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Personalisierung als symbolische Politik

  • Ulrich Sarcinelli
Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS, volume 72)

Zusammenfassung

Neben, häufig noch vor und meist in Verbindung mit wertorientierend-leerformelhaften Sprachsymbolen sowie vielfach auf Reizwörter reduzierten Problemlösungskontroversen ist der argumentative Rekurs auf Politiker bzw. die Präsentation von Akteuren ein zentraler Rechtfertigungsgrund in der politischen Auseinandersetzung. Personalisierung gilt in der Wahlkampfkommunikation mehr noch als außerhalb von Wahlzeiten als ein wesentliches Grundmuster der politischen ”Dramaturgie und Inszenierungskunst”. (EDELMAN) In bemerkenswertem Gleichklang wird denn auch von wissenschaftlicher Seite der Wahlkampf immer wieder als ”themenloses Personalplebiszit”1) und als eine öffentlichkeitswirksame Selbstbeschäftigung von Politikern vor einem Millionenpublikum kritisiert, bei der politische Zielalternativen allenfalls ”als Beweis für die personalisierte Glaubwürdigkeitsdimension2) mediatisiert werden.

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Literatur

  1. 1).
    Kaltefleiter 1977, S. 160; vgl. auch ders. 1981, S. 7Google Scholar
  2. 2).
    Roth 1979a, S. 553Google Scholar
  3. 3).
    Manz 1972, S. 60; vgl. entsprechende Nachweise in der experimentellen Attributionsforschung bei Hastorf/Schneider/Polefka 1970, insb. S. 61–90; Heider 1958Google Scholar
  4. 4).
    Vgl. Norpoth 1977 (S. 568), der einen kontinuierlichen Anstieg der Kandidatenorientierung feststellt. In der Bundestagswahl 1980 scheint dagegen der Einfluß der Kandidaten im Vergleich zum Einfluß von Sachfragen und Parteibindung wieder auf das Niveau von 1972 zurückgegangen zu sein. Vgl. Infas—Report Wahlen 1980, S. 75f. Zu systemspezifischen Unterschieden der Bedeutung politischer Akteure vgl. Butler/Stokes (1974, S. 363ff.)Google Scholar
  5. 6).
    Zur Nominierung von Strauß vgl. Roth 1980; zur Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1976 siehe vergleichend: Roth 1979b, S. 56ff sowie ders. 1979a, S. 553fGoogle Scholar
  6. 7).
    Franz Josef Strauß, in: Welt—Interview: Strauß: Kohl soll Chef der Unionsfraktion bleiben, in: Die Welt, 7./8.7.1979, S. Hertz—Eichenrode, Bestandene Zerreißprobe, in: Die Welt, 4. 7. 1979Google Scholar
  7. 8).
    Hoffmann 1981, S. 91; zum Image—Begriff vgl. auch Schoeck 1970, S. 157 und als Gegenpolition: Wolf 1969. Zum Einfluß politischer Images auf das Wahlverhalten vgl. umfassend Wettstein 1980; zum wahlkampfstrategischen Stellenwert von Image—Duellen siehe hingegen Wolf 1980, S. 195Google Scholar
  8. 9).
    Vgl. Eltermann 1980; zum Wechselbezug von Identifikation und Projektion vgl. ders. 1978Google Scholar
  9. 10).
    Barber 1977Google Scholar
  10. 11).
    Schwartzenberg 1980Google Scholar
  11. 12).
    Eltermann 1980, S. 124ff; ders. 1978, S. 5201f. Eltermanns Untersuchungen beziehen sich allerdings auf die Kandidatenperzeptionen zu den Bundestagswahlen 1972 und 1976 und dürften bezogen auf die Konstellation Schmidt—Strauß nur begrenzt übertragbar sein.Google Scholar
  12. 13).
    Norpoth ( 1977, S. 537 und 569) betont unter Verweis auf die Buchsereie von White “The Making of the President…” für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen von 1960, 1964, 1968 und 1972, daß vergleichbare Veröffentlichungen etwa unter dem Titel “The Making of the Chancellor” kaum Bestseller werden könnten. (Siehe auch unten Kap. 9. 4 )Google Scholar
  13. 14).
    Vgl. dazu insb. Kaltefleiter 1981, S. 8ff; Infas—Report Wahlen 1980, S. 57ff; Forschungsgruppe Wahlen e.V. 1980a, S. 31ff; dies. 1980b, S. 56—f; dies. 1980c, S. 32ff; dies. 1980d, S. 31ffGoogle Scholar
  14. 15).
    Vgl. Eltermann 1978, S. 521. Für die Politikvermittlung spielt die Glaubwürdigkeitsdimension noch insofern eine wichtige Rolle, als es geradezu ein Gesetz in der kommunikationswissenschaftlichen Wirkungsforschung ist, daß die Höhe der Wirkung eines Stimulus von der Glaubwürdigkeit des Kommunikators abhängt. Vgl. dazu zusammenfassend Naschold 1973, insb. S. 23Google Scholar
  15. 16).
    Helmut Schmidt, zit. nach: M. Graf Nayhauss, Schmidt sucht noch seinen Wahlkampfstil, in: Die Welt, 5./6. 9. 1980Google Scholar
  16. 17).
    Hans Koschnick, zit. nach: ebendaGoogle Scholar
  17. 18).
    Vgl. Flugblatt der SPDGoogle Scholar
  18. 19).
    Vgl. Flugblatt der SPDGoogle Scholar
  19. 20).
    Vgl. Wahlkampfanzeige der SPD, in: Stuttgarter Zeitung, 29.8.1980, aus “formalen Gründen” kam der in diesem Zusammenhang gestellte Antrag der CSU bei der Gemeinsamen Schiedsstelle nicht mehr zur Entscheidung. Vgl. Die Welt, 4.10.1980: Der letzte Antrag; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.10.1980: keine weitere Entscheidung der W ahlkampfschiedsstelle; Süddeutsche Zeitung, 4.10.1980: Schiedsstelle entscheidet nicht mehr über CSU—BeschwerdeGoogle Scholar
  20. 21).
    Kaltefleiter 1981a, S. 10 (sic!)Google Scholar
  21. 22).
    Als exemplarische Vorwahlkampfsituation vgl. die innerparteiliche Diskussion der SPD auf dem Berliner Parteitag im Dezember 1979, auf dem in den Hauptreden der Spitzenpolitiker die Verhinderung einer Kanzlerschaft von Strauß zum parteiintegrierenden kleinsten gemeinsamen Nenner wurde. Vgl. dazu die Analyse von Sarcinelli 1980a, S. 49ffGoogle Scholar
  22. 23).
    Vgl. dazu auch Friedrich Karl Fromme, Der Kanzler und seine Partei, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. 9. 1980Google Scholar
  23. 26).
    Vgl. Berger u. a. 1981, S. 283ff; Kaltefleiter 1981, S. 8ffGoogle Scholar
  24. 27).
    Franz Josef Strauß, zit. nach: Süddeutsche Zeitung, 15.9.1980, Bundestagswahlkampf wird noch schärfer; Rainer Barzel, zit. nach: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.8.1980: Barzel nennt Schmidt “leitenden Angestellten des Marxismus”Google Scholar
  25. 28).
    Vgl. zur Entscheidung der Wahlkampfschiedsstelle in diesem Zusammenhang: Frankfuter Rundschau, 23.9.1980: Schiedskommission rügt CSU; Süddeutsche Zeitung, 23.9. 1980: Rüge für Wahlkampfbroschüre der CSU; Stuttgarter Nachrichten, 23.9.1980: Kritik an SPD—Broschüre der CSU. Siehe auch unten Kap. 10. 2Google Scholar
  26. 29).
    Vgl. oben Kap. 9.1; Eltermann 1978, S. 513fGoogle Scholar
  27. 30).
    Franz Josef Strauß, Wofür wir stehen und kämpfen (Rede auf dem CSU—Parteitag), in: Bayernkurier, 28. 6. 1980Google Scholar
  28. 31).
    Friedrich Zimmermann, zit. nach: Die Welt, 14.8.1980: “Der Kanzler ist lenkbare Figur des Ostberliner Regieassistenten”; vgl. den Vergleichsvorschlag der Wahlkampfschiedsstelle, in: Frankfurter Rundschau, 22.8. 1980: lohnender Einsatz; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.8.1980: Angriff gegen Schmidt nicht aufrechterhalten. Siehe dazu unten Kap. 10. 2Google Scholar
  29. 32).
    Vgl. die zahlreichen Nachweise über vergleichbare Argumentationsmuster bei Sarcinelli 1980bGoogle Scholar
  30. 33).
    Radunski 1980, S. 19; vgl. gleichsam als “Rezeptbuch” einer Imagekonstruktion McGinniss 1969; vgl. die oben in Kap. 9.2.1 genannte Titelserie “The Making of President…” von WhiteGoogle Scholar
  31. 34).
    Vgl. Eltermann 1980, S. 140; Paletz 1979, insb. S. 22; Radunski 1980, S. 12; ders. 1982, S. 14; Ruhland 1976, S. 293ff; ders. 1979, S. 208f; vgl. generell unten Kap. 11Google Scholar
  32. 35).
    Vgl. Does 1978, S. 162ff; Radunski 1981, S. 41f; Wolf 1980, S. 189Google Scholar
  33. 36).
    Siehe dazu auch oben Kap. 8.3; zur Integrationsfunktion von Personalisierung in Volksparteien vgl. bereits Narr 1966, S. 45Google Scholar
  34. 37).
    Vgl. Bethscheider 1983, insb. S. 20f; Sarcinelli 1980a, S. 49ffGoogle Scholar
  35. 38).
    Luhmann 1981dGoogle Scholar
  36. 39).
    Ebenda, S. 37Google Scholar
  37. 40).
    Helmut Schmidt, zit. aus: “Was befähigt Sie zum Kanzler?”, in: Der Spiegel Nr.40/1980, S. 24fGoogle Scholar
  38. 41).
    Franz Josef Strauß, zit. nach: Kommentarübersicht Inland I, hrsg. vom Presse— und Informationsamt der Bundesregierung, 29. 9. 1980, S. 35Google Scholar
  39. 42).
    Vgl. Abromeit 1972, S. 64f (Hervorhebung nicht im Original)Google Scholar
  40. 43).
    Vgl. z.B. Hess 1978Google Scholar
  41. 44).
    Zu den ersten, vielfach vernichtend kritisierten Versuchen, optische Kommentierung meßtheoretisch zu fassen, vgl. Kepplinger 1979, S. 163ff; zum Problem der Verdrängung von “Textplakaten” durch “Kopfplakate” siehe bereits Abromeit 1972, S. 66Google Scholar
  42. 45).
    Günter Nonnenmacher, Populismus — Volksnähe, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. 5. 1985Google Scholar
  43. 46).
    Zum Versuch, den genuinen Teil der Kandidatenorientierung am Wahlverhalten nachzuweisen, vgl. Klingemann/Taylor 1977, insb. S. 324ff; Norpoth 1977, S. 565Google Scholar
  44. 47).
    Vgl. Sennett 1986, insb. S. 288, 341 und 363f; siehe ebenso Riesman 1965, S. 204Google Scholar
  45. 48).
    Wolf 1980, S. 192Google Scholar
  46. 49).
    Vgl. etwa die Arbeiten von Greenstein (1960; 1961) und Easton/Dennis (1965, 1969), in denen die personale, gefühlsbestimmte und auf den amerikanischen Präsidenten gerichtete Orientierung als eine wichtige Grundlage für dauerhafte “diffuse Unterstützung” durch die Bürger angesehen wurde. Zur teilweisen Rezeption dieser Forschungsergebnisse im deutschsprachigen Raum siehe etwa Behrmann 1969; Nyssen 1970; Hainke 1971; vgl. zur Kritik an den klassischen Ansätzen zur Erforschung der politischen Sozialisation Streiffeler 1975; Behrmann 1979; Claußen 1979; Schneider 1979; aus partizipationstheoretischer Sicht verdienen dabei insb. Gronemeyers (1979, S. 179ff) Uberlegungen Beachtung.Google Scholar
  47. 50).
    Behrmann 1979, S. 25; Vgl. Dazu den Uberblick uber den Forschungsstand bei Schneider 1979Google Scholar
  48. 51).
    Weber 1972, S. 140ff; vgl. auch ders. 1968, S. 37Google Scholar
  49. 52).
    Vgl. Kirsch/Mackscheidt 1985, S. 56ff und S. 84ffGoogle Scholar
  50. 53).
    Vgl. Spiegel 1974Google Scholar
  51. 54).
    Robert Leicht, Die Zeit nach dem Duell, in: Süddeutsche Zeitung, 2.10.1980; vgl. auch Werner Holzer, Mann gegen Mann, in: Frankfurter Rundschau, 4. 10. 1980Google Scholar
  52. 56).
    Kurt Becker, Die Bombe vor der Wahl, in: Die Zeit, 3. 10. 1980Google Scholar
  53. 57).
    Hennis 1977, S. 188ff; vgl. auch Kaack 1978, insb. S. 355Google Scholar
  54. 58).
    Vgl. insb. Wangen 1983, S. 166ff; Wolf 1980, S. 191Google Scholar
  55. 59).
    Vgl. ebenda; Radunski 1980, S. 15ff; ders. 1982, S. 11ff; siehe dagegen in Kritik an der personalisierenden Massenkommunikation Geißler 1973, insb. S. 129; Skowronek 1979, S. 187; vgl. auch unen Kap. 11Google Scholar
  56. 60).
    Edelman 1976, S. 68 und 58Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Ulrich Sarcinelli

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