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Methodisches

  • Karl Schattenhofer
Chapter
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Part of the Beiträge zur psychologischen Forschung book series (BPF, volume 27)

Zusammenfassung

Vor der Darstellung der Ergebnisse empfiehlt es sich, einen kurzen Blick auf die Methodik der Untersuchung zu werfen. Die Art der Befragung sowie die Auswertung der Daten beeinflussen nicht nur die gewonnenen Antworten entscheidend, sie verändern im Sinne einer Intervention die Gruppen selbst. Datenerhebung zur Diagnose und verändernde Interventionen sind nach dem Verständnis der Aktionsforschung nicht voneinander zu trennen.

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Literatur

  1. 1.
    Bei der Erforschung komplexer sozialer Kontexte und Handlungszusammenhänge haben qualitative Methoden eine lange Tradition; sie erscheinen dafür besonders geeignet (vgl. C.Hopf 1984, S.19)Google Scholar
  2. 2.
    weil quantitative, standardisierte Analysen nichts über die Bedeutung der Prozesse und Strukturen in sozialen Systemen aussagen und nur ganz grobe Zusammenhänge (z.B. zwischen Struktur und Aufgabe einer Organisation) erfassen können. (Beispiele bei C. Hopf, 1984 )Google Scholar
  3. 3.
    Jede Form von teilnehmender Beobachtung über einen längeren Zeitraum hinweg wäre zu aufwendig gewesen und hätte keine Selbstaussagen der Gruppenmitglieder erbracht. (Zur Methode der teilnehmenden Beobachtung in SHGs: E.Halves u.a. 1984)Google Scholar
  4. 4.
    Die Analysen von Gruppensitzungen anhand von Video-und Tonbandaufzeichnungen, wie in der Analyse selbstanalytischer und therapeutischer Gruppen üblich (D.Sandner 1978, 1988 im Überblick), führen v.a. zum Verstehen von Interaktionsmustem oder “verdeckten” Gruppenthemen im psychoanalytischen Sinn.Google Scholar
  5. 5.
    z.B. R.K. Merton, P.L. Kendall 1942, 1984), ausführlich an einem Beispiel beschrieben bei T. Faltermaier ( 1987, S. 247–263 )Google Scholar
  6. 6.
    In der Prozellevaluation in gruppendynamischen oder pädagogischen Settings wird Ähnliches praktiziert. (z.B. G.Fatzer, H Jansen 1980)Google Scholar
  7. 7.
    Die Grundidee ist, durch die Einnahme neuer, ungewöhnlicher Perspektiven neue Informationen in ein System einzuführen und mit den bekannten, ausgesprochenen zu vergleichen. Das Vorgehen in der Untersuchung hat bestimmte Ähnlichkeiten mit den zirkulären Fragen und dem reflektierenden Team in der Familientherapie (vgl. z.B. G.Weber, F.Simon (1987), Selvini-Palazzoli u.a. (1981), T.Andersen (1990).Google Scholar
  8. 8.
    Im Sinne selbstorganisierter Gruppen und Initiativen als Oberbegriff für den ganzen Bereich der Selbsthilfe, des alternativen Wirtschaftens und sozialer Aktionen (vgl. Badelt 1980).Google Scholar
  9. 9.
    So klassifiziert Kreutz (1985) 50% seiner repräsentativen Stichproben von alternativen Projekten (100) in zwei Ballungsräumen als fremdinitiiert. Bei genauer Analyse läßt sich immer etwas und jemand finden, das/der “von außen” die Gründung angestoßen bat, ohne selbst beteiligt zu sein. Trotzdem sind die Projekte nach ihrer Selbsteinschätzung selbstinitiiert.Google Scholar
  10. 10.
    Zur unterschiedlichen Dynamik von “realen” und “künstlichen, befristeten Gruppen” z.B. Neidhart 1983a S.13: Gruppendynamik und ihre Gruppen produzieren lehnreiche Erfahrungen, aber wenig Erkenntnisse über die Gesellschaftlichkeit von Gruppen und ihre Bedeutung für die beteiligten Personen und ihre Umwelt. Sie haben keine gemeinsame Zukunft und Vergangenheit und die Prozesse und Strukturen, die aus dauerhaften persönlichen Beziehungen von einer gewissen “Hafttiefe” an in Gruppen entstehen, finden in Laboratorien gar nicht statt.“ Genau diese geringere Hafttiefe eröffnet ja den speziellen Experimentierraum dieser Gruppen, in dem alte Verhaltens-und Wahrnebmungsmuster nicht immer wiederholt werden müssen.Google Scholar
  11. 11.
    D.Claessens (1977) unterscheidet zwischen Gruppen erster Ordnung und zweiter Ordnung und meint damit Basisgruppen der unmittelbar Beteiligten und Gruppen von Vertretern aus Gruppen, die dort ihre Arbeit koordinieren, sich absprechen etc.. Untersucht werden hier v.a. Gruppen erster Ordnung, wobei sich zeigen wird, daß diese Unterscheidung für selbstorganisierte Gruppen nicht ganz trägt, weil sich die Gruppen nicht einfach in hierarchische Beziehungen zueinander einordnen lassen.Google Scholar
  12. 12.
    Z.B. Asam, Heck, Schneider (1984), Schneider (1983) für Selbsthilfegruppen Behinderter, Schaeffer D. (1984) für Selbsthilfegruppen krebskranker Frauen, und schon breiter angelegt H.Kreutz (1985) für alternative Projekte, E.Halves, H-W. Wetendorf in Trojan (Hrsg.)(1986) für Gesundheitsselbsthilfegruppen.Google Scholar
  13. 13.
    Diese These, daß die Gruppenstruktur das Abbild der Projektion der Aufgabe auf die Gruppe ist und daß Aufgaben um so besser erfiillt werden, je perfekter Struktur und Aufgabe sich decken, stammt - in Anlehnung an die französische Gruppendynamik - von v.Cranach (1986). Ihr am Beispiel einer Segelcrew entwickeltes Modell erscheint mir allerdings zu strukturkonservativ: Eine Segelmannschaft braucht wahrscheinlich einen Kapitän, um bei Manövern schnell koordiniert handeln zu können, aber die Ausgestaltung der Rolle kann sehr variieren, ohne mit der Aufgabe irgend etwas zu tun zu haben. Wie G.Homans schon formuliert, bleibt eine Differenz zwischen dem äußeren (Aufgabe) und dem inneren (die informellen Beziehungen) System der Gruppe (vgl.1960, S. 124 ). Das entspricht einer Systemsicht, die zwischen dem Zweck eines Systems, also seiner Aufgabe und seinem Ziel, und den Systemfunktionen wie Entstehung, Erhalt und Veränderung eines Systems, unterscheidet. Ersteres gehört zur Umwelt des Systems, das zweite wird dem System selbst zugerechnet.Google Scholar
  14. 14.
    In der Literatur fmden sich ähnliche Differenzierungen bei:Google Scholar
  15. E.Halves und H. Wettendorf (1986) (s. Kap.II 3.1.2.); sie betonen, daß die Gesundheitsselbsthilfegruppen sich von einer inneren zu einer äußeren Orientierung entwickeln (können).Google Scholar
  16. F.Schliehe (1989) unterscheidet zwei “Strukturtypen” von Selbsthilfegruppen: Den identitätsorientierten Typ (mit den Merkmalen der persönlichen Betroffenheit und der gegenseitigen Unterstützung in Bezug auf ein Problem, LB. Sprechbehinderten-Initiative) und den zweckorientierten Typ mit einer bestimmten Aufgabe (z.B. Arbeitsbeschaffung fair arbeitslose Lehrer). Dazwischen siedelt er einen “zieloffenen” Strukturtyp an (z.B. Mutter-Kind Gruppe), der Ziele in beide Richtungen entwickeln kann. Beide Typen haben nach seiner Untersuchung eine unterschiedliche Entwicklungsdynamik.Google Scholar
  17. H.Kreutz (1985) differenziert seine Stichprobe alternativer Projekte anhand von zwei Dimensionen:Google Scholar
  18. 15.
    K. Lewin sieht im möglichst vollständig erfaßten, konkreten Einzelfall einschließlich seiner Umgebung die Möglichkeit der Wahrheitsfindung (1931, 1981, S. 233–278). Dieses Vorgehen ist bei der Untersuchung von Gruppenprozessen üblich. Die Regelmäßigkeiten in den Interaktionen und den Entwicklungsstufen etc. wurden an möglichst konkret und umfassend dokumentierten Einzelfällen untersucht. (vgl. D. Sandner 1978, S. 198 ff. für Erforschung selbstanalytischer Gruppen).Google Scholar
  19. 16.
    Zur Entwicklung von typischen Grundmustern und Idealtypen aus qualitativen Interviews U. Gerhardt, 1986 S. 86–103Google Scholar
  20. 17.
    Dazu sehr eindrücklich G. Bateson (1982, S.54 ff)Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1992

Authors and Affiliations

  • Karl Schattenhofer
    • 1
  1. 1.GroßhesseloheDeutschland

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