglichkeiten der Zeit“ (1993a: 96).Google Scholar
  204. 204.
    Post weist dem „Opfer [sic!] der 6. Armee“ in Stalingrad retrospektiv eine wichtige Bedeutung für den weiteren Verlauf des Krieges an der Ostfront zu. Seinem gänzlich aus der Wehrmachtsperspektive geschriebenen Bericht zufolge „... überrannten die Sowjets mit einer neuen Großofffenisive die 8. italienische Armee am mittleren Don, und stießen Richtung Rostow vor. Damit drohte der Heeresgruppe Don und der Heeresgruppe A die Abschneidung von ihren rückwärtigen Verbindungen -das Schicksal von 1,5 Millionen Mann stand auf dem Spiel. Das OKH hatte im Osten keine Reserven mehr, und ein Entsatz der 6. Armee war nun nicht mehr möglich; alle verfügbaren Kräfte wurden gebraucht, um ein drohendes Super-Stalingrad des ganzen Südflügels der deutschen Ostfront abzuwenden. Die 6. Armee konnte wegen Kraftstoffmangels auch nicht mehr selbständig ausbrechen; es blieb keine andere Wahl [sic!], als sie zu opfern, um die Heeresgruppen A und Don zu retten. Die 6. Armee band sieben sowjetische Armeen, die Stalin für den Vorstoß auf Rostow fehlten. Das Opfer der 6. Armee ermöglichte die Rettung des Südflügels des deutschen Ostheeres.” (1992b: 304).Google Scholar
  205. 205.
    Zu Posts Sicht auf den Zweiten Weltkrieg vgl. auch die weiteren Criticón-Beiträge (1994b, 1995b).Google Scholar
  206. 206.
    Ähnlich wie Post kämpft etwa auch Criticón-Autor Otto Wenzel noch zu Beginn der 90er Jahre im Geiste an der Ostfront und denkt über Möglichkeiten eines besseren Ausgangs für Hitler-Deutschland nach: Für den Politik-Lehrbeauftragten an der TFH Berlin ist der „Untergang des Sowjetkommunismus“ Anlaß, „der Frage nachzugehen, ob dieses mörderische und zerstörerische System, das einen großen Teil der Menschheit ins Unglück gestürzt hat, nicht schon früher hätte zusammenbrechen können“. Wenzel sieht zwei vertane Gelegenheiten: Die Zeit zwischen 1918 und 1921 sowie das Jahr 1941 (!): „Damalige deutsche Soldaten erinnern sich noch daran ..., wie sie von der Bevölkerung vielerorts mit Brot und Salz begrüßt wurden, Bäuerinnen am Wegesrand mit dem Kruzifix in der Hand das Kreuzeszeichen machten, um die vorbeimarschierenden Soldaten zu segnen. “ Wenzel zeigt sich denn auch verärgert darüber, daß Hitler „infolge seines Lebensraum -und Rassenwahns in seiner Ostpolitik seit 1941 alles falsch machte, was man nur falsch machen konnte“ (1993b: 187), wobei dem Leser überlassen bleibt, darüber nachzudenken, wie der — bis 1941 offenbar „richtig“ geführte — Feldzug zu einem besseren Ende hätte gefuhrt werden können.Google Scholar
  207. 207.
    Die Junge Freiheit’ berichtet im Februar 1998 über ein eingestelltes Disziplinarverfahren gegen den Regierungsdirektor aufgrund seiner Publikationstätigkeit in Criticón und der JF, das auf eine Mitteilung des BfV an das Bundesinnenministerium zurückgegangen sei. In einem Schreiben habe das BfV darauf hingewiesen, daß Criticón „derzeit auf tatsächliche Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen geprüft“ werde. Schüßlburner selbst habe dies als Versuch einer Diskreditierung Criticöns gewertet. JF-Autor Sven Fuchs merkt befriedigt zur Einstellung des Verfahrens an: „Die Veröffentlichung von Beiträgen in der konservativen Vierteljahresschrift Criticón und in der jungen freiheit stellt kein Dienstvergehen im Sinne des Beamtenrechts dar. “ (Fuchs 1998a).Google Scholar
  208. 208.
    Vgl. bereits die Criticón-Beiträge in den 80er Jahren (Schüßlburner 1984a, 1984b, 1985a, 1985b, 1988, 1989).Google Scholar
  209. 209.
    Vgl. ders. (1990a: 77, biographische Angaben). Schüßlburner legt Wert auf die Feststellung, daß die Entsendung „aufgrund Auswahlverfahrens“ erfolgt sei (ebd.).Google Scholar
  210. 210.
    cBereits 1985 regt Schüßlburner einen Austritt der Bundesrepublik aus der UNESCO an (1985a); eine ähnliche Stoßrichtung gegen die UNO bei ders. (1985b) sowie ders. (1991b: 63; hier explizit die Forderung nach einem UNO-Austritt). — Zur Haltung gegenüber der EG bzw. EU vgl. Schüßlburner (1990c, 1992a, 1992c) und insbesondere ders. (1996).Google Scholar
  211. 211.
    Es handelt sich hierbei um das Wort von Carl Schmitt: „»Die Macht ist stärker als jeder Wille zur Macht, stärker als jede menschliche Güte und glücklicherweise auch stärker als jede menschliche Bosheit.«“ (Schmitt 1954, zit. b. Schüßlburner 1992c: 225).Google Scholar
  212. 212.
    Schüßlburner verweist hierbei auf einen gleichnamigen Aufsatz Alfred Zänkers („Die Welt als Ganzes. Renaissance der Geopolitik“, in: ,Mut’ vom März/April 1991); zum Thema vgl. auch Zänker (1992).Google Scholar
  213. 213.
    Schüßlburner bezieht sich hier (1992c: 230, Anm.6) auf die Übersetzung von S. Johann Jakob Meyer (1926): Das Altindische Buch vom Welt- und Staatsleben (Das Arthaçastra des Kautilya), Leipzig.Google Scholar
  214. 214.
    Dies wird nicht nur an der Umschreibung der „ideologischen Macht” durch Schüßlburner deutlich (er fügt in Klammern hinzu: „make the world safe for democrazy“ (ebd.)), sondern auch an den expliziten Ausfallen des Autors gegen die „Oberdemokratie USA“ (228).Google Scholar
  215. 215.
    Schüßlburner schreibt: „Das Volk kann man auflösen, indem man es vertreibt (Ostdeutschland), es integriert (Elsaß-Lothringen), abspaltet (übliches Schicksal deutscher Gebiete seit 1648, zuletzt Österreich) oder in seiner geistigen Identität und damit [seinen, fs] außenpolitischen Loyalitäten auflöst (europäisiert, multikulturalisiert).“ (226).Google Scholar
  216. 216.
    Gemeint ist hiermit wohl die Erzwingung eines ständigen, deutschen Sitzes im Weltsicherheitsrat, etwa durch „eine abgestimmte Zahlungseinstellung, welche sich auf amerikanische, russische und französiche Präzedenzfalle beruft“ und „Wunder wirken“ könne, wie der ehemalige UNO-Insider anmerkt (230).Google Scholar
  217. 217.
    Schüßlburner schließt nach eigenem Bekunden „selbst die physische Vernichtung der Deutschen nicht mehr aus“ und verweist hierbei auf frühere Ausführungen (231 f.; Verweis auf Schüßlburner 1991d: 245f). — Bei dem zitierten Journalisten handelt es sich um Johannes Gross (in der FAZ-Beilage vom 12.03.1992).Google Scholar
  218. 218.
    Zu den Veränderungen in der Sicherheits- und Außenpolitik vgl. Perger (1992), Möller (1998) u.a.Google Scholar
  219. 219.
    Heißig geht sogar von einer Interessenidentität zwischen Kanzler und Volk aus, wie in seiner Kritik an der Entlassung des Abteilungsleiters im Kanzleramt und Kohl-Vertrauten, Horst Teltschik, „auf Verlangen Genschers“ deutlich wird: „Das bedeutet im Klartext, daß ... die Außenpolitik unabhängig vom Bundeskanzler und wohl auch von den Interessen des deutschen Volkes sein soll. “ (ebd.).Google Scholar
  220. 220.
    Vgl. hierzu Mohler (1991a: 319f., 1993a: 228). — Die ungeachtet zahlreicher Kritikpunkte grundsätzlich positive Sicht auf Kohls Vereinigungspolitik verbindet Mohler mit einer Würdigung der „Führungsqualitäten“, mit denen Kohl in ,,Schicksalsstunde[n] “ überraschend aufwarten könne (ebd.). — Daß Mohler nicht ausschließlich Verachtung für den Kanzler übrig hat, läßt er bereits in den 80er Jahren erkennen: Bemerkenswert sind etwa seine Überlegungen hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen „völlige[r] Unempfmdlichkeit gegenüber Medienkampagnen“ und „staatsmän-nische[r] Größe“ (1984a). Mohler vergleicht Kohl unter diesem Aspekt mit Adenauer und Wehner. -Zum Kohl-Bild in Criticón vgl. auch Wagner, H. (1986), die Anzeige der ,Wirtschaft- und Verbands PR GmbH’ „Hört endlich auf mit der Nörgelei an Kohl“ mit Büchern von Joachim Siegerist in Criticón 128 (1991: 313) sowie die kritischen Anmerkungen von Ute Scheuch (1993).Google Scholar
  221. 221.
    Hans Eschbach macht aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Kanzler keinen Hehl: „Früher war man der Auffassung, daß sich die Geschichte in Völkern vollziehe. Heute betreibt der Mann auf Bismarcks Stuhl eine Politik der Verschmelzung von Europas Nationen.“ (ebd.). — Positive Bezugnahmen erfolgen, wie bereits erwähnt, vor allem hinsichtlich des Einsatzes für die deutsche Einheit; vgl. etwa im Frühjahr 1990 das verschiedentliche Lob für den 10-Punkte-Plan als „zielhaftes -wenn auch in Teilen bald überholtes — Orientierungskonzept“ (Faul 1990: 63), nach dessen Vorlage Kohl „ein Gefühl für die rechtzeitige Wahrnehmung geschichtlicher Entwicklungen nicht mehr abgesprochen werden [könne] “ (Kaschkat 1991: 35). — Vgl. auch die Hommage des ehemaligen CSU-Abgeordneten Hans Graf Huyn, der trotz seiner Kritik am Einigungsvertrag das „historische Verdienst“ der Regierung Kohl rühmt, „die deutsche Einheit schnell vollzogen und »den Saum des Mantels Gottes« in der Geschichte ergriffen zu haben... “ (Huyn 1991: 194; vgl. auch ders. 1990).Google Scholar
  222. 222.
    Mit der „Zeitenwende am Golf befaßt sich eingehend Criticón 123 vom Januar/Februar 1991.Google Scholar
  223. 223.
    Ströhm fuhrt hierzu aus: „Daß dieser Krieg zu einem deutlichen Anstieg der Wehrdienstverweigerung geführt hat, daß sogar Soldaten in Reih und Glied — sogar Flieger sind darunter — plötzlich ihr Herz für die Verweigerung entdeckt haben, kann nicht als Symptom innerer Gesundheit und Stabilität des Staates und seiner Armee gelten. Wenn einzelne Soldaten anfangen, sozusagen autonom und von Fall zu Fall die Frage für sich selber zu entscheiden, ob ihnen ein militärischer Einsatz von Zeit und Ort her gerechtfertigt erscheint oder nicht, ist dies der Anfang vom Ende der Armee. [...] Eine Armee, die ihr Selbstverständnis aus der Niederlage des Jahres 1945 ableitet — in gewisser Weise: ableiten muß — darf sich nicht wundern, wenn im Ernstfall (oder bereits kurz davor) solche Tendenzen um sich greifen. “ (Ströhm 1991a: 14). — Criticón-Autor Erik von Kuehnelt-Leddihn bezeichnet die Anti-Golfkriegsdemonstranten umstandslos als „linke Kanaille“ (Kuehnelt-Leddihn 1991b: 98).Google Scholar
  224. 224.
    Als eine Art Hochverräterin wird die häufig angefeindete, ehemalige ,Grünen’-Politikerin Jutta Dit-furth präsentiert: „Jutta von Ditfurth ruft bereits zur »Destabilisierung der Bundesrepublik« auf, um mit der innenpolitischen Lähmung ein außenpolitisches Eingreifen am Golf zu verhindern“, schreibt Criticón-Herausgeber Caspar von Schrenck-Notzing (1991a); der Freiherr vergißt hierbei nicht, Ditfurth den eigens abgelegten Adelstitel wieder zuzuweisen. — Joachim Hentze (1991) zufolge provoziert Ditfurth mit ihren pazifistischen Aufrufen einen „Flächenbrand” in der Bundesrepublik.Google Scholar
  225. 225.
    Hentze beklagt das vorgebliche „Begräbnis der Einsatzbereitschaft“ bei der Bundeswehr und erregt sich über die Anmietung eines sowjetischen Großraumflugzeuges für den Transport des Luftabwehrsystems ,Roland’ in die Türkei: „Offenbar war den Verantwortlichen noch nicht aufgefallen, daß die kurze Periode west-östlicher Annäherung, die uns die Wiedervereinigung ermöglicht hat, nur noch wehmütige Erinnerung ist: [...] Und so geschah, was kommen mußte. Die »Antonow« landete auf dem Köln-Bonner Flughafen, und dann zeigte der Flugkapitän den Unseren eine lange Nase: »Ätsch, wir fliegen nicht in ein Krisengebiet.« Nach drei Tagen ebenso hektischer wie vergeblicher Verhandlungen stellte sich heraus, daß der liebe Gorbi den Flug untersagt hatte. “Google Scholar
  226. 226.
    Für Ulrich Fröschle „[unterstreicht] die steigende Zahl an Wehrdienstverweigerern angesichts eines drohenden Einsatzes in der Golfregion ... beklemmend“ das vermeintliche Faktum, daß „die Etappe ... längst Lebenshaltung, Denkungsart, Charakter geworden“ sei (Fröschle 1991).Google Scholar
  227. 227.
    Zu den clandestinen Hoffnungen der Criticón-Rechten auf unerwünschte Nebeneffekte der Umerziehung vgl. bereits in den 80er Jahren die brisanten Anmerkungen Armin Mohlers zum Thema Vergangenheitsbewältigung: „Jeder, der das Dritte Reich erlebt hat und über einige Distanz zu den Emanationen der Massenseele verfügt, weiß, daß Hitler heute das Seelenleben der Deutschen stärker bewegt als damals. Das liegt nicht nur daran, daß negative Symbolfiguren wirkungsvoller sind als positive. Vor allem hatte die Führungsschicht des Dritten Reiches, mit dem als Österreicher besonders politikbegabten Mann an der Spitze, ein waches Gespür dafür, was man einem zivilisierten mitteleuropäischen Volk zumuten kann und was nicht. Unsere Zeitgeschichtler haben noch nicht kapiert, daß damals der Zwang — von der besonderen Lage der zum Feind erklärten Minderheiten einmal abgesehen [sic!] — durch ein raffiniertes Geflecht von Freiräumen ausbalanciert wurde. Erst das machte die erstaunlichen Leistungen der Deutschen zwischen 1939 und 1945 möglich. Der Fehler der angelsächsischen Reeducation war, daß sie ohne solche Polster arbeitete. Zwar ist ihr die Neurotisierung der westdeutschen Bevölkerung voll gelungen, aber die so produzierte Säure beginnt nun gegen die Zauberlehrlinge und ihre deutschen Fellowtravellers zu brodeln. Und dieses Spiel setzen nun die neuen »Fundamentalisten« [auf der Linken, fs] fort. Nichts läßt darauf schließen, daß sie sich bewußt sind, mit welchem Feuer sie da spielen... “ (Mohler 1985a: 32).Google Scholar
  228. 228.
    Michael Brückner vermerkt in diesem Zusammenhang dankbar die Schützenhilfe des luxemburgischen Premiers Jacques Santer, der „in den Wochen des »Wüstensturms« die deutsche Zurückhaltung offen mit dem Hinweis verteidigte, die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs hätten sich doch just ein solches Deutschland gewünscht“ (Brückner 1991). Schwilk, Heimo (1991): Was man uns verschwiegen hat. Der Golfkrieg in der Zensur, Frankfurt/M.Google Scholar
  229. 230.
    Vgl. hierzu Hentze (1991) sowie Schüßlburner (1991b: 61).Google Scholar
  230. 231.
    Der ehemalige CSU-MdB Hans Graf Huyn verweist auf Befürchtungen, daß das wiedervereinigte Deutschland erneut „zu einem Unruhefaktor im Herzen unseres Kontinents werden [könne]. [...] Daher ist es — wie immer in der Außenpolitik, aber in der gegenwärtigen Lage Deutschlands in besonderem Maße — wichtig, Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit, Geradlinigkeit und Klarheit zu zeigen und alles zu vermeiden, was als deutscher Sonderweg verstanden [sic!] oder mißverstanden werden kann. Darum war das deutsche Verhalten während des Golfkrieges besonders schädlich. “ (1991: 193). — Deutschland habe, schreibt der Bundeswehroffzier Joachim Weber, während der Golfkrise „seinen Ruf ramponiert“ (1992: 31). — Die selbst verschuldete Isolierung soll Josef Isensee zufolge den Deutschen als „Warnung ... vor den Gefahren der Selbstunterschätzung“ dienen (1992: 276).Google Scholar
  231. 232.
    Vgl. etwa Heißig (1992b: 177f.). — Die dem Golfkrieg vorangegangenen deutschen Waffenlieferungen an den Irak, die zu heftigen internationalen Protesten und schließlich zur deutschen Militärhilfe für Israel führen, werden nicht nur von Josef Schüßlburner ausgesprochen zynisch kommentiert („Die Stellung eines kleinen deutschen Militärkontingents hätte es Bonn ermöglicht, wie Den Haag Israel wenigstens die »Patriots« in Rechnung zu stellen.“ (1991b: 62)) — auch Jürgen Hofmann, der in Criticôn die deutschen Zahlungen an die USA, Großbritannien und Israel auflistet, gestattet sich die „ketzerische Frage: Wozu braucht das an das Mittelmeer und das Rote Meer grenzende Israel nun plötzlich U-Boote, wo doch die Mini-Flotte des Irak im Persischen Golf liegt? Außenminister Genscher hat es uns erklärt: Wegen der Bedrohung Israels durch Giftgas.“ (Hofmann, J. 1991a).Google Scholar
  232. 233.
    Exemplarisch hierzu Schüßlburner (1991b: passim, bes. 62.).Google Scholar
  233. 234.
    Vgl. etwa Molnar (1991: 172). — Inwieweit auch unterschwellige Sympathien für einen antiwestlichen, islamischen Fundamentalismus im Spiel sind, läßt sich schwer abschätzen. Unbestreitbar sind solche Sympathien bei einer ganzen Reihe von Autoren vorhanden (vgl. etwa die vorsichtige Verteidigung der „fetwa“ gegen Salman Rushdie bei Schwartz 1989c oder, im nämlichen Zusammenhang, die Inschutznahme der Orientalistin Annemarie Schimmel gegen Angriffe von links und rechts bei Pabst 1995), werden jedoch im Zusammenhang mit dem Golfkrieg in Criticón nicht explizit geäußert.Google Scholar
  234. 235.
    Exemplarisch hierzu Benoist (1985).Google Scholar
  235. 236.
    Idealtypisch für diese Position argumentiert etwa Criticón-Autor Kurt Heißig, der im Rahmen seiner demagogischen Kritik an der westdeutschen „Nachkriegskollaboration” darauf hinweist, daß „die politische Klasse der Bundesrepublik in ihrer Mehrzahl an einem Interessengleichklang zwischen den USA und der Bundesrepublik gearbeitet hat. Das war während des Kalten Krieges sinnvoll, denn es hat mit einiger Konsequenz zur Lageveränderung in Europa geführt, und es hat einen beispiellosen Wiederaufstieg [sic!] der Bundesrepublik ohne äußere Irritationen ermöglicht. Die Ausrichtung an den Interessen der USA hat aber auch die faktische Gleichberechtigung der Bundesrepublik in ziemlich allen internationalen Gremien bis heute verhindert. Sie hat die Ausgrenzung Deutschlands als Feindstaat auch nach seiner Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen bestehen lassen. Sie hat verhindert, daß bestehende Interessengegensätze wahrgenommen wurden, und sie hat bis heute verhindert, daß in den USA aus nationalem Eigeninteresse antideutsche Propaganda unterlassen wurde, denn von einem unterwürfigen Partner waren keine Reaktionen zu befürchten.“ (Heißig 1992b: 177).Google Scholar
  236. 237.
    Eine schnurgerade Linie zieht etwa der Christdemokrat Klaus Hornung, wenn er die Leninsche Strategie des „Politisch-Revolutionären Krieges“ „nun vom neuen Totalitarismus am Tigris übernommen“ sieht: „Auch hier handelt es sich um ein psychologisches Kriegskonzept, das sich auf die einschüchternde Wirkung einer starken Rüstung stützt, die Entscheidung aber letztlich durch psychologische Mittel sucht, in einer sich lange hinziehenden politisch-ideologischen Konfrontation, in der insbesondere der Friedenswillen der nicht-totalitären Gegner in den Dienst des totalitären Macht-und Expansionswillens gestellt wird. “ (1991a: 17). — Eine neue (liberale) Spielart des unbedingten Bekenntnisses zum Westen und seinen Feindbildern, welche nicht zuletzt als Reaktion auf das Vordringen der Neuen Rechten in den 90er Jahren zu verstehen ist, bei Herzinger/Stein (1995).Google Scholar
  237. 238.
    Auffällig die Vehemenz, mit der Hornung die undemokratischen Verhältnisse im Irak geißelt (ebd.): Entdeckt der Politologe im Zeichen der Golfkrise seine Sympathien für die (namenlos bleibende) irakische Opposition, so spielt das Thema nach dem Konflikt in seinen Beiträgen keine Rolle mehr. Hier auch der Hinweis auf den Rang des Irak als „viertstärkste[] Militärmacht der Welt nach den USA; der Sowjetunion und China“. — Die entgegengesetzte Position bei Accame, der die Angaben zum irakischen Militärpotential im Rückblick als „israelisch-amerikanische Propaganda“ bezeichnet (Accame 1991: 285).Google Scholar
  238. 240.
    Kremp prophezeit den USA mit sichtlicher Lust den „Kulturkrieg“, hält aber ohne Wenn und Aber am westlichen Bündnis fest: „Zum erstenmal in seiner Geschichte gehört Deutschland als Ganzes dem Westen an. Es wurde westlich vereinigt, der dem Osten zugehörende Teil DDR trat der Verfassung der West-Gründung von 1949 bei, im übrigen auch den Verträgen und Grundsätzen seiner Außenpolitik. Westbindung in diesem Sinne [sic!] in Frage zu stellen, gehört zu den modischen »Glasperlenspielen«.“ (1994: 79). — Vgl. ebenso Sohn (1993a: 94); Sohn gibt hier zustimmend die Position Alfred Zänkers bzw. Richard Nixons wieder.Google Scholar
  239. 241.
    Der Vergleich wird auch von den „Atlantikern” unter den Criticón-Autoren zustimmend aufgegriffen: Günter Rohrmoser etwa erklärt Kojèves Theorie vom menschlichen Streben nach Anerkennung hinsichtlich des Faschismus an eben jenem Beispiel: „Die Zuwendung der Deutschen zu Hitler wäre nie möglich gewesen, wenn die Menschen nicht geglaubt hätten, daß dieser Mann ihnen zur Anerkennung und damit zur Befriedigung ihres Selbstbewußtseins verhelfen würde. Heute stehen zum Teil die Massen im vorderen Orient hinter Saddam Hussein, weil sie glauben, dies sei der Mann, der ihnen in der Welt zur Anerkennung verhilft. “ (Rohrmoser 1991: 300). — Zur Parallelisierung des Irak mit dem „Dritten Reich“ und zum Hitler-Hussein-Vergleich vgl. auch die bereits genannten Beiträge Klaus Hornungs.Google Scholar
  240. 242.
    Zur Debatte über die entsprechenden Äußerungen Hans Magnus Enzensbergers (1991) und Wolf Biermanns vgl. etwa die Diskussionsbeiträge in der Berliner ,tageszeitung’ (Pfundt 1991, Bahadir 1991, Grass 1991 et al.). — Während des Kosovo-Krieges 1999 rückt diese Haltung, die bereits während des jugoslawischen Bürgerkrieges erheblich an Popularität gewinnt, schließlich zur Position der rot-grünen Bundesregierung auf (vgl. die entsprechenden Äußerungen von Bundesaußenminister Joschka Fischer et al.).Google Scholar
  241. 243.
    Paradigmatisch für diese Sicht sind die Ausführungen Josef Schüßlburners: „In mancher Beziehung ist der Hinweis auf die dreißiger Jahre aber durchaus von aktuellem Interesse, weil es Anzeichen gibt, daß die USA gegenüber Irak ähnlich vorgegangen sind wie gegenüber Hitler. “ (1991b: 62).Google Scholar
  242. 244.
    Tomislav Sunic expliziert dies hier anhand der zeitweiligen Funktion des damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic für die „amerikanischen Neo-Konservativen und Liberalen“ (ebd.).Google Scholar
  243. 245.
    Zu den „amerikanischen Kriegen“ zählt Bavendamm neben dem Golf-, dem Korea- und dem Vietnamkrieg erstaunlicherweise auch die beiden „Weltkriege..., „das heißt militärische Auseinandersetzungen, in die mehr oder weniger alle bedeutenden Staaten der Erde von den USA als Verbündete hineingezogen wurden“ (Bavendamm 1991b: 273), was den Tatsachen in keiner Weise gerecht wird.Google Scholar
  244. 246.
    Schüßlburner unterstreicht, daß es „durchaus gute Gründe für die eine wie die andere Position“ gebe, beharrt aber auf einer Erörterung des Problems ausschließlich aus der Perspektive der „deutsche[n] Interessenlage“ (1991b: 61).Google Scholar
  245. 247.
    Vgl. etwa die Auseinandersetzung um den bereits genannten, neu-rechten Band zur Westbindung (Zitelmann/Weißmann/Großheim 1993) sowie die Ausführungen in Kapitel 4.4.3 und 5.Google Scholar
  246. 248.
    Vgl. hierzu etwa Détela (1984, 1985, 1987, 1990), Ströhm (1990c), Dengler (1991). — Vgl. weiterhin die Selbstkritik des ehemaligen Partisanen, späteren Dissidenten und Nationalisten, DobricaČosic (1988) in Criticón sowie die Beiträge von Schwartz (etwa 1984a, 1986b, 1987, 1989d, 1990a).Google Scholar
  247. 249.
    Der kroatische Rechtsextremist Mladen Schwartz berichtet bereits 1980 vom erneut aufflammenden Sezessionismus in Kroatien, dessen Exil-Vertreter „angesichts des westlichen Projugoslawismus“ auch ein taktisches Bündnis mit der Sowjetunion nicht mehr ausschlössen (Schwartz 1980); Schwartz weist die Kritik deutscher Konservativer, so auch des ,Welt’-Korrespondenten und Criticón-Autors Carl Gustaf Ströhm, an dieser Linie vehement zurück (ebd.).Google Scholar
  248. 250.
    Exemplarisch Kremp (1994: 81).Google Scholar
  249. 251.
    Exemplarisch Kremp (1994: 81). Greve wirft der Bundesregierung vor, diese Erfahrung mit ihren Bemühungen, „aus dem eigenen Nationalstaat heraus und in einen neuen europäischen Superstaat hineinschlüpfen zu wollen“, zu negieren. Als Beispiele führt er explizit „das osmanische Reich, [den] österreich-ungarische[n] Vielvölkerstaat, alle Kolonialreiche“ sowie die Sowjetunion und Jugoslawien an (ebd.). — Die „amerikanischen und atlantischen Wunschträume einer multiethnischen und wirtschaftlichen Integration“, droht der kroatische Neu-Rechte Tomislav Sunic, könnten „mit einem weiteren Abgleiten Mittel- und Osteuropas in die Desintegration einhergehen, die die Sicherheit des gesamten europäischen Kontinents infragestellen könnte“ (Sunic 1992: 233).Google Scholar
  250. 252.
    Bodenstedt beschreibt anhand eines Reiseberichts den vermeintlichen Gegensatz zwischen den osteuropäischen Völkern als gleichsam naturwüchsige Tatsache: „Die beiden Kulturkreise erinnern an Schollen der Erdkruste, zwischen denen sich wie bei San-Andreas-Graben in Südkalifornien ein Spalte auftut, an der sich die Schollen immer wieder reiben und Erdbeben verursachen. “ (1995b: 128). — Vgl. auch die Ausführungen Herbert Kremps zu Huntingtons Thesen hinsichtlich von „Ländern] mit umstrittener Destination“ (Kremp 1994: 82) sowie bei Redlich (1991: 306).Google Scholar
  251. 253.
    Vgl. ebenso Heißig (1991: 168); Heißig betont, daß der Versuch der „Bildung eines »Serbokroatisch« ... nicht an sprachlichen Unterschieden, sondern am Bewußtsein einer getrennten Identität der Völker im Zeitalter des Nationalismus“ gescheitert sei.Google Scholar
  252. 254.
    Gregor Manousakis wendet sich engagiert gegen eine solche Sicht — nicht nur auf den Balkan, sondern auf gesamt Osteuropa -, da diese einer im Gang befindlichen „gefühlsmäßigen Spaltung Europas“ weiter Vorschub leiste (1993: 66). Bemerkenswert dort die vehemente Kritik Manousakis’ an Johann Georg Reißmüllers Darstellung der Balkankrise in der FAZ (Reißmüller 1989).Google Scholar
  253. 255.
    Auch Dieter Fötisch merkt in Criticón an: „Natürlich war es unsinnig, das byzantinisch-türkische Serbien mit dem weströmisch-österreichischen Slowenien/Kroatien zusammenzuspannen. Zwischen ihnen liegen über 1500 Jahre unterschiedlicher geistiger und wirtschaftlicher Entwicklung. Deutsche und Engländer — ebenso lange getrennt — sind ja auch kein einheitliches Volk mehr. Ähnlich ist es mit Tschechen und Slowaken. Die einen entwickelten sich im Verband des österreichischen, die anderen im Verband des ungarischen Staates. “ (Fötisch 1992a: 4).Google Scholar
  254. 256.
    Ähnlich Carl Gustaf Ströhms Anmerkungen zum „amerikanischefn] Unverständnis für nationale Unabhängigkeitsbewegungen“ (1991 f : 222). — Für Heinz-Siegfried Strelow kehrt mit dem „Zerfall des Ostblocks“ auch im Westen „das Selbstbestimmungsrecht der Völker, Sezession und Regionalismus auf die politische Tagesordnung zurück. Der lettische, armenische, kroatische oder slowakische Ruf nach Autonomie oder Unabhängigkeit hallte bis in die Alpentäler Norditaliens. “ (Strelow 1994: 124). — Otto Wenzel nutzt die Parallelisierung von nationalistischen bzw. regionalistischen Bewegungen in Ost und West und den Verweis auf die „Gegensätze zwischen Flamen und Wallonen in Belgien, auf separatistische Bestrebungen von Basken in Spanien, von Korsen in Frankreich und ... den Bürgerkrieg in Nordirland“ zu heftigen Attacken auf das Konzept der multikulturellen Gesellschaft (1992a: 53).Google Scholar
  255. 257.
    Vgl. die Ausführungen von Schrenck-Notzing (1991e), der die Auseinandersetzung ausschließlich im machtpolitischen Kontext („Mitteleuropa“ vs. „Versailles“) verortet sowie von Mölzer (1991). -Besonders deutlich wird Michael Paulwitz: „Kroatiens Befreiungsnationalismus fordert nicht nur Serbien heraus, sondern das ganze System von Jalta und Versailles. Scheinfronten wie »demokratisch« vs. »stalinistisch« oder »abendländisch« vs. »balkanisch« sind also völlig irrelevant. “ (1992a: 5).Google Scholar
  256. 258.
    Ströhm verweist hierbei auf den Funktionswechsel des alliierten Jugoslawismus nach dem Zweiten Weltkrieg: „Nach 1945 war dem unter Tito entstehenden Jugoslawien zunächst von Stalin eine ähnliche Rolle zugedacht, bis durch den Konflikt zwischen Belgrad und Moskau im Jahr 1948 Jugoslawien in Interesse des Westens ein Wellenbrecher gegen die sowjetische Expansion zum Mittelmeer wurde. “ (1991 f: 222).Google Scholar
  257. 259.
    Daß die amerikanische Jugoslawien-Politik darüber hinaus durch enge wirtschaftliche Verbindungen zwischen hohen Vertretern der US-Diplomatie und der Belgrader Führung beeinflußt werde, wird verschiedentlich unter Verweis auf „amerikanische Beobachter“ in Criticón unterstellt (vgl. etwa Sunic 1992: 234 sowie insbes. Paulwitz 1992d).Google Scholar
  258. 260.
    Exemplarisch für derlei Projektionen etwa Schüßlburner (1992a: 28). Dort heißt es: „Die Deutschen nehmen nicht mehr wahr, daß aus der Sicht französischer Volksfrontpolitiker die Schüsse der Serben auf Kroaten und Slowenen ihnen galten, denn damit wird ja verhindert, daß sich deutscher Einfluß breitmachen könnte.”Google Scholar
  259. 261.
    Vgl. etwa die Vorstellung des Münchener ,Jungkonservativen Clubs’, in dessen Programm sich nach eigenen Angaben „Referate zu aktuellen Themen wie Kroatien oder Königsberg” mit „vertieften gemeinsamen Buchbesprechungen“ abwechseln (Criticón 133, 1992: 256). — Dieselbe Kombination auch bei Fröschle (1992). — Neben der inhaltlichen Verortung der Thematik im Diskurs der Zeitschrift sind nicht zuletzt die über das publizistische Engagement hinausreichenden Aktivitäten aufschlußreich: Wie sich die Criticón-Rechte gleich nach dem Mauerfall den Versand konservativer Literatur in die zum Anschluß vorgesehene DDR angediehen sein läßt (vgl. den Aufruf „»Konservative Literatur in die DDR!«“, in: Criticón 118, 1990: 66), so unterstützt sie 1992 die Aktion „Deutsche Bücher nach Kroatien“ der Bereinigung der Deutschen und Österreicher’ mit Sitz in Zagreb (Criticón 130, 1992: 100). Die Hauptstadt Kroatiens wird in Criticón zumeist unter der deutschen Bezeichnung Agram geführt.Google Scholar
  260. 262.
    Auch 1989/90 seien es erneut „die mittel- und osteuropäischen Nationen“ — Kroaten, Slowenen, Litauer, Letten und Esten — gewesen, die „den westlichen Linken die linke Klaviatur aus der Hand geschlagen” hätten (1990c); Ströhm rechnet die Kroaten (neben Bulgaren u.a.) zu den „traditionell »deutschfreundlichen« Nationen” (1990e: 273).Google Scholar
  261. 263.
    Zur Kritik am kroatischen Jugoslawismus vgl. ebd. sowie die süffisanten Anmerkungen von Michael Paulwitz: „Der hübsche Gedanke von der Einheit aller Südslawen entstammt nämlich keineswegs serbischen Gehirnen — deren außenpolitische Vorstellungen waren mit bemerkenswerter Durchgängigkeit auf Groß-Serbien gerichtet und griffen derlei Träumereien höchstens zu taktischen Zwecken auf -, sondern reifte unter kroatischen und slowenischen Federn heran. “ (1992a: 5). Paulwitz verweist insbesondere auf den deutschstämmigen Kroaten und Bischof von Dakovo, Josip Juraj Strossmayer (ebd.). — Vgl. auch die Anmerkungen des slowenischen Schriftstellers Lev Détela: „Im Unterschied zu den Slowenen haben sie [die Kroaten, fs] Mitte des vorigen Jahrhunderts mit Serben in Wien romantisch vereinbart, eine gemeinsame serbokroatische Sprache zu installieren, was zur Folge hatte, daß ihre traditionelle, im Mittelalter begründete Kultur- und Sprachautonomie in Kroatien, Slawonien und auch in weiten Gebieten Dalmatiens versiegt ist... “ (Détela 1991: 229). Détela, der die Kroaten als die „siamesischen Zwillinge der Serben“ bezeichnet, äußert sich noch im Herbst 1991 skeptisch über deren tatsächlichen Willen zur Selbständigkeit und wirft ihnen vor, eine Politik zu betreiben, „die nicht weiß, was sie will, mit dem Hintergedanken, ob es für Kroatien nicht doch besser wäre, ein Teil Jugoslawiens zu bleiben... “ (ebd.).Google Scholar
  262. 264.
    Der NDH-Staat (Nezavisna Drzava Hrvatska) wurde am 10.04.1941 „unter dem Schutz deutscher Panzer in Zagreb proklamiert“ und führte im Rahmen von „»ethnischen Säuberungsmaßnahmen«“ einen „barbarischen Vernichtungskrieg[]“ gegen verschiedene Bevölkerungsgruppen, insbesondere gegen Juden, Roma und die im Land siedelnde serbische Minderheit (vgl. Sundhaussen 1993: 72ff).Google Scholar
  263. 265.
    Die Zahl der Opfer im größten UstaSa-Konzentrationslager Jasenovac wurde Holm Sundhaussen zufolge nach dem Zweiten Weltkrieg auf 600–700.000 Menschen geschätzt. Sundhaussen betont jedoch, daß die genaue Zahl bis heute nicht bekannt ist und verweist auf den anhaltenden serbischkroatischen Streit hierüber. Dem „Ritual von Untertreibung und Übertreibung”, welches lange vor dem Bürgerkrieg einsetzt und an dem auch der spätere kroatische Präsident Franjo Tudjman beteiligt ist, schreibt Sundhaussen „im Medienkrieg an der Schwelle zu den 90er Jahren eine wichtige Rolle bei der Schürung von Aggressionen auf kroatischer wie serbischer Seite“ zu (1993: 75). — Zu den von serbischer Seite gegen das UstaSa-Regime erhobenen Vorwürfen vgl. die ausführliche Darstellung bei Dedijer (1988). — Zu den Opferzahlen und zu Franjo Tudjmans Rolle in der Revisionismusdebatte vgl. Pfeifer (1994, 1996: 109ff.) und Roth (1997: 31ff).Google Scholar
  264. 266.
    Vgl. hierzu insbes. die Beiträge von Mladen Schwartz (exemplarisch 1982, 1987, 1990b). — Vgl. ebenso die relativierenden Anmerkungen bei Dengler (1991: 190), Ströhm (1991f: 222, 1992a: 115), Hofmann, J. (1992a: 42). — Criticón-Herausgeber Schrenck-Notzing gibt im Gespräch mit dem Verfasser an, keine Kenntnis vom faschistischen Charakter der UstaSa-Bewegung zu haben und bezeichnet diese als „patriotisch-kroatisch-nationalistische Bewegung, die ... mit dem deutschen Zusammenbruch beendet war“ (Schrenck-Notzing 1992i).Google Scholar
  265. 267.
    Wie weit die retrospektive Schuldzuweisung gehen kann, führt Carl Gustaf Ströhm eindrücklich vor Augen: Ist für den ,Welt’-Journalisten schon die Okkupation Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn 1878 als ein präventiver Akt zu verstehen, der „bereits damals eine serbische Eroberung des strategisch und wirtschaftlich so entscheidenden Landes verhindern sollte“, so lösten aus seiner Sicht die „Schüsse und Bomben vom 28. Juni 1914 ... den Ersten Weltkrieg aus und haben indirekt damit auch den Zweiten Weltkrieg [sic!] mit verursacht“ (Ströhm 1992a: 114).Google Scholar
  266. 268.
    In aufrechnender Absicht etwa der Verweis Carl Gustaf Ströhms auf die Tschetnik-Massaker von Foca 1942 (1992a: 115). — Vgl. auch die Funktionalisierung der Kritik an der serbischen Politik im Kosovo und in anderen Landesteilen bei Schwartz (1989d: 87), Heißig (1991: 167; Heißig erhebt den Kosovo-Konflikt simplifizierend zur Ursache des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien), Dengler (1991: 189f.) und Ströhm (1991f: 221f).Google Scholar
  267. 269.
    Vgl. hierzu exemplarisch die FAZ-Beiträge Johann Georg Reißmüllers (1991b, 1993c, 1994 sowie zahlreiche weitere Beiträge, dok. in Reißmüller 1992a).Google Scholar
  268. 270.
    Dies insbesondere bei Politikern von ,Bündnis 90/Die Grünen’, deren Vertreter in Regierung und Bundestagsfraktion schließlich im Frühjahr 1999 die NATO-Luftangriffe auf Serbien/Montenegro befürworten und mittragen: Bereits im Sommer 1992 machen die Grünen-Politiker Claudia Roth und Helmut Lippelt die „klaren Bestandteile des Faschismus“ im ehemaligen Jugoslawien aus, die „unter klaren Voraussetzungen notfalls auch mit Gewalt“ zu bekämpfen seien (zit. in ,antimilitaris-mus information’ 11, 1992: 23); Roth und Lippelt, die ihre Position später in Teilen korrigieren, zählen zu den „Bestandteile(n) des Faschismus ... Nationalismus, Intoleranz, Internierungslager, ethnische Bereinigungen, Militarisierung der Gesellschaft“ (ebd.). Es ist denn auch der „Vernichtungswillen der serbischen Extremisten“ (Marieluise Beck) und die drohende „Bildung eines ethnisch homogenen faschistisch-großserbischen Reiches” (Waltraud Schoppe), die grüne Bundestagsabgeordnete vereinzelt bereits der Entsendung von Tornado-Kampfflugzeugen in die Krisenregion (Juni 1995) und später auch in großer Zahl dem IFOR-Einsatz (Dezember 1995) zustimmen läßt (vgl. die Redebeiträge zur Bundestagsdebatte vom 30.06.1995).Google Scholar
  269. 271.
    Gregor Manousakis etwa nimmt Serbien offen in Schutz: „Der Westen hat über 40 Jahre lang weniger auf Jugoslawien als vielmehr auf den Kroaten Tito seine Aufmerksamkeit gerichtet. [...] Er war aber ein übler Tyrann, vor allem gegen Serbien. Von der Zerstückelung des alten Serbiens in Teilstaaten (Makedonien und Bosnien-Herzegowina [sie!]) und autonome Provinzen (Kosovo und Woiwodina) bis hin zur provokativen Begünstigung auch kleinster moslemischer Gruppen innerhalb Serbiens — Tito schmeichelte dadurch den blockfreien moslemischen Staaten — hat er nichts unterlassen, um die Serben zu erniedrigen und Serbien als Bundesstaat zu schwächen. Daß nach seinem Tode das Pendel umschlagen würde, war zu erwarten. “ (Manousakis 1991: 224). Die unerwartete Schützenhilfe erfolgt freilich nicht ganz uneigennützig, wie die Seitenhiebe des griechischen Nationalisten und glühenden Islamgegners gegen Mazedonien, die albanisch-moslemische Bevölkerungsmehrheit im Kosovo sowie die (nicht näher spezifizierten) ,,kleinste[n] moslemische[n] Gruppen“ zeigen. — Vgl. auch (mit anderer Tendenz) Fritz Redlichs Plädoyer für ein „Zusammenleben mit den slawischen Völkern“, welches die Deutschen erst wieder erlernen müßten (1991: 307).Google Scholar
  270. 272.
    Vgl. hierzu auch die Berichterstattung und Kommentierung in der FAZ vom 24.12.1991 (Reißmüller 1991c) sowie vom 16.01.1992 (ders. 1992b).Google Scholar
  271. 273.
    Vgl. in diesem Zusammenhang insbes. die Beiträge von Klaus Hornung (exemplarisch 1993a, 1993d).Google Scholar
  272. 274.
    Eher die Ausnahme als die Regel stellt in Criticön die direkte Forderung nach Anerkennung dar, so etwa bei Josef Schüßlburner (hier vor allem mit Blick auf die Sowjetunion): „Deutschland muß im europäischen Konzert — zu irgendwas muß die Europaideologie gut sein — alle Staaten der Sowjetunion und Jugoslawiens anerkennen, die sich von ihren Staatsverbänden lösen. “ (1991a: 24). — An anderer Stelle lobt Schüßlburner Johann Georg Reißmüllers Feststellung im FAZ-Editorial, wonach „nicht der Zerfall, sondern das Fortbestehen des heutigen Jugoslawien zu furchten“ sei und fordert erneut eine ähnliche Haltung der deutschen Konservativen gegenüber der Sowjetunion ein (Schüßlburner 1991b: 65, Anm.3).Google Scholar
  273. 275.
    Vgl. etwa Schüßlburner (1992c: 229).Google Scholar
  274. 276.
    Vgl. hierzu die zahlreichen Verweise auf die FAZ-Beiträge Johann Georg Reißmüllers und Viktor Meiers bei Paulwitz, Schüßlburner, Sunic et al.Google Scholar
  275. 277.
    Vgl. Reißmüllers frühe Beiträge zur Jugoslawien-Thematik (dok. in ders. 1992a). — Michaael Paulwitz schreibt hierzu in Criticön: „Reißmüllers Artikel beleuchten die Wurzeln des serbischen Nationalismus im Amselfeld-(Kosovo-)Mythos, die besondere Situation Sloweniens, die »kroatische Frage«, die heute so viel Unverständnis erntet: das Bestreben eines kleinen, historisch aber auf dem Balkan uralt eingesessenen Volkes, sein Schicksal im eigenen Staate selbst zu bestimmen. “ (Paulwitz 1992c).Google Scholar
  276. 278.
    Vgl. die Aussagen von Criticόn-Autor Mladen Schwartz (1994b, 1992a). — Zu den guten Verbindungen von Mladen Schwartz zu dem Blatt vgl. auch die Insiderinformationen aus der FAZ-Redaktion, die der kroatische Nationalist in Criticόn ausbreitet (1979b: 34).Google Scholar
  277. 279.
    Peter Glotz bestätigt diese Einschätzung, wenn er schreibt: „Johann Georg Reißmüller, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat bei der Jugoslawien-Berichterstattung der deutschen Publizistik eine Führungsleistung erbracht, die man kaum überbewerten kann. Die Artikel, die er seit Beginn der jugoslawischen Krise auf Seite 1 seines Blattes zu diesem und nur zu diesem Thema verfaßt hat, sind schon allein physisch eine beachtliche Leistung. Reißmüller hat, ohne Schnörkel, den Grundsatz, daß die Deutschen keine Waffen in Spannungsgebiete liefern, bekämpft, er trat für Waffenlieferungen an Kroatien ein, später auch ohne Wenn und Aber für eine militärische Intervention gegen Serbien. Seine Hauptleistung liegt aber ohne Zweifel beim Aufbau eines klaren Feindbildes: Die (von Serbien) »gemarterten Völker«, der »serbische Völkermord«, die »säkulare Untat«, die Gegenüberstellung von Serben und »zivilisierter Welt«. Das ist Arbeit der Zuspitzung im besten Sinn. Wenn künftig Beispiele für die direkte Beeinflussung der Politik durch Publizistik gesucht werden, wird man ohne Zögern Johann Georg Reißmüller nennen dürfen: das deutsche Drängen auf eine frühzeitige Anerkennung Sloweniens und Kroatiens wäre ohne ihn nicht zustandegekommen. Die Deutschen sind heute in Teilen des Balkans wieder das beliebteste, in anderen Teilen das verhaßteste Volk Europas. Ein einzelner Journalist, eben Johann Georg Reißmüller, hat seinen Anteil daran. “ (Glotz 1992).Google Scholar
  278. 280.
    Das ehemalige Grünen-Bundesvorstandsmitglied Jürgen Maier fordert bereits im Spätsommer 1992 in der taz „Luftangriffe auf die stark verbunkerte serbische Kommandozentrale nördlich von Sarajevo, auf sämtliche bekannten Munitionslager in serbisch kontrollierten Zonen Bosniens und in Serbien selbst, auf sämtliche serbische Luftwaffenstützpunkte, auf die wichtigen Nachschublinien von Serbien nach Bosnien, auf die militärischen Führungsstäbe und Fernsehstationen in Belgrad, gekoppelt mit Waffenlieferungen an die bosnischen Moslems... “ (vgl. Maier 1992); vgl. hierzu die fast deckungsgleichen Visionen des rechts-konservativen Bonner Politologen und Adenauer-Biographen Hans-Peter Schwarz, der (allerdings erst zwei Jahre nach Maier) „eine kurze Serie rollender Bomben- und Raketenangriffe auf serbische Elektrizitätswerke, Öltanks, Brücken, Flugplätze und Hafenanlagen nach dem Modell des Golfkrieges“ andenkt (zit. n. Glotz 1994 :44). — Zur Positionierung der FAZ vgl. die Ausführungen oben sowie die bereits mehrfach erwähnten FAZ-Beiträge Johann Georg Reißmüllers (dok. in Reißmüller 1992a, 1993a).Google Scholar
  279. 281.
    Als unbeabsichtigte Bestätigung dessen vgl. die denunziatorische Replik von Tiiman Zülch (1992).Google Scholar
  280. 282.
    Zur Bedeutung der Bosnien-Debatte für den Stimmungsumschwung im Vorfeld des Kosovo-Krieges vgl. Schmidt, F. (1998a: 47ff.).Google Scholar
  281. 283.
    Zum besseren ,,theoretische[n] Verständnis der politischen und der »apolitischen« Entscheidung in der Europäischen Gemeinschaft und den Vereinten Nationen“ empfiehlt Sunic explizit sein Vorbild Carl Schmitt (ebd., Anm.12). — Auch Carl Gustaf Ströhm zufolge hat das kroatische Schicksal „erneut das Unvermögen der westlichen politischen Führungen erwiesen, bedrohlichen Entwicklungen rechtzeitig und entschieden entgegenzutreten“ (1993a: 114).Google Scholar
  282. 284.
    Vgl. auch die Kritik am Verhalten des Westens bei Mladen Schwartz (1994a: 54); Schwartz, der die Präsenz von UNO-Truppen im ehemaligen Jugoslawien als Okkupation auffaßt (vgl. ders. 1992b: 116), geißelt das „Ausbleiben der humanen (militärischen) Hilfe“ anstelle „zynisch-grotesker »humanitärer Hilfe«“ und denkt in diesem Zusammenhang ebenfalls NATO-Militärschläge auf Belgrad an (1994a: 54).Google Scholar
  283. 285.
    Vgl. etwa die Anmerkungen bei Paulwitz, der im Zusammenhang mit der Anerkennung Kroatiens durch die EG zu den damit verbundenen Erwartungen in Zagreb schreibt: „Eine erste Ernüchterung wird wohl eintreten, wenn nach dem 15. Januar weder die ersehnten Waffen noch auch nur »Landmaschinen« aus Deutschland nach Kroatien kommen. Man erwartet derzeit Dinge von uns, die wir gar nicht leisten wollen... “ (Paulwitz 1992a: 6). Schüßlburner schreibt in verklausulierter Form: „Würde Deutschland in diesem Konflikt seiner im“Google Scholar
  284. 286.
    Zusammenhang mit dem Irakkrieg beschworenen »Verantwortung«, über die ohne entsprechende Stellung Deutschlands die UN-Vetomächte die Definitionsmacht ausüben, wirklich gerecht werden, dann müßte es sich die Option eines Bundeswehreinsatzes zugunsten der Kroaten offenhalten. Jedoch würde dann Genscher seiner Aussicht auf den Friedensnobelpreis verlustig gehen und stattdessen einen Nürnberger Prozeß gegen sich riskieren ... “ (1992a: 27).Google Scholar
  285. 287.
    Sohn plädiert mit Zänker für eine deutsche Abkehr vom obsolet gewordenen „alten EG-Konzept“ und empfiehlt stattdessen einen „engeren Schulterschluß“ mit den USA (Sohn 1993a: 94).Google Scholar
  286. 288.
    Hornung verbindet seine heftigen Ausfälle gegen „die UNO, diese geschäftige und geschwätzige Organisation“ sowie seine Kritik an der EG mit Attacken auf die „amtlich gepflegte Maastricht-Euphorie“ (ebd.). — Auch Ströhm, dem zufolge „nur ein entschlossenes militärisches Eingreifen ... das Desaster stoppen [könnte] “, sieht die „meisten westlichen Armeen ...weder materiell noch psychisch“ hierauf vorbereitet und empfiehlt erneut eine aktive Unterstützung Kroatiens, der vermeintlich ,,einzige[n] militärische[n] Kraft, die willens und in der Lage wäre, den Moslems [in Bosnien-Herzegowina, fs] zu helfen“ (Ströhm 1992a: 115).Google Scholar
  287. 289.
    Hornung kritisiert hierbei insbesondere die vermeintliche deutsche Neigung zur Reduzierung des Politischen „auf Wirtschaft, Recht und Umverteilung“ (ebd.).Google Scholar
  288. 290.
    Adäquat hierzu wendet sich Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) in seinem 1994 erscheinenden Buch gegen eine „verengtef] und unzeitgemäße[] Interpretation des NATO-Vertrages“ und fügt unmißverständlich hinzu: „Es geht darum, präventiv zu wirken, Konflikte vom Bündnisgebiet fernzuhalten, sie in der strategischen Peripherie der NATO am Ort des Entstehens einzudämmen und zu lösen. “ (Rühe 1994: 113).Google Scholar
  289. 291.
    Vgl. Junge/ Naumann/ Stark (1997: 165). — Zum Skandal um die Berufung Webers in diese Funktion vgl. auch ,Der Spiegel’ 36, 1996: 19 und das parlamentarische Nachspiel (PDS im Bundestag 1996); vgl. auch die Meldung „Ifor-Presseoffizier Weber suspendiert“, in: antifaschistische Nachrichten’ 23, 1996 (online in Internet: URL: http://www.infolinks.de/medien/an/1996/23/012.htm [Stand 23.11.1997]).Google Scholar
  290. 292.
    Kremp beruft sich hierbei auf die ,Verteidigungspolitischen Richtlinien’ des BMVg (1992b) vom 26.11.1992, die in der Tat einen solchen „erweiterten Sicherheitsbegriff’ propagieren.Google Scholar
  291. 292.
    Vgl. das Papier zur ,,Konzeptionelle[n] Grundrichtung einer Neugestaltung der Bundeswehr” (BMVg 1992a), welches Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg (CDU) im Januar 1992 vorlegt und das sich an den Beschlüssen des NATO-Gipfels in Rom vom November 1991 orientiert. Erstmals wird hierbei die Aufteilung der Bundeswehr in Hauptverteidigungskräfte (mit klassischem Verteidigungsauftrag) und Krisenreaktionskräfte (für interventionistische Aufgaben) angedacht.Google Scholar
  292. 294.
    Zu den neuen Aufgaben der Bundeswehr wird in dem Papier auch explizit die „Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt“ gezählt. Das Papier propagiert weiterhin die „gestaltende Kraft“ Europas bei der „Lösung der großen weltweiten Zukunftsaufgaben“ und Deutschlands „Schlüsselrolle“ in diesem Prozeß (ebd.).Google Scholar
  293. 295.
    Die eingeschlagene Linie wird in den folgenden Jahren auf der Hardthöhe beibehalten und in Nachfolgedokumenten bekräftigt (vgl. hierzu BMVg 1994a, 1994b, 1995 sowie weitere Planungspapiere). Von Brisanz ist hierbei nicht zuletzt die Verfahrensweise: Die Tatsache, daß der Verteidigungsminister solche weitreichenden Entscheidungen ohne einen förmlichen Beschluß des Bundeskabinetts trifft und in Form von „Richtlinien“ erläßt sowie die öffentlichen Interventionen seines Bundeswehr-Generalinspekteurs, Klaus Dieter Naumann, veranlassen den ehemaligen Verteidigungsstaatssekretär Willy Wimmer (CDU) zu der Bemerkung, daß sich „»der Apparat verselbständigt«“ habe (zit. n. Wette 1994: 197).Google Scholar
  294. 296.
    Der Münchener Danube und Criticón-Autor Michael Paulwitz, der auch in der Jungen Freiheit’ zum Thema schreibt (vgl. Siegler 1992b) pflegt besonders enge Kontakte nach Kroatien. Nach dem Waffenstillstand vom Oktober 1995 bereist er, aus Kroatien kommend, als eine Art rechter „fellow traveller” das bosnische Kriegsgebiet, worüber in Criticón ausführlich berichtet (vgl. Paulwitz 1996).Google Scholar
  295. 297.
    Vgl. die Teilnehmerliste des ,Studienzentrums Weikersheim’ zum Weikersheimer Kongreß »Umrisse des 21. Jahrhunderts« am 07. und 08. Mai 1994, die biographischen Angaben in Criticón sowie bei Jebens (1994b).Google Scholar
  296. 298.
    Vgl. Sunics Buch „Against Democracy and Equality: The European New Right” (1990) sowie die Angaben bei Cremet (1999: 91ff.).Google Scholar
  297. 299.
    Vgl. Sunic (1992, 1993a, 1993b, 1994).Google Scholar
  298. 300.
    Für Sunic hat die „Unentschiedenheit des Maastricht-Europa bei der Lösung der jugoslawischen Krise nur die wachsende europäische Furcht vor einer politischen Entscheidung illustriert“ (ebd.: 236).Google Scholar
  299. 301.
    Sunic verweist in diesem Zusammenhang auf einen FAZ-Beitrag von Viktor Meier („Im Hintergrund Amerika. Die westliche Feindseligkeit gegen Kroatien und Slowenien“; Verw. bei Sunic 1992: 236, Anm.9). — Vgl. hierzu auch die bereits mehrfach erwähnten FAZ-Beiträge Johann Georg Reißmüllers.Google Scholar
  300. 302.
    Sunic verweist darauf, daß Jugoslawien vor der Sezession „in mancher Beziehung eine kleinere Kopie des amerikanischen »melting pot« darstellte“ (ebd.: 233); vgl. hierzu auch ders. (1993a: 133).Google Scholar
  301. 302.
    Vgl. etwa Sunics Ausführungen zum deutsch-kroatischen Zusammenwirken bei der Abschüttelung lästiger Vergangenheiten: „Neben der rein »jugoslawischen« Natur des Krieges[] läßt sich aber auch sagen, daß dieser Krieg eine Katharsis ist, in der die deutsche Vergangenheitsbewältigung und Geschichtsvergessenheit langsam, aber sicher an ihr Ende kommt. Kroatien und Deutschland haben sich gegenseitig geholfen, die Last der Geschichte und das historische Stigma der »bösen Buben« abzuwerfen. “ (1992: 236).Google Scholar
  302. 304.
    Vgl. Schwartz (1989e: 231, biographische Angaben). — Dem Sozialisten Dilas bescheinigt Schwartz „eindeutig konservative Ideen“ wie „Antikommunismus ... und Antiutopismus, Vorrang des Lebens vor der Ideologie, Unmöglichkeit der vollkommenen Staatsordnung, konkrete Freiheiten (denn der Anspruch auf die »Freiheit« führe zum Totalitarismus) “ (1988a: 86); vgl. bereits ders. (1973a, 1975a). — Sowohl von den ,,Djilasianer[n]” wie auch der ,Praxis’-Gruppe distanziert sich Schwartz in Criticön: So wirft er ersteren bereits 1982 ihren Einsatz für „ein »fbderalisiertes« und »demokratisiertes« Gesamtjugoslawien” vor, während er an anderer Stelle den „im Westen so sehr überschätzten »liberalen« Marxisten der »Praxis-Schule«“ vorhält, „in ihren linksradikalen Herzen allen Beteuerungen zum Trotz doch wesentlich fast alle kleine Stalins geblieben [zu sein] “ (Schwartz 1982, 1987:234).Google Scholar
  303. 305.
    Schwartz führt hierzu aus: „Ich war Zeuge der brutalen Reaktionen in Serbien auf 1971. Das ging weniger von den herrschenden Strukturen aus, als von denjenigen, die sich als bürgerliche Demokraten und Liberale ausgaben, von Leuten, die sich angeblich fur absolute Freiheit einsetzten. [...] Ich fühlte, mit wieviel unbeschreiblichem Haß die Serben sich auf alles stürzten, was kroatisch ist. “Google Scholar
  304. 306.
    Vgl. die Criticón-Berichte von Schwartz über die Aktivitäten der kroatischen Emigration (exemplarisch 1980, 1983a).Google Scholar
  305. 307.
    Vgl. Schwartz (1993: 228, biographische Angaben sowie ders. 1984a: 133, biographische Angaben). — Zu den politischen Aktivitäten im Exil vgl. auch Schwartz (1992a: 125f).Google Scholar
  306. 308.
    Zur HDP (,Hrvatski Drzavotvorni Pokret’) vgl. die Ausführungen bei Schwartz (1989c: 56).Google Scholar
  307. 309.
    Eine längere — vermutlich durch Schwartz’ Rückkehr in die kroatische Heimat bedingte — Publikationspause entsteht lediglich zwischen Sommer 1990 und Sommer 1992. Caspar von Schrenck-Notzing beklagt noch Ende 1992 im Gespräch das Ausbleiben von telefonisch in „Agram“ (Zagreb) angeforderten Berichten von Schwartz (Schrenck-Notzing 1992i).Google Scholar
  308. 310.
    Vgl. die entsprechenden Criticön-Beiträge in diesem Zeitraum (1973a, 1973b, 1974a, 1974b, 1974c, 1975a, 1979a, 1979b, 1979c, 1980, 1982, 1983a, 1983b, 1983c, 1984a, 1986a, 1986b, 1987, 1988a, 1989b, 1989c, 1989d, 1990b). — Vgl. daneben auch die eingehende Beschäftigung mit dem „Wende-Kritiker“ Günter Rohrmoser (Schwartz 1978, 1983d, 1984b, 1985).Google Scholar
  309. 311.
    Vgl. etwa die frühe Auseinandersetzung mit der „slowenischen Frage in Kärnten“ (Schwartz 1976); daneben stehen zu dieser Zeit noch Beiträge zur jugoslawischen Marxismus-Debatte (1975c).Google Scholar
  310. 312.
    Durch seine „offenen Bekennntnisse, durch seine Veröffentlichungen, sein tapferes Auftreten sowie nicht zuletzt durch sein persönliches Märtyrertum“ sei Tudjman zur „Symbolfigur des Widerstandes“ in Kroatien geworden (ebd.). — Schwartz weist bereits 1979 wiederholt in Criticón auf Tudj-mans Aktivitäten hin (1979b: 35, 1979c: 294).Google Scholar
  311. 313.
    Schwartz bezieht sich auf jene Untersuchungen, die Tudjman während der 60er Jahre als Leiter des ,Instituts für Erforschung der Geschichte der kroatischen Arbeiterbewegung’ anstellt.Google Scholar
  312. 314.
    Tudjman habe, so Schwartz, den Nachweis geführt, daß die Opferzahlen in Jasenovac in Wirklichkeit etwa zehnmal niedriger gelegen hätten, als „von den Herrschenden behauptet!] “ (ebd.). Für Schwartz ist das Konzentrationslager „eine Art Auschwitz in dem Sinne, daß die dort angeblich begangenen Greueltaten das ganze kroatische Volk für alle Ewigkeit im Zustand der nationalen Unmündigkeit erhalten sollen“ (ebd.).Google Scholar
  313. 315.
    Tudjman wird in den 70er und 80er Jahren zu teilweise mehrjährigen Haftstrafen verurteilt; mit dem in dieser Zeit ebenfalls einsitzenden nationalistischen Aktivisten Dobroslav Paraga (hier als „Stu-dent[]..., der Ende 1980 Unterschriften für eine legale Petition zugunsten der politischen Gefangenen in Kroatien gesammelt hatte“) und späteren Vorsitzenden der rechtsextremen ,Partei des Rechts’ (HSP — Hrvatska Stranka Prava) erwähnt Schwartz im selben Bericht von 1982 den später nach Tudjman zweitwichtigsten Vertreter der kroatischen Rechten, der sich Schwartz zu Beginn der 90er Jahre zugesellt.Google Scholar
  314. 316.
    Schwartz schreibt: „Daß der Unabhängige Staat Kroatien, jetzt völlig abgesehen von den auch tatsächlich begangenen Fehlern [sic!] des damaligen Regimes, ein vom Volke heiß begehrter Zustand war — das wagte noch niemand nach dem verlorenen Krieg und der unterbrochenen Staatlichkeit 1945 in Kroatien öffentlich zu erklären, nur Franjo Tudjman. “ (ebd.).Google Scholar
  315. 317.
    Vgl. Schwartz (1975b, 1977, 1988a).Google Scholar
  316. 318.
    Schwartz wird danach in Criticón nurmehr als „Verfechter der Ideen Transzendenz und Hierarchie” vorgestellt (ders. 1986b: 131, biographische Angaben). — Caspar von Schrenck-Notzing zufolge bringt Schwartz mit seiner kurzzeitigen Eigenbezeichnung sein „elitär-kulturkritisch-antidemokratisch(es)” Weltbild „auf einen schönen faschistischen Nenner” und bezieht sich hiermit auf den italienischen Faschismus (1992i). — Zur gleichgültigen Haltung Schwartz’ gegenüber dem Extremismusvorwurf vgl. auch dessen Besprechung des Verfassungsschutzberichts 1987 in Criticón (Schwartz. 1988b).Google Scholar
  317. 319.
    Vgl. hierzu Schwartz (1994b).Google Scholar
  318. 320.
    Vgl. ebenso ders. (1990b) sowie Schwartz’ Lob für das ,Bulletin’ der Zagreber Jüdischen Gemeinde, welches „im Sinne des kroatischen Patriosmus gemacht[]“ sei (1992b: 119).Google Scholar
  319. 321.
    Zu Schwartz’ Haltung generell vgl. ders. (1992a: 124ff). — Zu den entsprechenden Vorwürfen gegen die Republik Kroatien vgl. etwa die Debatte über die Aufnahme in den Europarat (FR vom 24.04.1996), die Angaben der Menschenrechtsorganisation ,Reporter ohne Grenzen’ zur Einschränkung der Pressefreiheit (FR vom 06.05.1996) in Kroatien sowie die Kritik aus dem Land selbst (vgl. die Darstellung bei Schleicher 1993 sowie exemplarisch Drakulic 1996). — Zum Antisemitismus-Vorwurf gegen Franjo Tudjman vgl. dessen Buch „Bespuéa povijesne zbiljnosti“ von 1986 (zit. b. Pfeifer 1993; vgl. auch die Beiträge in ders. 1996: 109ff.) sowie die Ausführungen von Schwartz selbst in Criticón (1990b).Google Scholar
  320. 322.
    Zu den Kräften, die im anti-jugoslawischen „Kampf um die nationale Identität” stehen, zählt Schwartz zu Beginn der 80er Jahre gar die „slowenischen Nazi-Punks“ im Umfeld der Punkband ,Laibach’ (Schwartz 1984a: 129ff.), die bis heute unter dem doppeldeutigen Kürzel NSK (,Neue Slowenische Kunst’) firmiert, sich jedoch nichtsdestotrotz von nationalistischen Tendenzen distanziert.Google Scholar
  321. 323.
    Hierzu bereits ders. (1982, 1986b: 133). — Zu den in den 80er Jahren immer wieder kolportierten Putschgerüchten vgl. auch das Dementi von Peter Hornung in Criticon (Hornung, P. 1988). Schwartz schreibt hierzu: „Die Montenegriner stammen von den alten Südkroaten ab, haben sich jedoch inzwischen zu einem selbständigen Volk entwickelt, und seit der Zeit des großen Dichter-Fürsten und Kirchenoberhauptes Petar Petrovié Njegos“ im letzten Jahrhundert, und nicht zuletzt unter seinem Einfluß, betrachtet sich ein Teil der montenegrinischen Nation als Serben, was sie anfällig für großserbische Manipulationen macht.“ (1989d: 87)Google Scholar
  322. 325.
    Schwartz beruft sich auch hierbei wiederum auf die Veröffentlichungen Franjo Tudjmans. — Vgl. bereits Schwartz (1986b: 133) sowie die Ausführungen im ,Globus’-Interview (1994b; dort heißt es: „Wenn jemand sich auf seinem Gebiet verteidigt, gibt es fur mich keine Kriegsverbrechen, was auch immer geschieht. “).Google Scholar
  323. 326.
    Zur HSP und den berüchtigten Milizen der HOS vgl. etwa den (allerdings stark affirmativen) Bericht von Boris Kalnoky (1992) in: ,Die Welt’ vom 25.02.1992.Google Scholar
  324. 327.
    Vgl. hierzu Schwartz (1988a: 88).Google Scholar
  325. 328.
    Vgl. ders. (1993: 228, biographische Angaben).Google Scholar
  326. 329.
    Eine wesentliche Rolle hierbei spielt die Preisgabe der ostslawonischen Stadt Vukovar im November 1991, die den HSP-Chef Dobroslav Paraga offen mit dem Umsturz in Kroatien drohen läßt (vgl. FAZ vom 19.11.1991); vgl. hierzu auch die Stellungnahme von Schwartz in Criticón (1992b: 118).Google Scholar
  327. 330.
    Vgl. Schwartz (1994b); das innige Verhältnis des Boulevardblattes zu Schwartz, der dieses in Criticón als eine der wenigen ,,Oase[n] des kritischen Geistes“ unter den kroatischen Medien lobt (1992b: 118), dokumentiert sich in der Regelmäßigkeit der Beiträge zu ihm und seiner Partei (vgl. etwa Schwartz 1995, 1996a sowie 1996b).Google Scholar
  328. 331.
    Zu den ,kroatischen Regionen’ zählen für Schwartz etwa Istrien, Dalmatien, Boka Kotorska (Montenegro), Slawonien, Srijem (Vojvodina/Serbien), Sandzak (Serbien), Baöka (Serb.) sowie Bosnien-Herzegowina (vgl. Schwartz 1994b sowie 1993: 228).Google Scholar
  329. 332.
    Den Mord an der aus Serbien stammenden Zagreber Fabrikantenfamilie Zec, an dem Angehörige des kroatischen Militär- und Sicherheitsapparats beteiligt gewesen sein sollen, kommentiert Schwartz mit der Bemerkung, daß das Ehepaar bekanntermaßen „für die Tschetniks gearbeitet“ hätte. Auf den Einwand des ,Globus’-Interviewers, daß damals auch ein 12-jähriges Mädchen umgebracht worden sei, antwortet Schwartz: „Ein 12-jähriges Kind wäre zur Polizei gegangen und hätte sie [die Täter, fs] dort verraten. Ich weiß, es ist nicht schön, aber wir haben Krieg und da wollen wir doch keine Haarspaltereien betreiben.“ (1994b). — Zu den in Kroatien lebenden Juden äußert Schwartz: „Die ganze Zeit suchen sie Anzeichen für ein Wiederauferstehen des NDH, sie bezichtigen die Kroaten und den Staat des »Faschismus«, sind empfindlich und nörglerisch, und dann wundern sie sich über die — glücklicherweise seltenen — antisemitischen Ausfälle. “ (ebd.).Google Scholar
  330. 333.
    Vgl. Schwartz (1995, 1996a, 1996b).Google Scholar
  331. 334.
    Vgl. ebd. sowie die Ausführungen ein Jahr später: „...gerade als Kriegsherr zeigte sich der mit Jubel ausgerufene Staatspräsident von seiner schlimmsten Seite. Wer in ihm vorerst einen strammen Soldaten sah, war nun vor [m.h. von, fs] seinem Zögern, seiner Unentschlossenheit, seiner Bereitschaft zu immer neuen Scheinwaffenstillständen, zu immer neuen Rückzügen erstaunt. Und je weiter es mit diesem unwürdigen Kunktatorium ging, desto heftiger mußte man vom General Tudjman, jeder Realität zum Trotz, anhören, auf diese Art und Weise würden Menschenleben verschont. Immer deutlicher profilierte sich der Staatschef zu einer willenlosen Marionette der wahrhaften Protektoren Kroatiens, der unterschiedlichen angelsächsischen Serbenfreunde, oder Träumer von einem erneuten Jugo-Staat, vom Schlage eines Carrington, Vance oder Lord Owen. “ (1993: 228).Google Scholar
  332. 335.
    Tudjman begann Schwartz zufolge die HSP „...ganz im Stil des alten Regimes zu verfolgen, weil sie an seinen Versprechungen festhielt [sic!]. Er ließ den Vorsitzenden der HSP, den jungen ehemaligen Dissidenten und politischen Gefangenen Dobroslav Paraga und eine Reihe seiner (teilweise uniformierten und bewaffneten) Anhänger festnehmen. Die Ermordung des stellv. Vorsitzenden der Partei, Ante Paradzik, geht möglicherweise auf Tudjmans Polizei zurück. Mittlerweile wächst die rechts-konservative [sic!] HSP in die Rolle der eigentlichen Alternative zur Regierung hinein. In ihr sammelt sich die Unzufriedenheit mit Tudjman, insbesondere mit seiner Kompromißbereitschaft gegenüber den ehemaligen Kommunisten.“ (ebd.).Google Scholar
  333. 336.
    Dies auch bei der Vorstellung der von ihm selbst redigierten Parteizeitschrift ,Hrvatske Pravo’ (Schwartz zufolge ein ,,vielversprechende[s] und von allen Seiten gelobte[s] Unternehmen“), deren Schwierigkeiten er lediglich in einem Nebensatz („vorläufig eingestellt“) erwähnt (1992b: 118f).Google Scholar
  334. 337.
    Seine ,ethnischen Umwidmungen’ nimmt Schwartz wie folgt vor: „Dabei ist Bosnien-Herzegowina ethnisch gar nicht so bunt, wie es angesichts des heutigen Chaos und der herrschenden Rhetorik von den angeblichen »drei konstitutiven Völkern« aussehen könnte. Denn im Grunde sind die Muslime natürlich kein Volk. Sie sind es nicht in der Türkei, im Iran, in Indonesien, und auch in Bosnien kann eine »muslimische Nation« nur als ein Versuch der Titoisten gedeutet werden, die Anzahl der bosnischen Kroaten zu halbieren. Die heutigen Muslime in Bosnien entstanden überwiegend aus den kroatischen Bogumilen, die mit den türkischen Eroberungen lieber den Islam übernahmen, als zurück zum Katholizismus zu finden. Übrigens ist der Hauptteil der bosnischen Serben ebenso kroatischer Abstammung. Sie konvertierten in den türkischen Jahrhunderten zum orthodoxen Christentum, das von den Türken eher als der gegen sie Kreuzzüge führende Katholizismus toleriert wurde. Dann hatte die Serbisch-Orthodoxe Kirche eine verhältnismäßig leichte Aufgabe, aus den Orthodoxen unter ihrer Jurisdiktion einfach »Serben« zu machen. Dazu kamen ethnisch-serbische Kolonisten, die als herrschende Schicht während der beiden jugoslawischen Staaten in kroatische Gebiete strömten. Ansonsten war Bosnien-Herzegowina nie serbisch, außer für drei Jahrzehnte im 10. Jahrhundert, als das Gebiet vom serbischen Herrscher Caslav Klonimirovié regiert wurde.“.Google Scholar
  335. 338.
    Um „die Wunden zwischen Muslimen und Katholiken wirksam zu heilen“, soll nach Schwartz’ Vorstellungen nicht nur Franjo Tudjman, sondern auch der bosnische Präsident Alija Izetbegovic abgelöst werden — letzterer übrigens durch den bosnischen Hardliner und „Sproß einer exponierten UstaSa-Familie“, Haris Silajdzic (ebd.).Google Scholar
  336. 339.
    Die Bedeutung Schwartz’ wird in Kroatien selbst unterschiedlich gesehen: Betonen Vertreter der kroatischen Demokratie- und Friedensbewegung auf Anfrage, „that a real danger from right wing comes from the ruling party in Croatia (HDZ), not from the clowns like Schvarz [m.h. Schwartz, fs]“ (E-Mail via ,ZaMir Transnational Net’ <[...]@ZAMIR-ZG.ztn.apc.org> (06.05.1995); Name u. vollst. E-Mail-Adr. sind dem Verfasser bekannt), so warnen andere vor den verschwimmenden Grenzen zwischen den verschiedenen Fraktionen auf der kroatischen Rechten. Über die Unterstützung rechtsradikaler und rechtsextremer Gruppen durch die damalige kroatische Regierungspartei HDZ (,Hrvatska Demokratska Zajednica’) berichtet etwa — unter namentlicher Nennung von Schwartz — die Zagreber Frauenrechtlerin Vesna Kesnie (vgl. Hofmann, F. 1995).Google Scholar
  337. 340.
    Vgl. die üblen Attacken auf Jutta Ditfurth, der Schwartz hinsichtlich ihrer Position in der Abtreibungsdebatte u.a. „schäbige Kopulationslust“ vorwirft (1989a: 8). Schwartz begründet dies wie folgt: „Warum sollte man ansonsten einen Mann verurteilen, der seine Frau umgebracht hat, weil sie ihm z.B. auf die Nerven ging? Für mich ist das dasselbe: Einen Fötus töten und eine Frau töten. Manchmal hat eine Frau das mehr verdient als das ungeborene Kind.“ (1994b). — Zu Schwartz’ Kampf gegen die Frauenbewegung vgl. auch Hofmann, F. (1995).Google Scholar
  338. 342.
    Dieses und die folgenden Criticón-Zitate sind, soweit nicht eigens belegt, dem obenstehenden Text entnommen und dort an den entsprechenden Stellen nachgewiesen.Google Scholar
  339. 343.
    Vgl. die Parallelen zur regierungsamtlichen Position bei Rühe (1994).Google Scholar
  340. 344.
    Vgl. auch die deutsch-französischen Bemühungen um eine Wiederbelebung der WEU, die ein europäisches Gegengewicht zu den USA schaffen soll und sich im Juni 1992 ausdrücklich zu „Kampfeinsätzen bei der Krisenbewältigung“ bekennt (Schmidt, C. 1997: 16). Die Versuche der Schaffung einer „europäischen Verteidigungsidentität“ (ESDI) und die Diskussionen über das Verhältnis zwischen WEU und NATO belasten fortan das europäisch-amerikanische Verhältnis und werden erst nach dem Dayton-Abkommen zugunsten der USA entschieden (vgl. Bendrath 1997).Google Scholar
  341. 345.
    Vgl. etwa das sog. „Kerneuropa-Papier“, das die CDU-Politiker Wolfgang Schäuble und Karl Lamers im September 1994 vorlegen und in dem eine klare Grenzziehung zu den neu-rechten Vorstellungen einer deutschen Mittlerrolle in Europa erfolgt (CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages 1994: 2f). — Zu dem Konflikt und seinen Folgen vgl. auch Kapitel 4.4.3ff.Google Scholar
  342. 346.
    Vgl. CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages (1994: 7ff.) sowie hierzu Möller (1998: 56f).Google Scholar
  343. 347.
    Vgl. hierzu die entsprechenden Presseberichte (Kleine-Brockhoff 1995, Thumann 1995) sowie die Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl und seines Nachfolgers Edmund Stoiber (beide CSU) zu den von Tschechien zu erbringenden Vorleistungen einer deutschtschechischen Aussöhnung; vgl. hierzu etwa Stehle (1995): „Stoiber hatte 1993 als amtierender »Schirmherr« [des „Sudetendeutschen Tages“, fs] sogar das Projekt einer bayerisch-böhmischen Erdölleitung diskret mit der Anregung verknüpft, daß Prag dies etwa mit der Aufhebung der Beneš-Dekrete honorieren könnte. “. — Forderungen dieser Art werden bis in die jüngste Zeit — nunmehr im Zusammenhang mit dem anstehenden EU-Beitritt Tschechiens — von CSU-Politikern erhoben (vgl. FR vom 05.06.2001).Google Scholar
  344. 348.
    Klein beschreibt dies anhand einer von ihm konstatierten Zweiteilung Ungarns; der hierbei skizzierte Gegensatz trifft jedoch ebenso auf den Mitteleuropa-Diskurs der Criticón-Rechten insgesamt zu.Google Scholar
  345. 349.
    Vgl. etwa Rühe (1994); das Buch setzt deutlich andere Akzente als die vom damaligen Bundesverteidigungsminister betriebene, „sanfte militärpolitische Bewußtseinserweiterung der deutschen Öffentlichkeit“, die angesichts der erstmaligen Entsendung von Kampftruppen der Bundeswehr in ein Kriegsgebiet Ende 1996 lobend von der ,Welt am Sonntag’ hervorgehoben wird. Der WamS-Kommentator, Michael J. Inacker, der auch in dem neu-rechten Sammelband „Die selbstbewußte Nation“ vertreten ist (vgl. Schwilk/Schacht 1996; dort 364ff.), fordert allerdings mehr Aufrichtigkeit bei der öffentlichen Darstellung künftiger militärischer Aufgaben: „Ein Zugewinn an Ehrlichkeit wäre es, die Bundeswehr auch als ein Instrument zur Wahrung nationaler Interessen darzustellen, statt militärische Aufträge bevorzugt humanitär-interventionistisch zu motivieren. “ (Inacker 1996b).Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2001

Authors and Affiliations

  • Friedemann Schmidt

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