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Einleitung, Fragestellung, Vorgehensweise

  • Thomas Meyer
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Zusammenfassung

Klassiker werden gemacht! Bezieht man sich als Indikator für die Bedeutung in der scientific community auf die Häufigkeit der Zitation, kann Theodor Geiger kaum als Klassiker verbucht werden — ein Befund, der durch den gerade im Vergleich zu den gängigen Klassikern evidenten Mangel an — fast an zwei Händen abzählbaren — einschlägigen Monographien, Habilitationen und Dissertationen seine Bestätigung findet.

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Literatur

  1. 2.
    Unter dem sozialdemokratischen Volksbildungsminister Hans Sievers erfolgte im Zuge der Institutionalisierung der Lehrerausbildung an der TH Braunschweig ab 1927 der Ausbau der kulturwissenschaftlichen Abteilung. Dabei verfolgte Sievers eine resolute, “demokratisierende” Personalstrategie, so daß sich unter den Neuberufenen neben Geiger noch acht weitere SPD-Mitglieder befanden (Bei der Wieden 1996, 86ff).Google Scholar
  2. 3.
    Hintergrund für die Aufnahme Geigers war die Tatsache — wie Dirk Käsler (1997, 31) berichtet -, daß Renate Mayntz in ihrer Einleitung zu einer übersetzten Sammlung von Geiger-Texten mit dem Titel On Social Order and Mass Society (1969) diesen als “Pionier” der Schichtungssoziologie vorstellt. Dabei ging es Käsler vor allem darum, eine wenig beachtete deutsche Tradition neben die international unbestrittenen ‘Großklassiker’ Karl Marx, Emile Durkheim, Herbert Spencer, George Herbert Mead, Max Weber und Karl Mannheim zu stellen.Google Scholar
  3. 4.
    Dagegen fehlt in Hermann Kortes mittlerweile in der 3. Auflage erschienenen und durchaus instruktiven Einführung in die Geschichte der Soziologie, (1. Aufl. 1992) jede Würdigung Geigers. Leopold von Wiese, Alfred Weber und Hans Freyer erhalten dagegen als Protagonisten des geistesaristokratischen Mandarinentums ihren gewohnt breiten Raum.Google Scholar
  4. 7.
    So etwa Wolfram Burisch (1995, 73f), der von einem durch das Exil ausgelösten dramatisch veränderten Gesellschaftsbild Geigers spricht. Ähnlich liegen die Einschätzungen bei Reinmar Cunis (1963, 714) und Horst Knospe (1959). Auch René König (1971, 116f.) spricht davon, daß Geiger in der Emigration den “Weg von der Phänomenologie zum Empirismus” gegangen sei.Google Scholar
  5. 8.
    Daß Webers Soziologie Geigers Arbeiten beeinflußt hat, steht indes auch für mich außer Frage. Geiger lobt Weber immer wieder in höchsten Tönen, so etwa seine “exzellente” Religionssoziologie (SOC, §29, 206, Fn. 106) oder “ausgezeichnete” (SOC, §18, 253, Fn. 6) Arbeit über Politik als Beruf (siehe auch 1932/33b, 205; 1955, 439). Dies tut aber den noch aufzuzeigenden und in mancherlei Hinsicht gravierenden Divergenzen zwischen beiden Denkern keinen Abbruch.Google Scholar
  6. 9.
    René König (1984) benennt ansonsten nur noch den damals ebenfalls peripheren Norbert Elias sowie den sehr viel prominenteren Karl Mannheim. Diese Einschätzung modifiziert somit die in der klassischen Studie von Ringer (1987) vertretene pauschale Zuordnung der Soziologie ins eher “modernistische Lager” . Ich folge der Sicht der neueren Soziologiegeschichtsschreibung (vgl. insbes. Käsler 1984a; Wagner 1990, 226–258), wonach insbesondere das spezifisch besitz- oder bildungsbürgerliche Herkunfts- bzw. Eigenmilieu der Soziologie eine stärkere Identifikation mit der sich modernisierenden Gesellschaft verhinderte.Google Scholar
  7. 10.
    Auch Karl Mannheim wurde gelegentlich als “Wortführer einer modernistischen Soziologie” beschrieben (Kettler/Meja/Stehr 1990; Ringer 1987, 376). Dieser fällt freilich in seiner diesbezüglichen Radikalität in vielen seiner Auffassungen — wie noch herauszuarbeiten sein wird — weit hinter Geiger zurück. Ich folge eher Sven Papcke (1986, 175), der — wenngleich unter sträflicher Ausklammerung Geigers — mit Recht hervorhebt, daß lediglich Außenseiter der Sozialwissenschaften wie Emil Lederer, Adolf Low und Eduard Heimann — welche sich im übrigen alle, wie Geiger auch, durch ihre gemeinsame Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie auszeichneten — zur kleinen Gruppe der “radikalen Modernisten” gezählt werden können.Google Scholar
  8. 11.
    Kurt Sontheimer (1994) moniert in seiner Kritik zu Friedrich Lengers vielfach gerühmter Sombart-Biographie völlig zu Recht, daß es seltsam anmutet, wenn ein moderner Soziologe im Lichte der Kulturkritik die Moderne untersucht. Beklagt wird auch die implizite “Entnazifizierung” von Sombart, einem, wie es heißt, “arrogante(n) und eingebildete(n) ‘Geistesaristokrat(en)’”, der seinen Antisemitismus wissenschaftlich verbrämte und seinen gehörigen Anteil daran hatte, den Antidemokratismus und Kulturpessimismus in Deutschland hoffähig zu machen.Google Scholar
  9. 12.
    Vgl. auch Horst Pöttker (1989; 1995), der verschiedentlich Anregungen zum oftmals übersehenen eminent modernitätstheoretischen Gehalt der Soziologie Geigers gibt. Hervorhebenswert ist auch die instruktive Integration der gesellschaftstheoretischen Grundideen Geigers in seinen handlungstheoretischen, Max Weber reformulierenden Entwurf der Moderne (Pöttker 1997). Mit Blick auf das Forschungsdesiderat in Sachen Geigerscher Gesellschafts- und Modernitätstheorie könnte man noch die Arbeiten von Emil H. Walter (1966) und Wolfram Burisch (1995) erwähnen, die aber durch verzerrende Einseitigkeiten und normative Befangenheiten diese Lücke ebensowenig schließen können wie die interessante, allerdings auf äußerst schmaler Literaturgrundlage argumentierende rechtssoziologische Studie von Mette (1982), der so ebenfalls wesentliche Aspekte entgehen.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2001

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  • Thomas Meyer

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