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Geigers Arbeiten zur Eugenik

  • Thomas Meyer
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Zusammenfassung

Dem Themengebiet der Eugenik, zu dem Geiger zu Beginn der 30er Jahre fünf Zeitschriftenpublikationen und zwei Monographien — einerseits das im November 1933 im Enke Verlag herausgegebene Buch Erbpflege. Grundlagen, Planung, Grenzen und andererseits die in der dänischen Emigration verfaßte Studie Samfund og Arvelighed257 — vorlegt, gebührt aus mehreren Gründen eine genauere Betrachtung. Zunächst dokumentiert es einen der seltenen Versuche, sich mit Fragen der Eugenik aus einer dezidiert sozialwissenschaftlichen Perspektive auseinanderzusetzen.258 Ferner erlaubt das Themengebiet, wissenschaftsbiographisch aufschlußreiche Erkenntnisse über Geigers Einstellung und Verhalten zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaftsära zu gewinnen. Außerdem eignet es sich hervorragend, um einige der paradigmatischen Grundüberzeugungen und Vorentscheidungen, die der Geigerschen Soziologie insgesamt zugrunde liegen, hervortreten zu lassen. Damit ist auch schon angedeutet, daß ich dafür plädiere, dieses Themengebiet nicht als erratisehen Block, sondern als stimmiges Komplement der Denkweise Geigers zu betrachten.

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Literatur

  1. 257.
    Der übersetzte Titel dieser 1935 in Kopenhagen erschienen Monographie heißt: Gesellschaft und Vererbung. Eine Soziologische Untersuchung.Google Scholar
  2. 258.
    Angeregt durch Diskussionen mit dem Biologen O. Pfungst zeigt sich Geiger schon recht früh an biologisch-soziologischen Grenzfragen interessiert. Die Beschäftigung mit dem tierischen Gemeinschaftsleben läßt ihn davor warnen, unüberwindliche Scheidewände zwischen den Welten der Menschen und der Tiere aufzurichten (193 lj, 283). 259 Kritische Erwähnung findet in diesem Zusammenhang auch die gegen den Intellektualismus gerichtete “Verherrlichung körperlicher Vorzüge” (1933, 43).Google Scholar
  3. 260.
    Hinzu kommt, daß die durch gesteigerte Funktionenteilung und Leistungsmöglichkeiten gekennzeichnete Gesellschaft einer anlagemäßig stark “polymorphen Bevölkerung” (1933, 30) mit vielfältigen und sehr widersprüchlichen “Charakteren und Sonderanlagen” (1933a, 42) bedarf. Geiger gibt deshalb zu bedenken, ob nicht “bestimmte vom psychiatrischen Standpunkt aus ‘krankhafte’ oder doch abnorme Typen geradezu züchterisch bevorzugt werden müßten” (1933, 28). Geigers Skepsis gegenüber Rassenzüchtungsutopien zeigt sich auch dann, wenn er mit Bezug auf den später geisteskranken Nietzsche schreibt: “Ist es Tücke der Geschichte, daß der große Urheber des Übermensch-Gedankens im erbbiologischen Sinn ein Untermensch war?” (1934, 76)Google Scholar
  4. 261.
    So wundert es nicht, daß der von dem völkischen Rassenhygieniker Bernhard Bavink behaupteten ‘Minderwertigkeit’ der Unterschichten von dem gegenüber jeglicher Massenverurteilung sensiblen Geiger widersprochen wird. Der von einer individualitätsfeindlichen, organischen Ethik getragene “monomanische Biologismus” (1935a) Bernhard Bavinks ist ihm Zeugnis einer gegen die Sozialpolitik gerichteten politisch-weltanschaulich befangenen Polemik jenseits der Wissenschaft (1934, 19f., 66f).Google Scholar
  5. 262.
    Geiger unterscheidet in Anlehnung an den Sozialpsychologen Gustav Ichheiser Leistungsqualitäten von bloßen Erfolgsqualitäten, welche die gängigen Leistungsideologien unterlaufen: “Die soziale Einschätzung des Menschen hängt leider nicht allein von seiner Leistungsehrlichkeit ab, sondern in oft höherem Grade von erfolgsfördernden Eigenschaften anderer Art. Die Fähigkeit Beziehungen auszunützen, kräftige Ellenbogen, Sinn für geschickte Mache und ‘mise en scene’, beharrliche Aufdringlichkeit, das sind Eigenschaften, die oft mehr nützen als still und bescheiden vollbrachte Leistung. (...) Wer aber von unten kommen will, setzt sich ohne zusätzliche Erfolgsqualitäten mit bloßer überlegener Leistung nur selten durch. Gerade der Emporkömmling — darum hat ja das Wort den peinlichen Beigeschmack — mag wirklich die Genossen seiner sozialen Ausgangslage an Intellekt überragen, er überragt sie aber noch sicherer durch Strebertum, Skrupellosigkeit, Intrigentalent. Jedenfalls wird von zwei gleichen Begabungen gleicher Ausgangslage, die mit zusätzlichen Erfolgsqualitäten ausgestattete viel leichter aufsteigen als der leistungsehrliche Arbeiter. Ja, es kann durchaus sein, daß der geschickte Blender, die ‘Radfahrernatur’, sogar ohne nennenswertes sachliches Können das Rennen macht” (EP, 64).Google Scholar
  6. 263.
    Gleiches gilt für die kulturkritisch aufgeladenen Degenerationsthesen, die in der industriellen Zivilisation die Ursache für eine Verschlechterung des Erbgutes sieht. Geiger schreibt hierzu: “Moralisch zeigt sich die Bevölkerung ungeheuren Belastungsproben gewachsen (Großstadtleben, Industriearbeit, Grabenkrieg usw.); die physischen Durchschnittsleistungen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber den scharfen Beanspruchungen des modernen Alltags deuten auf einen sehr hohen physischen Wert und ungewöhnliche Nervendisziplin” (1933a, 41 f.).Google Scholar
  7. 264.
    Gemeint sind in der Regel erblich Geisteskranke, aber auch (erblich belastete) Alkoholiker und Kriminelle finden Erwähnung.Google Scholar
  8. 265.
    Aber auch die von Klaus Rodax (1991, 131) als Charakteristikum der Geigerschen Soziologie der Weimarer Jahre hervorgehobene “‘Parteinahme’ für die sozial Schwachen” läßt sich vor dem Hintergrund der Eugenik-Schriften nicht aufrechterhalten.Google Scholar
  9. 266.
    Während sich anfangs die Diskussion um Ehegesundheitszeugnis, Eheberatung und Abortion rankte, rückte im Lauf der 20er Jahre zusehends die Sterilisationsfrage ins Zentrum.Google Scholar
  10. 267.
    Wobei ungeachtet aller ethischen Bedenken das damalige vererbungstheoretische Wissen solche gravierenden Eingriffe kaum rechtfertigte. In den 20er Jahren gab es verschiedene Sterilisationsinitiativen seitens der SPD-gefuhrten Regierungen in Sachsen und Thüringen sowie der SPD Reichstagsfraktion, die aber über eine freiwillige Sterilisation nicht hinausgingen. Sterilisierungen gegen den Willen der Betroffenen gab es allerdings während der Weimarer Republik — ganz ähnlich wie in den USA — in psychiatrischen Anstalten (Schmuhl 1991).Google Scholar
  11. 268.
    Eventuell stand Geiger hier mit seinem Braunschweiger akademischen Kollegen und SPD-Landtagsabgeordneten Gerhard von Frankenberg im Austausch, der sich schon seit Ende der 20er Jahre für die Zwangssterilisation ‘Erbminderwertiger’ einsetzte (Schwartz 1997, 51).Google Scholar
  12. 269.
    Mit dem Postulat, die rationale Einsicht zu erhöhen, wird auf eine Denkfigur abgehoben, die sich, wie noch zu zeigen sein wird, leitmotivisch vor allem in Geigers später formuliertem Programm des Intellektuellen Humanismus wiederfindet.Google Scholar
  13. 270.
    Allerdings sind hier einige Unstimmigkeiten zu registrieren; nur einige Seiten vorher polemisiert Geiger noch gegen den nationalsozialistischen Juristen Graf Gleispach, den er wegen seines “heroischen Kollektivismus, der sich gegen das Ideal der freien Persönlichkeit auflehnt” , angreift (1933a, 36). In einem ähnlichen Sinn prangert er an anderer Stelle die organizistische Ganzheitsmystik der Eugenik und deren implizite Abwertung des Individuums an (1934, 19f).Google Scholar
  14. 271.
    Beunruhigungen über angeblich zunehmende Geisteskrankheiten (und Selbstmorde) riefen seit dem Kaiserreich Bedrohungsgefühle hervor. Hinzu kommt der für die eugenische Debatte wichtige Befund sozial unausgeglichener Geburtenquoten. Geiger urteilt hierzu: “Wenn aber Erbkranke sich dauernd erheblich stärker fortpflanzen als der Durchschnitt der Gesunden, müssen sie allmählich überwuchern. Was wird in 200 Jahren sein, wenn Schwachsinnige, Geisteskranke, Epileptiker durch sieben Generationen hin in jeder einzelnen pro Kopf mehr Nachkommen zeugen und gebären als der Durchschnitt der Gesunden? Sie werden zur Lawine, deren Masse, so klein sie heute noch ist, im geometrischen Verhältnis wächst und am Ende das gesunde Erbgut unter sich begräbt” (1934, 6).Google Scholar
  15. 272.
    Ein von Selbstkritik ungetrübtes Bewußtsein zeigt sich bei Geiger, wenn er nicht nur die Unvereinbarkeit der Sterilisierungspolitik mit der christlichen Ideenbasis leugnet, sondern umgekehrt schreibt: “Die Sterilisierung Minderwertiger ist geradezu jene Maßnahme, die es der Gesellschaft auf die Dauer allein ermöglicht, auch dem Minderwertigen und Anrüchigen die christliche Liebe in vollem Umfang angedei-hen zu lassen” (1933, 46).Google Scholar
  16. 273.
    Dies ist auch schon daran schlagend ersichtlich, daß Geiger diesen Arbeitsschwerpunkt auch noch, wie gesagt, im dänischen Exil fortsetzt. Mit der Studie Samfund og Arvelighed (1935) beteiligte er sich an der Eugenik-Debatte Dänemarks, wo 1929 durch eine sozialdemokratisch-bürgerliche Koalitionsregierung Sterilisationsgesetze für Behinderte und sozial Auffällige verabschiedet worden waren.Google Scholar
  17. 274.
    Siehe hierzu: Geiger 1933c; 1933 UNGoogle Scholar
  18. 275.
    Die Affinität zwischen Sozialismus und Eugenik ist keinesfalls auf die SPD und auf Deutschland beschränkt. Ähnliche Zusammenhänge lassen sich für die KPD und die KPDSU, aber auch für die angelsächsischen Länder nachweisen. Der ideologische Zusammenhang zwischen Sozialismus und Eugenik ist durch die Aufdeckung von mehr als 60000 Zwangsterilisierungen im sozialdemokratischen Schweden zwischen den 30er und 70er Jahren im Sommer 1997 auch einer größeren Öffentlichkeit in Deutschland bekannt geworden (Frankfurter Rundschau vom 27.8. 97 und Die Zeit vom 5.9. 1997). Als Vordenker der staatlich abgesegneten Kollektivdelikte traten vor allem das sozialdemokratische Intellektuellenpaar Alva und Gunnar Myrdal mit ihrer Schrift Kris i befolkningsfragan (1934) in Erscheinung. Inzwischen wurde bekannt, daß es auch in Dänemark, Norwegen, Finnland und der Schweiz während und nach dem Zweiten Weltkrieg Programme zur Zwangssterilisierung zehntausender Behinderter gab. Nach Schätzungen der Bundesregierung wurden in Deutschland bis Anfang der 90er Jahre bei ca. 1000 Behinderten pro Jahr diese Eingriffe vollzogen (Frankfurter Rundschau vom 29. 8. 97).Google Scholar
  19. 276.
    Vorzüglich hierzu und mit vielen Detailinformationen: Michael Schwartz (1995), der mit der Veröffentlichung seiner Dissertation zu einem der Hauptexperten in Sachen Sozialistischer Eugenik der Weimarer Jahre avancierte. Siehe auch: Schwartz (1989; 1994).Google Scholar
  20. 277.
    Als prominente, politisch linke Eugeniker sind weiterhin etwa noch der Parteitheoretiker Eduard Davik, der SPD-Reichstagsabgeordnete Alfred Grotjahn, der Soziologe, Gewerkschafter und spätere Nationalsozialist Karl Valentin Müller, der Sozialbiologe Rudolf Goldscheid sowie die Neue Zeit-Mitarbeiterin Oda Olberg zu erwähnen.Google Scholar
  21. 278.
    Es paßt ins Bild, daß sich Alfred Ploetz und Wilhelm Schallmeyer als Begründer der deutschen Eugenik in erster Linie als Wissenschaftler verstanden, die sich aus ‘sachlogischen’ Motiven dem Sozialismus näherten (Schwartz 1989, 483). Grundsätzlich läßt sich sagen: Wissenschaft und Sozialismus gehören zueinander. Bei den Anhängern des Sozialismus dominierte der Glaube, daß der schließliche Triumph des Sozialismus auch der schließliche Triumph der Wissenschaft sein werde.Google Scholar
  22. 279.
    Eine Positionierung, die sich in der expliziten Kritik Geigers an Bernhard Bavink widerspiegelt. Dieser repräsentierte innerhalb des eugenischen Spektrums den völkisch-reaktionären Flügel (vgl. hierzu Schwartz 1993). Bavink steht für eine gegen die Sozialdemokratie und den Erhalt sozialpolitischer Maßnahmen gewandte Eugenik mit vehement anti-modernistischem Gehalt, die mit Geigers Auffassungen heftigst kollidierte. Seine rassistische, an den wissenschaftlichen Grundlagen der Rassenhygiene gänzlich uninteressierte Position stand antipodisch zu der von Geiger. Eine Konfliktlinie, die sich noch in einem privaten Brief Geigers (1935a aus Kopenhagen vom 30.5.1935 an Bavink verfolgen läßt, in dem Geiger auf seiner in der Erbpflege (1934) geäußerten Kritik beharrt.Google Scholar
  23. 280.
    Laut der Auskunft einer ehemaligen studentischen Hilfskraft (Müller 1995, 386) war Geiger beim Nationalsozialistischen Studentenbund als “Erzsozialist” und “Kommunist” verschrien und eine Zielscheibe ihrer Agitation (siehe hierzu auch: Sandfuchs 1995, 378).Google Scholar
  24. 281.
    Die zunehmende Unüberschaubarkeit der Verhältnisse im Zeitalter fortschreitender Interdependenz läßt Geiger später nachdrücklich für ein Primat des begrifflich-abstrakten gegenüber dem sinnlichen Denken plädieren (1952a, 70f).Google Scholar
  25. 282.
    Um so überraschter ist man, wenn Siegfried Bachmann (1995,38) diesen Text ohne weitere Anmerkungen ausschließlich heranzieht, um in einer mehr als verzerrenden Lesart Geiger als kritischen Tatsachenwissenschaftler vorzuführen. Man kommt kaum umhin Bachmann, der sich durch den Aufbau des Theodor Geiger-Archivs an der Technischen Universität Braunschweig und vor allem durch seine biographischen Recherchen Verdienste in der Geiger-Forschung erworben hat, den Vorwurf der bewußten Irreführung zu machen.Google Scholar
  26. 283.
    Die mit großem D zu schreibende Deutsche Soziologie, umfaßt des weiteren methodologisch und weltanschaulich so disparate Soziologen wie Othmar Spann, Carl Brinkmann und Rudolf Heberle. Es geht dabei um die Bezeichnung einer Richtung innerhalb der deutschsprachigen Soziologie, die alles andere als eine Theorie-Einheit darstellt (vgl. Rammstedt 1986; und kritisch dazu: Klingemann 1987). Diese ist natürlich nicht mit der im ersten Teil meiner Arbeit hervorgehobenen frühen deutschen Soziologie zu verwechseln, wo es mir auf einige nationalspezifisch-ideenhistorischen Prägungen ankam.Google Scholar
  27. 284.
    Aus der Sicht der gegenwärtigen Fachgeschichtsschreibung (Klingemann 1996) muß man zudem bestätigen, daß Geiger sicherlich nicht ganz falsch lag, wenn er die mit dem Nationalsozialismus verbesserten Möglichkeiten einer Konkretisierung seines empirisch-problembezogenen Wissenschaftsprogramms in Rechnung stellte. So auch das Urteil Leopold von Wieses 1934 im letzten Heft der Kölner Vierteljahreshefte für Soziologie: Jetzt, heißt es, “wäre gerade auch in Deutschland die Zeit für eine kraftvoll wirkende realistische Gesellschaftslehre gekommen” (1933/34, 228).Google Scholar
  28. 285.
    Dies ist im Prinzip der Kerngedanke, jener Vision einer intellektualisierten Gesellschaft, die Geiger gegen Ende seines Lebens formuliert. Dies wird noch ausführlicher zu behandeln sein.Google Scholar
  29. 286.
    Bekanntlich nahm der Volksbegriff seit der Romantik eine Bedeutung an, die sich dezidiert gegen das Gesellschaftsdenken der Aufklärung wandte und den Charakter einer mystizierten Totalität erhielt.Google Scholar
  30. 287.
    Geiger sagt lediglich ohne weitere Erläuterung, daß er “Volkssoziologie” nicht ganz im Sinne von Max Rumpf versteht.Google Scholar
  31. 288.
    Passend zu diesem Kurs kündigte Geiger für das Sommersemester 1933 ein — schlußendlich nicht mehr realisiertes — Seminar mit dem Titel “Biosoziologie des deutschen Volkes” an (Bei der Wieden 1996, 132).Google Scholar
  32. 289.
    Hierauf muß sich wohl auch das nicht weiter ausgeführte Diktum von Heinz Maus (1959, 75) beziehen, daß Geiger “mit diesem und jenem” im Nationalsozialismus übereinstimmte. Wahrscheinlich waren aber auch Maus die Spezifika sozialistischer Eugenik nicht bekannt, so daß er die eugenischen Radikalismen Geigers nur im Kontext rechten Denkens zu verorten wußte.Google Scholar
  33. 290.
    Da im Vorwort das Sterilisationsgesetz vom 14.7.1933 Erwähnung findet, läßt sich der Zeitpunkt, zu dem es verfaßt worden ist, relativ scharf fassen.Google Scholar
  34. 291.
    Einige Wochen später, Ende September, zu einen Zeitpunkt, als seine Entlassung und damit auch das Scheitern seines Kollaborationskurses amtlich waren, schreibt er: “Offenbar war ich so wenig up to date, daß ich noch gar nicht gemerkt habe, was geht und was nicht” (1933c, 203).Google Scholar
  35. 292.
    Zwei Wochen nach dem Bescheid über seine Entlassung vom 20.9.33 und dem Einspruch Geigers verwandte sich dann in einem letzten Versuch sein Bruder, Hauptmann Franz Geiger, beim Reichsstatthalter in Braunschweig — allerdings ohne irgend etwas ausrichten zu können. Die schriftlich dokumentierte Kritik des Nationalsozialismus, seine langjährige Mitgliedschaft in der SPD und sein Widerstand gegen die völkische Umstellung der Hochschule in Braunschweig — so die offizielle Begründung — wurden ihm zum Verhängnis (Bachmann 1995, 44f).Google Scholar
  36. 293.
    Zur Herausgeberschaft ist er nach eigenen Angaben gekommen “wie die Jungfer zum Kind” (1933c, 201).Google Scholar
  37. 294.
    Der spätere Radikalnationalsozialist Walther konnte sich als Verfasser einer — auch von Geiger (1933/34, 307) — hochgelobten Arbeit zur damals streng empirischen Soziologie in den USA und als Protagonist einer am amerikanischen Vorbild orientierten Wissenschaft der Sympathie Geigers sicher sein. Vgl. hierzu auch Geigers Besprechung von Walthers “Völkersoziologie” , in der er die empirisch-konkrete, auf den exakten Grundlagen statistischer Verfahren beruhende Zugriffsweise rühmt (1933R, 512).Google Scholar
  38. 295.
    Noch 1930 wandte sich Geiger mit der für ihn üblichen Schärfe gegen die “Pflege einer romantischen Volkseinheit” und benutzte ausschließlich den in der Soziologie gebräuchlichen Gesellschaftsbegriff (1930a, 338).Google Scholar
  39. 296.
    Wie richtig Geiger mit seiner Einschätzung lag, sieht man daran, daß diese 1977, nach ihrer Erstveröffentlichung bei Vandenhoeck und Ruprecht (Band 26 der Kritischen Studien zur Geschichtswissenschaft) rasch zu den Klassikern der Angestelltensoziologie avancierte.Google Scholar
  40. 297.
    Schon 1931, in einer Rezension von Günter Gründeis Menschheit der Zukunft, wendet sich Geiger nicht nur gegen die biologistische Überbetonung der Lehre von der Erblichkeit geistiger Anlagen, sondern vor allem auch gegen den “neu-völkischen und alt-Gobineauschen Rassewahn” (193lo, 135).Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2001

Authors and Affiliations

  • Thomas Meyer

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