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Neue Belegschaftsvertretungen - vier Übergangskonstellationen

  • Jürgen Kädtler
  • Gisela Kottwitz
  • Rainer Weinert
Part of the Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB)

Zusammenfassung

Wir werden im folgenden vier Übergangskonstellationen der Einflußnahme von Belegschaftsvertretungen auf den Prozeß der Neuformierung der betrieblichen Sozialordnungen unterscheiden. Die Typisierung ist induktiv und erfolgt ein wenig nach den Prinzipien von fuzzy logic. Das heißt, die vorgestellten Grundmuster sind nicht wirklich trennscharf; sie setzen vielmehr Akzente in dem Sinne, daß sie die jeweils überwiegende Tendenz in der Entwicklung der jeweiligen betrieblichen Verhältnisse charakterisieren sollen. Die ausführlicher vorgestellten betrieblichen Beispiele stehen damit auch nicht für die weitestgehende Annäherung an eine vorgestellte reine Form. Sie beschreiben vielmehr jeweils einen besonders instruktiven Fall, der für andere auch als Referenzfolie dienen kann. In diesem Sinne unterscheiden wir betriebspolitische Ordnungsgemeinschaften, kooperative Betriebspartnerschaften, marginalisierte Belegschaftsvertretungen und schließlich Belegschaftsvertretungen als betriebliche Gegenmachtzentren.

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Literatur

  1. 37.
    Die Beförderung zum Generaldirektor galt vor diesem Hintergrund als Einflußbe-schränkung und bildete zumindest einen Grund für den Vorgänger des letzten Betriebsdirektors, sich in den Westen abzusetzen.Google Scholar
  2. 38.
    Voraussetzung aus der Sicht des interviewten Leitungsmitglieds: “Es gab keinen Plan. Die Ministerien waren da, aber sie störten nicht. Die wurden mit Daten versorgt und dokumentierten. Und die Betriebe konnten machen, was sie wollten.”Google Scholar
  3. 39.
    Überlegungen der Betriebsleitung, den größeren Teilbetrieb abzustoßen, waren den Betriebsräten zu dieser Zeit nicht bekannt und spielten daher noch keine Rolle.Google Scholar
  4. 40.
    Offensichtlich wurde hier auf Kombinatsebene vom Generaldirektor der Führungsstil Günter Mittags reproduziert, den dieser auf den berühmten Leipziger Seminaren zelebrierte. Nach Mittag mußte man dort einige Generaldirektoren öffentlich “anzahlen”, weil die ökonomischen Hebel im Sozialismus nicht mehr griffen. Aus der Perspektive der Generaldirektoren waren diese Seminare “erniedrigend” und die “Inkarnation der Macht”, so die ehemalige GD des Kombinats Berlin Kosmetik, Christa Bertag, vgl. die Interviews mit ehemaligen Wirtschaftsführern in Pirker u. a. (Hrsg.) 1995.Google Scholar
  5. 41.
    Die Finanzierung der Mikroelektronik führte 1988 zu einer Kontroverse zwischen dem Leiter der Staatlichen Plankommission, Gerhard Schürer, der die Finanzierung des Mega-Chips als für die DDR untragbar ablehnte, und dem Sekretär für Wirtschaft des ZK der SED Günter Mittag, der für eine Ausweitung der Mikrochipproduktion in der DDR eintrat, vgl. hierzu u. a. Hertle 1995.Google Scholar
  6. 42.
    Da wir keine Totalerhebung gemacht haben, ist nicht auszuschließen, daß sich nicht doch ein kleiner Randbetrieb finden ließe, in dem es sich anders verhielt. Unsere Interviews mit Betriebsratsmitgliedern aus fünf zentralen Kombinatsbetrieben, den bisherigen Vorsitzenden der Gesamtbetriebsräte, in denen alle Einzelbetriebsvertretungen repräsentiert waren, sowie ergänzende Gespräche mit ortskundigen Experten ergeben jedenfalls keinen Hinweis auf Verhältnisse, die von den hier skizzierten abweichen, zumindest nicht in diesem Punkt.Google Scholar
  7. 43.
    Gemeint war hier die Enfernung bedeutender Unterlagen durch die Betroffenen selbst, nachdem bereits auf zentrale staatliche bzw. MfS-Anweisung bzw. in Eigeninitiative der mit den Unterlagen direkt befaßten Leitungen und Betriebsbürokraten zweimal ausgelesen worden war.Google Scholar
  8. 44.
    Entscheidend ist hier das Ausmaß dieser Irrationalisierung, das der für die realsozialistische Wirtschaft insgesamt kennzeichnende Mechanismus von zunehmendem zentralem Regelungsanspruch und dadurch induziertem realen Kontrollverlust in diesem Kombinat angenommen hatte.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Jürgen Kädtler
  • Gisela Kottwitz
  • Rainer Weinert

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