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Was bedeutet Genialität in der Wissenschaft?

  • Gerald Holton
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Zusammenfassung

Wissenschaftshistoriker kehren immer wieder zu den epochemachenden Beiträgen von Newton, Niels Bohr, Darwin oder Freud zurück. Obgleich die Geschichte der Wissenschaft nicht primär dem Studium der Arbeit von „Genies“ gewidmet ist, kann der Historiker es doch nicht vermeiden, immer wieder den primären oder sekundären Einfluß einiger weniger außergewöhnlicher richtungsweisender Arbeiten zur Kenntnis zu nehmen. Gerade die Urheber dieser Arbeiten sind oft von Rätseln umgeben.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Leopold Infeld, Albert Einstein,.sein Werk und sein Einfluß auf unsere Welt (Wien 1953 ), S. 120Google Scholar
  2. 2.
    Derartige „Oszillationen“ wurden beispielsweise in Antonina Vallentin, Einstein: A Biography (London 1954), S. 27, beschrieben.Google Scholar
  3. 3.
    Albert Einstein, Mein Weltbild (Querido, Amsterdam 1938), S. 109. In dem einleitenden Aufsatz der Sammlung „Science et Synthese“ (Paris 1967), S. 28, schreibt Ferdinand Gonseth bezüglich der methodologischen Autonomie von Einsteins frühen Arbeiten: „ich glaube, daß die Wurzeln alles folgenden in seiner Annahme der Freiheit lagen, einen Beweis zugunsten einer Überzeugung, die sich aus der Suche nach der Wahrheit ergab, ablehnen zu dürfen.”Google Scholar
  4. 4.
    Gerald Holton, Science and New Styles of Thought, The Graduate Journal 7, 399–422 (1967)Google Scholar
  5. 5.
    Siehe dazu einen von Einsteins frühesten Briefen (1905) an seinen Freund Conrad Habicht, zitiert in Carl Seelig, Albert Einstein (Europa Verlag, Zürich 1954; s. a. den vorangehenden Aufsatz). An Maurice Solovine schrieb Einstein ein Jahr später, bald nach der Veröffentlichung seiner ersten Arbeiten zur Relativitätstheorie und in weitere Forschungen vertieft: „Mir selbst gerät gegenwärtig nicht gerade viel in wissenschaftlicher Beziehung, bald komme ich schon ins stationäre und sterile Alter, wo man über revolutionäre Gesinnung der Jungen wehklagt “ [Albert Einstein, Briefe an Maurice Solovine (Edition Gauthier-Villars, Paris 1956) S. 4]Google Scholar
  6. 6.
    Einsteins Biograph Philipp Frank wies darauf hin, daß dieses Paradoxon ihn während der ganzen Studienzeit am Polytechnikum in Zürich beschäftigte: „Er studierte alle Werke der großen Physiker daraufhin, ob sie zu der Lösung dieses Problems von der Natur des Lichtes etwas beitragen könnten.“ [Philipp Frank, Einstein, sein Leben und seine Zeit ( Vieweg, Braunschweig 1979 ), S. 401Google Scholar
  7. 7.
    Ich danke Professor Pelseneer für eine Kopie dieses sechsseitigen Aufsatzes. Dem Begleitbrief, den Einstein zusammen mit dem Aufsatz an seinen Onkel Caesar Koch sandte, fügte er später handschriftlich hinzu: „1894 oder 95. A. Einstein (Datum 1950 angegeben).“ Diese Arbeit entstand also wahrscheinlich während der Zeit, in der sich der fünfzehn-oder sechzehnjährige Junge auf die Aufnahmeprüfung am Polytechnikum vorbereitete.Google Scholar
  8. 8.
    Die Bedeutung und Gültigkeit von Kindheitserfahrungen dieser Art für Wissenschaftler und Erfinder wurde bisher nicht ausreichend untersucht, obwohl interessantes Material existiert. Zu erwähnen sind hier die Berichte über Newtons Konstruktion von Spielsachen und Ernst Machs Bericht über den bleibenden Eindruck, den ihn der Besuch bei einer windgetriebenen Getreidemühle machte. Auf die Frage, wie er und sein Bruder Wilbur zur Fliegerei kamen, antwortete Orville Wright: „Unser Interesse erwachte in der Kindheit. Unser Vater brachte uns ein kleines Spielzeug mit Gummimotor, das fliegen konnte. Wir bauten dieses Spielzeug öfter nach, und es flog erfolgreich.“Google Scholar
  9. 9.
    Kurz nach dem Entwurf dieser Arbeit fand ich einen ähnlichen Hinweis auf „bestimmte Spannungen“ in dem Vorwort von Russell McCormmach, dem Herausgeber der „Historical Studies in the Physical Sciences” (Philadelphia 1970) zu Band II, S. X—Xl. Brieflich hat mich Professor McCormmach auch auf C. P. Snows Skizze über Einstein in „A Variety of Men“ (New York 1967) hingewiesen, in der auf die Existenz von Paradoxa hingewiesen wird. Literarische Figuren wurden öfter in dieser Weise analysiert. Eines der weniger bekannten Beispiele mag vielleicht V.I. Lenins beißende Diskussion der „schreienden Widersprüche in Tolstojs Arbeit, Ansichten und Doktrinen” sein [Leo Tolstoj als Spiegel der russischen Revolution (1908)].Google Scholar
  10. 10P.
    A. Schilpp (Hrsg.), Albert Einstein als Philosoph und Naturforscher ( Reprint bei Vieweg, Braunschweig 1979 ), S. 504–505Google Scholar
  11. 11.
    Hermann Weyl, Symmetrie (Princeton, 1952 ), S. 17, 130, 132Google Scholar
  12. 12.
    Eine detaillierte Diskussion von Einsteins Ablehnung von ad-hoc-Elementen in der Physik findet sich in meiner Abhandlung „Die Ursprünge der speziellen Relativitätstheorie“, Abschnitt III dieses Buches.Google Scholar
  13. 13.
    J Hadamard, The Psychology of Invention in the Mathematical Field, (Princeton 1945 ), S. 142–143Google Scholar
  14. 14.
    Einstein hätte hier auch „audio-visuell“ schreiben können. Siehe seine Bemerkungen zu R.S. Shankland [American Journal of Physics 31, 50 (1963)]: „Wenn ich lese, so höre ich die Worte. Schreiben fällt mir schwer und ich kommuniziere auf diese Art sehr schlecht.”Google Scholar
  15. 15.
    Max Wertheimer in dem Kapitel The Thinking That Led to the Theory of Relativity, in „Productive Thinking“ (New York 1945), S. 184. Wertheimers Bemerkungen zur Psychologie sind wertvoll, seine Ansichten über Physik weniger gut begründet.Google Scholar
  16. 16.
    Diese “Tatsache geht auch aus Bemerkungen hervor, die Einstein 1938 machte und die 1971 veröffentlicht wurden: „Ich begreife Dinge genauso schnell wie in meiner Jugend. Meine spezielle Fähigkeit liegt in der Visualisierung von Effekten, Konsequenzen und Möglichkeiten und ihre Folgerungen für die Entdeckungen anderer. Ich verstehe große Zusammenhänge sehr leicht. Mathematische Berechnungen fallen mir dagegen nicht leicht. Ich führe sie nicht gerne und nicht bereitwillig aus.” (Hervorhebung von G. H.).Google Scholar
  17. 18.
    Im Anhang der vierten Auflage von Pestalozzis Buch „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“ (Leipzig 1880), S. 184–185.Google Scholar
  18. 19.
    Diese Haltung könnte zu einem Gutteil die von Richter berichtete (S. 184) Opposition gegen Pestalozzi erklären, die wegen seiner Bemerkungen über den Religionsunterricht entstand, und erklären, warum sein Werk als „Entfremdung von Christus“ betrachtet wurde.Google Scholar
  19. 20.
    Vergleiche Carl Seelig (Hrsg.) Helle Zeit — Dunkle Zeit (Europa-Verlag, Zürich 1956 ), S. 9. [Roman Jakobson weist in „verbal Communication“ im Scientific American vom September 1972 auf die Inspiration hin, die von Jost Winteler auf seinen jungen Kostgänger ausgegangen sein mag. Winteler war einer der Begründer der Linguistik und wurde für die Einführung von Begriffen wie „konfigurative Relativität” und von Symmetrieeigenschaften von Schallmustern bekannt.]Google Scholar
  20. 21.
    Vergleiche Carl Seelig, Albert Einstein (Europa Verlag, Zürich 1954 ), S. 16 und S. 21–24. Die Schule in Aarau war auch betont antiklerikal, wie einige von Einsteins Schulkollegen berichteten.Google Scholar
  21. 22.
    Siehe dazu beispielsweise Friedrich Herneck, Albert Einstein ( Buchverlag der Morgen, Berlin 1967 ), S. 49Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1984

Authors and Affiliations

  • Gerald Holton

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