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Rationalitäts- und Aufklärungskritik — Der Beitrag der ‘Kritischen Theorie’ zu einer Theorie moderner Herrschaft

  • Michael Bruch
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Zusammenfassung

Mit der ‘Kritischen Theorie’ lässt sich in doppelter Weise an die bisherigen Ausführungen anknüpfen, da sie sich gleichsam an der Schnittstelle von Marx’scher und Weber’scher Theoriebildung verorten lässt. So führt sie einerseits in kritischer Distanz zu Weber dessen Herrschafts- und Rationalitätskritik weiter und anderseits stellt sie, durchaus weiterhin sich auf dem Fundament der historischmaterialistischen Theorie bewegend, im Kontext der These des Niedergangs des Liberalkapitalismus die Marx’sche Theorie hinsichtlich ihres Gehalts für eine herrschaftstheoretisch angeleitete Analyse der Gegenwartsgesellschaft in Frage.

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Literatur

  1. 1.
    Engels 1974, S. 222.Google Scholar
  2. 2.
    Engels 1974, S. 222.Google Scholar
  3. 3.
    Engels 1974, S. 222.Google Scholar
  4. 4.
    Lenin 1979, S. 144f.Google Scholar
  5. 5.
    Die Staatskapitalismusthese, deren Diskussion hier auf die Adaption durch die ‘Kritische Theorie’ begrenzt ist, ist nicht neu, sondern fügt sich in eine breite Debatte in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts über die strukturellen Ähnlichkeiten der Ökonomie des stalinistischen Staatssozialismus, des deutschen Faschismus und des amerikanischen ‘New Deal’.Google Scholar
  6. 6.
    Hilferding 1927, S. 168f. Diese Position revidierte Hilferding jedoch unter dem Eindruck von Faschismus und Stalinismus. So schreibt er dreizehn Jahre später: „History […] has taught us that ‘administering of things’ despite Engels’ expectations, may turn into unlimited ‘administering of people’ and thus not only lead to the eman-zipation of the state from economy but even to the subjection of the economy to the state.“(Hilferding 1940, S. 339, zit. n. Gangl 1987, S. 215).Google Scholar
  7. 7.
    Zeitschrift für Sozialforschung, 9. Jahrgang.Google Scholar
  8. 8.
    S. Adorno 1973a u. Fromm 1983a.Google Scholar
  9. 9.
    Neumann 1984, S. 275.Google Scholar
  10. 10.
    Neumann 1984, S. 274.Google Scholar
  11. 11.
    Pollock 1984, S. 82f.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Pollock 1941, S. 441.Google Scholar
  13. 13.
    Horkheimer 1935, S. 14.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. dazu etwa Edwards 1981.Google Scholar
  15. 15.
    „Als caput mortuum des Verwandlungsprozesses der Bourgeoisie ist die oberste industrielle und staatliche Bürokratie übriggeblieben.“(Horkheimer 1984a, S. 55)Google Scholar
  16. 16.
    Pollock 1941, S. 444.Google Scholar
  17. 17.
    Weber 1985, S. 570.Google Scholar
  18. 18.
    Marcuse 1979, S. 290.Google Scholar
  19. 19.
    Marcuse 1979, S. 308.Google Scholar
  20. 20.
    Marcuse 1979, S. 308.Google Scholar
  21. 21.
    In diesem Zusammenhang sei nur kurz erwähnt, dass die Bezeichnung des ‘Primats der Politik über die Ökonomie’ aus einer Rede Hitlers von 1933 stammt. (S. Gangl 1987, S. 208).Google Scholar
  22. 22.
    Horkheimer 1984, S. 39.Google Scholar
  23. 23.
    Horkheimer 1984, S. 46.Google Scholar
  24. 24.
    Horkheimer 1984, S. 46.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. dazu Kirchheimer 1941.Google Scholar
  26. 26.
    Pollock 1941, S. 448.Google Scholar
  27. 27.
    Pollock 1941, S. 448.Google Scholar
  28. 28.
    Pollock 1941, S. 448.Google Scholar
  29. 29.
    So erklärte der NS-Reichsorganisationsleiter Robert Ley: „Der einzige Mensch, der in Deutschland noch ein Privatleben führt, ist jemand, der schläft.“(Zit. n. Peukert 1982, S. 282)Google Scholar
  30. 30.
    Zur Vorstellung vom Juden als vermeintlicher Prototyp des Nonkonformisten als Element des Antisemitismus vgl. Baumann 1994, S. 53f..Google Scholar
  31. 31.
    Pollock 1941, S. 449.Google Scholar
  32. 32.
    Eine Parallele hierzu findet sich im Fordismuskonzept besonders bei Hirsch.Google Scholar
  33. 33.
    Horkheimer 1984a, S. 57. Wie überhaupt sich für Horkheimer in dem unterstellten totalen Zugriff auf das Individuum durch Organisation und Staat nur eine Tendenz ausdrückt, deren Ursprung schon im Niedergang des Liberalismus zu finden ist. So führt er in „Vernunft und Selbsterhaltung“aus: „Die gesellschaftliche Manipulation der Beziehungen zwischen den Geschlechtern ist in der Prägung des vorschriftsmäßig Normalen durch die verschiedenen Bereiche der Massenkultur schon weit gediehen, bevor sie in der völkischen Eugenik vollends ihre Züge offenbart.“(Horkheimer 1987, S. 342)Google Scholar
  34. 34.
    Horkheimer 1987, S. 57.Google Scholar
  35. 35.
    Horkheimer 1987, S. 58.Google Scholar
  36. 36.
    Gangl 1987, S. 202.Google Scholar
  37. 37.
    Pollock 1984, S. 98.Google Scholar
  38. 38.
    Horkheimer nimmt hier eine etwas andere Position ein: „Mit dem Staatskapitalismus kann die Macht neu sich befestigen. Auch er ist eine antagonistische, vergängliche Form. Das Gesetz seines Zusammenbruchs ist ihm leicht anzusehen: es gründet in der Hemmung der Produktivkräfte durch die Existenz der Bürokratie.“(Horkheimer 1984a, S. 69) und weiter:„Das ewige System des autoritären Staates, wie furchtbar es auch droht, ist nicht realer als die ewige Harmonie der Marktwirtschaft.“(ebd. S. 71)Google Scholar
  39. 39.
    Neumann 1984, S. 543.Google Scholar
  40. 40.
    Neumann 1984, S. 103.Google Scholar
  41. 41.
    Neumann 1984, S. 111.Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. dazu auch Neumann 1984, S. 115.Google Scholar
  43. 43.
    Neumann 1984, S. 512.Google Scholar
  44. 44.
    Neumann 1984, S. 519.Google Scholar
  45. 45.
    Neumann 1984, S. 542.Google Scholar
  46. 46.
    Neumann 1984, S. 682.Google Scholar
  47. 47.
    S. Horkheimer 1985a.Google Scholar
  48. 48.
    Neumann 1984, S. 695.Google Scholar
  49. 49.
    Neumann 1984, S. 313.Google Scholar
  50. 50.
    Neumann 1984, S. 312.Google Scholar
  51. 51.
    S. dazu auch Perrow 1989. Perrow zeichnet hier für die us-amerikanische Geschichte den gleichen Prozess nach. Er zeigt, wie über die organisational gestützte Bewältigung durch Organisationen hervorgerufener gesellschaftlicher Probleme eine quantitative Expansion von Organisationen entsteht, die zu einer „Gesellschaft von Organisationen“führt.Google Scholar
  52. 52.
    Unter dieser Perspektive greifen Versuche der Erklärung des Nationalsozialismus, die sich, wie bei Pollock und Neumann, primär auf die Struktur und Entwicklungsdynamik der kapitalistischen Produktionsverhältnisse beziehen, zu kurz. Wie ich später noch genauer ausführen werde, steht der deutsche Faschismus in einer allgemeinen und spezifisch deutschen historischen Entwicklungslinie, die weit mehr umfasst als die kapitalistischen Verwertungsimperative. (S. dazu Elias 1992 u. Fischer 1985 u. 1998).Google Scholar
  53. 53.
    S. Bauman 1996 u. 1997.Google Scholar
  54. 54.
    Eine parallele, wenn auch unter anderen Vorzeichen geführte Interpretation findet sich in den Begriffen ‘Durchstaatlichung’ und ‘Durchkapitalisierung’ im Fordismuskonzept Hirsch’scher Prägung. Vgl. dazu Hirsch 1980 u. 1985a und Hirsch/Roth 1986.Google Scholar
  55. 55.
    Weber 1985, S. 128; vgl. auch ebd., S. 561f.Google Scholar
  56. 56.
    Weber 1985, S. 571.Google Scholar
  57. 57.
    Horkheimer 1985, S 15.Google Scholar
  58. 58.
    Diese Interpretation kollidiert m. E. nicht mit politikorientierten Ansätzen in der Organisationssoziologie, die Organisation selbst als Resultat politischer Prozesse begreifen. Denn in diesen Prozessen geht es in aller Regel um Verfahren und nicht um Zwecke, die als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Zudem stellt, wie Burawoy gezeigt hat, die Teilnahme an den — wie er es nennt — Spielen, keine Infragestellung der Regeln, sondern eine Affirmierung dieser dar. (Vgl. dazu Burawoy 1985 u. 1986).Google Scholar
  59. 59.
    Horkheimer 1985, S. 15.Google Scholar
  60. 60.
    Zu denken ist hierbei etwa an die drastische Zunahme des Lohnarbeitsverhältnisses und die mit diesem Prozess einhergehende Trennung von Eigentum und der Verfügungsgewalt über das Kapital, aber auch an die sozialistischen Gesellschaften.Google Scholar
  61. 61.
    Horkheimer 1985, S. 23.Google Scholar
  62. 62.
    Freud 1984, S. 15. Die Möglichkeit einer Versöhnung zwischen Lust- und Realitätsprinzip ist Freud zufolge nur im Bereich der Kunst gegeben.Google Scholar
  63. 63.
    Marcuse 1987, S. 39.Google Scholar
  64. 64.
    Mit dem Begriff des Leistungsprinzips soll die Ahistorizität des Begriffs des Realitätsprinzips aufgehoben werden, indem die historisch je unterschiedlichen gesellschaftlichen Anforderungen herausgestellt werden. „Wir bezeichnen es [das Realitätsprinzip — M.B.] als das Leistungsprinzip, um zu betonen, daß unter seiner Herrschaft die Gesellschaft entsprechend der konkurrierenden ökonomischen Leistungen ihrer Mitglieder geschichtet ist. Es ist offensichtlich nicht das einzige historische Realitätsprinzip: andere Formen der gesellschaftlichen Organisation gaben nicht nur in primitiven Kulturen den Ausschlag, sondern erhielten sich auch bis in die Moderne.“(Marcuse 1987, S. 49).Google Scholar
  65. 65.
    Marcuse 1987, S. 50, vgl. auch S. 51, Anm. 45.Google Scholar
  66. 66.
    S. dazu ausführlich Marcuse 1980b, das Kapitel zu Luther und Calvin.Google Scholar
  67. 67.
    Eine eindrückliche Beschreibung der Verhältnisse in Genf unter der Herrschaft Calvins gibt Stefan Zweig 1996.Google Scholar
  68. 68.
    Horkheimer 1987, S. 332.Google Scholar
  69. 69.
    Adorno 1985, S. 307f.Google Scholar
  70. 70.
    Adorno 1985, S. 308.Google Scholar
  71. 71.
    Adorno 1953, S. 25.Google Scholar
  72. 72.
    Adorno 1953, S. 26.Google Scholar
  73. 73.
    Adorno 1953, S. 26.Google Scholar
  74. 74.
    Vgl. dazu Hack/Hackl990, Pinch./Bijker 1987 und Rammert 1991.Google Scholar
  75. 75.
    Bauman 1994, S. 119.Google Scholar
  76. 76.
    Adorno 1953, S. 27.Google Scholar
  77. 77.
    Adorno 1953, S. 27.Google Scholar
  78. 78.
    Vgl. dazu Türcke/Bolte 1994, S. 60f. Die theoretische Wendung hin zu einer Analyse der Gattungsgeschichte als Mittel des Verständnisses der gesellschaftlichen Mechanismen des Spätkapitalismus findet sich auch bei Marcuse (1987). (Vgl. dazu Árnason 1971, S. 144)Google Scholar
  79. 79.
    Vgl. dazu auch Benhabib 1992, Kap. 3, Mirbach 1979, S. 12f..Google Scholar
  80. 80.
    Söllner 1979, S. 191. Gleiches gilt für die von Söllner aufgestellte Behauptung, dass „die Befreiung des Menschen von den Zwängen der Natur“(…) entwicklungsautomatisch zur Totalität allseitiger gesellschaftlicher Herrschaft“(S. 193) führe. Nicht die Aneignung der Natur durch den Menschen, sondern die herrschaftsfbrmige Verdrängung des Bewusstseins des Menschen als Naturwesen und die Versachlichung der Natur schon im Denken ist als deren Ursache zu sehen, die sich als soziale Herrschaft niederschlägt.Google Scholar
  81. 81.
    Horkheimer/Adorno 1986, S. 10.Google Scholar
  82. 82.
    „Die Zauberei ist wie die Wissenschaft auf Zwecke aus, aber sie verfolgt sie durch Mimesis, nicht in fortschreitender Distanz zum Objekt.“(Horkheimer/Adorno 1986, S. 17).Google Scholar
  83. 83.
    Horkheimer/Adorno 1986, S. 15.Google Scholar
  84. 84.
    Vgl. Horkheimer/Adorno 1986, S. 19.Google Scholar
  85. 85.
    Horkheimer/Adorno 1986, S. 50.Google Scholar
  86. 86.
    Horkheimer/Adorno 1986, S. 61f..Google Scholar
  87. 87.
    Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang für die Argumentation Horkheimers und Adornos zu sein, dass Angst, ob reale oder auch nur vorgestellte, in der psychoanalytischen Theorie verantwortlich ist für die ‘Verdrängung’ (vgl. dazu Freud 1986c, S. 74f.), die ja ihrerseits beiden als markantes Merkmal des okzidentalen Zivilisationsprozesses und zwar sowohl in phylogenetischer als auch in ontogenetischer Hinsicht gilt.Google Scholar
  88. 88.
    In Anlehnung an Marcuse lässt sich der Bezug auf die Psychoanalyse in diesem Zusammenhang damit begründen, dass — zumindest im fortgeschrittenen Kapitalismus — „psychologische Kategorien […] zu politischen Kategorien geworden sind“(Marcuse 1987, S. 7).Google Scholar
  89. 89.
    Freud 1986, S. 243.Google Scholar
  90. 90.
    Freud 1986b, S. 140, vgl. auch Freud 1986a, S. 42.Google Scholar
  91. 91.
    In ‘Triebstruktur und Gesellschaft’ zeigt sich, wie stark die in der ‘Dialektik der Aufklärung’ formulierten Gedanken von Marcuse auf die Freud’sche Theorie angewendet werden. So stehe Freud, wie Marcuse dort ausführt, insbesondere in seiner Religionskritik, nirgends der Aufklärung und dem Gedanken einer vernunftgeleiteten Befreiung der Menschen näher. Sein Glauben an die moderne Wissenschaft offenbare jedoch auch, wie stark er in der Dialektik der Aufklärung gefangen bleibe. (Vgl. Marcuse 1987, S. 74) So lässt sich an der Auseinandersetzung Marcuses mit Freud, wie auch in der Horkheimer’schen und Adorno’schen ‘Diakektik der Aufklärung’ eine Verschiebung des Kritikgegenstandes von der Religion hin zur Wissenschaft und Technologie erkennen, die, zumindest unter den Verhältnissen des Spätkapitalismus, nicht mehr als Mittel von Befreiung fungieren können. (Dazu Brunkhorst 1987, S. 155ff).Google Scholar
  92. 92.
    Marcuse 1987, S. 39f.Google Scholar
  93. 93.
    Marcuse 1987, S. 40; s. zu einer Problematisierung dieser Konstruktion: Berndt/Reiche 1969, S. 108 u. MacIntyre 1971, S. 52ff.Google Scholar
  94. 94.
    Marcuse 1987, S. 111.Google Scholar
  95. 95.
    Adorno 1988, S. 14.Google Scholar
  96. 96.
    Horkheimer/Adorno 1986, S. 40f.Google Scholar
  97. 97.
    Zur Differenz zwischen Horkheimer und Adorno in diesem Punkt vgl. Gmünder 1985, S. 65ff.Google Scholar
  98. 98.
    Freud 1986a, S. 44.Google Scholar
  99. 99.
    Horkheimer/Adorno 1986, S. 40.Google Scholar
  100. 100.
    Marcuse 1987, S. 21.Google Scholar
  101. 101.
    Marcuse 1987, S. 21.Google Scholar
  102. 102.
    Marcel Proust beschreibt diesen Zusammenhang folgendermaßen:Google Scholar
  103. „Aber es genügte, daß in meinem eigenen Bett mein Schlaf besonders tief war und meinen Geist völlig entspannte; dann ließ dieser den Lageplan des Orts fahren, an dem ich eingeschlafen war, und wenn ich mitten in der Nacht erwachte, wußte ich nicht, wo ich mich befand, ja im ersten Augenblick nicht einmal, wer ich war: ich hatte nur in primitivster Form das bloße Seinsgefühl, das ein Tier im Inneren verspüren mag: ich war hilfloser ausgesetzt als ein Höhlenmensch; dann aber kam mir die Erinnerung — noch nicht an den Ort, an dem ich mich befand, aber an einige andere Stätten, die ich bewohnt hatte und an denen ich hätte sein können — gleichsam von oben her zu Hilfe, um mich aus dem Nichts zu ziehen, aus dem ich mir selbst nicht hätte heraushelfen können; in einer Sekunde durchlief ich Jahrhunderte der Zivilisation, und aus vagen Bildern von Petroliumlampen und Hemden mit offenen Kragen setzte sich allmählich mein Ich in seinen originalen Zügen wieder von neuem zusammen.“(Proust 1991, S. 12)Google Scholar
  104. 103.
    Adorno 1985, S. 75.Google Scholar
  105. 104.
    Vgl. dazu Horkheimer/Adorno 1986, S. 243ff.Google Scholar
  106. 105.
    Adorno 1993, S. 250.Google Scholar
  107. 106.
    Die, wie man es nennen könnte, Vergesellschaftung der Triebstruktur bringt Marcuse wie folgt zum Ausdruck: „Die sogenannte Konsumentenökonomie und die Politik des korporativen Kapitalismus haben eine zweite Natur der Menschen erzeugt, die sie libidinös und aggressiv an die Warenform bindet.“(Marcuse 1980a, S. 26)Google Scholar
  108. 107.
    Horkheimer/Adorno 1986, S. 34.Google Scholar
  109. 108.
    Marcuse 1987, S. 143.Google Scholar
  110. 109.
    Marcuse 1985, S. 76.Google Scholar
  111. 110.
    Vgl. dazu Breuer 1977 insbesondere S. 203ff.Google Scholar
  112. 111.
    Marcuse 1985, S. 98.Google Scholar
  113. 112.
    „Ja. einen neuen Menschen erziehen, das ist es — nicht weil ich gerade die Idee habe, sondern weil die Entwicklung der modernen Industriegesellschaft den Punkt erreicht hat, wo ein solcher neuer Mensch nicht nur möglich, sondern auch notwendig ist, wenn die Menschheit nicht in eine zivilisierte oder nicht-zivilisierte Barbarei verfallen soll.“(Marcuse 1967, S. 282)Google Scholar
  114. 113.
    Marx/Engels 1981, S. 5.Google Scholar
  115. 114.
    Scheler 1979.Google Scholar
  116. 115.
    Vgl. Horkheimer 1967.Google Scholar
  117. 116.
    Horkheimer 1953, S. 74.Google Scholar
  118. 117.
    Lorenzer 1981, S. 16.Google Scholar
  119. 118.
    Lorenzer 1981, S. 29.Google Scholar
  120. 119.
    Lorenzer 1981, S. 45.Google Scholar
  121. 120.
    Lorenzer 1981, S. 45f.Google Scholar
  122. 121.
    Lorenzer 1977, S. 44.Google Scholar
  123. 122.
    Lorenzer 1977, S. 44.Google Scholar
  124. 123.
    Lorenzer 1977, S. 44.Google Scholar
  125. 124.
    Lorenzer 1981, S. 51.Google Scholar
  126. 125.
    Lorenzer 1981, S. 132.Google Scholar
  127. 126.
    Lorenzer 1977, S. 204.Google Scholar
  128. 127.
    Stolz/Türk 1992a, S. 58.Google Scholar
  129. 128.
    Stolz/Türk 1992a, S. 58.Google Scholar
  130. 129.
    Stolz/Türk 1992a, S. 59.Google Scholar
  131. 130.
    Horkheimer/Adorno 1986, S. 209.Google Scholar
  132. 131.
    Horkheimer/Adorno 1986, S. 126.Google Scholar
  133. 132.
    Bauman 1994, S. 8. Die Herstellung eines systematischen Zusammenhangs zwischen der modernen okzidentalen Gesellschaft und dem Holocaust ist auch deshalb von entscheidender Bedeutung, da dadurch Interpretationen vermieden werden, die, wie etwa bei Primo Levi (1993 u.1994), in starkem Maße zu einer Anthropologisierung neigen.Google Scholar
  134. 133.
    Vgl. dazu Klemperer 1995. Das Interessante an seinen Tagebüchern ist vor allem, dass hier aus einer alltagsweltlichen Perspektive die Systematik der Verfolgung und Ermordung der Juden beschrieben wird.Google Scholar
  135. 134.
    Bauman 1994, S. 74; vgl. auch Baumanl997, S. 122f.Google Scholar
  136. 135.
    S. dazu Hilberg 1980, S. 87f. Es sei hier nur noch kurz angemerkt, dass der vor allem auch durch die Verwaltung betriebene Antisemitismus sich nicht durchweg auf die hier beschriebene moderne Form des Antisemitismus bezog. Wie etwa Browning (1980) anhand einer Untersuchung höherer Staatsbeamter, die in der Tradition des Nationalismus zu verorten sind, zeigt, war ihre anti-jüdische Haltung vielmehr ihrem Wunsch nach einem Wiedererstarken der deutschen Nation geschuldet, dem die Juden entgegenstünden. „The Jew was viewed not as an element of society who could trace his German roots back one thousand years, but as an alien from Eastern Europe with left-wing political sympathies who had exploited German weakness after World War I to infiltrate and dominate German life. The Jew was associated with those trends in German life that had to be reversed if a nationalist revival was to take place. The initial anti-Jewish measures of the Nazi regime were viewed as part of this ‘restoration’ process.“(Browning 1980, S. 188).Google Scholar
  137. Dieser Hinweis ist von Bedeutung, weil er darauf verweist, dass Rassismus unterschiedlichen Motivlagen entspringen kann und nicht notwendig mit rechtsextremen Einstellungen einhergehen muß. Wichtig ist dies m. E. für die Beurteilung von Untersuchungen etwa von Wählern und Anhängern rechtsextremer Parteien. Denn die Feststellung, wie etwa in der Studie von Stöss und Niedermayer (s. Frankfurter Rundschau 10. 7. 1998), dass nur ein Teil dieser Wähler und Anhänger rechtsextremem Gedankengut verhaftet seien, wirkt insofern verharmlosend, als damit der Eindruck erweckt wird, als seien nur die vollständig rechtsextrem Gesinnten politisch bedrohlich. Dabei wird jedoch übersehen, dass das Bedrohliche ja gerade darin besteht, dass der Nationalsozialismus und mit ihm der Holocaust nicht auf rechtsextreme Gesinnung reduzierbar ist.Google Scholar
  138. 136.
    Wir finden dieses Motiv in den schon mehrfach erwähnten Staatsutopien des 16. Jahrhunderts, wobei auch hier Organisation in kritischer Absetzung vom zeitgenössischen Staat als Mittel einer freien und gerechten Gesellschaft aufgefasst wird.Google Scholar
  139. 137.
    Wells, Socialism and the New World Order, in: Journalism and Prophecy, 1893–1946, London 1984, S. 278, zit. nach Bauman 1996, S. 51.Google Scholar
  140. 138.
    Zit. n. Lifton/Markusen 1992, S. 66.Google Scholar
  141. 139.
    Zit. n. Bauman 1996, S. 44.Google Scholar
  142. 140.
    Peukert 1989, S. 106. Dass es sich hier nicht um eine dem deutschen Faschismus eigene Anschauung handelt, sondern um ein Merkmal der modernen Gesellschaft belegen etwa die Zwangssterilisierungsprogramme in Schweden, die von prominenten Sozialreformern wie dem Ehepaar Myrdal in den 30er Jahren propagiert und bis 1975 staatlich durchgeführt wurden. (S. Frankfurter Rundschau 27.1. 1999) Eine Weiterführung dieser Logik findet sich in den Sterilierungsprogrammen in den Ländern der „Dritten Welt“, in denen systematisch Frauen der armen Bevölkerung Sterilisationen unterzogen werden. (S. Die Tageszeitung 11. 10. 1991)Google Scholar
  143. 141.
    Zit. n. Peukert 1982, S. 252.Google Scholar
  144. 142.
    S. Hilberg 1997, S. 53, Anm. 44.Google Scholar
  145. 143.
    Vgl. dazu Neumann 1984 und das Kapitel ‘Vom Privatkapitalismus zum organisierten Kapitalismus’ in dieser Arbeit.Google Scholar
  146. 144.
    Vgl. Hilberg 1997, S. 59ff.Google Scholar
  147. 145.
    Hilberg 1997, S. 60f.Google Scholar
  148. 146.
    Hilberg 1997, S. 1062.Google Scholar
  149. 147.
    Fromm 1983, S. 162ff. Genau genommen müsste man in diesem Zusammenhang nochmals differenzieren zwischen dem groben, noch sehr stark mit den von Fromm beschriebenen autoritären Zügen ausgestatteten konformistischen Charakter jenes Untertans, wie er in der Figur des Diederich Heßling von Heinrich Mann beschrieben wird und jenem, sehr viel ‘subtileren’, wenn man will, auch moderneren Typus und Meister der Mimikry, der, wie in der Hilsenrath’schen Gestalt des Max Schulz, scheinbar problemlos von der Rolle des SS-Schergen in die des angesehenen (weil im zionistischen Widerstand gegen die englische Besatzung zu Ehren gekommenen) israelischen Friseurs zu schlüpfen in der Lage ist. Eine solche Möglichkeit lässt sich jedoch nicht auf eine bestimmte Charakterstuktur reduzieren, sondern muss im Kontext der strukturellen bzw. institutionellen Homogenität der Gesellschaft interpretiert werden. (Dazu der Ansatz der Neoinstitutionalisten). Die Tatsache, dass Wissenschaftler, Juristen, Ärzte u. a. sich problemlos in die unterschiedlichsten politischen Systeme fügen können, begründet sich demnach nicht in ihrer besonderen Verwandlungskunst, sondern darin, dass sie so bleiben können wie sie sind.Google Scholar
  150. 148.
    Milgram 1974, S. 125.Google Scholar
  151. 149.
    Zitiert nach Dawidowicz 1979, S. 51f.Google Scholar
  152. 150.
    Lang 1982, S. 74.Google Scholar
  153. 151.
    Arendt 1986, S. 140.Google Scholar
  154. 152.
    Zur Kooperation der Opfer, vor allem in Gestalt der ‘Judenräte’, führt Bauman aus: „Die Judenräte wurden für alle Aufgaben herangezogen, die für die Vorbereitung zum Morden nötig waren. Sie mußten die Opfer der Deportation auswählen und genaue Personenlisten aufstellen. Sie mußten dafür sorgen, daß die Opfer zu den Eisenbahnwaggons gebracht wurden. Und wer sich widersetzte oder unauffindbar war, wurde von den jüdischen Ordnungskräften aufgespürt und mit Gewalt ausgeliefert.“(Bauman 1994, S. 153) Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Beschreibung der organisationalen Struktur der Widerstandsbewegung im Konzentrationslager Buchenwald von Bruno Apitz (1995). Bedeutsam ist dabei nicht so sehr, dass es dort eine strenge (für den Einzelnen völlig in transparente) Befehlshierarchie gab, die man auf die besondere Situation der Geheimhaltung zurückführen kann, sondern dass sich auch dort der für die moderne Organisationsform typische Mechanismus von Inklusion und Exklusion findet, der der gleichen Systematik gehorcht wie der, dem die politischen Gefangenen selbst zum Opfer gefallen waren. So distanzierte man sich sorgsam von anderen Häftlingen, die als Kriminelle, Homosexuelle, Gewaltverbrecher, etc. eine quasi eigene Kategorie von Inhaftierten bildeten.Google Scholar
  155. 153.
    Zur detaillierten Beschreibung der Funktion und Tätigkeit Eichmanns innerhalb des Vernichtungsprozesses s. die Arbeit Kempners (1961), in der auch eine umfängliche Bibliographie zu diesem Thema enthalten ist, und Safrian 1993.Google Scholar
  156. 154.
    Lang 1982, S. 32.Google Scholar
  157. 155.
    Lang 1982, S. 40.Google Scholar
  158. 156.
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  159. 157.
    Lang 1982, S. 145.Google Scholar
  160. 158.
    Bauman 1994, S. 104. Vgl. hierzu auch nochmals das obige Zitat aus einer Schrift Hitlers, in der er zwischen einem ‘gefühlmäßigen Antisemitismus’, und einem ‘Anti-semtismus der Vernunft’ unterscheidet.Google Scholar
  161. 159.
    Lang, 1982, S. 49.Google Scholar
  162. 160.
    Lang 1982, S. 55.Google Scholar
  163. 161.
    Lang 1982, S. 92, S. dazu auch S. 101.Google Scholar
  164. 162.
    Lang 1982, S. 260f.Google Scholar
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    Lang 1982, S. 131.Google Scholar
  166. 164.
    Anders 1964, S. 37.Google Scholar
  167. 165.
    Anders 1964, S. 22.Google Scholar
  168. 166.
    Anders 1988, S. 18.Google Scholar
  169. 167.
    Anders 1964, S. 51.Google Scholar
  170. 168.
    Anders 1964, S. 50.Google Scholar
  171. 169.
    Anders 1964, S. 26.Google Scholar
  172. 170.
    Anders 1964, S. 26f.Google Scholar
  173. 171.
    Arendt 1986, S. 54.Google Scholar
  174. 172.
    Arendt 1986, S. 54.Google Scholar
  175. 173.
    Adorno 1966, S. 95.Google Scholar
  176. 174.
    Adorno 1966, S. 95.Google Scholar
  177. 175.
    Adorno 1966, S. 97.Google Scholar
  178. 176.
    Arendt 1986, S. 76.Google Scholar
  179. 177.
    Arendt 1986, S. 77.Google Scholar
  180. 178.
    Eichmann zit. n. Arendt 1986, S. 77.Google Scholar
  181. 179.
    Arendt 1986, S. 77fGoogle Scholar
  182. 180.
    Arendt 1986, S. 78.Google Scholar
  183. 181.
    „Mit dem Begriff des ‘Klischee’ sollen mithin jene unbewußten Interaktionsformen bezeichnet werden, die in Kombination von Desymbolisierung und Fixierung auf den Stand vorsprachlicher virulenter Interaktionsformen zurückgestoßen werden.“(Lorenzer 1981, S. 133).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Michael Bruch

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