Advertisement

Die Entstehung von Betriebsräten in Ostdeutschland - oder: Wie entstehen handlungsfähige Belegschaftsvertretungen im volkswirtschaftlichen Konkursverfahren?

  • Jürgen Kädtler
  • Gisela Kottwitz
  • Rainer Weinert
Part of the Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB)

Zusammenfassung

Die Periode von Ende 1989 bis Ende 1993 bzw. Mitte 1994, die Gegenstand dieser Analyse ist, schließt gleich zwei epochale Brüche in der Entwicklung Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein: den Zusammenbruch der DDR als politisches, ökonomisches und gesellschaftliches System und die Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands. So wichtig das Problem für sich genommen auch ist — für die hier aufgeworfene Frage nach Entwicklungsperspektiven und Integrationsfähigkeit industrieller Beziehungen in Ostdeutschland kann dahingestellt bleiben, ob man das Ergebnis dieses doppelten Epochenumbruchs binnen weniger Monate mit Offe als — von der DDR her gesehen — “Verlust der Eigenstaatlichkeit durch Regimewechsel” interpretiert, der im Hinblick auf die weitere Entwicklung mit dem Mangel eines “fehlende(n) neue(n) Gesellschafts-vertrag(s)” behaftet ist, oder ob man mit Wilke/Müller davon ausgeht, daß hier eine Übertragung der Institutionen des einzigen demokratisch legitimierten deutschen Nachkriegsteilstaates stattgefunden hat, die sowohl langfristig durch die entsprechenden Einstellungen der übergroßen Mehrheit der ostdeutschen Bevölkerung als auch kurzfristig durch die Wahlvoten beider deutscher Teilbevölkerungen hinreichend legitimiert worden ist. Denn die auf der einen wie der anderen Grundlage gezogenen Schlußfolgerungen für die erwartbare Konflikt-verarbeitungs- und Integrationsfähigkeit der neuen Gesellschaft im Zuge des Angleichungsprozesses sind auf komplementäre Weise fragwürdig.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Eine Ausnahme bildet Münchs “Struktur der Moderne” (1984), die jedoch Struktur und Institution mehr oder weniger gleichsetzt; zur Kritik vgl. v. Beyme 1987. Anders verhielt es sich in der Politikwissenschaft, in der ab Mitte der 80er Jahre eine breite institutionentheoretische Diskussion ausbrach, mit dem Schwerpunkt auf der Entwik-klung einer allgemeinen Theorie politischer Institutionen; vgl. den Überblick bei Schmalz-Bruns 1989 sowie Göhler 1990; Göhler et al. (Hrsg.) 1990.Google Scholar
  2. 2.
    Das gilt beispielsweise für Lehmbruchs (1994) Versuch, die NIÖ auf die Transformation Ostdeutschlands anzuwenden, bei dem er einer von seinen amerikanischen Kollegen frühzeitig erkannten Gefahr unterliegt, indem er die soziale Einbettung von Marktprozessen vernachlässigt; vgl Granovetter 1985. Die Verweise von Lohr/ Rübenack/Schmidt (1995) auf allgemeine Institutionentheorien, Balzers Theorie sozialer Institutionen und Süleins Institutionentherorie und die Darstellung empirischer Ergebnisse bleiben unvermittelt.Google Scholar
  3. 3.
    Diese ist definiert durch die Funktionen und Kompetenzen, die der Treuhandanstalt durch das Gesetz zur Privatisierung und Reorganisierung des volkseigenen Vermögens (Treuhandgesetz) vom 17.6.1990 zugewiesen wurden und durch die sie als Kollektivunternehmer und -arbeitgeber für die volkseigenen Betriebe mit dem entsprechenden Direktionsrecht eingerichtet wurde. Ausgeblendet bleibt die Zugehörigkeit der Betriebe zu der von der Regierung Modrow am 1.3.1990 ins Leben gerufenen Vorläufer-”Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums” (Treuhandanstalt), aus der die Nachfolgeinstitution zwar unmittelbar hervorgegangen ist, die aber über keine reale Macht gegenüber den Betrieben verfugte und deshalb allenfalls als Hilfsinstanz bei der Durchsetzung betrieblicher Strategien Bedeutung erlangen konnte (so z.B. in dem im weiteren noch behandelten Fall der Privatisierung des Betriebes A unseres Samples).Google Scholar
  4. 4.
    Lohr/Röbenack/Schmidt (1995), die mit einer Typenbildung auf der Basis des Begriffs des Co-Management arbeiten, räumen selbst die Begrenztheit ihres Zugriffs ein. Demgegenüber ist der Vorschlag von Grünert (1993), eine Typenbildung ostdeutscher Betriebe nach den Kategorien der Marktorientierung, den Eigentumsverhältnissen und nach technologischem Niveau für unser Vorhaben zu allgemein.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Jürgen Kädtler
  • Gisela Kottwitz
  • Rainer Weinert

There are no affiliations available

Personalised recommendations