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Bildliche Sprechakte

  • Volkmar Taube
Chapter

Zusammenfassung

Die auf J.L. Austin zurückgehende Sprechakttheorie hat sich fast ausschließlich mit sprachlicher Kommunikation beschäftigt. Kommunikative Akte mit nichtsprachlichen Symbolen — Gesten, nichtsprachliche Laute oder Bilder —, obwohl im Alltag allgegenwärtig, waren für sie nur von beiläufigem Interesse: als a-verbale Begleiterscheinungen „normaler“ Sprechakte, nicht aber als eigenständige kommunikative Akte. Eine Ausnahme bilden die Untersuchungen S. Kjörups. Aufbauend auf den von N. Goodman in seinem Buch „Sprachen der Kunst“ vorgelegten Analysen nicht-sprachlicher Symbolisierung, hat er den Grundstein für eine sprechakttheoretische Behandlung der bildlichen Darstellung gelegt. Im folgenden stelle ich Kjörups Theorie bildlicher Sprechakte vor und erörtere einige sich daran anschließende Fragen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    N. Goodman (1973), Sprachen der Kunst, Frankfurt am Main, S.17.Google Scholar
  2. 2.
    Ibid., S. 33.Google Scholar
  3. 3.
    Ibid., S. 38ff.Google Scholar
  4. 4.
    S. Kjörup (1978), „Pictorial Speech Acts“, in: Erkentnis 12, S. 56.Google Scholar
  5. 5.
    N. Goodman (1987), Vom Denken und anderen Dingen, Frankfurt am Main, S. 132.Google Scholar
  6. 6.
    Ibid., S. 132. Goodman meint, man benötige für die Erklärung von Abbildung (oder Beschreibung) nicht den Rekurs auf Handlungen. Zustimmen kann man aber seiner These, wonach Intentionen nicht hinreichen, um Abbildung (oder Beschreibung) zu bestimmen.Google Scholar
  7. 7.
    N. Goodman (1987), op.cit., S. 133.Google Scholar
  8. 8.
    S. Kjörup (1987), op.cit., S. 57.Google Scholar
  9. 9.
    N. Goodman (1987), op.cit., S. 133. Goodman hat die Entdeckung daß Beschreibungen sich, unabhängig davon ob sie denotieren, in Soundso-Beschreibungen sortieren lassen, für die Ausarbeitung einer nominalistischen Bedeungstheorie genutzt, Cf. N. Goodman (1949), „On Likeness of Meaning“, in: Analysis I, S. 1–7.Google Scholar
  10. 10.
    Cf. S. Kjörup (1978), op.cit., S. 61.Google Scholar
  11. 11.
    Ibid., S. 61 ff.Google Scholar
  12. 12.
    Ibid., S. 64Google Scholar
  13. 13.
    Kjörup, hierin Goodman folgend, hat eine Lesart von ,Soundso-Bild‘, nach der für ,Soundso„ niemals der Name des bezeichneten Gegenstandes eingesetzt werden kann. Folglich können wir von einem gegebenen Bild zwar sagen, daß es Napoleon abbildet und ein Mann-Bild ist, nicht aber, daß es ein Napoleon-Bild ist. Es liegt aber auf der Hand, daß man diese Beschränkung, für die Goodman merkwürdigerweise niemals eine Begründung angeführt hat, aufheben kann. Tun wir dies, steht uns eine besonders einfache Regel zur Verfügung, um eine gegbene Bezugnahme als Abbildung zu legitimieren: Wir können sagen, daß (singulare) Bezugnahme auf O innerhalb eines Abbildungskontestes nur dann zulässig ist, wenn das zur Bezugnahme verwendete Bild B ein O-Bild ist.Google Scholar
  14. 14.
    S. Kjörup (1978), op.cit., S. 64.Google Scholar
  15. 15.
    N. Goodman (1973), op.cit., S. 35.Google Scholar
  16. 16.
    S. Kjörup (1978), op.cit., S. 65.Google Scholar
  17. 17.
    Ibid., S. 66.Google Scholar
  18. 18.
    Der Vorschlag geht auf Goodman zurück, der meint, es sei inkonsequent, nur Bezugnahme unter Heranziehung von Handlungen zu erklären, nicht aber die Frage, wie ein Bild zu einem Soundso-Bild wird, cf. N. Goodman (1987), op.cit., S. 132ff.Google Scholar
  19. 19.
    Man konnte sich allerdings vorstellen, daß durch Erfindung neuer Bildtypen die etablierte Anwendung von ,Soundso-Bild‘ verändert wird, d.h. die Regeln, die bestimmen, was als Soundso-Bild gilt (wenn die oben in Anm. 13 geäußerte Vermutung richtig ist, bestimmen sogar die Regeln die Bezugnahme). Um einen neuartigen Bildtyp verstehen zu können, ist aber sicherlich ein Rekurs auf die Intention des Produzenten erforderlich.Google Scholar
  20. 20.
    A.C. Danto (1991), Die Verklärung des Gewöhnlichen, Frankfurt am Main, S. 209 if.Google Scholar
  21. 21.
    Das Hervorrufen von Gefühlen und Einstellungen gehört eher zu den perlokutionären Effekten von Sprechhandlungen, cf. J.L Austin (1962), How to do Things with Words. Ausdruck hingegen können wir als eine Sonderform der Symbolisierung begreifen, cf. N. Goodman (1973), S. 94ff.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Volkmar Taube

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