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Referenz und Interpretation. Zur Theorie nichtsprachlicher Symbolisierung

  • Volkmar Taube
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Zusammenfassung

Verstehen von Kunstwerken ist Verstehen von symbolischen Bezügen. In dieser Allgemeinheit scheint eine solche kunstsemiotische These leicht anfechtbar zu sein. Denn neben Kunstwerken, die etwas erzählen oder abbilden, gibt es ja noch Werke, die — wie Werke der gegengstandslosen Malerei — keine eigentlichen Inhalte transportieren und deshalb auch offensichtlich nicht als Symbole begriffen werden können. Ungeachtet dieser Einwände hat Nelson Goodman den Versuch unternommen, zu zeigen, daß auch Werke ohne narrative oder abbildende Struktur symbolische sind und folglich deren Interpretation als ein Akt der Bedeutungsfestlegung verstanden werden kann.1 Prüfen wir im Folgenden seine Argumente.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Nelson Goodman (1973), Sprachen der Kunst, Frankfurt am Main.Google Scholar
  2. 1a.
    Nelson Goodman Ders. (1984), Weisen der Welterzeugung, Frankfurt am Main.Google Scholar
  3. 1b.
    Nelson Goodman Ders. (1987), Vom Denken und anderen Dingen, Frankfurt am Main.Google Scholar
  4. 1c.
    Ders., Catherine Z. Elgin (1989), Revisionen: Philosophie und andere Künste und Wissenschaften, Frankfurt am Main.Google Scholar
  5. 2.
    N. Goodman (1987), op.cit., S. 125–126Google Scholar
  6. 3.
    Goodman führt den Exemplifikationsbegriff, wie hier nachgezeichnet, anhand von Alltagsfällen ein. Die hierbei gewonnen Einsichten, insbesondere in die selektive Natur der exemplifikatori-schen Bezugnahme, werden dann ohne eingehendere Diskussion auf die Künste übertragen. Erst in einer neueren Publikation hat Goodman aussagekräftige Beispiele diskutiert (cf. Anmerkung 4). Die üblicherweise von ihm angeführten Fälle für selektive Bezugnahme in den Künsten beziehen sich auf Eigenschaften eines Werkes, die typischerweise als ästhetisch irrelevant gelten.Google Scholar
  7. 4.
    Das Beispiel stammt aus einer neueren Arbeit von Goodman: N. Goodman, C. Z. Elgin (1989), op. cit., S. 57 ff.Google Scholar
  8. 5.
    Es spricht viel für die Annahme, daß wir — ähnlich wie bei der verbalen Klassifikation — auch bei der Klassifikation mit nichtsprachlichen Zachen vor der Wahl gleichberechtigter Alternativen stehen, die erst durch eine genauere Kenntnis der Ausdrucksabsicht signifikant eingeschränkt wird. Tatsächlich spielt die Bezugnahme auf nichtsprachliche Medien bei der Charakterisierung von Werkeigenschaften eine zentrale Rolle. So erinnere ich mich, wie mir beim Betrachten eines Gemälde von Jackson Pollock erst die Vergegenwärtigung eines bestimmten Musikstückes Einsicht in das im Bild realisierte Ordnungsgefüge geliefert hat: Erst der Vergleich mit dem Ordnungsgefüge der Töne ermöglichte mir die Bildstruktur auf erhellende Weise einzuordnen. Häufig entziehen sich ästhetische Eigenschaften verbaler Klassifikation. Nützlich sind deshalb Vergleiche z.B. mit Tanz, Musik, Literatur oder Film. Auf die Möglichkeit der Klassifizierung mit nichtsprachlichen Zeichen verweist uns neben Goodman auch Wittgenstein, wenn er festhält (Ludwig Wittgenstein (1977), Vermischte Bemerkungen, hrsg von Georg Henrik von Wright, Frankfurt am Main, S. 49): „Erinnere Dich an den Eindruck guter Architektur, daß sie einen Gedanken ausdrückt: man möchte auch ihr mit einer Geste folgen. “Google Scholar
  9. 6.
    Wie schon weiter oben hervorgehoben, läßt sich keine klare Trennlinie zwischen den typischerweise ästhetisch irrelevanten Merkmalen und den im Einzelfall ästhetisch irrelevanten Merkmalen ziehen. Z.B. zählt üblicherweise die Entstehungsgeschichte eines Werkes nicht zu den ästhetisch relevante Eigenschaft, dennoch gibt es im Umkreis zeitgenössischer Kunst Beispiele von Werken, bei denen das anders ist.Google Scholar
  10. 7.
    Die von uns oben vorgetragenen Beispiele verdeutlichen bereits, daß neben der Konvention auch der Werkkontext dazu beiträgt zu entschieden, welche Charakterisierungen ästhetisch relevant sind und welche nicht: auch der Farb- oder der Formkontext bestimmt, für welche Charakterisierungen einer gegebenen Farbe oder Form ich mich entscheiden muß. Die Entsprechung gewisser Sinneseindrücke oder Stimmungen durch Anwendung mehrerer sich gegenseitig verstärkender Ausdrucksmittel oder Skalen, spielen in der Ästhetik traditionell eine überaus wichtige Rolle und sie geben uns Hinweise darauf, wie wir bei der Werkinterpretation zu verfahren haben; cf. Ernst H. Gombrich (1978), Meditationen über Steckenpferd, Frankfurt am Main, S. 108–130.Google Scholar
  11. (8).
    Cf., Anmerkung 4Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Volkmar Taube

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