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Einleitung

  • Friedemann Schmidt
Chapter
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Zusammenfassung

Als Bundeskanzler Helmut Kohl kurz vor seiner Abwahl im Herbst 1998 in der FAZ vor einem „Neu-Wilhelminismus“ seines sozialdemokratischen Herausforderers warnte, gab es wohl nur wenige politische Beobachter, die dies nicht als hilflosen Versuch werteten, angesichts einer bereits im Vorfeld verlorenen Wahl das Ruder herumzureißen und dem Gegner Tendenzen zu unterstellen, von denen der Beschwerdeführer selbst nicht frei zu sein schien. Zu gut in Erinnerung waren die Bemühungen des Amtsinhabers, dem nationalen Appell und dem „öffentlichen Gebrauch der Historie“ (Habermas 1997) zu tagespolitischen Zwecken eine zentrale Stellung im Regierungshandeln einzuräumen1. Etliche Vorstöße — die im Zusammenhang mit der von Kohl propagierten „geistig-moralischen Wende“ einsetzende Debatte über die „nationale Identität“ der Deutschen, das auf eine moralische Entlastung der Nation zielende Kanzlerwort von der „Gnade der späten Geburt“, Kohls Gorbatschow/Goebbels-Vergleich, die Bitburg-Inszenierung, die gegen die öffentliche Kritik durchgesetzten Museumsprojekte in Bonn und Berlin und nicht zuletzt die von regierungsnahen Historikern gewährte Unterstützung für Ernst Nolte im Historikerstreit — deuteten in den 80er Jahren auf ein zielstrebig verfolgtes konservatives Projekt, der Nationalgeschichte wieder eine sinn- und gemeinschaftsstiftende Funktion für die Gegenwart zuzuweisen.2

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. hierzu die Beiträge in Klotz/Schneider (Hrsg.) (1997).Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. hierzu bereits Klönne (1984), Habermas (1985, 1986) et al. — Zur Debatte um die „nationale Identität” der Deutschen vgl. die Darstellung bei Czitrich (1989) und Venner (1994); zu den genannten Ereignissen vgl. des weiteren die öffentlichen Einlassungen von Lothar Baier, Helmut Du-biel, Iring Fetscher, Jürgen Habermas, Wolfgang Kraushaar, Norbert Seitz u.a., dok. in: Die Grünen im Bundestag (Hrsg.) (1986).Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. exemplarisch Habermas (1990, 1993b).Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. hierzu Butterwegge (1996a: 145ff.); Butterwegge vermerkt: „Das öffentliche Meinungsklima hat sich seit der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR spürbar verändert: »Nicht mehr das Primat der integrierenden Leistungen und Werte des demokratischen und sozialen Rechtsstaats, sondern die Rückkehr zur ,Normalität’ des Nationalen herrscht seitdem vor.« [Zit. Margarita Mathiopoulos, fs] Deutschland wurde in den Rang eines historischen Subjekts erhoben, das »selbst-bewußt« handeln soll.” (ebd.: 146).Google Scholar
  5. 5.
    Zu den Versuchen, diesen Aspekt in den Blick zu rücken vgl. Herz (1996) sowie Butterwegge/Isola (Hrsg.) (1991), Lohmann (Hrsg.) (1994), Habermas (1994), Gessenharter (1994a), Pflüger (1994), Ebermann/Trampert (1995), Butterwegge (1996a: 145ff.) et al.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. die Äußerungen Gerhard Schröders auf dem Europaparteitag der SPD am 08.12.1998 in Saarbrücken (taz vom 09.12.1998) sowie die verschiedentlich bekräftigte Absicht des Kanzlers, einen Schlußstrich unter Wiedergutmachungsforderungen für das in der NS-Zeit geschehene Unrecht setzen zu wollen (Ertel/Hawranek/Spörl/Steingart/Wiegrefe 1998). — Der damalige niedersächsische Ministerpräsident bringt sich bereits im Sommer 1997 mit populistischen Äußerungen zur Ausländerkriminalität in den Ruf, die CDU/CSU-geführte Bundesregierung rechts überholen zu wollen (BamS vom 20.07.1997).Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. die Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (1998) »Weil wir Deutschlands Kraft vertrauen ...« vor dem Deutschen Bundestag vom 10.11.1998; vgl. hierzu auch die Anmerkungen von Nenning (1998), Herles (1999) et al.Google Scholar
  8. 8.
    Peter Dudek und Hans-Gerd Jaschke explizieren dies anhand der bundesdeutschen Rechtsextremismus-Diskussion insgesamt, zu deren Charakteristika sie „Ahistorizität” und „theoretische Diskontinuität” zählen: „Jeweils reaktiv auf rechtsextreme Ereignisketten setzten wissenschaftliche, politische und pädagogische Auseinandersetzungen im Gefolge des SRP-Verbotes, der antisemitischen Schmierwellen, des Aufstieges der NPD und der neonazistischen Militanz in den Siebzigerjahren ein. Ein kontinuierlicher wissenschaftlicher Diskurs konnte sich jedoch weder disziplinär noch interdisziplinär an den bundesdeutschen Hochschulen etablieren.” (Dudek/Jaschke 1984: 17).Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. etwa die Debatte um den von Weißmann verfaßten, letzten Band der Reihe ,Propyläen Geschichte Deutschlands’ zur NS-Zeit (Weißmann 1995), den der Ullstein-Verlag nach heftigen öffentlichen Protesten wieder zurückziehen muß. Ulrich Herbert bescheinigt dem Band den Charakter eines „in der Hauptsache seriöse[n], über weite Strecken gut anschaulich geschriebene[n] Buchfes], das eine intensive, kritische Auseinandersetzung verdien[e]”, was angesichts der von Herbert u.a. herausgearbeiteten, ideologischen Schlagseite des Buches als eigenartige Einschätzung anmuten muß (vgl. Herbert 1995, Steinbach 1996). — Vgl. auch die von Respektbezeigungen durchzogene Rezension des neu-rechten Positionen anverwandten Buches „Die Zentralmacht Europas” von Hans-Peter Schwarz (1994) durch Peter Glotz (1994).Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. etwa die Affäre um die Kontakte des Sprechers des Berliner Innensenats, Hans-Christoph Bon-fert, zum neu-rechten Berliner ,Dienstagsgespräch’, die Kritik an den Kontakten der ,Bundeszentrale für politische Bildung’ und ihres Präsidenten, Günther Reichert, zur neu-rechten Szene (Junge/Naumann/Stark 1997: 152ff. u. 169ff.) sowie den Skandal um die Sympathiebekundungen des Richters am Mannheimer Landgericht, Rainer Orlet, für den Rechtsextremisten Günter Deckert im Sommer 1994 (vgl. Lebert 1994).Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. den Skandal um den Vortrag des Neonazis und Rechtsterroristen Manfred Roeder vor Offizieren der Hamburger Führungsakademie der Bundeswehr im Jahr 1995, der im Winter 1997, zeitgleich zur öffentlichen Diskussion um eine Serie rechtsextremer Vorfälle bei den Streitkräften, bekannt wird (Wette 1997a). — Vgl. auch die Diskussion um die Kontakte des Professors für Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München, Franz W. Seidler, zu rechtsextremen Kreisen (taz vom 04.03.1998 sowie bereits Theweleit 1996) sowie die Berichte über die Autorenschaft hoher Bundeswehr-Offiziere in der neu-rechten und rechtsextremen Presse (,Privatfernsehen’, ARD 12.12.1997, 22.50 Uhr sowie ,Frontal1’, ZDF 16.12.1997, 21.00 Uhr).Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Junge/Naumann/Stark (1997: 132ff).Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. den Skandal um die Auftritte von Karlheinz Weißmann und Hans-Helmuth Knütter als Referenten auf Veranstaltungen der niedersächsischen ,Landeszentrale für politische Bildung’ in den Jahren zwischen 1993 und 1996, die von der niedersächsischen Landesregierung mit dem Hinweis auf die Mitgliedschaft Knütters im Beirat der ,Bundeszentrale für politische Bildung’ sowie dessen Publikationstätigkeit für das Bundesinnenministerium gerechtfertigt wird (FR vom 24.01.1998).Google Scholar
  14. 14.
    Dies das zentrale Ergebnis der Studie des Verfassers zum Strategiediskurs der Neuen Rechten in den 80er Jahren, auf die hier an einigen Stellen verwiesen wird (Schmidt, F. 1993).Google Scholar
  15. 15.
    Greß/Jaschke/Schönekäs (1990:13) heben die Präferenz Frankreichs und der Bundesrepublik hervor, verweisen jedoch darauf, daß auch „in Italien, Belgien und auf der iberischen Halbinsel ... neue rechte Artikulations- und Denkformen in der Entwicklung [sind], die unserem Gegenstand vergleichbar sind”.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. die Darstellung , der neu-rechten Rezeption der biologistischen Theorien von Konrad Lorenz, Irenäus Eibl-Eibesfeld, Arthur R. Jensen und Hans Jürgen Eisenck bei Feit (1987: 146ff), bei der hieran angelehnten Studie von Iris Weber (1997: 25ff.) sowie bereits bei Koelschtzky (1986).Google Scholar
  17. 17.
    Dies gilt etwa auch für die Studie von Susanne Mantino (1994), die dem eigenen, hochgesteckten Anspruch, „den bisher zu diesem Thema recht diffusen Untersuchungen den Versuch einer systematischen Analyse entgegenzustellen” (17), nur unzureichend gerecht wird, da sie auf weite Strecken lediglich vom Ertrag anderer Untersuchungen profitiert, die sie z.T., wie etwa im Fall Margret Feits, eingangs einer vernichtenden Kritik unterzieht (26ff). — Zur differenzierten Kritik an Feit vgl. Schönekäs (1990: 237).Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. auch die Einschätzung bei Schütte (1992: 51). — Zu Begriff und Charakteristik der „Grauzone” vgl. bereits Feit (1987: 12) sowie Seeliger (Hrsg.) (1990).Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. Schönekäs (1990: 299f.). — Zu Person und Weltbild Armin Mohlers vgl. Müller, P. (1989), Schmidt, F. (1993: 32ff), Pfahl-Traughber (1998a: 164ff.) sowie die frühe Auseinandersetzung bei Lenk, K. (1967).Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. Mohlers Standardwerk zur „Konservativen Revolution” von 1950, das bis heute verschiedene Neuauflagen und Überarbeitungen erfahren hat (Mohler 1989b).Google Scholar
  21. 21.
    Zu Aufstieg und Niedergang der NPD vgl. Dudek/Jaschke (1984: 280ff).Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. hierzu Pfahl-Traughber (1991), Schmidt, F. (1993: 54ff.) sowie Minkenberg (1998a: 150ff.).Google Scholar
  23. 23.
    Lothar Baier betont: „Es gibt kein Recht, das die „Neue Rechte” nachdrücklicher verteidigt, als »le droit à la différence«.” (1980: 18); zur neu-rechten Ideologie vgl. auch den Überblick bei Purtscheller/Schiedel (1994: 15ff). — Vgl. ebenso die Selbstdarstellung der deutschen Filiale der ,Nouvelle Droite’, des Kasseler ,Thule-Seminars’ (Krebs, P. 1981: 13ff.) u. hierzu AK Neue Rechte (Hrsg.) (1990) sowie Heller/Maegerle (1995).Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. hierzu Sontheimer (1959 u. 1968), Klemperer (1962), Fritzsche (1976), Lenk, K. (1989: 105ff.), Breuer (1993). — Zur Rezeption der „Konservativen Revolution” durch die Neue Rechte vgl. Assheuer/Sarkowicz (1992: 139ff), Lenk/Meuter/Otten (1997) sowie Pfahl-Traughber (1998a). -Vgl. auch die die affirmativen Darstellungen bei Mohler (1989b) sowie Sieferle (1995).Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. exemplarisch die Ausführungen von Armin Mohler (1990a: 129ff.) und Günter Maschke (zit. b. Herrmann/Hundseder 1992). — Vgl. ebenso die Darstellung bei Pfahl-Traughber (1992: 38 u. 1998a: 35ff). — Dudek/Jaschke (1984) zählen den „Kampf der europäischen Kulturvölker gegen dieGoogle Scholar
  26. bolschewistische Gefahr” zu den zentralen Themen des ,alten’ Rechtsextremismus (28). Im Gegensatz zu den anderen drei genannten Themenkomplexen Reichsidee, NS-Vergangenheit und Umerziehung (27f.) taucht dieser Aspekt in der Tat in neu-rechten Publikationen nur am Rande auf. Vgl. exemplarisch das Manifest von Alain de Benoist (1985). — Vgl. weiterhin die eingehende Darstellung des „Gramscisme de droite” bei Schmidt, F. (1993: 51ff.) sowie die Fortführung und Kritik bei Seferens (1998: 243ff, insbes. 325ff).Google Scholar
  27. 27.
    In Anlehnung hieran konkretisiert Klaus Schönekäs: „Die Erblast des Dritten Reichs schuf eine Doppelmoral der politischen Kultur, in der radikal-rechte Ideologieelemente innerhalb des etablierten Parteienspektrums durchaus artikulierbar sind, eigenständige radikal-rechte politische Organisationen aber in ein subkulturelles Ghetto abgedrängt wurden.” (1990: 311). — Vgl. auch die Studie von Norbert Frei zur Vergangenheitspolitik in den 50er Jahren, die sich Frei zufolge aus den Elementen „Amnestie, Integration und Abgrenzung” konstituierte (1999: 14) sowie bereits Mitscher-lich/Mitscherlich(1967).Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. exemplarisch die Definition von Dudek/Jaschke, die eine ideologiekritische, eine organisationssoziologische und eine interaktionstheoretische Dimension des Begriffes bestimmen (1984 Bd.l: 21ff.) sowie die Überblicke bei Holzer (1993) und Stöss (1994).Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. etwa Backes/Jesse (1989a: 136) und Jaschke (1994:1.5).Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. Opitz (1984); Koelschtzky (1986); Hethey/Kratz (Hrsg.) (1991).Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. etwa Bartsch (1975) sowie insbesondere die Arbeiten von Richard Stöss, dessen Begriffsbestimmung quer zu den übrigen Definitionsansätzen liegt: „Wir unterscheiden zwischen Gruppierungen, die sich an autoritären oder faschistischen Herrschaftsmethoden aus der Weimarer Republik orientieren, und zwischen solchen, die sich um zeitgemäße Lösungswege bemühen, die den durch die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges veränderten nationalen und weltpolitischen Bedingungen angepaßt sind. Erstere bezeichnen wir als »Alten Nationalismus« (oder »Alte Rechte«), letztere als »Neuen Nationalismus« (oder »Neue Rechte«).” (1999: 41). Die Orientierung an der „Konservativen Revolution” ist demzufolge kein Charakteristikum der Neuen Rechten (vgl. bereits ders.1994: 39).Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. Christadler, M.-L. (1983), Kowalsky (1991) et al.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. exemplarisch die Beiträge in Hethey/Kratz (Hrsg.) (1991).Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. Leggewie (1989a), Fischer (1989).Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. insbesondere die Arbeiten von Armin Pfahl-Traughber; der wissenschaftliche Mitarbeiter des Kölner Bundesamtes für Verfassungsschutz’ versucht seit Jahren, eine „trennscharfe” Definition der Neuen Rechten in der wissenschaftlich-publizistischen Debatte durchzusetzen, wobei ihm insbesondere um eine saubere Abgrenzung zum bundesdeutschen Konservatismus zu tun ist. In diesem Sinne definiert er die Neue Rechte zunächst als „intellektuelle Zirkel, die sich an der Konservativen Revolution der Weimarer Republik orientieren” (1993: 28) und verengt diese Definition schließlich weiter auf die Bezugnahme auf die Jungkonservative” Strömung der „Konservativen Revolution” (1998a: 20).Google Scholar
  36. 36.
    Vgl. etwa Schwagerl (1993: 15 u. 102).Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. Speit (1999: 16f), Weber, I. (1997: 10) et al.Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. hierzu etwa Kellershohn (1994b: 27ff.).Google Scholar
  39. 39.
    Vgl. etwa die theoretischen Vorarbeiten Henning Eichbergs, dargestellt bei Bartsch (1975) sowie bei Schönekäs (1990: 227ff.).Google Scholar
  40. 40.
    Vgl. Jaschke (1994: 1.5), Worm (1995: 112ff.), Minkenberg (1998a: 158ff). — Zur wechselseitigen Annäherung zwischen konservativen und neu-rechten Kreisen vgl. insbes. Leggewie (1987a).Google Scholar
  41. 41.
    Vgl. Baumann/Benl (1995: 50). — Minkenberg spricht von einem „Aufeinandertreffen der Ideen von Carl Schmitt auf Geschichtsrevisionismus und Ethnopluralismus” bei der deutschen Neuen Rechten, der dazu führe, „daß sie als ideologischen Kern einen völkischen Nationalismus vertritt, der über den »differentiellen Rassismus« der französischen Neuen Rechten hinausgeht.” (1998a: 162).Google Scholar
  42. 42.
    Baumann/Ben! sprechen in diesem Zusammenhang treffend vom „hegemoniepolitischen Opportunismus” der Neuen Rechten (1995: 55). — Vgl. auch die Unterscheidung der verschiedenen Strömungen im neu-rechten Lager nach den jeweiligen „sozialen Adressaten” bei Schönekäs (1990: 253).Google Scholar
  43. 43.
    Klaus Schönekäs unterstreicht hinsichtlich der deutschen Neuen Rechten die „Unübersichtlichkeit einer Vielzahl von politischen Kleingruppen, Zirkeln, Aktivisten und Zeitschriftenprojekten” und hebt, im Vergleich zur Situation in Frankreich, das Fehlen einer „eindeutig dominierende[n] Organisation” hervor (1990: 236).Google Scholar
  44. 44.
    Zur Anwendung des bewegungstheoretischen Ansatzes auf die Neue Rechte vgl. bereits Benthin (1996) sowie Gessenharter (1998a: 166ff. sowie 1998b: 47ff.).Google Scholar
  45. 45.
    Zu dieser Kontroverse vgl. die Beiträge in Gessenharter/Fröchling (Hrsg.) (1998a).Google Scholar
  46. 46.
    Vgl. auch die Einschätzung von Thomas Assheuer: „Nach seiner Modernisierung nimmt der neue Rechte keinen direkten Bezug mehr auf Faschismus oder Nationalsozialismus, hält aber am Modell des totalen, ständisch gegliederten, neo-aristokratischen »Volksganzen« fest.” (Assheuer/Sarkowicz 1992: 174). — Vgl. ebenso Lange (1993: 21).Google Scholar
  47. 47.
    Zur Interaktion von „rechtsextremer Politik, öffentlicher Reaktion und staatlichem Kontrollhandeln” vgl. Dudek/Jaschke (1984: 30ff.); zu Aufstieg und Verbot der SRP vgl. ebd. (64ff); Frei (1999: 309ff.) sowie Höffken/Sattler (1979: 16ff. u. 62ff).Google Scholar
  48. 48.
    Auch Klaus Schönekäs will in der „Distanz zum »Revisionismus« und Verurteilung des III. Reichs” eine „deutliche Differenz” zwischen der Neuen und der Alten Rechten ausmachen (1990: 304), was dem hohen Stellenwert des Geschichtsrevisionismus in der neu-rechten Strategie nicht gerecht wird (vgl. hierzu die Ausführungen in Kapitel 4.1.2ff).Google Scholar
  49. Vgl. die bereits genannten Arbeiten von Armin Pfahl-Traughber, Uwe Backes, Eckhard Jesse et al. -Richard Stöss verkennt die hiermit verbundenen Intentionen, wenn er die Einschätzung formuliert, daß das Extremismusmodell „nicht den Anspruch [erhebe], Rechts- bzw. Linksextremismus wissenschaftlich zu interpretieren” (1999: 19f.). Ebendies nimmt die ,,politikwissenschaftliche[] Extremismusforschung” für sich in Anspruch (vgl. Pfahl-Traughber 1998a: 9, Backes/Moreau 1994: 9).Google Scholar
  50. 50.
    Zu den „Brücken” nach bzw. von rechts vgl. bereits vorher Assheuer (1989: 95ff), Loreck (1990: 78ff), Greß/Jaschke/Schönekäs (1990: 8 u. 236).Google Scholar
  51. Eine ähnlich optimistische Einschätzung vertritt Wolfgang H. Lorig, demzufolge Neokonservative die demokratischen Institutionen „als (noch) relativ stabil und funktionsfähig beschreiben”, während neu-rechte Intellektuelle diese „bereits ..., wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, in einem Krisenzustand sehen wollen” (1988: 90); zur Kritik an dieser Einschätzung vgl. Minkenberg (1998a: 158).Google Scholar
  52. 52.
    Dieser Befund wird auch von den Vertretern der Extremismustheorie geteilt (vgl. exemplarisch Backes/Moreau 1994: 12).Google Scholar
  53. 53.
    Dudek/Jaschke betonen hinsichtlich des Rechtsextremismus, daß eine „exakte Abgrenzung zu konservativen und neokonservativen Strömungen nicht möglich [ist]. Die ideologischen Übergänge zwischen beiden Bewegungen sind fließend und beide, die gemäßigte wie die radikale, tragen konservative und rechtsextreme Elemente — unabhängig parteipolitischer Differenzierung — in sich.” (1984: 24).Google Scholar
  54. Exemplarisch für diese Entwicklung können der Hohenheimer Sozialphilosoph Günter Rohrmoser und der Publizist und zeitweilige Herausgeber der Buchreihe ,Herderbücherei Initiative’, Gerd-Klaus Kaltenbrunner, gelten (vgl. hierzu Leggewie 1987a: 49ff. u. 178ff, Assheuer/Sarkowicz 1992: 202ff., Schönekäs 1990: 261f.).Google Scholar
  55. 55.
    Dies wird von den Protagonisten der Neuen Rechten durchaus deutlich benannnt: „Da der Begriff der »Rechten« hierzulande wegen historischer Reminiszenzen, die keiner weiteren Erläuterung bedürfen, verpönt ist, muß das politische In-Erscheinung-Treten dieser Gruppierung unter der Flagge des weit weniger belasteten Begriffs des Konservativismus durchaus als Camouflage verstanden werden.” (Knörzer 1993: 283).Google Scholar
  56. 56.
    Zur ,,universalistisch-anthropologische[n] Interpretation” des Konservatismus vgl. Lenk, K. (1989: 14f).Google Scholar
  57. 57.
    Vgl. hierzu die Darstellung bei Stöss (1989: 19f.)Google Scholar
  58. Michael Minkenberg weist in seiner Studie zur zeitgenössischen Rechten in USA, Frankreich und Deutschland explizit daraufhin, daß „(inzwischen) rechtsradikale Einstellungen durchaus mit einer (prinzipiellen) Bejahung der Demokratie als Ordnungsform einhergehen können” (1998a: 204). -Auf den hohen Stellenwert des Antipluralismus im neu-rechten Weltbild hat frühzeitig Wolfgang Gessenharter (1989) aufmerksam gemacht.Google Scholar
  59. 59.
    Saages Konservatismusbegriff stellt eine Synthese aus den Erklärungsansätzen Martin Greiffenha-gens (1971) und Helga Grebings (1971) dar: Betont Greiffenhagen die „irrationale Rationalität” des Konservatismus, der vom Boden der Aufklärung aus gegen diese argumentiere, so legt Grebing das Gewicht auf „die den historischen Prozeß der Demokratisierung bekämpfende Gegenbewegung” (Saage 1987b: 202).Google Scholar
  60. 60.
    Richard Stöss bringt dieses Verhältnis auf den Punkt, wenn er schreibt: „Die Botschaft der Neuen Rechten gewinnt nur dann Bedeutung, wenn sie durch die Alte Rechte oder den Konservatismus popularisiert wird.” (1994: 40).Google Scholar
  61. 61.
    Vgl. exemplarisch Reinecke (1995) u. Stöss (1997); zu letzterem vgl. auch die Erwiderungen von Maul (1997) u. Schmidt, F. (1997).Google Scholar
  62. 62.
    Vgl. zahlreiche Veröffentlichungen aus dem Antifa-Bereich, so etwa: ID-Archiv im ISSG (Hrsg.) (1992) sowie Antifaschistisches Broschürenkollektiv (Hrsg.) (1993/94).Google Scholar
  63. 63.
    Vgl. die Verfassungsschutzberichte von Bund und Ländern sowie Mecklenburg (Hrsg.) (1996).Google Scholar
  64. 64.
    Von Verboten betroffen sind in dieser Zeit die Nationalistische Front’ (NF; November 1992), die ,Deutsche Alternative’ (DA; November 1992), die ,Nationale Offensive’ (NO; Dezember 1992), der Rationale Block’ (NB; Juni 1993), der ,Freundeskreis Freiheit für Deutschland’ (FFD; September 1993), die ,Wiking Jugend’ (WJ; November 1994); später kommen noch die ,Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei’ (FAP; Februar 1995) sowie die Rationale Liste’ (NL; Februar 1995) hinzu (vgl. Mecklenburg (Hrsg.) 1996: 950ff.).Google Scholar
  65. 65.
    Zur „Konserverativen Revolution” und ihrer neu-rechten Rezeption vgl. die oben angeführten Verweise.Google Scholar
  66. 66.
    Gessenharter/Fröchling zufolge bilden die „apodiktischen politischen Postulate]]” des Staatsrechtlers den „Kernbestand neurechten Denkens” (1995: 280). — Zur Bedeutung Schmitts für die Neue Rechte vgl. auch Assheuer/Sarkowicz (1992: 156ff.), Lenk/Meuter/Otten (1997: 83ff.), Pfahl-Traughber (1998a). — Vgl. auch die Darstellung der Prägung Armin Mohlers durch Schmitt bei van Laak(1993:256ff).Google Scholar
  67. 67.
    Vgl. hierzu etwa Lenk, K. (1996), Meuter (1996) et al.Google Scholar
  68. 68.
    Gegen Ende des Untersuchungszeitraumes, zu Anfang des Jahres 1994, stellt Criticôn, parallel zum wöchentlichen Erscheinen der Jungen Freiheit’, auf vierteljährliche Erscheinungsweise um (vgl. hierzu die Ausführungen in Kapitel 4.4.2).Google Scholar
  69. 69.
    Armin Pfahl-Traughber verortet Criticón zwar im genannten „Brückenspektrum” und konzediert, daß die Zeitschrift ein „wichtiges Forum” für neu-rechte Positionen darstellt, kann sich aber aufgrund seiner eng gefaßten Definition der Neuen Rechten (als Teil des rechtsextremen Lagers) nicht dazu durchringen, das Blatt eindeutig dieser Strömung zuzuordnen (1998b: 206). Das hierbei angeführte Argument, daß in Criticôn auch „Vertreter des demokratischen Konservatismus” publizierten, zu denen Pfahl-Traughber Autoren wie Klaus Hornung oder Günter Rohrmoser zählt (ebd.), deren Demokratieverständnis zumindest fragwürdig erscheint, belegt freilich eher die Reichweite des neurechten Projektes bis weit in das konservative Lager hinein und ist mitnichten ein Beweis für eine Distanz der Zeitschrift zum Rechtsextremismus.Google Scholar
  70. 70.
    Criticôn wird die Funktion eines „ideologischen Leitorgans” (Dietzsch 1988: 65) bei der Annäherung zwischen Konservativen und der Neuen Rechten in den 80er Jahren zugeschrieben; vgl. hierzu auch bereits die Ausführungen bei Klönne (1984: 8) und Feit (1987: 66). — Zu Entwicklung, Profil und Autorenkreis der Zeitschrift vgl. Schmidt, F. (1993: 17ff. u. 72ff).Google Scholar
  71. 71.
    Der BASF- und WMF-Großaktionär und Publizist Caspar von Schrenck-Notzing wird in den 60er Jahren durch seine polemische Kritik an der von der amerikanischen Besatzungsmacht praktizierten Politik der Reeducation in Deutschland nach 1945 bekannt (Schrenck-Notzing 1965), die im gesamten rechten Lager der Bundesrepublik für Aufsehen sorgt. Schrenck-Notzings Apologie des Buches erscheint sowohl im CSU-Organ ,Bayern-Kurier’ wie auch, mit Zustimmung der BK-Redaktion, in der rechtsextremen Zeitschrift ,Nation Europa’ (vgl. die redaktionelle Vorbemerkung zu Schrenck-Notzing 1966). — Zu Person und Werdegang Armin Mohlers vgl. Pfahl-Traughber (1998a: 164ff.) sowie bereits Müller, P. (1989) sowie Schmidt, F. (1993: 32ff).Google Scholar
  72. 72.
    Sohn wird 1991 in Criticôn wie folgt vorgestellt „... geboren 1961 in Berlin, Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Berlin, 1987–1989 Landesvorsitzender der Jungen Union Berlin, 1986–1988 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, 1989–1990 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, seit 1990 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Demoskopie Allensbach (Bonner Büro).” (Sohn 1991b: 177, biographische Angaben). — Zu Weißmann vgl. u.a. Gessenharter (1995), Pfahl-Traughber (1998a: 173ff.) sowie Schäfer (1999: 130ff.); zu Hornung vgl. AStA der Universität Freiburg u.a. (1987).Google Scholar
  73. 73.
    Fast alle der genannten Autoren publizieren ebenso in der neu-rechten ,Jungen Freiheit’, ein Teil von ihnen gehört auch zu den Beiträgern von ausgewiesenen, rechtsextremen Blättern, so etwa der ältesten Zeitschrift des bundesdeutschen Rechtsextremismus, ,Nation und Europa’ (vormals ,Nation Europa’).Google Scholar
  74. 74.
    Zur JF vgl. die Beiträge in Kellershohn (Hrsg.) (1994a), zu den vielseitigen Bezügen zwischen JF und Criticön vgl. dort insbes. Maegerle (1994a: 117ff). — Zu der in Graz erscheinenden ,Aula’ vgl. Gärtner (1996; zu den Bezügen zwischen der Zeitschrift und Criticön vgl. insbes. 293f.); vgl. auch die Vorstellung der Zeitschrift durch den Criticön-Herausgeber in der Tagezeitung ,Die Welt’ (Schrenck-Notzing 1987c).Google Scholar
  75. 75.
    Criticón entspricht in dieser Funktion exakt Uwe Worms Beschreibung der Neuen Rechten als einer „Erneuerungsbewegung der alten Rechten, die auf diese zurückwirkt und ihr wieder Auftrieb verschafft” (1995: 40).Google Scholar
  76. 76.
    Frühe Auseinandersetzungen mit der Zeitschrift erfolgten aus dezidiert antifaschistischer Perspektive, so bei Elm (1976), Schaefer (1985), Feit (1987: 62ff.). — Weiterhin hat die Vorstellung der Zeitschrift einen festen Platz in Publikationen zur Presse und Ideologie der Neuen Rechten, so etwa bei Dietzsch (1988: 65ff.), Assheuer/Sarkowicz (1992: 67f.), Schönekäs (1990: 320), Pfahl-Traughber (1992: 43f.), Lange (1993: 62f), Linke (1994: 81f.), Pfahl-Traughber (1994: 169ff.), Worm (1995: 87ff). — Über die Kurzdarstellung hinaus gehen Schmidt, F. (1993), Maegerle (1994a), Coenen (1997) sowie Pfahl-Traughber (1998a: 202ff.).Google Scholar
  77. 77.
    Vgl. Lange (1993: 62f.) sowie Worm (1995: 88); Pfahl-Traughber (1994: 170, 1998a: 205) sowie die Berichterstattung in der taz (Becker 1994).Google Scholar
  78. 78.
    Dieser Ansatz verdankt sich im wesentlichen dem publizistischen Selbstverständnis des Herausgebers, Caspar von Schrenck-Notzing, der Richtungskämpfe in dem Blatt tunlichst zu vermeiden sucht und sich, diesem Prinzip folgend, gelegentlich auch selbst zurücknimmt. So schreibt er: „Ein Herausgeber ist kein herausgehobener Mitarbeiter, ist nicht Solist, sondern Dirigent. Sein Werk entsteht aus den Artikeln anderer.” (1992c: 82). — Diese Linie bekräftigt Schrenck-Notzing auch im Interview mit dem Verfasser (1992i). — Zum „ideologisch eingeschränkt pluralistisch[en]” Charakter des Blattes vgl. auch die Darstellung bei Pfahl-Traughber (1998a: 202 u. 206).Google Scholar
  79. 79.
    Vgl. hierzu die Arbeiten von Jürgen Link, Utz Maas et al. sowie die hieran angelehnten Arbeiten des ,Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung’ (DISS), denen die vorliegende Untersuchung wertvolle Anstöße verdankt.Google Scholar
  80. 80.
    So auch Caspar von Schrenck-Notzing im Interview mit dem Verfasser (1992i).Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2001

Authors and Affiliations

  • Friedemann Schmidt

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