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Ungleichzeitigkeit im Gleichzeitigen: Doppelwahltag zur Wiener und Preußischen Landesvertretung am 24. April 1932

  • Detlef Lehnert

Zusammenfassung

Unter dem Eindruck des seit der Krisenzuspitzung vom Sommer 1931 immer deutlicher erkennbaren Vormarsches der NSDAP zur weitaus stärksten Wählerpartei im Deutschen Reich konnte die Problematik des ungleichzeitigen Entwicklungsverlaufs in Österreich eine unmittelbar handlungsleitende Bedeutung gewinnen: Auf einer SDAP-Vorstandssitzung am 15. Februar 1932 nannte Danneberg als profiliertester Wahlanalytiker seiner Partei noch den 8. Mai als vorgesehenen Wiener Termin unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, „wenn die Preußen-Wahlen nicht etwa vorher sind“84. Die verfassungspolitisch unbedenkliche zweiwöchige Vorverlegung auf den für Preußen festgesetzten 24. April 1932 folgte daraufhin sichtlich dem Kalkül, nicht in den Sog einer neuerlichen Umdrehung der nationalsozialistischen „Erfolgsspirale” ausgerechnet im hegemonialen reichsdeutschen Teilstaat zu geraten. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt der Wiener Termindispositionen dem politischen Vorlauf einer deutschen Präsidentenwahl ohnehin nicht mehr zu entrinnen. Insofern läßt sich aus der — eingestandenermaßen bequemeren — Position der historiographischen Rückblende die alternative Überlegung anstrengen, inwieweit nicht gerade die Nähe des personalisierten Wahlaktes mit der möglichen Wahrnehmung Hitlers als ein „verlorener Sohn des Vaterlandes“ die Ausstrahlungskraft nach Österreich hinein verstärkt hat. Abgesehen davon hätte sich jedenfalls in Wien die unklare Situation in Preußen nach einer Wahl ohne eindeutige Mehrheitsverhältnisse eher für die Mobilisierung traditioneller Vorbehalte gegenüber dem einstigen Hohenzollernstaat nutzen lassen, zumal im eigenen Gemeinderat und Landtag die weiterhin herstellbare Regierungsfähigkeit nicht ernstlich zu bezweifeln war.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1998

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  • Detlef Lehnert

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