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Vordringliche Fragen

  • Franz Wilhelm Fickel

Zusammenfassung

Keine deutsche Innenstadt bleibt von der Konkurrenz auf der grünen Wiese verschont. Laut Schätzungen der GfK Nürnberg und anhand veröffentlichter Angaben bestehen (1996) an der Peripherie unserer Städte etwa 12 000 großflächige Einzelhandelsbetriebe, wie Möbel-, Baumärkte, Gartencenters, SB-Warenhäuser; im Schnitt entfallen auf jeden der 440 Stadt- und Landkreise etwa 27 dieser Märkte. Die Zahl der Shopping Centers im gesamten Bundesgebiet hat sich auf ungefähr 200 erhöht, wovon 70 allein (seit 1990) in den neuen Bundesländern entstanden sind.

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Literatur

  1. 48.
    siehe Anmerkung 29.Google Scholar
  2. 49.
    Wie zum Beispiel eine Überprüfung ergab, beschränkt sich das Paunsdorf-Center am Rande der Stadt Leipzig nicht nur auf die genehmigten 70 000 Quadratmeter sondern nutzt insgesamt 80 000 Quadratmeter als Verkaufsfläche. Die Differenz von 10 000 war im Bebauungsplan als Ausstellungs- und Lagerfläche deklariert worden; sie wurde aber nach Eröffnung für Verkaufsaktivitäten verwendet.Google Scholar
  3. 50.
    Schon demnächst steht ein „weiteres Abkassieren“ beim Autofahrer bevor. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG) in Köln wehrt sich zurecht gegen das beabsichtigte ‘Road-Pricing’, nämlich gegen die Einführung von Straßenbenutzungsgebühren, mit denen kostspielige Investitionen der Städte finanziert werden sollen. Der Deutsche Städtetag und Bundesverkehrsminister lassen zur Zeit komplexe elektronische Leitsysteme erproben, die den Stadtverkehr steuern sollen.Google Scholar
  4. 51.
    Wie die Welttourismusorganisation (WTO) in Madrid berichtet, wurden in 1996 knapp 600 Millionen Urlaubsreisen ins Ausland unternommen. Mit rund 62 Millionen Urlaubern an erster Stelle steht Frankreich, gefolgt von den USA (45 Mio), Spanien (41 Mio), Italien (36 Mio) und China (26 Mio); in der Liste der zehn meistbesuchten Länder taucht Deutschland nicht auf. Den stärksten Zuwachs in 1996 verzeichnete der Nahe und Ferne Osten. — Die WTO prognostiziert für die kommenden Jahre eine Beschleunigung des Reisebooms und bis zum Jahr 2010 nahezu eine Verdoppelung der Auslandsreisen (von 0,59 auf 1 Milliarde).Google Scholar
  5. 52.
    Schon auf die noch reifenden Pläne zur Verlängerung der Ladenöffnungszeiten kündigten die Interessensver-bände Widerstand und ‘Aktionen’ an. Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) schürte Ängste vor einer „Welle von öffnungsbedingtem Personalabbau und Ladensterben“. Die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) sammelte Stimmen gegen die „Demontage des Ladenschlußgesetzes“.Google Scholar
  6. 53.
    So lechzt beispielsweise der Düsseldorfer Architekt und Städteplaner Walter Brune, der in seiner Stadt für Milliarden DM die Kö-Galerie und Schadow-Arkaden gebaut hat und verwaltet, nach liberalen Öffnungszeiten, weil er sich davon eine anhaltende Belebung der Einkaufslagen und vor allem den notwendigen Mehrumsatz für seine (nicht unproblematischen) Einkaufspassagen verspricht.Google Scholar
  7. 54.
    Wie der BAG-Präsident (und Karstadt-Vorstand) Walter Deuss (Ende Dezember 1996) bekanntgibt, machen die Verbraucher vom neuen Ladenschluß vor allem am Donnerstag, Freitag und Samstag Gebrauch, und zwar überdurchschnittlich Männer und Jugendliche. Die Gewinner im Handel seien Geschäfte in Innenstädten und Einkaufszentren. Die längeren Ladenöffnungszeiten haben den Rückgang der Einzelhandelsbeschäftigten nicht stoppen können; jedoch wurden Vollzeit- in Teilzeitarbeitsplätze umgewandelt. Die seit November 1996 verlängerten Ladenöffnungszeiten stellen sich im Vergleich zum Ausland als „Mini-Liberalisierung“ dar. In Schweden dürfen kleine Läden nach Belieben öffnen; wenn es sich lohnt, machen sie auf, wenn nicht machen sie zu. Etliche Länder der Europäischen Union gaben die Öffnungszeiten an Werktagen nahezu frei, wie Frankreich, Großbritannien, Irland und Portugal.Google Scholar
  8. 55.
    So hat der für die Raumordnung zuständige Bundesbauminister Klaus Töpfer Mitte 1995 in einem Strategiepapier (altbekannte und bisher fruchtlos gebliebene) Aktionen aufgeführt, mit denen er die Standortwahl des Einzelhandels nachhaltig beeinflussen will. Der innerstädtische Einzelhandel soll noch stärker als bisher gefördert werden und schrittweise (aus den Taschen der unaufhaltsam zur grünen Wiese hin tendierenden Verbraucher) eine Finanzspritze nach der anderen erhalten. Töpfer verabscheut die „… Museumsdörfer, wie es sie in den alten Bundesländern gibt…,“ und will -widersinnigerweise — mit „städtebaulichem Denkmalschutz“ Fehlentwicklungen im Osten bremsen. Er glaubt sogar, „privates Kapital für diesen Zweck“mobilisieren zu können, nachdem dafür seit 1991 fast drei Milliarden DM an öffentlichen Mitteln verausgabt worden sind, ohne den erwarteten Multiplikatoreffekt auf die wirtschaftliche Belebung der ostdeutschen Innenstädte erzielt zu haben. Wie auf dem Kongreß anläßlich der Leipziger Messe 1996 von Töpfer verlautet, wurden seit 1991 für den „städtebaulichen Denkmalschutz“3600 Gebäude modernisiert, 3300 Gebäude gesichert, 460 historische Straßen und Plätze erneuert und 33 Kirchen gerettet. Diesen „Städtebau“hat der Bund in den neuen Ländern mit 5,4 Milliarden DM bezuschußt; das sind 64 Prozent aller Bundesfinanzhilfen, die in den alten Ländern seit 1971 geleistet wurden. In diesem Jahr, wo auf allen Ebenen gespart werden soll, um die prekäre Arbeitsplatzkrise zu meistern, um die Notwendigkeit einer Reduzierung von Lohnnebenkosten und Steuerbelastungen einer demonstrierenden Arbeitnehmerschaft glaubhaft zu machen, werden von der Regierung weiterhin Bundesfinanzhilfen und Fördermittel für den Erhalt von Denkmälern gewährt und sogar noch aufgestockt. Zwar sagt der Minister, der Handel sei mit seiner multiplikativen Wirkung wichtiger als die eine oder andere hier (im Denkmalschutz) investierte Million, bestreitet aber die Nutzlosigkeit der bisher verausgabten Mittel zur Vitalisierung der Stadtzentren.Falls alle Register versagen, müsse — nach Töpfers Meinung — die Belebung der Innenstädte politisch erzwungen werden, indem für Einkaufszentren auf der grünen Wiese verlängerte Ladenschlußzeiten nicht gelten und die Verbraucher gesonderte Mautgebühren für die Anfahrtswege zu diesen Standorten zu zahlen hätten.Google Scholar
  9. 56.
    Immer mehr deutsche Industrieunternehmen entwickeln sich zumindest partiell zu Handels- und Dienstleistungsunternehmen, indem sie ihre Produktion nach und nach ins Ausland verlagern. Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels schätzt den Anteil der Unternehmen, die nicht mehr im klassischen industriellen Bereich tätig sind, auf über fünfzig Prozent.Google Scholar

Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Franz Wilhelm Fickel

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