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Die NSDAP im Durchbruch zur Massenbewegung: Die Reichstagswahlen am 14. September 1930

  • Detlef Lehnert

Zusammenfassung

Im Krisenzyklus sich fortschreitend verkürzender politischer „Halbwertszeiten“ des Regierungswechsels und der Parlamentsauflösungen markieren die Septemberwahlen 1930 in der Geschichtsschreibung mit Recht einen Kulmination- und Wendepunkt von der latenten zur manifesten Erosion der Weimarer Republik. Das nach dem Bruch der Großen Koalition im März 1930 gebildete Minderheitskabinett Brüning war von vornherein ohne die Unterstützung einer Reichstagsmajorität und insofern als erste Präsidialregierung angetreten: getragen vom Vertrauen des — 1925 durch Volkswahl ins Amt gelangten42 — Reichspräsidenten Hindenburg als primärer Legitimationsquelle und damit in gewollter „ersatzmonarchischer“ Analogie zu den vermeintlich „überparteilichen“ kaiserlichen Regierungen vor 1918. Als sich Brüning mit seinem krisenverschärfenden Sparkurs, der zugleich die Siegermächte von deutscher Zahlungsunfähigkeit überzeugen sollte, im Reichstag zunächst nicht durchsetzen konnte, ließ er sich von Hindenburg die Ermächtigung zur vorzeitigen Reichstagsauflösung erteilen. Dabei fehlte es an hinreichender Bereitschaft zur kompromißorientierten Verständigung mit grundsätzlich (wenn auch nicht um jeden geforderten Preis) verantwortungsbewußten Oppositionsparteien wie der SPD. Wenn den Initiatoren des neuen Kurses nicht abgrundtiefer Dilettantismus und komplette Selbsttäuschung bei Erfolgskalkülen unterstellt werden soll, mußte angesichts fehlender Mehrheitschancen des Brüning tragenden Mitte-Rechts-Spektrums die politische Strategie auf umwegige Machtstabilisierung abzielen: entweder durch für sie ungünstige Wahlresultate bislang oppositionelle Kräfte anpassungswilliger werden zu lassen oder überhaupt in deutlicherem Abstand zu den bisherigen Grundsätzen des Parlamentarismus zu regieren.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1998

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  • Detlef Lehnert

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