Advertisement

Europa 1992 pp 17-54 | Cite as

Steuerliche Unternehmensplanung auf dem Weg zum Europäischen Binnenmarkt

  • Hans-Jochen Kleineidam

Zusammenfassung

Eine auch auf die steuerlichen Konsequenzen unternehmerischer Entscheidungen Rücksicht nehmende Unternehmensplanung für den Europäischen Binnenmarkt sieht sich der beachtlichen Schwierigkeit gegenüber, steuerrechtliche Rahmenbedingungen antizipieren zu müssen, die
  1. (1)

    das Ergebnis eines sich zwischen den Staaten des EWG-Vertrages abspielenden politischen Harmonisierungsprozesses sind, dessen Fortgang und Ende gegenwärtig nicht absehbar sind, zumal er wegen Art 8a EWG-Vertrag, einer durch die Einheitliche Europäische Akte von 1986 eingefügten Änderung, auch noch unter Zeitdruck steht und

     
  2. (2)

    im nationalen Raum von der politischen Durchsetzbarkeit gänzlich unterschiedlicher parteipolitischer Vorstellungen von einer überfälligen oder überflüssigen Reform der Unternehmensbesteuerung abhängen.

     

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturhinweise

  1. 1.
    Vgl. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Die Besteuerung der Unternehmensgewinne. Sieben Länder im Vergleich. Gutachten im Auftrage des Bundesministeriums für Wirtschaft, Berlin 1989.Google Scholar
  2. 2.
    So die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Ingrid Matthäus-Maier u.a. in der Frankfurter Rundschau Nr. 19 vom 23.1.1989, S. 5.Google Scholar
  3. 3.
    Zur aktuellen Steuerpolitik vgl. Waigel, Theo, Bundesminister der Finanzen, Aktuelle Fragen der Finanz-und Steuerpolitik, in: Kommunale Steuer-Zeitschrift 1989, S. 122 f. Zu den Zielsetzungen der Steuerpolitik vgl. auch Schneider, Dieter, Reform der Unternehmensbesteuerung aus betriebswirtschaftlicher Sicht, in: StuW 4/1989, S. 328-339, hier: S. 329 ff.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. BT-Drucksache 11/1321.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. BT-Drucksache 11/1322.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. BT-Drucksache 11/1224.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. BT-Drucksachen 11/1326 bis 11/1329.Google Scholar
  8. 8.
    So Bundeskanzler Kohl in seinem Beitrag „Herausforderungen und Chancen des Europäischen Binnenmarktes“ im Bulletin 1988, S. 1225.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. das Jahresgutachten 1988/89 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bundestagsdrucksache U/3478 vom 24.11.1988.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. Giloy, J., Reform der Unternehmensbesteuerung, in: DStZ, 77. Jg. (22/1989), S. 547.Google Scholar
  11. 11.
    So etwa die Bundesregierung, das Bayerische Staatsministerium, der Rheinland-pfälzische Ministerpräsident.Google Scholar
  12. 12.
    So der Deutsche Städtetag, der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie-und Handelstag (DIHT), der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) und die Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU.Google Scholar
  13. 13.
    So insbesondere das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, das Institut der Deutschen Wirtschaft (IDW), Köln, das Frankfurter Institut für wirtschaftspolitische Forschung e.V. (Kronberger Kreis), Bad Homburg, das Karl-Bräuer-Institut des Bundes der Steuerzahler e.V., Wiesbaden.Google Scholar
  14. 14.
    Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Gutachten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums „Die Besteuerung der Unternehmensgewinne — 7 Industrieläner im Vergleich“, Berlin 1989.Google Scholar
  15. 15.
    So der Steuerfachausschuß des IDW in seiner Stellungnahme zur Unternehmenssteuerreform, in: FN-IDW 12/1989, S. 375.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. stellvertretend für viele weitere Barth, K., Die Höhe der deutschen Unternehmensbesteuerung im politischen Meinungsstreit. Eine Auseinandersetzung zwischen Ideologie und Wirklichkeit, in: BB 1989, H. 18, S. 1237 ff.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. FN 2.Google Scholar
  18. 18.
    Bisher war das Steuerrecht der Maxime der Einheit der Rechtsordnung verpflichtet, wonach sich der zivilrechtliche Dualismus zwischen Personen-und Kapitalgesellschaften im steuerrechtlichen Normensystem fortzusetzen hat. Die Frage der Rechtsformneutralität des Steuerrechts kann deshalb mit dem betriebswirtschaftlichen Postulat der Entscheidungsneutralität nicht beantwortet werden. Denn der Grundsatz der Gleichmäßigkeit der Besteuerung bezieht sich auf gleiche Sachverhalte. Ob aber eine Kapitalgesellschaft im Sinne unserer Rechtsordnung mit einer Personengesellschaft gleichgestellt werden kann, ist anhand der diese Rechtsordnung begründenden Axiome zu prüfen. Zur Maxime der Einheit der Rechtsordnung vgl. BVG v. 24.01.1962, BStBl. I 1972, S. 500.Google Scholar
  19. 19.
    Sie geht zurück auf Vorschläge aus dem Jahre 1924 und wurde auf dem 57. Deutschen Juristentag 1988 wieder aufgegriffen. Befürworter in der aktuellen Diskussion sind Knobbe-Keuk, Lang und Ritter.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. Lang, J., Reform der Unternehmensbesteuerung, in: StuW, 66. (19.) Jg. (1/1989), S. 3 ff. Kritisch zu den gegen die Betriebssteuer vorgebrachten Argumenten Knobbe-Keuk, B., Möglichkeiten und Grenzen einer Unternehmen Steuerreform, in: DB 1989, H. 26, S. 1303 ff.Google Scholar
  21. 21.
    Verordnung (EWG) Nr. 2137/85 des Rates vom 25.7.1985 über die Schaffung einer Europäischen wirtschaftlichen Interessenvereinigung (EWIV), ABI EG Nr. L 199 vom 31.7.1989, S. 1-9, Zitierweise: EWIV-VO.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. das EWIV-Ausführungsgesetz vom 14.4.1988, BGBl 1988 I, S. 514-516, Zitierweise: EWIV-AG.Google Scholar
  23. 23.
    Großbritannien lehnt bis zum heutigen Tage jegliche Mitbestimmungsregelung im Statut der SE ab, wohingegen die Bundesrepublik Deutschland auf einer solchen Verankerung besteht.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. BR-Drucksache 488/89 vom 13.9.1989.Google Scholar
  25. 25.
    „Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur Ergänzung des Statuts der Europäischen Aktiengesellschaft hinsichtlich der Stellung der Arbeitnehmer“ vom 12.7.1989, BR-Drucksache 488/89 vom 13.09.1989.Google Scholar
  26. 26.
    SE = Societas Europaea; vgl. Art. 1 u. Art. 11 des Verordnungs-Vorschlages.Google Scholar
  27. 27.
    Vgl. ABL-EG Nr. C 240 vom 9.9.1983.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. zu dieser Problematik insb. Flick, Hans, Nicht die deutschen Unternehmer, die deutschen Politiker haben den EG-Binnenmarkt verschlagen, in: Handelsblatt vom 04.10.1988, Nr. 191, S. 5., ders., Unternehmensplanung für den europäischen Binnenmarkt — Steuerliche Aspekte, in: DStR 1989, S. 557 ff.Google Scholar
  29. 29.
    So sieht das am 16.12.1988 paraphierte Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den USA eine stufenweise Herabsenkung der Kapitalertragsteuersätze für 1990/1991 auf 10 % und ab 1992 auf 5 % vor.Google Scholar
  30. 30.
    Soweit es sich nicht um eine Funktions-oder Landesholding i.S.d. § 8 Abs. 2 AStG handelt.Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. Beispiel im Handelsblatt vom 04.10.1988, Nr. 191, S. 5.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. Flick, Hans, a.a.O., S. 558.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. Burmester, Gabriele, Überlegungen zur Auflösung von Schweizer Zwischengesellschaften, in: RIW 1987, S. 299 ff.; Flick, Hans; Kappe, Klaus, Die steuerlichen und unternehmerischen Aspekte bei der Gründung einer Auslandsholding in Steueroasen-Ländern, in: HB vom 15.03.1988, Nr. 52, S. 16.Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. Flick, Hans, a.a.O., S. 561.Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. Zimmermann, Silvia, Nationalbericht der Schweiz zum Thema: Die steuerliche Ansässigkeit von Kapitalgesellschaften, in: CDFI, Brüssel 1987, Bd. 72 a, S. 551.Google Scholar
  36. 36.
    Vgl. OLG München, Urteil vom 06.05.1986, — 5 U — 2562/85, in: NJW 1986, S. 2197.Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. Rdvfg der OFD Düsseldorf vom 15.03.1985, zur steuerlichen Behandlung der sog. „nonresident limiteds“, in: WPg 1985, S. 258 f.; Verf. der DFD Köln vom 21.2.1985, in: FR 1985, S. 297 f.; zustimmend: Oppermann, Robert, Steuerrechtliche Folgen der Verlegung des Sitzes und des Orts der Geschäftsleitung von ausländischen Kapitalgesellschaften in das Inland, in: DB 1988, S. 1469 ff.Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. stellvertretend: Dötsch, Ewald, Körperschaftsteuerliche Behandlung der Verlegung des Sitzes bzw. der Geschäftsleitung einer Kapitalgesellschaft über die Grenze, in: DB 1988, S. 2298; Debatin, Helmut, Subjektfähigkeit ausländischer Wirtschaftsgebilde im deutschen Steuerrecht, in: BB 1988, S. 1158.Google Scholar
  39. 39.
    Vgl. BFH-Urteil vom 17.07.1968-I 121/64, BStBl II 1968, S. 615 unter Berufung auf RFH-Urteil vom 12.02.1939, — VI A 899/27 — RStBl 1930, S. 444; hinsichtlich der beschränkten Steuersubjektfähigkeit BFH-Urteil vom 3.2.1988 — IR 134/84 — BStBl II 1988, S. 598.Google Scholar
  40. 40.
    Die Doppelansässigkeit kann allerdings auch in anderen Mitgliedstaaten der EG begründet werden. So wurden beispielsweise im Verhältnis USA und Großbritannien doppelansässige Investment-Holdings errichtet. Vgl. hierzu: Murby, David J., Dual Resident Companies — Uses and Abuses, in: Bullentin, 1985, Vol. 39, S. 374; Schmidt, Karsten, „Company Residence“ nach britischem Steuerrecht; Regelungen zur Doppelansässigkeit, in: RIW 1987, S. 37.Google Scholar
  41. 41.
    Vgl. Richtlinie 63/340/EWG vom 31.05.1963, ABl. EG Nr. L 86 vom 10.06.1963 zur Aufhebung der Verbote oder Behinderungen von Zahlungen für Leistungen, wenn der Dienstleistungsverkehr nur durch Beschränkungen der dadurch verbundenen Zahlungen begrenzt ist.Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. Richtlinie 69/335/EWG vom 17.07.1969.Google Scholar
  43. 43.
    In diesem Zusammenhang sei an die durch das Steuerreformgesetz 1990 vorübergehend eingeführten zehnprozentigen Kapitalertragsteuer verwiesen. Bereits im Vorfeld der Ankündigung ihrer Einführung setzte eine erhebliche Kapitalflucht ein.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. EWG-Kommission: Der Aufbau eines europäischen Kapitalmarktes, Bericht einer von der EWG-Kommission eingesetzten Sachverständigengruppe, 1966, S. 319.Google Scholar

Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Hans-Jochen Kleineidam
    • 1
  1. 1.Steuerberater, HamburgDeutschland

Personalised recommendations