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Zweierlei Holismus. Überlegungen zur Interpretationstheorie Donald Davidsons

  • Frank Siebelt

Zusammenfassung

Nach D. Davidson gilt: „(...) to be a rational animal is just to have proposi-tional attitudes, no matter how confused, contradictory, absurd, unjustified or erroneous those attitudes may be. “1 Wie läßt sich diese Behauptung rechtfertigen? Eine Antwort kann darin gefunden werden, daß Davidson die Zuschreibung von propositionalen Einstellungen im Rahmen einer Theorie der Interpretation von der Intelligibilität eines ganzen Netzwerks von Einstellungen abhängig macht. „Propositionale Einstellung“ soll hier als Sammelbegriff für die verschiedensten psychologischen Zustände und Prozesse dienen, gekennzeichnet durch Verben wie „glaubt“, „hofft“, „wünscht“ oder „denkt“, bei der eine Person x in einer Relation zu den durch die (zumeist) mittels einer „daß“-Konstruktion nachfolgenden Sachverhalten steht.2

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Anmerkungen

  1. 1.
    D. Davidson (1985), „Rational Animals“, in: E. Lepore (Ed.), Action and Reaction, S. 473.Google Scholar
  2. 1a.
    Zu Davidson cf. G. Preyer, F. Siebelt, A. Ulfig (1984), „On Donald Davidson’s Philosophy“, in: Dies, (eds.), Language, Mind and Epistemology. On Donald Davidson’s Philosophy.Google Scholar
  3. 2.
    Als Abkürzung für den Ausdruck „a glaubt zu t, daß p“ für eine Person a, einen Zeitpunkt t und einen Sachverhalt p, verwende G (a,t,p).Google Scholar
  4. 3.
    R. Montague (1974), „Universal Grammar“, in: Ders., Formal Philosophy, S. 222.Google Scholar
  5. 4.
    Cf. D. Davidson (1984), „In Defence of Convention T“, in: Ders., Inquiries into Truth and Interpretation, S. 71;Google Scholar
  6. 4a.
    Cf. D. Davidson (1984), „Radical Interpretation“, in: Ibid., S. 125;Google Scholar
  7. 4b.
    Cf. D. Davidson (1984), Theories of Meaning and Learnable Languages, in: Ibid., S. 7.Google Scholar
  8. 5.
    So fordert beispielsweise auch M. Dummett, „that philosophical questions about meaning are best interpreted as questions about understanding: a dictum about what the meaning of an expression consists in must be construed as a thesis about what it is to know its meaning. “ M. Dummett, „What is a Theory of Meaning II“, in: G. Evans/J. McDowell (eds.) (1976), Truth and Meaning, S. 69.Google Scholar
  9. 6.
    Wenn eine Theorie T in ihren Folgerungen diesem Anspruch genügen soll, so muß sie natürlich endlich, formulierbar sein. Wenn Verstehen in diesem Zusammenhang Bedeutungswissen sein soll, dann ist das folgende Bild daher irreführend, x versteht die Sprache L gdw x weiß, daß T a T = „S, “ bedeutet in L, daß p a „S2“ bedeutet in L, daß q a... a... Schon auf den ersten Blick wird klar, daß auf diese Weise nicht verfahren werden kann, da die Darstellung des Wissens von z nicht abschließbar wäre.Google Scholar
  10. 7.
    Aus der Konfusion dieser Frage läßt sich, wie E. Lepore zeigt, eine Vielzahl der bekannten Argumente gegen das Programm von Davidson erklären. Cf.: E. Lepore (1982), „In Defence of Davidson“, in: Linguistics and Philosophy 5.Google Scholar
  11. 8.
    D. Davidson (1984), „Radical Interpretation“, in: op.cit., S. 178Google Scholar
  12. 9.
    Cf. etwa M. Dummett (1972), „What is a Theory of Meaning I“, in: S. Guttenplan (Ed.), Mind and Language, S. 106.Google Scholar
  13. 10.
    D. Davidson (1984), „The Inscrutability of Reference“, in: op. cit., S. 231.Google Scholar
  14. 11.
    Dies hat enorme Auswirkungen auf den formalen Anfbau der Theorie, wie etwa der Einführung des Erfüllungsbegriffs und der damit zusammenhängenden Ontologie von Folgen. Dies soll hier aber nicht weiter diskutiert werden. Cf. hierzu: B. Taylor (1980), „Truth Theories for Indexical Languages“, in: M. Platts (ed.), Reference, Truth, and Reality. Google Scholar
  15. 12.
    D. Davidson (1982), „Empirical Content“, in: Grazer Philosophische Studien Vol. 16/17, S. 487.Google Scholar
  16. 13.
    Cf. etwa ders.D. Davidson (1983), „A Coherencet Theory of Truth“, in: D. Henrich (Hrsg.), Kant oder Hegel, S. 436.Google Scholar
  17. 14.
    D. Davidson (1985), „Incoherence and Irrationality“, in: Dialectica 39, S. 351.Google Scholar
  18. 15.
    Cf. D. Davidson (1984), op.cit. 1983, 5.436; ders., „Radical Interpretation“, in. op.cit., S. 136.Google Scholar
  19. 16.
    W.v.O. Quine (1960), Word and Object, S. 59.Google Scholar
  20. 17.
    Dies wird auch deutlich, wenn man sich vor Augen hält, daß man in Glaubenskontexten nicht mehr uneingeschränkt die klassischen Substitutionsprinzipien für Terme anwenden kann. Die Beschreibungen, unter denen von einem Objekt etwas geglaubt wird, sind hier Teil der Glaubensstruktur selbst.Google Scholar
  21. 18.
    Dies sind auch wiederum diejenigen Sätze, die die Interpretation für den Interpreten in der Welt verankern, obwohl Davidson es tunlichst vermeiden möchte, hier auf einen Gegensatz zwischen Beobachtungssprache und theoretischer Sprache abzuzielen. Sätze, die aufgrund ihrer Bedeutungen nicht so „realistisch“ wie Sätze mit demonstrativen oder indexikalischen Elementen sind, werden in ihrer Interpretation dann durch ihre logischen und konzeptuellen Verbindungen zu den zuerstgenannten in ihrer Interpretation eingeschränkt. Cf. Davidson (1983), op.cit., S. 434.Google Scholar
  22. 19.
    Für eine beliebige Äußerung < r,s,t > ließe sich dann aus (E) zusammen mit (N) auf (5) schließen. Dies ist natürlich nur schematisch gedacht, da es die Brückenfunktion des Nachsichtsprinzips kennzeichen soll.Google Scholar
  23. 20.
    D. Davidson (1982), op.cit., S. 488.Google Scholar
  24. 21.
    D. Davidson (1982), „Paradoxes of Irrationality“, in: R. Wollheim, J. Hopkins (eds.), Philosophical Essays on Freud, S. 303. Cf. auch D. Davidson (1985), op.cit., S. 575.Google Scholar
  25. 22.
    Ibid., S. 350.Google Scholar
  26. 23.
    D. Davidson (1984), „Radical Interpretation“, in: op.cit., S. 477.Google Scholar
  27. 24.
    Ich denke hier an die Konzeption von Rationalität als „having reason’, wie sie z.B. von J. Bennett (1964), Rationality, entwickelt wurde.Google Scholar
  28. 25.
    Cf. z.B. MacDonald/Pettit (1981), Semantics and Social Science, S. 26.Google Scholar
  29. 26.
    D. Davidson (1984), „Radical Interpretation“, in: op.cit., S. 475.Google Scholar
  30. 27.
    Cf. Davidson (1982), op.cit., S. 298.Google Scholar
  31. 28.
    Normalbedingungen seien hier vorausgesetzt, wie etwa, daß Herr K keinem äußeren Zwang ausgesetzt war, seine Intentionen und Überzeugungen nicht wechselte usw.Google Scholar
  32. 29.
    Cf. ibid., S. 299; ders. (1985), op.cit., S. 349.Google Scholar
  33. 30.
    Cf. D. Davidson (1982), op.cit., S.298.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Frank Siebelt

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