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Sozialer Austausch und die Medientheorie

  • Karl-Heinz Saurwein
Chapter
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Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 109)

Zusammenfassung

Will man die grundlegende handlungstheoretische Perspektive der Medientheorie kennzeichnen, dann ist es sinnvoll, sich des kybernetischen Informations-Energie-Schemas zu erinnern, durch welches die “symbolischen” Dimensionen der kulturellnormativen Konstrukte und die “reale” Dimension der relevanten Objekte, der Ziele und Interessen der Akteure miteinander verknüpft werden.2 Die Interpretation, die PARSONS dieser Unterscheidung gibt, ist keine Paraphrasierung des alten Kausalschemas der “Ideal und Realfaktoren”. Diese dualistische Betrachtungsweise reduziert die Theorieentwicklung auf die klassische Antinomie zwischen Idealismus und Realismus. PARSONS geht es gerade darum, Prozesse der Institutionalisierung normativer Muster als Kombination informationaler und energetischer Faktoren zu deuten. Institutionalisierte Werte und Normen sind daher weder eine Emanation ihres kulturellen Bedeutungsgehalts noch bloße Widerspiegelung materieller Interessen oder physischer Bedingungen des Handelns. Sie sind in bezug auf reale Objekte, Situationen und Ziele interpretierte Definitionen des Wünschenswerten.3

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Literatur

  1. 2.
    Die Unterscheidung von “real” und “symbolisch” darf nicht auf die Gegenüberstellung von sprachlichen Objekten einerseits und der physikalischen Beschaffenheit einer Sache andererseits reduziert werden. So besteht die “reale” Seite ökonomischer Prozesse für eine ökonomische Theorie nicht in der Analyse der stofflichen Beschaffenheit der Güter, sondern in deren Signifikanz als “nützliche” Gebrauchswerte. “Güter” im ökonomischen Sinn sind neben materiellen Gütern auch Dienstleistungen oder bestimmte Informationen. Der Güterbegriff ist ein analytisches Konzept und somit als eine primäre Abstraktion zu betrachten.Google Scholar
  2. 3.
    Bereits in SSA wird der Begriff des Handelns als intermediäres System eingeführt, welches durch symbolisch-kulturelle und mechanisch-natürliche Prozesse gesteuert wird. Entsprechend auch die Unterscheidung zwischen drei Systemen des Wissens: Kultur-, Handlungs-und Naturwissenschaften. Vgl. SSA, S. 762. Durch das kybernetische InformationsEnergie-Modell wird dieser Bezugsrahmen verfeinert: Symbole kontrollieren Objekte nicht einfach per Zuordnung, sondern sie üben ihre Kontrollfunktion über die Bindung von “Energie” aus. Vgl. T. Parsons, Action, Symbols, and Cybernetic Controls, in: I. Rossi (ed.), Structural Sociology, New York 1982, S. 49–65; The Point of View of the Author, op. cit., S. 356; Zur Anwendung des Parsons’schen Institutiona-lisierungskonzepts vgl.: L.H. Mayhew, Stability and Change in Legal Systems, in: B. Barber & A. Inkeles (eds.), Stability and Social Change, Boston 1971, S. 187–210.Google Scholar
  3. 4.
    So können Geldzeichen zwar als Symbol für ökonomische Werte oder als Anweisung auf ökonomische Güter verstanden werden; hieraus ergibt sich jedoch nicht automatisch die Bereitschaft zur Annahme und Weiterverwendung von Geld. Vgl. auch: T. Parsons, Some Problems, op. cit., S. 241, CI, S. 406–409.Google Scholar
  4. 5.
    Der Zeitdimension liegt sowohl die Unterscheidung von Ziel und Mittel im ursprünglichen Handlungsschema als auch die Unterscheidung zwischen instrumentellen und konsumatorischen Bezügen im A G I L Schema zugrunde. Die Parallele zum ökonomischen Konzept der “Zeitpräferenz” und zu der Unterscheidung zwischen produktiven Aufwendungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode wird hier besonders deutlich. Vgl. SSA, S. 43 ff.; Some Problems of General Theory in Sociology, op. cit., insb. S. 229–232.Google Scholar
  5. 6.
    Aus dem Interchangemodell ergeben sich zwei Ansatzpunkte: Der eine betrifft die Rolle normativer Faktoren bei der “Determination” von Handeln, der andere betrifft die Rolle unterschiedlicher Interessen bei der Anpassung an veränderliche Bedingungen der Situation. Normative Muster werden als eine latente Struktur aufgefaßt, die sich in konkreten Austauschprozessen manifestieren. Medien überbrücken diese Differenz, indem sie relevante Ressourcen bezeichnen können und gleichzeitig den normativen Kontext ihrer Verwendung symbolisieren. Unter dem Aspekt der Fluktuation von Interessen und situativen Anpassungsstrategien können Medien sowohl als generelle Indikatoren von Interessenschwankungen als auch als Bezugspunkt von konkreten Dispositionen aufgefaßt werden. Vgl. T. Parsons, Soziale Struktur und die symbolischen Tauschmedien, op. cit., S. 96–97.Google Scholar
  6. 7.
    Dies ist nicht so zu verstehen, als könnten Makro-Zustände aus der Aggregation von isoliert getroffenen, individuellen Entscheidungen abgeleitet werden oder umgekehrt, als seien Mikro-Zustände allein durch makroskopische Strukturen streng determiniert. Makroskopische Strukturen stellen eher langfristig wirkende Größen dar, die gegenüber kurzfristigen Fluktuationen und Bewegungen ihrer einzelnen Elemente relativ invariant sind. Sie beeinflussen die Mikroebene durch eine Definition und Begrenzung von Realisierungsmöglichkeiten mittels bestimmter Informationen und nicht durch streng deterministische Zuordnungen.Google Scholar
  7. 8.
    Auf die eigentümliche Verknüpfung von Freiheit und Bindung, von Individualisierung und Vergesellschaftung hat vor allem Simmel am Beispiel des Geldes aufmerksam gemacht. Dieser Grundgedanke ist für das Verständnis der allgemeinen Medientheorie bei Parsons von zentraler Bedeutung. Vgl. G. Simmel, Das Geld in der modernen Kultur, in: Schriften zur Soziologie, (hrsg. u. eingeleitet von H.J. Dahme u. O. Rammstedt) Frankfurt 1983 (1896), S. 78–94.Google Scholar
  8. 9.
    Auf diesen Aspekt haben schon Tönnies und insbesondere Simmel aufmerksam gemacht. G. Simmel, Die Kreuzung sozialer Kreise, in: Soziologie, Berlin 1968 (1908), S. 305–344; F. Tönnies, Einführung in die Soziologie, Stuttgart 1981 (1931), S. 63–73; zum Begriff der gesellschaftlichen Gemeinschaft: T. Parsons, Das System moderner Gesellschaften, München 1976, S. 22–29, S. 111–120; Equality and Inequality in Modern Society, or Social Stratification Revisited, in: Social System and the Evolution of Action Theory, op. cit., insb. S. 326–346 (321–380).Google Scholar
  9. 10.
    So interpretiert Heinemann Geld als Ersatz für sozialnormative Bindungen. Demgegenüber läßt sich gerade mit Simmel argumentieren, daß Geld nicht nur erweiterte Bindungen schafft, sondern auch wesentlich zur Herausbildung egalitärer und universalistischer Normen beigetragen hat. Vgl. K. Heinemann, Grundzüge einer Soziologie des Geldes, Stuttgart 1969, S. 119; G. Simmel, Das Geld in der modernen Kultur, op. cit., insb. S. 82 ff.Google Scholar
  10. 11.
    Vgl. G. Simmel, Die Kreuzung sozialer Kreise, op. cit., S. 326–328Google Scholar
  11. 12.
    Vgl. T. Parsons, Soziale Struktur und die symbolischen Interaktionsmedien, op. cit., insb. S. 93–101.Google Scholar
  12. 13.
    Der Generalisierungseffekt besteht darin, daß die Fähigkeit der Sanktionierung relativ unabhängig von den Besonderheiten der Situation, den beteiligten Personen und den Austauschobjekten ist. Hier ist in Analogie zum Sprachmodell zwischen der Verfügung über Medien (Kapazität), der Kompetenz im Umgang mit Medien und der konkrete Gebrauch (Performanz) von Medien zu unterscheiden. Wer über Geld verfügt, hat nicht notwendigerweise auch das entsprechende Wissen über Geld und wer das Wissen hat, muß nicht notwendigerweise immer den richtigen Gebrauch davon machen.Google Scholar
  13. 14.
    Vgl. VC, S. 444–446.Google Scholar
  14. 15.
    Die Zuordnung von Medien auf dem “Positiv-Negativ”-Schema ist m.E. nicht sinnvoll, da alle Medien beide Bedeutungen annehmen können. Vgl. die modifizierte Fassung in Teil II, Kap. 1.Google Scholar
  15. 16.
    So kann z.B. im Fall von Geld ein Akteur signalisieren, daß mangelnde Tauschbereitschaft mit der Nutzung anderer Offerten “bestraft” bzw. ganz auf einen Austausch verzichtet wird. Vgl. VC, S. 448.Google Scholar
  16. 17.
    Die Wechselseitigkeit des Vorteils stellt eine Bedingung vertraglich sanktionierter Austauschbeziehungen dar. Vgl.Google Scholar
  17. 18.
    ES, Vgl. S. 108. PP, S. 369–371.Google Scholar
  18. 19.
    Vgl. CI, S. 410.Google Scholar
  19. 20.
    Vgl. CI, S. 410; VC, S. 443–444.Google Scholar
  20. 21.
    Vgl. CI, S. 415–419.Google Scholar
  21. 22.
    Vgl. VC, S. 456.Google Scholar
  22. 23.
    Vgl. VC, S. 444.Google Scholar
  23. 24.
    Vgl. die Kategorien “Sein” und “Haben” bei: E. Fromm, Haben und Sein, München 1979, S. 195 ff., S. 203 ff.Google Scholar
  24. 25.
    Vgl. ES, S. 71 f, S. 77, S. 79 f.Google Scholar
  25. 26.
    Vgl. den technischen Anhang in: PP, S. 397–404; AU, S. 426434.Google Scholar
  26. 27.
    Parsons stellt die Explikation der Input-Output Kategorien als einen Kompromiß zwischen dem Anspruch auf theoretische Generalität und empirisch identifizierbaren Bezügen dar. Vgl. AU, S. 431.Google Scholar
  27. 28.
    Vgl. ES, S. 156–161.Google Scholar
  28. 29.
    Vgl. CI, S. 410–415.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1988

Authors and Affiliations

  • Karl-Heinz Saurwein

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