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Zu Richtigkeit und Interpretation der Metapher: Kognitive Funktion und rekonstruktive Schemainterpretation

  • Georg Peter

Zusammenfassung

Immer noch, trotz der zahlreichen, wenn nicht zahllosen Artikel über sie, ist die Metapher ein für die Sprachphilosophie interessantes Phänomen. Und es setzt sich immer häufiger die Überzeugung durch, daß es sich bei ihr nicht um etwas Marginales handelt, das vor allem in den Bereich der Kunst gehört, sondern etwas, das auch überall in der Alltagssprache zu finden ist. Dies legt den Schluß nahe, daß es sich bei der Metapher um eine sprachliche Darstellungsweise handelt, deren Verständnis wie auch Erzeugung Teil ganz allgemeiner kommunikativer Fähigkeiten sein muß. Insofern dies innerhalb der Diskussion auf Zustimmung trifft, stellt sich die Metapher zunehmend als eine Art Prüfstein dar, an dem sich eine allgemeine Bedeutungs- und Interpretationstheorie zu beweisen hat. Im Vordergrund der sprachanalytischen Diskussion steht dabei meist der erkenntnistheoretische Status der Metapher, d.h. die Frage, welche Bedeutung oder kognitive Funktion ihr bei der Darstellung oder Interpretation zukommt.

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Anmerkungen

  1. 1.
    D. Davidson (1990), „Die Unerforschlichkeit der Bezugnahme“, in: Ders., Wahrheit und Interpretation, Frankfurt am Main, S. 339.Google Scholar
  2. 2.
    Die Argumentation schließt in gewisser Weise an meinen Aufsatz „Die Nebenbeschäftigung der Symbole“ an, in dem ich mit Davidson gegen eine Wahrheitsfähigkeit der Metapher zu argumentieren versuchte, wobei aber trotzdem einem an Goodman orientierten Konzept der Vorzug zu geben ist. G. Preyer, G. Peter, A. Ulfig (1996), Protosoziologie im Kontext, „Lebenswelt“ und „System“ in Philosophie und Soziologie, Würzburg, S. 251–262.Google Scholar
  3. 3.
    Die Anführungszeichen sind mit Rücksicht auf Davidsons neuere Veröffentlichungen zu sehen, in denen er eine Kohärenztheorie der Wahrheit ablehnt, weil der Begriff der Relativität bei genauer Hinsicht „keinen Sinn mache“. Relatitivität soll hier nichts anderes heißen, als daß in einer Sprache die Verwendungsregeln und damit die Wahrheitsbedingungen für ihre Ausdrücke festgelegt sind.Google Scholar
  4. 4.
    Donald Davidson (1990a), „Was Metaphern bedeuten“, in: ders., Wahrheit und Interpretation, Frankfurt am Main, S. 345.Google Scholar
  5. 5.
    „The second thing that I was interested in was the dependance of the metaphorical affect on knowing the literal meaning of the words that are being used, something I think many theories inadvertently lost in sight.“ Donald Davidson (1993), „Reply to Oliver Scholz“, in: Ralf Stoecker (Hg) Reflecting Davidson, Berlin, S. 172.Google Scholar
  6. 6.
    Der Anfang enthält meines Erachtens eine deutliche und gelungene Anspielung auf die Metapherndiskussion und ihre Teilnehmer, die oft häufig über sich mehr aussagen würden als über ihren Gegenstand. Er nimmt das psychoanalytische Moment anschließend auch nicht mehr auf, und dieses ist auch nur als Anspielung stimmig: die Deutung durch den Analytiker sagt eigentlich nichts über ihn aus. Anders gesagt: bei der Diskussion kommt theoretisch nicht Verarbeitetes hervor. Donald Davidson (1990), op.cit., S. 343.Google Scholar
  7. 7.
    Nelson Goodman (1987), Vom Denken und anderen Dingen, Frankfurt am Main, S.144.Google Scholar
  8. 8.
    Hilary Putnam in seinem Vorwort zu N. Goodman (1988), Tatsache, Fiktion, Voraussage, Frankfurt am Main, S. IL Vgl.Google Scholar
  9. 8a.
    „Heutzutage glaubt praktisch niemand mehr, daß es eine reine formale wissenschaftliche Methode gibt.“ H. Putnam (1980), Vernunft, Wahrheit und Geschichte, Frankfurt am Main, S. 170.Google Scholar
  10. 9.
    „Statt zu versuchen die Richtigkeit von Beschreibungen oder Darstellungen unter den Begriff der Wahrheit zu subsumieren, sollten wir nach meiner Meinung lieber die Wahrheit zusammen mit ihnen unter den allgemeinen Begriff der Richtigkeit des Passens subsumieren.“ N. Goodman (1990), Weisen der Welterzeugung, Frankfun am Main 1990, S. 160.Google Scholar
  11. 10.
    N. Goodman (1990), Weisen der Welterzeugung, Frankfun am Main 1990,, S. 19.Google Scholar
  12. 11.
    N. Goodman und C. Elgin (1993), Revisionen. Philosophie und andere Künste und Wissenschaften, Frankfurt am Main, S. 205.Google Scholar
  13. 12.
    N. Goodman (1995), Sprachen der Kunst, Frankfurt am Main, S. 82.Google Scholar
  14. Bei der Metapher tritt die Frage nach dem Was der Bezeichnung hinter das Wie der Art des Bezeichnens zurück. Warum der Hund als „Hund“ zutreffend bezeichnet ist, ist eine merkwürdige, wenn nicht sinnlose Frage. Warum die Liebe aber ein „weites Feld“ sein kann, ist die nach der Bedeutung der Metapher.Google Scholar
  15. 13.
    N. Goodman (1995), op.cit., S. 77.Google Scholar
  16. 14.
    Es ist offensichtlich, daß eine grammatikalische Theorie ungeeignet ist, da Metaphern beispielsweise in „syntaktisch“ wohlgeformten Sätzen vorkommen. Der grammatikalisch korrekte und der semantisch sinnvolle Satz sind zwei unterschiedliche Dinge. Wittgensteins Begriff der (Tiefen-) Grammatik liegt dem der Syntax in diesem Kontext weit näher, insofern er eine implizite Regel-haftigkeit beinhaltet, die — bei aller Vorsicht gegenüber dem Begriff der „Regel“ — auch für die Metapher bestehen muß.Google Scholar
  17. 15.
    Cf.: Michael Bradie (1980), „Models, Metaphors and Scientific Realism“, Nature and System 2 (1980), S. 3–20.Google Scholar
  18. 16.
    M. Black (1983a), „Mehr über die Metapher“, in: A. Haverkamp (Hg.), Theorie der Metapher, Darmstadt, S. 396.Google Scholar
  19. 17.
    Hans-Julius Schneider (1993), „Syntaktische Metaphern“, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 41, S. 478.Google Scholar
  20. 18.
    M. Beardsley (1993), „Die metaphorische Verdrehung“, in: A. Haverkamp (Hg.), Theorie der Metapher, Darmstadt, S. 130.Google Scholar
  21. 19.
    Hans Lenk (1993), Philosophie und Interpretation. Vorlesungen zur Entwicklung konstruktio-nistischer Interpretationsansätze, Frankfurt am Main, S. 205.Google Scholar
  22. 20.
    Eine buchstäbliche Übertragung von Etiketten wäre nur ein ganz normaler Vergleich. Andererseits hat der metaphorisch bezeichnete Gegenstand aufgrund der Ähnlichkeit der Darstellung sicherlich einige Eigenschaften, die auch schon dem buchstäblichen Gegenstand zukommen. Dies würde aber in der Terminologie Goodmans die Exemplifikation von Etiketten betreffen, insofern beide Gegenstände ähnliche Dinge (umgangssprachlich) zum Ausdruck bringen. Eine einfache Lösung scheint mir hier nicht zugänglich, weshalb ich das Problem gerne verschieben würde.Google Scholar
  23. 21.
    Hans Lenk (1993a), Interpretationskonstrukte: Zur Kritik der interpretativen Vernunft, Frankfurt am Main, S. 442.Google Scholar
  24. 22.
    Lenk hat das Stufen- oder Ebenenmodell der Interpretation von Günther Abel übernommen und erweitert. Auf der ersten Stufe finden sich „praktisch unveränderliche Urinterpretationen“, auf der zweiten „gewohnheits- und gleichförmigkeitsbildende Musterinterpretationen“, auf der dritten die „sozial etablierte und kulturell tradierte Begriffsbildung“, auf der vierten die „bewußt geformte Einordnungsinterpretation“, dann die „erklärende und begründende Interpretation“, sowie auf der letzten, sechsten, Stufe die „erkenntnistheoretische Metainterpretation“. Cf.: Hans Lenk (1995), Schemaspiele. Über Schemainterpretationen und Interpretationskonstrukte, Frankfurt am Main, S. 103.Google Scholar
  25. 23.
    Zur Lern- und Lehrsituation vgl.: Ibid., S. 125ff.Google Scholar
  26. 24.
    M. Black (1993a), op.cit., S. 393.Google Scholar
  27. 25.
    Ibid. S. 392.Google Scholar
  28. 26.
    Ibid., S. 393Google Scholar
  29. 27.
    Oliver Scholz (1993), „,What metaphors mean‘ and how metaphors refer“, in: Ralf Stoecker (Hg.), Reflecting Davidson, Berlin, S. 169ff.Google Scholar
  30. 28.
    Cf. Hans Blumenberg (1960), „Paradigmen zu einer Metaphorologie“, in: Archiv für Begriffs-geschickte 6, S. 7–142.Google Scholar
  31. 29.
    Pierre Bourdieu (1987), Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, Frankfurt am Main, S. 281.Google Scholar
  32. 30.
    „Wenn wir nun die bewußtseinsphilosophischen Grundbegriffe, in denen Husserl die Lebensweltproblematik behandelt, aufgeben, können wir uns die Lebenswelt durch einen kulturell überlieferten und sprachlich organisierten Vorrat an Deutungsmustern repräsentiert denken.“ J. Habermas (1981), Theorie des kommunikativen Handelns, Band 2: Zur Kritik der funktionalisti-schen Vernunft, Frankfurt am Main, S. 189.Google Scholar
  33. 31.
    N. Goodman, Catherine Z. Elgin (1993); op.cit., S. 32.Google Scholar
  34. 32.
    Cf. N. Goodman (1990), op.cit., S. 20–30.Google Scholar
  35. 33.
    N. Goodman, Catherine Z. Elgin (1993), op.cit., S. 32.Google Scholar
  36. 34.
    Martin Seel (1990), „Am Beispiel der Metapher: Zum Verhältnis von buchstäblicher und figürlicher Rede“, in: Forum für Philosophie Bad Homburg (Hg), Intentionalität und Verstehen, S. 249.Google Scholar
  37. 35.
    Cf. N. Goodman, Catherine Z. Elgin (1993),op.cit., S. 208–210.Google Scholar
  38. 36.
    M. Seel (1993), „Über Richtigkeit und Wahrheit“, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 3, S. 512.Google Scholar
  39. 37.
    M. Seel (1993), „Über Richtigkeit und Wahrheit“, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 3,, S. 513.Google Scholar
  40. 38.
    M. Seel (1993), „Über Richtigkeit und Wahrheit“, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 3, S. 518.Google Scholar
  41. 39.
    Insofern die Rationalisierung von Weltbildern und die damit verbundene Separierung unterschiedlicher Geltungsbereiche der Rede ein Kennzeichen moderner Gesellschaften ist, verfängt dieser Einwand auch nur unter eben diesen Voraussetzungen. Es ist durchaus möglich, ethische und ästhetische Aspekte zusammen mit einer verpflichtenden (wahren) Sicht der Dinge in einem religiösen oder mythischen Weltbild zusammenzufassen. Mythen haben meist eine allegorische oder metaphorische Form. Die — ästhetische — Stimmigkeit einer Handlung in bezug auf allegorisch-mythische Deutungsmuster kann dann sehr wohl auch über ihre ethische Richtigkeit entscheiden. Für propositionale Wahrheit ist dies etwas komplizierter, da dort meist von einer bloß augenscheinlichen Sicht der Dinge im Unterschied zu einer eigentlichen„ oder „wahren‘ ausgegangen wird. Die ,wahre Sicht der Dinge‘ wird durch die Auslegung und die damit schon einhergehende Anwendung der mythischen Deutungsmuster erreicht, die meist durch Vertreter eines besonderen Standes vollzogen wird. Wissenschaftliche Aussagen haben sich in der Geschichte des häufigeren vor einem solchen Hintergrund rechtfertigen müssen.Google Scholar
  42. 40.
    In der Physik hat man sich sogar mit konfligierenden Wahrheiten abgefunden, wenn dem Licht etwa gleichzeitig Teilchen- und Wellencharakter zugeschrieben wird. Es lassen sich alle relevanten physikalischen Größen bestimmen, nur nicht auf einmal oder innerhalb eines Schemas. Das Erkenntnisziel bestimmt die Wahl des Schemas und damit die wahren Sätze. Eigentlich sollte der Bezug an dieser Stelle Goodmans Diskussion des Induktionsproblems sein in: ders. (1988), Tatsache, Fiktion, Voraussage, Frankfurt am Main.Google Scholar
  43. 41.
    Seel (1990), op.cit., S. 250.Google Scholar
  44. 42.
    Ibid., S. 250. Das Ziel seiner Argumentation ist es, die Funktion der Metapher in der Artikulation eines handlungsleitenden Situationsverständnisses zu sehen.Google Scholar
  45. 43.
    George Lakoff und Mark Johnson (1980), Metaphors We Live By, Chicago, S. 4.Google Scholar
  46. 44.
    „Whichever gestalt is evoked, we understand much more than is given directly in the sentence. Each such gestalt provides a background for understanding the sentence in terms that make sense to us, that is, in terms of an experimential category of our culture.“ Ibid., S. 168.Google Scholar
  47. 45.
    Für beide Zitate: Jürgen Habermas, in diesem Band, S. 282.Google Scholar
  48. 46.
    Problembewußtsein, Handlungs- und Kommunikationsziele regeln die Interpretation. Eine tiefgehende Interpretation ist nur manchmal notwendig oder sinnvoll. Manchmal ist sie aber aufgrund der Geschwindigkeit und der Fülle der Information auch nicht möglich, was die Werbung nutzt, um Bedeutung ohne Reflexion zu vermitteln.Google Scholar
  49. 47.
    Cf., ibid., S. 282.Google Scholar
  50. 48.
    Im Vordergrund bei diesem Effekt steht die illokutionäre Akt des Behaupten eines Sachverhaltes. „Hier regieren die illokutionären die perlokutionären Ziele.“ Ibid.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Georg Peter

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