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Remanufacturing Informationelle und organisatorische Voraussetzungen

  • Egon Franck
  • Thorsten Bagschik

Zusammenfassung

Remanufacturing d.h. die Aufarbeitung, Reparatur, Instandsetzung und Modernisierung von Produkten und Komponenten mit dem Ziel ihrer erneuten Nutzung, wird z.Zt. vor allem vor dem Hintergund ökologischer Fragestellungen intensiv diskutiert. Ausgehend von den Defiziten der ökologischen Diskussion befaßt sich der Beitrag mit Remanufacturing auf einer mikroökonomischen Betrachtungsebene. Zunächst wird ein Überblick über die unterschiedlichen Remanufacturingoptionen im unternehmerischen Entscheidungsfeld gegeben, wie sie vor allem in der ingenieurwissenschaftlichen Literatur diskutiert werden. Dann werden die Entscheidungskalküle in einer Welt ohne Transaktionskosten skizziert. Anschließend werden Transaktionskosten in die Entscheidungskalküle eingeführt. Dabei zeigt sich, daß auch wohlfahrtserhöhende Investitionen in Remanufacturing an Marktversagen scheitern können. Ausgehend von den systematischen Ursachen des Marktversagens geht der Beitrag ausführlich auf unternehmerische Handlungsoptionen zu dessen Überwindung ein. Untersucht werden insbesondere Investitionen in Informations- und Glaubwürdigkeitssurrogate, die vertragliche Reallokation von Risiken sowie die Vorwärtsintegration von Herstellern in das sogenannte Flottenmanagement.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Nach der Wiedervereinigung konnte das Unternehmen den erheblichen Bedarf an Ladenkassen in den neuen Bundesländern preisgünstig und schnell durch aufgearbeitete Geräte decken. Vgl. dazu Schmidt (1995), S. 60.Google Scholar
  2. 2.
    Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang die Feststellung, daß die Schließung von Stoffkreisläufen keinesfalls unreflektiert mit Umweltverträglichkeit gleichgesetzt werden darf. Vgl. Hockerts et al. (1994), S. 3.Google Scholar
  3. 3.
    So wurde beispielsweise 1992 das 5. Umweltaktionsprogramm der EG „Für eine dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung“ vorgelegt. Darin wird u.a. gefordert, den Fluß aller Stoffe über Verarbeitung, Einsatz und Verbrauch so zu steuern, daß eine optimale Wiederverwendung oder Wiederverwertung erleichtert und gefördert wird, um Abfall zu vermeiden und den Abbau natürlicher Ressourcen zu verlangsamen. Vgl. EG (1992).Google Scholar
  4. 5.
    1993 trat eine VDI-Richtlinie über die Konstruktion recyclinggerechter technischer Produkte in Kraft, vgl. Verein Deutscher Ingenieure (1993). Starke Impulse löste 1994 insbesondere die Verabschiedung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes aus. Vgl. dazu Steinhilper (1993c). Ein Teil der ingenieurwissenschaftlichen Forschung befaßt sich mit dem Ziel, Produktgestaltungstechniken zu entwerfen, die auf der Grundlage einer Erfassung der in verschiedenen Produkdebensphasen entstehenden (externen) ökologischen Effekte eine Reduktion der Umwelteinflüsse ermöglichen. Verfahren zur Erfassung von Umweltwirkungen im Produktlebenszyklus werden in der Literatur unter „Product Life Cycle Assessment“ subsumiert. Vgl. z.B. Rhodes (1993), Specht (1996a), S. 122.Google Scholar
  5. 6.
    Ziel der Lebenszykluskostenrechnung ist die Berechnung der Gesamtkosten eines Produktes oder Systems unter Einbeziehung sämtlicher Folgekosten. Im Sinne Schmalenbachs gelangen dabei alle „schwebenden Geschäfte“ in der Rechnungsperiode — dem gesamten Lebenszyklus — zur Erledigung. Vgl. Coenenberg et al. (1994), S. 29. Die Betrachtung der Lebenszykluskosten fand zuerst bei der Planung von Großprojekten (z.B. bei Kraftwerken oder Gebäuden) Anwendung. Heute wird das Konzept auch bei der Anschaffung großer Investitionsobjekte eingesetzt. Vgl. Wübbenhorst (1984), Coenenberg et al. (1994), S. 29, Rückle/Klein (1994).Google Scholar
  6. 7.
    Bei Produkten, die nicht speziell für eine spätere Demontage konstruiert sind, nimmt beispielsweise das Lösen von Schraubverbindungen über 50% der Demontagezeit in Anspruch. Vgl. Schmidt (1995), S. 60.Google Scholar
  7. 10.
    Der Betreiber einer Spraydosen-Flotte konnte beispielsweise Erkenntnisse aus der Demontage von Fehlproduktionen bei dem Aufbau von Wiederbefüllungsprozessen nutzen. Vgl. Droste 1997.Google Scholar
  8. 11.
    Steinhilper (1990), S. 400, konstatiert jedoch bereits Anfang der 90er Jahre eine lebhafte Entwicklung des industriellen Produktrecyclings.Google Scholar
  9. 12.
    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat in Berlin einen in diesem Zusammenhang interessanten Sonderforschungsbereich „Demontagefabriken zur Rückgewinnung von Ressourcen in Produkt- und Materialkreisläufen“ eingerichtet. Vgl. zum Einsatz von Servicerobotern bei Wartung, Reparatur und Reinigung Schraft (1993). Vgl. zu Impulsen zu einer Mechanisierung und Automatisierung der Demontage Spath/Tritsch/Hartel (1995), Franck et al. (1998). Industrielle Recyclinganlagen für Automobile existieren bereits. Vgl. o.V. (1997a).Google Scholar
  10. 13.
    Smith/Wakeman (1985), S. 902, weisen darauf hin, daß ein Leasinggeber Teile aus älteren Maschinen in der Neuproduktion verwenden kann. Sie kommen jedoch zu dem Schluß, daß dieser Vorteil keinen ausreichenden Anreiz zum Leasing bietet.Google Scholar
  11. 14.
    Allerdings unterliegen Einsparungen von Entsorgungskosten bei dem Absatz von Konsumgütern in hohem Maße Marktversagen. Vgl. dazu Franck/Bagschik (1998).Google Scholar
  12. 15.
    Vgl. in diesem Zusammenhang zu dem Einfluß umweltfreundlicher Einstellungen auf das Nachfrageverhalten Gierl (1987), Wimmer (1988), Burghold (1990), S. 44–85, Monhemius (1990), Spada (1990), Tiebler (1992), Wimmer (1993), Herker (1993). Vgl. zum Begriff Umweltbewußtsein z.B. Clemens/förges (1981); Balderjahn (1986), Monhemius (1993). Vgl. zu ökologischem Marketing z.B. Brandt et al.(1988), Burghold (1990), Kaas (1992b), Meffert/Kirchgeorg (1992), S. 196–268, Keßler (1996).Google Scholar
  13. 18.
    In Bezug auf Qualitätsinformationen unterscheiden Nelson (1970) und Darby/Karni (1973) Suchbzw. Inspektionsgüter, Erfahrungsgüter und Vertrauensgüter.Google Scholar
  14. 19.
    Der Begriff der Qualitätsunsicherheit findet primär in der Marketingtheorie und der Informationsökonomie Verwendung. Vgl. Tolle (1994), S. 926. In einer weiten Fassung der Qualitätsunsicherheit wird auch Unsicherheit hinsichtlich der späteren Einhaltung von Vereinbarungen durch die Transaktionspartner mit einbezogen. Vgl. dazu Tietzel/Weber (1991), S. 115, Fußnote 7. Entgegen der gängigen Modellierung von Fehlwahlrisiken (Adverse selection) ist das Vorliegen opportunistischer Absichten nicht konstitutiv für Qualitätsunsicherheit.Google Scholar
  15. 20.
    Auf Arbeitsmärkten kann beispielsweise Bildung als Signal dienen. Vgl. dazu Spence (1974), Greenwald (1986), Stiglitz (1987).Google Scholar
  16. 21.
    Williamson (1983) führt in diesem Zusammenhang das Bild ökonomischer Äquivalente von Geiseln ein. Vgl. auch Klein et al. (1978). Ex ante dienen Geiseln zur Reduktion von Screening-Aufwendungen, ex post ermöglichen sie Schutz durch „bonding“: „Bonding occurs when some asset or wealth is forfeited under specified conditions.“ Ippolito (1990), S. 42. Kaas (1992a) gibt als Herkunft für die Geisel-Metapher Schelling (1963) an. Vgl. Schelling (1963), Kaas (1992a), S. 896, Fußnote 53.Google Scholar
  17. 22.
    Eine Reputation für gute Qualität oder Integrität besitzt für Anbieter einen Wert, da Nachfrager aufgrund ehrlichen Verhaltens in der Vergangenheit bereit sind, wiederholt Vertrauen entgegenzubringen (Extrapolationsprinzip). Weizsäcker (1978, 1980a, 1980b) zufolge haben Nachfrager Vertrauen, wenn sie positive Erfahrungen extrapolieren und sich so gleichsam „an eine gewisse Stabilität der Welt halten, auf einen Trend bauen“, Kaas (1992a), S. 896. Spence (1974) nennt dieses Phänomen in Anlehnung an Lewis (1969) „conventional signaling“ bzw. „conventionally based signaling code“. Vgl. Spence (1974), S. 88, Lewis (1969). Vgl. dazu auch Albach (1980), S. 5. Ähnlich wirken das akquisitorische Potential Gutenbergs und das Phänomen des Goodwill in der Marketingtheorie.Google Scholar
  18. 23.
    Mit „übler Nachrede“ ist hier nicht das wahrheitswidrige Verbreiten von Behauptungen gemeint (wie es z.B. in § 824 BGB als unerlaubte Handlung angeführt ist), sondern die wahrheitsgetreue Verbreitung von Informationen zwischen Nachfragern über schlechte Erfahrungen mit einem Produkt bzw. einem Anbieter.Google Scholar
  19. 24.
    Neben der Produktion außervertraglicher Qualitäts- und Reputationssignale, denen privat durchsetzbare Anreiz- bzw. Sanktionsmechanismen zugrunde liegen, können Anbieter eine vorliegende Informationsasymmetrie auch durch vertragliche Garantien überbrücken, die neben einer Risikoallokationsfunktion (Versicherung) auch eine Informationsfunktion (Signal) aufweisen. Vgl. grundlegend Spence (1977), Heal (1977). Weitergehende Erklärungen finden sich bei Priest 1981, Garvin (1983, Ungern-Sternberg (1984), Cooper/Ross (1985) sowie bei Mann/Wissink (1990). Nach Spence (1974, 1976, 1977) stellen Garantien ein zuverlässiges Qualitätssignal dar, da der Garantiegeber Anreize hat, den Eintritt von Garantiefällen und die damit verbundenen Kosten gering zu halten. Vgl. Spence (1974, 1976, 1977). Die Garantie als wichtiger Indikator für Produktqualität findet sich bereits bei McClure/Ryans (1968) und Olson (1972). Vgl. zu Garantien als Qualitätssignal auch Ungern-Sternberg (1984), Rapold (1988). Garantien können demzufolge Nachfragern valide Auskunft über die Produktqualität geben, da die vom Hersteller aufzuwendenden Kosten einer Garantie negativ mit der Produktqualität korrelieren. Die Garantiegewährung ist für einen Anbieter von qualitativ minderwertigen Produkten gegenüber einem Anbieter von Produkten überlegenerer Qualität ceteris paribus kostspieliger.Google Scholar
  20. 25.
    Der Pool-Effekt ist c.p. ausgeprägter, wenn der Anbieter über verschiedene Produktgruppen (und Nachfragergruppen) diversifiziert. Dadurch können auch etwaig verbleibende systematische Risiken aus dem Produktionsprozeß einzelner Produkte gepoolt werden. Das Poolen unabhängiger Risiken hat weiter den Vorteil, daß der Eintritt von Schadensfällen statistisch vorhersagbar wird. Vgl. Milgrom/Roberts (1992), S. 212. Zugrunde liegt hierbei, daß mit einer steigenden Zahl von Einzelrisiken (d.h. mit zunehmender Stichprobengröße) der Mittelwert immer genauer dem stochastischen Erwartungswert entspricht.Google Scholar
  21. 26.
    Spence (1974) geht in seinen Ausführungen vor allem von Garantien für den Fall eines totalen Zusammenbruchs (breakdown) langlebiger Konsumgüter aus. Vgl. Spence (1974), S. 89. Vgl. auch Darden/Rao (1979).Google Scholar
  22. 27.
    In der Literatur wird davon ausgegangen, daß bei der Anwendung von Garantien ein doppelseitiges Moral hazard-Problem symptomatisch ist. Vgl. dazu z.B. McKean (1970), Oi (1973), Priest (1981).Google Scholar
  23. 28.
    So haben Versicherungen mit Selbstbeteiligungen das Ziel, dem Versicherungsnehmer gleichzeitig Versicherungsschutz zu bieten und Anreize zu einem schadensbegrenzenden Verhalten zu setzen. Vgl. Schmidt (1988), S. 256, Spremann (1988), S. 616–617.Google Scholar
  24. 29.
    „Die marginalen Kosten der Garantiegewährung steigen, wahrscheinlich überproportional, mit dem Garantieumfang, so daß der optimale Garantieumfang niemals allumfassend, sondern immer unvollständig sein wird. Das Optimum ergibt sich im Ausgleich der Grenzkosten und der Grenznutzen der Garantiegewährung für den Anbieter.“ Tietzel/Weber (1991), S. 127.Google Scholar
  25. 30.
    Bei Automobilen umfassen Garantien z.B. den Motorblock und Getriebe, nicht aber Stoßdämpfer, Reifen und Sitzbezüge. Vgl. Franck et al. (1997), S. 209.Google Scholar
  26. 31.
    Hier bietet z.B. die Mikroelektronik sich ständig verbessernde technologische Rahmenbedingungen. Vielversprechend erscheinen sogenannte ID-Units, die es erlauben, das Nutzerverhalten in situ aufzuzeichnen. Vgl. dazu Scheidt/Zong (1994).Google Scholar
  27. 32.
    In diesem Zusammenhang können technische Innovationen ein Monitoring ermöglichen. ID-Units, die Verschleißparameter aufzeichnen, können Nutzern die Folgen ihrer Handlungen zuweisen und darüber hinaus Anbietern verläßliche Prognosen über die Restlebensdauer von Produkten liefern. Vgl. dazu Scheidt/Zong (1994).Google Scholar
  28. 33.
    Zu den Komponenten, die nach einer Reinigung und einer eventuellen Instandsetzung wiederverwendet werden, gehören beispielsweise Gehäuse, Rahmen, Kabelbäume, Schaltungen, Netzteile, Objektive, Fotorezeptoren und Fixierwalzen. Vgl. Marggrander (1997); vgl. o.V. (1991). Vgl. auch o.V. (1997b).Google Scholar
  29. 34.
    Dabei werden z.B. von Xerox strenge Qualitätskontrollen durchführt. Vgl. Xerox Corporation (1995), S. 6; vgl. Murray (1994), S. 9–10.Google Scholar

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© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Egon Franck
  • Thorsten Bagschik

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