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Die Ursprünge der speziellen Relativitätstheorie

  • Gerald Holton

Zusammenfassung

Einsteins Arbeiten zur Relativitätstheorie weisen sowohl außergewöhnliche wie auch typische Züge auf. Der Aufstieg der Relativitätstheorie hat viele Aspekte mit dem Aufstieg anderer wissenschaftlicher Theorien unserer Zeit gemeinsam. Doch ist er zugleich viel mehr: Um ein anderes Werk zu finden, das in so reichhaltiger Weise die Beziehung zwischen Physik, Mathematik und Erkenntnistheorie illustriert, oder auch die Relationen zwischen Theorie und Experiment oder um eine Untersuchung mit dem gleichen Umfang an wissenschaftlichen, philosophischen und allgemeinen intellektuellen Folgerungen, müßte man bis auf Newtons Principia zurückgehen. Die Theorie der Relativität nimmt eine Schlüsselstelle, sowohl in der Wissenschaft, als auch in der Wissenschaftstheorie ein. Der Grund für ihre doppelte Bedeutung ist, daß Einsteins Werk nicht nur ein neues Prinzip der Physik lieferte, sondern, wie dies A. N. Whitehead sagte, „Ein Prinzip, eine Vorgangsweise und eine Erklärung.“ Entsprechend können die Kommentare über die historischen Ursprünge der Relativitätstheorie im allgemeinen in zwei Klassen eingeteilt werden, die jeweils hervorragende Proponenten aufweisen: die eine sieht die Relativitätstheorie als Mutante, als diskontinuierliche Veränderung in bezug auf die Arbeiten der unmittelbaren Vorgänger Einsteins; die andere sieht in ihr eine Ausarbeitung der damals aktuellen Forschungen vor allem von H.A. Lorentz und H. Poincaré.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Zitiert in Carl Seelig (Hrsg.), Helle Zeit — dunkle Zeit ( Europa Verlag, Zürich 1956 ) S. 25Google Scholar
  2. 2.
    Siehe dazu G. Holton, Einsteins scientific programm: the formative years, in Harry Woolf (Hrsg.), Some Strangeness in the Proportion (Addison-Wesley, Reading, Mass. 1980 )Google Scholar
  3. 3.
    Brief an von Laue vom 17. Januar 1952 (unveröffentlicht). Siehe auch Max Born, Physics and Relativity, in: André Mercier und Michael Kervaire (Hrsg.) Fünfzig Jahre Relativitätstheorie ( Birkhäuser, Bern 1956 ), S. 248–249.Google Scholar
  4. 4.
    Albert Einstein, Autobiographisches, in Paul A. Schilpp (Hrsg.), Albert Einstein als Philosoph und Naturforscher ( Vieweg, Braunschweig 1979 )Google Scholar
  5. 5.
    Albert Einstein, Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt, Annalen der Physik 17, 132 (1905). Abgedruckt in D. Ter Haar (Hrsg.), Quantentheorie, Einführung und Originaltexte, Berlin 1969Google Scholar
  6. 6.
    Albert Einstein, Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen, Annalen der Physik 17, 560 (1905) Albert Einstein, Zur Theorie der Brownschen Bewegung, Annalen der Physik 19, 371–381 (1906)Google Scholar
  7. 8.
    Siehe Ref. 4 und Leopold Infeld, Albert Einstein, ein Werk und sein Einfluß auf unsere Welt (Schönbrunn-Verlag, Wien 1953 )Google Scholar
  8. 9.
    Albert Einstein, Zur Elektrodynamik bewegter Körper, Annalen der Physik 17, 891 (1905)Google Scholar
  9. 10.
    Ref 9, S. 921Google Scholar
  10. 11.
    Albert Einstein, Das Raum-Äther-und Feld-Problem der Physik, in: Mein Weltbild (Ullstein, Berlin 1975) S. 144: „Die Relativitätstheorie ist ein schönes Beispiel für den Grundcharakter der modernen Entwicklung der Theorie. Die Ausgangshypothesen werden nämlich immer abstrakter, erlebnisferner. Dafür aber kommt man dem vornehmsten wissenschaftlichen Ziele näher, mit einem Mindestmaß von Hypothesen oder Axiomen ein Maximum von Erlebnisinhalten durch logische Deduktion zu umspannen.“Google Scholar
  11. 12.
    H.A. Lorentz, Electromagnetic Phenomena in a System Moving with Any Velocity Smaller Than That of Light, Kon. Akademie van Wetenshappen Amsterdam, Proceedings of the Section of Sciences 6, 809–831 (1904). Deutsch in: Elektromagnetische Erscheinungen in einem System, das sich mit beliebiger, die des Lichtes nicht erreichender Geschwindigkeit bewegt, in: H.A. Lorentz, A. Einstein, H. Minkowski, Das Relativitätsprinzip, eine Sammlung von Abhandlungen ( Wissenschaftliche Buchgememeinschaft, Darmstadt 1958 )Google Scholar
  12. 13.
    Albert Einstein, Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie (Vieweg, Braunschweig 1979), S. 28. Siehe auch Albert Einstein, Zum Relativitätsproblem, Scientia 15, 337 (1914)Google Scholar
  13. 14.
    Wolfgang Pauli, Relativitätstheorie, Band 5 der Enzyklopädie der Mathematischen Wissenschaften (Teubner, Leipzig 1921) betont diesen Punkt unbeabsichtigterweise bei der Zusammenfassung seiner Analyse der RT: „Das Relativitätspostulat besagt implizite, daß eine gleichförmige Translation des Schwerpunktes des Weltalls relativ zu einem abgeschlossenen System auf die Erscheinungen in diesem ohne Einfluß ist.“ Dies entspricht der Haupthypothese in der letzten Auflage der Principia.Google Scholar
  14. 15.
    Vgl. Max von Laue, Einstein und die Relativitätstheorie, Naturwissenschaften 43, 1–8 (1956)Google Scholar
  15. 16.
    Albert Einstein, Les Prix Nobel en 1921–1922 (Stockholm, 1923), S. 2. Siehe auch Albert Einstein, Dialog über Einwände gegen die Relativitätstheorie, Naturwissenschaften 6, 697–702 (1918)Google Scholar
  16. 17.
    Die Betrachtung gewisser „Revolutionen“ als Rückkehr zu einer imaginären klassischen Reinheit habe ich in dem Aufsatz behandelt: „”Thematic and Stylistic Interdependence“, in: Thematic Origins of Scientific Thoughtl: Kepler to Einstein (Cambridge Univ. Press, 1973), S. 109–112Google Scholar
  17. 18.
    Sir Edmund Whittaker, Albert Einstein, Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society ( Royal Society, London 1955 ), S. 37–67Google Scholar
  18. 19.
    Sir Edmund Whittaker, A History of the Theories of Aether and Electricity: From the Age of Descartes to the Close of the Nineteenth Century (Longmans, London und New York 1910; erweiterte Neuauflage 1951 )Google Scholar
  19. 20.
    Sie Edmund Whittaker, A History of the Theories of Aether and Electricity: The Modern Theories, 1900–1926 ( Nelson, London 1953 ), S. 40Google Scholar
  20. 21.
    J. H. Poincaré, L’Etat actuel et l’avenir de la physique mathématique, Bulletin des Sciences Mathématiques (1904), Première Partie, 302–324Google Scholar
  21. 22.
    H.A. Lorentz, Proc. Acad. Sci. Amst. (English ed.) 6, 809 (1903)Google Scholar
  22. 23.
    Siehe Ref 18, S. 42Google Scholar
  23. 24.
    Siehe Ref 1, S. 89Google Scholar
  24. 25.
    Siehe Ref. 1, S. 97Google Scholar
  25. 26.
    Siehe dazu den Aufsatz „Einsteins Suche nach dem Weltbild“ in diesem Band. Tatsächlich benutzte Eintein den Ausdruck „revolutionär” zur Charakterisierung seiner Arbeiten nur in dem Brief des Jahres 1905 an Habicht, in dem er sich auf die Quantentheorie des Lichtes bezog. Er meinte damit, wie er immer wieder betonte, daß sein Vorschlag des Photons ad hoc war und damit nicht grundlegend.Google Scholar
  26. 29.
    Brief von A. Einstein an Carl Seelig, abgedruckt in: Technische Rundschau 47, Bern, 6. Mai 1955, sowie in Max Born, Ref 3, S. 248Google Scholar
  27. 30.
    Siehe dazu die Anmerkung zu A. Einsteins „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ in Ref 12, S. 26. Die von Arnold Sommerfeld stammende Anmerkung lautet „Die im vorhergehenden abgedruckte Arbeit von H.A. Lorentz war dem Verfasser noch nicht bekannt.” Auch Lorentz hat in seinen Vorlesungen und Veröffentlichungen wiederholt auf die Neuheit und Unabhängigkeit von Einsteins Werk in großzügiger Weise hingewiesen. Siehe dazu auch Ludwig Silberstein, The Theory of Relativity (McMillan and Co, London 1924), sowie seine Anmerkung zu der 1912 erschienenen Ausgabe von „Das Relativitätsprinzip“, loc. cit.Google Scholar
  28. 31.
    Die Abhandlung von Lorentz (Ref. 12) wurde im Juni 1904 zunächst auf holländisch veröffentlicht. Damals sprach Einstein wahrscheinlich nicht holländisch und nur wenig, falls überhaupt, englisch. In einem Brief an Besso (1913 oder später) schreibt Einstein: „Ich lerne englisch (bei Wohlwand), langsam aber gründlich.“Google Scholar
  29. 32.
    Auch in anderen Fällen hat Einstein die wissenschaftliche Arbeit anderer unabhängig wiederholt. Die Untersuchungen der Jahre 1902–1905 über Thermodynamik und Fluktutionserscheinungen waren zum Großteil nicht neu, wie er selbst in seiner Autobiographie schreibt. Anton Reiser berichtet, daß Einstein an der Universität einen Apparat zur Messung der Atherdrift plante, wobei er nichts über Michelsons Experiment wußte.Google Scholar
  30. 33.
    H.A. Lorentz, Versuch einer Theorie der elektrischen und optischen Erscheinungen in bewegten Körpern (E. J. Brill, Leiden 1895 )Google Scholar
  31. 34.
    Die Gedenkrede „H. A. Lorentz als Schöpfer und Persönlichkeit“ eröffnet Einstein mit den Worten „Um die Jahrhundertwende wurde H. A. Lorentz von den theoretischen Physikern aller Nationen als der führende Geist betrachtet und dies mit volles Recht.” Siehe Albert Einstein, Aus meinen späten Jahren ( Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1979 ) S. 29Google Scholar
  32. 35.
    Diese Bemerkung macht Max von Laue, Einstein und die Relativitdtstheorie, Naturwissenschaften 43, 1–8 (1956). Er glaubt ebenfalls, daß Einstein die Lorentz’sehe Arbeit nicht kannte.Google Scholar
  33. 36.
    Max Born (Ref. 3), S. 248Google Scholar
  34. 37.
    H.A. Lorentz, Vorlesungen giber Theoretische Physik (Akadem. Verlagsges., Leipzig 1928 ) Band III, 2, S. 211Google Scholar
  35. 38.
    Whittaker (Ref. 20, S. 31) meint, daß Lorentz „eine Transformation erhielt, die in erster Ordnung von v/c exakt ist“. Strenggenommen gilt dies nur im Vakuum.Google Scholar
  36. 39.
    A. Einstein, M. Born, Briefwechsel 1916–1955 ( Nümphenburger Verlagsbuchhandlung, München 1969 ), S. 200Google Scholar
  37. 41.
    Henri Poincaré, Der Wert der Wissenschaft (Teubner, Leipzig 1910) (französische Erstauflage 1905), S. 140. Poincaré hatte bereits zuvor die Einführung neuer adhoc-Hypothesen in der damaligen Theorie elektrischer und optischer Phänomene verurteilt (Henri Poincaré, Rapports du Congres de Physique de 1900, S. 22–23). Lorentz nahm diese Einwände wichtig genug, um sie in Ref 12 zu erwähnen (S. 7): „Sicherlich haftet diesem Aufstellen von besonderen Hypothesen für jedes neue Versuchsergebnis etwas Künstliches an.“Google Scholar
  38. 42.
    Siehe z.B. A. Einstein, Briefe an Maurice Solovine (Gauthier-Villars, Paris 1956), S. VIII; A. Einstein, M. Besso Correspondence 1903–1955 (Hermann, Paris 1972; S. 464 (Brief vom 6.3.1952); Carl Seelig, Albert Einstein ( Europa Verlag, Zürich 1954 ), S. 69Google Scholar
  39. 43.
    Henri Poincaré, Wissenschaft und Hypothese (Teubner, Leipzig 1906) (französische Erstauflage 1902), Kapitel 5 und 7; Henri Poincaré, Der Wert der Wissenschaft (Ref. 41), S. 139, trägt die Überschrift „Das Prinzip der Relativität“. Weitere Zitate bei Augustin Sesmat, S.stèmes de Référence et Mouvements, Nr. 486, Actualités Scientifiques et Industrielles (Hermann, Paris 1937), S. 38–40. Siehe auch Henri Poincaré, The Principles of Mathematical Physics, Ansprache an den International Congress of Arts and Sciences, St. Louis 1904, veröffentlicht in The Monist 15, 1–24 (1905).Google Scholar
  40. 44.
    Louis de Broglie, Savants et Découvertes (Editions Albin-Michel, Paris 1951), S. 50. Das Zitat bezieht sich auf den Artikel Sur la dynamique de l’électron, Rendiconti del Circolo Matematico di Palermo 21, 129–176 (1906). Er wurde von Poincaré am 23. Juli 1905 vorgelegt. Eine Kurzfassung erschien in Comptes Rendus 140, 1504–1508 (1905). Einsteins Relativitätsarbeit ging bei den Annalen der Physik am 30. Juni 1905 ein.Google Scholar
  41. 45.
    Sesmat, (Ref. 43), S. 40Google Scholar
  42. 46.
    Henri Poincaré, Der Wert der Wissenschaft, S. 34–35Google Scholar
  43. 47.
    Henri Poincaré, Les Rapports de la matière et de l’éther, Journal de Physique 2, 360 (1912) und Letzte Gedanken ( Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1913 ), S. 223Google Scholar
  44. 48.
    Henri Poincaré, The Principles of Mathematical Physics, S. 19.Google Scholar
  45. 49.
    Jaques Hadamard, Le Problème des trois corps, in: Vito Voltera et al., Henri Poincaré, L’Oeuvre Scientifique, L’Oeuvre Philosophique ( Felix Alcan, Paris 1914 ), S. 88Google Scholar
  46. 50.
    Théo Kahan, Sur les Origines de la théorie de la relativité restreinte, Revue d’Histoire des Sciences et de Leurs Applications 12, 162 (1959)Google Scholar
  47. 51.
    Henri Poincaré, Letzte Gedanken (Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1913 ) S. 51. Das Prinzip der Relativbewegung in der klassischen Mechanik, das Poincare als die exakte Version des Prinzips der physikalischen Relativität betrachtete, gilt für das gesamte Universum und für ideale Festkörper und ist deshalb eine Konvention. Man kann zeigen, daß das von Poincaré in dem genannten Aufsatz zitierte Relativitätsprinzip von ihm im Jahre 1900 als „Prinzip der Relativbewegung“ und im Jahre 1904 von Lorentz als „Prinzip der Relativität” bezeichnet wurde. Poincaré erhob aber das letztere Relativitätsprinzip niemals in den Rang einer Konvention. Die Arbeiten von A. I. Miller enthalten weitere nützliche Diskussionen dieses Punktes.Google Scholar
  48. 52.
    Henri Poincaré, Wissenschaft und Methode (Teubner, Leipzig 1914 ) (französische Erstausgabe Paris 1908), S. 209. Das Kapitel enthält Abschnitte über „Das Prinzip der Relativität“… „Folgerungen aus dem Relativitätsprinzip” und „Der Kaufmannsche Versuch“. In der Fußnote zur deutschen Auflage ist bereits angemerkt, „daß Bucherer den Versuch wiederholt hat unter Anwendung neuer Vorsichtsmaßregeln, und daß er, im Gegensatz zu Kaufmann, Resultate erhalten hat, die die Lorentz-sehe Anschauung bestätigen”.Google Scholar
  49. 53.
    Eine detaillierte Diskussion findet sich in Kapitel 7 von H.A. Lorentz, Vorlesungen über Theoretische Physik IV, S. 114. Lorentz meint: „Auf Grund der Kaufmannsehen Resultate kann man zu keiner endgültigen Entscheidung zugunsten einer der zwei ‘l’heorieen gelangen“Google Scholar
  50. 54.
    Henri Poincaré, Wissenschaft und Hypothese, S. 167Google Scholar
  51. 55.
    Weitere Analysen von Poincarés Haltung finden sich in den Dissertationen zweier meiner Studenten: Stanley Goldberg, The Early Response to Einsteins Special Theory of Relativity, 1905–1911: A Case Study in National Differences (Harvard University thesis, 1968); Susan Presswood Wright, Henri Poincaré, A Developmental Study of His Philosophical and Scientific Thought, Vols. 1 und 2 (Harvard University thesis, 1975 ).Google Scholar
  52. 56.
    Oliver Lodge, The Geometrisation of Physics, and Its Supposed Basis on the Michelson-Morley Experiment, Nature 106, Nr. 2677 (1921)Google Scholar
  53. 57.
    Roger Cores, Vorrede zur zweiten Ausgabe von Newtons Principia Mathematica Philosophia Naturalis, deutsch von J. Wolfers ( Wissenschaftliche Buchgemeinschaft, Darmstadt 1963 ), S. 18Google Scholar
  54. 58.
    Alexander Koyré, Von der geschlossenen Welt zum unendlichen Universum, (Suhrkamp, Frankfurt 1969 ), S. 248, 249Google Scholar
  55. 59.
    Werner Heisenberg, The Representation of Nature in Contemporary Physics, Daedalus, Sommer 1958, S. 103–105Google Scholar
  56. 60.
    Hermann Weyl, Wissenschaft als symbolische Konstruktion des Menschen, Eranos Jahrbuch (Rhein-Verlag, Zürich 1949 ), S. 382, 427–428Google Scholar
  57. 61.
    Siehe dazu auch Gerald Holton, Einsteins Scientific Program: The Formative Years, in: Harry Woolf (Hrsg.), Some Strangeness in the Proportion: A Centennial Symposium to Celebrate the Achievements of of Albert Einstein ( Addison-Wesley Reading, MA 1980 )Google Scholar
  58. 62.
    Siehe Ref 8, S. 35Google Scholar
  59. 63.
    Auch andere Hochschulen waren nicht forschrittlicher als die ETH. Beispielsweise war die Elektrodynamik in Cambridge 1902 „kaum eingeführt“. „Maxwells Arbeit war zu neu und hatte noch nicht Lehrbuchreife erreicht.” ( Private Mitteilung von Ebenezer Cunningham an Mr. Stanley Goldberg).Google Scholar
  60. 64.
    Webers Nachfolger war der bekannte Physiker Pierre Weiss, der Einstein 1912 nach Zürich zurückbrachte.Google Scholar
  61. 65.
    Louis Kollros, Erinnerungen eines Kommilitonen, in: Carl Seelig, Helle Zeit — Dunkle Zeit (Europa Verlag, Zürich 1956), S. 17–31. Ref 4, S. 5Google Scholar
  62. 66.
    Die vom Patentamt zu Bern 1965 veröffentlichten „Erinnerungen an Albert Einstein“ halten fest, daß Einstein mit der Maxwellschen Theorie vertraut war. In einem Brief an Max von Laue (17. Januar 1952) schreibt Einstein: „Aber 1905 wußte ich schon sicher, daß sie [die Maxwellsche Theorie] zu falschen Schwankungen des Strahlungsdrucks führt…, nach meiner Ansicht kommt man nicht darum herum, der Strahlung eine objektive atomistische Struktur zuzuschreiben, die natürlich nicht in den Rahmen der Maxwellschen Theorie hineinpaßt.”Google Scholar
  63. 67.
    Erwähnenswert ist auch Einsteins Jugendwerk „Ober die Untersuchung des Ätherzustandes im magnetischen Feld“, das er seinem Onkel Caesar Koch 1894 oder 1895 schickte. Es enthält Hinweise, daß er Heinrich Hertz’ Arbeiten kannte (siehe S. 88). Möglicherweise hat Einstein Henri Poincarés Électricité et Optique (Georges Caré, Paris 1890) gelesen. Band I behandelt die Maxwellsche Theorie und Band II die Arbeiten von Helmholtz und Hertz. Es gibt jedoch diesbezüglich keine konkreten Hinweise.Google Scholar
  64. 68.
    Ref. 4, S. 20. Einsteins Briefwechsel enthält viele Hinweise auf den Einfluß Machs in den Entstehungsjahren der Relativitätstheorie. Besso erinnert Einstein 1947, daß er ihn 1897 oder 1898 auf Mach hingewiesen hat. In einem Brief vom B. August 1942 an A. S. Nash schrieb Einstein: „Mach hatte nicht nur durch seine Philosophie Einfluß, sondern auch durch seine Kritik an den Grundlagen der Physik.“Google Scholar
  65. 69.
    Stephen Brush, Thermodynamics and History, The Graduate Journal 7, 477–566 (1967)Google Scholar
  66. 70.
    Im Gegenteil, der wissenschaftliche Stil von H. A. Lorentz und Henri Poincaré hielt langsam nicht mehr Schritt mit den gewagten, nicht-klassischen Überlegungen der Curies, Rutherfords, Einsteins oder auch Plancks. In einem unveröffentlichten Brief vom 7. Oktober 1931 schreibt Max Planck an R. W. Wood (der Brief ist im American Institute of Physics, Center for the History of Philosophy of Physics deponiert): „Verehrtester Herr Kollege!Google Scholar
  67. 71.
    Sie äußerten neulich, nach unserem schönen Dinner in Trinity Hall, den Wunsch, ich möchte Ihnen einmal mehr von der psychologischen Seite der Überlegungen schildern, die mich seinerzeit zu der Aufstellung der Hypothese der Energiequanten geleitet haben. Ich will im folgenden Ihrem Wunsch nachzukommen suchen.Google Scholar
  68. 72.
    Kurz zusammengefaßt kann ich die ganze Tat als einen Akt der Verzweiflung bezeichnen. Denn von Natur bin ich friedlich und bedenklichen Abenteuern abgeneigt. Aber ich hatte mich nun schon seit sechs Jahren (von 1894 an) mit dem Problem des Gleichgewichts zwischen Strahlung und Materie herumgeschlagen, ohne einen Erfolg zu erzielen, ich wußte, daß dieses Problem von fundamentaler Bedeutung für die Physik ist, ich kannte die Formel, welche die Energieverteilung im normalen Spektrum wiedergibt; eine theoretische Deutung mußte daher um jeden Preis gefunden werden, und wäre er noch so hoch. Die klassische Physik reichte nicht aus, das war mir klar. Denn nach ihr muß die Energie im Laufe der Zeit von der Materie vollständig in die Strahlung übergehen. Damit sie das nicht tut, braucht man eine neue Konstante, welche dafür sorgt, daß die Energie nicht auseinanderfällt. Aber wie das zu machen ist, kann man nur erkennen, wenn man von einer bestimmten Anschauung ausgeht. Diese Anschauung wurde mir geliefert durch das Festhalten an den beiden Hauptsätzen der Wärmetheorie. Diese beiden Sätze erschienen mir als das einzige, was unter allen Umständen festgehalten werden muß. Im übrigen war ich zu jedem Opfer an meinen bisherigen physikalischen Überzeugungen bereit. Nun hatte Boltzmann das Zustandekommen des thermodynamischen Gleichgewichts erklärt durch das statistische Gleichgewicht, und wenn man diese Betrachtung anwendet auf das Gleichgewicht zwischen Materie und Strahlung, so findet man, daß das Abwandern der Energie in die Strahlung durch die Annahme verhindert werden kann, daß die Energie von vornherein gezwungen ist, in gewissen Quanten beieinander zu bleiben. Das war eine rein formale Annahme, und ich dachte mir eigentlich nicht viel dabei, sondern eben nur das, daß ich unter allen Umständen — koste es was es wolle — ein positives Resultat herbeiführen mußte……Google Scholar
  69. 74.
    Beitrage zur Technischen Mechanik und Technischen Physik (Springer, Berlin 1924), mit Beiträgen von Prandtl, Th. von Karman, u.a.. Föppl hatte großen Einfluß, vor allem innerhalb der Technischen Mechanik. 1904 führte er ein Kreiselexperiment zur Messung der Erddrehung durch und schrieb in der Folge 1914 einen Aufsatz „Über absolute und relative Bewegung“. Auch Mach zitiert Föppl im Vorwort (vom Januar 1901) der vierten Auflage der „Mechanik”.Google Scholar
  70. 76.
    A. Föppl, Einführung in die Maxwellsche Theorie der Elektrizität ( Teubner, Leipzig 1894 ), S. I VGoogle Scholar
  71. 77.
    Eine Eigentümlichkeit des Buches erklärt Föppl folgendermaßen: „Quellenangaben habe ich in diesem Buche grundsätzlich fortgelassen… Ich wollte kein Handbuch, sondern ein Lehrbuch schreiben, das möglichst aus einem Gusse sein sollte. Deshalb vermied ich es so viel als irgend thunlich, während der Bearbeitung die von mir früher gelesenen Schriften nachzuschlagen, um mich nicht unmittelbar von ihnen beeinflussen zu lassen. Von den Entwickelungen und den Ergebnissen anderer Autoren wollte ich mich nur so weit leiten lassen, als sie sich meinem Gedächtnisse fest eingeprägt und sich mit meinen eigenen Anschauungen innig verschmolzen hatten. Auf diese Art hoffte ich zu einer einheitlicheren und in sich besser gefügten Darstellung des ganzen Systems zu gelangen, als es im anderen Falle möglich gewesen wäre.“ (S. VII.).Google Scholar
  72. 78.
    Deshalb gibt es bemerkenswert wenige Hinweise auf tatsächliche Experimente (Das Michelson-Experiment und andere Atherdrift-Experimente bleiben ebenso wie alle anderen Versuche unerwähnt). Ref 77, S. 307Google Scholar
  73. 79.
    Philipp Frank, Einstein, His Life and Times, übersetzt von George Rosen, bearbeitet von Suichi Kusaka (Alfred A. Knopf, New York 1947 )Google Scholar
  74. 80.
    Philipp Frank, Einstein, sein Leben und seine Zeit (List, München 1949 ), S. 38; Reprint ( Vieweg, Braunschweig 1979 )Google Scholar
  75. 81.
    Da Max Abrahams Bearbeitung von August Föppls Buch erst 1904 erschien, muß hier Föppls Originalwerk gemeint sein.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1984

Authors and Affiliations

  • Gerald Holton

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