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Diffusion und Globalisierung in drei Handlungsfeldern

  • Susanne Huth
  • Marion Möhle
  • Dorothea M. Hartmann
  • Claudio Roccioletti
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Zusammenfassung

Die im vorangegangenen Kapitel dargestellte Komplexität der Thematik erfordert bei der empirischen Bearbeitung die Reduktion auf operationalisierbare soziale Handlungsfelder. Für die Fallstudien sind beispielhaft drei Bereiche ausgewählt worden, in denen sich Diffusions- und Globalisierungsprozesse nachzeichnen lassen. Wichtig ist, dass in den Fallstudien möglichst eine Vielzahl der in der Literatur beschriebenen Prozesse sozialen Wandels nachzuzeichnen sind. Insbesondere die Verschränkung von ökonomischen und kulturellen Globalisierungsprozessen ist hier zu nennen, aber auch der dialektische Charakter von Globalisierungsprozessen, der sich an der gleichzeitigen Bedeutungszunahme globaler sowie lokaler Prozesse festmacht. Bei den drei Handlungsfeldern handelt es sich um Bereiche, die einer Bearbeitbarkeit i.S. von Problemlösungen zugänglich sind. Es werden also keine Prozesse sozialen Wandels fokussiert, die einer Problembearbeitung nur mittelbar zugänglich sind, wie bspw. die globale Medialisierung. Darüber hinaus besteht in allen drei Fällen eine die nationalen Grenzen überschreitende Problematik.

Literatur

  1. 3.
    Castles nennt als vierten Trend noch die Feminisierung, wobei Feminisierung bedeutet, dass das Übergewicht männlicher Migration schwindet. Dies ist unzweifelhaft richtig in Bezug auf spezifische Flüchtlings- und Arbeitsmigrationen, lässt sich mit Zahlen aber noch schwerer belegen als die ersten drei Trends.Google Scholar
  2. 4.
    Vgl. die Zusammenstellung von UN-Daten bei Zlotnik (1992).Google Scholar
  3. 5.
    Kanada hatte 1950 86% der Einwanderlnnen aus Europa, seit den 80ern nur noch etwa ein Drittel; die USA 1956–1960 56% und 1981–1985 11% europäische Einwanderlnnen.Google Scholar
  4. 6.
    Eine ähnliche Stellung im Migrationssystem spiegelt sich auch in der Unterzeichnung des Schengener Abkommens 1985 wieder, das außer der Schweiz alle hier genannten Länder unterzeichnet haben.Google Scholar
  5. 7.
    Belgien, Deutschland, Frankreich, Niederlande und Schweiz.Google Scholar
  6. 8.
    1985 waren in Deutschland 57% aus der Türkei, Jugoslawien und Italien; in Frankreich stammten 70% aus Algerien, Portugal und MarokkorGoogle Scholar
  7. 9.
    Vgl. Tomei 1997Google Scholar
  8. 10.
    Die Darstellung orientiert sich weitgehend an Angenendt (1992: 150ff), die Phaseneinteilung weicht aber teilweise ab.Google Scholar
  9. 11.
    Die Drittstaatenregelung besagt, dass Personen, die über ein Land der EU oder ein Land einreisen, welche die Genfer Flüchtlingskonvention oder die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet haben, kein Anrecht auf Asyl haben. Diese Länder wurden per Gesetz bestimmt.Google Scholar
  10. 12.
    Als sichere Herkunftsstaaten wurden Länder ebenfalls per Gesetz bestimmt, deren Rechtslage, Rechtsanwendung und allgemeine politische Verhältnisse erwarten lassen, dass keine unmenschliche Behandlung oder politische Verfolgung zu erwarten ist. Asylanträge von Personen aus solchen Ländern haben wenig Aussicht auf Erfolg, da sie im Einzelfall die Behörden überzeugen müssen.Google Scholar
  11. 13.
    Die Flughafenregelung ermöglicht die Durchführung des Asylbewerberverfahrens für Flüchtlinge aus sicheren Drittstaaten im Transitbereich des Flughafengeländes, sodass Flüchtlinge nicht das Territorium der BRD betreten, sondern bis zur Entscheidung auf dem Flughafen in eigens eingerichteten Unterkünften festgehalten werden.Google Scholar
  12. 14.
    Angenendt (1997b) bezeichnet den Asylkompromiss als einen ‘Migrationskompromiss’.Google Scholar
  13. 15.
    Zur etwas differenzierteren Darstellung der Phasen der französischen Immigrationspolitik vgl. Silvermann (1992: 37–69). Die Phaseneinteilung ist an Angenendt (1992: 21–28) angelehnt, dem auch der Hauptstrang der Darstellung entnommen ist.Google Scholar
  14. 16.
    Frankreich befand sich in einer ähnlichen Situation auch schon nach dem Ersten Weltkrieg, zwischen 1921 und 1926 wurde die Rekrutierung von etwa einer Million EinwanderInnen durch Unternehmer vorgenommen (vgl. Silvermann 1992: 38)Google Scholar
  15. 17.
    Zu den Ausführung über die USA und Deutschland vergleiche auch Bös/Wenzel 1996.Google Scholar
  16. 18.
    Die USA hatte schon während des Ersten Weltkriegs mit bestimmten Gastarbeitersystemen experimentiert (Ueda 1994: 7).Google Scholar
  17. 19.
    Dass ein Staat als sicherer Drittstaat gilt, kann in Deutschland nicht im Einzelfall überprüft werden.Google Scholar
  18. 20.
    Auf eine vergleichende Betrachtung kultureller Wirkmuster als Einflussfaktoren von Diffusionsprozessen wird in Kapitel 4 genauer eingegangen.Google Scholar
  19. 21.
    Dietz und Rosa (1997: 16f) transformieren die IPAT-Formel in das STRIPAT-Modeli (Stochastic Impacts by Regression on Population, Affluence and Technology), das die Kausalität zwischen ökologischen Auswirkungen und den anderen Variablen als zu überprüfende Hypothese begreift und das die einzelnen Variablen nicht als ‘black box’ konzipiert, sondern deren kulturellen, institutionellen und politischen Charakter einbezieht.Google Scholar
  20. 22.
    Redclift und Woodgate als Kritiker eines puren Sozialkonstruktivismus behaupten, dass „the idea of social construction has been invoked by sociologists to distance the analysis of environmental problems from the problems themselves.” (1997: 61) Aus diesem Grunde plädieren sie dafür, den Bias aufzugeben. „It requires a move beyond the position where nature is viewed as either the material conditions of our existence or as no more than a set of culturally generated symbols. We must begin to accept nature as both.” (ibid.)Google Scholar
  21. 23.
    O’Riordan und Jordan (1999) weiten die Perspektive des ‘neuen’ Institutionalismus, indem sie deren Defizite — etwa einer widersprüchlichen Konzeption menschlichen Verhaltens — mit Aspekten der Kulturtheorie bereichern.Google Scholar
  22. 24.
    Hajer möchte den institutionellen Konstruktivismus als einen Versuch gedeutet wissen, „die gesellschaftliche Laufbahn bestimmter diskursiver Konstrukte konsequent an die betreffenden institutionellen Rahmenbedingungen zu binden, die an der Produktion derselben beteiligt sind.” (1997: 110) So wird hier auch von einem De- und Reinstitutionalisierungsprozess bzw. eines Disembedding und Reembedding ausgegangen.Google Scholar
  23. 25.
    Das Konzept der ökologischen Modernisierung wurde von Jänicke (1988) und Huber (1993) entwickelt. Redclift und Woodgate (1997: 65) merken an, dass es die Logik kapitalistischer Entwicklung fortschreibe. Mit einer veränderten — nun ökologischeren — Technologie und Produktionsweise blieben die Strukturen privater Kapitalakkumulation grundsätzlich intakt.Google Scholar
  24. 26.
    Globale Klimaverhandlungen würden im Sinne Hajers einen diskursiven Aushandlungsprozess über die Wirklichkeit darstellen. Mit Friedman lassen sich ebenso die kulturellen Zuschrei-bungsprozesse als Element der Globalisierung beschreiben. „Globalization is about processes of attribution of meaning that are of a global nature.“(1995: 73)Google Scholar
  25. 27.
    Im zweiten IPCC-Report heißt es, dass „the balance of evidence suggests that there is a discernible human influence on global climate.“(zit. n. FCCC 2000a) Die seit Beginn der Industrialisierung beobachtete globale Erwärmung kann nach Einschätzung der KlimawissenschaftlerInnen mit 95% Wahrscheinlichkeit auf menschliche Einflüsse zurückgeführt werden (Fischedick 1998).Google Scholar
  26. 28.
    Obgleich lediglich 3–4% der Gesamtflüsse in die Erdatmosphäre von menschlichen CO2-Emissionen herrühren, stieg seit Beginn der Industrialisierung die Kohlendioxidkonzentration dort um ein Viertel. Der Grund liegt in dem nicht im selben Maße gestiegenen Abfluss von CO2. Zwar passt sich etwa durch eine vermehrte CO2-Aufnahme durch die Ozeane das System an, jedoch geschieht dies zu langsam (Fischedick 1998).Google Scholar
  27. 29.
    Neben diesen heizen außerdem etliche andere Gase die Erdatmosphäre auf, wie bspw. die Spitzenreiter hinsichtlich des Erwärmungspotenzials Schwefelhexafluorid (SF6) und Trifluormethylschwefelpentafluorid (SF5CF3).Google Scholar
  28. 30.
    Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) bietet folgende Definition: „Globale Umweltprobleme sind die Veränderung in der Atmosphäre, in den Ozeanen und an Land, die dadurch gekennzeichnet sind, dass ihre Ursachen direkt oder indirekt menschlichen Aktivitäten zuzuschreiben sind, dass hierdurch Auswirkungen auf die natürlichen Stoffwechselkreisläufe, die aquatischen und terrestrischen Lebensgemeinschaften und auf Wirtschaft und Gesellschaft entstehen, die zu ihrer Bewältigung der internationalen Vereinbarungen (Kooperation) bedürfen.“(WBGU 1993) Eine begriffliche Unterscheidung von globalen und universell auftretenden Umweltproblemen verfolgt Simonis (1996b: 7f): Bei Ersteren ist nur eine global angelegte Politik „ursachenadäquat und zielführend“, da Umweltverschmutzung grenzüberschreitend ist (bspw. die CO2-Problematik), bei Letzteren sind nicht in jedem Fall global verbindliche Verträge, Ziele und Maßnahmen notwendig, wie das Problem der Wasserknappheit verdeutlicht, das sowohl lokal als auch regional angegangen werden kann.Google Scholar
  29. 31.
    In der Konvention wird die Stabilisierung der Treibhausgas-Konzentrationen auf einem Niveau angestrebt, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems vermieden wird. Daraus ergibt sich wegen der begrenzten natürlichen Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme eine Beschränkung der durch Menschen verursachten Erwärmung auf weniger als 1° Celsius innerhalb eines Jahrhunderts (SRU 2000: §135). Insgesamt bietet Breitmeier einen guten Überblick über die Prinzipien, Normen, Regeln, Entscheidungsverfahren und Effektivität der Klimarahmenkonvention (1996: 175ff).Google Scholar
  30. 32.
    Bislang haben 185 Länder und die EU die Klimarahmenkonvention ratifiziert und so den Text der Konvention anerkannt. Das flankierende Protokoll haben bis heute hingegen nur 84 Länder unterzeichnet. Formal muss es jedoch noch ratifiziert werden. Insgesamt 30 Länder wie Bolivien und Paraguay haben das Kyoto-Protokoll bereits ratifiziert bzw. angenommen — darunter allerdings noch kein Industrieland (des Annex I). Die meisten Staaten warten die Verhandlungsergebnisse der sechsten Vertragsstaatenkonferenz (COP6) Ende 2000 ab, in dem voraussichtlich Operationalisierungsdetails festgelegt werden. Viele Länder wollen das Protokoll auch erst im Jahr 2002 in Kraft treten lassen (FCCC 2000a; FCCC 2000d).Google Scholar
  31. 33.
    Mitglieder der JUSCANZ-Länder waren Japan, die USA, Kanada, Australien und Neuseeland, wobei die USA mit Australien die Federführung übernahmen.Google Scholar
  32. 34.
    Das Kyoto-Protokoll entwickelte sich wie das Montréal-Abkommen „ohne die Existenz eines zentralen Akteurs, im Prinzip durch die Anerkennung eines gemeinsamen Problems und die Kooperation zur Überwindung dieses Problems“(Petschow/Dröge 1999: 30).Google Scholar
  33. 35.
    Der clean development mechanism zielt darauf ab, nachhaltige Entwicklung in sich entwikkelnden Ländern zu unterstützen, indem umweltfreundlich orientierte Investitionen von Regierung und Wirtschaft aus den Industriestaaten in ihre Ökonomien fließen.Google Scholar
  34. 36.
    Als Senken werden in der Klimaforschung Reservoirs bezeichnet, die Schadstoffe eines anderen Teils aus dem Kreislaufs aufnehmen können. Wälder stellen bspw. solche Senken dar, denn sie absorbieren bzw. können Treibhausgase wie das CO2 umwandeln. Dem gegenüber werden als Quellen Feuchtgebiete, Reisfelder, Deponien, Waldbrände und Ölraffinerien genannt, die den Klimawandel durch die Emission von Treibhausgasen fördern.Google Scholar
  35. 37.
    Simonis (1996c) und Dutschke/Michaelowa (1998) setzen sich umfassend mit der Problematik handelbarer Emissionsrechte auseinander.Google Scholar
  36. 38.
    Ausführliche Bewertung und Kritik des Kyoto-Klimaprotokolls bieten insbesondere Benedick (1998) und Simonis (1998a).Google Scholar
  37. 39.
    Wenn das Kyoto-Protokoll nicht bis 2003/2004 in Kraft getreten ist, würde es eine enorme Herausforderung darstellen, das Vertragswerk vor einem gänzlichen Fehlschlag zu retten. In diesem Falle würde es unmöglich sein, die vor dem Hintergrund des Protokolls festgelegten nationalen Ziele einzuhalten wegen der knappen Zeit, die bleibt, den Emissionstrend umzukehren (Ott/Oberthür 1999: 19).Google Scholar
  38. 40.
    Folgende Ziele und Prämissen sind im Europäischen Umweltrechts festgeschrieben: Erhaltung und Schutz der Umwelt, Verbesserung der Qualität der Umwelt, Schutz der menschlichen Gesundheit, Umsichtige und rationelle Verwendung der natürlichen Ressourcen und Förderung von Maßnahmen auf internationaler Ebene. Aus diesen werden die drei Grundsätze des Vorsorgeprinzips, des Ursprungsprinzips und des Verursacherprinzips abgeleitet (vgl. Stede/ Winter 2000: 16).Google Scholar
  39. 41.
    Es wurde jedoch eine Richtlinie erarbeitet, welche die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine mögliche Einführung nationaler Steuern regelt. Auch in einem erneuten Anlauf der Kommission im Mai 1995 erfolgte kein Beschluss des EU-Rates. Dies hatte auch Konsequenzen auf die internationale Verhandlungsebene: Auf der UN-Ebene wurden in Berlin 1995 in der Klimarahmenkonvention keine konkreten Maßnahmen festgelegt, da die Europäische Union die Einführung einer Energiesteuer auch von einer Implementation in anderen OECD-Staaten abhängig machte (Schumer 1996: 111; Loske 1996: 276ff). Gegenwärtig besteht nur in den fünf Mitgliedsstaaten Dänemark, Finnland, Niederlande, Schweden und Österreich eine Kohlendioxidsteuer (FCCC 2000b).Google Scholar
  40. 42.
    Das rechtliche Fundament, das der Maastrichter Vertrag (EGV) für die Umweltaußenpolitik festlegt, ist im Wesentlichen mit der Einheitlichen Europäischen Akte identisch. Nach Artikel 130r Abs. 1 ist die internationale Kooperation in der Umweltaußenpolitik Element der gemeinschaftlichen Umweltpolitik. Abkommen, die von der Europäischen Union beschlossen werden, sind für alle Mitgliedsstaaten verbindlich, da das völkerrechtliche Abkommen Teil des Europarechtes ist, das Vorrang vor nationalem Recht besitzt (Schumer 1996: 106f).Google Scholar
  41. 43.
    Durch den Regierungswechsel in Deutschland ist nun der Ausstieg aus der Atomenergie ins Werk gesetzt. Da das Übereinkommen mit den Atomkraftwerksbetreibern sehr langfristig ausgelegt ist, bleibt abzuwarten, ob er tatsächlich realisiert wird.Google Scholar
  42. 44.
    Im Artikel 2, in dem die Zielsetzung der Gemeinschaft beschrieben wird, wurden die bislang festgeschriebenen sozialen und ökonomischen Ziele durch eine Umweltdimension ergänzt, sodass nun alle vier Aspekte der Nachhaltigkeit — Ökonomie, Ökologie, Institutionen und So-Google Scholar
  43. ziales — aufgenommen sind. Die Veränderung steht in direkter Wechselwirkung mit Artikel 6, der die Einbeziehung des Umweltschutzes und der Förderung einer nachhaltigen Entwicklung bei der Durchführung der Gemeinschaftspolitiken- und Maßnahmen vorschreibt (Hinterberger et al. 1999). 45 Bei diesem Mechanismus werden die im Kyoto-Protokoll für die gesamte Europäische Union festgelegte Reduktion um 8% (mit dem Basisjahr von 1990) unter Einbeziehung der jeweiligen demographischen Merkmale und dem ökonomischen Entwicklungsbedarf eines Landes unterschiedlich in der Gemeinschaft aufgeteilt, sodass Frankreich bspw. keinerlei Emissionen, Deutschland hingegen als von den Reduktionen am stärksten betroffenes Land 21% verringern muss.Google Scholar
  44. 46.
    Ott und Oberthür (1999: 29) fordern von der EU eine Leadership Initiative, bei der (1) die Ratifizierung und das In-Kraft-Treten des Kyoto-Protokolls forciert, (2) die Implementierung und die internationale Koordination von diesbezüglichen Maßnahmen initiiert und bei der (3) ein internationaler Diskussionsprozess über die enge und faire Einbindung von sich entwickelnden Länder in die internationalen Klimabemühungen ins Leben gerufen wird.Google Scholar
  45. 47.
    Der Bundesverband der Deutschen Industrie und andere Branchenverbände legten wenige Wochen vor dem Berliner Klimagipfel 1995 nach vorheriger Absprache mit der Bundesregierung ein Papier zu einer freiwilligen Selbstverpflichtungen der Industrie vor. Darin wird erklärt, dass die CO2-Emissionen der Industrie bis zum Jahr 2005 um 20% gegenüber 1989 gesenkt würden, wenn die Regierung auf regulative Maßnahmen verzichte; als Reaktion darauf nahm die Bundesregierung von ordnungsrechtlichen Klimaschutzmaßnahmen Abstand (vgl. Loske 1996: 289f; FCCC 1997a: 3).Google Scholar
  46. 48.
    Die Jenaer-10-Punkte-Erklärung fordert zum einen die Konkretisierung von Zielen, die sich an einer nachhaltigen Entwicklung orientieren, zum anderen eine neue Kooperation zwischen dem Staat und anderen gesellschaftlichen Teilsystemen wie bspw. Wirtschaft, Wissenschaft oder Kirchen; außerdem solle das ordnungsrechtliche Instrumentarium mit finanziellen Anreizen angereichert werden (vgl. SRU 1998a: 1).Google Scholar
  47. 49.
    Die ökologische Steuerreform wird in fünf Stufen durchgeführt, wobei die erste Stufe bereits zum 1. April 1999 in Kraft trat und die zweite Stufe mit Beginn des Jahres 2001 wirksam wird. Die zentralen Aspekte darin sehen eine Erhöhung der Steuersätze (‘Mineralölsteuer’) für Kraftstoffe um 6 Pf. pro Liter, für Erdgas um 0,32 Pf. pro kWh und für Heizöl um 4 Pf. pro Liter vor. Außerdem wird eine Stromsteuer von 2 Pf. pro kWh eingeführt bei gleichzeitiger Senkung des Beitragssatzes in der Rentenversicherung um 0,8 Prozentpunkte (SRU 2000: §27).Google Scholar
  48. 50.
    Hingegen ist in einer Ressortabstimmung 1999 die Umsetzung der Richtlinie über die integrierte Vermeidung und Kontrolle der Umweltverschmutzung (IVU-Richtlinie) sowie die Änderungsrichtlinie zur UVP-Richtlinie (UVP-II-Richtlinie) gescheitert (SRU 2000: §19).Google Scholar
  49. 51.
    Währenddessen fand fast eine Verdopplung der britischen Produktion von FCKWs in den Jahren zwischen 1974 und 1986 von 65 500 auf 123 700 Tonnen statt (Breitmeier 1996).Google Scholar
  50. 52.
    Als Zeichen der veränderten britischen Haltung wurde 1989 in London eine Konferenz zum Schutz der Ozonschicht abgehalten.Google Scholar
  51. 53.
    Breitmeier (1996: 218f) gibt ein anschauliches Beispiel, wie die Gesellschaft der USA die Klimaschutz-Problematik für nicht relevant hielt: In einem von der kalifornischen Umweltbe-wegung initiierten Antrag ‘Big Green’, der den CO2-Ausstoß in Kalifornien bis zum Jahr 2000 um 20% und in der darauf folgenden Dekade um 40% reduzieren sollte, lehnten überwältigende zwei Drittel der Stimmberechtigten in einer Volksabstimmung den Antrag ab.Google Scholar
  52. 54.
    So wurde vom Kongress bspw. 1990 eine Neufassung des veralteten Clean Air Act verabschiedet, in dem die Standards für die Luftqualität, nicht jedoch die Verminderung von Treibhausgasen, festgeschrieben wurde. Anlass für diese Novelle war die Tatsache, dass fast die Hälfte der Bevölkerung in belasteten Gebieten lebt. Konkret wurden in dieser Gesetzesergänzung Maßnahmen zur Verringerung der Ozonkonzentration in bodennahen Regionen, die Reduktion von Schwefeldioxid und Stickoxiden sowie die Förderung alternativer Brennstoffe wie Methanol und Naturgas beschlossen.Google Scholar
  53. 55.
    Die US-Regierung hatte vor der Rio-Konferenz Befürchtungen, wegen ihrer obstruktiven Haltung von anderen Ländern „diplomatisch isoliert zu werden und als ‘Spielverderber’ dazustehen”; nachdem die meisten Punkte der Konvention auf dem Erdgipfel für die USA als annehmbar durchgesetzt waren, konnten sie problemlos das Abkommen unterzeichnen (Loske 1996: 266).Google Scholar
  54. 56.
    Seit Ende 1994 hat die klimapolitisch restriktive republikanische Partei gegenüber dem der klimapolitisch progressiveren Demokratischen Partei angehörenden Präsidenten in beiden Häusern des US-Kongresses die Mehrheit inne.Google Scholar
  55. 57.
    Gegen seinen Plan erfuhr der Präsident von Seiten der Automobil-, Kohle-, Erdöl- und Elektrizitätsindustrie heftigen Widerstand. Außerdem wehrten sich Abgeordnete aus Staaten, in denen sich die vorgenannten Industrien befanden, gegen die neue Energiesteuer, welche angeblich Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit verringere und letztlich den ‘kleinen Mann’ treffen würde (vgl. Loske 1996: 267).Google Scholar
  56. 58.
    Das Komitee des NAICM konstatierte bereits Ende 1996, dass Kanada trotz der Initiativen des NAPCC das Ziel um 8% verfehlen werde und dass „Canada can not achieve stabilisation without significant additional actions” (NAICC 1996: ii).Google Scholar
  57. 59.
    Beide von Robertson genannten Aspekte treffen hier zu: „Globalization refers both to the compression of the world and to the intensification of the consciousness of the world as a whole” (1992: 8).Google Scholar
  58. 60.
    Senator Byrd aus West Virginia hatte großes Interesse, die Kohleindustrie zu fördern, die in seinem Bundesstaat eine starke Position inne hat. Aus diesem Grund sponserte er eine Resolution, in der er 60 von 100 Mitglieder des Senats auf seine Seite bekam. Die Resolution forderte von der amerikanischen Regierung, das Klimaabkommen nicht zu unterschreiben, wenn es nicht auch für die sich entwickelnden Länder quantifizierte Verpflichtungen im gleichen Zeithorizont wie dem der Industriestaaten enthielt (uur04: 12).Google Scholar
  59. 61.
    Im Sommer 1997 startete sie — motiviert durch die Furcht wirtschaftlicher Einbußen — eine sehr wirksame, mehrere Millionen Dollar kostende Medienkampagne gegen Klimaschutzmaßnahmen.Google Scholar
  60. 62.
    Die Eigenständigkeit, mit der sich Dänemark und die Niederlande in bestimmten klimapolitischen Bereichen augenblicklich als Trendsetter beweisen, ist auch Beleg nationaler Handlungsmöglichkeit und -fähigkeit trotz Globalisierung und europäischer Harmonisierung.Google Scholar
  61. 63.
    Alle Zahlen beziehen sich auf den Landesdurchschnitt.Google Scholar
  62. 64.
    Die Entwicklung in Frankreich lehnt sich an Steffen 1994 an.Google Scholar
  63. 65.
    Die Phaseneinteilung der kanadischen Aids-Politik orientiert sich an den Ausführungen von Rayside/Lindquist 1994.Google Scholar
  64. 66.
    Dazu die Deklaration des Aids-Gipfeltreffen in Paris vom 1.12.1994: In der von 42 Staaten unterzeichneten Erklärung wird die Aids-Pandemie aufgrund ihres Ausmaßes als eine Bedrohung für die Menschheit definiert.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2001

Authors and Affiliations

  • Susanne Huth
  • Marion Möhle
  • Dorothea M. Hartmann
  • Claudio Roccioletti

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