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Die Nationalratswahl des 9. November 1930 als Probe auf einen Entwicklungsrückstand der NSDAP

  • Detlef Lehnert

Zusammenfassung

In den systematischen Reflexionen zur Geschichtsschreibung über die Weimarer Republik hat sich eine Phasengliederung durchsetzen können, die von anfänglicher Nachkriegskrise bis auf den Inflationshöhepunkt 1923 zur mittleren Periode relativer Stabilisierung (1924–1928/29) und schließlich der krisenhaften Endphase seit dem Herbst 1929 reicht.65 Demgegenüber tendieren analoge österreichische Forschungsansätze — neben der Berücksichtigung des früheren Inflationsendes 1922 im Zusammenhang mit dem Genfer Vertrag und nicht fortdauerndem geldentwertenden „Ruhrkampf“ wie in Deutschland — zur Markierung einer Zäsur bereits im Gefolge der Juliereignisse 1927: Mit ihnen konnte die „Periode relativer Stabilität” ihren Abschluß gefunden und (nach ungefähr einjähriger Übergangszeit) der „latente Bürgerkrieg“ bis zur Errichtung und Konsolidierung der Rechtsdiktatur 1933/34 seinen Usprung genommen haben (so z.B. Botz 1983: 87 ff., 161 ff.). Bei eingehender komparativer Betrachtung dürfte aber eine starke Relativierung dieser vorzeitigen Erosionstendenz der Ersten gegenüber der Weimarer Republik angebracht sein. Zunächst sollte ein punktuelles Geschehen wie dasjenige im Juli 1927 unter strukturgeschichtlichen Gesichtspunkten nicht überbewertet werden: Hätte etwa die innenpolitische Entwicklung bei einem anderen Gerichtsurteil und entsprechendem Ausbleiben dieser Unruhen einen grundlegend anderen Verlauf genommen? Überdies wurde mit umgekehrtem Vorzeichen im Jahre 1928 die in Deutschland anderweitig zu verzeichnende Polarisierungstendenz — z.B. mit der Ruhreisenaussperrung sowie Rechtswende bei der DNVP und der Zentrumspartei in stärkerer Absetzung von der Sozialdemokratie und dem Liberalismus — nur vom trügerischen Eindruck des Wahlerfolges der Verfassungsparteien im Reich und in Preußen überlagert.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1998

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  • Detlef Lehnert

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