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Symbolik und Wirklichkeit: Theoretischer Ansatz und Problemstellung

  • Ulrich Sarcinelli
Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS, volume 72)

Zusammenfassung

Eine theoretisch begründete Untersuchung, die den funktionalen Stellenwert spezifischer Inhalte und Strukturen der Politikvermittlung nicht nur als Konsequenz eines Angleichungsprozesses von wirtschaftlicher und politischer Werbung beurteilt, sondern auch vor dem Hintergrund des mit Wahlen und Wahlkämpfen verbundenen Legitimitätsanspruchs analysiert — nach HABERMAS müßte man eher von Manipulationsqualität sprechen 1) — steht noch aus. Dies verwundert umso mehr, als in zahlreichen Wahlkampfstudien immer wieder bestätigt wird, daß sich Wahlkämpfe, vor allem Bundestagswahlkämpfe, durch weitgehende Themenarmut, durch einen hohen Grad der Personalisierung, durch eine zunehmende Thematisierung von Stilfragen sowie durch eine auffallende Reduktion politischer Problemkomplexität auf politische Reizworte, Leerformeln etc. 2) auszeichnen. Die wissenschaftlichen Erklärungsversuche für diese Merkmale kommunikativer Auseinandersetzungen nicht nur in Wahlkämpfen sind bisher eher eklektizistisch. Es fehlt die Einordnung in einen demokratietheoretisch weiterführenden Begründungszusammenhang.

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Literatur

  1. 3).
    Vgl. insb. Edelman 1976; siehe auch Edelman 1971 und 1977 sowie Prose 1974Google Scholar
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  3. 7).
    Vgl. Cassirer 1964a, 1964b, 1964c (hier insb. 1964a, S. 18, sowie 1969, S. 174ff) Cassirer 1969, S. 175f; vgl. ebenso Jaspers 1956, S. 14ff und S. 141ff Langer 1965, S. 65ffGoogle Scholar
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    Vgl. Cassirer 1960. Siehe dazu auch neuerdings die Sozialpsychologie symbolisch vermittelten Handelns von Lindesmith/Strauss 1983Google Scholar
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    Morris 1981, S. 43f, zur zeichen— und handlungstheoretischen Bedeutung des Symbols vgl. auch Morris 1972, 1973 und 1977; Edelman 1976, S. 5; aus interaktionstheoretisch—sozialbehaviouristischer Perspektive vgl. Mead 1973, insb. S. 81ffGoogle Scholar
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    BergerJLuckmann 1982, S. 104f; vgl. insb. auch die sozialpsychologische Studie von Gerth/Mills 1970, insb. S. 208; Voegelin 1965, S. 49fGoogle Scholar
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    Vgl. Gerth/Mills 1970, S. 213; Merelman 1972, S. 82ff Edelman 1976, S. 4Google Scholar
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  10. 17).
    Ein anschauliches Beispiel für den fließenden Ubergang von Verweisungs— zu Verdichtungssymbolik gibt Friedhelm Wollner unter Hinweis auf die Rolle der Datenverarbeitung in der politischen Planung und Verwaltung. Angesichts der verbreiteten Technik— und Wissenschaftsgläubigkeit können, so Wollner, Verweisungssymbole schnell den Charakter positiv besetzter Verdichtungssymbolik annehmen, wenn etwa — wie auch in Wahlkampfreden zu beobachten — politische Argumentation mit “Zahlenreihen und statistischen Bataillonen” als Erfolgsziffern gestützt oder andere Formen von ‘Sachlichkeit’ oder ’Wissenschaftlichkeit’ zur Abstützung des eigenen Standpunktes instrumentalisiert werden. (Wollner 1979, S. 180). Vgl. dazu unten Kap. 7.3 und 10. 2Google Scholar
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    Edelman 1976, S. 6. Entsprechend könnte man Symbole mit Lowell Dittmer als “the basic unit of analysis in studies of political culture” bezeichnen (1977, S. 570); Elder/Cobb 1983, S. 81ff und S. 143ffGoogle Scholar
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    Vgl. zur Medienwirkungsforschung die Hinweise unten in Kap. 11Google Scholar
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    Kaack rekurriert dabei zwar auf die von ihm herausgearbeiteten “Merkmale des ‘Volksparteiensyndroms”’, spricht damit jedoch ein Grundphänomen politischen Handelns und Verhaltens in der Bundesrepublik an. (Vgl. Kaack 1978, S. 357) Zur politischen Kultur der Bundesrepublik vgl. die zusammenfassende Charakterisierung bei Greiffenhagen/Greiffenhagen 1979, insb. S. 18ff; S. 65ff; S. 116ff; Reichel 1981Google Scholar
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    Vgl. Arrow 1963; ders. 1969; Buchanan/Tullock 1962; Olson 1968Google Scholar
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    Vgl. Downs 1968, insb. S. 7ff und S. 26f; vgl. kritisch dazu Bachrach 1970; Barry 1975; Pateman 1970; von deutscher Seite vgl. insb. von Alemann 1973, S. 93ff; Widmaier 1974, S. 140ff; Frey 1970Google Scholar
  16. 37).
    Zur Theorie des rationalen Wählers vgl. aus politikwissenschaftlicher Sicht: Key 1966Google Scholar
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  18. 39).
    Vgl. Downs 1968, S. 93 sowie S. 7; zur wählerbedingten Ungleichheit der Informationskosten vgl. Fleischmann 1974, insb. S. 149ffGoogle Scholar
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    Ebenda, S. 61. Daß Wähler und Politiker in einer parlamentarischen Demokratie Neurotiker seien, verstehen die Autoren allerdings nicht im klinischen Sinne. Neurose ist für sie eine aus “innerer Unfreiheit begrenzte Begegnungsfähigkeit des Menschen mit sich, mit anderen und mit den Dingen”. Wenn “Demokratie auch als neurotisches Arrangement erscheint, so in dem Sinne, daß in ihr ein Ringen um die jeweils größere oder kleinere Souveränität der Weltbegegnung stattfindet”. (S. 6)Google Scholar
  20. 41).
    Vgl. Deutsch 1973, S. 138; Friedrich 1967, S. 107; vgl. auch Berger/Luckmann (1982Google Scholar
  21. 42).
    S. 102), die auf den Zusammenhang der “symbolischen Sphäre mit der kompaktesten Schicht der Legitimation” hinweisen.Google Scholar
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    Berger/Luckmann 1982, S. 104. S.ehe auch Pross 1977, insb. S. 54. Zur kommunikationstheoretischen Symbolforschung vgl. weiterhin Pross 1974Google Scholar
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    Jones 1976, S. 274. Vgl. auch Edelman 1976, S. 169ff; Friedrich 1967, S. 108Google Scholar
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    Vgl. dazu Schatz 1978, 1979, 1982a, 1982b; siehe auch Lenk 1961, S. 43; Zimmermann 1971, S. 165 sowie Narr/Offe 1975 (Einleitung); vgl. etwa auch Bergsdorf 1978 und 1983Google Scholar
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    Eulau/Karps 1977, S. 66 (unter Verweis auf Wahlke)Google Scholar
  26. 47).
    Der Legitimationsbegriff meint hier ausnahmsweise sowohl den Aspekt der Rechtfertigung von Politik durch den Politiker, als auch den der Zustimmung zur Politik durch den Bürger.Google Scholar
  27. 48).
    Berger/Luckmann 1982, S. 102. Zur Transzendierung des “empirischen Gegenstand(es)” durch politische Symbole vgl. auch Friedrich 1967, S. 107Google Scholar
  28. 56).
    Vgl. zur Differenzierung zwischen “specific” und “diffuse support” Easton 1975Google Scholar
  29. 57).
    Vgl. Sartori 1976; Lehner 1979, S. 87; vgl. hierzu auch die interessante These in Faltihausers lokaler Wahlkampfstudie, wonach die Parteien im Wahlkampf unter einem “Antizipierungszwang” stehen, durch den “die Wahlstrategie mit zunehmender Nähe des Wahltages immer mehr Gegner—orientiert” werde und eine oft wenig publikumsbedachte Eigendynamik entwickle. Die Parteien berücksichtigten in ihrem Verhalten während des Wahlkampfs in ungleich stärkerem Maße die “Aktionsparameter” der Gegenparteien. “Die Wahlkampfbüros bekriegen sich gewissermaßen über die Köpfe einer relativ uninteressierten Wählerschaft hinweg.” (Faltlhauser 1971, S. 11f) Siehe am Beispiel der außenpolitischen Diskussion im Bundestagswahlkampf 1980 diese These bestätigend Sarcinelli 1982a sowie für den Bundestagswahlkampf 1976: Sarcinelli 1979aGoogle Scholar
  30. 58).
    Gusfield (1963) spricht bei seiner Analyse typischer Verlaufsformen in der Entwicklung sozialer Bewegungen von “symbolic crusade”.Google Scholar
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    Vgl. als typisches Beispiel Sternberger/Storz/Süskind 1970; Korn 1959; zur Kritik vgl. Zimmermann 1971, S. 158ff; siehe dazu auch unten Kap. 5. 2Google Scholar
  32. 60).
    Zum Begriff vgl. Mannheim 1970, S. 15ff. Zum Loyalitätsbegriff vgl. zusammenfassend Massing 1983Google Scholar
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    Dittmer 1977, S. 570. Unsere Bemühungen sind gleichwohl nicht zu verstehen als der Versuch einer Synthese von “Political Culture” und “Political Symbolism” im Sinne Dittmers, wenngleich ihm insoweit gefolgt wird, als eine konzeptionelle Weiterentwicklung des politischen Symbolismus nur möglich ist über die systematische Analyse des politischen Prozesses und der Kommunikation dabei eine besondere Bedeutung zukommt. ( Vgl. S. 563 )Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Ulrich Sarcinelli

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